Bewirtschaftung des Edersees
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Bewirtschaftung des Edersees
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2318
21. Wahlperiode 20.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tarek Al-Wazir, Swantje Henrike Michaelsen, Victoria Broßart,
Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Bewirtschaftung des Edersees
Der Edersee ist Teil der Eder, die über die Fulda mit anderen Flüssen wie der
Weser verbunden ist. In diesem Zusammenhang dient der Edersee seit der
Fertigstellung der Staumauer im Jahr 1914 als Stausee, der den Wasserstand der
Fulda reguliert und damit indirekt die Schifffahrt auf der Weser unterstützt. Bei
starkem Regen kann der See auch überschüssiges Wasser speichern und
reduziert somit das Hochwasserrisiko entlang von Eder und Fulda. Des Weiteren
spielt der Edersee eine zentrale Rolle für den Tourismus in der Region, der in
den letzten Jahrzehnten eine immer größere Bedeutung bekommen hat. Als
einer der größten Stauseen Deutschlands bietet er eine Vielzahl an
Freizeitmöglichkeiten. Eingebettet in den Nationalpark Kellerwald-Edersee, einem von der
UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und
Kultur) als Weltnaturerbe anerkannten Gebiet, ist der See und seine Umgebung
nicht nur ein beliebtes Ziel für Natur- und Wandertourismus, sondern bietet
auch einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt eine Heimat. Darüber hinaus
spielt der Edersee eine wichtige Rolle für den Betrieb des
Laufwasserkraftwerkes in der Staumauer sowie des dortigen Pumpspeicherkraftwerkes, die
nachhaltigen Strom aus Wasserkraft erzeugen und speichern. Durch den stabilen
Wasserspeicher im See kann das Kraftwerk konstant Strom erzeugen,
vorausgesetzt, der Wasserspiegel bleibt im ausreichenden Bereich. Diese langfristige
Verfügbarkeit ist wichtig, weil Wasserkraftwerke im Allgemeinen geringere
Betriebskosten im Vergleich zu fossilen Kraftwerken haben und einen
wesentlichen Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele leisten. Die
Bewirtschaftung der Edertalsperre ist seit Jahren Gegenstand intensiver
Diskussionen zwischen Behörden, unterschiedlichen Interessenvertretungen und der
Region. Die zunehmenden sommerlichen Trockenperioden haben immer öfter
zu im Jahresverlauf immer frühzeitigeren Niedrigwasserständen im Edersee
geführt. Mit der Einführung der sog. Triggerlinie und des Wintersparbetriebs
wurde ein fünfjähriger Probebetrieb gestartet, um Wasser gezielter einzusetzen und
Nutzungskonflikte auszugleichen. Ziel war es, trotz Trockenperioden die
Schifffahrt auf der Oberweser abzusichern und zugleich den Wasserstand des
Edersees besser zu schonen. Nach dem Auslaufen des Probebetriebs im Jahr
2024 stellt sich nun die Frage, warum die gewonnenen Erfahrungen nach
Wahrnehmung der Fragestellenden keinerlei Konsequenzen haben, sondern man
vonseiten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Weser zur
ursprünglichen Bewirtschaftung zurückkehrt, ohne zu klären, wie künftig mit den
Belangen von Wasserwirtschaft, Tourismus, Ökologie und Anrainern
umgegangen wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchem Grund wurde der sog. Triggerlinienbetrieb am Edersee nach
fünf Jahren beendet?
2. Gibt es eine Auswertung des Probebetriebs durch das Wasserstraßen- und
Schifffahrtsamt, und wenn ja, was hat diese Auswertung ergeben (bitte bei
Verfügbarkeit als Anhang anfügen)?
3. Ist es die Aufgabe des WSA, darauf zu achten, dass der Wasserspiegel im
Edersee in einem möglichst optimalen Bereich für alle Nutzungen
(Kraftwerk, Hochwasserschutz, Freizeit, Naturschutz) liegt, und wenn nein,
warum nicht?
