Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland (Antwort zu Drs. 21/1877)
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Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland (Antwort zu Drs. 21/1877)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2144
21. Wahlperiode 09.10.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Otto Strauß,
Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1877 –
Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den
Wirtschaftsstandort Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der CEO (Chief Executive Officer) der Flughafengesellschaft Ryanair DAC
(Designated Activity Company), Eddie Wilson, hat Deutschland in einem
Interview mit dem „FOCUS“ als das „wettbewerbsschwächste Land in Europa“
bezeichnet (www.focus.de/finanzen/boerse/deutsche-regierung-hat-keinen-pla
n-ryanair-will-weitere-verbindungen-streichen_ba2970a3-7642-41e7-bddb-e8
1747ca4b4f.html). Ryanair wird im Winterflugplan weitere Verbindungen aus
Deutschland streichen und dies wird einschneidend sein, so Wilson (ebd.).
Die Maßnahme begründet demnach Wilson zum einen damit, dass die
Luftverkehrssteuer, Flugsicherheits- und Flughafengebühren in Deutschland
„absurd“ hoch seien (ebd.). In anderen Ländern, wie z. B. in Schweden, wurde die
Luftverkehrssteuer abgeschafft, um die Attraktivität des Standorts für
Fluggesellschaften zu erhöhen (ebd.). Ein weiterer Grund für diese geplanten
Streichungen sei, dass die Flugsicherung in Deutschland nach Wilson zu den
schlechtesten in Europa zähle (ebd.). Deutschland habe viel zu wenig
Fluglotsen und bilde viel zu wenig aus, so Wilson (ebd.). Die neu errichtete
Fluglotsenstelle in Baden-Baden sei hoffnungslos unterbesetzt (ebd.). Bis August, so
Wilson weiter, seien bereits über 2 Millionen Ryanair-Passagiere dem
Missmanagement und Personalmangel der deutschen Flugsicherung ausgesetzt
gewesen (ebd.).
Um dieses Problem zu lösen, habe Ryanair der Bundesregierung den
Vorschlag unterbreitet, die Passagierzahlen und Flugzeuge zu verdoppeln, wenn
die Regierung ein Programm zur Wiederbelebung des Verkehrs durch die
Abschaffung der Steuern und die Halbierung der Flugsicherheitsgebühren und
Gebühren für die Sicherheitskontrollen einführen würde (ebd.). Eine Antwort
auf diesen Vorschlag habe Ryanair bis heute nicht bekommen (ebd.).
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert ein
schnelles Absenken der hohen Standortkosten, damit Deutschland wieder
wettbewerbsfähig wird. Der BDL sagt, dass allein in diesem Jahr die
Belastungen für den Luftverkehrsstandort Deutschland aufgrund staatlich
veranlasster Kosten um rund 1,1 Mrd. Euro auf insgesamt rund 4,4 Mrd. Euro steigen
werden. Airlines ziehen ihre Flugzeuge ab und setzen sie in anderen europä-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 9. Oktober 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
ischen Ländern mit einem wettbewerbsfähigen Kostenniveau ein. Nach einer
aktuellen Erhebung des BDL ist die Zahl der in Deutschland stationierten
Flugzeuge der im europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr fliegenden Airlines
von 190 im Jahr 2019 auf 130 im Jahr 2025 zurückgegangen. Die Folge der
Flottenverlagerung in das Ausland sei nicht nur ein Verlust an Konnektivität,
also der internationalen Anbindung der deutschen Flughäfen, sondern auch ein
direkter Milliardenschaden für die Volkswirtschaft (www.aerointernational.de/
aktuelles/bdl-airlines-ziehen-flugzeuge-aus-deutschland-ab.html).
