Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
106 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Dr. Guido Westerwelle (FDP) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Hans Eichel (SPD) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Oskar Lafontaine (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Peter Ramsauer (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Diether Dehm (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Diether Dehm (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Lale Akgün (SPD) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Wolfgang Grotthaus (SPD) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Sibylle Laurischk (FDP) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Katja Mast (SPD) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Anton Schaaf (SPD) – Plenarprotokoll 16/73
- Rede von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von Ulrich Maurer (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von Ernst Burgbacher (FDP) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von Dr. Michael Bürsch (SPD) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von für die CDU/CSU-Fraktion.Dr. Wolfgang Götzer (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Rechtsstaatliche Anforderungen an eine
- Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dirk Niebel (FDP) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Drucksache 16/2520
- Rede von Otto Bernhardt (CDU/CSU) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) – Drucksache 16/2520
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Drucksache 16/2520
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Alexander Ulrich (DIE LINKE) – Drucksache 16/2520
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Lydia Westrich (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) – Drucksache 16/2520
- Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2520
- Rede von Georg Fahrenschon (CDU/CSU) – Drucksache 16/2520
- Rede von Gabriele Frechen (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Gabriele Frechen (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Dr. Volker Wissing (FDP) – Drucksache 16/2520
- Rede von Gabriele Frechen (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Gabriele Frechen (SPD) – Drucksache 16/2520
- Rede von Marko Mühlstein (SPD) – Von der
- Rede von Marko Mühlstein (SPD) – Von der
- Rede von Marko Mühlstein (SPD) – Von der
- Rede von Michael Kauch (FDP) – Von der
- Rede von Ulrich Petzold (CDU/CSU) – Von der
- Rede von Lutz Heilmann (DIE LINKE) – Von der
- Rede von Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Von der
- Rede von Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) – Von der
- Rede von Christian Carstensen (SPD) – Von der
- Rede von Norbert Königshofen (CDU/CSU) – Von der
- Rede von Norbert Königshofen (CDU/CSU) – Von der
- Rede von Norbert Königshofen (CDU/CSU) – Von der
- Rede von Elke Hoff (FDP) – Von der
- Rede von Hedi Wegener (SPD) – Von der
- Rede von Katrin Kunert (DIE LINKE) – Von der
- Rede von Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Von der
- Rede von Gert Winkelmeier (fraktionslos) – Von der
- Rede von Gabriele Fograscher (SPD) – Von der
- Rede von Dr. Axel Troost (DIE LINKE) – Drucksache 16/2523
- Rede von Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD) – Drucksache 16/2523
- Rede von Dr. Hermann Otto Solms (FDP) – Drucksache 16/2523
- Rede von Peter Rzepka (CDU/CSU) – Drucksache 16/2523
- Rede von Christine Scheel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2523
- Rede von Mechthild Dyckmans (FDP) – Drucksache 16/2523
- Rede von Norbert Geis (CDU/CSU) – Drucksache 16/2523
- Rede von Heidrun Bluhm (DIE LINKE) – Drucksache 16/2523
- Rede von Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/2523
- Rede von Dirk Manzewski (SPD) – Drucksache 16/2523
- Rede von Dr. Sascha Raabe (SPD) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Dr. Karl Addicks (FDP) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Dr. Wolf Bauer (CDU/CSU) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/3019, 16/3835
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Reinhard Grindel (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Christoph Waitz (FDP) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Monika Griefahn (SPD) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Dr. Lothar Bisky (DIE LINKE) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Grietje Bettin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Johann-Henrich Krummacher (CDU/CSU) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Jörg Tauss (SPD) – Grindel, Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Peter
- Rede von Dr. Axel Troost (DIE LINKE) – Drucksache 16/3797
- Rede von Leo Dautzenberg (CDU/CSU) – Drucksache 16/3797
- Rede von Frank Schäffler (FDP) – Drucksache 16/3797
- Rede von Ernst Hinsken (CDU/CSU) – Drucksache 16/3797
- Rede von Frank Schäffler (FDP) – Drucksache 16/3797
- Rede von Frank Schäffler (FDP) – Drucksache 16/3797
- Rede von Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/3797
- Rede von Ingbert Liebing (CDU/CSU) – Drucksachen 16/2502, 16/3143
Text
Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
[Plenarprotokoll 16/73Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
73. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006
I n h a l t :Glückwünsche zum Geburtstag der
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner, des
Abgeordneten Erich G. Fritz und des
Bundesministers Michael Glos . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wahl des Abgeordneten Florian Toncar zum
Schriftführer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wahl des Abgeordneten Dr. Hakki Keskin in
die Parlamentarische Versammlung des
Europarates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Erweiterung und Abwicklung der
Tagesordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Streichung der Aktuellen Stunde auf
Verlangen der Fraktion Die Linke zur
Armutsstatistik und der Aktuellen Stunde auf Verlangen
der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN zum Nichtraucherschutz . . . . . . . .
Nachträgliche Ausschussüberweisungen . . . .
Tagesordnungspunkt 4:
a) Abgabe einer Erklärung durch die
Bundeskanzlerin: zum Europäischen Rat in
Brüssel am 14./15. Dezember 2006 und
den bevorstehenden deutschen
Präsidentschaften im Rat der Europäischen
Union und in der G 8 . . . . . . . . . . . . . . .
b) Antrag der Abgeordneten Michael
Stübgen, Gunther Krichbaum, Thomas
Bareiß, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der CDU/CSU sowie der
Abgeordneten Axel Schäfer, Dr. Lale Akgün,
Doris Barnett, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Die deutsche
Präsidentschaft der Europäischen Union
zum Erfolg führen
(Drucksache 16/3808) . . . . . . . . . . . . . . . .
7207 A
7207 B
7207 B
7207 B
7208 C
7208 D
7209 A
7209 Bc) Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Präsidentschaftsprogramm 1. Januar
bis 30. Juni 2007 – Europa gelingt
gemeinsam
(Drucksache 16/3680) . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 3:
Antrag der Abgeordneten Markus Löning,
Christian Ahrendt, Michael Link
(Heilbronn), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP: Mehr Ehrgeiz für die
deutsche Ratspräsidentschaft – eine EU der
Erfolge für die Bürger
(Drucksache 16/3832) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . .
Dr. Guido Westerwelle (FDP) . . . . . . . . . . . .
Hans Eichel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Oskar Lafontaine (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Dr. Peter Ramsauer (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Renate Künast (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Axel Schäfer (Bochum) (SPD) . . . . . . . . . . .
Dr. Diether Dehm (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) . . . .
Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Lale Akgün (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7209 C
7209 C
7210 A
7214 A
7216 A
7218 C
7220 A
7223 A
7223 C
7225 B
7226 D
7227 C
7230 A
7230 D
II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006Tagesordnungspunkt 5:
a) Erste Beratung des von den Fraktionen der
CDU/CSU und der SPD eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur
Verbesserung der Beschäftigungschancen älterer
Menschen
(Drucksache 16/3793) . . . . . . . . . . . . . . . .
b) Erste Beratung des von den Fraktionen der
CDU/CSU und der SPD eingebrachten
Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung
der Regelaltersgrenze an die
demografische Entwicklung und zur Stärkung der
Finanzierungsgrundlagen der
gesetzlichen Rentenversicherung (RV-
Altersgrenzenanpassungsgesetz)
(Drucksache 16/3794) . . . . . . . . . . . . . . . .
c) Antrag der Abgeordneten Kornelia
Möller, Dr. Barbara Höll, Werner Dreibus,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der LINKEN: Beschäftigungspolitik für
Ältere – für ein wirtschafts- und
arbeitsmarktpolitisches Gesamtkonzept
(Drucksache 16/3027) . . . . . . . . . . . . . . . .
d) Antrag der Abgeordneten Dr. Heinrich L.
Kolb, Christian Ahrendt, Daniel Bahr
(Münster), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP: Den
Rentenversicherungsbericht im Interesse der
Versicherten realistischer gestalten
(Drucksache 16/3676) . . . . . . . . . . . . . . . .
e) Antrag der Abgeordneten Volker
Schneider (Saarbrücken), Klaus Ernst,
Karin Binder, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der LINKEN:
Stichtagsregelung für die Altersteilzeit im RV-
Altersgrenzenanpassungsgesetz (Rente mit
67) verlängern
(Drucksache 16/3815) . . . . . . . . . . . . . . . .
f) Antrag der Abgeordneten Irmingard
Schewe-Gerigk, Brigitte Pothmer, Markus
Kurth, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN: Neue Kultur der
Altersarbeit – Anpassung der gesetzlichen
Rentenversicherung an längere
Rentenlaufzeiten
(Drucksache 16/3812) . . . . . . . . . . . . . . . .
g) Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Bericht der Bundesregierung über die
gesetzliche Rentenversicherung,
insbesondere über die Entwicklung der
Einnahmen und Ausgaben, der
Nachhaltigkeitsrücklage sowie des jeweils
erforderlichen Beitragssatzes in den
künftigen 15 Kalenderjahren
(Rentenversicherungsbericht 2006)
und
Gutachten des Sozialbeirats zum
Rentenversicherungsbericht 2006
(Drucksache 16/3700) . . . . . . . . . . . . . . . .
7232 A
7232 B
7232 B
7232 C
7232 C
7232 C
7232 Dh) Unterrichtung durch die Bundesregierung:
Lagebericht der Bundesregierung über
die Alterssicherung der Landwirte 2005
(Drucksache 16/907) . . . . . . . . . . . . . . . .
Franz Müntefering, Bundesminister
BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) .
Wolfgang Grotthaus (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Sibylle Laurischk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . .
Stefan Müller (Erlangen) (CDU/CSU) . . . . .
Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Katja Mast (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) . . .
Anton Schaaf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 29:
a) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Umweltverträglichkeit von
Wasch- und Reinigungsmitteln (Wasch-
und Reinigungsmittelgesetz – WRMG)
(Drucksache 16/3654) . . . . . . . . . . . . . . .
b) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines …
Strafrechtsänderungsgesetzes zur
Bekämpfung der Computerkriminalität
(… StrÄndG)
(Drucksache 16/3656) . . . . . . . . . . . . . . .
c) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Zweiten Gesetzes über die Bereinigung von
Bundesrecht im Zuständigkeitsbereich
des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Technologie und des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
(Drucksache 16/3657) . . . . . . . . . . . . . . .
d) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die elektromagnetische
Verträglichkeit von Betriebsmitteln
(EMVG)
(Drucksache 16/3658) . . . . . . . . . . . . . . .
7233 A
7233 A
7235 A
7237 A
7240 A
7240 D
7241 A
7244 A
7245 C
7246 C
7247 D
7248 D
7250 B
7251 B
7252 C
7254 A
7255 D
7255 D
7256 A
7256 A
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006 IIIe) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Internationalen
Übereinkommen vom 19. Oktober 2005 gegen
Doping im Sport
(Drucksache 16/3712) . . . . . . . . . . . . . . . .
f) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Protokoll vom 21. Mai 2003
über Schadstofffreisetzungs- und -
verbringungsregister
(Drucksache 16/3755) . . . . . . . . . . . . . . . .
g) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Ausführung des Protokolls über
Schadstofffreisetzungs- und -
verbringungsregister vom 21. Mai 2003 sowie
zur Durchführung der Verordnung
(EG) Nr. 166/2006
(Drucksache 16/3756) . . . . . . . . . . . . . . . .
h) Antrag der Abgeordneten Birgit
Homburger, Michael Kauch, Angelika
Brunkhorst, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der FDP: EU-
Abfallrahmenrichtlinie ökologisch wirksam,
unbürokratisch und
marktwirtschaftlich gestalten
(Drucksache 16/3318) . . . . . . . . . . . . . . . .
i) Antrag der Abgeordneten Dr. Jürgen
Gehb, Norbert Geis, Ute Granold, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/
CSU sowie der Abgeordneten Fritz Rudolf
Körper, Joachim Stünker, Dr. Carl-
Christian Dressel, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD: Ächtung des
Gesetzes zur Verhütung des
erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933
(Drucksache 16/3811) . . . . . . . . . . . . . . . .
j) Antrag der Abgeordneten Dorothee
Menzner, Dr. Gesine Lötzsch, Dr. Barbara
Höll, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der LINKEN: Börsengang der Bahn
stoppen
(Drucksache 16/3801) . . . . . . . . . . . . . . . .
k) Antrag der Abgeordneten Dorothee
Menzner, Dr. Gesine Lötzsch, Dr. Dietmar
Bartsch, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der LINKEN: Deutsche
Flugsicherung europarechtlichen
Rahmenbedingungen anpassen
(Drucksache 16/3803) . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 4:
a) Erste Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zu dem Übereinkommen vom
20. Oktober 2005 über den Schutz und
die Förderung der Vielfalt kultureller
Ausdrucksformen
(Drucksache 16/3711) . . . . . . . . . . . . . . . .
