Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Energiewissenschaftlichen Institut an der Universität zu Köln
Text
Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Energiewissenschaftlichen Institut an der Universität zu Köln
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1032
21. Wahlperiode 09.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Violetta Bock, Ates Gürpinar, Caren Lay, Dr. Fabian Fahl,
Mareike Hermeier, Luigi Pantisano, Jorrit Bosch, David Schliesing, Marcel Bauer,
Lorenz Gösta Beutin, Katalin Gennburg, Ina Latendorf, Sahra Mirow, Sascha
Wagner, Ines Schwerdtner, Cansin Köktürk und der Fraktion Die Linke
Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Energiewissenschaftlichen
Institut an der Universität zu Köln
Das Energiewissenschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) wurde
laut Pressemeldungen von der Bundesregierung mit dem sogenannten
Energiemonitoring beauftragt. Dabei soll es sich um ein Gutachten zum Stand der
Energiewende handeln und welches dann Grundlage für eine „Neuausrichtung
der Energiewende“ werden soll (https://taz.de/Reiches-umstrittenes-Energiegut
achten/!6099622&s=Katherina%2BReiche/).
Die Unabhängigkeit des EWI wurde in der Vergangenheit wegen der
maßgeblichen Finanzierung durch die Energiewirtschaft selbst kritisiert und in Zweifel
gezogen (u. a. www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wichtige-energiestudie-regie
rungsgutachter-steht-stromkonzernen-nahe-a-714013.html; https://taz.de/Energi
epolitik-der-Union/!6101985&s=Katherina%2BReiche/). So veröffentlichte das
EWI im Jahr 2010 das Gutachten „Energieszenarien für ein Energiekonzept der
Bundesregierung“, welches die Notwendigkeit der Laufzeitverlängerung von
Atomkraftwerken behauptete, während es zugleich von mehreren deutschen
Kernkraftunternehmen finanziert wurde (www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wi
chtige-energiestudie-regierungsgutachter-steht-stromkonzernen-nahe-a-71401
3.html). Bereits 2013 legte das Institut die Studie „Potenziale für Erdgas im Str
aßenverkehr“ im Auftrag des Zukunft Gas e. V., Lobbyverband der deutschen
Erdgasindustrie, vor. Eine 2015 von dem Deutschen Braunkohlen-Industrie-
Verein e. V. bezahlte Studie behauptete, dass nationale Maßnahmen zur
Reduktion der Treibhausgasemissionen für den Klimaschutz angeblich nutzlos wären.
Im Jahr 2017 behauptete eine Studie der zeitweise aus dem EWI
ausgegliederten ewi Energy Research & Scenarios gGmbH (ewi ER&S), dass mit dem Bau
der Pipeline die EU-Länder 25 Mrd. Euro sparen würden. Bezahlt hatte diese
Studie die Nordstream AG (www.zeit.de/wirtschaft/2023-02/lobbyismus-fossili
ndustrie-auftragsstudien-nord-stream/komplettansicht).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche wissenschaftlichen Verbände, Institute und Einrichtungen haben
sich auf eine Ausschreibung des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie zur Erstellung eines Gutachtens zum Stand der Energiewende
beworben?
2. Wann wurde die Ausschreibung wo veröffentlicht, und welche Frage- und
Zielstellungen wurden damit verbunden?
3. Welche Parameter sind mit der Formulierung „Neuausrichtung der
Energiewende“ im Einzelnen konkret ins Auge gefasst worden und sollen im
Ergebnis der noch zu erwartenden Studie durch gesetzgeberische Maßnahmen
neu ausgerichtet werden (bitte für die einzelnen Sektoren wie
Bauwirtschaft, Verkehr, Energie- und Wärmeversorgung etc. auflisten)?
4. Welche Verfahrensschritte sind für Qualitätssicherung mit der
Auftragnehmerin EWI durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für die
Erstellung des Gutachtens zum Stand der Energiewende verabredet
worden?
5. Welche begleitenden oder prüfenden Gutachten etwa im Rahmen von peer
review, open peer review oder community peer review müssen in das zu
erstellende Gutachten einfließen, um eine inhaltliche Bewertung vornehmen
zu können?
6. Sind der Auftragnehmerin Vorgaben hinsichtlich der Einhaltung der FAIR-
Prinzipien, der Kenntlichmachung der Finanzierung von Forschung und
Publikation einschließlich der Offenlegung von Verbindungen der
beteiligten Autoren zu in der Studie etwaig angesprochenen wirtschaftlichen
Akteuren und Anbietern im Energiesektor und auf dem Energiemarkt auferlegt
worden, und wenn ja, welche im Einzelnen?
7. Sind aus Sicht der Bundesregierung bei der Erstellung des Gutachtens zum
Stand der Energiewende Mindeststandards der wissenschaftlichen
Qualitätssicherung von der Auftragnehmerin EWI einzuhalten, und wenn ja,
welche?
8. Welche Kontakte, Treffen oder Verbindungen zwischen dem
Energiewissenschaftlichen Institut an der Universität zu Köln und der heutigen
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, im Zeitraum
zwischen September 2015 und August 2025 sind der Bundesregierung
bekannt?
9. Sind der Bundesregierung personelle Überschneidungen und Verbindungen
zwischen früheren und aktuellen Auftraggebern von Gutachten und
Stellungnahmen des EWI und Mitarbeitenden des EWI mit diesen
Auftraggebern bekannt, und wenn ja, inwieweit ergeben sich daraus Rückschlüsse für
die Qualitätssicherung des zu erstellenden Gutachtens zum Stand der
Energiewende?
Berlin, den 3. September 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Ates Gürpinar (Kleine Anfrage)
- asked ← Cansin Köktürk (Kleine Anfrage)
- asked ← Caren Lay (Kleine Anfrage)
- asked ← David Schliesing (Kleine Anfrage)
- asked ← Fabian Fahl (Kleine Anfrage)
- asked ← Ina Latendorf (Kleine Anfrage)
- asked ← Ines Schwerdtner (Kleine Anfrage)
- asked ← Jorrit Bosch (Kleine Anfrage)
- asked ← Katalin Gennburg (Kleine Anfrage)
- asked ← Lorenz Gösta Beutin (Kleine Anfrage)
- asked ← Luigi Pantisano (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcel Bauer (Kleine Anfrage)
- asked ← Mareike Hermeier (Kleine Anfrage)
- asked ← Sahra Mirow (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Wagner (Kleine Anfrage)
- asked ← Violetta Bock (Kleine Anfrage)
- authored ← Ates Gürpinar
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Violetta Bock
- part_of_vorgang → Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Energiewissenschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (Kleine Anfrage)