Emissionen durch den Standbetrieb von Lastkraftwagen auf Rastanlagen
Text
Emissionen durch den Standbetrieb von Lastkraftwagen auf Rastanlagen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7472
21. Wahlperiode 04.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Gastel, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart, Swantje
Henrike Michaelsen und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Emissionen durch den Standbetrieb von Lastkraftwagen auf Rastanlagen
Die Nutzung von Park- und Rastanlagen entlang der Bundesfernstraßen durch
den Straßengüterverkehr ist seit Jahren durch eine erhebliche Überlastung
gekennzeichnet. In einem Dossier des Deutschen Gewerkschaftsbundes Faire
Mobilität heißt es, bei Nutzung von Park- und Rastplätzen kommt es bereits seit
Jahren zu Engpässen bei Lkw-Stellplätzen und das hat sich auch im Jahr 2025
laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat nicht verändert (www.faire-mobilita
et.de/fachinformationen/brancheninformationen/internationaler-strassentranspo
rt/arbeitsbedingungen/, www.dvr.de/presse/fehlende-lkw-stellplaetze).
Dabei wird vermehrt beobachtet, dass Stellflächen nicht nur für die
vorgeschriebenen Ruhezeiten genutzt werden, sondern auch dauerhaft durch
abgestellte Auflieger ohne Zugmaschine oder längerfristig abgestellte Gespanne
blockiert werden (Dauerparker; www.fba.bund.de/DE/Meldungen/20220216_O
WI.html, www.dekra.net/de/stopp-fuer-dauerhaftes-abstellen-von-aufliegern/).
Die Folge ist eine zusätzliche Verschärfung der ohnehin angespannten
Parksituation. Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer haben dadurch
Schwierigkeiten, ihre gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. In
der Praxis führt dies häufig zu Ausweichverhalten wie dem Parken auf Ein-
und Ausfädelstreifen oder anderen ungeeigneten Flächen, was erhebliche
Risiken für die Verkehrssicherheit mit sich bringt (www.faire-mobilitaet.de/fachinf
ormationen/brancheninformationen/internationaler-strassentransport/arbeitsbedi
ngungen/, www.adac.de/news/lkw-parken-raststaetten-2025/).
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welchem Umfang Dauerparken
auf Rastanlagen stattfindet, welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden und
wie sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Arbeitsbedingungen der
Fahrerinnen und Fahrer verbessert werden können.
Des Weiteren betreiben während ihrer – unter anderem in der Verordnung
EG Nr. 561/2006 gesetzlich vorgeschriebenen – Ruhezeiten zahlreiche
Lastkraftwagen auf Rastanlagen entlang der Bundesfernstraßen in Deutschland
Dieselaggregate zur Kühlung von Aufliegern sowie Motoren zur Stromversorgung
des Fahrerhauses („Cabin Power“). Das führt zu einem hohen
Kraftstoffverbrauch, wodurch erhebliche Mengen an CO2-, Stickoxid- und
Feinstaubemissionen sowie Lärmbelastungen entstehen (https://cedelft.eu/publications/electrica
l-trailer-cooling-during-rest-periods//).
Unter anderem wurden in einem Arbeitspapier des vom Bundesministerium für
Verkehr eingesetzten Expertenforums für klimafreundliche Mobilität und
Infrastruktur (EKMI) Maßnahmen zur Treibhausgasminderung evaluiert. Dabei wird
festgehalten, dass eine „Ruhezeitenkonforme Ladeinfrastruktur, ausreichend
Lkw-Stellplätze und Aufenthaltsqualität an Ladepunkten […] mitgedacht
werden“ sollen. Das soll unter anderem durch geringere Lärmbelastung und
Erschütterungen erfolgen (Arbeitsbericht Expertenforum klimafreundliche
Mobilität und Infrastruktur, Juli 2025, S. 18)
Es besteht technisch die Möglichkeit, Kühltrailer sowie Bordstromsysteme von
Lkws während der Standzeiten über externe Stromanschlüsse zu versorgen und
dadurch den Betrieb von Dieselaggregaten zu vermeiden.
