Folgen der geplanten EU-Zölle auf Düngemittelimporte aus Russland und Belarus für die deutsche Landwirtschaft und die Lebensmittelpreise
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Folgen der geplanten EU-Zölle auf Düngemittelimporte aus Russland und Belarus für die deutsche Landwirtschaft und die Lebensmittelpreise
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/534
21. Wahlperiode 20.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Folgen der geplanten EU-Zölle auf Düngemittelimporte aus Russland und Belarus
für die deutsche Landwirtschaft und die Lebensmittelpreise
Mit Zustimmung des Europäischen Parlaments plant die EU-Kommission eine
drastische Erhöhung der Zölle auf Agrarimporte aus Russland und Belarus,
darunter auch essenzielle Betriebsmittel wie stickstoffbasierte Düngemittel. Die
Maßnahme soll ab dem 1. Juli 2025 in Kraft treten. Nach Angaben der EU-
Kommission sollen diese Sanktionen ein politisches Signal gegen den Krieg
Russlands gegen die Ukraine setzen (www.proplanta.de/agrar-nachrichten/agra
rpolitik/zoelle-auf-agrarwaren-aus-russland-und-belarus-eu-parlament-gibt-gru
enes-licht_article1748160036.html).
Russland und Belarus zählen bislang zu den wichtigsten Lieferanten für
Stickstoff- und Kalidünger. Die Preis- und Versorgungskrise der vergangenen
Jahre hat bereits gezeigt, wie stark die europäische Landwirtschaft von
internationalen Lieferketten abhängig ist. Die nun beschlossenen Strafzölle, mit bis
zu 430 Euro pro Tonne und einem zusätzlichen Ad-valorem-Zoll, verschärfen
diese Abhängigkeit, statt sie zu entschärfen. Wie die entstandenen Lücken in
der Versorgung kurzfristig durch die europäische Industrie geschlossen werden
sollen, bleibt nach Auffassung der Fragesteller völlig unklar. Gleichzeitig
scheinen realistische Konzepte zur Sicherstellung der Versorgung oder zur
Kostenkompensation für landwirtschaftliche Betriebe zu fehlen (www.berliner-zeit
ung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/eu-sanktionen-duenger-toedlich-fuer-bau
ern-li.2327655).
Die heimische Landwirtschaft droht nach Ansicht der Fragesteller zum
Leidtragenden einer Symbolpolitik zu werden, die erneut einseitig die Bauern belastet.
Die Bundesregierung wird daher um Auskunft darüber gebeten, wie sie die
Auswirkungen dieser Entscheidung auf Betriebsmittelkosten,
Wettbewerbsfähigkeit und Ernährungssicherheit bewertet und welche konkreten Maßnahmen
geplant sind, um die Folgen für die Landwirtschaft abzufedern.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Mineraldüngerimporte aus Russland und Belarus in den vergangenen fünf Jahren
entwickelt (bitte nach Land, Art und Jahr angeben)?
2. Wie wird sich die Bundesregierung bei der Abstimmung über das neue,
gegen Russland und Belarus gerichtete Zollpaket der EU-Kommission
verhalten (www.proplanta.de/agrar-nachrichten/agrarpolitik/zoelle-auf-agr
arwaren-aus-russland-und-belarus-eu-parlament-gibt-gruenes-licht_article
1748160036.html)?
3. Führt die Bundesregierung derzeit Gespräche auf EU-Ebene, um eine
ausgewogene Umsetzung der Zollmaßnahmen sicherzustellen, die sowohl
sicherheitspolitische Ziele als auch die Interessen der heimischen
Landwirtschaft berücksichtigt?
a) Wenn ja, mit welchem konkreten Gesprächsziel, und mit welchen
bisherigen Ergebnissen?
b) Wenn nein, warum nicht, und sind derartige Gespräche geplant?
4. Hat sich die Bundesregierung eine Positionierung erarbeitet zu den
Bemühungen des UN-Generalsekretärs (UN = United Nations) Antonio
Guterres, den sanktionierten Export russischer Düngemittel zu erleichtern,
um das Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland
wiederzubeleben, und wenn ja, welche ist dies (www.tagesschau.de/ausland/asien/g
uterres-getreideabkommen-kompromissvorschlag-100.html)?
5. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die erhöhten
EU-Zölle auf stickstoffbasierte Düngemittel und bestimmte
Agrarprodukte aus Russland und Belarus auf die Versorgungssicherheit und
Preisentwicklung bei Düngemitteln in Deutschland?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob die deutsche und
europäische Düngemittelindustrie in der Lage sein wird, die wegfallenden
Importe aus Russland und Belarus zu kompensieren, wenn ja, wie konkret,
und mit welchem Zeithorizont soll dies geschehen?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um mögliche
negative Auswirkungen der erhöhten Zölle auf die deutsche
Landwirtschaft abzufedern, insbesondere für kleine und mittlere Betriebe (wenn ja,
bitte ausführen)?
8. Gibt es Überlegungen seitens der Bundesregierung, alternative
Bezugsquellen für Düngemittel zu erschließen oder die Nutzung heimischer
Düngemittelquellen zu fördern (wenn ja, bitte ausführen)?
9. Sind der Bundesregierung die langfristigen Auswirkungen der erhöhten
Zölle auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft im
europäischen und globalen Kontext bekannt (wenn ja, bitte ausführen)?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die erhöhten Zölle auf
die Preisentwicklung von Lebensmitteln für Verbraucher in Deutschland
auswirken werden (wenn ja, bitte ausführen)?
11. Gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, Förderprogramme oder
Investitionen in Forschung und Entwicklung zu intensivieren, um die
Abhängigkeit von Importdüngemitteln langfristig zu reduzieren (wenn ja,
bitte ausführen)?
12. Werden vonseiten der Bundesregierung Maßnahmen geprüft, um die
Lagerhaltung von Düngemitteln in Deutschland strategisch auszubauen, um
Versorgungslücken in Krisenzeiten abzufedern (wenn ja, bitte ausführen)?
13. Gibt es eine Risikoanalyse der Bundesregierung zu möglichen
Lieferengpässen bei Düngemitteln und deren Auswirkungen auf die Ernteerträge in
Deutschland (wenn ja, bitte ausführen)?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis über die aktuelle Lage der deutschen
Düngerproduktion, insbesondere auch vor dem Hintergrund gestiegener
Produktionskosten, und sind diesbezüglich Maßnahmen geplant, um die
Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Düngerindustrie zu stärken (wenn
ja, bitte ausführen)?
Berlin, den 12. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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