Flexibel, digital und effizient - Ein Netzpaket für ein versorgungssicheres 100-Prozent-Erneuerbare-Energiesystem
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Flexibel, digital und effizient - Ein Netzpaket für ein versorgungssicheres 100-Prozent-Erneuerbare-Energiesystem
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8121
21. Wahlperiode 22.09.2026
Antrag
der Abgeordneten Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Michael
Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Flexibel, digital und effizient – Ein Netzpaket für ein versorgungssicheres
100-Prozent-Erneuerbare-Energiesystem
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Deutschland befindet sich aktuell in einer der schwersten fossilen Energiekrisen
seit Jahrzehnten – ausgelöst durch den Krieg im Nahen Osten. Diese Krise zeigt
erneut, wie verletzlich wir durch unsere Abhängigkeit von fossilen Energien sind.
Wirkliche Energiesouveränität für Deutschland und Europa gibt es nur mit einem
100%-Erneuerbare-Energiesystem.
Um Strompreise für alle stabil zu halten und den Wirtschaftsstandort Deutschland
mit sicheren Arbeitsplätzen, fairen Löhnen und regionaler Wertschöpfung zu
stärken, müssen wir die positive Wirkung der Erneuerbaren Energien jetzt konsequent
entfalten und damit die zweite Halbzeit der Energiewende effizient gestalten.
Den ersten Teil des Weges haben wir erfolgreich abgeschlossen. Dank grüner
Regierungsbeteiligung ist der Anteil von Erneuerbaren Energien im Jahr 2025 auf
59 % angestiegen. Doch anstatt diesen Weg entschlossen weiterzugehen und die
Hindernisse des nächsten Abschnittes anzugehen, verfolgt Bundesministerin
Katherina Reiche die Strategie, die Energiewende auszubremsen. Die Stromnetze
entsprechen nicht den Anforderungen eines modernen, Erneuerbaren
Stromsystems. Die Digitalisierung steht bei den meisten Netzbetreibern noch am Anfang.
Viele kennen ihre tatsächliche Netzauslastung nicht und planen nicht
vorausschauend. Zudem fehlen ausreichende Netzanschlüsse für z.B. Industrie,
Erneuerbare-Erzeuger, Speicher, Mobilität und Rechenzentren – bestehende
Anschlüsse wiederum werden durch schlechte Regulierung und mangelnde Kenntnis
freier Kapazitäten nur ineffizient genutzt. Was es jetzt bräuchte, ist ein
Modernisierungspaket für Deutschlands Stromnetze.
Statt den vernachlässigten Netzausbau jedoch nachzuholen, drosselt Ministerin
Reiche den Ausbau der Erneuerbaren. Durch den Redispatch-Vorbehalt wird die
Wirtschaftlichkeit von Erneuerbare-Energien-Projekten verhindert. Die pauschale
Wirkleistungsbegrenzung greift in bestehende industrielle Wertschöpfungsketten
ein und führt zu höheren Stromkosten und Flächenbedarf. Unverkennbar ein
Paradigmenwechsel, der die energiewendedienliche Funktion der
Energieinfrastruktur als Grundlage für das Erneuerbare-Energiesystem infrage stellt.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Die Folgen sind ein Einbruch im Ausbau mit verheerenden Folgen für
Energiepreise, Zukunftsindustrien und Arbeitsplätze sowie eine Verstärkung der fossilen
Abhängigkeiten, ausgerechnet in Zeiten von Klimakrise und geopolitischen
Verwerfungen.
