Betriebsstruktur in der regionalen Fleischproduktion
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Betriebsstruktur in der regionalen Fleischproduktion
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/280
21. Wahlperiode 27.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Betriebsstruktur in der regionalen Fleischproduktion
Die regionale Nutztierhaltung in Deutschland ist ein wesentlicher Bestandteil
der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Sie trägt durch die
Bereitstellung organischen Düngers zur Bodenfruchtbarkeit und zur Stabilisierung der
Ackerbauerträge bei. Zudem sind tierische Produkte ein zentraler Bestandteil
der Ernährung großer Teile der Bevölkerung.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Struktur der regionalen
Fleischproduktion erheblich verändert. Zahlreiche handwerklich arbeitende
Metzgereien und kleinere Schlachtbetriebe mussten ihre Schlachtkapazitäten aufgrund
steigender bürokratischer Anforderungen und finanzieller Belastungen
reduzieren oder ganz aufgeben. Strenge EU-Vorgaben und hohe Investitionskosten
haben nach Ansicht der Fragesteller den Strukturwandel beschleunigt und zur
Marktkonzentration auf wenige große Schlachtbetriebe und internationale
Konzerne geführt (www.fachfleischerei-during.de/Ueber-Uns/EU-Zulassung, www.
landundforst.de/tier/viele-schlachthoefe-braucht-deutschland-sterben-branche-5
70458). Diese Entwicklung geht zunehmend zulasten regionaler
Fleischproduzenten und der Tierhalter.
Dadurch wurde nach Auffassung der Fragesteller der Wettbewerb verzerrt und
haben sich die Transportwege für Schlachttiere verlängert, was negative
Auswirkungen auf Tierwohl und Umwelt hat (www.bundestag.de/resource/blob/10
27602/ebb7c2eca4f4bc9e2736f340fd7d98ee/WD-5-133-24-pdf.pdf).
Gleichzeitig erschweren hohe Produktionskosten und bürokratische Hürden das
wirtschaftliche Überleben regionaler Betriebe. Einige international tätige
Unternehmen haben bereits begonnen, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen
(www.agrarheute.com/management/agribusiness/schlachtkonzern-vion-verkauf
t-letzte-viehhandels-standorte-deutschland-632370).
Parallel dazu wächst die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln,
auch im Bereich Fleisch. Verbraucher legen zunehmend Wert auf Herkunft und
Qualität. Daraus ergeben sich Chancen für Direktvermarktung und regionale
Wertschöpfung (www.nutztierhaltung.de/schwein/mast/oekonomie/direktverma
rktung-von-fleisch-und-wurst/). Diese Potenziale werden jedoch durch die
fortschreitende Konzentration der Schlachtkapazitäten und die ungleichmäßige
Verteilung der Schlachtbetriebe auf die Regionen behindert (www.bmel-statisti
k.de/ernaehrung/ernaehrungsgewerbe/schlachten-und-fleischverarbeitung).
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, welche
politischen Maßnahmen notwendig sind, um die regionale Fleischproduktion zu
sichern, die Verarbeitungsinfrastruktur zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit
regionaler Anbieter zu erhalten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Zahl der
zugelassenen Schlachthöfe und Schlachtstätten in den vergangenen 15 Jahren in
Deutschland entwickelt hat, und sieht sie aufgrund dieser Entwicklung
einen Handlungsbedarf (bitte ausführen und auch nach Jahr und
Bundesland angeben)?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie sich die Zahl der
geschlachteten Tiere je Tierart in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland
entwickelt hat (wenn ja, bitte auch nach Jahr und Bundesland angeben)?
3. Wie verteilen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die zugelassenen
Schlachthöfe und Schlachtstätten der konventionellen und biologischen
Tierhaltung in Deutschland nach Mitarbeiteranzahl je Bundesland, und
wie hat sich dies in den vergangenen 15 Jahren entwickelt (bitte nach den
Kategorien weniger als 10 Mitarbeiter, 10 bis 50 Mitarbeiter, 51 bis
250 Mitarbeiter, 251 bis 750 Mitarbeiter, 751 bis 1 000 Mitarbeiter, mehr
als 1 000 Mitarbeiter aufschlüsseln)?
4. Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob es regionale
Vermarktungskapazitätsengpässe beim Schlachten landwirtschaftlicher Nutztiere durch einen
Rückgang der Schlachtstätten und Metzgereien in Deutschland gibt, und
wenn es nach Kenntnis der Bundesregierung solche Engpässe gibt, in
welchen Bundesländern befinden sich diese?
5. Ist der Bundesregierung bekannt, dass die Fleisch- und Wurstindustrie in
Deutschland Strukturbrüche entlang der gesamten Wertschöpfungskette
zeigt, und wenn ja, sieht sie aufgrund dieser Entwicklung einen
Handlungsbedarf (www.dfv.de/ueber-uns/presse/Branchenpanel-zeigt-Deutsch
e-Fleischindustrie-erlebt-Strukturbruch-3489)?
6. Beabsichtigt die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, um die
regionalen Schlachtkapazitäten in Deutschland zu stärken und die Existenz
kleiner und mittelständischer Schlachtbetriebe zu sichern?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, um die
Direktvermarktung von regional erzeugtem Fleisch zu erleichtern und zu
fördern?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
8. Beabsichtigt die Bundesregierung, Schritte zu unternehmen, um eine
gleichmäßige Verteilung der Schlachtkapazitäten in Deutschland zu
gewährleisten und eine flächendeckende, regionale Versorgung
sicherzustellen?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
9. Gibt es vonseiten der Bundesregierung Überlegungen, wie die Schließung
von Schlachtbetrieben in ländlichen Gebieten durch Anreize oder
Förderprogramme verhindert werden kann, und wenn ja, welche?
10. Beabsichtigt die Bundesregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um die
Transportwege von Schlachttieren zu verkürzen und den Tierschutz in der
Fleischproduktion dadurch weiter zu verbessern?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
11. Beabsichtigt die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, um die
regionalen Schlachtkapazitäten in Deutschland zu stärken und die Existenz
kleiner und mittelständischer Schlachtbetriebe zu sichern?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
12. Beabsichtigt die Bundesregierung, Schritte zu unternehmen, um den
bürokratischen Aufwand für kleine und mittlere Schlachtbetriebe zu
reduzieren, ohne dabei die erforderlichen Standards zu gefährden?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
13. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen, um die Marktmacht von
großen Fleischkonzernen einzuschränken und den fairen Wettbewerb im
Bereich der Fleischproduktion und Fleischverarbeitung zu sichern?
a) Wenn ja, welche, und bis wann sollen diese umgesetzt werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
14. Gibt es vonseiten der Bundesregierung Überlegungen, wie die
Wettbewerbsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen im Fleischsektor
verbessert werden können, und wenn ja, welche?
15. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Zahl der mittels
Weideschuss in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland geschlachteten
landwirtschaftlichen Nutztiere (hochsitz-akademie.de/weideschuss/, wenn ja,
bitte ausführen)?
16. Wie stellt sich die Bundesregierung die langfristige Zukunft der
Fleischproduktion in Deutschland vor, insbesondere im Hinblick auf die
regionale Erzeugung und Verarbeitung von Fleisch?
Berlin, den 21. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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