Auswirkungen hoher staatsbedingter Standortkosten auf den deutschen Luftverkehr (Antwort zu Drs. 21/5979)
Text
Auswirkungen hoher staatsbedingter Standortkosten auf den deutschen Luftverkehr (Antwort zu Drs. 21/5979)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6240
21. Wahlperiode 01.06.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sebastian Münzenmaier, Dario Seifert,
Erhard Brucker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5979 –
Auswirkungen hoher staatsbedingter Standortkosten auf den deutschen
Luftverkehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Luftverkehrsstandort Deutschland befindet sich seit mehreren Jahren
unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Während sich der europäische und
internationale Luftverkehr nach den Pandemiejahren weitgehend erholt hat,
bleibt Deutschland im Vergleich zurück. Die Standortkosten für
Fluggesellschaften sind hierzulande seit 2019 deutlich stärker gestiegen als in anderen
europäischen Staaten. Insbesondere die zum 1. Mai 2024 angehobene
Luftverkehrsteuer – die inzwischen die höchste europaweit und eine der höchsten
weltweit ist – hat die Kostenstruktur deutscher Flughäfen und Airlines
zusätzlich belastet. Gleichzeitig sind energie- und sicherheitsbezogene Gebühren
erheblich gestiegen. Die Folgen sind bereits sichtbar: Zahlreiche
Fluggesellschaften haben Kapazitäten aus Deutschland abgezogen oder angekündigt,
dies zu tun. Mehrere Flughäfen verzeichnen gegenüber 2019 deutlich
reduzierte Flugverbindungen, was zu sinkenden Passagierzahlen führt.
Gleichzeitig wurden vonseiten der Branche bereits negative Effekte der ab 2026
geltenden Abschaffung der kostenlosen Allokation von Emissionszertifikaten für
Flugzeugbetreiber angemahnt (www.acumen.aero/blogs/eu-ets-aviation-in-20
26-when-carbon-becomes-a-line-item).
Dies betrifft nicht nur die Luftfahrtbranche selbst, sondern auch nachgelagerte
Bereiche wie Tourismus, Messewesen und Hotellerie, die für viele Regionen
von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind. Besonders der Mittelstand
sowie industrie- und technologieorientierte Cluster, die auf eine zuverlässige
internationale Anbindung angewiesen sind, melden zunehmend
Standortnachteile. Gleichzeitig stehen mehrere regionale Flughäfen vor strukturellen
Herausforderungen.
Die künftige Ausrichtung des Bundes bei der Förderung oder Unterstützung
dieser Standorte ist in den Augen der Fragesteller daher von hoher Relevanz.
Vor diesem Hintergrund besteht nach ihrer Auffassung ein erhebliches
öffentliches Interesse an der Frage, welche konkreten Maßnahmen die
Bundesregierung ggf. plant, um den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stabilisieren, die
Anbindung der Regionen zu sichern und die wirtschaftlichen Auswirkungen
zunehmender Verlagerungstendenzen zu begrenzen. Die Bundesregierung
wird daher gebeten, umfassend und transparent über die aktuellen Entwicklun-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 29. Mai 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
gen, geplanten Entlastungen und ihre Einschätzung der mittel- und
langfristigen Folgen Auskunft zu geben.
1. Welche Maßnahmen, abgesehen von der angekündigten Senkung der
Luftverkehrsteuer, plant die Bundesregierung ggf., um den Wirtschaftsstandort
Deutschland als Knotenpunkt des internationalen Luftverkehrs und die
Luftfahrtbranche wettbewerbsfähig zu halten?
3. Welche Folgen für den nationalen Luftverkehr stellt die Bundesregierung
durch die Abschaffung kostenloser Allokation von Emissionszertifikaten
(full auctioning) seit Jahresbeginn fest?
4. Welche mittel- und langfristigen Folgen für den nationalen Luftverkehr
erwartet die Bundesregierung infolge der Abschaffung kostenloser
Allokation von Emissionszertifikaten?
5. Welche mittel- und langfristigen Folgen sieht die Bundesregierung für den
Mittelstand und Industriecluster in Regionen, deren Anbindung an den
internationalen Luftverkehr möglicherweise erheblich eingeschränkt wird?
6. Welche Überlegungen gibt es ggf. innerhalb der Bundesregierung zur
Einführung bzw. Fortführung zielgerichteter Fördermaßnahmen für den Erhalt
regionaler Flughäfen, insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten
Änderungen bei den Bundeszuschüssen zu Flugsicherungsleistungen ab
2026?
Die Fragen 1 und 3 bis 6 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
beschriebenen Maßnahmen, insbesondere die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung,
verwiesen. Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage der Fraktion der AfD „Fehlende Flugverbindungen in Deutschland
und mögliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland“ auf
Bundestagsdrucksache 21/2144 verwiesen.
2. In welchen Bereichen des Haushalts plant die Bundesregierung, die durch
die Senkung der Luftverkehrsteuer entstehenden Mindereinnahmen von
über 350 Mio. Euro auszugleichen?
Es wird auf den Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Zweiten
Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes“ auf
Bundestagsdrucksache 21/5688 verwiesen.
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ISSN 0722-8333
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