4. Warum gab und gibt es aus Sicht der Bundesregierung, nach dem
Auslaufen des „Triggerlinienbetriebs“ keine weiteren Gespräche der
Interessengemeinschaft Oberweser und des Regionalverbands Eder-Diemel mit dem
WSA zur künftigen Edersee-Bewirtschaftung?
5. Welche Maßnahmen unternimmt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt
Weser für eine sparsamere Bewirtschaftung der Edertalsperre im
Sommer?
6. Plant das WSA die Mindestreserve in der Talsperre für trockene Sommer
heraufzusetzen und den Wintersparbetrieb auszuweiten, um so zusätzliche
Bewirtschaftungsreserven in niederschlagsarmen Monaten vorzuhalten,
und wenn nein, warum nicht?
7. Welche Bedeutung hat der Edersee aus Sicht der Bundesregierung für den
Hochwasserschutz der Region?
8. Welche Bedeutung hat der Edersee aus Sicht der Bundesregierung im
Rahmen der Erzeugung erneuerbaren Stroms und als Speicher durch das
dortige Wasserkraftwerk sowie das Pumpspeicherkraftwerk für die
Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung?
9. Wie viele Binnenschiffe passieren nach Kenntnis der Bundesregierung die
Weser täglich, und welchen Wasserpegel benötigen diese Schiffe?
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Binnenschiffe auf der Weser im Verlauf der letzten 15 Jahre entwickelt (bitte
nach Jahren aufschlüsseln), und welche Wassertiefe benötigten diese
Binnenschiffe?
11. Behält das WSA bei der Abgabe des Wassers aus dem Edersee im Blick,
ob der Wasserpegel im Edersee ausreichend ist, damit das Edersee-
Kraftwerk weiterhin Strom erzeugen kann, und wenn nein, warum nicht?
12. Ist es aus Sicht der Bundesregierung wichtiger, den Wasserpegel der
Weser konstant zu halten oder den Wasserpegel im Edersee, um den Betrieb
des Edersee-Kraftwerkes zu gewährleisten, das touristische Angebot
aufrechtzuerhalten und den Edersee im Rahmen des Hochwasserschutzes zu
nutzen?
13. Wie bewertet die Bundesregierung das Auslaufen des Probebetriebs der
Triggerlinie im Zusammenhang mit den Vorgaben aus dem
Klimaanpassungsgesetz?
14. Auf welche Daten und Messreihen greift das WSA bei der Berechnung
der wasserwirtschaftlichen Maßnahmen zum Hochwasserschutz im
Bereich der Edertalsperre zurück?
15. Über wie viele Messstellen (z. B. Pegel, Zuflussmessungen,
Niederschlagsstationen) verfügt das WSA im Einzugsgebiet der Edertalsperre,
und wie sind diese räumlich verteilt?
16. Welche Daten werden hierbei regelmäßig erfasst (z. B.
Niederschlagsmengen, Abflusswerte, Schneeschmelze, Bodenfeuchte)?
a) Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragestellenden, dass
eine genauere und vorausschauendere Bewirtschaftung der
Edertalsperre möglich wäre, wenn zusätzliche Daten erhoben würden?
b) Wenn ja, welche weiteren Datenarten und wie viele zusätzliche
Messstellen wären aus Sicht der Bundesregierung bzw. des WSA
erforderlich, um die Steuerung von Hochwasserschutz und
Wasserbewirtschaftung am Edersee zu verbessern?
17. Sind der Bundesregierung Forschungsprojekte im Bereich Talsperren und
Künstliche Intelligenz (KI) bekannt (vgl. beispielsweise das Projekt
„Prowave“ der Universität Duisburg-Essen, www.zfk.de/wasser-abwasser/tals
perren-steuerung-durch-ki-harzwasserwerke-machen-den-ersten-schritt)?
18. Hat die Bundesregierung eine Auffassung zu der Frage, welche
Bedeutung solch ein KI-Projekt (vgl. Frage 17) für den Hochwasserschutz am
Edersee hat, und wenn ja, wie lautet diese?
Berlin, den 10. September 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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