Am 28. Juli 2025 wurde dem Bundesministerium für Verkehr nach Kenntnis
der Fragestellenden ein entsprechender Vorschlag zur Elektrifizierung von
Lkw-Stellplätzen übermittelt. Dieser Vorgang wird im
Bundesverkehrsministerium unter dem Aktenzeichen Z 24‑MK 402 EKMI – Elektrifizierung von Lkw-
Stellplätzen – geführt.
Nach Kenntnis der Fragesteller liegt bislang keine Antwort des
Bundesverkehrsministeriums auf dieses Schreiben vor.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Lkw-Stellplätze gehen durch sogenannte Dauerparker entlang
der Bundesfernstraßen
a) auf bewirtschafteten Rastanlagen,
b) auf unbewirtschafteten Rastanlagen sowie
c) auf Autohöfen
verloren?
2. In welchem Umfang wird systematisch erfasst, ob Lkw-Stellplätze an
Autobahnparkplätzen und Rastanlagen durch Dauerparker (Auflieger ohne
Zugmaschine, längerfristig abgestellte Gespanne) blockiert werden?
3. Welche bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zu Kontrollen, zur
Begrenzung von Höchstparkzeiten und zur Ahndung zweckfremder Nutzung
werden konsequent geprüft und angewendet (bitte begründen)?
4. Welche weiteren Schritte gedenkt die Bundesregierung einzuleiten, um die
Lkw-Stellplätze entlang der Bundesfernstraßen wieder vollumfänglich
verfügbar zu machen (bitte begründen)?
5. Welchen Status hat der im Bundesministerium für Verkehr unter dem
Aktenzeichen Z 24‑MK 402 EKMI – Elektrifizierung von Lkw-Stellplätzen –
geführte Vorgang vom 28. Juli 2025?
6. Welche Vorgänge wurden im Bereich Elektrifizierung von Lkw-
Stellplätzen aufgrund des vom Bundesministerium für Verkehr
eingesetzten Expertenforums für klimafreundliche Mobilität und Infrastruktur
eingeleitet?
7. Gibt es eine fachliche Bewertung zu einer Elektrifizierung von Lkw-
Stellplätzen durch das Bundesverkehrsministerium (wenn ja, bitte
anfügen)?
8. Wie viele Lkw-Stellplätze bestehen derzeit entlang der Bundesfernstraßen
a) auf bewirtschafteten Rastanlagen,
b) auf unbewirtschafteten Rastanlagen sowie
c) auf Autohöfen?
9. Wie viele zusätzliche Lkw-Stellplätze sind in den kommenden Jahren
a) auf bewirtschafteten Rastanlagen,
b) auf unbewirtschafteten Rastanlagen sowie
c) auf Autohöfen
geplant?
10. In welchem Umfang wird bei der Planung zusätzlicher Lkw-Stellplätze
der Bedarf an sicherer und menschenwürdiger Infrastruktur für Pausen
und längere Aufenthalte der Fahrerinnen und Fahrer stärker
berücksichtigt?
11. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass Auftraggeberinnen und
Auftraggeber sowie große Logistikketten entlang der Liefer- und
Transportketten ihrer Verantwortung für ausreichende eigene Abstell- und
Betriebshofkapazitäten nachkommen und die hierfür entstehenden Kosten nicht
auf die öffentliche Infrastruktur abgewälzt werden?
12. Wie viele Lkws parken durchschnittlich täglich auf Rastanlagen entlang
der Bundesfernstraßen in Deutschland (bitte nach durchschnittlich täglich
parkenden Lkws
a) auf bewirtschafteten Rastanlagen,
b) auf unbewirtschafteten Rastanlagen sowie
c) auf Autohöfen
aufschlüsseln)?
13. Wie hoch ist der Anteil international zugelassener Lkws auf Rastanlagen
entlang der Bundesfernstraßen?
