polradar

Erkenntnisse der Bundesregierung zu rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Fußball

dip / drucksache 09.09.2026 · WP 21 · 21/7944 · Kleine Anfrage · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Erkenntnisse der Bundesregierung zu rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Fußball Deutscher Bundestag Drucksache 21/7944 21. Wahlperiode 09.09.2026 Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Krampe, Clara Bünger, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Anne- Mieke Bremer, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke Erkenntnisse der Bundesregierung zu rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Fußball Einflussversuche rechter und rechtsextremer Akteure im Fußball sind seit Langem ein Problem. Es ist bekannt, dass neonazistische und neurechte Gruppen und Akteure versuchen, Fanszenen von Fußballvereinen zu unterwandern oder an bestehende rechtsradikale Potenziale anzuknüpfen, um sowohl politische Gegner als auch gegnerische Fans mit Gewalt und Hetze einzuschüchtern und anzugreifen (vgl. Antworten der Bundesregierung auf die Kleinen Anfragen auf Bundestagsdrucksachen 18/13068 und 20/8377). Mit dem Anstieg rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer und homophober Übergriffe sowie einem Erstarken rechtsextremer Positionen in Teilen der Gesellschaft in den vergangenen Jahren stellt sich die Frage, ob sich dieser Trend auch im Umfeld von Fußballspielen sowie in den Fußballstadien selbst abbildet. Laut medialer Berichterstattung und Fanprojekten wie der Landesarbeitsgemeinschaft der Fan Projekte NRW e. V. (LAG NRW; NRW = Nordrhein- Westfalen), steigen die Anzahl rechter Vorfälle im Zusammenhang mit Fußballspielen sowie Vernetzungsbestrebungen rechtsextremistischer Akteure im Bereich Fußball stark an, insbesondere auch in der 3. Fußball-Liga (vgl. www.tag esschau.de/investigativ/monitor/fussball-fankurven-rechtsextremismus-10 0.html, www.ardmediathek.de/video/monitor/hitlergruss-im-stadion-wie-recht e-wieder-die-fussballkurven-erobern/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmF nLXNvcGhvcmEtZWJiMGRjYTktOTU3NS00NzYxLTgzNzUtMjYwNzBiN mEzMjNl). Mit dem bisher zweimal erschienenen Jahresbericht der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball NRW (MeDiF‑NRW) wird zumindest ein Teil der Vorkommnisse, welche im Bereich Fußball dem rechten Spektrum zugeordnet werden können, erfasst (vgl. www.lag-fanprojekte-nrw.de/wp-content/uploads/202 5/03/MeDiF-NRW-Jahrebericht-2324.pdf). Diese Erkenntnisse beziehen sich bisher jedoch ausschließlich auf Nordrhein-Westfalen. Es fehlt weiterhin ein vergleichbares bundesweites sowie zentralisiertes unabhängiges, wissenschaftliches Monitoring sowohl zu rechten, rassistischen und antisemitischen Vorfällen als auch zu weiteren Varianten der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in und um Fußballstadien in Gänze. Gleichzeitig ist offen, wie die Bundesregierung und die Sicherheitsbehörden rechtsextremistische Gewalttaten und Gewaltandrohungen sowie Rekrutierungs-, Aktions- und Vernetzungsaktivitäten bei Sportveranstaltungen, insbesondere im Bereich Fußball, ihrerseits messen und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Entsprechende Straftaten würden im Kriminalpolizeilichen Meldedienst (KPMD) Politisch motivierte Kriminalität (PMK) nicht mittels bundesweit vereinbarter Katalogbegriffe erfasst (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/8937). Auch der Verfassungsschutzbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz für 2025, welcher am 30. Juni 2026 vom Bundesministerium des Innern vorgestellt wurde, thematisiert im Phänomenbereich Rechtsextremismus das Thema Fußball als Aktivitäts- und Handlungsfeld nicht. Diese Frage gewinnt jedoch zunehmend an Wichtigkeit, weil die oben zitierten Recherchen und