Finanzierung von Integrationskursen
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Finanzierung von Integrationskursen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/152
21. Wahlperiode 14.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Ferat Koçak, Jan Köstering, Tamara Mazzi und
der Fraktion Die Linke
Finanzierung von Integrationskursen
Integrationskurse umfassen 500 Unterrichtseinheiten Deutschunterricht und
100 Einheiten „Orientierungskurs“. Sie dauern in der Regel neun Monate. 2023
begannen 360 000 Personen einen Integrationskurs. Zahlen für 2024 liegen
noch nicht vor, es wird aber mit einer ähnlich hohen Zahl gerechnet. Für 2025
rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit etwa
326 000 Teilnehmenden. Verschiedene Studien zeigen, dass Integrationskurse
Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten dabei unterstützen, Deutsch zu
lernen und sich in Deutschland zurechtzufinden. Ferner verbessern sie die
Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weshalb sie vielen als Erfolgsgeschichte gelten
(https://mediendienst-integration.de/artikel/wie-geht-es-mit-den-integrationskur
sen-weiter.html).
Dennoch muss um die Finanzierung der Integrationskurse immer wieder
gerungen werden. In früheren Jahren wurden die Mittel häufig im Haushaltsentwurf
zunächst niedrig angesetzt, in der Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss
aber noch aufgestockt. Für das Jahr 2025 existiert wegen des Bruchs der
Koalition der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP und der
vorgezogenen Neuwahl noch kein finaler Haushalt. Aktuell stehen im Haushalt
für das laufende Jahr für die Integrationskurse 763 Mio. Euro zur Verfügung.
Im Jahr 2024 wurden für die Kurse noch rund 1,2 Mrd. Euro ausgegeben, bei
einer ähnlichen Teilnehmendenzahl. Die Kürzungen wirken sich bereits
praktisch aus: Am 7. Dezember 2024 ist die fünfte Änderung der
Integrationskursverordnung in Kraft getreten. Seitdem ist die Möglichkeit, Unterrichtseinheiten
zu wiederholen, nur noch für Teilnehmende in Alphabetisierungskursen und
Kursen mit „besonderem sprachpädagogischen Förderbedarf“ vorgesehen.
Zudem wurden spezielle Kurse für Jugendliche, Eltern und Frauen gestrichen.
Auch bei den Berufssprachkursen, die über das Bundesministerium für Arbeit
und Soziales finanziert werden, wird gekürzt (ebd.).
Das hat nicht nur negative Folgen für Kursteilnehmende, sondern auch für die
Träger der Kurse, die im Fall von Kürzungen von Insolvenzen bedroht sind
sowie die Lehrkräfte, die überwiegend in prekärer Solo-Selbstständigkeit tätig
sind und nun um ihre Aufträge fürchten (www.fr.de/politik/bundesregierung-int
egrationskurse-vor-dem-aus-lindner-kuerzungen-migration-asyl-ampel-933677
68.html). Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert, dass
auch unabhängig von den aktuellen Kürzungen die Mittel für die
Integrationskurse nicht für eine angemessene Bezahlung der Lehrkräfte ausreichten. Diese
würden meist weniger als 2 000 Euro netto monatlich verdienen. Die GEW
fordert, dass die Lehrkräfte fest angestellt und tariflich bezahlt werden müssen. In
einem gemeinsamen Papier mit Trägern und Verbänden warnt die GEW ferner
davor, die bestehenden Strukturen abzubauen. Sei das System einmal
„heruntergefahren“, ließen sich die Strukturen nicht ohne Weiteres reaktivieren (www.
gew.de/aktuelles/detailseite/kuerzungen-mit-folgen).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Personen haben 2024 und im bisherigen Jahr 2025 einen
Integrationskurs begonnen (bitte nach Jahren und auch nach Trägern
aufschlüsseln)?
2. Welche waren die 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten der Personen, die
2024 und im bisherigen Jahr 2025 einen Integrationskurs begonnen haben
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
3. Wie viele Eintritte in Berufssprachkurse gab es 2024 und im bisherigen
Jahr 2025 (bitte nach Jahren und auch nach Trägern aufschlüsseln)?
