Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der Verkehrssicherheit
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Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der Verkehrssicherheit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7473
21. Wahlperiode 04.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Gastel, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart, Swantje
Henrike Michaelsen und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Mangelnde Lkw-Kontrollen auf Bundesfernstraßen und Bundesstraßen und
daraus resultierende Schäden an Umwelt, Infrastruktur und Risiken der
Verkehrssicherheit
Der Straßengüterverkehr ist ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen
Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, zugleich aber auch eine erhebliche Quelle
von Treibhausgasemissionen sowie Belastungen für die Verkehrssicherheit und
Straßeninfrastruktur. Nach aktuellen Zahlen belief sich die Fahrleistung der
Lkws über 3,5 Tonnen auf 59,054 Milliarden Kilometer (www.kba.de/DE/Stati
stik/Kraftverkehr/VerkehrKilometer/vk_inlaenderfahrleistung/2024/2024_vk_k
urzbericht.html?nn=857876&fromStatistic=857876&yearFilter=2024&fromSta
tistic=857876&yearFilter=2024). Trotz technischer Effizienzgewinne sind die
gesamten CO2-Emissionen des Straßengüterverkehrs seit 1995 bis 2025 um
rund 14,6 Prozent gestiegen, was insbesondere auf die Zunahme der
Verkehrsleistung zurückzuführen ist (www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissio
nen-des-verkehrs#verkehr-belastet-luft-und-klima-minderungsziele-der-bundes
regierung).
In der Praxis wird vielfach berichtet, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen
für Lkws regelmäßig überschritten werden und Kontrollen nur unzureichend
stattfinden. Studien und Erhebungen aus dem europäischen Ausland,
insbesondere aus Österreich, weisen darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der Lkws die
zulässigen Höchstgeschwindigkeiten überschreitet (https://wien.arbeiterkamme
r.at/interessenvertretung/umweltundverkehr/verkehr/gute-arbeit-im-ver-kehr/20
240523_Presseunterlage.pdf). Auch eine Umfrage des Verkehrsdienstleisters
Geotab gibt an, dass mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrenden in Deutschland
regelmäßig das Tempolimit überschreiten (www.vkuonline.de/umfrage-unter-tr
uckern-lkw-fahrer-sehen-steigendes-unfallrisiko-3668170.html#:~:text=Die%2
0H%C3%A4lfte%20der%20Trucker%20%C3%BCberschreitet%20regelm%C
3%A4%C3%9Fig%20Tempolimits,,hohes%20Verkehrsaufkommen%20oder%
20Baustellen%20ihre%20Arbeit%20 erschweren, https://insights.geotab.com/G
eotab-Safety-Report-DE-DE/7/). Gleichzeitig deuten verschiedene Quellen
darauf hin, dass Geschwindigkeitskontrollen im Schwerlastverkehr
vergleichsweise selten erfolgen.
Eine erhöhte Fahrgeschwindigkeit schwerer Nutzfahrzeuge führt zu einem
überproportional steigenden Kraftstoffverbrauch und damit zu zusätzlichen
CO2-Emissionen. Schätzungen zufolge könnte bereits die konsequente
Einhaltung der bestehenden Tempolimits ein erhebliches Einsparpotenzial bei
Treibhausgasen erschließen, ohne dass es hierfür gesetzlicher Änderungen bedarf.
Darüber hinaus wirkt sich überhöhte Geschwindigkeit negativ auf die
Verkehrssicherheit aus: Ein erheblicher Anteil der Verkehrstoten ist auf Unfälle mit
Beteiligung von Lastkraftwagen zurückzuführen, wobei die Unfallfolgen aufgrund
der Fahrzeugmasse besonders schwer ausfallen (https://wien.arbeiterkammer.a
t/interessenvertretung/umweltundverkehr/verkehr/gute-arbeit-im-ver-kehr/2024
0523_Presseunterlage.pdf).
