Import von US-Fahrzeugen mit "Salvage"-Titel
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Import von US-Fahrzeugen mit "Salvage"-Titel
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1819
21. Wahlperiode 25.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Pierre Lamely, Wolfgang Wiehle, Peter Boehringer, René
Bochmann, Alexis L. Giersch, Lars Haise, Stefan Henze, Maximilian Kneller,
Ulrich von Zons, Carsten Becker, Hans-Jürgen Goßner, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer
Kraft, Andreas Mayer, Volker Scheurell, Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Import von US-Fahrzeugen mit „Salvage“-Titel
Seit Jahren werden Fahrzeuge, die in den USA aufgrund erheblicher
Unfallschäden als Totalschaden eingestuft und mit einem sogenannten Salvage Title
versehen wurden, nach Europa exportiert. Diese Fahrzeuge werden häufig
zunächst in osteuropäischen Ländern notdürftig repariert und erhalten dort neue
Fahrzeugpapiere. Anschließend gelangen sie nach Deutschland, wo sie ohne
Offenlegung ihrer gravierenden Vorschäden als scheinbar unfallfreie
Gebrauchtwagen in Verkehr gebracht werden (www.carfax.eu/de/blog/salvage-titl
e-us-import).
Laut CARFAX-Datenbank wurden von 2001 bis 2021 2 147 799
Gebrauchtwagen nach Osteuropa importiert, davon 82,5 Prozent mit „Salvage“-Titel. Direkt
nach Deutschland wurden in diesem Zeitraum laut genannter Datenbank
1 177 078 aus den USA importiert, gut ein Drittel davon mit „Salvage-Titel“
(ebd.)
Durch mangelhafte Reparaturen besteht ein erhebliches Sicherheitsrisiko, weil
etwa Airbags, Knautschzonen und andere sicherheitsrelevante Systeme oft
nicht fachgerecht instandgesetzt werden. Verbraucher erleiden zusätzlich
wirtschaftliche Schäden, weil sie diese Fahrzeuge zu deutlich überhöhten Preisen
erwerben, ohne Kenntnis über die tatsächlichen Schäden zu haben. Geschätzte
100 000 solcher Fahrzeuge mit verschleierten Vorschäden sind derzeit allein in
Deutschland unterwegs (SWR-Doku vom 2. November 2022, www.youtub
e.com/watch?v=5UAZ5bb0-Ho, ungefähr Minute 8:30), was ein erhebliches
Sicherheits- und Verbraucherschutzproblem darstellt.
Laut der preisgekrönten SWR-Doku „Die Gebrauchtwagenfalle – das miese
Geschäft mit schrottreifen Autos“ (www.wirtschaftsjournalistin.com/
singlenews/uid-954738/thorsten-link-gewinnt-journalistenpreis/) ist die
Ermittlungsarbeit in Deutschland sehr schwierig, weil u. a. die Problematik bestehen
würde, dass die Fahrgestellnummer dem Datenschutz unterliegt und so kein legaler
Zugriff auf eine Datenbank besteht, um die Historie der Fahrzeuge zu
überprüfen (www.youtube.com/watch?v=5UAZ5bb0-Ho, ungefähr Minute 40:45).
Zudem zeigten Ermittlungen europäischer Strafverfolgungsbehörden (www.bil
d.de/regional/rheinland-pfalz/codename-nimmersatt-31-mio-schaden-schlag-ge
gen-autohaendler-mafia-67ff48b90c382a037950fef7), dass organisierte
kriminelle Strukturen in mehreren EU-Staaten an diesem lukrativen Betrug beteiligt
seien. So habe die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) im Frühjahr dieses
Jahres in einer großangelegten Razzia, bei der 1 000 Ermittler 200 Objekte in
zehn Ländern (u. a. auch in Deutschland) durchsucht hätten, ein „extrem
komplexes und kriminelles Netzwerk mit Verbindungen in 18 Länder[n]“
aufgedeckt (ebd.)
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Fahrzeuge mit US-Salvage-Titel wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland seit 2015 zugelassen (bitte nach Jahren
und summiert auflisten)?
2. Wie viele Fahrzeuge mit US-Salvage-Titel wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung nach Deutschland seit 2015 importiert (bitte nach Jahren
und summiert auflisten)?
3. Welche konkreten Sicherheitsrisiken sind der Bundesregierung ggf.
bekannt, die von solchen Fahrzeugen aufgrund unzureichender Reparaturen
ausgehen?
4. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf. aktuell, um
Verbraucher vor finanziellen Schäden durch verschleierte Vorschäden an
importierten Gebrauchtfahrzeugen zu schützen?
5. Sind der Bundesregierung Lücken im Zulassungs- und Kontrollverfahren
bekannt, welche es ermöglichen, Unfallfahrzeuge mit verschleierter
Historie in Deutschland neu zuzulassen, und wie plant sie ggf., diese Lücken zu
schließen?
6. Teilt die Bundesregierung die Ansicht (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller), dass die Ermittlungsarbeit in Deutschland dadurch erschwert wird,
dass die Fahrgestellnummer dem Datenschutz unterliegt, und wenn ja,
gibt es Pläne der Bundesregierung, dies zu ändern?
7. Aus welchen Gründen unterliegt nach Kenntnissen der Bundesregierung
die Fahrgestellnummer dem Datenschutz, und gibt es Pläne der
Bundesregierung, dies zu ändern?
8. Arbeitet die Bundesregierung mit anderen EU-Staaten, insbesondere
osteuropäischen Ländern, zusammen, um die betrügerische Manipulation
von Fahrzeugpapieren zu verhindern, und wenn ja, inwiefern?
9. Welche Initiativen plant die Bundesregierung auf EU-Ebene ggf., um eine
EU-weit einheitliche Kennzeichnungspflicht oder eine zentrale Erfassung
der Historie von Fahrzeugen mit Salvage-Titel umzusetzen?
10. Wenn die Frage 9 bejaht wurde, welche konkreten Vorschläge wird die
Bundesregierung im EU-Rahmen ggf. einbringen, um Verbraucher- und
Verkehrssicherheit bei importierten Gebrauchtfahrzeugen aus Drittstaaten,
insbesondere den USA, zu verbessern?
Berlin, den 15. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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