wissenschaftlichen Publikationen nahelegen, dass neben einem Anstieg rechtsextremistischer Vorfälle rechtsextreme Organisationen und Akteure, unter ihnen die „Generation Deutschland“ (GD), die neugegründete Jugendorganisation der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), Der III. Weg, die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD), die „Jungen Nationalisten“ (JN), die Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“, Fankurven in Fußballstadien und damit verbundene erlebnisorientierte Aktivitäten zunehmend als vorpolitischen Handlungsort und strategisches Feld begreifen und nutzen. Wir fragen die Bundesregierung:  1. Wie viele Straftaten und bzw. oder Delikte der Politisch motivierten Kriminalität-rechts (PMK-rechts) haben nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2023 in Fußballstadien stattgefunden (bitte nach Jahren, Bundesland, Straftatbeständen, gegebenenfalls Ausgang von Ermittlungsverfahren aufschlüsseln)?  2. Wie viele Straftaten und bzw. oder Delikte der Politisch motivierten Kriminalität-rechts haben nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2023 im Umfeld von Fußballspielen, inklusive bei An- und Abreise- Bewegungen, stattgefunden (bitte nach Jahren, Bundesland, Straftatbeständen, gegebenenfalls Ausgang von Ermittlungsverfahren aufschlüsseln)?  3. Inwieweit erkennen die Bundesregierung und die ihr nachgeordneten Behörden eine Zunahme rechtsextremistischer Gewalt im Umfeld von Fußballspielen und Fußballvereinen?  4. Wie viele Personen, die derzeit in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeichert sind, a) haben nach Kenntnis der Bundesregierung einen rechtsextremen Hintergrund bzw. sind der rechtsextremen Szene zuzuordnen, b) sind in welchen einschlägigen polizeilichen Dateien sowie Dateien des Bundesamtes für Verfassungsschutz erfasst?  5. Wie viele der sogenannten Problemfans (Kategorie A, B, C) gehören nach Einschätzung der Bundesregierung rechtsextremen Parteien und Organisationen bzw. der rechtsextremen Szene an (bitte jeweils nach Kategorien sowie Parteien und Organisationen auflisten)?  6. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2023 gegen Fußballfans wegen Verstoßes gegen § 86 des Strafgesetzbuchs (StGB; Verbreitung von Propagandamaterialien verfassungswidriger Organisationen) bzw. § 130 StGB (Volksverhetzung) im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen durchgeführt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?  7. Welche konkreten Erkenntnisse über eine gezielte rechtsextreme Unterwanderung, Vereinnahmung und über gewaltförmige Einschüchterungsversuche von Hooligan- und Ultragruppen liegen der Bundesregierung vor?  8. Welche explizit rechtsextremen oder neonazistischen Hooligan- und Ultragruppen welcher Vereine sind der Bundesregierung bekannt? a) Seit wann existieren diese Gruppen jeweils? b) Welche dieser Gruppen haben welche Art von Kontakten zu welchen rechtsextremen Parteien und Organisationen? c) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen wurden wann und warum verboten? d) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen haben sich wann und warum selbst aufgelöst? e) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über etwaige Tätigkeiten von Ersatz- oder Nachfolgeorganisationen? f) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen haben nach Kenntnis der Bundesregierung Stadionverbote durch die jeweiligen Vereine? g) Welche einschlägigen rechtsmotivierten Straftaten gingen nach Kenntnis der Bundesregierung von den jeweiligen Gruppen aus?  9. Welche Drohungen, gewaltförmigen Einschüchterungen und Übergriffe von rechtsgerichteten Hooligans auf antirassistisch orientierte Ultra- und Fangruppen des eigenen Vereins sind der Bundesregierung seit 2023 bekannt geworden (bitte jeweils nach Vorkommnis, Datum, Verein und beteiligten Gruppierungen aufschlüsseln)? 