Mögliche gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder
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Mögliche gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/796
21. Wahlperiode 08.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Nicole Höchst, Adam Balten,
Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder, René
Bochmann, Robin Jünger, Maximilian Kneller, Sergej Minich, Martin Reichardt,
Dr. Paul Schmidt, Sven Wendorf, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L. Giersch,
Martina Kempf, Stefan Möller, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion
der AfD
Mögliche gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer
Felder
Im Elften Emissionsminderungsbericht informiert die Bundesregierung über
neuere Forschungsprojekte des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) zu möglichen gesundheitlichen
Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF-EMF), die im
Mobilfunk zur Anwendung kommen (Elfter Bericht der Bundesregierung über
die Forschungsergebnisse in Bezug auf die Emissionsminderungsmöglichkeiten
der gesamten Mobilfunktechnologie und in Bezug auf gesundheitliche
Auswirkungen; Bundestagsdrucksache 21/13 vom 9. April 2025).
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
hatte bereits vor zwei Jahren in einem umfangreichen Arbeitsbericht die in den
Augen der Fragesteller schier unübersehbare, hoch kontroverse und
widersprüchliche Forschungslage zu diesem Thema analysiert („Mögliche
gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Frequenzbereiche elektromagnetischer
Felder [HF-EMF]“; Bundestagsdrucksache 20/5646). Daraus wurde ersichtlich,
dass viele wissenschaftliche Studien Entwarnung hinsichtlich gesundheitlicher
Beeinträchtigungen durch diese Felder geben, zahlreiche andere hingegen
davon überzeugt sind, ernsthafte Gefahren bis hin zu Tumoren identifiziert zu
haben (vgl. z. B. ElektrosmogReport 1-2025: www.diagnose-funk.org/aktuelles/ar
tikel-archiv/detail?newsid=2178).
Vor allem gaben zwei großangelegte Langzeit-Tierstudien aus den USA und
Italien Anlass zur Besorgnis. Diese hatten unabhängig voneinander
Tumorbildungen bei Ratten und Mäusen festgestellt, die solchen Feldern ausgesetzt
waren (siehe obengenannter TAB-Bericht, S. 144 ff.).
Aufgrund der unzureichenden Studienlage kommt der TAB-Bericht zu dem
Ergebnis, dass weitere wissenschaftliche Untersuchungen, besonders im
Langzeitbereich, dringend erforderlich seien. Dazu weist der Bericht auf bestehende
„hochspezialisierte Forschungskapazitäten und -kompetenzen“ zu HF-EMF in
Deutschland hin, die „ohne eine kontinuierliche Mittelausstattung nicht
aufrechterhalten werden können“ (S. 14 f.).
Der Elfte Emissionsminderungsbericht der Bundesregierung möchte nun
allerdings Entwarnung hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Gefahren
hochfrequenter elektromagnetischer Felder geben. Dabei nimmt er Bezug auf Karipidis
et al. (2024), Feychting et al. (2024) und auch auf das Deutsche Mobilfunk
Forschungsprogramm (DMF) aus den Jahren 2002 bis 2008 (Karipidis et al.: www.
sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412024005695?via%3Dihub;
Feychting et al.: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S01604120240013
87?via%3Dihub). Dagegen geht er nicht auf die zahlreichen Studien ein, die
durchaus Gefährdungspotenziale im Mobilfunk sehen.
Allerdings konzediert der Elfte Emissionsminderungsbericht durchaus noch
Forschungsbedarf: „Zur Klärung von noch offenen Fragen und Reduzierung
von wissenschaftlichen Unsicherheiten bezüglich Langzeitwirkung intensiver
Mobilfunkgerätenutzung, Wirkungen von Millimeterwellen (> 20 GHz),
Wirkungen auf Tiere und Pflanzen, Exposition durch neue Antennentypen sowie
Kleinzellen, und andere komplexe Expositionsszenarien geht das BfS [
Bundesamt für Strahlenschutz] dem noch bestehenden Forschungsbedarf weiterhin
nach“ (ebd., S. 4).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Mit welchen finanziellen Mitteln förderte oder fördert die
Bundesregierung die im Zehnten und Elften Emissionsminderungsbericht
beschriebenen Forschungsvorhaben (bitte einzeln je Forschungsvorhaben angeben)?
2. Welche finanziellen Mittel wandte die Bundesregierung insgesamt zur
Erforschung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen hochfrequenter
elektromagnetischer Felder seit 2022 auf (bitte pro Jahr und nach Ressort und
Forschungsvorhaben näher aufschlüsseln, soweit nicht in Frage 1 erfasst)?
