Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 16 a und 16 b: Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter.
Text
Rede von Gabriele Groneberg (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es
würde mich natürlich reizen, Herrn Burgbacher direkt zu
antworten; aber ich werde mir jetzt erst einmal ein paar
andere Punkte herausgreifen, von denen ich denke, dass
sie ein bisschen interessanter sind. Dann werden wir uns
später mit Herrn Burgbacher beschäftigen.
Warum machen wir uns eigentlich Sorgen um den
Tourismus? Wir freuen uns doch, wenn wir, auch noch
kostengünstig, Urlaub an schneeweißen Palmenstränden
mit kristallklarem Wasser und unter einem makellos
blauen Himmel machen können. Die Länder, die wir
besuchen, freuen sich über Einkommen, Herr Burgbacher,
und Arbeitsplätze; denn in vielen Entwicklungsländern
hat sich der Tourismus zu einem der wichtigsten
Wirtschaftszweige entwickelt, wenn nicht sogar zum
einzigen.
Gerade für Länder ohne Rohstoffe und mit schlechten
landwirtschaftlichen Bedingungen bietet der Tourismus
die einzige Möglichkeit zur Devisenbeschaffung; lassen
Sie uns das einmal festhalten.
Experten schätzen die Nettodeviseneinnahmen der
Entwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten
Länder auf 60 bis 80 Prozent.Aber der Tourismus, vor allem in seiner
rücksichtslosen Form, schafft auch Probleme.
Unkontrollierte Infrastrukturentwicklung wie zum
Beispiel auf Mallorca – man sieht jetzt an den Protesten,
dass das nicht mehr akzeptiert wird – zerstört nicht nur
Flora und Fauna, sondern auch die Kulturlandschaft, und
vor allen Dingen traditionelle Werte leiden beträchtlich.
All das beeinträchtigt den Lebensraum der Menschen
vor Ort. Die negativen Auswirkungen führen
letztendlich dazu, dass das, was den Reiz der Region ausgemacht
hat, verschwindet und die Touristen wegbleiben. Ziel
muss es daher sein, einen nachhaltigen Tourismus zu
erreichen. So ist das, Herr Burgbacher.
Ich denke, es ist nur schlüssig und konsequent, wenn
wir uns im Bereich der Entwicklungshilfe nicht nur mit
den Chancen, die durch den Tourismus für
Entwicklungsländer bestehen, beschäftigen, sondern auch ganz
konkrete Projekte mitfinanzieren.
Ich möchte zur Verdeutlichung einige Beispiele nennen.
Ein gelungenes Beispiel ist das Projekt „Akha
Experience“ in Laos, das im Rahmen einer Public Private
Partnership – zu Deutsch: in Zusammenarbeit von
öffentlicher Hand und privater Wirtschaft – entwickelt
wurde. Das Bergvolk der Akha hat kaum Zugang zu
sozialer Grundversorgung wie Gesundheit und Bildung
und ist weitgehend von der wirtschaftlichen
Entwicklung des Landes ausgeschlossen. Mit der Unterstützung
durch die GTZ und in Zusammenarbeit mit einem
Reiseveranstalter wurden in acht Dörfern lokale Akha-Guides
ausgebildet, die auch Englischunterricht erhielten. Das
Projekt trägt durch die Entwicklung der touristischen
Infrastruktur zur Gemeindeentwicklung und
Armutsbekämpfung bei – die Menschen profitieren also direkt
davon – und hat als erstes PPP-Projekt in Laos
Modellcharakter für weitere Projekte.
In Montenegro zum Beispiel hat die positive
Entwicklung in der Tourismusbranche den Bedarf an
qualifiziertem Fachpersonal steigen lassen. Allerdings stellt
der nationale Arbeitsmarkt trotz hoher Arbeitslosigkeit
nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung. Die GTZ
leistet hier vor allem bei der Reform des
Berufsbildungssystems und durch die Ausbildung von Fach- und
Führungskräften Unterstützung. Ziel des Vorhabens ist es,
das touristische Angebot in Montenegro langfristig auf
hohem Niveau sicherzustellen.
In Uganda beispielsweise haben wir über die GTZ
und die KfW die nationale Naturschutzbehörde beim
Aufbau des Murchison Falls National Park unterstützt.
Bis zum Bürgerkrieg – das ist das Traurige an der
ganzen Geschichte – in den 70er- und 80er-Jahren war
dieser Park mit den weltberühmten Wasserfällen eine
bedeutende Touristenattraktion. Doch während des
Bürgerkriegs wurde die Infrastruktur fast vollständig
zerstört. Der Wildtierbestand von Elefanten und
Nashörnern hat sich erheblich verringert. Ziel war es hier, nach
dem Krieg wieder ein funktionsfähiges Schutzgebiet
Gabriele Gronebergaufzubauen und den Tourismus zu fördern. Indem wir
Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Wildhüter
durchgeführt haben und die Infrastruktur wieder instand
gesetzt haben, konnten wir die wirtschaftliche Grundlage
für den Tourismus wiederherstellen.
Was ist an diesen Maßnahmen bitte schön verkehrt?
Wir helfen doch direkt, explizit den Menschen vor Ort.
Ich sehe aber ein, dass das nicht reicht, auch wenn das
gute Beispiele sind. Wir sehen weiteren
Handlungsbedarf und vor allen Dingen weiteren Diskussionsbedarf.
Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, machen wir in
unserem Antrag deutlich. Zum Antrag selbst wird der
Kollege Hemker nachher noch einiges ausführen.
Ich bedanke mich für Ihr Zuhören.