Preisexplosion bei den Gasnetzentgelten verhindern - Rückbau und Stilllegung der Gasnetze sofort stoppen
Text
Preisexplosion bei den Gasnetzentgelten verhindern - Rückbau und Stilllegung der Gasnetze sofort stoppen
Antrag
der Abgeordneten Steffen Kotré, Leif-Erik Holm, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Dirk Brandes, Enrico Komning, Raimond Scheirich, Bernd
Schattner, Mathias Weiser, Adam Balten, Dr. Rainer Kraft, Andreas Mayer,
Christian Reck, Alexander Arpaschi, Dr. Christina Baum, Joachim Bloch,
René Bochmann, Marcus Bühl, Tobias Ebenberger, Boris Gamanov, Stefan
Henze, Karsten Hilse, Kurt Kleinschmidt, Achim Köhler, Reinhard Mixl, Arne
Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Lars Schieske, Carina Schießl, Georg Schroeter,
Wolfgang Wiehle, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Preisexplosion bei den Gasnetzentgelten verhindern – Rückbau und
Stilllegung der Gasnetze sofort stoppen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die bestehende deutsche Gasverteil- und Gastransportinfrastruktur ist voll
funktionsfähig und für die gegenwärtige Energieversorgung volkswirtschaftlich hoch
bedeutsam sowie von erheblichem strategischem Wert. Eine voll funktionsfähige und zudem
in Nutzung befindliche Infrastruktur stillzulegen oder zu zerstören, bedeutet die
Vernichtung volkswirtschaftlicher Werte und Wohlstand, ist energiepolitisch
unverantwortlich und mit erheblichen Belastungen für Verbraucher und Industrie verbunden.
Das 10. Sektorgutachten der Monopolkommission Energie 2025 geht davon aus, dass
71 bis 94 Prozent der heutigen Gasverteilnetze betroffen sein werden, was bezogen auf
eine Gesamtlänge von rund 595.000 Kilometern einem Rückbau von etwa 422.000 bis
559.000 Kilometern Leitungsinfrastruktur entspricht. Zudem wird klar, dass das
Gasnetz nicht für die Nutzung von Wasserstoff geeignet ist und erst zu hohen Kosten
umgerüstet werden muss (Deutscher Bundestag Drucksache 21/2810 – 10.
Sektorgutachten der Monopolkommission Energie 2025: Wettbewerb und Effizienz für ein
zukunftsfähiges Energiesystem).
Der frühere Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisiert den geplanten
Rückbau der Gasnetzinfrastruktur als Ausdruck einer „zentralplanerischen
Denkweise“ und bezeichnet ihn zugleich als einen „Akt der mutwilligen Zerstörung“.
Zugleich bewertet er einen solchen Rückbau auch unter umweltökonomischen
Gesichtspunkten als fragwürdig und weist darauf hin, dass damit eine unter großen
Entbehrungen und mit erheblichem volkswirtschaftlichem Aufwand errichtete Infrastruktur
abgerissen werde. Nach seiner Einschätzung werden dadurch Vermögenswerte im
Umfang von Hunderten Milliarden Euro vernichtet (www.hanswernersinn.de/de/
zentralplanerische_denkweise_tz_07012025).
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5482
21. Wahlperiode 21.04.2026
Die Annahme, Wasserstoff könne in absehbarer Zeit flächendeckend und zugleich
wirtschaftlich Erdgas ersetzen, ist nach den Feststellungen des Bundesrechnungshofes
mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Insbesondere grüner Wasserstoff ist nur in
sehr begrenzten Mengen verfügbar und mit erheblichen Kosten verbunden, die diese
Technologie unwirtschaftlich machen. Der Bundesrechnungshof stellt fest, dass die
bisherigen Ausbauziele deutlich verfehlt werden und warnt vor dem Risiko einer
langfristigen Subventionsabhängigkeit, vor unrealistischen Erwartungshaltungen sowie
vor erheblichen finanziellen Belastungen für Staat, Wirtschaft und Verbraucher.
Darüber hinaus bestehen erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der technischen,
infrastrukturellen und ökonomischen Umsetzbarkeit einer großflächigen Umstellung der
bestehenden Gasversorgung auf Wasserstoff (www.bundesrechnungshof.de/Shared-
Docs/Pressemitteilungen/DE/2025/wasserstoffstrategie.html).
Die Folgen eines weitreichenden Abbaus der Gasnetzinfrastruktur würden sich
unmittelbar in massiv steigenden Netzentgelten niederschlagen und vor allem private
Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen finanziell stark belasten, da die Fix- und
Rückbaukosten auf immer weniger Nutzer verteilt würden. Der Bundesverband
Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich, dass durch Teilstilllegungen der Netze die
Netzentgelte für verbleibende Gaskunden stark steigen werden, mit erheblichen
Belastungen gerade für einkommensschwache Haushalte (www.vzbv.de/meldungen/
kostenfuer-transformation-der-gasnetze-fair-verteilen). Eine Studie des Fraunhofer-Instituts
prognostiziert in diesem Zusammenhang eine Steigerung der Gasnetzentgelte für
durchschnittliche Haushalte um mehr als 1.000 Prozent bis zum Jahr 2045 auf 4.300
Euro pro Jahr durch die sinkende Zahl von Gasverbrauchern bzw. die
Fixkostenprogression im Falle der Stilllegung und Abschreibung der bestehenden Gasnetze
(www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energie-warum-sich-der-fruehe-
ausstiegaus-der-gasheizung-lohnt/100180606.html).
