Herausforderungen der Brauwirtschaft in Deutschland
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Herausforderungen der Brauwirtschaft in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2127
21. Wahlperiode 09.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Manfred Schiller, Marc Bernhard, Bernd Schattner, Raimond
Scheirich, Stefan Henze, Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Julian Schmidt, Bernd Schumann, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer, Steffen
Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder und
der Fraktion der AfD
Herausforderungen der Brauwirtschaft in Deutschland
Deutschland steckt nicht nur tief in der Wirtschaftskrise, sondern nach
Auffassung der Fragesteller auch tief in der Bierkrise. Die deutsche Brauereiindustrie
steht vor großen Herausforderungen. Steigende Energie- und Rohstoffkosten
sowie ein sinkender Bierkonsum haben erhebliche Auswirkungen auf
zahlreiche Betriebe. Der Verlust des fünften Platzes unter den größten
Bierproduzenten der Welt an Russland zeigt die kritische Lage (www.n-tv.de/wirtschaft/Russ
en-haengen-Deutschland-in-Bierproduktion-ab-article25917760.html).
Deutschlands Bierexport sank 2024 gegenüber 2014 insgesamt um 6 Prozent
(www.presseportal.de/pm/32102/6016882), der gesamte Absatz sank in diesem
Zeitraum um 13,7 Prozent (www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsat
z-brauereien-corona-schliessungen-100.html). Das laufende Jahr 2025 allein
brachte einen Erdrutsch von 7,5 Prozent weniger Absatz (www.bild.de/leben-w
issen/mein-recht-verbraucherportal/bier-oettinger-chef-warnt-vor-dem-brauerei
en-kollaps-68ae962c8c33b226bcae9172).
Seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 sanken die Verkäufe von deutschem
Bier nach Russland um das 1,7-Fache, die Gesamtlieferungen von Bier aus der
EU gingen um ein Viertel zurück. Gleichzeitig konnten Länder wie Tschechien
den Getränkeexport steigern, Polen konnte seine Exporte nach Russland gar um
das 4,6-Fache steigern (www.oreanda-news.com/en/torgovlya_i_uslugi/germa
n-beer-supplies-to-russia-have-dropped-to-a-minimum/article1548036/).
Der Geschäftsführer der bayerischen Brauerei Oettinger, einem der
Marktführer, malt im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ ein düsteres Bild:
„Die Brauereien werden wie Fliegen von der Wand fallen.“ (www.bild.de/lebe
n-wissen/mein-recht-verbraucherportal/bier-oettinger-chef-warnt-vor-dem-brau
ereien-kollaps-68ae962c8c33b226bcae9172; https://borsemarket.de/nachrichte
n/deutscher-biermarkt-in-schieflage-brauereien-in-gefahr/). Eine große
Insolvenzwelle rolle zuerst auf die kleinen, dann auf die großen Produzenten zu.
DBB-Präsident (DBB = Deutscher Brauer-Bund) Christian Weber nennt die
Faktoren „Corona und Energiepreiskrise“ als Ursachen. Dessen
Hauptgeschäftsführer, Holger Eichele, erklärt, dass das schlechte Konsumklima und die
Situation in der Gastronomie seit der Pandemie voll auf die Brauwirtschaft
durchgeschlagen habe (https://brauer-bund.de/pressemitteilungen/2025-bleibt-e
in-forderndes-jahr/). Im September 2022 machten die Erzeugerpreise bei
Energie einen Sprung um 132 Prozent gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr
(https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/700760/erzeugerpreise-fuer-energi
e-steigen-um-1322-prozent). Energiepreise liegen aktuell immer noch um ca.
30 bis 60 Prozent über dem Niveau von Ende 2021 (www.n-tv.de/ratgeber/Ener
gie-noch-immer-ueber-30-Prozent-teurer-als-2021-article25585708.html), sie
machen zwischen 15 und 20 Prozent der Herstellungskosten im Brauprozess
aus (www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsatz-brauereien-corona-sc
hliessungen-100.html). Die Entwicklung des Verbraucherpreisindex Bier von
100 im Jahr 2020 auf 122,4 im Jahr 2024 zeigt daher eine überdurchschnittliche
Preisentwicklung, der eine überdurchschnittliche Kostenentwicklung zugrunde
liegt.
