Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten Grüngasquote der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/3255)
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Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten Grüngasquote der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/3255)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3570
21. Wahlperiode 12.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Dr. Malte
Kaufmann, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3255 –
Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten
Grüngasquote der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Grüngasquote ist ein von der Bundesregierung geplantes Instrument, das
Gasversorger künftig dazu verpflichten soll, einen wachsenden Anteil
erneuerbarer oder kohlenstoffarmer Gase wie Biomethan oder Wasserstoff in ihr
Angebot aufzunehmen (vgl. www.gas-h2.de/verband-gas-und-wasserstoffwirtsch
aft/publikationen-und-positionen/gruengasquote/).
Die von der Bundesregierung geplante Grüngasquote wirft erhebliche
wirtschaftliche, soziale und energiepolitische Fragen auf. In dem Gutachten „Vom
Nutzen und Nachteil einer Grüngasquote für die Transformation“, das vom
Institut der deutschen Wirtschaft und dem Wuppertal Institut erstellt wurde,
wird ausführlich dargestellt, dass dieses Instrument zentrale Probleme der
Energiewende nicht wirksam löst (www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/St
udien/Gutachten/PDF/2025/Vom_Nutzen_und_Nachteil_einer_Gr%C3 Proze
ntBCngasquote_f%C3 ProzentBCr_die_Transformation.pdf). Das Gutachten
weist darauf hin, dass die Verfügbarkeit erneuerbarer Gase wie Biomethan und
klimafreundlich erzeugter Wasserstoff begrenzt ist. Eine Quote würde daher
zu deutlichen Preissteigerungen im Gasmarkt führen, ohne dass ein
angemessenes Verhältnis zwischen Aufwand und tatsächlichem Klimaschutznutzen
entsteht.
Eine zweite Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft mit dem Titel
„Quantifizierung der Mehrkosten einer Grüngasquote“ kommt zu dem
Ergebnis, dass private Haushalte bereits im Jahr 2030 im Durchschnitt jährlich etwa
178 Euro zusätzlich für Gas aufbringen müssten (www.iwkoeln.de/fileadmin/
user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2025/Quantifizierung_der_Mehrkosten_
einer_Gr%C3 ProzentBCngasquote.pdf). Besonders betroffen wären
Menschen mit geringem Einkommen sowie Mieter, die keine Möglichkeit haben,
auf andere Heizformen auszuweichen. Die Belastung würde vollständig über
die Gaspreise weitergegeben und damit direkt auf die Nebenkosten wirken.
Auch die Wirtschaft wäre durch die geplante Quote erheblich betroffen. Für
Unternehmen, insbesondere für energieintensive Branchen, prognostizieren
die genannten Untersuchungen erhebliche Preissteigerungen. Das Institut der
deutschen Wirtschaft beschreibt Szenarien, in denen die Gaspreise für Unter-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie vom 12. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
nehmen um bis zu 28 Prozent ansteigen könnten. Der Verband der
Industriellen Energie und Kraftwirtschaft weist ebenfalls auf die Gefahr hin, dass die
internationale Wettbewerbsfähigkeit geschwächt werden könnte (https:// v i
k.de/de/media-release/vik-warnt-vor-zusatzlichen-belastungen-durch-grungas
quote-wettbewerbsfahigkeit-der-industrie-muss-vorrang-haben). Steigende
Kosten könnten Investitionsentscheidungen negativ beeinflussen und
Verlagerungen von Produktionsstandorten begünstigen.
Ein ergänzendes Dokument ist das Kurzdossier „Grüngasquote“ von Agora
Energiewende, das die strukturellen Schwächen der geplanten Quote
hervorhebt (www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2025/2025-01_IND_Gr
%C3 ProzentBCngasquote/A-EW_360_Factsheet_Gruengasquote_WEB.pdf).
Dort wird betont, dass die Quote kein effizientes Steuerungsinstrument
darstellt und hohe Kosten verursachen würde, ohne dass ein gesicherter Aufbau
der notwendigen Infrastruktur stattfinden kann. Die Analyse verweist auf das
Risiko, dass die Quote zu einem kostspieligen und zugleich wenig wirksamen
Bestandteil der Energiepolitik werden könnte.
Diese Studien zeigen übereinstimmend, dass die geplante Grüngasquote
erhebliche finanzielle Belastungen für Haushalte und Unternehmen erzeugt,
während die Wirksamkeit des Instruments begrenzt bleibt. Die
wirtschaftlichen Risiken erscheinen hoch und der zu erwartende Nutzen gering. Daher
besteht ein erheblicher Bedarf an Klärung und umfassender Bewertung durch
die Bundesregierung.
1. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der Einführung
einer Grüngasquote, und welche Probleme sollen damit aus Sicht der
Bundesregierung gelöst werden?
2. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die jährlichen Mehrkosten für
private Haushalte im Jahr 2030 und in den Folgejahren, und auf welcher
Datengrundlage beruhen diese Schätzungen?
3. Welche Auswirkungen auf die Gaspreise für Haushalte erwartet die
Bundesregierung im Vergleich zu einem Szenario ohne Grüngasquote?
4. Welche gesamtwirtschaftlichen Zusatzkosten entstehen nach
Einschätzung der Bundesregierung durch die Einführung der Grüngasquote?
5. Welche Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen erwartet die
Bundesregierung, und wie bewertet sie die Belastungen für die
energieintensive Industrie?
Die Fragen 1 bis 5 werden gemeinsam beantwortet.
