Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (Entschließungsantrag zu Drs. 21/3505, 21/4979)
Text
Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (Entschließungsantrag zu Drs. 21/3505, 21/4979)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4987
21. Wahlperiode 25.03.2026
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Jorrit Bosch, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz Gösta
Beutin, Violetta Bock, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Ferat Koçak, Jan Köstering,
Katalin Gennburg, Mareike Hermeier, Ina Latendorf, Caren Lay, Sonja Lemke,
Sahra Mirow, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung
– Drucksachen 21/3505, 21/4979 –
Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes
und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften
Der Bundestag wolle beschließen:
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
eine einkommensabhängige Staffelung der Bußgelder einzuführen.
Berlin, den 24. März 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Begründung
Pauschale Bußgelder sind sozial sehr ungerecht. Die bestehende Systematik der Bußgelder differenziert nicht
ausreichend nach der Höhe des jeweiligen Einkommens. Dadurch ist die Akzeptanz des Systems und damit seine
Wirksamkeit höchst fragwürdig, weil derjenige mit geringerem Einkommen nicht einzusehen vermag, warum das
Bußgeld bei viel höherem Einkommen das Gleiche ist. Dies hat gleichzeitig eine mangelhafte abschreckende
Wirkung von Bußgeldern und eine zunehmende soziale Ungleichheit zur Folge. Das Bußgeldsystem ist daher
dahingehend zu überprüfen, ob es zur Erreichung einer sozial gerechteren Sanktionierung erforderlich sein könnte,
Geldbußen einkommensabhängig der Höhe nach zu staffeln. Die Betroffenen bekommen je nach Einkommen und
Vermögen, Bußgelder unterschiedlich stark zu spüren. Für Menschen mit einem geringen Einkommen können
die Bußgelder bereits jetzt eine hohe Sanktionswirkung entfalten, während das gleiche Bußgeld von Personen, die
über ein höheres Einkommen verfügen, kaum wahrgenommen wird und daher auch der Sanktionierungs- und
Abschreckungseffekt nicht oder nur gering eintritt. Um soziale Ungleichgewichte bei der Sanktionierung zu
vermeiden, ist es erforderlich und zweckmäßig, die bisherige Sanktionierungssystematik zu verändern und bei der
Höhe der Geldbußen eine Staffelung, ähnlich dem Tagessatzsystem im Strafrecht, vorzusehen. Das
Tagessatzsystem im Strafrecht orientiert sich bereits an einer sozialen Staffelung. Hintergrund dieser Regelung ist das
Bestreben, die Strafen den unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen der Täterinnen und Täter anzupassen.
Dadurch kann eine individuelle Strafschärfe und entsprechend spürbare Abschreckungswirkung erzielt werden.
Dieses System sollte auf Bußgelder außerhalb des Strafrechts ausnahmslos übertragen werden. Behörden und
Gerichte sollten dabei jedoch nicht übermäßig mit der Feststellung der tatsächlichen Einkommensverhältnisse
belastet werden. Pauschalierungen, etwa durch Einkommenskorridore auf Grundlage des Verdienstes der letzten
drei Monate, sind daher ein zielführender Ansatz. Das sozial nicht ausgewogene, pauschale Bußgeldsystem führt
insbesondere dazu, dass die Sanktionen im Straßenverkehr nicht effektiv wirken können. Gerade in diesem sehr
sensiblen Bereich ist eine Anpassung für besonders gefährliche Verkehrsverstöße dringend erforderlich.
Diese Forderung war mit gleichlautender Begründung Teil eines am 26. Oktober 2016 vom Land Niedersachsen
in den Bundesrat eingebrachten Antrages (Bundesratsdrucksache 636/16), der in der 1022. Sitzung des
Bundesrates für erledigt erklärt wurde.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Aaron Valent (Entschließungsantrag)
- authored ← Bodo Ramelow (Entschließungsantrag)
- authored ← Caren Lay (Entschließungsantrag)
- authored ← Christin Willnat (Entschließungsantrag)
- authored ← David Schliesing (Entschließungsantrag)
- authored ← Donata Vogtschmidt (Entschließungsantrag)
- authored ← Fabian Fahl (Entschließungsantrag)
- authored ← Ferat Koçak (Entschließungsantrag)
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Ina Latendorf (Entschließungsantrag)
- authored ← Jan Krampe (Entschließungsantrag)
- authored ← Jorrit Bosch (Entschließungsantrag)
- authored ← Katalin Gennburg (Entschließungsantrag)
- authored ← Katrin Fey (Entschließungsantrag)
- authored ← Lorenz Gösta Beutin (Entschließungsantrag)
- authored ← Luigi Pantisano (Entschließungsantrag)
- authored ← Marcel Bauer (Entschließungsantrag)
- authored ← Mareike Hermeier (Entschließungsantrag)
- authored ← Sahra Mirow (Entschließungsantrag)
- authored ← Sonja Lemke (Entschließungsantrag)
- authored ← Violetta Bock (Entschließungsantrag)
- part_of_vorgang → Entschließungsantrag zum Fünften Gesetz zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (Antrag auf Entschließung)