Neben Klima- und Sicherheitsaspekten sind auch Auswirkungen auf die
Straßeninfrastruktur zu berücksichtigen. Bereits in der Vergangenheit wurde auf
erhebliche Schäden durch Überlastung und intensive Nutzung durch den
Schwerlastverkehr hingewiesen. So bezifferte der Bundesrechnungshof die Schäden
durch überladene Lastkraftwagen an Bundesfernstraßen 2017 in dreistelliger
Millionenhöhe jährlich (Bundestagsdrucksache 18/8100, S. 6). Höhere
Geschwindigkeiten können zusätzlich zu einem verstärkten Verschleiß beitragen.
Fachverbände aus dem Bereich des Schienenverkehrs, wie der Verband
Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), betonen regelmäßig, dass eine
konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln im Straßengüterverkehr auch zu einem
faireren Wettbewerb zwischen Straße und Schiene beitragen könnte.
Insbesondere könnten reduzierte Durchschnittsgeschwindigkeiten im
Straßengüterverkehr dazu führen, dass vermeintliche Zeitvorteile gegenüber dem
Schienengüterverkehr sinken und somit Anreize für eine Verkehrsverlagerung entstehen.
Vor diesem Hintergrund und der Einhaltung des aktuell geltenden Rechtes
besteht ein erhebliches Interesse an Daten zur Kontrolldichte, zur Einhaltung der
zulässigen Geschwindigkeit sowie zu den Auswirkungen von
Geschwindigkeitsüberschreitungen im Schwerlastverkehr auf die Umwelt,
Verkehrssicherheit und Infrastruktur.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie häufig werden nach Kenntnis der Bundesregierung
Geschwindigkeitskontrollen speziell bei Lastkraftwagen auf Bundesautobahnen und
Bundesstraßen durchgeführt?
2. Welche Statistiken und Informationen liegen der Bundesregierung über
Geschwindigkeitsüberschreitungen von Lastkraftwagen auf
Bundesfernstraßen und Bundesstraßen in Deutschland in den letzten fünf Jahren vor?
3. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der
Fahrgeschwindigkeit von Lastkraftwagen und dem Kraftstoffverbrauch sowie
den CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr?
4. Welche Auswirkungen haben Geschwindigkeitsüberschreitungen von
Lastkraftwagen nach Einschätzung der Bundesregierung auf die
Verkehrssicherheit und die Unfallhäufigkeit sowie die Unfallfolgen?
5. An wie vielen Unfällen der letzten fünf Jahre auf den Bundesfernstraßen
waren Lkws beteiligt, und wie viele davon sind schneller als die zulässige
Höchstgeschwindigkeit gefahren?
6. Welche Studien liegen der Bundesregierung über mögliche Auswirkungen
erhöhter Geschwindigkeiten schwerer Nutzfahrzeuge auf den Verschleiß
der Straßeninfrastruktur vor, und welche Ergebnisse brachten diese
hervor?
7. Welche Behörden sind für die Kontrolle der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von Lastkraftwagen zuständig, und wie bewertet die
Bundesregierung die derzeitige Kontrolldichte?
8. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung derzeit, um die
Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von Lastkraftwagen zu
verbessern?
9. Plant die Bundesregierung zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der
Überwachung, etwa durch verstärkte Kontrollen, automatisierte
Geschwindigkeitsmessungen oder digitale Kontrollsysteme?
10. Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung den Zusammenhang
zwischen Geschwindigkeit, Emissionen, Verkehrssicherheit sowie Klima- und
Umweltschutz in ihrer Verkehrspolitik im Bereich des
Straßengüterverkehrs?
11. Wie viele Verwarnungen und Bußgeldbescheide wurden in den letzten
zehn Jahren, aufgeschlüsselt pro Jahr und in Bezug auf kontrollierte
Fahrzeuge, gegen Lkws wegen überhöhter Geschwindigkeit verhängt?
Berlin, den 6. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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