Planungen von Framatome für die Produktion von Brennelementen russischer Bauart für osteuropäische Atomkraftwerke am Standort Lingen
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Planungen von Framatome für die Produktion von Brennelementen russischer Bauart für osteuropäische Atomkraftwerke am Standort Lingen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4118
21. Wahlperiode 12.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mareike Hermeier, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz
Gösta Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Agnes Conrad, Dr. Fabian Fahl,
Katalin Gennburg, Ates Gürpinar, Ina Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, Lea
Reisner, David Schliesing, Lisa Schubert, Aaron Valent, Sascha Wagner und
der Fraktion Die Linke
Planungen von Framatome für die Produktion von Brennelementen russischer
Bauart für osteuropäische Atomkraftwerke am Standort Lingen
Die „Welt“ berichtete online am 19. Dezember 2025 (www.welt.de/politik/deut
schland/plus6943a67b2fc499422c451dcd/in-niedersachsen-geplant-brisantes-n
uklearprojekt-mit-russen-beteiligung-ruft-merz-und-macron-auf-den-pla
n.html), die „HAZ“ am 16. Dezember 2025 (www.haz.de/der-norden/mit-unter
stuetzung-aus-russland-werden-in-lingen-kuenftig-brennelemente-fuer-reaktore
n-in-osteuropa-PWS4UBYVCZGOBDQ4VM23FOYTPY.html) und am
23. Dezember 2025 (www.haz.de/wirtschaft/regional/brennelemente-produktio
n-in-lingen-chefsache-framatome-braucht-know-how-aus-russland-ITYOKEU
EUVGX5LGXSJQDDCXSA4.html) sowie der „Tagesspiegel“ online am
6. Januar 2026 (www.tagesspiegel.de/politik/hilft-eine-rechtslucke-dem-diktato
r-putins-atom-geschafte-in-niedersachsen-15108529.html) ausführlich über den
aktuellen Stand bei den Planungen des französischen Atomkonzerns
Framatome für die Produktion von „russischen“ Brennelementen für osteuropäische
Atomkraftwerke am Standort in Lingen/Emsland. Weitere Schwerpunkte waren
der Stand des Genehmigungsverfahrens für diese Brennelementeproduktion mit
Know-how und in Lizenz des russischen Atomkonzerns Rosatom beim
Umweltministerium des Landes Niedersachsen sowie beim Bundesministerium für
Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Die „Welt“ beruft sich in ihrem Artikel vom 19. Dezember 2025 auf das
Nachrichtenmagazin „Politico“. Demnach seien inzwischen auch das Kanzleramt,
das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das
Bundesministerium des Innern sowie diverse Sicherheitsbehörden mit
einbezogen. Die Federführung liege auf Bundesebene beim Bundesministerium für
Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Eine Entscheidung
des niedersächsischen Umweltministeriums „könnte in den kommenden
Wochen mit dem Bundesumweltministerium getroffen werden.“ In der „HAZ“
vom 16. Dezember 2025 wird Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer
hingegen damit zitiert, dass ein Abschluss des Verfahrens „derzeit nicht
absehbar“ sei.
Berichtet wurde zudem unter Berufung auf „Politico“, dass auch Bundeskanzler
Friedrich Merz und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron im
Jahr 2025 schon persönlich über den Framatome-Rosatom-Deal für Lingen
gesprochen haben. Weder das Kanzleramt noch der Élysée-Palast hätten die
persönlichen Kontakte von Friedrich Merz und Emmanuel Macron zu dem Thema
bestätigen wollen, so „Politico“.
Auch Lobbyversuche im Deutschen Bundestag, um das laufende
Genehmigungsverfahren positiv für Framatome zu beeinflussen, wurden thematisiert. So
soll die Framatome-Tochter Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) die
Beratungsfirma Berlin Global Advisors beauftragt haben, entsprechende Gespräche
zu führen. Auch wurden angeblich Einladungen an den Firmenstandort Lingen
ausgesprochen.
In der „HAZ“ vom 16. Dezember 2025 verweist Niedersachsens
Umweltminister Christian Meyer zudem auf ein aktuelles Sicherheitsgutachten des
Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Dieses Gutachten setzt sich – wie schon
andere Stellungnahmen diverser bundesdeutscher Sicherheitsbehörden – sehr
kritisch und warnend mit dem wachsenden Einfluss der russischen Regierung in
Deutschland auseinander. Christian Meyer kommentierte diese Warnungen laut
„HAZ“ als „nicht trivial“ – „an dieser Stelle darf es keine Sicherheitsrabatte
geben“. Im Bericht der „Welt“ vom 19. Dezember 2025 verglich er die
Kooperation von Framatome mit Rosatom mit dem von ihm so bezeichneten,
inzwischen als sicherheits- und versorgungspolitischen Fehler erkannten Ausverkauf
des Gasspeichers im niedersächsischen Rheden an Gazprom.