10. In wie vielen und welchen Fällen beteiligten sich nach Kenntnis der Bundesregierung während der letzten drei Jahre Hooligans und Ultras in größerer Zahl an offen neonazistischen und rechtsextremen Aufmärschen der sogenannten Neuen Rechten, insbesondere der Identitären Bewegung Deutschland (bitte jeweils nach Ort, Datum, Thema und Veranstalter des Aufzugs sowie Zugehörigkeit der Hooligans oder Ultras aufschlüsseln)? 11. In wie vielen und welchen Fällen beteiligten sich nach Kenntnis der Bundesregierung während der letzten drei Jahre Hooligans und Ultras an Kampfsportveranstaltungen der rechtsextremen Szene, wie beispielsweise „Kampf der Nibelungen“ o. Ä. (bitte jeweils nach Datum, Ort, Veranstaltung sowie Zugehörigkeit der Hooligans oder Ultras aufschlüsseln)? 12. In wie vielen und welchen Fällen beteiligten sich nach Kenntnis der Bundesregierung während der letzten drei Jahre Hooligans und Ultras in größerer Zahl an flüchtlings- und fremdenfeindlichen, islamfeindlichen, queerfeindlichen oder antisemitischen Aufzügen (bitte jeweils nach Ort, Datum, Thema und Veranstalter des Aufzugs sowie Vereinszugehörigkeit der Hooligans oder Ultras aufschlüsseln)? 13. Welche Erkenntnisse haben die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden darüber, inwieweit rechtsextreme Akteure, Parteien, Gruppierungen und Vereine den Bereich des Fußballsports als strategisches Rekrutierungs-, Aktivitäts- und Aktionsfeld nutzen bzw. kann sie hier eine Entwicklung erkennen? 14. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über Einfluss- und bzw. oder Unterwanderungsversuche der Identitären Bewegung Deutschlands auf Fangruppen bei Fußballspielen bzw. über organisierte Aktivitäten und Aktionen der IBD im Zusammenhang mit Fußballspielen, wenn ja, im Umfeld welcher Vereine und in welcher Form finden diese Einflussversuche statt (bitte nach Verein, Art und Datum der Aktivitäten und Aktionen sowie im Nachgang gegebenenfalls eingeleitete Ermittlungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen aufschlüsseln)? 15. Haben die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden Erkenntnisse über Einfluss- und bzw. oder Unterwanderungsversuche der Jungen Nationalisten auf Fangruppen bei Fußballspielen bzw. über organisierte Aktivitäten und Aktionen der JN im Zusammenhang mit Fußballspielen, wenn ja, im Umfeld welcher Vereine und in welcher Form finden diese Einflussversuche statt (bitte nach Verein, Art und Datum der Aktivitäten und Aktionen sowie im Nachgang gegebenenfalls eingeleitete Ermittlungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen aufschlüsseln)? 16. Haben die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden Erkenntnisse über Einfluss- und bzw. oder Unterwanderungsversuche der Partei Der III. Weg sowie der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ) auf Fangruppen bei Fußballspielen bzw. über organisierte Aktivitäten und Aktionen der Partei Der III. Weg bzw. der NRJ im Zusammenhang mit Fußballspielen, wenn ja, im Umfeld welcher Vereine und in welcher Form finden diese Einflussversuche statt (bitte nach Verein, Art und Datum der Aktivitäten und Aktionen sowie im Nachgang gegebenenfalls eingeleitete Ermittlungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen aufschlüsseln)? 17. Haben die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden Erkenntnisse über Einfluss- und bzw. oder Unterwanderungsversuche der Generation Deutschland auf Fangruppen bei Fußballspielen bzw. über organisierte Aktivitäten und Aktionen der GD im Zusammenhang mit Fußballspielen, wenn ja, im Umfeld welcher Vereine und in welcher Form finden diese Einflussversuche statt (bitte nach Verein, Art und Datum der Aktivitäten und Aktionen sowie im Nachgang gegebenenfalls eingeleitete Ermittlungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen aufschlüsseln)? 