Im Koalitionsvertrag ist als Ziel festgehalten, als marktgerechtes Instrument
Leitmärkte für klimafreundliche bzw. klimaneutrale Produkte zu schaffen.
Hierdurch können Anreizlücken für schwer zu dekarbonisierende Bereiche
geschlossen und durch Stärkung eines entsprechenden Heimatmarktes für
entsprechende Produkte deutsche Unternehmen in der Leitanbieterschaft
unterstützt werden. Der Koalitionsvertrag hat die politische Diskussion zu einem
neuen Quoteninstrument, einer sogenannten Grüngasquote, als mögliches
Instrument in diesem Kontext aufgegriffen. Eine Entscheidung für die Einführung
einer solchen Quote ist bisher nicht gefallen. Vielmehr prüft die
Bundesregierung ergebnisoffen auch alternative Instrumente.
Konkrete Effekte einer solchen Quote hängen sehr stark von ihrer
Ausgestaltung im Einzelnen ab. Auswirkungen können hier daher nicht beziffert werden.
Ob und in welcher Höhe Mehrkosten durch eine etwaige Grüngasquote von
privaten und gewerblichen Kunden zu tragen wären, sind wichtige
Fragestellungen, die es zu berücksichtigen gilt, wenn über die Einführung einer solchen
Quote zu entscheiden wäre.
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob
Unternehmen aufgrund steigender Gaspreise Investitionen verschieben oder
Produktionsentscheidungen anpassen könnten?
7. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko sinkender
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland im internationalen
Vergleich infolge höherer Energiekosten?
Die Fragen 6 und 7 werden gemeinsam beantwortet.
Energiepreise spielen eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit
Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Die Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit der Industrie steht im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik der
Bundesregierung. Hierzu wurden bereits zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Auf
die Antworten der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 108 des
Abgeordneten Uwe Schulz auf Bundestagsdrucksache 21/3236 wird verwiesen.
8. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um
einkommensschwache Haushalte vor zusätzlichen Belastungen durch steigende Gaspreise
zu schützen?
Zu der Frage möglicher preislicher Auswirkungen einer Grüngasquote wird auf
die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 verwiesen.
9. Welche Folgen erwartet die Bundesregierung für Mietnebenkosten, und
wie sollen Menschen in Mietwohnungen vor steigenden Kosten
geschützt werden?
Zu der Frage möglicher preislicher Auswirkungen einer Grüngasquote wird auf
die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 verwiesen. Unabhängig von einer solchen
Einführung unterstützt der Bund private Haushalte, Unternehmen und
Kommunen mit verschiedenen Förderprogrammen, wenn sie
Energieeffizienzmaßnahmen ergreifen.
10. Welche Mengen an erneuerbaren Gasen stehen nach Einschätzung der
Bundesregierung bis 2030 tatsächlich nachhaltig zur Verfügung, und wie
wirken diese Mengen auf die Höhe der Quote?
11. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass ausreichende Mengen
erneuerbarer Gase zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen beschafft werden
können?
12. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Preisverwerfungen
aufgrund knapper Verfügbarkeiten zu vermeiden?
Die Fragen 10 bis 12 werden gemeinsam beantwortet.
Die Höhe einer etwaigen Grüngasquote müsste sich u. a. auch an der
angebotsseitigen Verfügbarkeit entsprechender Grüngase orientieren, damit die Quote
erfüllbar und der Markt ausreichend liquide ist. Ein Quotenpfad müsste die
Dauer für den Zubau entsprechender Produktionskapazitäten und
Lieferinfrastruktur berücksichtigen und könnte ergänzend Flexibilitätsmechanismen
vorsehen.
13. Welche jährlichen Einsparungen von Kohlendioxid erwartet die
Bundesregierung durch die Grüngasquote, und wie bewertet sie die
Angemessenheit der erwarteten Einsparungen im Verhältnis zu den entstehenden
Kosten?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 verwiesen.
14. Wie bewertet die Bundesregierung die Grüngasquote im Vergleich zu
alternativen Instrumenten wie Investitionsförderungen,
Ausschreibungsmodellen oder technologieneutralen Marktanreizen?
Die Bundesregierung prüft entsprechend der Vereinbarungen im
Koalitionsvertrag ergebnisoffen alternative Instrumente zur Förderung des
Wasserstoffmarkthochlaufs. Hierbei zu beachten sind unter anderem Fragen der Effektivität der
gesetzten Anreize und der Nachhaltigkeit der Kostenträgerschaft bei
öffentlichen und privaten Haushalten.
15. Welche zusätzlichen Verwaltungs- und Kontrollkosten entstehen durch
die Einführung der Grüngasquote für Energieversorger und Behörden?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 verwiesen.
16. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung auf die langfristige
Struktur und Stabilität des Gasmarktes in Deutschland?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 sowie auf die Antwort zu den
Fragen 10 bis 12 verwiesen.
17. Welche wirtschaftlichen Risiken sieht die Bundesregierung für Haushalte
und Unternehmen, falls die Verfügbarkeit erneuerbarer Gase hinter den
Erwartungen zurückbleibt?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 10 bis 12 verwiesen.
18. Plant die Bundesregierung Ausnahmen oder Übergangsregelungen für
besonders betroffene Branchen oder Haushalte, und wenn ja, welche?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 5 verwiesen.
19. Welche Argumente sprechen aus Sicht der Bundesregierung dafür, die
Grüngasquote trotz der absehbaren Kostenbelastungen und der
begrenzten Wirksamkeit einzuführen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 14 verwiesen.
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