Gewalt im deutschen Amateursport
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Gewalt im deutschen Amateursport
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4218
21. Wahlperiode 20.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell, Steffen Janich,
Edgar Naujok, Andreas Bleck, Bastian Treuheit und der Fraktion der AfD
Gewalt im deutschen Amateursport
In den vergangenen Jahren mehren sich Berichte über gewalttätige Vorfälle im
deutschen Amateursport (Bayerischer Rundfunk, Gewalt im Amateurfußball:
Jeder Fall ist einer zu viel, BR-Nachrichten, 1. Dezember 2025). Betroffen sind
insbesondere Fußballspiele, aber auch andere Sportarten, bei denen es immer
wieder zu körperlichen Übergriffen auf Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer
kommt. Neben individuellen Ursachen werden gesellschaftliche Spannungen,
mangelnde Prävention und unzureichende Sicherheitskonzepte als mögliche
Hintergründe genannt. Auch im parlamentarischen Raum wurde diese
Problematik aufgegriffen. In der öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des
Deutschen Bundestages am 21. Februar 2024 zu den Sicherheitsfragen im
Fußball wurde auf eine unzureichende Datenlage im Amateurbereich hingewiesen
(siehe Ausschussdrucksachen 20(5)265, 20(5)267, 20(5)268, 20(5) 266 und
Wortprotokoll der 47. Sitzung des Sportausschusses).
Während im Profisport regelmäßig umfangreiche Sicherheits- und
Präventionsmaßnahmen greifen und statistisch erfasst werden, besteht im Amateursport
eine deutlich geringere Datenlage. Eine systematische Erfassung von
Gewaltvorfällen in diesem Bereich – insbesondere in Bezug auf regionale Verteilung,
Tatverdächtigenstruktur und mögliche Schwerpunkte – erscheint den
Fragestellern daher erforderlich, um die Wirksamkeit bestehender
Präventionsmaßnahmen bewerten zu können.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Gewalttaten im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen im
Amateurbereich wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren
von 2014 bis 2024 bundesweit polizeilich registriert, einschließlich
solcher Taten, die im näheren Umfeld, auf dem Weg zu oder von der
Sportstätte (An- und Abreise) verübt wurden?
2. Wie verteilen sich diese Fälle (vgl. Frage 1) auf die einzelnen
Bundesländer (bitte nach Jahren und Ländern aufschlüsseln)?
3. Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in
diesem Zeitraum im Zusammenhang mit Gewalttaten im Amateursport
erfasst, und wie verteilt sich diese Zahl nach Jahren, Geschlecht und
Altersgruppen (unter 18 Jahren, 18 bis 24 Jahre, 25 bis 40 Jahre, über 40 Jahre)?
4. Wie verteilen sich die Tatverdächtigen nach Kenntnis der
Bundesregierung nach Staatsangehörigkeit (deutsch oder nichtdeutsch)?
5. Welche Sportarten im Amateurbereich waren nach Kenntnis der
Bundesregierung am häufigsten von Gewalttaten betroffen, und wie hat sich die
Zahl der gewaltbedingten Spielabbrüche seit 2014 entwickelt?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über die häufigsten
Ursachen und Anlässe solcher Gewaltvorfälle vor (z. B. Rivalitäten,
Alkohol, religiöse oder politische Motive, gruppenbezogene Feindseligkeit)?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. zur Häufigkeit von
Deliktarten (z. B. Körperverletzung, Bedrohung, Landfriedensbruch,
Beleidigung, Sachbeschädigung) im Zusammenhang mit
Amateursportveranstaltungen vor?
8. Welche Daten liegen der Bundesregierung ggf. zur Zahl der Opfergruppen
(Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer, Vereinsverantwortliche,
Polizeibeamte, Sicherheitsdienste) vor?
9. Wie bewertet die Bundesregierung den in der Stellungnahme der
Universität Tübingen dargestellten Befund, wonach rund 48 Prozent aller
gewaltbedingten Spielabbrüche auf Angriffe gegen Schiedsrichter
zurückzuführen sind?
10. Welche Maßnahmen plant oder unterstützt die Bundesregierung ggf., um
die Sicherheit und den Schutz von Schiedsrichtern, Trainern, Ordnern und
Vereinsfunktionären im Amateurbereich zu verbessern?
11. Warum wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die im Jahr 2023
durchgeführte Erhebung zu Polizeieinsätzen im Amateurfußball nicht
fortgeführt, obwohl Sachverständige im Sportausschuss deren Bedeutung
betont haben?
12. Welche Bundesprogramme oder Fördermaßnahmen zielen derzeit ggf. auf
Gewaltprävention im Sport ab (bitte mit Finanzvolumen und Laufzeit
angeben)?
13. Inwieweit werden diese Programme (vgl. Frage 12) auch im Amateur- und
Breitensport angewendet oder unterstützt?
14. Welche finanziellen Beiträge leistet der Bund jährlich an die Fanprojekte
nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit, und wie bewertet die
Bundesregierung deren Wirksamkeit?
15. Welche Evaluierungen oder Studien zur Prävention von Gewalt im
Amateursport wurden seit 2015 ggf. im Auftrag oder mit Unterstützung der
Bundesregierung durchgeführt oder gefördert?
16. Welche Datenquellen nutzt die Bundesregierung ggf. neben der
Polizeilichen Kriminalstatistik zur Erfassung von Gewalt im Sport (z. B. DFB-
Lagebild [DFB = Deutscher Fußball-Bund], Zentrale Informationsstelle
Sporteinsätze, Berichte der Innenministerkonferenz, wissenschaftliche
Studien)?
17. Welche Schritte plant die Bundesregierung ggf., um künftig eine
bundesweit einheitliche Datenerfassung von Gewalt im Amateursport
sicherzustellen (unter Berücksichtigung der von Dr. Thaya Vester dargestellten
methodischen Defizite bei der Datenerhebung)?
18. Wie bewertet die Bundesregierung den Zusammenhang zwischen der
allgemeinen Gewaltentwicklung in der Gesellschaft und dem Auftreten von
Gewalt im Amateursport?
19. Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung zur Stärkung von Respekt,
Fairplay und Ehrenamt im Amateur- und Breitensport ggf. für wirksam?
Berlin, den 17. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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