18. Haben die Bundesregierung und ihre nachgeordneten Behörden Erkenntnisse über Einfluss- und bzw. oder Unterwanderungsversuche weiterer rechtsextremer und neonazistischer Akteure, Parteien, Gruppierungen und Vereine auf Fangruppen bei Fußballspielen bzw. über organisierte Aktivitäten und Aktionen dieser im Zusammenhang mit Fußballspielen, wenn ja, im Umfeld welcher Vereine und in welcher Form finden diese Einflussversuche statt (bitte nach Verein, Art und Datum der Aktivitäten und Aktionen sowie im Nachgang gegebenenfalls eingeleitete Ermittlungs- und Strafverfolgungsmaßnahmen aufschlüsseln)? 19. Welche konkreten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung und ihren nachgeordneten Behörden über Unterwanderungsversuche von Rechtsextremen und Neonazis bei in Fußballspielen eingesetzten Ordnerdiensten vor (bitte nach Ordnerdienst, Datum der Partie, in deren Rahmen der Ordnerdienst eingesetzt wurde, sowie Verein, welcher den jeweiligen Ordnerdienst in Anspruch nahm, aufschlüsseln)? 20. Wie oft war im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) bzw. im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum zur Bekämpfung des Rechtsextremismus/-terrorismus (GETZ-R) seit 2023 die Thematik rechtsextremistischer Gewalt sowie Vernetzungs- und Unterwanderungsversuche rechtsextremistischer und bzw. oder neonazistischer Akteure im Zusammenhang mit Profi- und Amateurfußball Gegenstand von Besprechungen (bitte Anzahl der Besprechungen nach Jahr und Monat aufschlüsseln)? 21. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über Kontakte und Aktivitäten von rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen im Ausland seit 2023 vor (bitte entsprechend den jeweiligen Hooligan- und Ultragruppen aus Deutschland aufschlüsseln)? 22. Welche Maßnahmen im Einzelnen hat die Bundesregierung seit 2023 ergriffen, um den Einfluss fremdenfeindlich und rechtsextrem motivierter Gruppen im Umfeld von Fußballfans zurückzudrängen, und welchen Erfolg hatten diese Maßnahmen nach Kenntnis der Bundesregierung? 23. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Existenz explizit antirassistisch orientierter Fanprojekte, und inwieweit gedenkt sie, diese zu unterstützen? 24. Wie viele und welche Fanprojekte werden über die Bundesprogramme zum Thema Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unterstützt, und wie hat sich diese Unterstützung seit 2023 entwickelt? 25. Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung in die sogenannten SKB-Fandatenbanken (SKB = szenekundige Beamte) eingetragen? 26. Welche Haltung hat die Bundesregierung gegenüber einer bundesweiten unabhängigen wissenschaftlichen Melde- und Monitoringstelle für die Profifußballligen hinsichtlich rechter, rassistischer und antisemitischer Vorfälle sowie weiterer Vorfälle gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit? 27. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, ob es in der 20. oder 21. Legislaturperiode einen Antrag auf Förderung beim Bundesprogramm „Demokratie leben!“ für eine bundesweite unabhängige wissenschaftliche Melde- und Monitoringstelle für die Profifußballligen bzw. eine vergleichbare bundesweite Erfassungsstelle gab, wenn ja, wie wurde dieser Förderantrag beschieden, und wenn er abgelehnt wurde, mit welcher Begründung? 28. Gedenkt die Bundesregierung, in Zukunft Programme, wie beispielsweise die Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW, auf Bundesebene zu fördern, um ein vergleichbares unabhängiges wissenschaftliches und insbesondere bundesweites Monitoring zu rechten, rassistischen und antisemitischen Vorfällen sowie weiteren Vorfällen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu gewährleisten, und wenn nein, mit welcher Begründung? Berlin, den 8. September 2026 Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333

Relationen