Die „HAZ“ berichtet am 23. Dezember 2025 zudem, dass Framatome erstmals
erwäge, die Brennelementeproduktion für die osteuropäischen, „russischen“
WWER-Reaktoren aufzusplitten: die 41000-MW-Reaktoren in Tschechien und
Bulgarien sollten demnach tatsächlich aus Lingen beliefert werden, die 15440-
MW-Reaktoren hingegen aus der französischen Brennelementefabrik
Romanssur-Isère.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welchem Stadium befindet sich nach Kenntnis der Bundesregierung der
Genehmigungsantrag der Framatome/ANF (Advanced Nuclear Fuels
GmbH) zur Produktion von „russischen“ Brennelementen mit dem
Knowhow und Lizenzen von Rosatom tatsächlich?
2. Wann ist mit einer koordinierten Entscheidung zwischen der
niedersächsischen Landesregierung und der Bundesregierung nach derzeitigem
Kenntnisstand zu rechnen?
3. Welche Rolle spielen bei der Entscheidung des Genehmigungsantrags die
regelmäßigen eindringlichen Warnungen der bundesdeutschen
Sicherheitsbehörden vor dem wachsenden Einfluss der russischen Regierung,
vor Sabotage und vor der möglichen Übernahme kritischer Infrastruktur?
4. Welche konkreten Gefährdungen und Sicherheitsrisiken benennt der MAD
in seinem oben zitierten aktuellen Bericht, und welche Sichtweise nimmt
der Bundesnachrichtendienst (BND) diesbezüglich ein?
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu den schon bisher zu
„Schulungszwecken“ nach Deutschland eingereisten Mitarbeitern von
Rosatom?
6. Ist es zutreffend, dass sich Bundeskanzler Friedrich Merz und der
französische Präsident Emmanuel Macron zu dem hier thematisierten
Brennelemente-Deal zwischen Framatome und Rosatom mit Bezug auf
Lingen persönlich ausgetauscht haben, und wenn ja, wann genau, und mit
welchem Ergebnis?
7. Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass die
Beratungsfirma Berlin Global Advisors für Framatome und ANF gegenüber
Bundestagsabgeordneten tätig geworden sind?
8. Haben sich auch Mitglieder der Bundesregierung zu diesem Thema mit
Vertretern von Berlin Global Advisors – oder Framatome bzw. ANF –
getroffen, und wenn ja, mit wem konkret, wann, wie oft, und mit welchen
Ergebnissen?
9. Haben Vertreter von Berlin Global Advisors – oder von Framatome bzw.
ANF – Gespräche mit Mitarbeitern von Bundesministerien (insbesondere
den Ressorts Umwelt, Äußeres, Inneres, Wirtschaft und Kanzleramt) zu
diesem Thema geführt, und wenn ja, mit wem konkret, wann, wie oft, und
mit welchen Ergebnissen?
10. Sind der Bundesregierung die in der „HAZ“ berichteten Überlegungen
von Framatome bekannt, die Brennelementeproduktion für Osteuropa
nunmehr zwischen Frankreich und Deutschland aufzuteilen, und wenn ja,
mit welchen Anteilen, und inwieweit ist die Bundesregierung über den
Fortschritt der Planungen informiert?
11. Hält es die Bundesregierung für vertretbar, für die Versorgung
ausländischer Atomkraftwerke die deutsche kritische Infrastruktur für einen
möglichen russischen Einfluss zu öffnen, wenn diese Versorgung auch aus
anderen Ländern sichergestellt werden kann, wenn ja, warum, und wenn
nein, warum nicht?
12. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung (weitere, vgl. Frage 6)
Gespräche zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Staatspräsident
Emmanuel Macron zum Thema „Framatome/ANF, Rosatom und Lingen“
geplant, und wenn ja, wann, und zu welchem Zweck?
13. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung (weitere, vgl. Frage 6)
Gespräche zwischen anderen Mitgliedern der jeweiligen Regierung zum Thema
„Framatome/ANF, Rosatom und Lingen“ geplant, und wenn ja, wann, und
zu welchem Zweck?
14. Wie viele Tonnen Uran wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Jahr 2025 in der Trockenkonversion und in der Kalzinierung in Lingen
verarbeitet?
15. Wäre es, da die Bundesrepublik Deutschland keine eigenen
Atomkraftwerke mehr betreibt, aus Sicht der Bundesregierung nicht sinnvoll und
politisch überfällig, die Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen zu
beschließen, um so den Atomausstieg abzurunden?
Berlin, den 30. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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