Islamfeindlichkeit und antimuslimische Straftaten in den ersten drei Quartalen 2025
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Islamfeindlichkeit und antimuslimische Straftaten in den ersten drei Quartalen 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2152
21. Wahlperiode 10.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ferat Koçak, Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Mandy
Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Cem Ince, Jan Köstering, Sonja
Lemke, Bodo Ramelow, Zada Salihović, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Islamfeindlichkeit und antimuslimische Straftaten in den ersten drei
Quartalen 2025
Studien über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verweisen auf negative
Einstellungen eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung gegenüber
Musliminnen und Muslimen. Die regelmäßig durchgeführte Mitte-Studie der Friedrich-
Ebert-Stiftung dokumentiert entsprechende Einstellungsmuster in der
deutschen Gesellschaft. Dies machen sich nach Einschätzung der Bundeszentrale
für politische Bildung (bpb) rechtspopulistische und rechtsextreme
Bewegungen und Parteien zunutze, um mit muslimfeindlichen Kampagnen in die
gesellschaftliche Mitte vorzudringen. Die antimuslimische Agitation ist dabei
vielfach nichts anderes als ein neu verpackter Hass auf Migrantinnen und
Migranten (Muslimfeindlichkeit als rechtsextremes Einfallstor | bpb; www.bpb.de/poli
tik/extremismus/rechtsextremismus/180773/muslimfeindlichkeit-als-rechtsextr
emes-einfallstor).
Die in Teilen der Bevölkerung verankerte Muslimfeindlichkeit äußert sich in
einer Vielzahl von Übergriffen, Drohungen und Beleidigungen gegen Muslime
sowie in Anschlägen auf Moscheen. Zivilgesellschaftliche Organisationen und
staatliche Stellen dokumentieren kontinuierlich entsprechende Vorfälle. Seit
Januar 2017 gilt die Erweiterung des Themenfeldkatalogs der Politisch
motivierten Kriminalität (PMK) beim Oberthema „Hasskriminalität“ um das
Unterthema „Islamfeindlichkeit“ (Bundestagsdrucksache 18/10322).
Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine besorgniserregende Tendenz: Das
Bundeskriminalamt (BKA) registrierte für die ersten fünf Monate 2025 bereits
376 islamfeindliche Straftaten. Das zivilgesellschaftliche Lagebild von CLAIM
dokumentierte für 2024 insgesamt 3 080 antimuslimische Vorfälle, das sind
mehr als acht Fälle täglich. Das BKA nennt im Vergleich dazu 1 848 Fälle
(Pressemitteilung: Alarmierende Jahresbilanz antimuslimischer Übergriffe |
CLAIM; www.claim-allianz.de/aktuelles/news/pressemitteilung-alarmierende-j
ahresbilanz-antimuslimischer-uebergriffe-und-diskriminierungen-in-deutschlan
d-2024-ueber-3-000-dokumentierte-vorfaelle-mehr-als-8-faelle-jeden-tag/,
PMK-2024 Übersicht | Bundesministerium des Innern und für Heimat BMI ;
www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherhei
t/BMI25053_pmk-2024-uebersicht.pdf?__blob=publicationFile&v=5). Die
Überwachung der Quartalsentwicklung ist entscheidend für die Bewertung
aktueller Trends.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche und wie viele islam- bzw. muslimfeindliche Aufmärsche
einschließlich Proteste gegen eine angeblich drohende Islamisierung Europas
oder gegen den Bau von Moscheen in Deutschland fanden nach Kenntnis
der Bundesregierung in den ersten drei Quartalen 2025 statt (bitte Datum,
Ort, Teilnehmerzahl, Anlass bzw. Thema und Veranstalter angeben)?
2. Wie viele mutmaßlich antimuslimisch oder islamfeindlich motivierte
Straftaten wurden in den ersten drei Quartalen 2025 nach Kenntnis der
Bundesregierung bundesweit verübt (bitte nach Quartal, Anzahl, Art und
Motivation der Straftat und Bundesländern aufschlüsseln und den Tatort
Moschee einzeln ausweisen)?
3. Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den
ersten drei Quartalen 2025 bei Überfällen mit mutmaßlich
antimuslimischer oder islamfeindlicher Motivation
a) leicht verletzt,
b) schwer verletzt bzw.
c) getötet
(bitte nach Quartal, Bundesländern und Motivation der Straftat
aufschlüsseln)?
4. Welcher materielle Schaden entstand nach Kenntnis der Bundesregierung
bei mutmaßlich antimuslimischen und islamfeindlichen Straftaten in den
ersten drei Quartalen 2025 (bitte nach Quartal, Schadenshöhe, Art der
Motivation und Bundesländern aufschlüsseln)?
5. Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
wegen mutmaßlich antimuslimischer und islamfeindlicher Straftaten in den
ersten drei Quartalen 2025 festgenommen (bitte nach Quartal,
Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?
6. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung wegen mutmaßlich antimuslimischer und islamfeindlicher Straftaten
in den ersten drei Quartalen 2025 eingeleitet (bitte nach Quartal,
Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?
7. In wie vielen Fällen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die
Ermittlungen wegen mutmaßlich antimuslimischer und islamfeindlicher
Straftaten in den ersten drei Quartalen 2025 eingestellt (bitte nach Quartal,
Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?
8. Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung wegen
antimuslimischer und islamfeindlicher Straftaten in den ersten drei
Quartalen 2025 zu welchen Strafen verurteilt (bitte nach Quartal,
Bundesländern, Art und Motivation der Straftaten aufschlüsseln)?
9. Welche gezielten bundesweiten Operationen der Polizei hat es nach
Kenntnis der Bundesregierung wegen überregionaler antimuslimischer
und islamfeindlicher Straftaten in den ersten drei Quartalen 2025 mit
welchem Ergebnis gegeben?
10. Hat es zu den in den Fragen 1 bis 9 erfragten Sachverhalten
Nachmeldungen für das gesamte Jahr 2024 gegeben, und welche Nachmeldungen hat
es im Einzelnen gegeben?
Berlin, den 6. Oktober 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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