Rede von Eduard Oswald (CDU/CSU) – Drucksache 16/9482
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 3 a: Drucksache 16/9482 –.
Text
Rede von Eduard Oswald (CDU/CSU) – Drucksache 16/9482
Als verantwortungsbewusste Politiker müssen wir
uns entsprechend verhalten. Es gilt, die Situation zu
sondieren und, soweit dies momentan möglich ist, auf Basis
solider Informationen und Analysen zu handeln. Wenn
wir aber jeden Tag und jede Stunde einen anderen
Vorschlag bekommen, der möglichst schon gestern realisiert
worden sein sollte, dann ist dies nicht hilfreich. Wie
verunsichert die Menschen sind, zeigt sich daran, dass im
Finanzausschuss schon Anfragen eingehen, wann der
entsprechende Konsumgutschein oder Steuergutschein
ausbezahlt werde.
Die Ursache der Probleme ist die Finanzkrise. Wie
sich die konjunkturelle Lage entwickeln wird, ist nicht
abzuschätzen. Fortwährend werden
Wachstumsprognosen aller Couleur korrigiert. Für die Zukunft fehlt jedoch
eine sichere Datenbasis. Wir wissen nicht, wie lange der
Abschwung der Wirtschaft andauern wird und wie tief
diese Effekte greifen werden. So viel steht fest: Jeder
historische Rückgriff bleibt erfolglos, eine reine
Parallele existiert nicht, und jeder Vergleich hat Lücken.
Handlungsstränge der Vergangenheit auf die Gegenwart
zu übertragen, wäre daher verfehlt und bisweilen töricht.
Dennoch haben die Bundesregierung und die
Koalition mit ihrem Finanzpaket richtig und vor allem rasch
gehandelt. Das schnelle und effektive Handeln zeigt,
dass unsere parlamentarische Demokratie auf Basis der
sozialen Marktwirtschaft alternativlos ist.
Das Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch
Wachstumsstärkung“ ist ein weiterer bedeutsamer
Schritt, um Investitionen und den Konsum im Inland zu
fördern. Dies sollte man nicht kleinreden.
Wir verzichten dabei auf effektlose Einmalzahlungen,
wie es sie Anfang des Jahres in den USA gab. Heute
muss man fragen, ob sie einen messbaren Effekt hatten.
Anfang Januar 2008 wurden Steuerschecks ausgegeben,
die den Konsum stärken sollten. Das Volumen betrug
1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wie Analysen
zeigen, wurde lediglich ein Strohfeuer entfacht, und im
Sommer sind die Einzelhandelsumsätze wieder
zurückgegangen. Geschätzt wird, dass nur ein Fünftel
ausgegeben wurde; der Rest landete auf Sparbüchern. Wer
solche Vorschläge macht, sollte sich auch diese Erfahrung
einmal ganz genau anschauen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Genau dies wollen wir vermeiden. Deswegen setzen
wir bewusst auf Beschäftigung durch
Wachstumsstärkung. Ich nenne nur ein Beispiel: Handwerkerleistungen
sind ab Januar 2009 noch besser von der Steuer
absetzbar. Derzeit gibt es einen Steuerbonus von bis zu
600 Euro pro Jahr, also 20 Prozent der Arbeitskosten in
Höhe von 3 000 Euro. Bei Instandhaltungs- und
Modernisierungsmaßnahmen wird der Steuerbonus im Rahmen
des Schutzschirms für Arbeitsplätze auf 20 Prozent von
maximal 6 000 Euro, also auf 1 200 Euro, verdoppelt.
Man muss dies erst einmal beschließen, damit die
Menschen es wahrnehmen können.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Dank der verbesserten steuerlichen Absetzbarkeit
werden auf der einen Seite private Haushalte als
Auftraggeber gestärkt und auf der anderen Seite
Handwerksbetriebe unterstützt, weil es den Menschen nun leichter
fallen wird, einen Handwerker zu beauftragen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, um die
Kreditversorgung der Wirtschaft und insbesondere des
Mittelstandes auch bei Engpässen im Bankenbereich zu sichern,
wird bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau zeitlich
befristet bis Ende 2009 ein zusätzliches
Finanzierungsinstrument mit einem Volumen von bis zu 15 Milliarden
Euro geschaffen, mit dem das Kreditangebot der
privaten Bankwirtschaft verstärkt wird.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
In die gleiche Kerbe schlägt die Förderung der
Sanierungskredite der KfW. So werden wir die staatlichen
Mittel für die Kredite zur energetischen Sanierung für
drei Jahre um insgesamt 3 Milliarden Euro aufstocken.
Dabei geht es uns um die gesamte Programmfamilie, die
neben der CO2-Gebäudesanierung auch die Kredite zur
Finanzierung von Wohnraummodernisierung, zu
ökologischem Bauen und der Erzeugung von Solarstrom
umfasst.