Die hohen Zugangskosten an deutschen Flughäfen werden auch vom Institut
der Deutschen Wirtschaft (IW; www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/klaus-
heiner-roehl-teure-wettbewerbsverzerrung.html), dem Flughafenverband ADV
(www.adv.aero/deutschland-hat-gewaehlt-adv-fordert-wettbewerbsoffensive-e
in-attraktiver-wirtschaftsstandort-braucht-einen-starken-luftverkehrsstandort/
#:~:text=Die%20ADV%20fordert%20eine%20umgehende,der%20Flugsicher
ungskosten%20f%C3%BCr%20kleinere%20Flugh%C3%A4fen) und dem
Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL; www.bdl.aero/th
emen/wirtschaft-wettbewerb/standortkosten/ und www.bdl.aero/pressemitteilu
ng/luftverkehr-massiv-unter-druck-staatlich-veranlasste-kosten-steigen-2025-u
m-weitere-12-milliarden-euro/) seit Langem kritisiert.
Bereits in der 20. Wahlperiode des Deutschen Bundestages hatte die Fraktion
der AfD in einem Antrag die Aussetzung der Luftverkehrssteuer gefordert
(Bundestagsdrucksache 20/10054).
Nur vier Monate später forderte die Fraktion der CDU/CSU, sich für eine
Reduzierung der Standortkosten am Luftverkehrsstandort Deutschland
einzusetzen. Auch in der Fraktion der CDU/CSU wurde nach Auffassung der
Fragesteller endlich erkannt, dass die hohen Standortkosten einen erheblichen
Nachteil im Wettbewerb bedeuten und das Fliegen verteuern (siehe
Begründung auf Bundestagsdrucksache 20/11381). Die Fraktion der CDU/CSU
forderte in diesem Antrag auch, die Erhöhung der Luftverkehrsteuer
zurückzunehmen.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurde diese Forderung
wie folgt übernommen: „Die luftverkehrsspezifischen Steuern, Gebühren und
Abgaben wollen wir reduzieren und die Erhöhung der Luftverkehrsteuer
zurücknehmen“ (www.cdu.de/app/uploads/2025/04/Koalitionsvertrag-%E2%80
%93-barrierefreie-Version.pdf, S. 27).
Die Fraktion der AfD fordert die Rücknahme der Luftverkehrssteuer in der
21. Wahlperiode (Bundestagsdrucksache 21/802). Von der Bundesregierung
liegt bislang keine entsprechende Initiative vor.
Die Kritik an der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) wird auch von
Flughafenvertretern geteilt (vgl. www.n-tv.de/wirtschaft/Fluggaesten-droht-bislan
g-schlimmster-Verspaetungs-Sommer-article25893020.html).
1. Ist der Bundesregierung das in der Vorbemerkung der Fragesteller
genannte Angebot der Fluggesellschaft Ryanair bekannt, und wenn ja, seit
wann?
2. Ist es zutreffend, dass die Bundesregierung auf das in der Vorbemerkung
der Fragesteller genannte Angebot der Fluggesellschaft Ryanair nicht
geantwortet hat?
a) Wenn ja, warum hat die Bundesregierung der Fluggesellschaft nicht
geantwortet?
b) Wenn nein, wann hat die Bundesregierung geantwortet, und was war
der Wortlaut der Antwort der Bundesregierung?
Die Fragen 1 bis 2b werden gemeinsam beantwortet.
Ryanair hat dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) ihren „Sieben-Jahre-
Wachstumsplan für DEU“ im August 2025 übermittelt, der in einem Gespräch
Anfang September 2025 diskutiert wurde.
3. Hat die Bundesregierung Gespräche mit Ryanair geführt oder
beabsichtigt sie, solche zu führen, um den Rückzug von Ryanair aus deutschen
Standorten zu verhindern?
Das BMV hat mit Ryanair Gespräche zur Attraktivität des Luftverkehrsstandort
Deutschland geführt.
4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die geplanten
zusätzlichen Kürzungen von Ryanair im Winterflugplan 2025/2026 (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Veröffentlichungen zum Winterflugplan 2025/2026 von Ryanair sind bekannt.
5. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung des BDL, dass bereits mehr
als 10 000 Arbeitsplätze und mehr als 4 Mrd. Euro jährlicher
Wertschöpfung verloren gegangen seien, und wenn nein, von welchen Verlusten an
Arbeitsplätzen und jährlicher Wertschöpfung geht die Bundesregierung
aus (www.presseportal.de/pm/113858/6094188, laut Bundesverband der
Deutschen Luftverkehrswirtschaft sichert jedes in Deutschland
stationierte Verkehrsflugzeug rund 170 Arbeitsplätze und trägt mit einer jährlichen
Wertschöpfung von rund 70 Mio. Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei)?