7256 A
7256 B
7256 B
7256 B
7256 C
7256 C
7256 C
7256 Db) Antrag der Abgeordneten Katrin Göring-
Eckardt, Brigitte Pothmer, Kerstin
Andreae, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN: Vermittlung in
Selbstständigkeit durch Bundesagentur für Arbeit
ermöglichen – Künstlerdienste sichern
(Drucksache 16/3779) . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 30:
a) Zweite Beratung und Schlussabstimmung
des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem
Übereinkommen vom 11. April 1997 über
die Anerkennung von Qualifikationen
im Hochschulbereich in der
europäischen Region
(Drucksachen 16/1291, 16/3669) . . . . . . .
b) Zweite und dritte Beratung des vom
Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Stärkung der
Selbstverwaltung der Rechtsanwaltschaft
(Drucksachen 16/513, 16/3837) . . . . . . . .
c) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Änderung des
Anerkennungs- und
Vollstreckungsausführungsgesetzes
(Drucksachen 16/2857, 16/3833) . . . . . . .
d) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zu dem Budapester
Übereinkommen vom 22. Juni 2001 über den
Vertrag über die Güterbeförderung in
der Binnenschifffahrt (CMNI)
(Drucksachen 16/3225, 16/3834) . . . . . . .
e) Zweite Beratung und Schlussabstimmung
des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem
Haager Übereinkommen vom 13.
Januar 2000 über den internationalen
Schutz von Erwachsenen
(Drucksachen 16/3250, 16/3836) . . . . . . .
f) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Umsetzung des
Haager Übereinkommens vom 13.
Januar 2000 über den internationalen
Schutz von Erwachsenen
(Drucksachen 16/3251, 16/3836) . . . . . . .
g) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu dem Antrag der
Abgeordneten Heidrun Bluhm, Dr. Barbara
Höll, Dr. Gesine Lötzsch, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der LIN-
KEN: Grunderwerbsteuerbefreiung bei
Fusionen von Wohnungsunternehmen
und Wohnungsgenossenschaften in den
neuen Ländern
(Drucksachen 16/2079, 16/3213) . . . . . . .
7256 D
7257 A
7257 B
7257 C
7257 D
7258 A
7258 B
7258 C
IV Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006h) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu dem Antrag der
Abgeordneten Horst Friedrich (Bayreuth), Jan
Mücke, Patrick Döring, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Qualität
der Mauterfassung durch
unabhängigen Versuch nachweisen und
Kontrollverfahren zertifizieren
(Drucksachen 16/1680, 16/3264) . . . . . . .
i) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung zu der Unterrichtung durch
die Bundesregierung: Mitteilung der
Kommission an den Rat, das
Europäische Parlament, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und
den Ausschuss der Regionen über die
Verbesserung der Sicherheit der
Lieferkette
Vorschlag für eine Verordnung des
Europäischen Parlaments und des
Rates zur Verbesserung der Sicherheit
der Lieferkette (inkl. 6935/06 ADD 1)
KOM (2006) 79 endg.; Ratsdok. 6935/06
(Drucksachen 16/1101 Nr. 2.12, 16/3554)
j) Dritte Beschlussempfehlung des
Wahlprüfungsausschusses: zu 44 gegen die
Gültigkeit der Wahl zum 16. Deutschen
Bundestag eingegangenen
Wahleinsprüchen
(Drucksache 16/3600) . . . . . . . . . . . . . . . .
k)–s)
Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 144, 145,
146, 147, 148, 149, 150, 151 und 152 zu
Petitionen
(Drucksachen 16/3625, 16/3626, 16/3627,
16/3628, 16/3629, 16/3630, 16/3631, 16/
3632, 16/3633) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 5:
a)–h), j)
Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses: Sammelübersichten 153, 154,
155, 156, 157, 158, 159, 160 und 161 zu
Petitionen
(Drucksachen 16/3817, 16/3818, 16/3819,
16/3820, 16/3821, 16/3822, 16/3823,
16/3824, 16/3825) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 1:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion
der FDP: Rechtsstaatliche Anforderungen
an eine ordnungsgemäße
Gesetzgebungsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7258 D
7259 A
7259 A
7259 B
7260 B
7261 ASabine Leutheusser-Schnarrenberger
(FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Andreas Schmidt (Mülheim)
(CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ulrich Maurer (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretär
BMJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Peter Altmaier, Parl. Staatssekretär
BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ernst Burgbacher (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Michael Bürsch (SPD) . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Wolfgang Götzer (CDU/CSU) . . . . . . . . .
Dr. Matthias Miersch (SPD) . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 6:
Antrag der Abgeordneten Jens Ackermann,
Dr. Karl Addicks, Christian Ahrendt, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Wachstumsschädliche
Mehrwertsteuererhöhung rückgängig machen
(Drucksache 16/2520) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . . . .
Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Otto Bernhardt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . .
Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Lydia Westrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . .
Alexander Ulrich (DIE LINKE) . . . . . . . .
Christine Scheel (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Herbert Schui (DIE LINKE) . . . . . . . .
Georg Fahrenschon (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Gabriele Frechen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 7:
a) Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Verbesserung des
Schutzes vor Fluglärm in der
Umgebung von Flugplätzen
(Drucksachen 16/508, 16/3813, 16/3814)
b) Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
7261 B
7262 B
7263 C
7264 D
7266 B
7267 C
7269 A
7270 B
7271 C
7272 C
7273 C
7273 D
7274 A
7275 D
7277 A
7278 C
7278 D
7280 A
7281 D
7282 D
7283 D
7285 C
7285 D
7287 D
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006 V– zu dem Antrag der Abgeordneten
Michael Kauch, Horst Friedrich
(Bayreuth), Birgit Homburger, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Das Fluglärmgesetz unverzüglich
und sachgerecht modernisieren
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Winfried Hermann, Peter Hettlich,
Cornelia Behm, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN: Den Schutz
der Anwohner vor Fluglärm
wirksam verbessern
(Drucksachen 16/263, 16/551, 16/3813)
Marko Mühlstein (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ulrich Petzold (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . .
Lutz Heilmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Christian Carstensen (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Norbert Königshofen (CDU/CSU) . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 8:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Verteidigungsausschusses zu der Unterrichtung
durch den Wehrbeauftragten: Jahresbericht
2005 (47. Bericht)
(Drucksachen 16/850, 16/3561) . . . . . . . . . . .
Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter
des Deutschen Bundestages . . . . . . . . . . . .
Anita Schäfer (Saalstadt) (CDU/CSU) . . . . . .
Elke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hedi Wegener (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Katrin Kunert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Gert Winkelmeier (fraktionslos) . . . . . . . . . . .
Gabriele Fograscher (SPD) . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 9:
Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara Höll,
Dr. Axel Troost, Oskar Lafontaine und der
Fraktion der LINKEN: Aufhebung der
Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen
(Drucksache 16/2523) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD) . . . . . . . . . . . .
7288 A
7288 B
7290 B
7291 B
7293 A
7294 B
7295 C
7296 D
7298 B
7300 B
7300 C
7302 B
7304 B
7305 B
7306 D
7307 D
7308 D
7309 C
7310 C
7310 D
7311 DDr. Hermann Otto Solms (FDP) . . . . . . . . . . .
Peter Rzepka (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Christine Scheel (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 10:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Änderung des
Wohnungseigentumsgesetzes und anderer Gesetze
(Drucksachen 16/887, 16/3843) . . . . . . . . . . .
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretär
BMJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mechthild Dyckmans (FDP) . . . . . . . . . . . . .
Norbert Geis (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Heidrun Bluhm (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Peter Hettlich (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dirk Manzewski (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 11:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung zu dem Antrag der
Abgeordneten Thilo Hoppe, Ulrike Höfken, Ute
Koczy, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN:
Den Hunger in Entwicklungsländern
wirksam bekämpfen – das Recht auf Nahrung
umsetzen und ländliche Entwicklung
fördern
(Drucksachen 16/3019, 16/3835) . . . . . . . . . .
Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Karl Addicks (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Wolf Bauer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . .
Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) . . . . . .
Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 12:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Kultur und Medien
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Reinhard Grindel, Wolfgang Börnsen
(Bönstrup), Peter Albach, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Jörg Tauss,
Monika Griefahn, Martin Dörmann,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der SPD: Die Schaffung eines
kohärenten europäischen Rechtsrahmens für
7313 B
7314 C
7316 B
7317 A
7317 A
7318 A
7318 D
7320 B
7321 B
7322 A
7323 C
7323 D
7325 B
7326 C
7328 B
7329 A
VI Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006audiovisuelle Dienste zu einem
Schwerpunkt deutscher Medien- und
Kommunikationspolitik in Europa machen
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Christoph Waitz, Hans-Joachim Otto
(Frankfurt), Jens Ackermann, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Für einen zukunftsfähigen
europäischen Rechtsrahmen audiovisueller
Mediendienste – den Beratungsprozess der
EU-Fernsehrichtlinie aktiv begleiten
– zu dem Antrag der Abgeordneten Grietje
Bettin, Dr. Uschi Eid, Ekin Deligöz,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN: Für
eine verbraucherfreundliche und
Qualität sichernde EU-Richtlinie für
audiovisuelle Mediendienste
(Drucksachen 16/3297, 16/2675, 16/2977,
16/3791) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 6:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Kultur und Medien
– zu dem Antrag der Abgeordneten Hans-
Joachim Otto (Frankfurt), Christoph
Waitz, Dr. Karl Addicks, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Keine
Rundfunkgebühr für Computer mit
Internetanschluss – die
Gebührenfinanzierung des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks grundlegend reformieren
– zu dem Antrag der Abgeordneten
Dr. Lothar Bisky, Dr. Lukrezia Jochimsen,
Dr. Petra Sitte, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der LINKEN: Moratorium
für PC-Gebühren – sofortige
Neuverhandlung des
Rundfunkgebührenstaatsvertrages
– zu dem Antrag der Abgeordneten Matthias
Berninger, Grietje Bettin und der Fraktion
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN:
PC-Gebühren-Moratorium verlängern
(Drucksachen 16/2970, 16/3002, 16/2793,
16/3792) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Hans-Joachim Otto (Frankfurt) (FDP) . . . .
Wolfgang Börnsen (Bönstrup)
(CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Christoph Waitz (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Monika Griefahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Lothar Bisky (DIE LINKE) . . . . . . . . . . .
Grietje Bettin (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7330 C
7330 D
7331 B
7332 B
7332 D
7333 C
7335 A
7336 C
7337 CJohann-Henrich Krummacher (CDU/CSU) . .
Jörg Tauss (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Rainer Brüderle,
Birgit Homburger, Dr. Karl Addicks, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Mehr Wettbewerb im
Schornsteinfegerwesen
(Drucksache 16/3344) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 14:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zum Pfändungsschutz der
Altersvorsorge und zur Anpassung des Rechts
der Insolvenzanfechtung
(Drucksachen 16/886, 16/3844) . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 15:
Antrag der Abgeordneten Dr. Axel Troost, Dr.
Barbara Höll, Oskar Lafontaine, Dr. Gregor
Gysi und der Fraktion der LINKEN: Für
einen starken öffentlich-rechtlichen
Sparkassensektor – Keine Kompromisse beim
Sparkassen-Bezeichnungsschutz –
Parlamentswillen respektieren
(Drucksache 16/3797) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 7:
Antrag der Abgeordneten Dr. Michael
Meister, Otto Bernhardt, Eduard Oswald,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der
CDU/CSU sowie der Abgeordneten Reinhard
Schultz (Everswinkel), Bernd Scheelen,
Ingrid Arndt-Brauer, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD:
Bezeichnungsschutz für Sparkassen gesichert
(Drucksache 16/3805) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Leo Dautzenberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Frank Schäffler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Reinhard Schultz (Everswinkel) (SPD) . . . . .
Frank Schäffler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . .
Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 16:
Beschlussempfehlung und Bericht des
Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit zu dem Antrag der
Abgeordneten Marie-Luise Dött, Katherina Reiche
7338 D
7340 A
7342 D
7342 D
7343 C
7343 C
7343 C
7344 C
7346 B
7347 A
7347 C
7349 A
7349 C
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006 VII(Potsdam), Michael Brand, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie
der Abgeordneten Dirk Becker, Marco Bülow,
Petra Bierwirth, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der SPD: Integriertes
Küstenzonenmanagement kontinuierlich
fortentwickeln
(Drucksachen 16/2502, 16/3143) . . . . . . . . . .
