Export tragbarer Einweg-Waffensysteme nach Israel
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Export tragbarer Einweg-Waffensysteme nach Israel
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3117
21. Wahlperiode 04.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lea Reisner, Ulrich Thoden, Desiree Becker, Gökay Akbulut,
Janina Böttger, Maik Brückner, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar,
Jan Köstering, Stella Merendino, Edis Mirze, Charlotte Antonia Neuhäuser,
Cansu Özdemir, Zada Salihović, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der
Fraktion Die Linke
Export tragbarer Einweg-Waffensysteme nach Israel
Nach öffentlich zugänglichen Informationen genehmigten sowohl die
Bundesregierung unter dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz als auch die
Nachfolgeregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz seit dem 7. Oktober 2023
die umfangreiche Ausfuhr verschiedener Kriegswaffen und sonstiger
Rüstungsgüter nach Israel im Gesamtwert von etwa 500 Mio. Euro (vgl.
„Bundesregierung erlaubt neue Rüstungsexporte nach Israel“, DIE ZEIT vom 1. Oktober
2025, www.zeit.de/politik/deutschland/2025-10/waffenlieferungen-israel-bund
esregierung-export-ruestung). Während die Genehmigung kommerzieller
Rüstungsexporte in den Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie fällt, obliegt die Genehmigung von Lieferungen aus den
Beständen der Bundeswehr (Länderabgaben) dem Bundesministerium für
Verteidigung (vgl. „Hat die Bundesregierung vor Gericht nur die halbe Wahrheit
gesagt?“, STERN vom 31. Oktober 2025, www.stern.de/politik/deutschland/waff
en-fuer-israel--hat-die-regierung-nur-die-halbe-wahrheit-gesagt--3617175
8.html). Zu den genehmigten Ausfuhren zählen nach Medienberichten auch
tragbare Einweg-Waffensysteme vom Typ RGW 90, die gegen Panzer und
befestigte Stellungen eingesetzt werden (vgl. „MATADOR bewährt sich im
Häuserkampf in Gaza“, cpm Defence Network vom 8. Juli 2025, https://defence-net
work.com/matador-bewaehrt-sich-im-haeuserkampf-in-gaza/). Diese
Waffensysteme wurden verschiedenen Berichten zufolge im Häuserkampf im
Gazastreifen verwendet (vgl. „Ampel soll kurz vor Bruch Raketenwerfer für Israel
genehmigt haben“, ntv vom 14. August 2025, www.n-tv.de/politik/Ampel-
sollkurz-vor-Bruch-Raketenwerfer-fuer-Israel-genehmigt-haben-article2596585
4.html). Die Produktion des Waffensystems erfolgt in Burbach (Siegerland)
durch die Firma Dynamit Nobel Defense im Rahmen einer deutsch-israelischen
Kooperation (vgl. „Welche Verantwortung trägt Deutschland?“, DIE ZEIT vom
14. August 2025, www.zeit.de/2025/35/ruestungsexport-israel-cdu-spd-gr
uene). Zu den Abnehmern des Systems zählte bereits in der Vergangenheit die
israelische Armee (Israel Defense Forces – IDF; vgl. „Welche Verantwortung
trägt Deutschland?“, DIE ZEIT vom 14. August 2025, www.zeit.de/2025/35/ru
estungsexport-israel-cdu-spd-gruene).
Die Bundesregierung genehmigte nach dem Terrorangriff der Hamas am
7. Oktober 2023 neben weiteren Rüstungsgütern die Ausfuhr von 3 000
Waffensystemen desselben Typs nach Israel (vgl. „Welche Verantwortung trägt
Deutschland?“, DIE ZEIT vom 14. August 2025, www.zeit.de/2025/35/ruestun
gsexport-israel-cdu-spd-gruene). In der zweiten Jahreshälfte 2024 erfolgte eine
weitere Genehmigung, obwohl den israelischen Streitkräften zu diesem
Zeitpunkt bereits Kriegsverbrechen vorgeworfen wurden (vgl. „Welche
Verantwortung trägt Deutschland?“, DIE ZEIT vom 14. August 2025, www.zeit.de/2025/
35/ruestungsexport-israel-cdu-spd-gruene).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Einzelgenehmigungen für den Export der vorgenannten
Raketenwerfer oder seiner Varianten an den Staat Israel hat die
Bundesregierung im Jahr 2024 bis zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Kleinen
Anfrage erteilt (bitte nach Quartalen aufschlüsseln und bitte jeweils den
genehmigten Warenwert in Euro angeben)?
