Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten Grüngasquote der Bundesregierung
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Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten Grüngasquote der Bundesregierung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3255
21. Wahlperiode 12.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Dr. Malte Kaufmann, Bernd Schattner,
Uwe Schulz, Adam Balten, Lukas Rehm, Stefan Henze, Andreas Mayer, Otto
Strauß, Dr. Christoph Birghan, Raimond Scheirich, Tobias Teich, Wolfgang
Wiehle, Hauke Finger, Reinhard Mixl, Ulrich von Zons, Stefan Keuter, Alexis L.
Giersch, Edgar Naujok, Sven Wendorf, Udo Theodor Hemmelgarn, Joachim
Bloch, Dr. Michael Blos, Rocco Kever, Kay-Uwe Ziegler, Jan Wenzel Schmidt,
Thomas Korell, Georg Schroeter, Martina Uhr, Christian Reck, Boris Gamanov,
Gerrit Huy, Mirco Hanker, Volker Scheurell, Daniel Zerbin, Dr. Christina Baum,
Julian Schmidt, Iris Nieland und der Fraktion der AfD
Wirtschaftliche Folgen, Kostenbelastungen und Effektivität der geplanten
Grüngasquote der Bundesregierung
Die Grüngasquote ist ein von der Bundesregierung geplantes Instrument, das
Gasversorger künftig dazu verpflichten soll, einen wachsenden Anteil
erneuerbarer oder kohlenstoffarmer Gase wie Biomethan oder Wasserstoff in ihr
Angebot aufzunehmen (vgl. www.gas-h2.de/verband-gas-und-wasserstoffwirtschaft/
publikationen-und-positionen/gruengasquote/).
Die von der Bundesregierung geplante Grüngasquote wirft erhebliche
wirtschaftliche, soziale und energiepolitische Fragen auf. In dem Gutachten „Vom
Nutzen und Nachteil einer Grüngasquote für die Transformation“, das vom
Institut der deutschen Wirtschaft und dem Wuppertal Institut erstellt wurde, wird
ausführlich dargestellt, dass dieses Instrument zentrale Probleme der
Energiewende nicht wirksam löst (www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gu
tachten/PDF/2025/Vom_Nutzen_und_Nachteil_einer_Gr%C3 ProzentBCngasq
uote_f%C3 ProzentBCr_die_Transformation.pdf). Das Gutachten weist darauf
hin, dass die Verfügbarkeit erneuerbarer Gase wie Biomethan und
klimafreundlich erzeugter Wasserstoff begrenzt ist. Eine Quote würde daher zu deutlichen
Preissteigerungen im Gasmarkt führen, ohne dass ein angemessenes Verhältnis
zwischen Aufwand und tatsächlichem Klimaschutznutzen entsteht.
Eine zweite Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft mit dem Titel
„Quantifizierung der Mehrkosten einer Grüngasquote“ kommt zu dem
Ergebnis, dass private Haushalte bereits im Jahr 2030 im Durchschnitt jährlich etwa
178 Euro zusätzlich für Gas aufbringen müssten (www.iwkoeln.de/fileadmin/us
er_upload/Studien/Gutachten/PDF/2025/Quantifizierung_der_Mehrkosten_eine
r_Gr%C3 ProzentBCngasquote.pdf). Besonders betroffen wären Menschen mit
geringem Einkommen sowie Mieter, die keine Möglichkeit haben, auf andere
Heizformen auszuweichen. Die Belastung würde vollständig über die Gaspreise
weitergegeben und damit direkt auf die Nebenkosten wirken.
Auch die Wirtschaft wäre durch die geplante Quote erheblich betroffen. Für
Unternehmen, insbesondere für energieintensive Branchen, prognostizieren die
genannten Untersuchungen erhebliche Preissteigerungen. Das Institut der
deutschen Wirtschaft beschreibt Szenarien, in denen die Gaspreise für Unternehmen
um bis zu 28 Prozent ansteigen könnten. Der Verband der Industriellen Energie
und Kraftwirtschaft weist ebenfalls auf die Gefahr hin, dass die internationale
Wettbewerbsfähigkeit geschwächt werden könnte (https://vik.de/de/media-relea
se/vik-warnt-vor-zusatzlichen-belastungen-durch-grungasquote-wettbewerbsfa
higkeit-der-industrie-muss-vorrang-haben). Steigende Kosten könnten
Investitionsentscheidungen negativ beeinflussen und Verlagerungen von
Produktionsstandorten begünstigen.