4. Welche waren die 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten der Personen, die
2024 und im bisherigen Jahr 2025 Berufssprachkurse begonnen haben
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
5. Wie viele Teilnehmende, die im Deutsch-Test für Zuwanderer nicht das
Sprachniveau B1 erreicht haben, wurden 2023, 2024 und im bisherigen
Jahr 2025 zur einmaligen Wiederholung von 300 Unterrichtseinheiten des
Sprachkurses zugelassen (bitte nach Jahren differenzieren)?
a) Wie viele von ihnen haben in den genannten Zeiträumen (bitte nach
Jahren differenzieren) an einem Wiederholungskurs teilgenommen?
b) Kann die Bundesregierung quantitativ angeben, welchen Anteil
Wiederholungskursteilnehmende an allen Teilnehmenden von
Integrationskursen ausmachen, und wenn ja, wie lautet diese Zahl für die Jahre
2023, 2024 und das bisherige Jahr 2025?
6. Wie viele Berechtigungen bzw. Verpflichtungen zur
Integrationskursteilnahme wurden 2023, 2024 bzw. im bisherigen Jahr 2025 ausgesprochen
(bitte auch nach den 15 wichtigsten Herkunftsländern differenzieren)?
7. Wie viele Personen warten aktuell auf einen Platz in einem
Integrationskurs?
8. Wie viele Plätze in Integrationskursen melden die Träger aktuell für die
nächsten zwölf Wochen, und wie viele davon sind bereits gebucht?
9. Wie lauteten die Zahlen zu den Fragen 6 und 7 jeweils zu den Stichtagen
31. Dezember 2024, 30. Juni 2024, 31. Dezember 2023 und 30. Juni
2023?
10. Sieht die Bundesregierung die Gefahr, dass – abhängig davon, welche
Beschlüsse zum Haushalt 2025 im Deutschen Bundestag noch getroffen
werden – im Laufe des Jahres 2025 keine neuen Integrationskurse mehr
beginnen können, wenn die bisher zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe
von 763 Mio. Euro nicht aufgestockt werden und in der Folge ab einem
bestimmten Zeitpunkt keine Mittel mehr für neue Kurse zur Verfügung
stehen (mediendienst-integration.de/artikel/wie-geht-es-mit-den-integratio
nskursen-weiter.html)?
a) Wenn nein, wieso nicht?
b) Wenn ja, wie soll damit umgegangen werden, insbesondere mit Blick
auf Personen, die einen rechtlichen Anspruch auf Teilnahme an einem
Integrationskurs haben?
11. Wie viele Lehrkräfte unterrichten nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit bundesweit in Integrationskursen (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln), und wie viele Lehrkräfte wurden 2024 bzw. 2025 neu
zugelassen?
12. Wie viele Organisationen bieten nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit bundesweit Integrationskurse an (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln), und wie viele Organisationen kamen 2024 bzw. 2025 neu dazu?
13. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kürzungen für
das Jahr 2025 bislang auf die Trägerlandschaft ausgewirkt, was ist ihr
über Insolvenzen von Trägern und Arbeitslosigkeit von Lehrkräften
bekannt, und mit welchen diesbezüglichen Entwicklungen ist nach ihrer
Kenntnis in den nächsten Monaten zu rechnen (www.fr.de/politik/bundesr
egierung-integrationskurse-vor-dem-aus-lindner-kuerzungen-migration-as
yl-ampel-93367768.html)?
14. Wie haben sich die Vorgaben zu Mindestvergütungssätzen für
Honorarlehrkräfte für Integrationskurse und die Kostenerstattungssätze für die
Kursträger seit 2008 entwickelt (bitte alle Anpassungen mit Datum und
jeweiliger Höhe auflisten), und wie haben sich entsprechend die real
ausgezahlten Vergütungssätze für Honorarlehrkräfte durchschnittlich
entwickelt?
Berlin, den 5. Mai 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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