2. Wie lange ist eine Genehmigung für den Export von Kriegswaffen wie
den fraglichen Raketenwerfern nach Kenntnis der Bundesregierung in der
Regel gültig bzw. nach welchem Zeitraum müssen hierfür weitere
Unterlagen nachgereicht werden?
3. Welche Genehmigungsinhaber (Unternehmen, Forschungseinrichtungen
oder sonstigen juristischen Personen) haben laut Bundesregierung im Jahr
2024 bis zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Kleinen Anfrage
Genehmigungen zur Ausfuhr der fraglichen Raketenwerfer nach Israel erhalten
(bitte mit Hauptstandort je Bundesland auflisten)?
4. Handelt es sich nach Kenntnis der Bundesregierung bei den im Jahr 2024
genehmigten oder ausgelieferten Raketenwerfern (bzw. entsprechenden
Komponenten) um eine Teilmenge der bereits im Jahr 2023 genehmigten
Systeme, deren Auslieferung sich ggf. verzögert hatte?
5. Lag nach Wissen der Bundesregierung für diese nachträglichen Ausfuhren
im Jahr 2024 noch eine gültige Genehmigung aus dem Jahr 2023 vor oder
wurden diese Ausfuhren erneut geprüft?
6. In welchem Umfang wurden laut Bundesregierung im Jahr 2024 die
gegenständlichen Waffensysteme tatsächlich aus der Bundesrepublik
Deutschland nach Israel ausgeführt (bitte nach Stückzahl, Wert,
Ausfuhrdatum und Empfänger aufschlüsseln)?
7. In welchem Umfang hat die Bundesregierung im Jahr 2024 die
tatsächliche Ausfuhr und Endverwendung der fraglichen Raketenwerfer
nachverfolgt?
8. Wurden laut Bundesregierung sogenannte Post-Shipment-Verifikationen
durchgeführt?
a) Wenn ja, wann, und mit welchen Ergebnissen?
b) Wenn nein, weshalb nicht?
9. In welchem Umfang wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr
2024 Komponenten, Bauteile oder Vorprodukte der in Rede stehenden
Raketenwerfer an andere EU-Mitgliedstaaten oder Drittstaaten geliefert,
a) die dort weiterverarbeitet oder zusammengefügt und anschließend
nach Israel exportiert wurden oder
b) bei denen eine solche Endverwendung nach Kenntnis der
Bundesregierung möglich oder wahrscheinlich ist
(bitte nach Empfängerländern, Genehmigungswerten und, soweit möglich,
den beteiligten Unternehmen aufschlüsseln)?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass Genehmigungen in
mehreren Tranchen oder monatlich erteilt wurden, um eine öffentliche
Wahrnehmung zu vermeiden, wie Medien berichten?
a) Wenn ja, wer traf nach Wissen der Bundesregierung diese
Entscheidung?
b) Welche Erwägungen lagen dieser Vorgehensweise zugrunde?
11. Welche Position vertrat das Auswärtige Amt laut Bundesregierung bei den
Entscheidungsprozessen über die Genehmigung der Ausfuhr von
tragbaren Einweg-Waffensystemen an Israel im Jahr 2024?
12. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den Einsatzort der
im Jahr 2024 genehmigten Systeme vor, und welche Kenntnisse hat die
Bundesregierung über mögliche Einsätze im Gazastreifen?
13. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung hieraus im Hinblick auf
ihre Verpflichtungen aus dem Gemeinsamen Standpunkt der EU zu
Rüstungsexporten sowie dem humanitären Völkerrecht?
14. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der von Israel am
8. Oktober 2024 abgegebenen Selbstverpflichtungserklärung, ob die aus
Deutschland gelieferten Waffen zweckkonform und im Einklang mit dem
humanitären Völkerrecht verwendet wurden?
Berlin, den 26. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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