Die Bundesregierung wird zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der
Luftverkehrskonnektivität ein Gutachten erstellen lassen.
6. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung und welche Maßnahmen
wurden ggf. bereits umgesetzt, um die Belastungen der
Fluggesellschaften durch Luftverkehrssteuer, Flugsicherungs- und Flughafengebühren zu
reduzieren?
Zur Beantwortung der Frage wird auf den Koalitionsvertrag und das aktuelle
DLR-Gutachten zu Standortkosten in Deutschland und im europäischen
Vergleich sowie Maßnahmen zur Stärkung des Luftverkehrsstandortes Deutschland
hingewiesen; verfügbar unter: www.bmdv.bund.de/gutachten-luftverkehr.
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, entsprechend dem Koalitionsvertrag
im Deutschen Bundestag einen Gesetzentwurf für eine Absenkung
einzubringen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn nein, aus
welchen Gründen nicht?
Die Handlungsräume hinsichtlich einer Entlastung der Fluggesellschaften bei
den staatlichen Standortkosten werden durch die Bundesregierung geprüft.
8. Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen der Höhe der
Luftverkehrssteuer und dem Rückzug von Fluggesellschaften aus
Deutschland?
12. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung von Unternehmen, Instituten
und Verbänden, dass die Abgaben- und Kostenstruktur im deutschen
Luftverkehr im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn nein, wie begründet die
Bundesregierung ihre abweichende Einschätzung?
Die Fragen 8 und 12 werden gemeinsam beantwortet.
Es besteht ein Kausalzusammenhang zwischen der Höhe der Standortkosten
und der Standortattraktivität. Die kompetitive Entwicklung der staatlichen
Standortkosten in DEU hat sich im europäischen Vergleich verschlechtert. Für
die statistische Einordnung wird auf das aktuelle DLR-Gutachten zu
Standortkosten in Deutschland und im europäischen Vergleich sowie Maßnahmen zur
Stärkung des Luftverkehrsstandortes Deutschland hingewiesen; verfügbar
unter: www.bmdv.bund.de/gutachten-luftverkehr.
9. Welche sonstigen Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. geplant, um
Deutschland für Fluggesellschaften wieder attraktiver zu machen?
Zur Beantwortung der Frage wird auf die im Koalitionsvertrag beschriebenen
Maßnahmen, insbesondere die angekündigte Luftfahrtstrategie, verwiesen.
10. Teilt die Bundesregierung die Kritik von Ryanair an der Deutschen
Flugsicherung GmbH, und sieht die Bundesregierung einen Personalmangel
in der Luftverkehrskontrolle eine Ursache (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
11. Wenn die Bundesregierung einen Mangel an Fluglosten als wesentliche
Ursache für Flugverspätungen erkannt haben sollte, welche Ursachen hat
dieser Personalmangel, und wie viele Fluglotsen müssten eingestellt
werden, um diesen Personalmangel zu beheben?
Die Fragen 10 und 11 werden gemeinsam beantwortet.
Die Ursachen für Flugverspätungen in Deutschland sind vielschichtig. Die
Bundesregierung sieht es als sachgerecht und notwendig an, dass sich die
Personalausstattung an einem Niveau orientiert, mit dem alle Aufgaben erledigt
werden können. Das gilt insbesondere für die Anpassung der Zahl der
Fluglotsen im Hinblick auf eine steigende Verkehrsnachfrage. So sieht die DFS
Deutsche Flugsicherung GmbH einen Aufbau von 250 finanzwirksamen
Vollzeitäquivalenten zwischen 2024 und 2029 vor, davon 237 Fluglotsen. Darüber
hinaus ist im selben Zeitraum ein Aufbau von 190 operativen Vollzeitäquivalenten
geplant. Für den Bereich Training/Ausbildung ist ebenfalls ein Anstieg geplant.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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