Ingbert Liebing (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 17:
Antrag der Abgeordneten Grietje Bettin, Ekin
Deligöz, Kai Gehring, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN: Den kostenfreien Empfang von
Rundfunk via Satellit sicherstellen
(Drucksache 16/3545) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusatztagesordnungspunkt 8:
Antrag der Abgeordneten Dr. Georg Nüßlein,
Dr. Christian Ruck, Dr. Wolf Bauer, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Dr. Bärbel Kofler,
Dr. Sascha Raabe, Gabriele Groneberg,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD:
Chancen und Herausforderungen der
Osterweiterung der Europäischen Union (EU)
für die Entwicklungszusammenarbeit der EU
(Drucksache 16/3807) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 18:
Antrag der Abgeordneten Jens Ackermann,
Hartfrid Wolff (Rems-Murr), Daniel Bahr
(Münster), weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP: Dem Beruf des
Rettungsassistenten eine Zukunftsperspektive
geben – Das Rettungsassistentengesetz
novellieren
(Drucksache 16/3343) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 19:
Antrag der Abgeordneten Lutz Heilmann,
Dorothée Menzner, Heidrun Bluhm, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der LINKEN:
Kein Bau einer festen Fehmarnbelt-
Querung – Fährkonzept verbessern
(Drucksache 16/3668) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 9:
Antrag der Abgeordneten Rainder
Steenblock, Winfried Hermann, Dr. Anton
Hofreiter, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ-
NEN: Statt fester Fehmarnbelt-Querung –
7350 C
7350 D
7352 C
7352 D
7353 A
7353 BFür ein ökologisch und finanziell
nachhaltiges Verkehrskonzept
(Drucksache 16/3798) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Tagesordnungspunkt 20:
Antrag der Abgeordneten Silke Stokar von
Neuforn, Volker Beck (Köln), Jerzy Montag,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN:
Einrichtung einer Polizeireformkommission
(Drucksache 16/3704) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
in Verbindung mit
Zusatztagesordnungspunkt 10:
Antrag der Abgeordneten Dr. Max Stadler,
Gisela Piltz, Ernst Burgbacher, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP:
Notwendigkeit einer Defizitanalyse des
bestehenden Sicherheitssystems
(Drucksache 16/3809) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . .
Anlage 2
Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten
Elisabeth Winkelmeier-Becker, Ute Granold,
Josef Göppel und Siegfried Kauder
(Villingen-Schwenningen) (alle CDU/CSU) zur
Abstimmung über den Entwurf eines Gesetzes
zur Verbesserung des Schutzes vor Fluglärm
in der Umgebung von Flugplätzen
(Tagesordnungspunkt 7 a) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 3
Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten
Michael Hartmann (Wackernheim) (SPD) zur
Abstimmung über den Entwurf eines
Gesetzes zur Verbesserung des Schutzes vor
Fluglärm in der Umgebung von Flugplätzen
(Tagesordnungspunkt 7 a) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 4
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Mehr Wettbewerb im
Schornsteinfegerwesen (Tagesordnungspunkt 13)
Lena Strothmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Christian Lange (Backnang) (SPD) . . . . . . . .
Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . .
Sabine Zimmermann (DIE LINKE) . . . . . . . .
Matthias Berninger (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7353 C
7353 C
7353 D
7354 C
7355 A
7355 B
7355 D
7356 A
7357 A
7358 B
7358 D
7359 C
VIII Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006Anlage 5
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Entwurfs eines Gesetzes zum
Pfändungsschutz der Altersvorsorge und zur Anpassung
des Rechts der Insolvenzanfechtung
(Tagesordnungspunkt 14)
Dr. Günter Krings (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Dirk Manzewski (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)
Wolfgang Nešković (DIE LINKE) . . . . . . . . . .
Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretär
BMJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 6
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Beschlussempfehlung und des Berichts:
Integriertes Küstenzonenmanagement
kontinuierlich fortentwickeln
(Tagesordnungspunkt 16)
Dirk Becker (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Angelika Brunkhorst (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
Lutz Heilmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 7
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Den kostenfreien Empfang von
Rundfunk via Satellit sicherstellen
(Tagesordnungspunkt 17)
Dorothee Bär (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . .
Philipp Mißfelder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Christoph Pries (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Jörg Tauss (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Christoph Waitz (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Lothar Bisky (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . .
Grietje Bettin (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 8
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Chancen und Herausforderungen
der Osterweiterung der Europäischen Union
(EU) für die Entwicklungszusammenarbeit
der EU (Zusatztagesordnungspunkt 8)
Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . .
Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . .
7359 D
7361 A
7361 D
7362 C
7363 B
7363 D
7364 C
7365 B
7365 D
7366 C
7367 C
7367 D
7368 C
7369 C
7370 C
7371 C
7372 B
7373 B
7374 B
7375 AHeike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Ute Koczy (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 9
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
des Antrags: Dem Beruf des
Rettungsassistenten eine Zukunftsperspektive geben – Das
Rettungsassistentengesetz novellieren
(Tagesordnungspunkt 18)
Dr. Rolf Koschorrek (CDU/CSU) . . . . . . . . . .
Dr. Margrit Spielmann (SPD) . . . . . . . . . . . .
Jens Ackermann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Frank Spieth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Harald Terpe (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 10
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Anträge:
– Kein Bau einer festen Fehmarnbelt-
Querung – Fährkonzept verbessern
– Statt fester Fehmarnbelt-Querung – Für
ein ökologisch und finanziell nachhaltiges
Verkehrskonzept
(Tagesordnungspunkt 19 und
Zusatztagesordnungspunkt 9)
Gero Storjohann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Hans-Joachim Hacker (SPD) . . . . . . . . . . . .
Patrick Döring (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Lutz Heilmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . .
Rainder Steenblock (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anlage 11
Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung
der Anträge:
– Einrichtung einer
Polizeireformkommission
– Notwendigkeit einer Defizitanalyse des
bestehenden Sicherheitssystems
(Tagesordnungspunkt 20 und
Zusatztagesordnungspunkt 10)
Günter Baumann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . .
Wolfgang Gunkel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Dr. Max Stadler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Petra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . .
Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7376 C
7377 B
7377 D
7379 A
7379 D
7381 A
7381 C
7382 A
7383 C
7384 D
7386 B
7387 B
7388 B
7389 B
7390 A
7390 C
7391 A
73. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 14. Dezember 2006
Beginn: 9.00 UhrPräsident Dr. Norbert Lammert:
Die Sitzung ist eröffnet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich begrüße Sie alle
herzlich, wünsche Ihnen einen guten Morgen und uns
intensive, gute Beratungen.
Vizepräsidentin Dr. Susanne Kastner und der Kollege
Erich Fritz haben vor einigen Tagen jeweils ihren
60. Geburtstag gefeiert. Im Namen des ganzen Hauses
gratuliere ich dazu nachträglich herzlich und wünsche
alles Gute.
(Beifall – Dr. Guido Westerwelle [FDP]:
Unfassbar! Das sieht man nicht!)
Die Kollegin Miriam Gruß hat ihr Amt als
Schriftführerin niedergelegt. Das ist kein Anlass zum Jubeln. Als
Nachfolger schlägt die Fraktion der FDP den Kollegen
Florian Toncar vor. Sind Sie damit einverstanden? – Ich
höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen.
Die Fraktion Die Linke teilt mit, dass der Kollege
Hüseyin-Kenan Aydin aus der Parlamentarischen
Versammlung des Europarates ausscheidet. An seiner Stelle
soll der Kollege Dr. Hakki Keskin neues ordentliches
Mitglied werden. Sind Sie auch damit einverstanden? –
Das sieht sehr danach aus. Dann ist der Kollege
Dr. Keskin als ordentliches Mitglied in die
Parlamentarische Versammlung des Europarates gewählt.
Interfraktionell ist vereinbart worden, die verbundene
Tagesordnung um die in der Zusatzpunktliste
aufgeführten Punkte zu erweitern:
ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der FDP:
Rechtsstaatliche Anforderungen an eine ordnungsgemäße
Gesetzgebungsarbeit
ZP 2 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN
zu den Antworten der Bundesregierung auf die
dringlichen Fragen Nr. 1 und 2 auf Drucksache 16/3790
ZP 3 Beratung des Antrags der Abgeordneten Markus Löning,
Christian Ahrendt, Michael Link (Heilbronn), weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP
Mehr Ehrgeiz für die deutsche Ratspräsidentschaft – eine
EU der Erfolge für die Bürger
– Drucksache 16/3832 –Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (f)
Auswärtiger Ausschuss
Innenausschuss
Rechtsausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
ZP 4 Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren
(Ergänzung zu TOP 29)
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen
vom 20. Oktober 2005 über den Schutz und die
Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen
– Drucksache 16/3711 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Kultur und Medien (f)
Auswärtiger Ausschuss
b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Katrin Göring-
Eckardt, Brigitte Pothmer, Kerstin Andreae, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN
Vermittlung in Selbstständigkeit durch
Bundesagentur für Arbeit ermöglichen – Künstlerdienste sichern
– Drucksache 16/3779 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)
Ausschuss für Kultur und Medien
Haushaltsausschuss
ZP 5 Weitere abschließende Beratungen ohne Aussprache
(Ergänzung zu TOP 30)
a) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 153 zu Petitionen
– Drucksache 16/3817 –
b) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 154 zu Petitionen
– Drucksache 16/3818 –
c) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 155 zu Petitionen
– Drucksache 16/3819 – Redetext
Präsident Dr. Norbert Lammertd) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 156 zu Petitionen
– Drucksache 16/3820 –
e) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 157 zu Petitionen
– Drucksache 16/3821 –
f) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 158 zu Petitionen
– Drucksache 16/3822 –
g) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 159 zu Petitionen
– Drucksache 16/3823 –
h) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 160 zu Petitionen
– Drucksache 16/3824 –
j) Beratung der Beschlussempfehlung des
Petitionsausschusses (2. Ausschuss)
Sammelübersicht 161 zu Petitionen
– Drucksache 16/3825 –
ZP 6 Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des
Ausschusses für Kultur und Medien (22. Ausschuss)
– zu dem Antrag der Abgeordneten Hans-Joachim Otto
(Frankfurt), Christoph Waitz, Dr. Karl Addicks, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der FDP
Keine Rundfunkgebühr für Computer mit
Internetanschluss – die Gebührenfinanzierung des
öffentlichrechtlichen Rundfunks grundlegend reformieren
– zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Lothar Bisky,
Dr. Lukrezia Jochimsen, Dr. Petra Sitte, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der LINKEN
Moratorium für PC-Gebühren – sofortige
Neuverhandlung des Rundfunkgebührenstaatsvertrages
– zu dem Antrag der Abgeordneten Matthias Berninger,
Grietje Bettin und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN
PC-Gebühren-Moratorium verlängern
– Drucksachen 16/2970, 16/3002, 16/2793, 16/3792 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Reinhard Grindel
Jörg Tauss
Hans-Joachim Otto (Frankfurt)
Dr. Lukrezia Jochimsen
Grietje Bettin
ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Michael Meister,
Otto Bernhardt, Eduard Oswald, weiterer Abgeordneter und
der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Reinhard Schultz (Everswinkel),
Bernd Scheelen, Ingrid Arndt-Brauer, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der SPD
Bezeichnungsschutz für Sparkassen gesichert
– Drucksache 16/3805 –
ZP 8 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Georg Nüßlein,
Dr. Christian Ruck, Dr. Wolf Bauer, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten
Dr. Bärbel Kofler, Dr. Sascha Raabe, Gabriele Groneberg,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Chancen und Herausforderungen der Osterweiterung der
Europäischen Union (EU) für die
Entwicklungszusammenarbeit der EU
– Drucksache 16/3807 –
ZP 9 Beratung des Antrags der Abgeordneten Rainder Steenblock,
Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNENStatt fester Fehmarnbelt-Querung – Für ein ökologisch
und finanziell nachhaltiges Verkehrskonzept
– Drucksache 16/3798 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (f)
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Tourismus
Haushaltsausschuss
ZP 10 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Max Stadler,
Gisela Piltz, Ernst Burgbacher, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion der FDP
Notwendigkeit einer Defizitanalyse des bestehenden
Sicherheitssystems
– Drucksache 16/3809 –
Überweisungsvorschlag:
Innenausschuss
ZP 11 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Werner Hoyer,
Dr. Rainer Stinner, Birgit Homburger, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der FDP
Für eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
im Nahen Osten (KSZNO)
– Drucksache 16/3816 –
Überweisungsvorschlag:
Auswärtiger Ausschuss
Die zunächst vorgesehenen Aktuellen Stunden auf
Verlangen der Fraktion Die Linke zur Armutsstatistik
und auf Verlangen der Fraktion des Bündnisses 90/Die
Grünen zum Nichtraucherschutz finden entgegen der
ursprünglichen Ankündigung nicht statt.
Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll
soweit erforderlich abgewichen werden.
Schließlich mache ich auf zwei nachträgliche
Ausschussüberweisungen im Anhang zur Zusatzpunktliste
aufmerksam:
Der in der 67. Sitzung des Deutschen Bundestages
überwiesene nachfolgende Antrag soll zusätzlich dem
Ausschuss für Tourismus (20. Ausschuss) zur
Mitberatung überwiesen werden.
Antrag der Abgeordneten Dr. Peter Gauweiler,
Monika Grütters, Eckart von Klaeden, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU
sowie der Abgeordneten Monika Griefahn, Petra
Hinz (Essen), Lothar Mark, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Stärkung des Goethe-Instituts durch neues
Konzept
– Drucksache 16/3502 –
Überweisungsvorschlag:
Auswärtiger Ausschuss (f)
Ausschuss für Tourismus
Ausschuss für Kultur und Medien
Haushaltsausschuss
Der in der 71. Sitzung des Deutschen Bundestages
überwiesene nachfolgende Antrag soll zusätzlich dem
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (9.
Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden.
Antrag der Abgeordneten Dr. Barbara Höll,
Kornelia Möller, Cornelia Hirsch, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der LINKEN
Präsident Dr. Norbert LammertAusbildungsplatzlücke schließen – Vorschlag
des DGB aufgreifen
– Drucksache 16/3540 –
überwiesen:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Haushaltsausschuss
Sind Sie mit diesen Vereinbarungen einverstanden? –
Ich stelle Einvernehmen fest. Dann ist das so
beschlossen.
Wir kommen nun zur Abgabe einer Erklärung durch
die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat in
Düsseldorf – Entschuldigung, in Brüssel.
(Heiterkeit)
– Stellen Sie sich vor, ich hätte dazu Einvernehmen
festgestellt. Dann wäre es richtig kompliziert geworden.
Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 4 a bis 4 c
sowie den Zusatzpunkt 3 auf:
4 a) Abgabe einer Erklärung durch die
Bundeskanzlerin
zum Europäischen Rat in Brüssel am
14./15. Dezember 2006 und den
bevorstehenden deutschen Präsidentschaften im Rat der
Europäischen Union und in der G 8
b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Michael
Stübgen, Gunther Krichbaum, Thomas Bareiß,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/
CSU sowie der Abgeordneten Axel Schäfer,
Dr. Lale Akgün, Doris Barnett, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der SPD
Die deutsche Präsidentschaft der
Europäischen Union zum Erfolg führen
– Drucksache 16/3808 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (f)
Auswärtiger Ausschuss
Innenausschuss
Sportausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Verteidigungsausschuss
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Ausschuss für Tourismus
Ausschuss für Kultur und Medien
Haushaltsausschuss c) Beratung der Unterrichtung durch die
Bundesregierung
Präsidentschaftsprogramm 1. Januar bis
30. Juni 2007 – Europa gelingt gemeinsam
– Drucksache 16/3680 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (f)
Auswärtiger Ausschuss
Innenausschuss
Sportausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Verteidigungsausschuss
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Ausschuss für Tourismus
Ausschuss für Kultur und Medien
Haushaltsausschuss
ZP 3 Beratung des Antrags der Abgeordneten Markus
Löning, Christian Ahrendt, Michael Link
(Heilbronn), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der FDP
Mehr Ehrgeiz für die deutsche
Ratspräsidentschaft – eine EU der Erfolge für die Bürger
– Drucksache 16/3832 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (f)
Auswärtiger Ausschuss
Innenausschuss
Rechtsausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Bevor ich dazu der Bundeskanzlerin das Wort erteile,
möchte ich dem Minister Michael Glos zu seinem
heutigen Geburtstag herzlich gratulieren.
(Beifall)
Zu der Regierungserklärung liegt ein
Entschließungsantrag der Fraktion Die Linke vor.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
die Aussprache im Anschluss an die
Regierungserklärung anderthalb Stunden vorgesehen. – Auch dazu höre
ich keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen.
Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat
die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin:
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In
rund zwei Wochen beginnt die deutsche
Doppelpräsidentschaft: im Rat der Europäischen Union und in der
Gruppe der Acht. In wenigen Stunden beginnt der
Europäische Rat – wie gesagt – in Brüssel, noch einmal unter
finnischem Vorsitz.
Weil sich die finnische EU-Präsidentschaft dem Ende
zuneigt, möchte ich ihr an dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön sagen. Sie hat unter schwierigen
Bedingungen vieles erreicht.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie
bei Abgeordneten der LINKEN)
Der morgen stattfindende Rat wird sich vor allen
Dingen mit dem Thema Erweiterungspolitik befassen.
Wenn man sich an die Anfänge der Europäischen Union
erinnert – damals waren es sechs Mitgliedstaaten –, so
kann man heute sagen: Diese Erweiterungspolitik ist
eine Erfolgsgeschichte Europas. Denn heute umfasst die
Europäische Union fast das gesamte kontinentale Europa
in Demokratie und Freiheit.
Mit Rumänien und Bulgarien werden am 1. Januar
2007 zwei weitere Mitglieder in die Europäische Union
kommen. Beide Staaten haben zusätzliche
Verpflichtungen zu weiteren Reformen nach dem Beitritt
übernommen. Mit Kroatien und mit der Türkei laufen
Verhandlungen. Auch die Staaten des westlichen Balkans – Sie
wissen das – haben eine Beitrittsperspektive.
Man sieht also: Es ist viel in Bewegung und natürlich
kommen die Fragen auf, wohin das führt und wie, also
nach welchen Prinzipien die Europäische Union
wachsen will. Genau darüber werden wir auf diesem Rat
sprechen. Denn der Erfolg der Erweiterungspolitik muss
darin liegen, dass die Europäische Union attraktiver und
handlungsfähiger wird, und zwar sowohl nach außen als
auch nach innen.
Wir alle wissen, dass die Perspektive zum Beitritt
noch kein Garantieschein für eine spätere Mitgliedschaft
ist. Es müssen die Kriterien eingehalten werden, auf die
sich der EU-Vertrag gründet, und es müssen die
Beitrittskriterien eingehalten werden, die durch die
Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs der
Europäischen Union festgelegt sind. Dies sage ich nicht als
Drohung, sondern ich sage es eher als Ansporn für die
Länder, die beitreten wollen, und auch als Ansporn für
die Gemeinschaft, die natürlich dafür sorgen muss, dass
sie die notwendige Aufnahmefähigkeit hat.
Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien,
Montenegro und Serbien haben eine solche
Beitrittsperspektive. Aber bei aller Richtigkeit dieser Entscheidung
wissen wir, dass die Perspektive eine mittlere ist und dass
noch viele Vorbereitungen zu treffen sind, damit aus
dieser Perspektive eine Aufnahme werden kann. Ich nehme
Kroatien hier ausdrücklich aus. Die EU führt mit diesem
Land bereits erfolgreiche Beitrittsverhandlungen. Aber
auch hier ist es noch zu früh, um ein Datum für die
Aufnahme nennen zu können.Wir haben uns in diesen Tagen sehr stark mit der
Frage der Türkei befasst. Es ging um die Umsetzung
des Ankaraprotokolls. Die Vorgeschichte ist bekannt.
Die Türkei hatte sich mit ihrer Unterschrift im Juli 2005
verpflichtet, das Ankaraprotokoll umzusetzen. Ich will
noch einmal sagen: Es geht hier um keine Kleinigkeit,
sondern um die Selbstverständlichkeit, dass
Beitrittskandidaten und EU-Mitgliedstaaten einander politisch und
diplomatisch anerkennen.
Die finnische Präsidentschaft – das will ich hier
ausdrücklich hervorheben – hat bis zur letzten Minute alles
unternommen, um der Türkei die Umsetzung des
Ankaraprotokolls zu erleichtern. Aber wir müssen heute
feststellen: Die Türkei hat das Protokoll nicht umgesetzt.
Die EU hat darauf reagiert, und zwar, wie ich meine,
gleichermaßen entschlossen wie besonnen. Sie hat
besonnen reagiert, indem der Türkei stets deutlich gemacht
wird, dass es sich für sie lohnt, weiter an Reformen zu
arbeiten. Damit meine ich nicht nur das
Ankaraprotokoll, sondern genauso meine ich tief greifende
innenpolitische Reformen, bei denen es um Menschenrechte
geht, bei denen es um die Freiheit der Bürgerinnen und
Bürger geht. Entschlossen hat die Europäische Union
reagiert, indem die Europäische Kommission am 29.
November dieses Jahres deutlich gemacht hat, dass es ein
einfaches „Weiter so!“ nicht geben kann. Sie hat die
Empfehlung abgegeben, acht Verhandlungskapitel
auszusetzen und kein Kapitel zu schließen, solange das
Ankaraprotokoll nicht umgesetzt ist.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Beifall bei der FDP)
Genau dies haben die Außenminister am Montag
dieser Woche als Grundlage für die Beratungen, die heute
und morgen stattfinden, vereinbart. Ich bin sehr dankbar,
dass es gelungen ist, diese Vereinbarung zu treffen. Die
Außenminister haben damit gezeigt, dass auf Worte
Taten folgen. Aber ich sage noch einmal: Die EU hat
gleichermaßen besonnen und entschlossen reagiert. Das
Ganze wird dadurch ergänzt und präzisiert, dass die
Kommission dem Rat jährlich, also 2007, 2008 und
2009, berichten wird, ob und inwieweit die Türkei ihren
Verpflichtungen nachgekommen ist. Auch diesen
Überprüfungsmechanismus begrüße ich sehr. Denn es ist der
Rat, der immer wieder einstimmig entscheiden muss,
wie es mit den Beitrittsverhandlungen weitergeht.
Meine Damen und Herren, es besteht die
Notwendigkeit – das wird auch während unserer Präsidentschaft
eine Rolle spielen und an Bedeutung gewinnen –,
Staaten enger an die Europäische Union zu binden, ohne
ihnen bereits die Vollmitgliedschaft oder überhaupt etwas
zusagen zu können. Das gilt im Hinblick auf die
Ukraine, die Schwarzmeerregion und andere Regionen.
Deshalb brauchen wir eine attraktive und dauerhafte
Nachbarschaftspolitik, mit der wir die Länder enger an
die Europäische Union heranführen, die selbst nicht
Mitglied werden können. Ich bin sehr dankbar für die
Initiativen des Auswärtigen Amtes, die sich sehr intensiv mit
der Entwicklung einer solchen Nachbarschaftspolitik
beschäftigen.
Bundeskanzlerin Dr. Angela MerkelWir werden auf dem Rat auch über die Innen- und
Justizpolitik sprechen, vor allen Dingen über das Thema
Migration. Wir alle kennen die Bilder verzweifelter
Menschen und afrikanischer Flüchtlinge auf brüchigen
Booten. Wir können dem nicht einfach zusehen, sondern
wir müssen ein kohärentes und gemeinsames Handeln
der Europäischen Union hinbekommen. Das bedeutet,
dass wir auf der einen Seite mit Entschiedenheit gegen
illegale Migration vorgehen müssen, dass wir aber auf
der anderen Seite auch die Ursachen der illegalen
Migration bekämpfen und uns mit der Situation in den
afrikanischen Ländern auseinander setzen müssen. Beides
gehört zusammen und bei beidem liegt noch sehr viel
Arbeit vor uns.
Wir haben heute nicht nur über den aktuell
stattfindenden Rat zu sprechen, der heute und morgen
zusammentritt, sondern auch darüber, dass Deutschland in gut
zwei Wochen die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.
Wir haben unsere Präsidentschaft unter das Motto
„Europa gelingt gemeinsam“ gestellt, aber man könnte auch
sagen: Europa gelingt nur gemeinsam. Wir haben es
erlebt: Ein gespaltenes, ein uneiniges Europa – sei es in
außenpolitischen Fragen, sei es in innenpolitischen
Fragen – macht die Stärke der Europäischen Union nicht
deutlich. Deshalb gilt für die Außenpolitik wie für die
innere Politik der Europäischen Union: Europa gelingt
nur gemeinsam.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten der FDP)
Das sage ich vor allen Dingen mit Bezug auf das, was
ich das Zukunftsmodell der Europäischen Union nennen
würde: das europäische Wirtschafts- und Sozialmodell.
