Digitale Alarmierungs- und Verwaltungsanwendung "Meine Reserve" für Reservisten der Bundeswehr (Antwort zu Drs. 21/5198)
Text
Digitale Alarmierungs- und Verwaltungsanwendung "Meine Reserve" für Reservisten der Bundeswehr (Antwort zu Drs. 21/5198)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5652
21. Wahlperiode 27.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Andreas Paul,
Dr. Michael Espendiller und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5198 –
Digitale Alarmierungs- und Verwaltungsanwendung „Meine Reserve“ für
Reservisten der Bundeswehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Rahmen der Jahrestagung der Reserve wurde kürzlich die Smartphone-
Anwendung „Meine Reserve“ vorgestellt. Nach Angaben der Bundeswehr und
der BWI GmbH soll die App erstmals eine digitale Alarmierung sowie eine
digitale Bestätigung der Einsatzbereitschaft von beorderten Reservisten
ermöglichen. Darüber hinaus sollen über die Anwendung Informationen zu
Dienstterminen, Dokumenten und Kontakten bereitgestellt werden.
Perspektivisch soll die Anwendung dazu beitragen, Reservisten innerhalb von 48
Stunden zum Reservistendienst heranziehen zu können (www.reservistenverban
d.de/magazin-die-reserve/digitale-heranziehung-meine-reserve-machts-moegl
ich/).
Die Einführung der App wird vonseiten der Bundeswehr als Reaktion auf
bislang überwiegend papierbasierte und zeitaufwendige Verwaltungsverfahren
bei der Heranziehung von Reservisten dargestellt. Nach bisherigen Angaben
erfolgt die Kommunikation zwischen Karrierecentern, anfordernden Einheiten
und Reservisten vielfach noch auf dem Postweg. Die entsprechenden
Verfahren können daher teilweise mehrere Wochen in Anspruch nehmen (ebd.).
Mit der App sollen Reservisten künftig ihre Stammdaten eigenständig pflegen,
Dokumente digital empfangen und übermitteln sowie ihre Einsatzbereitschaft
bestätigen können. Zudem ist vorgesehen, eine Schnittstelle zum Bundesamt
für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) zu schaffen, um
Verwaltungsprozesse zu beschleunigen (ebd.).
Die Einführung einer solchen digitalen Anwendung begrüßen die Fragesteller
grundsätzlich. Sie wirft in ihren Augen jedoch eine Reihe von
organisatorischen, technischen und sicherheitsrelevanten Fragen auf. Insbesondere stellt
sich den Fragestellern die Frage nach der tatsächlichen Nutzung der
Anwendung durch Reservisten, nach der Entwicklungsdauer und den Kosten sowie
nach der IT-Sicherheit und der praktischen Einsatzfähigkeit im Spannungs-
und Verteidigungsfall.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung
vom 24. April 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung nimmt die Vorbemerkung der Fragesteller zur Kenntnis.
Sie stimmt weder den darin enthaltenen Wertungen zu noch bestätigt sie die
darin enthaltenen Feststellungen oder dargestellten Sachverhalte.
1. Seit wann wird die App „Meine Reserve“ entwickelt, und wann wurde
der entsprechende Entwicklungsauftrag erstmals vergeben?
Die Entwicklung der Anwendung „Meine Reserve“ wurde im Rahmen der
Digitalisierungsinitiativen der Bundeswehr durch den Cyber Innovation Hub
initiiert. Ausgehend von der Weiterentwicklung eines Demonstrators ab Ende 2023
und seiner anschließenden Testung im Rahmen der Übung „National Guardian“
im April 2024 datiert der erstmalige Entwicklungsauftrag für eine produktiv
nutzbare Anwendung „Meine Reserve“ aus Dezember 2024.
2. Welche Gesamtkosten sind bislang für die Entwicklung, den Betrieb, die
Wartung und Weiterentwicklung der App entstanden oder eingeplant?
Die produktiv nutzbare Anwendung wurde bislang durch die BWI GmbH als
Innovationsmaßnahme entwickelt. Für den laufenden Betrieb und die
Weiterentwicklung der App „Meine Reserve“ sind für die kommenden 20 Jahre
Haushaltsmittel im mittleren zweistelligen Millionenbereich vorgesehen.
3. Welche Institutionen oder Unternehmen waren an der Entwicklung der
App beteiligt?
An der Entwicklung und dem Betrieb der Anwendung waren das Human
Ressource Laboratory im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
sowie die BWI GmbH beteiligt.
4. Wie viele Reservisten sind derzeit grundsätzlich berechtigt, die App
„Meine Reserve“ zu nutzen?
Grundsätzlich sind alle beorderten Reservistinnen und Reservisten zur Nutzung
der Anwendung berechtigt. Die Nutzung ist freiwillig.
5. Wie viele Reservisten haben die App seit ihrer Veröffentlichung
heruntergeladen?
Seit ihrer Vorstellung im Oktober 2025 haben rund 14 000 Reservistinnen und
Reservisten die Anwendung heruntergeladen.