14. Wie wurde der Anteil international zugelassener Lkws auf Rastanlagen
entlang der Bundesfernstraßen ermittelt?
15. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Kühl-
Lkws beziehungsweise Kühltrailern an den auf Rastanlagen entlang der
Bundesfernstraßen parkenden Lkws (bitte getrennt nach deutscher und
internationaler Zulassung angeben)?
16. Von welcher durchschnittlichen Standdauer pro Tag geht die
Bundesregierung bei parkenden Lkws auf Rastanlagen entlang der Bundesfernstraßen
aus (bitte getrennt nach deutscher und internationaler Zulassung
angeben)?
17. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den jährlichen Kraftstoffverbrauch
und die CO2-, Feinstaub- und NOx-Emissionen durch den Betrieb von
a) dieselbetriebenen Kühlaggregaten im Standbetrieb auf Rastanlagen
entlang der Bundesfernstraßen und
b) durch den Motorlauf zur Stromversorgung des Fahrerhauses („Cabin
Power“)
im Standbetrieb auf Rastanlagen der Bundesfernstraßen?
18. Welche Datengrundlagen und Studien legt die Bundesregierung ihrer
Bewertung der Emissionen aus dem Standbetrieb von Lkws zugrunde?
19. Bezieht die Bundesregierung internationale Transitverkehre und Kabotage
in ihre Emissionsbetrachtung für Infrastrukturmaßnahmen an Rastanlagen
ein?
20. Welche Kosten pro eingesparter Tonne CO2 erwartet die Bundesregierung
bei einer Elektrifizierung von Lkw-Stellplätzen?
21. Wie stehen diese Kosten nach Einschätzung der Bundesregierung im
Verhältnis zu anderen Maßnahmen zur CO2-Minderung im Verkehrssektor?
22. Welche Planungen oder Konzepte verfolgt die Bundesregierung derzeit,
um Rastanlagen, insbesondere auch unbewirtschaftete Rastanlagen, mit
Netzanschlüssen auszustatten?
23. Wie schätzt die Bundesregierung den Bedarf an Netzanschlüssen an
Rastanlagen ein?
24. Welche elektrischen Anschlussleistungen sind typischerweise erforderlich
bzw. geplant?
25. Wie hoch sieht die Bundesregierung das Ergänzungspotenzial durch
elektrische Versorgungseinrichtungen für Lkws im Standbetrieb (z. B. 22 bis
44 Kilowatt [kW]) und den Ausbau von Hochleistungs-Ladeinfrastruktur
für batterieelektrische Lkws („Overnight Charging“) und als mögliche
Backup-Versorgung bei Ausfällen oder Nichtverfügbarkeit von
Schnellladeinfrastruktur?
26. Welche Steuer- und Abgabenmehreinnahmen erwartet die
Bundesregierung, wenn große Teile des im Straßengüterverkehr verbrauchten Diesels,
der nach Kenntnis verschiedener Studien im Ausland getankt und
versteuert wird, jedoch in Deutschland verbraucht wird (Transitverkehr und
Kabotage), während der Standzeiten durch Strom ersetzt wird?
27. In welchem Verhältnis stehen diese potenziellen Steuermehreinnahmen
zum geschätzten Investitionsbedarf für Stromanschlüsse an Lkw-
Stellplätzen?
28. Welche Entwicklung erwartet die Bundesregierung beim Markthochlauf
batterieelektrischer Lkws sowie vollelektrischer Kühlaggregate in den
kommenden Jahren?
Berlin, den 6. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Matthias Gastel (Kleine Anfrage)
- asked ← Swantje Henrike Michaelsen (Kleine Anfrage)
- asked ← Tarek Al-Wazir (Kleine Anfrage)
- asked ← Victoria Broßart (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- authored ← Matthias Gastel
- authored ← Tarek Al-Wazir
- part_of_vorgang → Emissionen durch den Standbetrieb von Lastkraftwagen auf Rastanlagen (Kleine Anfrage)