Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der Verkehrssicherheit (Antwort zu Drs. 21/7473)
Text
Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der Verkehrssicherheit (Antwort zu Drs. 21/7473)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7644
21. Wahlperiode 17.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Tarek Al-Wazir, Victoria
Broßart, Swantje Henrike Michaelsen und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/7473 –
Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und
daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der
Verkehrssicherheit
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Straßengüterverkehr ist ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen
Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, zugleich aber auch eine erhebliche Quelle
von Treibhausgasemissionen sowie Belastungen für die Verkehrssicherheit
und Straßeninfrastruktur. Nach aktuellen Zahlen belief sich die Fahrleistung
der Lkws über 3,5 Tonnen auf 59,054 Milliarden Kilometer (www.kba.de/DE/
Statistik/Kraftverkehr/VerkehrKilometer/vk_inlaenderfahrleistung/2024/202
4_vk_kurzbericht.html?nn=857876&fromStatistic=857876&yearFilter=2024
&fromStatistic=857876&yearFilter=2024). Trotz technischer
Effizienzgewinne sind die gesamten CO2-Emissionen des Straßengüterverkehrs seit 1995 bis
2025 um rund 14,6 Prozent gestiegen, was insbesondere auf die Zunahme der
Verkehrsleistung zurückzuführen ist (www.umweltbundesamt.de/daten/verkeh
r/emissionen-des-verkehrs#verkehr-belastet-luft-und-klima-minderungsziele-d
er-bundesregierung).
In der Praxis wird vielfach berichtet, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen
für Lkws regelmäßig überschritten werden und Kontrollen nur unzureichend
stattfinden. Studien und Erhebungen aus dem europäischen Ausland,
insbesondere aus Österreich, weisen darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der
Lkws die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten überschreitet (https://wien.arbe
iterkammer.at/interessenvertretung/umweltundverkehr/verkehr/gute-arbeit-
imver-kehr/20240523_Presseunterlage.pdf). Auch eine Umfrage des
Verkehrsdienstleisters Geotab gibt an, dass mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrenden in
Deutschland regelmäßig das Tempolimit überschreiten (www.vkuonline.de/u
mfrage-unter-truckern-lkw-fahrer-sehen-steigendes-unfallrisiko-3668170.html
#:~:text=Die%20H%C3%A4lfte%20der%20Trucker%20%C3%BCberschreite
t%20regelm%C3%A4%C3%9Fig%20Tempolimits,,hohes%20Verkehrsaufko
mmen%20oder%20Baustellen%20ihre%20Arbeit%20 erschweren, https://insi
ghts.geotab.com/Geotab-Safety-Report-DE-DE/7/). Gleichzeitig deuten
verschiedene Quellen darauf hin, dass Geschwindigkeitskontrollen im
Schwerlastverkehr vergleichsweise selten erfolgen.
Eine erhöhte Fahrgeschwindigkeit schwerer Nutzfahrzeuge führt zu einem
überproportional steigenden Kraftstoffverbrauch und damit zu zusätzlichen
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 17. August 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
CO2-Emissionen. Schätzungen zufolge könnte bereits die konsequente
Einhaltung der bestehenden Tempolimits ein erhebliches Einsparpotenzial bei
Treibhausgasen erschließen, ohne dass es hierfür gesetzlicher Änderungen bedarf.
Darüber hinaus wirkt sich überhöhte Geschwindigkeit negativ auf die
Verkehrssicherheit aus: Ein erheblicher Anteil der Verkehrstoten ist auf Unfälle
mit Beteiligung von Lastkraftwagen zurückzuführen, wobei die Unfallfolgen
aufgrund der Fahrzeugmasse besonders schwer ausfallen (https://wien.arbeiter
kammer.at/interessenvertretung/umweltundverkehr/verkehr/gute-arbeit-im-ve
r-kehr/20240523_Presseunterlage.pdf).
Neben Klima- und Sicherheitsaspekten sind auch Auswirkungen auf die
Straßeninfrastruktur zu berücksichtigen. Bereits in der Vergangenheit wurde auf
erhebliche Schäden durch Überlastung und intensive Nutzung durch den
Schwerlastverkehr hingewiesen. So bezifferte der Bundesrechnungshof die
Schäden durch überladene Lastkraftwagen an Bundesfernstraßen 2017 in
dreistelliger Millionenhöhe jährlich (Bundestagsdrucksache 18/8100, S. 6).
Höhere Geschwindigkeiten können zusätzlich zu einem verstärkten Verschleiß
beitragen.
Fachverbände aus dem Bereich des Schienenverkehrs, wie der Verband
Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), betonen regelmäßig, dass eine
konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln im Straßengüterverkehr auch zu
einem faireren Wettbewerb zwischen Straße und Schiene beitragen könnte.
Insbesondere könnten reduzierte Durchschnittsgeschwindigkeiten im
Straßengüterverkehr dazu führen, dass vermeintliche Zeitvorteile gegenüber dem
Schienengüterverkehr sinken und somit Anreize für eine Verkehrsverlagerung
entstehen.
