Arbeitsunfallrisiko und Zeitumstellung
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Arbeitsunfallrisiko und Zeitumstellung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2023
21. Wahlperiode 07.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lukas Rehm, René Springer, Peter Bohnhof, Gerrit Huy,
Jan Feser, Achim Köhler, Ulrike Schielke-Ziesing, Bernd Schuhmann, Thomas
Stephan, Stephan Brandner und der Fraktion der AfD
Arbeitsunfallrisiko und Zeitumstellung
Zweimal jährlich erfolgt die Umstellung der Uhren: im März von der
Normalzeit (umgangssprachlich „Winterzeit“) auf die Sommerzeit, im Oktober die
Rückumstellung. Die Europäische Gemeinschaft führte im Jahr 1980 eine
einheitliche Regelung zur Zeitumstellung ein, um den Binnenmarkt zu
synchronisieren und Energie einzusparen. Die Praxis der Zeitumstellung birgt jedoch
gesundheitliche Risiken wie Biorhythmusstörungen sowie sicherheitsrelevante
Gefahren, darunter erhöhtes Unfallrisiko.
Aus der Forschung zu Verkehrsunfällen ist bekannt, dass die Zeitumstellung
Einfluss auf das Verkehrsunfallgeschehen hat (www.sciencedirect.com/science/
article/pii/S0022437522001141). Überdies häufen sich nach der Zeitumstellung
Schlaganfälle (www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2508293122) und Herzinfarkte,
was auf Störungen des zirkadianen Rhythmus zurückgeführt wird (www.aerzte
blatt.de/archiv/zeitumstellungen-und-herzinfarktrisiko-ffe2be61-335e-4ed2-95c
9-78192cf87a42). Auch das Risiko für Fettleibigkeit kann durch die
Zeitumstellung negativ beeinflusst werden. In einer US-amerikanischen Studie aus
dem Jahr 2009 wird festgestellt, dass am Tag nach der Sommerzeitumstellung
Arbeitsunfälle um 5,7 Prozent steigen (www.apa.org/pubs/journals/releases/apl
9451317.pdf). Der Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen
Bundestages im Jahr 2014 beschreibt die heterogene Studienlage (www.bundes
tag.de/resource/blob/408344/WD-9-052-14-pdf.pdf), während der
Unfallverhütungsbericht 2023 (Bundestagsdrucksache 20/14315) das Thema ausspart.
Die bekannten Studien deuten an, dass verminderte Schlafqualität
Reaktionszeiten verlängert und sich damit das Risiko für Arbeits- und Wegeunfälle
erhöht. Mit dieser Kleinen Anfrage wird untersucht, ob das Unfallrisiko in den
Tagen und Wochen nach der Zeitumstellung statistisch belegbar zunimmt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Definitionen und Abgrenzungen von „Arbeitsunfall“ und
„Wegeunfall“ (jeweils einschließlich Erfassungskriterien, Meldepflichten und
Zeitangaben) liegen nach Kenntnis der Bundesregierung den Statistiken
der gesetzlichen Unfallversicherung zugrunde, und in welcher zeitlichen
und regionalen Auflösung sind diese Daten auswertbar?
2. Welche Auswertungen oder Berichte haben die Deutsche Gesetzliche
Unfallversicherung (DGUV) als Spitzenverband und die
Berufsgenossenschaften seit 2015 zu Arbeits- und Wegeunfällen im Zusammenhang mit
der Zeitumstellung nach Kenntnis der Bundesregierung erstellt, und
welche wesentlichen Ergebnisse liegen nach Kenntnis der
Bundesregierung vor?
3. Welche Untersuchungen oder Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Zusammenhang von Zeitumstellung und
Unfallgeschehen (Arbeits- und Wegeunfälle) sind der Bundesregierung
bekannt, und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?
4. Wie verändern sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahlen bei
Arbeits- und Wegeunfällen am ersten Werktag nach der Zeitumstellung
sowie in der ersten Woche und im ersten Monat danach gegenüber dem
jeweiligen Jahresdurchschnitt bzw. geeigneten Vergleichszeiträumen,
getrennt nach Umstellung auf Sommerzeit (Frühjahr) und auf Normalzeit
(Herbst), und liegen statistisch signifikante Befunde vor?
5. Wie viele zusätzliche Arbeits- und Wegeunfälle sind nach Kenntnis der
Bundesregierung den Zeitumstellungen zuzuordnen (absolute Zahlen und
prozentuale Abweichungen), jährlich seit 2015 und getrennt nach
Umstellung auf Sommerzeit und auf Normalzeit?
6. Wie viele zusätzliche tödliche Arbeits- und Wegeunfälle sind nach
Kenntnis der Bundesregierung statistisch den Zeitumstellungen zuzuordnen,
jährlich seit 2015 und getrennt nach Umstellung auf Sommerzeit und auf
Normalzeit (bitte absolute Zahlen und prozentuale Abweichungen
nennen)?
7. Verändert sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Schwere von
Arbeits- und Wegeunfällen in den Tagen nach der Zeitumstellung (z. B.
Dauer der Arbeitsunfähigkeit, Rehafälle oder Todesfälle), und wenn ja, in
welcher Größenordnung?
8. Welche Befunde zeigen sich nach Kenntnis der Bundesregierung rund um
die Zeitumstellungen auf Sommerzeit und auf Normalzeit in
unfallgefährdeten Branchen wie Baugewerbe, Industrie bzw. Produktion, Gesundheits-
und Pflegewesen, Transport und Logistik, Landwirtschaft (bitte getrennt
nach Arbeits- und Wegeunfällen aufführen)?
9. Welche Erkenntnisse bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung zu
Wegeunfällen nach Verkehrsmitteln (z. B. Pkw, Fahrrad, zu Fuß) und
Siedlungsstruktur (städtisch oder ländlich) in den Tagen nach der
Zeitumstellung, und zeigen sich Unterschiede zwischen der Folgezeit nach
Umstellung zur Sommerzeit bzw. Normalzeit?
10. Welche Befunde liegen nach Kenntnis der Bundesregierung für Schicht-
und Nachtarbeit vor, insbesondere zur Verteilung der Unfälle nach
Tageszeit rund um die Zeitumstellung im Vergleich zu anderen Zeiträumen bzw.
zum Jahresdurchschnitt?
11. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung regionale Unterschiede (z. B.
zwischen Bundesländern oder Stadt bzw. Land) bei Arbeits- oder
Wegeunfällen im Zusammenhang mit der Zeitumstellung, und wie werden diese
erklärt?
12. Welche Datenlücken sieht die Bundesregierung ggf. bei DGUV,
Berufsgenossenschaften und BAuA zur Bewertung von Unfalleffekten der
Zeitumstellung, und welche Schritte werden nach Kenntnis der Bundesregierung
ggf. unternommen, um diese zu beheben?
13. Welche Präventionsmaßnahmen empfehlen nach Kenntnis der
Bundesregierung DGUV, Berufsgenossenschaften und BAuA für Arbeitgeber und
Beschäftigte rund um die Zeitumstellung?
14. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Bundesamt für
Soziale Sicherung (BAS), die BAuA und die DGUV zur Abschaffung der
Zeitumstellung positioniert?
15. Welche Gesamtbewertung nimmt die Bundesregierung unter
Einbeziehung der Risiken der Zeitumstellung für die Arbeitssicherheit vor?
Berlin, den 27. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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