Die Bundesregierung fühlt sich der Weiterentwicklung
des europäischen Wirtschafts- und Sozialmodells
verpflichtet. Denn wenn wir wirtschaftlich nicht stark sind,
wenn wir den Menschen keine Perspektive geben
können, dann wird Europa, dann wird die Europäische
Union nach außen hin nicht stark auftreten können.
Wir brauchen eine erfolgreiche Politik in Brüssel. Das
bedeutet aber – das möchte ich an dieser Stelle nur kurz
einschieben –, dass auch die Mitgliedstaaten stark sein
müssen. Die Bundesregierung wird den Weg der
Reformen während ihrer EU-Ratspräsidentschaft entschieden
weitergehen. Die Dinge gehören zusammen: Einfluss auf
die Entwicklung der Europäischen Union haben wir nur
dann, wenn bei uns die Arbeitslosigkeit sinkt, wenn wir
auf dem Pfad des Wirtschaftswachstums bleiben und
wenn unsere Unternehmen prosperieren. Innen- und
Außenpolitik gehören an dieser Stelle sehr eng zusammen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Wenn wir vorausschauend auf unsere Präsidentschaft
blicken, müssen wir uns bewusst sein, dass in dieser Zeit
unerwartete Ereignisse eintreten können. Alle
vergangenen Präsidentschaften haben das erlebt.
Selbstverständlich haben wir für unsere Präsidentschaft dennoch
Schwerpunkte gesetzt. So wollen wir insbesondere die
wirtschafts- und sozialpolitische Zukunft Europas in
den Mittelpunkt unserer Präsidentschaft rücken. Auf
dem Frühjahrsgipfel im März 2007 wollen wir deshalbbesondere Impulse in den Bereichen geben, die für die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, für die
Beschäftigung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
und für die Entwicklung unseres Wohlstands wichtig
sind. Wir wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger
Europas natürlich nicht den Sonntagsreden trauen, sondern
dass sie sich fragen: Bringt mir diese Europäische Union
für mein eigenes Leben ein Stück Sicherheit, ein Stück
Wohlstand? Deshalb müssen wir genau die Dinge, die
damit zusammenhängen, weiterentwickeln oder neu
angehen.
Da nenne ich das Thema Bürokratieabbau – oder
„bessere Rechtsetzung“, wie das in der europäischen
Sprache heißt. Hier gibt es in der letzten Zeit einen
Mentalitätswandel und wir wollen ihn fördern. Ein Mehr an
Richtlinien bedeutet nicht in jedem Fall ein Mehr an
wirtschaftlicher Prosperität für die Europäische Union.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten der FDP)
Deshalb werden wir den deutschen Kommissar, Herrn
Verheugen, bei diesen Dingen unterstützen.
Wir werden auch eine Diskussion über die Frage der
Einführung eines Diskontinuitätsprinzips in der
Europäischen Union führen. Das hat etwas zu tun mit dem
Verhältnis der Institutionen in Europa: Kommission,
Parlament und Rat. Für uns, in einem nationalen
Parlament, ist es selbstverständlich, dass mit dem Ende einer
Legislaturperiode Gesetzentwürfe verfallen. Auf
europäischer Ebene gibt es so etwas nicht. Wir sollten darüber
reden, dass es doch nicht sein kann, dass ein neues
Parlament gewählt wird, eine neue Kommission bestellt wird,
aber das Einzige, was konstant bleibt, die nicht
bearbeitete Richtlinie ist. Das wird ein langer Prozess, das wird
nicht schnell gehen; ich weiß, welches dicke Brett wir da
bohren. Aber wir sollten darüber sprechen, weil es für
das Selbstverständnis von Parlament, Kommission und
Rat ganz wichtig ist.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten der FDP)
Die Vollendung des Binnenmarktes wird ein
weiterer Schwerpunkt sein. Wir müssen uns noch einmal
vergegenwärtigen – ich glaube, die Zahlen der Kommission
sind da sehr eindrücklich –, dass der Binnenmarkt seit
Anfang der 90er-Jahre ein Mehr von über 2,5 Millionen
Arbeitsplätzen gebracht hat. Das muss man den
Menschen immer und immer wieder sagen: Freiheitliche
Regeln im einheitlichen Binnenmarkt in der Europäischen
Union und gemeinsame Standards bringen ein Mehr an
Beschäftigung und machen uns insgesamt stärker.
Wir werden einen Schwerpunkt setzen bei Forschung
und Bildung. Das 7. Forschungsrahmenprogramm wird
während unserer Präsidentschaft starten. Das, was uns
der Bundespräsident immer wieder gesagt hat – wir
müssen so viel besser sein, wie wir teurer sind –, müssen wir
dadurch umsetzen, dass wir innovativ sind, dass wir
forschungsstark sind, dass Europa an der Spitze ist. Das
muss das Credo sein, das sich auch sich hinter dem
trockenen Ziel des Lissabonprozesses verbirgt.
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Ein weiterer Schwerpunkt wird die Energiepolitik
sein. Die Kommission wird hier eine Reihe von
Mitteilungen machen. Deshalb wollen wir beim
Frühjahrsgipfel einen Aktionsplan für eine Energiepolitik für Europa
verabschieden. Wir brauchen einen echten Binnenmarkt
für Strom und Gas. Wir wollen natürlich die
Klimaschutzziele erfüllen und müssen deshalb der
Energieeffizienz eine besondere Bedeutung beimessen. Wir wollen
die erneuerbaren Energien ausbauen. Wir wollen die
Energieforschung entwickeln. Wenn wir als Europa beim
Klimaschutz weiter eine Vorreiterrolle spielen wollen,
müssen wir auch Ziele für die Zeit nach 2012, also nach
dem Auslaufen des Kiotoprotokolls, festlegen. Eine
gemeinsame Verhandlungslinie der Europäischen Union
wäre sehr gut, gerade mit Blick auf unsere G-8-
Präsidentschaft.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Natürlich möchten wir, dass der 50. Jahrestag der
Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März zu
einem Höhepunkt unseres Ratsvorsitzes wird. Es ist
historisch beachtlich – um es ganz vorsichtig zu sagen –,
dass es 50 Jahre nach der Unterzeichnung der
Römischen Verträge möglich ist, in einem wiedervereinigten
Deutschland, in einer nicht mehr geteilten Stadt Berlin
ein Europa zu feiern, das auch die mittel- und
osteuropäischen Länder umfasst. Dafür kann man gar nicht
dankbar genug sein.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Oskar
Lafontaine [DIE LINKE])
Dieser 50. Jahrestag der Unterzeichnung der
Römischen Verträge und die Verabschiedung einer Berliner
Erklärung werden uns noch einmal daran erinnern, dass
wir natürlich ein gemeinsames Selbstverständnis und ein
gemeinsames Werteverständnis brauchen. Europa
gründet sich auf geschichtliche Erfahrungen, die wir
zusammen gemacht haben; häufig waren dies sehr leidvolle
Erfahrungen. Europa gründet sich auf dem Willen, die
Zukunft gemeinsam besser zu gestalten. Europa gründet
sich aber vor allem auf Werten, die wir alle teilen:
Freiheit und Gerechtigkeit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit
und Achtung der Menschenrechte.
(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Soziale
Bindungen!)
Nur auf der Grundlage dieser Wertegemeinschaft konnte
nach dem Zweiten Weltkrieg ein historisch neues
Miteinander von größeren und kleineren Mitgliedstaaten
entstehen. Das heißt, europäische Integration muss auch
in Zukunft wertegebunden sein.
Das führt unweigerlich zum Verfassungsvertrag.
Die Verantwortung, die wir haben, ist uns klar. Ich will
aber an dieser Stelle auch deutlich sagen: Das wird ein
Prozess sein, der während unserer Präsidentschaft nicht
beendet werden wird. Wir wissen: Nizza ist nicht genug.
Wir brauchen einen Verfassungsvertrag. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
Aber wir haben die Aufgabe, zum Ende unserer
Ratspräsidentschaft hin einen Fahrplan vorzulegen, wie es
weitergehen kann. Ich hielte es für ein historisches
Versäumnis – das will ich hier ganz klar sagen –, wenn wir
es nicht schaffen würden, bis zur nächsten Europawahl
mit der Substanz dieses Verfassungsvertrages so
umzugehen, dass wir wirklich ein Ergebnis abliefern können.
Ich werde mich während unserer Präsidentschaft
jedenfalls intensiv dafür einsetzen – das gilt auch für die
gesamte Bundesregierung –, dass auf Grundlage der
Gemeinsamkeit unserer Werte ein solcher
Verfassungsvertrag zustande kommt.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
In den Außenbeziehungen der Europäischen Union
wird uns – das spüren wir alle – immer mehr
Gemeinsamkeit abverlangt. Wir sind als Mitgliedstaat alleine gar
nicht in der Lage, den Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen und internationalen Terrorismus zu
begegnen. Deshalb tun wir das im Verbund mit unseren
Partnern in der Europäischen Union und in der NATO.
Wir müssen in unserer Präsidentschaft natürlich dafür
sorgen, dass in all den aktuellen Fällen mit einer und mit
einer starken Stimme gesprochen wird.
Ich glaube, sagen zu können, dass es in den letzten
Jahren große Fortschritte bei der europäischen Außen-
und Sicherheitspolitik gegeben hat. Die Europäische
Union hat – wenn wir uns das einmal vergegenwärtigen –
erfolgreich dazu beigetragen, die Krise in Mazedonien zu
entschärfen, in Indonesien einen Friedensprozess
einzuleiten und im Kongo einer neuen Krise vorzubeugen.
Was haben wir nicht gerade im Zusammenhang mit
dem Einsatz im Kongo über hohe Risiken diskutiert. Ich
glaube aber, dass es besser ist, über die Risiken vorher
zu diskutieren, damit sie einen nicht unerwartet treffen.
Aber ich finde, die Europäische Union hat ihren Auftrag
an dieser Stelle großartig erfüllt.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich bin froh, dass unsere Soldatinnen und Soldaten nach
Hause kommen können. Der Prozess im Kongo im
Zusammenhang mit der Wahl hat das Land ein Stück weiter
gebracht. Das heißt aber nicht, dass unser Engagement
für den Kongo jetzt aufhört. Wir werden dort weiterhin
Polizisten ausbilden. Die UNO wird sich weiterhin
engagieren. Wir haben in Bosnien-Herzegowina
Verantwortung übernommen und sind auch im Gazastreifen aktiv
tätig.
Die Europäische Union ist sich ihrer wachsenden
Verantwortung also nicht nur bewusst, sondern sie nimmt
sie auch wahr. Aber sie weiß auch: Sie ist nur Teil der
Zusammenarbeit mit der NATO und in den Vereinten
Nationen. Die Handlungsfähigkeit der Europäer muss
sich in jedem einzelnen Fall, in jeder Krise wieder neu
bewähren. Die Stabilisierung des westlichen Balkans
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkelwird dabei in den kommenden Monaten mit Sicherheit
ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein. In Serbien wird es
Wahlen geben. Wir werden danach vom
Sondergesandten Ahtisaari einen Vorschlag bekommen, wie es mit
dem Kosovo weitergeht. Wir wissen schon heute, dass
dann die größte zivile Mission im Rahmen der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik die
Entwicklung im Kosovo begleiten muss und dass es dort zu
einer völlig neuen Qualität bei der Zusammenarbeit von
Europäischer Union und NATO kommen muss.
Wir sind parallel zur Stabilisierung des Balkans
natürlich mit Afghanistan beschäftigt, mit dem
Nachbarkontinent Afrika und dessen Konflikten und vor allen Dingen
mit dem Nuklearprogramm des Irans. Wir wissen:
Deutschland und auch die Europäische Union dürfen
und werden sich nicht überheben. Deutschland kennt
seine Möglichkeiten, aber auch seine Grenzen. Wir
sollten jedoch nicht übersehen, dass wir durch die
Doppelpräsidentschaft natürlich ein zusätzliches Maß an
Verantwortung tragen.
Ich habe in den letzten Tagen mit Präsident Mubarak
und Ministerpräsident Olmert gesprochen; denn wir
wissen, dass wir gerade im Nahen Osten vor riesigen
Problemen stehen. Bei der Verabschiedung des
Libanonmandats waren wir uns alle hier einig: Die militärische
Option, die Präsenz unserer Soldaten vor der
libanesischen Küste, ist nur eine Facette des notwendigen
politischen Prozesses. So schwierig dies ist, so einig ist sich
die Bundesregierung darin, dass der Weg über eine
Belebung des Nahostquartetts führen muss. Dazu gehören
immer wieder auch ungewöhnliche Schritte, wie zum
Beispiel die Reise des Außenministers nach Syrien.
