Produktion, Zulassung und Einsatz von Pregnant Mare Serum Gonadotropin
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Produktion, Zulassung und Einsatz von Pregnant Mare Serum Gonadotropin
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8572
21. Wahlperiode 14.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, Niklas Wagener und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Produktion, Zulassung und Einsatz von Pregnant Mare Serum Gonadotropin
Equines Choriongonadotropin (eCG), besser bekannt als Pregnant Mare Serum
Gonadotropin (PMSG), ist ein Hormon, das im Blut trächtiger Stuten etwa
zwischen dem 40. und 140. Trächtigkeitstag vorkommt. Das Hormon wird u. a. zur
Reproduktionssteuerung von Schweinen, Rindern, Schafen, Kaninchen und
Ner-zen eingesetzt, wobei es in Deutschland vorwiegend in der konventionellen
Schweinezucht Anwendung findet. Neben der Brunstinduktion steht die
Brunst-synchronisation bei Schweinen im Vordergrund, womit u. a terminierte
Abfer-kelgruppen und eine schnellere Wiederbelegung erreicht werden sollen.
Diese Praxis geht auf Kosten der Gesundheit von Sauen und Ferkeln, u. a. kann
die Sterblichkeitsrate der Saugferkel deutlich ansteigen (www.tierschutz-tvt.de/
alle-merkblaetter-und-stellungnahmen/?no_cache=1&download=TVT_Stellung
nahme_PMSG_23.10.2022_final.pdf&did=373).
Im Rahmen der vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und
Heimat geförderten Studie „Alternativen zum Einsatz von PMSG/eCG in der
Sauenhaltung“ konnte gezeigt werden, dass eine konventionelle
Ferkelerzeugung auch ohne PMSG möglich ist (https://service.ble.de/ptdb/index2.php?deta
il_id=14736202&ssk=PTDB-alles&site_key=141&zeilenzahl_zaehler=9389&
NextRow=1650). Auch die Bundestierärztekammer empfiehlt, auf den Einsatz
von natür-lichem PMSG/eCG in der Ferkelerzeugung möglichst zu verzichten
und stuft die Verwendung als nicht unerlässlich ein (www.bundestieraerztekam
mer.de/tieraerzte/stellungnahmen/2023/08/Stellungnahme_PMSG_final.pdf).
Zur Herstellung von PMSG-haltigen Arzneimitteln werden trächtigen Stuten
wiederholt mehrere Liter Blut aus der Halsvene entnommen. In Deutschland ist
ein solcher Eingriff als Tierversuch eingestuft (https://tierschutz.hessen.de/site
s/tierschutz.hessen.de/files/2022-11/pmsg-stellungnahme_uni_koln_0.pdf).
Neben Tierschutzorganisationen geht auch die Bundesanstalt für
Landwirtschaft und Ernährung (BLE) davon aus, dass die Gewinnung von PMSG in
anderen Ländern (vor allem Südamerika) teilweise tierschutzwidrig erfolgt
(www.ble.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2024/240301_Bekanntmachung_Sau
en.html). Aktuelle Recherchen aus den Jahren 2023 bis 2025 belegen, dass in
Argentinien und Uruguay jährlich tausende trächtige Stuten zur PMSG-
Gewinnung genutzt werden. Es handelt sich in der Regel um halbwilde Pferde
und die Blutgewinnung erfolgt den Berichten zufol-ge teils unter Anwendung
massivster Gewalt gegen die Tiere. Verletzte, kranke und abgemagerte Stuten
bleiben oftmals unversorgt sich selbst überlassen, statt tierärztliche Hilfe zu
bekommen (www.animal-welfare-foundation.org/projekte/blutfarmen/suedame
rika). Trotz wiederholt angekündigter Verbesserun-gen durch Industrie und
Behörden hat sich an diesen tierschutzwidrigen Zustän-den in den letzten zehn
Jahren demnach nichts geändert (siehe Videodokumenta-tion zu Frage 14).
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Nach Angabe der Bundesregierung hat der Verbrauch von PMSG im Zeitraum
vom 1. Februar 2013 bis zum 31. Januar 2016 in Deutsch-land etwa 3,8
Millionen Einzeldosen zur Behandlung von Schweinen betragen. Für die Jahre 2016
bis 2019 hat sich der Verbrauch auf 6,4 Millionen Einzeldo-sen erhöht (https://
dserver.bundestag.de/btd/19/112/1911226.pdf).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Dosen PMSG-haltiger Tierarzneimittel wurden nach Kenntnis
der Bundesregierung in Deutschland seit dem Jahr 2019 eingesetzt (bitte
nach Jahr aufschlüsseln)?
2. Wie hoch ist das jährliche Verkaufsvolumen der zugelassenen
Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff PMSG in Deutschland seit dem Jahr 2019 (bitte
nach Jahr und Arzneimittel aufschlüsseln)?
3. Welche Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff PMSG sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in der EU zugelassen, und wie hoch ist das jährliche
Verkaufsvolumen dieser Präparate seit dem Jahr 2019 (bitte nach EU-
Mitgliedstaat und Jahr aufschlüsseln)?
4. Wie viele Tiere wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland seit 2019 mit PMSG-haltigen Arzneimitteln behandelt?
(bitte nach Jahr und Tierart aufschlüsseln)?
5. Wie viele Betriebe setzen routinemäßig PMSG ein, und wie hoch ist ihr
prozentualer Anteil bezogen auf die Summe aller Betriebe in Deutschland
(bitte aufschlüsseln nach Art des Betriebs, z. B. Schweine-, Schaf-,
Rinderzucht etc.)?
