Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland
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Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1877
21. Wahlperiode 29.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Otto Strauß, Wolfgang Wiehle, René
Bochmann, Alexis L. Giersch, Lars Haise, Stefan Henze, Maximilian Kneller,
Stefan Möller, Ulrich von Zons, Peter Bohnhof, Gereon Bollmann, Carsten Becker,
Hans-Jürgen Goßner, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer Kraft, Kay Gottschalk, Andreas
Mayer, Volker Scheurell, Thomas Fetsch, Enrico Komning, Gerold Otten, Bastian
Treuheit, Raimond Scheirich, Manfred Schiller, Tobias Teich, Carina Schießl,
Mirco Hanker, Dr. Alexander Wolf, Dr. Malte Kaufmann, Torben Braga, Dr. Michael
Blos, Sascha Lensing, Iris Nieland, Heinrich Koch, Dr. Christina Baum, Udo
Theodor Hemmelgarn, Bernd Schattner, Achim Köhler, Edgar Naujok, Lukas
Rehm, Jan Wenzel Schmidt, Reinhard Mixl, Joachim Bloch, Stefan Keuter,
Markus Matzerath, Kay-Uwe Ziegler, Rocco Kever, Thomas Ladzinski, Thomas
Dietz, Sven Wendorf, Dr. Paul Schmidt, Hauke Finger, Kurt Kleinschmidt, Thomas
Korell, Erhard Brucker und der Fraktion der AfD
Fehlende Flugverbindungen in Deutschland und mögliche Auswirkungen auf den
Wirtschaftsstandort Deutschland
Der CEO (Chief Executive Officer) der Flughafengesellschaft Ryanair DAC
(Designated Activity Company), Eddie Wilson, hat Deutschland in einem
Interview mit dem „FOCUS“ als das „wettbewerbsschwächste Land in Europa“
bezeichnet (www.focus.de/finanzen/boerse/deutsche-regierung-hat-keinen-plan-r
yanair-will-weitere-verbindungen-streichen_ba2970a3-7642-41e7-bddb-e8174
7ca4b4f.html). Ryanair wird im Winterflugplan weitere Verbindungen aus
Deutschland streichen und dies wird einschneidend sein, so Wilson (ebd.).
Die Maßnahme begründet demnach Wilson zum einen damit, dass die
Luftverkehrssteuer, Flugsicherheits- und Flughafengebühren in Deutschland „absurd“
hoch seien (ebd.). In anderen Ländern, wie z. B. in Schweden, wurde die
Luftverkehrssteuer abgeschafft, um die Attraktivität des Standorts für
Fluggesellschaften zu erhöhen (ebd.). Ein weiterer Grund für diese geplanten
Streichungen sei, dass die Flugsicherung in Deutschland nach Wilson zu den
schlechtesten in Europa zähle (ebd.). Deutschland habe viel zu wenig Fluglotsen und
bilde viel zu wenig aus, so Wilson (ebd.). Die neu errichtete Fluglotsenstelle in
Baden-Baden sei hoffnungslos unterbesetzt (ebd.). Bis August, so Wilson
weiter, seien bereits über 2 Millionen Ryanair-Passagiere dem Missmanagement
und Personalmangel der deutschen Flugsicherung ausgesetzt gewesen (ebd.).
Um dieses Problem zu lösen, habe Ryanair der Bundesregierung den Vorschlag
unterbreitet, die Passagierzahlen und Flugzeuge zu verdoppeln, wenn die
Regierung ein Programm zur Wiederbelebung des Verkehrs durch die
Abschaffung der Steuern und die Halbierung der Flugsicherheitsgebühren und
Gebühren für die Sicherheitskontrollen einführen würde (ebd.). Eine Antwort auf
diesen Vorschlag habe Ryanair bis heute nicht bekommen (ebd.).
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert ein
schnelles Absenken der hohen Standortkosten, damit Deutschland wieder
wettbewerbsfähig wird. Der BDL sagt, dass allein in diesem Jahr die Belastungen
für den Luftverkehrsstandort Deutschland aufgrund staatlich veranlasster
Kosten um rund 1,1 Mrd. Euro auf insgesamt rund 4,4 Mrd. Euro steigen werden.
Airlines ziehen ihre Flugzeuge ab und setzen sie in anderen europäischen
Ländern mit einem wettbewerbsfähigen Kostenniveau ein. Nach einer aktuellen
Erhebung des BDL ist die Zahl der in Deutschland stationierten Flugzeuge der im
europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr fliegenden Airlines von 190 im Jahr
2019 auf 130 im Jahr 2025 zurückgegangen. Die Folge der Flottenverlagerung
in das Ausland sei nicht nur ein Verlust an Konnektivität, also der
internationalen Anbindung der deutschen Flughäfen, sondern auch ein direkter
Milliardenschaden für die Volkswirtschaft (www.aerointernational.de/aktuelles/bdl-air
lines-ziehen-flugzeuge-aus-deutschland-ab.html).