Ich sage ganz deutlich: Diese Reise war ein Risiko –
kein Zweifel. Wir wissen auch, dass durch diese Reise
Widerspruch ausgelöst wurde. Kurzfristig hat sie auch
noch nicht den Erfolg gebracht, den wir uns wünschen.
Ich sage aber auch: Diese Reise steht geradezu
symbolisch für das Verständnis der Außenpolitik der gesamten
Bundesregierung.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dieses Verständnis beinhaltet Dialogbereitschaft auch
dort, wo sie nicht selbstverständlich ist – aber immer auf
der Grundlage klarer Prinzipien und Werte.
Dialogbereitschaft und klare Prinzipien und Werte – das gehört
für uns zusammen und das wird auch weiterhin so sein.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
Dies werden wir auch im Zusammenhang mit Syrien,
mit dem Iran und mit den Konflikten in allen anderen
Ländern so handhaben.
Meine Damen und Herren, eine sechsmonatige
Präsidentschaft beinhaltet immer die Gefahr einer gewissen
Kurzatmigkeit bei der Bewältigung riesiger Aufgaben.
Deshalb finde ich es richtig, dass sich die Europäische
Union zu Dreierpräsidentschaften entschlossen hat.
Das heißt, gemeinsam mit Portugal und Slowenien
werden wir auch über die Zeit unserer Präsidentschaft hi-nausreichende Dinge planen, um eine gewisse
Kontinuität zu erreichen. Dazu wird zum Beispiel die
Vorbereitung eines EU-Afrika-Gipfels im zweiten Halbjahr des
Jahres 2007 gehören, bei dem wir Portugal unterstützen
werden.
Wir sind natürlich gut beraten, über das halbe Jahr
hinaus zu denken und über den Tellerrand Europas hinaus
zu schauen. Deshalb werden die Programme, die wir
während der EU-Präsidentschaft durchführen, und die
Arbeiten im Rahmen unserer G-8-Präsidentschaft
natürlich verknüpft. Das bedeutet ganz elementar, dass wir
unsere Partnerschaft mit den östlichen Nachbarn der EU,
zum Beispiel mit Russland, und unser Verhältnis zu
Zentralasien sowie zu China und Indien entwickeln.
Ich begrüße es außerordentlich, dass der
Bundesaußenminister die zentralasiatische Region und auch die
nordafrikanische Region besucht hat. Ich glaube, wir
müssen verstehen, dass diese Regionen auch für die
Zukunft der Europäischen Union von zentralem Interesse
sind. Wenn man sich einmal anschaut, mit welcher
Vehemenz Länder wie China heute eine sehr bewusste
Außenpolitik betreiben, dann wird klar, dass die EU gut
beraten ist, auch diese Regionen immer wieder im
Blickfeld zu haben und sich um sie zu kümmern.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
Meine Damen und Herren, auch während unserer
G-8-Präsidentschaft setzen wir einen Schwerpunkt:
Wir wollen zeigen, dass es in unserer Bundesregierung
den unbedingten Willen zur politischen Gestaltung der
Globalisierung gibt. Die Globalisierung muss fairen
Regeln verpflichtet sein. Ich sage das ausdrücklich:
Dazu gehören auch Sozial- und Umweltstandards.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD sowie des Abg. Oskar Lafontaine
[DIE LINKE])
Natürlich – das ist vielleicht unser größtes Problem –
bezweifeln viele Menschen heute, dass das überhaupt
noch gelingen kann. Ich glaube aber, wir dürfen diesen
Anspruch nie aufgeben. In der Globalisierung bedeutet
das natürlich eine Gemeinsamkeit mit vielen Partnern
auf der Welt und zum Teil auch das Bohren sehr dicker
Bretter: Wir müssen Barrieren für internationale
Investitionen abbauen, wir müssen die Kapitalmärkte
transparenter machen, wir wollen das geistige Eigentum
effektiver schützen, wir wollen die Produktpiraterie bekämpfen
und wir müssen vor allen Dingen – dazu ist die G-8-
Präsidentschaft auch geeignet – im Klimaschutz
weiterkommen, nämlich durch eine Verbesserung der
Energieeffizienz und durch eine erhöhte Sicherheit hinsichtlich der
Energieversorgung. Schließlich wollen wir während
unserer G-8-Präsidentschaft auch Afrika eine Perspektive
geben, was wir zu einem besonderen Schwerpunkt
machen werden.
Meine Damen und Herren, die Doppelpräsidentschaft
im Rat der EU und in der G 8 wird uns alle fordern.
Deshalb bitte ich bei der Umsetzung auch um die
Unterstützung aller. Die Regierung alleine kann das nicht
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkelschaffen. Es kommt deshalb auf die Zusammenarbeit
von Bundesregierung, Bundestag, sowohl mit den
Koalitionsfraktionen als auch mit den Oppositionsfraktionen,
und auf die Zusammenarbeit mit den Ländern an.
Machen wir diese Präsidentschaften zu einem
gemeinsamen nationalen Anliegen.
In diesem Jahr war die Welt für einige wunderbare
Wochen im Sommer in unserem Land wahrlich zu Gast
bei Freunden. Nächstes Jahr können wir ganz anders,
aber jeder an seinem Platz dazu beitragen, das Wachstum
und die Verantwortung in der Welt zu fördern und
Europa gemeinsam gelingen zu lassen. Denn ich glaube,
eines ist gewiss: Europa war und Europa bleibt die
Friedensidee des 20. Jahrhunderts und Europa bleibt die
Zukunftsidee des 21. Jahrhunderts. Dafür lohnt sich die
Mühe, dafür lohnt sich auch die Arbeit an
Kompromissen. Lassen Sie uns das gemeinsam anpacken. Dann
können wir etwas schaffen.
Herzlichen Dank.
(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und
der SPD)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Das Wort erhält zunächst der Kollege Dr. Guido
Westerwelle für die FDP-Fraktion.
(Beifall bei der FDP)
Dr. Guido Westerwelle (FDP):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Frau Bundeskanzlerin, Sie haben um die
Unterstützung für die wichtige EU-Ratspräsidentschaft aus dem
ganzen Hohen Haus gebeten. Sie haben ausdrücklich
nicht nur um die Unterstützung der
Koalitionsfraktionen gebeten, sondern sich auch an die Opposition
gewandt. Ich kann Ihnen jedenfalls für die liberale
Opposition in diesem Hause sagen: Wir werden Sie bei Ihrem
wichtigen Anliegen, die EU-Ratspräsidentschaft zu
einem Erfolg im Interesse unseres Landes zu führen, mit
Sicherheit unterstützen. Darauf können Sie sich
verlassen. Wir werden mit Sicherheit Ihre Arbeit begleiten,
auch kritisch, aber es gibt überhaupt keinen Zweifel
daran: Hier geht es um deutsches Interesse und nicht um
Opposition oder Koalition, meine sehr geehrten Damen
und Herren.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Wir haben mit dieser EU-Ratspräsidentschaft eine
herausragende Chance für Deutschland. Wir haben eine
herausragende Chance für Europa. Ich bin deswegen
übrigens auch ein wenig verwundert, wie wenig ausgeprägt
das Interesse seitens der Kolleginnen und Kollegen
gegenüber dieser ersten Regierungserklärung der
Bundesregierung zur EU-Ratspräsidentschaft ist.
Aber, meine Damen und Herren, wir alle wollen den
Erfolg Ihrer Präsidentschaft. Deswegen will ich zu
Beginn erst einmal darauf aufmerksam machen, dass die
bisherige Außen- und Europapolitik Ihrer Regierung ineinem wesentlichen Punkt eine wohltuende Korrektur
gegenüber der rot-grünen Regierungszeit erfahren hat.
(Beifall bei der FDP)
Meine Damen und Herren in der Bundesregierung,
Sie haben gegenüber der Vorgängerregierung zwei
Dinge korrigiert, nicht laut angekündigt, aber doch
spürbar. Es ist nicht mehr die Rede von der Achsenbildung,
es ist nicht mehr die Rede von einer Achse Paris-Berlin,
gar Moskau. Vor allen Dingen hat die Ignoranz in der
Europapolitik gegenüber den kleineren und mittleren
Staaten der Europäischen Union weitestgehend ein Ende
gefunden. Das begrüßen wir ausdrücklich. Es war immer
beste Tradition deutscher Außen- und Europapolitik,
nicht nur die Großen in Europa zu sehen, sondern auch
die kleinen und mittleren Völker in Europa als
Verbündete zu betrachten.
(Beifall bei der FDP)
Wir erinnern uns noch, wie die Regierung Schröder/
Fischer zu Beginn ihrer Amtszeit sogar mit Sanktionen
gegen unser Nachbarland Österreich arbeitete, weil dort
eine Regierungsbildung zustande kam, die aus Sicht der
rot-grünen Bundesregierung nicht gewünscht war.
Deswegen ist es wohltuend, dass die Regierung Merkel/
Steinmeier dies offensichtlich korrigiert.
Wir alle werden als Volksvertreter immer wieder in
unseren Veranstaltungen gefragt, was uns Europa bringt.
Ich kann nur das aufgreifen, was die Bundeskanzlerin im
Kern als ihre Begründung genannt hat. Selbst wenn uns
Europa nicht mehr gebracht hätte als jahrzehntelangen
Frieden für unser Land und in Europa selbst, dann hätte
sich der europäische Integrationsprozess längst
gelohnt.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Deswegen ist es richtig, dass die europäische
Erweiterung und die Erweiterung des Integrationsprozesses
– dazu zählt auch die Aufnahme von Bulgarien und
Rumänien – zunächst als Friedenschance gesehen wird.
Wann hat es das jemals in unserer Geschichte gegeben,
dass wir Deutschen gewissermaßen von Freunden und
Verbündeten umzingelt waren? Das sollten wir uns sehr
genau einprägen. Es ist ohne jeden Zweifel eine
wunderbare Entwicklung.
Andere fürchten sich vor dem Wettbewerb, der mit
dem Beitritt der ost- und südosteuropäischen Länder
einhergeht. Wer sich vor dem Wettbewerb aus Rumänien
und Bulgarien fürchtet, den müssen wir
realistischerweise darauf hinweisen, dass das erst der Anfang ist. Es
ist die Ouvertüre. Der eigentliche Wettbewerb kommt
noch auf uns zu, und zwar durch China, Indien und den
unterschätzten südamerikanischen Kontinent. Wer
meint, er könne den Wettbewerb schon innerhalb
Europas nicht bestehen, der ist augenscheinlich auch mental
nicht hinreichend für die Herausforderungen der
weltweiten Globalisierung gewappnet.
(Beifall bei der FDP)
Dr. Guido WesterwelleIn Wahrheit ist die Globalisierung eine sichere
Entwicklung. Die beste Antwort auf die Globalisierung ist
die Schaffung eines großen europäischen Binnenmarktes
und eine koordinierte europäische Außen- und
Wirtschaftspolitik. Europa ist keine weitere Bedrohung für
Deutschland, sondern unsere Antwort auf den
weltweiten Wettbewerb. Es ist in erster Linie kein Risiko,
sondern eine Chance für unser Land.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Deswegen stellt der Binnenmarkt gewissermaßen ein
Fitnessprogramm für diese Herausforderungen dar. Wir
werden uns daran gewöhnen müssen, in Deutschland
mehr über neue Chancen zu reden statt nur über Risiken.
Warum überlassen wir es zum Beispiel Österreich, eine
Investitionsbrücke nach Osteuropa zu bauen?
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Das könnte doch auch unser nationales Projekt in
Deutschland sein.
(Beifall bei der FDP)
Wenn wir über die Osterweiterung bzw. über die
Erweiterung insgesamt reden, dann ist neben all dem, was
im Zusammenhang mit Zahlungen und Finanzschlüsseln
im Laufe der nächsten Monaten ohnehin zu beraten und
vielleicht auch kontrovers zu diskutieren sein wird, eine
kritische Anmerkung zu einem von Ihnen bereits
angesprochenen Punkt erforderlich. Das Allermindeste, was
der Deutsche Bundestag hinsichtlich der EU-
Ratspräsidentschaft von der Bundesregierung erwarten kann, ist,
dass sie sich in wesentlichen Fragen der Europapolitik
– etwa in der Türkeifrage – innerhalb der Regierung
einig ist.