6. Wie viele Dosen synthetischer Arzneimittel, die alternativ zu PMSG-
haltigen Präparaten verwendet werden können, wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland seit dem Jahr 2019 eingesetzt (bitte nach
Arzneimittel und Jahr aufschlüsseln)?
7. In welchen Ländern wird der Wirkstoff PMSG in den in Deutschland
zugelassenen Tierarzneimitteln gewonnen, und zu welchen Anteilen?
8. Gilt die Suspendierung der Monographie für PMSG aus dem
Europäischen Arzneibuch weiterhin, und wenn ja, wie wird die Qualität,
Wirksamkeit und Sicherheit der zugelassenen PMSG-haltigen Arzneimittel und
solcher, um deren Zulassung sich Hersteller bemühen, geprüft und
kontrolliert?
9. Was ist der aktuelle Stand der regulatorischen Aktivitäten auf
europäischer Ebene zur Einführung eines weiteren Wirkstoffherstellers für
PMSG aus der Volksrepublik China?
10. Was ist der Bundesregierung über die Produktionsbedingungen von
PMSG in China bekannt, und sind diese nach Auffassung der
Bundesregierung mit deutschem Tierschutzrecht vereinbar?
11. Nach den dem Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit vorliegenden Informationen sind erste regulatorische Schritte
eingeleitet worden, welche darauf hindeuten, dass zukünftig die Zulassung
eines Tierarzneimittels mit rekombinant hergestelltem PMSG zu erwarten
ist. Plant die Bundesregierung die Zulassung von Präparaten mit PMSG
aus dem Blut trächtiger Stuten zu widerrufen, wenn rekombinant
hergestelltes PMSG in der EU und in Deutschland zugelassen wird?
a) Wenn ja, wie, und wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
12. Wie bewertet die Bundesregierung die Nutzen-Risiko-Bilanz der PMSG-
haltigen Arzneimittel gemäß Artikel 130 der Verordnung (EU) 2019/6,
und welche Konsequenzen leitet die Bundesregierung hieraus ab?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor, wie PMSG mit
Hilfe gentechnischer Methoden gewonnen werden kann?
14. Was ist der Bundesregierung über die Produktionsbedingungen von
PMSG in den Herkunftsländern bekannt, und wie bewertet die
Bundesregierung diese angesichts aktueller Videodokumentationen (z. B. www.y
outube.com/watch?v=FRlxhXbGi3g; https://youtu.be/CygUKDgvi-Y ?
15. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Umgang mit
geborenen und ungeborenen Fohlen bei der Produktion von PMSG in
Südamerika und Island vor (z. B. systematische Abtreibungen,
Schlachtung etc.), und wie bewertet die Bundesregierung diese?
16. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die den trächtigen
Stuten in den Herkunftsländern entnommene Blutmenge in Litern und die
Häufigkeit der Blutentnahme zur Gewinnung von PMSG vor, und wie
bewertet die Bundesregierung diese?
17. Welche Maßnahmen wurden seitens der Bundesregierung unternommen,
um konkrete Informationen zum Umgang mit trächtigen Stuten bei der
PMSG-Gewinnung in den Herkunftsländern zu erhalten, und zu welchen
Ergebnissen führten diese Bemühungen?
18. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Superovulation
und die Steigerung der Wurfgröße als Wirkung von PMSG-haltigen
Arzneimitteln und ihrer möglichen Konsequenzen in der Schweinezucht in
Deutschland vor (z. B. zu große Würfe, höhere Ferkelsterblichkeit, Töten
von schwachen Ferkeln durch Menschen), und wie bewertet die
Bundesregierung diese?
19. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die Verbraucherinnen und
Verbraucher in Deutschland über den Einsatz von Arzneimitteln in der
Tierzucht, die den regelhaft unter tierschutzwidrigen Umständen
produzierten Wirkstoff PMSG enthalten, ausreichend informiert sind, und wenn
nein, wie plant die Bundesregierung, die Verbraucherinnen und
Verbraucher über den Einsatz von PMSG in der Tierzucht zu informieren?
20. Zu welchem Preis wird eine Charge (z. B. 100 Gramm) PMSG nach
Deutschland importiert, und wie hat sich der Preis der Substanz seit 2013
verändert?
21. Plant die Bundesregierung ein Verbot der Gewinnung, des Einsatzes oder
des Imports von PMSG einzuführen?
a) Wenn ja, wie, und wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
22. Wie bewertet die Bundesregierung das laufende Verfahren der EFTA-
Überwachungsbehörde (ESA) gegen Island wegen der Einstufung der
Blutentnahme bei trächtigen Stuten zur PMSG-Gewinnung als
genehmigungspflichtiges Verfahren nach der Richtlinie 2010/63/EU sowie die
diesbezügliche Entscheidung des EFTA-Gerichtshofs vom September
2026, und welche Konsequenzen zieht sie hieraus für die deutsche und
europäische Zulassungs- und Importpraxis von PMSG-haltigen
Arzneimitteln?
23. Setzt sich die Bundesregierung für die Einführung von
Tierschutzstandards bei der Gewinnung von Wirkstoffen aus Tieren in nicht-EU Ländern
ein?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
a) Wenn ja, wie?
b) Wenn nein, warum nicht?
24. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die langfristigen
Auswirkungen des Einsatzes von PMSG und seinen synthetischen
Alternativen auf die Umwelt (inklusive Gewässer und Wasserorganismen) vor,
und plant die Bundesregierung Untersuchungen dazu zu fördern?
Berlin, den 12. Oktober 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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