Zukunft des deutschen Weinbaus sichern - Rahmenbedingungen verbessern
Text
Zukunft des deutschen Weinbaus sichern - Rahmenbedingungen verbessern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3044
21. Wahlperiode 02.12.2025
Antrag
der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske,
Stefan Schröder und der Fraktion der AfD
Zukunft des deutschen Weinbaus sichern – Rahmenbedingungen verbessern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der deutsche Weinbau steht 2025 vor einer tiefgreifenden Krise. Die Erlöse für
Trauben und Fasswein liegen bei lediglich 40–60 Cent pro Liter, was meist weit unter den
Produktionskosten liegt und viele Betriebe wirtschaftlich gefährdet (www.deutsch-
landfunk.de/deutsche-weinbauern-trotz-guten-jahrgangs-in-der-krise-100.html). Der
Deutsche Weinbauverband warnt vor massenhaftem Strukturverlust, insbesondere von
kleinen und mittleren Familienbetrieben (www.der-winzer.at/content/wein-
undobst/der-winzer/de/news/2025/07/deutscher-winzerverein-warnt-vor-betriebsschlies-
sungen.html). Gleichzeitig sinkt die Inlandsnachfrage, während preisgünstige
Importweine den Wettbewerb verschärfen (www.thetimes.co.uk/article/german-wine-
industry-lnc9f7fqs). Die ideologische Fehlleitung durch die Empfehlung der DGE auf
Alkohol jeglicher Art zu verzichten (www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
alkohol/) wirbt auch hier für eine einseitige Meinungsbildung zur Änderung/Umerziehung
der Lebens- und Genussgewohnheiten der Menschen.
Zusätzlich belasten klimatische Veränderungen – etwa früher Austrieb und höheres
Spätfrostrisiko, intensiver Schaderregerdruck, verlängerte Dürreperioden und
Qualitätsprobleme durch veränderte Reife – die Branche erheblich (Wissenschaftliche
Dienste 2016, www.bundestag.de/blob/408234/; Bayerischen Landesanstalt für
Weinbau und Gartenbau, www.lwg.bayern.de/weinbau/087592/index.php).
Eine Stärkung der Rahmenbedingungen ist dringend notwendig, um die
wirtschaftliche, kulturelle und touristische Bedeutung des Weinbaus zu erhalten.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. für unbürokratische finanzielle Liquiditätshilfen für Weinbaubetriebe mit 100
Millionen Euro einzuplanen;
2. Zuschüsse zu Ernteversicherungen und Einrichtung eines nationalen Krisenfonds
auszubauen;
3. langfristige und vereinfachte Investitionsförderung für Modernisierungen und
nachhaltige Produktion zu schaffen;
4. das Antrags- und Nachweisverfahren im Rahmen der GAP sichtbar zu
vereinfachen;
5. den Dokumentations- und Genehmigungsaufwands zu minimieren;
6. Herkunfts- und Qualitätsregeln ohne Benachteiligung deutscher Weine praxisnah
zu gestalten;
7. eine bundesweite Verbraucherkampagne (z. B. „Dein Wein von hier“) zur
Förderung heimischer Weine zu initiieren;
8. Exportförderprogramme, Messebeteiligungen und internationale
Absatzstrategien auszuweiten bzw. zu entwickeln;
9. die Qualitäts- und Nachhaltigkeitsinitiativen zu fördern, insbesondere der
pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs);
10. intensiv in die Forschung zu klimaangepassten Maßnahmen wie Bewässerung,
Bodenpflege und Frostschutz zu investieren;
11. den PIWI-Anbau durch Zuschüsse und somit die Vermarktung zu fördern;
12. vorhandene wissenschaftliche Kapazitäten am Institut für Rebenzüchtung
Geilweilerhof sowie am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg zu erweitern, um
Resistenzzüchtung und Prognoseverfahren zu stärken;
13. Förderinstrumente für Betriebsnachfolger, Existenzgründer und junge Winzer zu
schaffen;
14. den Weinbau in Regional- und Tourismusentwicklung zur Schaffung zusätzlicher
Einnahmequellen zu integrieren;
15. mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen über Legislaturperioden
hinweg zu agieren;
16. ein permanentes Dialogforum zwischen Bundesregierung, Winzerverbänden und
Regionen einzurichten.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Der Weinbau ist nicht nur eine wirtschaftliche Säule vieler Regionen, sondern auch kulturell und touristisch
bedeutsam – insbesondere in Regionen wie Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Franken, Mosel oder Saale-
Unstrut. Allein Rheinland-Pfalz trägt mehr als zwei Drittel zur deutschen Weinproduktion bei (vgl. MWVLW
RLP, 2025).
Die Branche ist heute durch sinkende Preise, steigende Betriebskosten, sinkende Nachfrage, importorientierten
Wettbewerb sowie durch klimatisch bedingte Risiken wie Spätfröste, Trockenstress und Krankheitserreger
bedroht – wie von den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages sowie der LWG Bayern dokumentiert (2016)
und in aktuellen Medienberichten (2025) eindringlich beschrieben.
Die PIWI-Rebsorten bieten eine vielversprechende Möglichkeit zur nachhaltigen Reduzierung des
Pflanzenschutzmitteleinsatzes und ökologisch-ökonomisch tragfähiger Weinproduktion. Ihre Ausbreitung wird bereits
durch Landesförderung unterstützt (Baden-Württemberg, 2025), und bundespolitische Fördermodelle könnten
diese Entwicklung entscheidend vorantreiben.
Nur eine Kombination aus Finanzierung, Bürokratieabbau, Forschung, Absatzförderung und langfristiger
Planungssicherheit kann den Fortbestand und die Zukunftsfähigkeit des deutschen Weinbaus sichern.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Bernd Schattner (Antrag)
- authored ← Bernd Schuhmann (Antrag)
- authored ← Christian Reck (Antrag)
- authored ← Danny Meiners (Antrag)
- authored ← Dario Seifert (Antrag)
- authored ← Enrico Komning (Antrag)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Julian Schmidt (Antrag)
- authored ← Lars Schieske (Antrag)
- authored ← Michael Blos (Antrag)
- authored ← Olaf Hilmer (Antrag)
- authored ← Peter Felser (Antrag)
- authored ← Stefan Schröder (Antrag)
- authored ← Steffen Janich (Antrag)
- authored ← Stephan Protschka (Antrag)
- part_of_vorgang → Zukunft des deutschen Weinbaus sichern - Rahmenbedingungen verbessern (Antrag)