Mit diesem Antrag zeigen wir, wie ein energiewendedienliches Netzpaket
aussehen müsste. Wir setzen auf eine vorausschauende Entwicklung der
Energieinfrastruktur, die aus dem Zielbild 100%-Erneuerbare-Energiesystem abgeleitet ist
und prognostizierbare Vorgaben für Netzanschlüsse entwickelt – etwa zu
Zeitpunkt, Standort und Kapazität. Wir treiben die Digitalisierung und Optimierung
der Netze voran, integrieren Flexibilitäten systemdienlich, fördern den
bedarfsgerechten Netzausbau und ermöglichen den beschleunigten Ausbau der
Erneuerbaren Energien. So schaffen wir die stabile Grundlage für eine sichere, erneuerbare
Energieversorgung und geben den Netzbetreibern die notwendige
Planungssicherheit. Nur ein digitales und flexibles Stromnetz kann den Kostenvorteil der
Erneuerbaren voll ausschöpfen und somit den gesamtgesellschaftlichen Nutzen
der Energiewende entfalten.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. das Netzanschlusspaket zurückzuziehen und ein neues Netzpaket
aufzulegen, das die Anforderungen eines 100%-Erneuerbare-Energiesystem
erfüllt;
2. das Instrument zur regionalen Steuerung des EE-Zubaus in
Engpassgebieten (Redispatch-Vorbehalt) zu verwerfen, da es den Ausbau von
Wind- und Solaranlagen gefährdet und keinen Anreiz für Flexibilitäten
schafft;
3. den Grundsatz der Netzanpassung an die wirtschaftlichen Bedarfe
beizubehalten, statt den Ausbau der Erneuerbaren am Status des Netzausbaus
auszurichten;
4. ein Modernisierungspaket für die Stromnetze aufzulegen und die
Digitalisierung im Energiesektor voranzutreiben, indem sie insbesondere
a. die Harmonisierung der Portale umsetzt und die vollständige
Maschinenlesbarkeit aller Dokumente sicherstellt,
b. die Systemführung modernisiert, um zum Beispiel mithilfe
digitaler Zwillinge dynamisch auf die tatsächliche Netzsituation
reagieren und das bestehende Netz durch geringere erforderliche
Puffer besser auslasten zu können, wodurch sich ein großes
Innovationspotenzial für den Industriestandort Deutschland ergibt,
c. die Mittel- und Hochspannungsebene einbezieht,
d. Standards und Digitalisierungsvorgaben mit verbindlichen
Fristen und Sanktionen gesetzlich verankert;
5. den vorausschauenden Ausbau von Schaltfeldern und Umspannwerken –
insbesondere in Wind- und Industriegebieten – gesetzlich zu verankern;
6. die pauschale, bundesweit einheitliche Wirkleistungsbegrenzung
aufzuheben und durch eine netzdienliche, dynamische Spitzenkappung mit
dem Netzverknüpfungspunkt (NVP) als Bezugspunkt zu ersetzen, die nur
bei tatsächlichem Bedarf greift, Anreize für Speicher und Behind-the-
Meter-Lösungen schafft ('Nutzen statt Abregeln') und notwendige
Abregelungen, wo möglich am NVP statt direkt an der Erzeugungsanlage
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orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
vornimmt. Dies ermöglicht Anlagenbetreibern, ihren selbst produzierten
Strom auch im Abregelungsfall so weit wie möglich selbst zu nutzen;
7. mit flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (Standard-FCAs), die
Netzkunden freiwillig mit dem Netzbetreiber abschließen können, Wind- und
Solaranlagen, Speicher, Industrie und Rechenzentren schneller
anzuschließen und die Anschlusskosten zu senken;
8. vorrangig bestehende Effizienzpotenziale für die Netzoptimierung zu
nutzen und ein gesetzliches Recht auf Überbauung von
Netzverknüpfungspunkten zu verankern;
9. verbindliche und einheitliche Kriterien für die Priorisierung von
Netzanschlusskapazitäten festzulegen – insbesondere für Technologien wie
Speicher, Elektrolyseure und Rechenzentren – und bundesweit alle
relevanten Prozesse sowie technische Anforderungen nach klaren politischen
Vorgaben zu standardisieren, anstatt diese Entscheidungen den einzelnen
Netzbetreibern zu überlassen;
10. die Integration von Flexibilitätstechnologien zu priorisieren, um das
Engpassmanagement zu entlasten, den Netzausbaubedarf zu optimieren und
das Potenzial der Erneuerbaren Energien voll auszuschöpfen;
11. neben Flexibilitätsanreizen intelligente Marktinstrumente zu prüfen, die
Flexibilität belohnen und damit unser Stromsystem effizienter und
stabiler machen, denn Netzausbau allein reicht nicht;
12. die verbindliche Umsetzung der Maßnahmen durch die Netzbetreiber
sicherzustellen, indem das Netzpaket sowohl Anreize als auch Sanktionen
bei Nichteinhaltung gesetzlich verankert.
Berlin, den 22. September 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
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