Gasbohrungen in Deutschland beenden - Energiewende konsequent weiterführen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/836)
Text
Gasbohrungen in Deutschland beenden - Energiewende konsequent weiterführen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/836)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3568
21. Wahlperiode 12.01.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Lisa Badum, Felix Banaszak,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/836 –
Gasbohrungen in Deutschland beenden – Energiewende konsequent
weiterführen
A. Problem
Die Fraktion schickt ihrem Antrag voraus, dass das Klimaziel 2030 durch die
Senkung des Verbrauchs von Kohle und Erdgas in Reichweite gerückt sei. Der
beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien, klimafreundliche Heizungen,
zusammen mit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, und das kommunale
Wärmeplanungsgesetz trügen zur Zielerreichung bei. Die aktuellen Maßnahmen
reichten aber nicht aus, um auch die Klimaziele 2040 und 2045 zu erreichen. Die
Gasnachfrage müsse schnellstmöglich gesenkt werden. Pläne der Koalition für
neue Gasbohrungen im Inland konterkarierten diese Notwendigkeit. Durch
erneuerbare Energien und Energieeffizienz gebe es bessere Alternativen. Neue
Gasbohrungen seien nicht erforderlich, sondern umwelt- und klimaschädlich, und
gefährdeten die Gesundheit der Menschen.
Die antragsstellende Fraktion möchte die Bundesregierung daher auffordern, ein
Änderungsgesetz zum Bundesbergrecht vorzulegen, nach dem neue Gas- und
Ölbohrungen nicht mehr genehmigt und alte Gas- und Ölförderprojekte bis maximal
2030 befristet würden, die Gasförderpläne vor Borkum abzusagen sowie eine
Gasunabhängigkeitsstrategie vorzulegen, um perspektivisch Gasfreiheit zu
erlangen und die Pariser Klimaziele zu erreichen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und Die Linke.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/836 abzulehnen.
Berlin, den 17. Dezember 2025
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Frhr. von Stetten
Vorsitzender
Dr. Saskia Ludwig
Berichterstatterin
Jörg Cezanne
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Dr. Saskia Ludwig und Jörg Cezanne
I. Überweisung
Der Antrag auf Drucksache 21/836 wurde in der 22. Sitzung des Deutschen Bundestages am 12. September 2025
an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur Federführung sowie an den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit und den Ausschuss für Tourismus zur Mitberatung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Fraktion schickt ihrem Antrag voraus, dass das Klimaziel 2030 durch die Senkung des Verbrauchs von Kohle
und Erdgas in Reichweite gerückt sei. Der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien, klimafreundliche
Heizungen, zusammen mit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, und das kommunale Wärmeplanungsgesetz
trügen zur Zielerreichung bei. Die aktuellen Maßnahmen reichten aber nicht aus, um auch die Klimaziele 2040
und 2045 zu erreichen. Die Gasnachfrage müsse schnellstmöglich gesenkt werden. Pläne der Koalition für neue
Gasbohrungen im Inland konterkarierten diese Notwendigkeit. Durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz
gebe es bessere Alternativen. Neue Gasbohrungen seien nicht erforderlich, sondern umwelt- und klimaschädlich,
und gefährdeten die Gesundheit der Menschen. In Regionen mit Erdgas- und Erdölbohrungen gebe es vermehrt
Cluster von Krankheitsbildern und führten seismische Erschütterungen zu Schäden. Dem Klimaschutz sei ein
Vorrang einzuräumen und der Weg in eine nachhaltige Zukunft mit erneuerbaren Energien und grünem
Wasserstoff zu beschleunigen.
Die antragsstellende Fraktion möchte die Bundesregierung daher auffordern, ein Änderungsgesetz zum
Bundesbergrecht vorzulegen, nach dem neue Gas- und Ölbohrungen nicht mehr genehmigt und alte Gas- und
Ölförderprojekte bis maximal 2030 befristet würden, kein Vertragsgesetz für ein Unitarisierungsabkommen mit dem
Königreich der Niederlande zu erarbeiten und somit die Gasförderpläne vor Borkum abzusagen sowie eine
Gasunabhängigkeitsstrategie vorzulegen, um perspektivisch Gasfreiheit in allen Sektoren (Gebäude, Strom, Industrie
und Verkehr) zu erlangen und die Pariser Klimaziele zu erreichen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat den Antrag auf
Drucksache 21/836 in seiner 21. Sitzung am 17. Dezember 2025 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen
der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Tourismus hat den Antrag auf Drucksache 21/836 in seiner 15. Sitzung am 17. Dezember
2025 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen
der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke dessen Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat in seiner 7. Sitzung am 8. Oktober 2025 mit den Stimmen der
Fraktionen der CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Fraktionen AfD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
Die Linke beschlossen, den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Durchführung einer
öffentlichen Anhörung abzulehnen.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/836 in seiner 21. Sitzung am 17.