3. Welche finanziellen Mittel plant die Bundesregierung, künftig pro Jahr für
die Erforschung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen dieser Felder
einzusetzen?
4. Welche Forschungsvorhaben plant das BMUKN zum Thema der HF-EMF
ggf. über die im Elften Emissionsminderungsbericht genannten hinaus?
5. Setzt die Bundesregierung die Anregung aus dem in der Vorbemerkung
der Fragesteller genannten TAB-Bericht zur Nutzung weiterer
„hochspezialisierter Forschungskapazitäten“ bereits um und sichert die dort
geforderte „kontinuierliche Mittelausstattung“?
a) Wenn ja, in welcher Form und in welchem Umfang geschieht das?
b) Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, die genannten
Anregungen des TAB in Zukunft umzusetzen, und wenn ja, in welcher Form
und in welchem Umfang?
6. Wie erklärt die Bundesregierung, dass im Elften
Emissionsminderungsbericht zur Stützung der darin vertretenen Position u. a. auch auf ältere, nach
Auffassung der Fragesteller veraltete Studien des Deutschen Mobilfunk
Forschungsprogramms (DMF) aus den Jahren von 2002 bis 2008
zurückgegriffen wird?
7. Hat sich die Bundesregierung zu den Ergebnissen des obengenannten
TAB-Berichts eine Auffassung gebildet, welcher insbesondere
wesentliche Fragen, wie z. B. das Krebsrisiko, für noch ungeklärt und weitere
Forschung für nötig hält, und wenn ja, wie lautet die entsprechende
Auffassung der Bundesregierung dazu?
8. Ist der Bundesregierung die neue, von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) mitfinanzierte erstellte Studie von Mevissen et al. (2025) bekannt,
die eine Erhöhung des Krebsrisikos durch HF-EMF bei Tieren feststellt
(www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412025002338), wenn
ja, hat sich die Bundesregierung zu diesen Ergebnissen eine eigene
Auffassung erarbeitet, und wie lautet diese ggf.?
9. Verfolgt die Bundesregierung die umfangreiche internationale Forschung
zu gesundheitlichen Auswirkungen von HF-EMF, und wenn ja,
inwieweit?
10. Hält die Bundesregierung die zahlreichen und vielfältigen Studien, die
gesundheitliche Beeinträchtigungen durch hochfrequente
elektromagnetische Felder nachgewiesen zu haben meinen, für unzuverlässig
beziehungsweise widerlegt, und wenn ja, inwieweit?
11. Schließt sich die Bundesregierung ggf. dabei der Aussage der früheren
Bundesregierung (2020) an, „Eine Bewertung, dass eine Wirkung nicht
nachgewiesen ist, gilt vielmehr dann als gesichert, wenn viele
wissenschaftliche Untersuchungen keine Wirkung nachgewiesen haben und die
Mehrheit der mit der Bewertung befassten Fachleute sich darin einig ist“
(Bundestagsdrucksache 19/18334, S. 4)?
12. Führt die Bundesregierung zwecks Findung einer Position zum
gesundheitlichen Einfluss von HF-EMF bei der Würdigung beziehungsweise
Gewichtung der Ergebnisse von Studien eine Systematisierung bei den
Methodiken in diesen Studien durch, wie in Mevissen et al. (2025)
geschehen (Quelle: siehe Frage 8), wenn ja, inwiefern, und welche anderen
Kriterien zieht sie ggf. heran?
13. Spielt für die Bundesregierung bei der Beurteilung der gesundheitlichen
Auswirkungen von HF-EMF das Vorsorgeprinzip eine Rolle, und wenn ja,
inwiefern?
14. Wie erklärt die Bundesregierung die im Elften
Emissionsminderungsbericht nach Ansicht der Fragesteller ersichtliche Verlagerung der
Forschungsschwerpunkte von naturwissenschaftlich-medizinischen auf
stärker gesellschaftswissenschaftliche Themen, insbesondere zu Besorgnissen
der Bevölkerung?
15. Wie erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig die
Festlegung der Grenzwerte für HF-EMF-Expositionen beziehungsweise
welches Procedere ist für deren Überprüfung und ggf. Anpassung
vorgesehen?
16. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. über die
gesundheitlichen Auswirkungen von HF-EMF durch Mobilfunkstationen und
Mobilfunktelefonen vor, und welche Konsequenzen zieht sie daraus
(insbesondere Regulierungen und Grenzwerte)?
Berlin, den 26. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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