Ein ergänzendes Dokument ist das Kurzdossier „Grüngasquote“ von Agora
Energiewende, das die strukturellen Schwächen der geplanten Quote
hervorhebt (www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2025/2025-01_IND_Gr
%C3 ProzentBCngasquote/A-EW_360_Factsheet_Gruengasquote_WEB.pdf).
Dort wird betont, dass die Quote kein effizientes Steuerungsinstrument darstellt
und hohe Kosten verursachen würde, ohne dass ein gesicherter Aufbau der
notwendigen Infrastruktur stattfinden kann. Die Analyse verweist auf das Risiko,
dass die Quote zu einem kostspieligen und zugleich wenig wirksamen
Bestandteil der Energiepolitik werden könnte.
Diese Studien zeigen übereinstimmend, dass die geplante Grüngasquote
erhebliche finanzielle Belastungen für Haushalte und Unternehmen erzeugt, während
die Wirksamkeit des Instruments begrenzt bleibt. Die wirtschaftlichen Risiken
erscheinen hoch und der zu erwartende Nutzen gering. Daher besteht ein
erheblicher Bedarf an Klärung und umfassender Bewertung durch die
Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der Einführung
einer Grüngasquote, und welche Probleme sollen damit aus Sicht der
Bundesregierung gelöst werden?
2. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die jährlichen Mehrkosten für
private Haushalte im Jahr 2030 und in den Folgejahren, und auf welcher
Datengrundlage beruhen diese Schätzungen?
3. Welche Auswirkungen auf die Gaspreise für Haushalte erwartet die
Bundesregierung im Vergleich zu einem Szenario ohne Grüngasquote?
4. Welche gesamtwirtschaftlichen Zusatzkosten entstehen nach Einschätzung
der Bundesregierung durch die Einführung der Grüngasquote?
5. Welche Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen erwartet die
Bundesregierung, und wie bewertet sie die Belastungen für die
energieintensive Industrie?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob
Unternehmen aufgrund steigender Gaspreise Investitionen verschieben oder
Produktionsentscheidungen anpassen könnten?
7. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko sinkender
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland im internationalen Vergleich
infolge höherer Energiekosten?
8. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um
einkommensschwache Haushalte vor zusätzlichen Belastungen durch steigende Gaspreise zu
schützen?
9. Welche Folgen erwartet die Bundesregierung für Mietnebenkosten, und
wie sollen Menschen in Mietwohnungen vor steigenden Kosten geschützt
werden?
10. Welche Mengen an erneuerbaren Gasen stehen nach Einschätzung der
Bundesregierung bis 2030 tatsächlich nachhaltig zur Verfügung, und wie
wirken diese Mengen auf die Höhe der Quote?
11. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass ausreichende Mengen
erneuerbarer Gase zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen beschafft werden
können?
12. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Preisverwerfungen
aufgrund knapper Verfügbarkeiten zu vermeiden?
13. Welche jährlichen Einsparungen von Kohlendioxid erwartet die
Bundesregierung durch die Grüngasquote, und wie bewertet sie die
Angemessenheit der erwarteten Einsparungen im Verhältnis zu den entstehenden
Kosten?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die Grüngasquote im Vergleich zu
alternativen Instrumenten wie Investitionsförderungen,
Ausschreibungsmodellen oder technologieneutralen Marktanreizen?
15. Welche zusätzlichen Verwaltungs- und Kontrollkosten entstehen durch die
Einführung der Grüngasquote für Energieversorger und Behörden?
16. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung auf die langfristige
Struktur und Stabilität des Gasmarktes in Deutschland?
17. Welche wirtschaftlichen Risiken sieht die Bundesregierung für Haushalte
und Unternehmen, falls die Verfügbarkeit erneuerbarer Gase hinter den
Erwartungen zurückbleibt?
18. Plant die Bundesregierung Ausnahmen oder Übergangsregelungen für
besonders betroffene Branchen oder Haushalte, und wenn ja, welche?
19. Welche Argumente sprechen aus Sicht der Bundesregierung dafür, die
Grüngasquote trotz der absehbaren Kostenbelastungen und der begrenzten
Wirksamkeit einzuführen?
Berlin, den 5. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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