Der Trend zu alkoholfreiem Bier, dessen Produktion sich zwischen 2014 und
2024 nahezu verdoppelt hat (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Za
hl-der-Woche/2025/PD25_31_p002.html?templateQueryString=bier), klingt
auf den ersten Blick vielversprechend, aber der Anteil am Gesamtbiermarkt lag
im Jahr 2023 gerade mal bei 7 Prozent, so Holger Eichele (www.tagesschau.de/
wirtschaft/alkoholfreies-bier-brauereien-100.html). Außerdem erfordert die
Herstellung von alkoholfreiem Bier Investitionen in Verfahren wie
Vakuumdestillation oder Umkehrosmose, die für kleinere Betriebe oft unrentabel sind.
Weitere Herausforderungen bringt die Zukunft durch die Umstellung der
Produktion auf Strom, verbunden mit dem Neubau der Anlagen von bis zu 80
Prozent, denn der Gesetzgeber strebt bis 2045 Klimaneutralität an (www.tagesscha
u.de/wirtschaft/konjunktur/bierabsatz-brauereien-corona-schliessungen-10
0.html). Die Branche rutscht nach Ansicht der Fragesteller von einer
unverschuldeten Krise in die nächste, unter anderem durch gesetzlichen
Investitionszwang, Risiken sind kaum mehr kalkulierbar und planbar.
Die traditionsreiche Schlössle-Brauerei in Neu-Ulm gibt nach 334 Jahren auf,
schuld sind gestiegene Energie- und Rohstoffkosten und sinkender Konsum
(www.bild.de/regional/bayern/brauerei-schloessle-macht-nach-334-jahren-dich
t-66e2e782cb180e1cf9206a0d). Im letzten Jahr stellte die traditionsreiche
Gambrinus-Brauerei aus Weiden Insolvenzantrag (https://weiden-region.de/ga
mbrinus-brauerei-weiden/), sodass das Volksfest im September 2025 betroffen
war.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche wirtschaftliche, kulturelle und beschäftigungspolitische
Bedeutung misst die Bundesregierung der Brauwirtschaft zu, und gibt es
konkrete Maßnahmen bzw. sind konkrete Maßnahmen geplant, die diese
Bedeutung unterstreichen?
2. Hat die Bundesregierung seit 2022 konkrete Maßnahmen zur finanziellen
Entlastung von kleinen und mittelständischen Brauereien ergriffen, um die
Folgen gestiegener Energie- und Rohstoffpreise abzumildern?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Wie wirken sich nach Einschätzung der Bundesregierung die im Vergleich
zu Nachbarländern erheblich höheren Energiepreise auf die internationale
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Brauereien aus, und sind Maßnahmen
geplant, um dem entgegenzusteuern (https://de.statista.com/statistik/daten/st
udie/151260/umfrage/strompreise-fuer-industriekunden-in-europa/)?
4. Hat die Bundesregierung seit 2020 konkrete Gesetze oder Verordnungen
ersichtlich entschlackt oder vereinfacht, um kleine und mittlere
Brauereien von bürokratischen Pflichten zu entlasten?
a) Wenn ja, welche konkret?
b) Wenn nein, warum nicht?
5. Fanden zwischen 2020 und 2025 strukturierte Gespräche zwischen der
Bundesregierung und den Brauereiverbänden statt, wenn ja, wie oft und in
welchem Format, und warum wurde auf Bundesebene bislang kein
institutionalisiertes Format etabliert, so wie es für andere Branchen, wie
beispielsweise die Automobilbranche, längst existiert?
6. Warum erhebt die Bundesregierung keine branchenspezifischen Daten zu
Insolvenzen und Betriebsschließungen in der Brauwirtschaft, obwohl viele
kleine Betriebe strukturell gefährdet sind, und ist ein solches Monitoring
zur wirtschaftlichen Lage der Brauwirtschaft geplant (Antwort zu den
Fragen 1 und 2 auf Bundestagsdrucksache 20/6323)?
7. Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen Russland-
Sanktionen und einbrechendem Bierexport, und wenn ja, welchen (vgl.
www.n-tv.de/wirtschaft/Russen-haengen-Deutschland-in-Bierproduktion-
ab-article25917760.html)?
