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Verbesserung der Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken durch Fluorchinolon-Antibiotika und Stärkung der Hilfe für Betroffene

dip / drucksache 07.07.2025 · WP 21 · 21/775 · Antrag · Original ↗

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Verbesserung der Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken durch Fluorchinolon-Antibiotika und Stärkung der Hilfe für Betroffene [Deutscher Bundestag Drucksache 21/775 21. Wahlperiode 07.07.2025 Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch, Alexander Arpaschi, Dr. Michael Blos, Erhard Brucker, Stefan Henze, Nicole Höchst, Gerrit Huy, Steffen Janich, Kurt Kleinschmidt, Reinhard Mixl, Gerold Otten, Lars Schieske, Jan Wenzel Schmidt, Georg Schroeter, Otto Winfried Strauß, Martina Uhr und der Fraktion der AfD Verbesserung der Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken durch Fluorchinolon-Antibiotika und Stärkung der Hilfe für Betroffene Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Fluorchinolonhaltige Arzneimittel (derzeit in Deutschland mit den Wirkstoffen Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin in Verkehr) sind Breitbandantibiotika, die bei lebensbedrohlichen Erkrankungen im Einzelfall unverzichtbare Reserveantibiotika darstellen.1 Aufgrund ihres ausgeprägten Nebenwirkungsprofils2 sollen sie allerdings nicht als Standardantibiotika eingesetzt werden.3,4 Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Fatigue, allgemeine Immunschwäche, kognitive Störungen, Schäden an Muskeln, Sehnen, Bändern und Bindegewebe, u. U. mit Schmerzen in Sehnen und Muskeln, Aortenaneurysma, Sehnenruptur, Nervenschädigungen u. U. mit Polyneuropathie, Magen-Darm-Beschwerden, unspezifische gastrointestinale Symptome, trockene Schleimhäute, Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Nervosität, Agitation, Angst- und Panikattacken, Psychosen, Halluzinationen, Depersonalisation, Schlafstörungen mit Albträumen, Tinnitus, Hypersensitivität für Licht und Lärm, Tremor, Zuckungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Depression und Suizidalität.5 1 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/fluorchinolone-bewe- gungsappa-rat.html#:~:text=Fluorchinolone%20und%20Chinolone%20werden%20in,in%20der%20 Fachinformation%20beschrieben%20anzuwenden. 2 www.fachinfo.de/fi/pdf/011731/ciprobay-r-500-mg 3 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2019/rhb-fluorchino- lone.html 4 https://flexikon.doccheck.com/de/Ciprofloxacin 5 www.prof-wendt.de/de/schwerpunkte/fqad/ Diese möglichen Symptome werden unter dem Namen Fluoroquinolone Associated Disability, abgekürzt FQAD, d. h. einer mit der Einnahme von Fluorchinolonen zusammenhängenden Behinderung, zusammengefasst.6 FQAD wird mittlerweile in den USA als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt,7 während Betroffene in Deutschland weiterhin auf große Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung, der sozialen Absicherung und der gesellschaftlichen Anerkennung stoßen. Trotz eindeutiger Warnungen der Europäischen Arzneimittel- Agentur (EMA) und mehrerer Rote-Hand-Briefe des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodunkte (BfArM), in denen auf die schwerwiegenden und teils irreversiblen Nebenwirkungen von Fluorchinolon-Antibiotika hingewiesen wird, erhalten viele Patienten keine adäquate Hilfe. Es droht ihnen damit der Verlust der Arbeitsfähigkeit. Starke chronische Schmerzen, soziale Isolation und die fehlende Anerkennung der Erkrankung machen das Leben der Betroffenen unerträglich. Während einige Länder bereits Forschungsmittel für die Entwicklung von Therapiemöglichkeiten bereitstellen, fehlt es in Deutschland an jeglicher staatlichen Unterstützung für eine gezielte Erforschung und Behandlung von FQAD.8 Zwar geht die Verordnung der fluorchinolonhaltigen Antibiotika in Deutschland zurück,9 da dies aber offenbar nicht schnell und umfassend genug geschah,10,11 sah sich das BfArM sogar gezwungen, die Risikowarnungen für die Ärzte in Form neuer Rote- Hand-Briefe zu wiederholen.12,13,14 Im Jahre 2023 geschah das ausdrücklich als Erinnerung an die Ärzteschaft.15 II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung deshalb auf, sicherzustellen dass, 1. die Bundesregierung ein Förderprogramm auflegt, um spezialisierte medizinische Zentren für FQAD-Betroffene an Universitätskliniken und spezialisierten Fachkliniken zu etablieren; 2. diese Zentren interdisziplinäre Beratung, Diagnostik und Therapie anbieten und über eine gesicherte Finanzierung verfügen; 3. die Zentren eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene darstellen und die Forschung zu FQAD bündeln; 4. aus dem Bundeshaushalt gezielt Mittel für Forschungsprojekte, die sich mit der Entwicklung von Heilungsmöglichkeiten oder lindernden Therapieansätzen für FQAD beschäftigen, bereitgestellt werden; 6 s. FN. 5 7 www.allergosan.com/de/blog/fluorchinolone-gefaehrlich-und-zu-oft-verordnet/ 8 www.fluorchinolone.info/aerzte-und-spezialisten 9 www.wido.de/news-presse/pressemitteilungen/2019/fluorchinolone/ 10 www.zdf.de/nachrichten/ratgeber/gesundheit/fluorchinolone-antibiotika-nebenwirkungen-100.html 11 www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2023/05/16/fluorchinolone-werden-immer-noch- verschrieben 12 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-fluorchino- lone.pdf?__blob=publicationFile 13 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2019/rhb-fluorchino- lone.html 14 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2020/rhb-fluorchino- lone.pdf?__blob=publicationFile 15 www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2023/rhb-fluorchino- lone.pdf?__blob=publicationFile 5. die Bundesregierung gemeinsam mit medizinischen Fachgesellschaften Fortbildungsprogramme zur sicheren Verordnung von Fluorchinolonen entwickelt und flächendeckend umsetzt; 6. eine gezielte Informationskampagne für Ärzte gestartet wird, um die Risikowarnungen des BfArM und der pharmazeutischen Unternehmen (Rote-Hand-Briefe) konsequenter in der Praxis zu verankern; 7. die Bundesregierung eine nationale Aufklärungskampagne initiiert, die Ärzte, Apotheker und Patienten über die Risiken von Fluorchinolonen sowie über alternative Behandlungsmöglichkeiten informiert bzw. deren sinnvolle Anwendungsgebiete und -fälle; 8. die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen gestärkt wird, um Betroffenen eine Stimme zu geben und ihre Anliegen in die politische Diskussion einzubringen; 9. FQAD als anerkannte Erkrankung eingestuft wird; 10. Patienten mit nachgewiesenen Fluorchinolon-Schäden einen erleichterten Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen und finanzieller Unterstützung erhalten. Berlin, den 14. Mai 2025 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Begründung Die durch fluorchinolonhaltige Antibiotika verursachten gesundheitlichen Schäden stellen ein ernstzunehmendes Risiko für zahlreiche Patienten dar. Trotz regulatorischer Maßnahmen besteht weiterhin Bedarf an Verbesserung der Verschreibungspraxis und intensiveren Forschungsanstrengungen und besseren Unterstützungsmaßnahmen, um die negativen Auswirkungen dieser Medikamente zu minimieren. Mit den hier beantragten Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass die Risiken von Fluorchinolon-Antibiotika weiter minimiert, Betroffene besser versorgt und Forschungslücken geschlossen werden. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

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