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Fragen zur Zeitumstellung

dip / drucksache 06.01.2026 · WP 21 · 21/3474 · Große Anfrage · Original ↗

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Fragen zur Zeitumstellung [Deutscher Bundestag Drucksache 21/3474 21. Wahlperiode 06.01.2026 Große Anfrage der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann, Adam Balten, Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder, René Bochmann, Robin Jünger, Maximilian Kneller, Sergej Minich, Martin Reichardt, Sven Wendorf und der Fraktion der AfD Fragen zur Zeitumstellung Die halbjährliche Zeitumstellung zwischen Normalzeit („Winterzeit“) und Sommerzeit wird seit Jahrzehnten mit unterschiedlichen Begründungen aufrechterhalten. Ursprünglich sollte sie zur Energieeinsparung beitragen – ein Ziel, das nach heutiger Forschung kaum noch Relevanz besitzt. Gleichzeitig deuten zahlreiche medizinische und gesellschaftswissenschaftliche Studien auf gesundheitliche und soziale Folgewirkungen der Zeitumstellung hin. Dazu zählen Schlafstörungen, Kreislaufbelastungen, erhöhte Unfallraten und messbare Einschränkungen der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit (www.aok.de/pk/ magazin/familie/eltern/wie-die-zeitumstellung-den-koerper-belastet/, Stand: 11. Oktober 2025, www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Chronobiologie-Ist-die-Zeit umstellung-gesundheitsschaedlich,chronobiologie104.html, Stand: 12. November 2025). Nach einer Vielzahl der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen stehen negative physiologische und psychologische Effekte den ursprünglich angestrebten Nutzen gegenüber. Studien des „The New England Journal of Medicine“ und anderer Fachjournale dokumentieren eine Zunahme akuter kardiovaskulärer Ereignisse (z. B. Myokardinfarkte) in den Tagen nach der Umstellung (vgl. www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc0807104, Stand: 10. November 2025). Auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM) weist im Kontext der Umstellung neben möglichen positiven Effekten auch auf gesundheitlich problematische Folgen hin (unter anderem zu finden unter: https://dgsm-kongress.de/fileadmin/dgsm/202 6/docs/2025/DGSM25_PM_Zeitumstellung.pdf, Stand: 10. November 2025). Trotz dieser Forschungslage und einer EU-weiten Bürgerbefragung von 2018, in der sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aussprachen (European Commission Consultation 2018, hier zu finden: https:// ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_18_5302, Stand: 10. November 2025), wurden auf europäischer wie nationaler Ebene bislang keine durchgreifenden Schritte zur Umsetzung dieser Erkenntnisse unternommen. Gerade vor dem Hintergrund des gesetzlichen Auftrags des Deutschen Bundestages zur Technikfolgenabschätzung (§ 56 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages) stellt sich den Fragestellern die Frage, inwieweit die Bundesregierung ggf. wissenschaftliche Erkenntnisse zu den medizinischen, psychologischen, energetischen und gesellschaftlichen Folgen der Zeitumstellung systematisch erfasst, bewertet und in die politische Entscheidungsfindung integriert. All diese Punkte legen den Horizont frei für die folgenden Fragen. Wir fragen die Bundesregierung: 1. Liegen der Bundesregierung wissenschaftliche Studien und Gutachten zur gesundheitlichen, psychologischen und gesellschaftlichen Wirkung der Zeitumstellung vor, und wenn ja, welche? 2. Wenn die Frage 1 bejaht wird, wie bewertet die Bundesregierung auf Grundlage dieser Erkenntnisse die kurz- und langfristigen physiologischen Folgen der Zeitumstellung (z. B. Schlafrhythmus, Herz-Kreislauf- System, Unfallstatistik)? 3. Welche Studien oder Modellierungen hat die Bundesregierung zur Überprüfung der Energie- und Klimawirkungen der Zeitumstellung seit 2010 ggf. ausgewertet oder beauftragt? 4. Hat die Bundesregierung die Erkenntnisse der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V. (DGSM) in ihre Bewertung einbezogen, und wenn ja, inwieweit? 5. Existieren Untersuchungen zur volkswirtschaftlichen Produktivität und Leistungsfähigkeit in den Wochen nach der Zeitumstellung, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus? 6. Werden aus Bundesmitteln laufende oder geplante Forschungsvorhaben zur Thematik „Zeitumstellung und Gesundheit“ gefördert (z. B. Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V., Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.), und wenn ja, welche? 7. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung ggf. aus den Ergebnissen der EU-weiten Bürgerbefragung aus dem Jahr 2018, insbesondere im Hinblick auf die Wahrnehmung gesundheitlicher Belastungen (vgl. Frage 6)? 8. Warum wurden trotz entsprechender wissenschaftlicher Befunde und Bürgermehrheit bislang keine legislativen oder exekutiven Initiativen auf nationaler Ebene ergriffen, um die Zeitumstellung auszusetzen oder deren Folgen zu mindern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)? 9. Plant die Bundesregierung, den Forschungs- und Bewertungsstand zur Zeitumstellung in einem zusammenfassenden Bericht nach dem Vorbild der Technikfolgenabschätzungsberichte des Büros für Technikfolgen- Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) darzustellen, und falls ja, bis wann? Berlin, den 19. Dezember 2025 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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