(Beifall bei der FDP)
Es bleibt ein einmaliger Vorgang, dass der deutsche
Außenminister die eigene Bundeskanzlerin in der
Türkeipolitik öffentlich per Interview zur Ordnung ruft und
anschließend der Vorsitzende der Unionsfraktion
wiederum Herrn Steinmeier kritisiert. So etwas verletzt die
goldene Regel der deutschen Europa- und Außenpolitik.
In Wahrheit sind Sie sich nicht einig. Dabei sollte
man von Ihnen Einigkeit erwarten können. Sie
schwächen mit der Uneinigkeit in der Türkeifrage auch die
europäische Verhandlungsposition gegenüber der Türkei.
(Beifall bei der FDP)
Denn es ist völlig klar, dass das Ankaraprotokoll
umgesetzt werden muss. Klar ist auch, dass niemand Mitglied
der Europäischen Union werden kann, der nicht
wenigstens alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union vorher
anerkannt hat. Das kann nicht anders gesehen werden.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Sie haben darauf aufmerksam gemacht, dass man
Europa nur glaubwürdig führen kann, wenn man selber
führend ist. Ich kann bei all dem, was Sie sich in Europa
– zu Recht – vornehmen, nur an Sie appellieren, Ihre
Hausaufgaben in der Innenpolitik nicht zu
vernachlässigen. Die Tatsache, dass wir nun eine konjunkturelle Auf-hellung erleben, darf Sie nicht dazu bewegen, vom Kurs
der strukturellen Reformen in Deutschland abzugehen;
denn in Wahrheit ist die Lage im Vergleich zu anderen
europäischen Ländern noch immer nicht komfortabel,
was allein ein Blick auf die Arbeitslosenstatistik und das
Wirtschaftswachstum zeigt.
Sie haben die Energiepolitik in den Mittelpunkt
gestellt. Das ist klug; denn die Energiepolitik ist eine
Schicksalsfrage nicht nur für Deutschland, sondern
gerade für das hoch entwickelte Europa insgesamt. Aber
dann muss man von Ihnen erwarten, dass Sie in der
Energiepolitik auch gegenüber solchen Ländern in
Europa gesprächsbereit sind, die nicht den törichten
Ausstiegskurs bei der Kernenergie mitmachen wollen.
(Beifall bei der FDP)
Weil in Ihrer letzten Regierungserklärung zu Recht von
den Herausforderungen die Rede war, die durch den
Klimawandel auf uns zukommen: Es ist ein Fehler, wenn
sich Deutschland in der Energiepolitik verhält wie der
berühmte Geisterfahrer auf der Autobahn. Alle anderen
Länder investieren in die nukleare Kerntechnologie und
entwickeln sie weiter, während wir aussteigen wollen.
Das ist die falsche Antwort. Wir müssen vielmehr bei
den Energietechnologien durch einen Mix aus
regenerativen und konventionellen Energien sowie der
Kernenergie Spitze sein. Wer das ignoriert, der schadet dem
Klima; denn die CO2-Emissionen können in erster Linie
durch den Einsatz der Kernenergie reduziert werden.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Frau Bundeskanzlerin, im Forschungsbereich,
insbesondere bei der Bio- und der Gentechnologie, ist es nicht
klug – Sie haben in der begrenzten Zeit Ihrer
Regierungserklärung dazu nicht so viel ausführen können; das
ist verständlich –, wenn wir Deutschen beispielsweise
bei der Stammzellforschung in Europa auf der Bremse
stehen, anstatt die Chancen für neue Medikamente und
neue Technologien für unser Land zu begreifen. Es ist
nicht etwa das böse Europa, das uns in der
Energiepolitik oder in der Forschungspolitik behindert. In Wahrheit
stehen wir in Deutschland auf der Bremse. Wir sind
diejenigen, die den europäischen Fortschritt behindern.
Deswegen sage ich zu denjenigen, die immer davon
reden, dass uns Europa nur Bürokratie bringt: In Wahrheit
hat die Bundesregierung – beispielsweise beim
Antidiskriminierungsgesetz – bei dem, was aus Europa
gekommen ist, noch eines draufgesetzt.
(Beifall bei der FDP)
Klagen wir also nicht über Europa, sondern machen wir
unsere Arbeit in Deutschland!
Sie haben mit der bevorstehenden Präsidentschaft im
Rat der Europäischen Union eine große Chance. Es ist
eine Chance nicht nur für die Regierung, sondern für
unser Land. Weil wir uns alle für unser Land
verantwortlich fühlen, werden wir, die Opposition, Sie bei der EU-
Ratspräsidentschaft nach besten Kräften und im Rahmen
unserer Möglichkeiten unterstützen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich erteile das Wort dem Kollegen Hans Eichel, SPD-
Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Hans Eichel (SPD):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! EU-Ratspräsidentschaft und G-8-
Präsidentschaft im nächsten Jahr sind eine große
Herausforderung. Dabei ist die Regierung gerade ein Jahr im Amt.
Ich erinnere mich, dass das bei Rot-Grün noch ein
bisschen knapper war. Die Regierung war erst ein Vierteljahr
im Amt, als sie diese Doppelpräsidentschaft zu schultern
hatte. Frau Bundeskanzlerin, das geschieht in einer Zeit,
in der die europäische Lage – das kann Vorteile, aber
auch Nachteile haben – durchaus unübersichtlicher ist.
Es ist nicht erkennbar, wer von den großen Staaten von
sich aus eine Führungsrolle in der Europäischen Union
übernehmen könnte. Es ist erfreulich, dass Italien nach
einer Reihe von Jahren unter Berlusconi, als es
europäisch eine Nullnummer war, in die Mitte der
europäischen Politik zurückgekehrt ist, obwohl Italien noch eine
Reihe innerstaatlicher Probleme zu bewältigen hat.
(Beifall bei der SPD)
Herr Westerwelle, es hat nie eine Achse Paris-Berlin-
Moskau gegeben, es war nicht einmal die Rede davon,
vielmehr hat es über längere Zeit – das gilt zurzeit nicht;
das bedauere ich; das liegt nicht an Deutschland – einen
relativ starken französisch-deutschen Motor in der
europäischen Integration gegeben.
(Beifall bei der SPD)
Ich glaube nach wie vor, dass es gut wäre, nicht um
andere auszuschließen, aber um Einigungen möglich zu
machen – hier kann ich nur auf das hinweisen, was Jean-
Claude Juncker des Öfteren zu diesem Thema gesagt hat –,
wenn es einen Gleichklang zwischen Paris und Berlin in
zentralen Fragen der Europapolitik gäbe.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der LINKEN)
Deutschland – das ist ein großer Vorteil – ist den
Makel, den Stabilitätspakt nicht einhalten zu können, los.
Das verbessert – hier hat die Bundeskanzlerin Recht –
natürlich unsere Position in dieser Situation.
Anders, Herr Westerwelle, als Sie sagen, ist
inzwischen die deutsche Wirtschaft, was das Wachstum
betrifft, mit an der Spitze in der Eurozone und der
Europäischen Union. Das kommt daher, weil anders als andere
in den letzten Jahren die deutsche Wirtschaft, aber auch
die deutsche Politik eine Fülle von Entscheidungen
getroffen hat, die es jetzt möglich machen, die
weltwirtschaftlichen großen Chancen voll zu nutzen und in
Europa nachhaltig nach vorne zu gehen, wenn uns nicht
externe Probleme, die wir nicht beeinflussen können,
wieder zurückwerfen.
(Beifall bei der SPD)
Es war sowohl die Vorgängerregierung als auch die
große Koalition, die im ersten Jahr ihres Bestehens inder Wirtschafts- und Finanzpolitik durchgängig die
richtigen Entscheidungen getroffen hat. Das ist eine gute
Basis für die EU-Ratspräsidentschaft; denn die
Erwartungen sind hoch.
Das kommt auch daher, weil Sie, Frau
Bundeskanzlerin – das bestreitet niemand –, kurz nach der
Amtsübernahme geholfen haben, eine sehr schwierige Aufgabe in
Europa, nämlich die Finanzielle Vorausschau von 2007
bis 2013, zu lösen. Aber ich sage ausdrücklich – das
müssen wir auch unseren europäischen Partnern sagen –:
Die Erwartungen könnten auch zu hoch sein, denn es
geht – hier haben Sie Recht, Frau Bundeskanzlerin –
künftig in Europa in zentralen Fragen nur gemeinsam,
mit allen 27, voran oder es geht gar nicht voran. Wir sind
in vielen Fragen, anders als wir es im
Verfassungsprozess gewollt haben, in der Situation, dass
Entscheidungen nur einstimmig getroffen werden können. Wir
erleben es ja dieser Tage – ich will das im Moment gar nicht
kritisieren –, es wird sich zeigen, ob am polnischen Veto
die Aufnahme der Verhandlungen mit Russland über ein
Partnerschafts- und Kooperationsabkommen scheitert
oder nicht, ob angesichts der zyprischen Politik die
weiteren Verhandlungen – das ist Gott sei Dank zurzeit
abgebogen worden, auch Zypern hat das begriffen – mit
der Türkei abgebrochen werden oder nicht. Da zeigt sich
plötzlich, dass in diesem Europa auch ganz kleine
Mitglieder eine ganz große Rolle spielen können. Deswegen
ist die Behauptung falsch, Herr Westerwelle, dass sich
die Vorgängerregierung nicht um die Kleinen bemüht
habe. Ich weiß, wie oft der Bundeskanzler und ich als
Finanzminister in den Nachbarstaaten der
Bundesrepublik, und zwar auch in den kleinen Nachbarstaaten,
gewesen sind. Es gab nämlich einen sehr klugen Satz einer
hochrangigen Beamtin in diesem Hause, der lautete:
Schaff dir deine Freunde, bevor du sie brauchst; wir
brauchen sie alle. – Das ist völlig richtig.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Aber, meine Damen und Herren, alle müssen ihren
Beitrag dazu leisten. Damit sind wir bei dem nächsten
schwierigen Thema, nämlich dem Verfassungsprozess.
Frau Bundeskanzlerin, Sie haben sich ein hohes Ziel
gesteckt, nämlich vor der Europawahl 2009
klarzumachen, wie es mit der Verfassung weitergeht, und zwar
gemeinsam, sodass dann die Wähler in Europa wissen, wie
und unter welchen Bedingungen künftig Europa weiter
gestaltet wird, weil es mit den jetzigen Regeln – darüber
sind sich ja im Grunde alle einig – wohl auf Dauer nicht
gehen kann. Das, meine Damen und Herren, bedeutet,
dass alle mitmachen müssen. Bis heute haben 18 Länder
Ja und zwei Länder Nein gesagt. Offen stehen bislang
noch die Voten von sieben Ländern. Ich muss übrigens
darauf hinweisen, dass von den 18 Ländern, die Ja
gesagt haben, sieben Länder das in Kenntnis der negativen
Voten von Frankreich und den Niederlanden getan
haben. Es ist also nicht so, dass der Ratifizierungsprozess
danach abgebrochen worden wäre. Alle müssen ihren
Beitrag leisten. Deswegen muss man denjenigen, die
Nein gesagt haben, auch sagen: Ihr müsst zur Kenntnis
nehmen, dass zwei Drittel der Länder Ja gesagt haben,
Hans Eichelund zwar die Hälfte davon in Kenntnis eures negativen
Votums.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Es ist auch wahr, dass es in Irland und Dänemark
zwei Voten gegeben hat. In diesen Ländern ist dieselbe
Frage nach dem ersten, negativen Referendum noch
einmal gestellt und dann beim zweiten Referendum positiv
beantwortet worden. Ich sage nicht, dass das die Lösung
sein wird, aber ich denke schon, dass diejenigen, die
Nein gesagt haben – das ist ein kleine Minderheit –, das
in ihre eigenen Erwägungen einbeziehen müssen. Hier
gilt in der Tat: Entweder machen alle mit oder es kommt
nicht zustande. Das ist die Voraussetzung für den Erfolg.
An dem Willen der deutschen Präsidentschaft fehlt es
ganz gewiss nicht. Es darf aber auch nicht an dem Willen
jedes einzelnen anderen fehlen.
Sie, Frau Bundeskanzlerin, haben in der
Regierungserklärung das europäische Wirtschafts- und
Sozialmodell als einen Schwerpunkt der deutschen
Präsidentschaft angesprochen. Zum Sozialmodell wird nachher
mein Kollege Axel Schäfer einiges sagen. Ich will mich
auf die wirtschaftliche Seite konzentrieren. Ja, wir
wollen ein wettbewerbsfähiges Europa, aber
Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Zusammenhalt gehören für uns und
auch für diejenigen, die die Lissabonstrategie erdacht
haben, untrennbar zusammen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Wettbewerb treibt uns nicht auseinander, sondern macht
uns gemeinsam stärker und gibt uns die Fähigkeit, auch
die Schwächeren mitzunehmen. Das ist die Zielsetzung.