Zugleich weist ein Gutachten des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) darauf hin, dass Energie- und Netzkosten für
Unternehmen im internationalen Wettbewerb ein wesentlicher Standortfaktor sind. Im
Gutachten hebt das ZEW hervor, dass steigende Gaspreise die Wettbewerbsfähigkeit
energieintensiver Branchen zusätzlich noch weiter gefährden und die Zukunft vieler
Arbeitsplätze unsicher machen (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/strom-und-
gasdas-sind-die-langfristigen-schaeden-der-energiekrise/100161156.html). Ein Fortgang
dieser Praxis setzt die deutsche Wirtschaft also noch mehr als ohnehin schon unter
Druck, was die mindestens 23.900 Firmeninsolvenzen im Jahr 2025 gravierend
belegen (www.welt.de/wirtschaft/article6931c42f314590772f946063/deutscher-
mittelstand-23-900-firmenpleiten-11-jahres-hoch-so-dramatisch-ist-die-lage-wirk-
lich.html).
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. unverzüglich sämtliche ideologisch motivierte Planungen, Förderprogramme und
Gesetzesvorhaben zum Rückbau, zur Stilllegung oder zur Umstellung der
Gasnetzinfrastruktur auf Wasserstoff wie das Gesetz zur Umsetzung des EU-
Binnenmarktpakets ((EU) 2024/1788) zu beenden und künftig auszuschließen;
2. die bestehende und in Nutzung befindliche Gasnetzinfrastruktur als Bestandteil
der nationalen Energieversorgungsinfrastruktur dauerhaft zu sichern und ihren
fortdauernden Betrieb durch einen entsprechenden Gesetzentwurf zu
gewährleisten;
3. den kommunalen Energieversorgungsunternehmen verbindliche und
rechtssichere Planungssicherheit dahingehend zu gewähren, dass sie zum Rückbau oder
zur Stilllegung von Gasnetzinfrastruktur weder verpflichtet noch durch
regulatorische Vorgaben faktisch dazu gedrängt werden;
4. sicherzustellen, dass die bestehende Gasnetzinfrastruktur von den kommunalen
Energieversorgungsunternehmen weiterhin für den fortdauernden Betrieb genutzt
wird.
Berlin, den 21. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die bestehende Gasnetzinfrastruktur bildet gegenwärtig einen zentralen Bestandteil der deutschen
Energieversorgung und trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit, zur Preisstabilität sowie zur Funktionsfähigkeit von
wohlstands- und wertschöpfender Industrie und Mittelstand bei. Eine Zerstörung oder Stilllegung dieser
Infrastruktur würde erhebliche Risiken für die Versorgungssicherheit mit sich bringen und zugleich zu beträchtlichen
sozialen und wirtschaftlichen Fehlbelastungen durch noch weiter steigende Gaspreise führen.
Zugleich ist unbestritten, dass Wasserstoff in absehbarer Zeit nicht in ausreichenden Mengen, zu vertretbaren
Kosten und unter wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen als vollständiger Ersatz für Erdgas zur
Verfügung stehen kann. Dies wird auch durch das Scheitern, beziehungsweise das faktische Innehalten, mehrerer
internationaler Großprojekte deutlich. So ist das als zentrales Importvorhaben beworbene Wasserstoff-Großprojekt
Hyphen Hydrogen Energy in Namibia zuletzt ins Stocken geraten, nachdem sich der deutsche Energiekonzern
RWE aus dem Projekt zurückgezogen hat (www.energie-und-management.de/nachrichten/detail/rwe-zieht-
sichaus-wasserstoff-projekt-in-namibia-zurueck-335807). Ausschlaggebend waren insbesondere fehlende gesicherte
Absatzmärkte, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie nicht belastbare Investitionsperspektiven. Mit der von der
Bundesregierung forcierten Transformation der Gasinfrastruktur sind erhebliche unkalkulierbare finanzielle
Risiken verbunden, die im Ergebnis von der Wirtschaft und öffentlichen Haushalten zu tragen wären.
Vor diesem Hintergrund ist die Sicherung und der Betrieb der bestehenden Gasnetzinfrastruktur dauerhaft als
Bestandteil der nationalen Energieversorgungsinfrastruktur sicherzustellen, um eine stabile, resiliente,
bezahlbare und verlässliche Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten.
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ISSN 0722-8333
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