Die hohen Zugangskosten an deutschen Flughäfen werden auch vom Institut
der Deutschen Wirtschaft (IW; www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/klaus-h
einer-roehl-teure-wettbewerbsverzerrung.html), dem Flughafenverband ADV
(www.adv.aero/deutschland-hat-gewaehlt-adv-fordert-wettbewerbsoffensive-ei
n-attraktiver-wirtschaftsstandort-braucht-einen-starken-luftverkehrsstandort/#:
~:text=Die%20ADV%20fordert%20eine%20umgehende,der%20Flugsicherung
skosten%20f%C3%BCr%20kleinere%20Flugh%C3%A4fen) und dem
Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL; www.bdl.aero/themen/wi
rtschaft-wettbewerb/standortkosten/ und www.bdl.aero/pressemitteilung/luftver
kehr-massiv-unter-druck-staatlich-veranlasste-kosten-steigen-2025-um-weitere-
12-milliarden-euro/) seit Langem kritisiert.
Bereits in der 20. Wahlperiode des Deutschen Bundestages hatte die Fraktion
der AfD in einem Antrag die Aussetzung der Luftverkehrssteuer gefordert
(Bundestagsdrucksache 20/10054).
Nur vier Monate später forderte die Fraktion der CDU/CSU, sich für eine
Reduzierung der Standortkosten am Luftverkehrsstandort Deutschland
einzusetzen. Auch in der Fraktion der CDU/CSU wurde nach Auffassung der
Fragesteller endlich erkannt, dass die hohen Standortkosten einen erheblichen Nachteil
im Wettbewerb bedeuten und das Fliegen verteuern (siehe Begründung auf
Bundestagsdrucksache 20/11381). Die Fraktion der CDU/CSU forderte in
diesem Antrag auch, die Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurückzunehmen.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurde diese Forderung
wie folgt übernommen: „Die luftverkehrsspezifischen Steuern, Gebühren und
Abgaben wollen wir reduzieren und die Erhöhung der Luftverkehrsteuer
zurücknehmen“ (www.cdu.de/app/uploads/2025/04/Koalitionsvertrag-%E2%80%
93-barrierefreie-Version.pdf, S. 27).
Die Fraktion der AfD fordert die Rücknahme der Luftverkehrssteuer in der
21. Wahlperiode (Bundestagsdrucksache 21/802). Von der Bundesregierung
liegt bislang keine entsprechende Initiative vor.
Die Kritik an der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) wird auch von
Flughafenvertretern geteilt (vgl. www.n-tv.de/wirtschaft/Fluggaesten-droht-bislang-
schlimmster-Verspaetungs-Sommer-article25893020.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Ist der Bundesregierung das in der Vorbemerkung der Fragesteller
genannte Angebot der Fluggesellschaft Ryanair bekannt, und wenn ja, seit wann?
2. Ist es zutreffend, dass die Bundesregierung auf das in der Vorbemerkung
der Fragesteller genannte Angebot der Fluggesellschaft Ryanair nicht
geantwortet hat?
a) Wenn ja, warum hat die Bundesregierung der Fluggesellschaft nicht
geantwortet?
b) Wenn nein, wann hat die Bundesregierung geantwortet, und was war
der Wortlaut der Antwort der Bundesregierung?
3. Hat die Bundesregierung Gespräche mit Ryanair geführt oder beabsichtigt
sie, solche zu führen, um den Rückzug von Ryanair aus deutschen
Standorten zu verhindern?
4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die geplanten
zusätzlichen Kürzungen von Ryanair im Winterflugplan 2025/2026 (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
5. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung des BDL, dass bereits mehr
als 10 000 Arbeitsplätze und mehr als 4 Mrd. Euro jährlicher
Wertschöpfung verloren gegangen seien, und wenn nein, von welchen Verlusten an
Arbeitsplätzen und jährlicher Wertschöpfung geht die Bundesregierung
aus (www.presseportal.de/pm/113858/6094188, laut Bundesverband der
Deutschen Luftverkehrswirtschaft sichert jedes in Deutschland stationierte
Verkehrsflugzeug rund 170 Arbeitsplätze und trägt mit einer jährlichen
Wertschöpfung von rund 70 Mio. Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei)?
6. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung und welche Maßnahmen
wurden ggf. bereits umgesetzt, um die Belastungen der Fluggesellschaften
durch Luftverkehrssteuer, Flugsicherungs- und Flughafengebühren zu
reduzieren?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, entsprechend dem Koalitionsvertrag im
Deutschen Bundestag einen Gesetzentwurf für eine Absenkung
einzubringen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht?
8. Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen der Höhe der
Luftverkehrssteuer und dem Rückzug von Fluggesellschaften aus
Deutschland?
9. Welche sonstigen Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. geplant, um
Deutschland für Fluggesellschaften wieder attraktiver zu machen?
10. Teilt die Bundesregierung die Kritik von Ryanair an der Deutschen
Flugsicherung GmbH, und sieht die Bundesregierung einen Personalmangel in
der Luftverkehrskontrolle eine Ursache (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
11. Wenn die Bundesregierung einen Mangel an Fluglosten als wesentliche
Ursache für Flugverspätungen erkannt haben sollte, welche Ursachen hat
dieser Personalmangel, und wie viele Fluglotsen müssten eingestellt
werden, um diesen Personalmangel zu beheben?
12. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung von Unternehmen, Instituten
und Verbänden, dass die Abgaben- und Kostenstruktur im deutschen
Luftverkehr im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn nein, wie begründet die
Bundesregierung ihre abweichende Einschätzung?
Berlin, den 17. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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