Durchsuchung von E-Mail-Konten im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
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Durchsuchung von E-Mail-Konten im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4888
21. Wahlperiode 23.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Michael Kellner, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Alaa Alhamwi,
Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Andreas Audretsch,
Dr. Armin Grau, Marlene Schönberger, Lukas Benner, Stefan Schmidt und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Durchsuchung von E-Mail-Konten im Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie
Am 12. März wurde bekannt, dass im Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie (BMWE) die E-Mail-Konten mehrerer Beamtinnen und Beamten im
Auftrag der Hausleitung durchsucht wurden (vgl. www.spiegel.de/politik/deuts
chland/leaks-katherina-reiches-wirtschaftsministerium-liess-e-mail-konten-
vonbeamten-durchsuchen-a-e221216c-7850-4e53-b392-6cfe4263b455 ). Ziel
dieser bisher scheinbar einmaligen Maßnahme soll die Suche nach Personen
sein, welche zwei Gesetzentwürfe (Netzpaket und EEG (Erneuerbare-Energien-
Gesetz)-Novelle) an Dritte weitergeben haben. Das Vertrauen in
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesministerien durch die Hausleitung ist ein hohes
Gut, gleichzeitig sind vom Gesetzgeber aus gutem Grund hohe Hürden für
einen solchen Eingriff in die Kommunikationsmittel von Mitarbeitenden gelegt.
Sollte sich diese Maßnahme bestätigen, wirft dies viele Fragen zur
Arbeitskultur, zum Vertrauen und zum Misstrauen zwischen Leitungsebene und der
Belegschaft des ganzen BMWE auf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele E-Mail-Konten hat die Hausleitung des BMWE insgesamt
durch wen durchsuchen lassen, und an welchen Tagen fanden diese
Maßnahmen statt (bitte nach Datum und Anzahl aufschlüsseln)?
2. Bei wie vielen Personen wurden insgesamt die E-Mail-Konten
durchsucht, und wie viel Prozent der Gesamtbelegschaft waren von den
Maßnahmen betroffen?
3. In welcher Weise wurden die E-Mail-Konten durchsucht?
4. Zu welchem Zeitpunkt wurden die Betroffenen über die Maßnahme
informiert?
5. Waren Mitglieder des Personalrats bei den Durchsuchungen zugegen, und
wenn nein, warum nicht?
6. Zu welchem Zeitpunkt wurde der Datenschutzbeauftragte des Hauses über
die Maßnahmen informiert?
7. Welche Möglichkeit haben Beschäftigte, Beschwerde gegen die
Durchsuchung einzulegen, und wie viele Beschäftigte haben von dieser
Möglichkeit Gebrauch gemacht?
8. Gab es konkrete Hinweise oder Verdachtsmomente, dass die Personen,
deren E-Mail-Konten durchsucht worden sind, an den Weitergaben der
Entwürfe zur EEG-Novelle und zum Netzpaket beteiligt gewesen sein
könnten oder auf andere Weise gegen Vertraulichkeitsvorschriften
verstoßen haben könnten, wenn ja, welche (bitte im Einzelnen angeben), und
wenn nein, auf welcher Grundlage wurden die entsprechenden
Maßnahmen eingeleitet?
9. Hat die Hausleitung im Vorfeld oder im Anschluss an die Maßnahmen
Strafanzeige gegen Beschäftigte gestellt?
10. Gab ober gibt es darüber hinaus weitere Durchsuchungen von E-Mail-
Konten im Zusammenhang mit anderen Vorgängen außer den in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannten Gesetzentwürfen, und wenn ja,
welche (bitte auflisten)?
11. Gingen den Durchsuchungen mildere Methoden voraus, um mögliche
Verstöße gegen die Vertraulichkeit aufzuklären, wenn ja, welche, und wenn
nein, warum nicht?
12. Wurden bei den Durchsuchungen ausschließlich Metadaten und
Versandprotokolle ausgewertet oder auch Inhalte von E-Mails gelesen?
13. Geschah die Durchsuchung auf Anweisung von Bundesministerin
Katherina Reiche, oder hatte sie vorab Kenntnis davon, und wann war die
Bundesministerin mit dieser Maßnahme befasst?
14. Falls die Bundesministerin die Durchsuchung nicht angewiesen hat, gab
es eine klare Dienstanweisung einer anderen Person hierzu, und wenn ja,
wann, und von wem?
15. Welche Einschätzung des Personalrates gab es zu der angeordneten
Maßnahme?
16. Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form wurden die Betroffenen über
die Durchsuchung ihrer dienstlichen E-Mail-Konten informiert, und hatten
sie Gelegenheit zur Stellungnahme?
17. Welche Maßnahmen wurden getroffen, um den Schutz personenbezogener
Daten, die nicht im Zusammenhang mit den Leaks standen, zu
gewährleisten und eine Einsichtnahme in rein private Kommunikation (soweit
dienstlich geduldet) zu vermeiden?
18. Dürfen dienstliche E-Mail-Konten im BMWE auch privat genutzt werden,
oder ist dies jedenfalls geduldet?
19. Das Bundesarbeitsgericht betont bei Überwachungsmaßnahmen den
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit – ist dieser nach Ansicht der
Bundesregierung im aktuellen Fall gegeben, obwohl das Veröffentlichen eines
vertraulichen Gesetzentwurfs nach Ansicht der Fragestellenden keine
Gefahr für Leib, Leben, Staatswohl oder operative Sicherheitsbelange
darstellen dürfte?
20. Gibt es noch andere Fälle von durchsuchten E-Mail-Konten in der
aktuellen Bundesregierung und ihren Häusern (bitte jeweils inklusive Angaben
zu Ministerium, Datum, Anlass und Umfang der Untersuchung auflisten)?
21. Nimmt die Bundesregierung die derzeitige Diskussion zum Anlass, um in
dieser Wahlperiode noch einen Vorschlag für einen Gesetzentwurf zum
Beschäftigtendatenschutz vorzulegen?
Berlin, den 19. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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