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Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter

dip / rede 22.03.2007 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 16 a und 16 b: Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter.

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Text

Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es würde mich natürlich reizen, Herrn Burgbacher direkt zu antworten; aber ich werde mir jetzt erst einmal ein paar andere Punkte herausgreifen, von denen ich denke, dass sie ein bisschen interessanter sind. Dann werden wir uns später mit Herrn Burgbacher beschäftigen. Warum machen wir uns eigentlich Sorgen um den Tourismus? Wir freuen uns doch, wenn wir, auch noch kostengünstig, Urlaub an schneeweißen Palmenstränden mit kristallklarem Wasser und unter einem makellos blauen Himmel machen können. Die Länder, die wir besuchen, freuen sich über Einkommen, Herr Burgbacher, und Arbeitsplätze; denn in vielen Entwicklungsländern hat sich der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige entwickelt, wenn nicht sogar zum einzigen. Gerade für Länder ohne Rohstoffe und mit schlechten landwirtschaftlichen Bedingungen bietet der Tourismus die einzige Möglichkeit zur Devisenbeschaffung; lassen Sie uns das einmal festhalten. Experten schätzen die Nettodeviseneinnahmen der Entwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten Länder auf 60 bis 80 Prozent.Aber der Tourismus, vor allem in seiner rücksichtslosen Form, schafft auch Probleme. Unkontrollierte Infrastrukturentwicklung wie zum Beispiel auf Mallorca – man sieht jetzt an den Protesten, dass das nicht mehr akzeptiert wird – zerstört nicht nur Flora und Fauna, sondern auch die Kulturlandschaft, und vor allen Dingen traditionelle Werte leiden beträchtlich. All das beeinträchtigt den Lebensraum der Menschen vor Ort. Die negativen Auswirkungen führen letztendlich dazu, dass das, was den Reiz der Region ausgemacht hat, verschwindet und die Touristen wegbleiben. Ziel muss es daher sein, einen nachhaltigen Tourismus zu erreichen. So ist das, Herr Burgbacher. Ich denke, es ist nur schlüssig und konsequent, wenn wir uns im Bereich der Entwicklungshilfe nicht nur mit den Chancen, die durch den Tourismus für Entwicklungsländer bestehen, beschäftigen, sondern auch ganz konkrete Projekte mitfinanzieren. Ich möchte zur Verdeutlichung einige Beispiele nennen. Ein gelungenes Beispiel ist das Projekt „Akha Experience“ in Laos, das im Rahmen einer Public Private Partnership – zu Deutsch: in Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privater Wirtschaft – entwickelt wurde. Das Bergvolk der Akha hat kaum Zugang zu sozialer Grundversorgung wie Gesundheit und Bildung und ist weitgehend von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ausgeschlossen. Mit der Unterstützung durch die GTZ und in Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter wurden in acht Dörfern lokale Akha-Guides ausgebildet, die auch Englischunterricht erhielten. Das Projekt trägt durch die Entwicklung der touristischen Infrastruktur zur Gemeindeentwicklung und Armutsbekämpfung bei – die Menschen profitieren also direkt davon – und hat als erstes PPP-Projekt in Laos Modellcharakter für weitere Projekte. In Montenegro zum Beispiel hat die positive Entwicklung in der Tourismusbranche den Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal steigen lassen. Allerdings stellt der nationale Arbeitsmarkt trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung. Die GTZ leistet hier vor allem bei der Reform des Berufsbildungssystems und durch die Ausbildung von Fach- und Führungskräften Unterstützung. Ziel des Vorhabens ist es, das touristische Angebot in Montenegro langfristig auf hohem Niveau sicherzustellen. In Uganda beispielsweise haben wir über die GTZ und die KfW die nationale Naturschutzbehörde beim Aufbau des Murchison Falls National Park unterstützt. Bis zum Bürgerkrieg – das ist das Traurige an der ganzen Geschichte – in den 70er- und 80er-Jahren war dieser Park mit den weltberühmten Wasserfällen eine bedeutende Touristenattraktion. Doch während des Bürgerkriegs wurde die Infrastruktur fast vollständig zerstört. Der Wildtierbestand von Elefanten und Nashörnern hat sich erheblich verringert. Ziel war es hier, nach dem Krieg wieder ein funktionsfähiges Schutzgebiet Gabriele Gronebergaufzubauen und den Tourismus zu fördern. Indem wir Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Wildhüter durchgeführt haben und die Infrastruktur wieder instand gesetzt haben, konnten wir die wirtschaftliche Grundlage für den Tourismus wiederherstellen. Was ist an diesen Maßnahmen bitte schön verkehrt? Wir helfen doch direkt, explizit den Menschen vor Ort. Ich sehe aber ein, dass das nicht reicht, auch wenn das gute Beispiele sind. Wir sehen weiteren Handlungsbedarf und vor allen Dingen weiteren Diskussionsbedarf. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, machen wir in unserem Antrag deutlich. Zum Antrag selbst wird der Kollege Hemker nachher noch einiges ausführen. Ich bedanke mich für Ihr Zuhören.

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