Vor diesem Hintergrund und der Einhaltung des aktuell geltenden Rechtes
besteht ein erhebliches Interesse an Daten zur Kontrolldichte, zur Einhaltung der
zulässigen Geschwindigkeit sowie zu den Auswirkungen von
Geschwindigkeitsüberschreitungen im Schwerlastverkehr auf die Umwelt,
Verkehrssicherheit und Infrastruktur.
1. Wie häufig werden nach Kenntnis der Bundesregierung
Geschwindigkeitskontrollen speziell bei Lastkraftwagen auf Bundesautobahnen und
Bundesstraßen durchgeführt?
2. Welche Statistiken und Informationen liegen der Bundesregierung über
Geschwindigkeitsüberschreitungen von Lastkraftwagen auf
Bundesfernstraßen und Bundesstraßen in Deutschland in den letzten fünf Jahren
vor?
7. Welche Behörden sind für die Kontrolle der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von Lastkraftwagen zuständig, und wie bewertet die
Bundesregierung die derzeitige Kontrolldichte?
8. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung derzeit, um die
Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von Lastkraftwagen zu
verbessern?
9. Plant die Bundesregierung zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der
Überwachung, etwa durch verstärkte Kontrollen, automatisierte
Geschwindigkeitsmessungen oder digitale Kontrollsysteme?
11. Wie viele Verwarnungen und Bußgeldbescheide wurden in den letzten
zehn Jahren, aufgeschlüsselt pro Jahr und in Bezug auf kontrollierte
Fahrzeuge, gegen Lkws wegen überhöhter Geschwindigkeit verhängt?
Die Fragen 1, 2, 7, 8, 9 und 11 werden aufgrund des Sachzusammenhangs
zusammen beantwortet.
Geschwindigkeitskontrollen und die damit einhergehenden Ahndungen
obliegen der zuständigen Polizei der Länder und sind nicht vom Kontrollauftrag des
Bundesamtes für Logistik und Mobilität (BALM) umfasst. Das BALM verfügt
weiter über keine Datensätze der Länder, in denen Kontrollen und
Beanstandungen sowie Verstöße von Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgeschlüsselt
werden.
3. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der
Fahrgeschwindigkeit von Lastkraftwagen und dem Kraftstoffverbrauch sowie
den CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr?
Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt der Energiebedarf von
Kraftfahrzeugen. Dies ist in erster Linie auf den Luftwiderstand zurückzuführen. Der
Kraftstoffverbrauch bzw. die CO2-Emissionen hängen darüber hinaus von einer
Vielzahl weiterer Rahmenbedingungen ab, insbesondere von Fahrzeugtyp,
Antriebstechnologie, Beladung, Topografie, Verkehrsfluss, Fahrweise sowie den
jeweiligen Einsatzbedingungen.
4. Welche Auswirkungen haben Geschwindigkeitsüberschreitungen von
Lastkraftwagen nach Einschätzung der Bundesregierung auf die
Verkehrssicherheit und die Unfallhäufigkeit sowie die Unfallfolgen?
5. An wie vielen Unfällen der letzten fünf Jahre auf den Bundesfernstraßen
waren Lkws beteiligt, und wie viele davon sind schneller als die
zulässige Höchstgeschwindigkeit gefahren?
Die Fragen 4 und 5 werden aufgrund des Sachzusammenhangs zusammen
beantwortet.
Auf Bundesfernstraßen waren im Zeitraum 2021 bis 2025 34.317
Güterkraftfahrzeuge mit mehr als 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht an Unfällen (mit
Personenschaden) beteiligt. Davon wurde bei 162 Güterkraftfahrzeugen mit mehr
als 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht das Überschreiten der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit als Unfallursache erfasst. Sowohl auf Autobahnen als auch auf
Bundesstraßen zeigt sich bei der Unfallursache
Geschwindigkeitsüberschreitung von Lastkraftwagen eine erhöhte Unfallschwere.
6. Welche Studien liegen der Bundesregierung über mögliche
Auswirkungen erhöhter Geschwindigkeiten schwerer Nutzfahrzeuge auf den
Verschleiß der Straßeninfrastruktur vor, und welche Ergebnisse brachten
diese hervor?
Der Bundesregierung liegen keine wissenschaftlichen Studien vor, die isoliert
den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeitsüberschreitungen von LKW
und einer hieraus unmittelbar ableitbaren zusätzlichen Schädigung der
Straßeninfrastruktur quantifizieren.
10. Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung den Zusammenhang
zwischen Geschwindigkeit, Emissionen, Verkehrssicherheit sowie Klima-
und Umweltschutz in ihrer Verkehrspolitik im Bereich des
Straßengüterverkehrs?
Im Bereich des Straßengüterverkehrs werden u. a. die genannten Aspekte bei
verkehrspolitischen Entscheidungen gegeneinander abgewogen. Ziel ist es, die
Effizienz des Güterverkehrs zu gewährleisten und gleichzeitig die Belastungen
für Mensch, Umwelt und Klima zu reduzieren. Des Weiteren sind alle für
Deutschland verbindlichen Vorschriften für die Typgenehmigung von
Nutzfahrzeugen und damit auch für deren maximale Emissionen in europäischen
Verordnungen festgelegt. Die Vorgaben zur Begrenzung der Emissionen von
Kraftfahrzeugen wurden in den letzten Jahrzehnten stufenweise verschärft.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Verkehr
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der V (Antwort)