8. Haben die EU-Sanktionen nach Ansicht der Bundesregierung, obwohl sie
explizit das Produkt Bier nicht betreffen, Russland dazu veranlasst,
langjährige Handelsbeziehungen zu deutschen Lieferanten zu kappen, die
eigene Produktion anzukurbeln und Ersatzlieferanten zu suchen zum
Schaden der deutschen Wirtschaft (vgl. Frage 7)?
9. Spielt nach Ansicht der Bundesregierung die Energiewende eine Rolle bei
den gestiegenen Produktionskosten in der Brauereiindustrie und in diesem
Zusammenhang der Absatz- und Exportrückgang, und wenn ja, welche
Rolle ist dies?
10. Inwieweit hilft die vom Bundeskabinett beschlossene Senkung der
Stromsteuer der Brauereiwirtschaft, insbesondere den kleinen und mittleren
Unternehmen (KMUs), bzw. gibt es bei den Gesamtkosten einer mittelgroßen
Brauerei überhaupt einen spürbaren Entlastungseffekt vor dem
Hintergrund der gestiegenen Strompreise seit Anfang 2022 und dem hohen
Energieanteil an den Produktionskosten?
11. Sieht sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Branche einer weiteren
Kostensteigerung ausgesetzt aufgrund der steigenden CO2-Bepreisung im
Hinblick auf die Integration in EU-ETS II (ETS = Emissions Trading
System; Einbindung von Verkehr und Gebäuden in das
Emissionshandelssystem), und wenn ja, inwiefern?
12. Haben die Energiepreiskrise und der Zwang zu hohen Investitionen
aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Transformation nach Kenntnis der
Bundesregierung zu Marktverzerrungen und Standortnachteilen für die
deutsche Brauwirtschaft geführt, und wenn ja, wie gedenkt die
Bundesregierung in diesem Fall, den Standortnachteil ggf. auszugleichen?
13. Wie beeinflusst nach Kenntnis der Bundesregierung die allgemeine
Rezession die Beschäftigungslage in der Brauereiindustrie?
14. Wie hat sich die Beschäftigungssituation in der Brauereiindustrie
zwischen 2014 und 2024 entwickelt (bitte in einer Tabelle nach
Brauhauptbewerbe und Braunebengewerbe, nach KMU und Großunternehmen sowie
einzelnen Jahren aufschlüsseln)?
15. Wird es nach Kenntnis der Bundesregierung für die Brauwirtschaft
unausweichlich werden, z. B. aufgrund gesetzlicher Vorgaben, CO2-
Rückgewinnungsanlagen zu installieren nach dem Beispiel von Oettinger
Getränke, um einerseits Klimaneutralität zu erreichen und andererseits
eine nicht einschätzbare Kostensteigerung des Betriebsstoffes CO2
auszuschließen (www.gea.com/en/stories/closing-the-loop-key-lessons-for-bre
weries-from-oettinger/), und wenn ja, welche Gesamtkosten kommen
allein durch diesen Umstellungsprozess auf die Branche zu?
16. Wird es nach Ansicht der Bundesregierung durch weitere
Kostensteigerungen im Bereich Energie, Transformation und Klimaneutralität zu
weiterer Konzentration auf große Global Player in der Branche kommen?
17. Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Insolvenzen in der
Branche bis 2030 ein, und geht sie davon aus, dass die Hauptbetroffenen
die KMUs der Branche sein werden?
18. Schätzt die Bundesregierung die Entwicklung im Braugewerbe als
exemplarisch ein für die Entwicklung der gesamten deutschen Volkswirtschaft?
19. Plant die Bundesregierung Entlastungen für das Braugewerbe speziell für
kleine und mittlere Betriebe, und wenn ja, welche?
20. Welche Fördermittel der EU stehen nach Kenntnis der Bundesregierung
speziell der deutschen Brauwirtschaft im Bereich „Transformation“ zur
Verfügung?
21. Können bundesdeutsche Fördermittel für Transformation (z. B. das
Förderprogramm „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in
der Wirtschaft“) kleine und mittlere Betriebe der Branche effektiv
unterstützen, ohne am Ende nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein und
zu finanzieller Überforderung zu führen (www.krones.com/de/unternehme
n/presse/magazine/referenz/fahrplan-zu-klimaneutralitaet-fuer-denkmalge
schuetzte-brauerei.php)?
Berlin, den 23. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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