Dezember 2025 abschließend beraten.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erläuterte einleitend ihren Antrag. Die Nutzung von Erdgas als
fossilem Energieträger müsse infolge der nationalen Klimaziele stetig reduziert werden. Gleichwohl seien neue
Gasbohrungen geplant, obwohl hierfür bei der betroffenen Bevölkerung in Borkum und Reichling keine
Unterstützung bestehe. Zudem gefährdeten die geplanten Bohrungen vor Borkum das UNESCO-Weltnaturerbe
Wattenmeer. Vor diesem Hintergrund fordere die Fraktion, entsprechende Gasförderpläne abzusagen und künftig keine
weiteren Genehmigungen zu erteilen.
Die Fraktion der CDU/CSU betonte, das Erreichen der Klimaziele setze keinen sofortigen Stopp sämtlicher
Gasbohrungen voraus. Im Rahmen der Energiewende bedürfe es weiterhin einer gesicherten Energieversorgung
sowie einer stärkeren Unabhängigkeit von Zulieferstaaten, die angesichts eines derzeitigen Anteils der heimischen
Förderung von lediglich rund fünf Prozent des Erdgasbedarfs nicht gegeben sei. Dies werde auch durch den
Versorgungssicherheitsbericht bestätigt. Ein pauschales Verbot von Gasbohrungen würde jedoch die Möglichkeit
einer erweiterten inländischen Versorgung ausschließen und die Importabhängigkeit weiter erhöhen. Eine
heimische Förderung bei gleichzeitiger ökologischer und geologischer Vertretbarkeit stelle vielmehr eine sinnvolle
Risikodiversifizierung dar. Insbesondere für Offshore-Projekte bestünden im Rahmen der
Umweltverträglichkeitsprüfung bereits sehr hohe Standards.
Die Fraktion der AfD kritisierte, die antragstellende Fraktion stehe mit ihrem Antrag im Widerspruch zu ihrem
Handeln in der vergangenen Legislaturperiode, in der sie den massiven Ausbau von LNG-Terminals sowie den
Bau neuer Gaskraftwerke vorangetrieben habe. Der Antrag vermittle demgegenüber den Eindruck, dass Erdgas
künftig nicht mehr benötigt werde. Tatsächlich resultiere der weiterhin bestehende Gasbedarf aus dem Ausstieg
aus der Kernenergie sowie der geplanten Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke in den kommenden fünf
Jahren. Vor diesem Hintergrund halte die Fraktion die Erschließung heimischer Erdgasvorkommen im Interesse der
Versorgungssicherheit und zur Reduktion von Importabhängigkeiten für sinnvoll.
Die Fraktion der SPD führte aus, Deutschland sei sowohl zur Sicherstellung der Energieversorgung als auch mit
Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie weiterhin auf Erdgas angewiesen. Der Transport von Erdgas
über Importwege, insbesondere über Pipelines, sei aufgrund geopolitischer Spannungen und möglicher
Sabotageakte mit erheblichen Risiken verbunden. Eine inländische Erdgasförderung könne daher zu größerer
Unabhängigkeit beitragen. Hinsichtlich der mit der Gasförderung verbundenen Umweltbelastungen, insbesondere im Bereich
der Nordsee, verwies die Fraktion auf einen vom Bundesumweltminister vorgelegten Gesetzentwurf, der einen
stärkeren Schutz der Meere vorsehe. Dieser beziehe sich insbesondere auf die Ausschließliche Wirtschaftszone,
wodurch Meeresschutzgebiete geschützt würden; eine Schädigung des Wattenmeeres sei daher nicht zu erwarten.
Die Fraktion Die Linke erklärte ihre Zustimmung zu dem Antrag und kritisierte die geplanten neuen
Gasbohrungen. Angesichts der Verpflichtung Deutschlands, bis zum Jahr 2045 Klimaneutralität zu erreichen, seien neue
Gasbohrungen nicht nachvollziehbar. Zudem sende die Genehmigung neuer Förderprojekte ein falsches
politisches Signal, während der zu erwartende Förderumfang lediglich einen marginalen Beitrag zur
Versorgungssicherheit leiste. Aus Sicht der Fraktion sei die strategische Ausrichtung insgesamt verfehlt; anstelle neuer
Investitionen in fossile Energieträger sollten vielmehr bestehende Einsparpotenziale, insbesondere im Wärmebereich,
konsequent genutzt werden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bekräftigte ihre Kritik an den geplanten Gasbohrungen unter Hinweis
auf die begrenzten inländischen Ressourcen sowie die erheblichen ökologischen Auswirkungen. Für eine
nachhaltige Energiesouveränität seien der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, eine Steigerung der Energieeffizienz
sowie der Bezug von grünem Wasserstoff aus der EU vorzugswürdig.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie beschloss mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und
SPD gegen die Stimmen der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke, die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/836 zu empfehlen.
Berlin, den 17. Dezember 2025
Dr. Saskia Ludwig
Berichterstatterin
Jörg Cezanne
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Ausschuss für Wirtschaft und Energie
- authored ← Jörg Cezanne (Berichterstattung)
- authored ← Saskia Ludwig (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Gasbohrungen in Deutschland beenden - Energiewende konsequent weiterführen (Beschlussempfehlung und Bericht)