6. Wie viele Reservisten haben die Authentifizierung über die Dienststelle
oder das Postcode-Verfahren bereits erfolgreich abgeschlossen?
Mit Stand 9. April 2026 haben sich 7 111 Reservistinnen und Reservisten für
die Nutzung der Anwendung authentifiziert und den Anmeldeprozess
erfolgreich abgeschlossen.
7. Wie hoch ist der Anteil der aktiven Nutzer der App im Verhältnis zur
Gesamtzahl der potenziell berechtigten Reservisten?
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren rund 60 200 Reservistinnen und
Reservisten beordert und kommen damit grundsätzlich als Nutzende der
Anwendung in Betracht. Zusätzlich zu den 7 111 erfolgreich abgeschlossenen
Authentifizierungen sind weitere 966 Post Codes zum Stichtag 9. April 2026
versendet; hier steht eine abschließende Eingabe durch die Reservistinnen und
Reservisten noch aus. Die Nutzendenzahlen sind in der Tendenz deutlich steigend.
8. Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um Reservisten ohne geeignetes
Smartphone oder ohne digitale Infrastruktur weiterhin zuverlässig zu
erreichen?
Die bestehenden Kommunikationswege für eine Verbindungsaufnahme sowie
die Beantragung und Umsetzung des Heranziehungsprozesses stehen weiterhin
zur Verfügung.
9. Welche konkreten Ergebnisse wurden bei dem ersten Testlauf der App im
Rahmen der Übung „National Guardian“ erzielt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Im Fokus der Testung des Demonstrators im Rahmen der Übung „National
Guardian“ stand die digitale Heranziehung von Reservistinnen und Reservisten
innerhalb von 48 Stunden. Getestet wurden die Alarmierungsfunktion per
Push-Nachricht, die digitale Rückmeldung der Verfügbarkeit sowie die digitale
Übermittlung des Heranziehungsbescheids. Im Rahmen einer abschließenden
Befragung gaben alle Nutzenden an, die Anwendung zu 100 Prozent mit den
vorhandenen Funktionen weiterempfehlen zu wollen.
10. Wie viele Reservisten wurden bei diesem Testlauf digital alarmier,t und
wie viele bestätigten ihre Einsatzbereitschaft über die App?
Von den 43 Nutzenden haben während der Übung 34 Nutzende ihre
Verfügbarkeit digital über die App zurückgemeldet, neun Nutzende waren aufgrund
verpflichtender Ausbildungsabschnitte im Lauf der Übung an einer Rückmeldung
gehindert.
11. Welche technischen oder organisatorischen Probleme traten während des
Testlaufs auf?
Für den Testlauf haben sich 50 Teilnehmende bereit erklärt, den Demonstrator
im Rahmen der Übung „National Guardian“ zu testen. Davon konnten 43
Nutzende an den Demonstrator angebunden werden, sieben Nutzenden war eine
Teilnahme am Testlauf aufgrund nicht aktueller Betriebssysteme auf dem
privaten Mobiltelefon nicht möglich.
Es wird im Übrigen auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen. Darüber hinaus
traten keine organisatorischen oder technischen Probleme auf.
12. Welche Behörden oder Institutionen waren an der sicherheitstechnischen
Prüfung beteiligt (z. B. Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik)?
Die sicherheitstechnische Prüfung der Anwendung erfolgt unter Beteiligung
der hierfür zuständigen Stellen der Bundeswehr, insbesondere der Deutschen
militärischen Security Accreditation Authority beim Zentrum für Cyber-
Sicherheit der Bundeswehr.
13. Bis wann soll die App nach derzeitiger Planung flächendeckend bei allen
beorderten Reservisten eingesetzt werden?
Die Anwendung steht bereits jetzt allen beorderten Reservistinnen und
Reservisten flächendeckend zur Verfügung.
14. Welche zusätzlichen Funktionen sind in der angekündigten zweiten
Ausbauphase konkret geplant?
Die geplanten Funktionserweiterungen betreffen die
– Ausschreibung der Beorderungs- und Heranziehungsmöglichkeiten,
– Weiterentwicklung des Heranziehungsprozesses,
– Verschmelzung mit der Anwendung „USG-online“ zur Abrechnung von
Unterhaltssicherungsleistungen, und die Integration einer allgemeinen
Informationsseite zur Reserve.
15. Welche Erfahrungen aus vergleichbaren digitalen Alarmierungs- oder
Reservistenverwaltungssystemen anderer NATO-Staaten wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung bei der Entwicklung ggf. berücksichtigt?
Die App ist unter Berücksichtigung des identifizierten Bedarfs der
Reservistinnen und Reservisten sowie der Bundeswehr entwickelt und realisiert worden.
Digitale Alarmierungs- oder Reservistenverwaltungssysteme anderer NATO-
Partner wurden betrachtet. Es findet ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch
statt.
16. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um eine breite
Nutzung der App unter den Reservisten sicherzustellen?
Zur Förderung der Nutzung der Anwendung sind weitere gezielte
Informationsangebote, begleitende Schulungen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung
der Funktionalitäten vorgesehen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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