Nun führen wir in der Tat eine sehr kritische Diskussion
in Europa über die Koordinierung der Wirtschafts- und
Finanzpolitik, insbesondere ausgehend von Frankreich.
Das wird uns im nächsten Halbjahr auch in der
deutschen Präsidentschaft erreichen. Dazu muss man einige
Takte sagen:
Erstens. Die Lissabonstrategie war am Anfang zu
sehr zerfasert. Sie ist inzwischen auf vier Themen
konzentriert. Das ist richtig so. Diese sind: Wachstum und
Beschäftigung, Innovation, bessere Rechtsetzung und
Energiepolitik. Man muss an dieser Stelle klarmachen,
dass die Lissabonstrategie, die Europa zu der
wettbewerbsfähigsten Region der Welt machen will – ein sehr
hohes Ziel –, fundamental auf der Solidarität der Staaten
aufbaut. Darauf baut Europa überhaupt auf. Das bedeutet
auch, dass die Reicheren für die Ärmeren in Europa
einstehen. Dies hat Konsequenzen, die wir klarmachen
müssen. Es geht bei der Lissabonstrategie nicht um den
Wettbewerb der Staaten, sondern es geht um den
Wettbewerb der Unternehmen. Es geht darum, dass wir alle
vorangehen. Dann können wir in der Tat sehen, wer der
Bessere ist, dann können wir beispielsweise sehen, dass
wir die beste Familienpolitik machen, die besten
Schulen und Hochschulen haben und dass wir die besten
Forschungsergebnisse und die beste Umsetzung dieser
Ergebnisse in neue Produkte erzielen.
(Beifall bei der SPD)Darum geht es, aber nicht darum, dass der eine
Arbeitnehmer dem anderen Arbeitnehmer – das betraf die
Dienstleistungsrichtlinie – zum Beispiel durch
Sozialdumping schadet. Es geht auch nicht darum, dass der
eine Staat dem anderen Staat durch Steuerdumping das
Steuersubstrat entzieht. Deswegen sind wir
nachdrücklich für eine gemeinsame Besteuerungsgrundlage bei
den Unternehmen.
(Beifall bei der SPD)
Ich sage auch ausdrücklich: In der weiteren Entwicklung
kann ich mir einen gemeinsamen Markt mit 27
unterschiedlichen Steuersystemen und mit 27 völlig
unterschiedlichen Sozialsystemen nicht vorstellen.
(Beifall bei der SPD)
Dann ist die Freiheit der Betriebe und die Freiheit der
Menschen nicht gewährleistet.
(Beifall bei der SPD)
Sie müssen in Europa perspektivisch und bei gleich
guter Entwicklung der Staaten auch gleiche Chancen
vorfinden.
Zweitens. Wir müssen die Strategien
zusammenfassen. Es kann nicht sein, dass die Nachhaltigkeitsstrategie
von Lissabon und der Stabilitäts- und Wachstumspakt
unverbunden und zum Teil widersprüchlich
nebeneinander stehen. Das müssen die wirtschaftspolitischen
Leitlinien leisten. Wir haben die Instrumente in Europa und
wir haben die Gremien. Das sage ich unseren
französischen Freunden. Die entscheidende Frage ist, ob die
nationalen Staaten und Regierungen bereit sind, die
europäische Koordinierung in ihr jeweiliges nationales
Handeln umzusetzen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Daraus ergibt sich der europäische Mehrwert, zum
Beispiel die gemeinsamen Anstrengungen im Bereich
Forschung und Entwicklung, die ein zentrales Element der
Lissabonstrategie darstellen.
Drittens: Energiepolitik und Klimaschutz. Europa
muss dabei auch für die Zeit nach 2012 eine führende
Rolle spielen. Aufgrund der Tatsachen, dass wir erstens
besonders stark vom Import abhängig sind – jetzt
50 Prozent, in der Perspektive 70 Prozent unserer
Energie werden importierte Energie sein – und zweitens die
fossilen Energieträger zur Neige gehen, stehen wir vor
riesigen Herausforderungen. Die erste Herausforderung
haben wir im Innern zu bewältigen. Da ist die
allerwichtigste Aufgabe mehr Energieeffizienz. Mit Blick darauf
müssen wir riesigen Druck machen. Das muss eine
gemeinsame europäische Anstrengung sein. Europa muss
an dieser Stelle Vorbild sein und anderen zeigen, wie es
geht.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Die zweite Herausforderung liegt in der Nutzung der
regenerativen Energien und dem gemeinsamen
Binnenmarkt für Gas und Strom. Darüber wird im Einzelnen
noch zu reden sein. Das bedeutet ausdrücklich auch
Wettbewerb. Deswegen muss es möglich sein – das will
Hans Eichelder Bundeswirtschaftsminister, aber auch die
Kommission –, darüber zu einem gemeinsamen Ergebnis
zwischen der Bundesregierung und der Kommission zu
kommen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, das hat auch
Konsequenzen nach außen. Wir müssen unsere Bezugsquellen
diversifizieren: Russland, Norwegen, Nordafrika, der
Nahe Osten und auch Zentralasien. Das Thema
Energiepolitik ist zu Recht ein zentrales Element der
Außenpolitik. Wir müssen die Beziehungen auf eine sichere Basis
stellen. Dazu brauchen wir unter anderem das
Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Russland.
Natürlich ist uns nicht egal, wie Russland sich im Innern
entwickelt; das ist wohl wahr. Aber wir müssen auch
feststellen, dass Russland immer, die ganzen Jahrzehnte
über, ein verlässlicher Partner in der Energiepolitik, bei
der Energielieferung war. Zu keiner Zeit haben wir
etwas anderes erlebt.
(Markus Löning [FDP]: Das sieht die Ukraine
aber anders!)
Wir wollen, dass die Prinzipien der Energiecharta
auch in das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen
aufgenommen werden. Ich denke, es ist vernünftig, eine
Verflechtung zwischen Russland und der
Westeuropäischen Union auch bei der Energieversorgung
herbeizuführen. Wir haben viel an Know-how und Kapital zu
bieten, das die Russen für ihre Energiepolitik brauchen. Das
muss auch umgekehrt gelten; eine solche Verflechtung
kann nie einseitig sein, sondern muss in beide
Richtungen gelten.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Was Polen betrifft, müssen wir diesem Land
garantieren, dass es seine Gaslieferung, wenn nicht vom Osten,
vom Westen bekommt. Das kann überhaupt nicht streitig
sein. Ich hoffe, dass die finnische Präsidentschaft es
noch schafft, das Problem zu lösen. Denn, meine Damen
und Herren, auch das muss man den Polen sagen: Das
Energiethema ist für uns alle zu wichtig, als dass diese
Frage durch das Veto eines einzelnen Landes über
längere Zeit verzögert werden könnte. Auch das muss klar
sein.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Zum Schluss: Frau Bundeskanzlerin, Sie und das
ganze Kabinett – und alle anderen wollen sicher gerne
helfen – haben mit der Doppelpräsidentschaft eine
riesige Aufgabe vor sich. Ich wünsche Ihnen dazu alles
Gute und sage ganz ausdrücklich: Die Unterstützung
ganz gewiss der SPD-Fraktion, aber nicht nur dieser,
werden Sie bei dieser Aufgabe haben.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Nächster Redner ist der Kollege Oskar Lafontaine für
die Fraktion Die Linke.(Beifall bei der LINKEN)
Oskar Lafontaine (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Die Linke will ein demokratisches und soziales
Europa.
(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Ein
sozialistisches!)
Der Forderung nach einem demokratischen und sozialen
Europa wird wahrscheinlich jeder in diesem Hause
zustimmen. Wenn ich aber sage, ohne ein soziales Europa
gibt es kein demokratisches Europa, dann werden sich
die Geister in diesem Hause scheiden.
(Beifall bei der LINKEN)
Beginnen wir mit der Demokratie. Es ist öfter über
den so genannten Ratifizierungsprozess gesprochen
worden. Aber noch keiner hat die Frage gestellt, wie denn
eigentlich die Verfassung in Europa verabschiedet werden
soll. Ich sage in aller Klarheit, dass für uns nicht so sehr
die Frage im Vordergrund steht, wie viele Länder sich
wie entschieden haben, sondern die Frage, ob die
Bevölkerung an dem Verfassungsprozess beteiligt worden ist.
Ich meine, wenn man ein demokratisches Europa will,
dann sollte man zumindest bei der Verfassung eine
Volksabstimmung fordern; denn ohne Volksabstimmung
gibt es kein demokratisches Europa.
(Beifall bei der LINKEN)
Das gilt im Übrigen nicht nur für den
Verfassungsprozess, sondern im Wesentlichen für alle Entscheidungen,
die in den letzten Jahren getroffen worden sind, ob das
die Einführung des Euro, der Vertrag von Maastricht
oder die Osterweiterung war. Meine Damen und Herren,
wir sind der festen Überzeugung, dass man ein
demokratisches Europa nicht undemokratisch bauen kann, indem
man ständig über die Köpfe der Bevölkerung hinweg
entscheidet.
(Beifall bei der LINKEN)
Nun muss der Zusammenhang zwischen einem
sozialen und einem demokratischen Europa nicht unmittelbar
einsichtig sein. In dem Verfassungsentwurf wird die
attische Demokratie angesprochen. Ich zitiere Perikles, auf
den im Verfassungsentwurf konkret Bezug genommen
wird:
Der Name, mit dem wir unsere politische Ordnung
bezeichnen, heißt Demokratie, weil die
Angelegenheiten nicht im Interesse weniger, sondern der
Mehrheit gehandhabt werden.
Wenn wir also ein demokratisches Europa bauen
wollen, dann müssen wir die Verfassung so gestalten, dass
die Interessen der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger
berücksichtigt werden und nicht die Interessen der
Wirtschaft und im Wesentlichen der Großkonzerne, wie das
in den letzten Jahren geschehen ist.
(Beifall bei der LINKEN)
Der eine oder andere wird nun sagen, das sei einfach
nur dahergesagt und nicht begründbar. Ich möchte ganz
Oskar Lafontainedeutlich sagen, dass diese Regierung aufgrund ihrer
Politik nicht daran mitwirkt, ein soziales und damit ein
demokratisches Europa zu bauen. Darüber muss geredet
werden.
Es gibt in Europa drei Fehlentwicklungen, die dazu
geführt haben, dass immer mehr Menschen diesen
Einigungsprozess ablehnen und weiterhin ablehnen werden,
wenn er wie bisher gestaltet wird. Wir sollten darauf
eingehen. Diese drei Fehlentwicklungen kann man
bezeichnen mit Lohndumping, Sozialdumping und
Steuerdumping. Wenn man auf diesem Wege weiter voranschreitet,
dann wird man kein soziales und damit kein
demokratisches Europa bauen können.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich beginne mit dem Lohndumping. Hier spielt
Deutschland eine wirklich verheerende Rolle. Die
letzten veröffentlichten Zahlen, die jedem zugänglich sind,
haben gezeigt, dass die Tarifabschlüsse und die
Lohnentwicklung in Deutschland – das muss man
unterscheiden – im Vergleich mit allen übrigen europäischen
Staaten so nachteilig für die Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer sind, dass die Währungsunion wirklich
gefährdet ist. Ich will an dieser Stelle deutlich sagen:
Unsere Dumpingpolitik, die durch immer niedrigere
Lohnabschlüsse und durch die fortwährende relative
Senkung der Lohnstückkosten gekennzeichnet ist, führt
in anderen europäischen Hauptstädten zu Diskussionen.
Auf diese Art und Weise baut man kein gemeinsames
Europa, sondern man macht eine Dumpingkonkurrenz
auf, die zulasten der abhängig Beschäftigten geht. Das
kann kein soziales Europa in unserem Sinne sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Wenn man die Lohnkonkurrenz, die das
Lohndumping letztendlich verursacht, bremsen wollte, dann
brauchte man einen Mindestlohn. Wenn Sie Europa
wirklich gemeinsam bauen wollen, dann müssen Sie sich
der Mehrheit der europäischen Staaten anschließen, die
bereits einen Mindestlohn eingeführt haben. Gerade wir
in Deutschland brauchen diesen Mindestlohn.
(Beifall bei der LINKEN)
Das Sozialdumping ist ebenfalls seit einer ganzen
Reihe von Jahren Mode geworden und insbesondere
durch uns befördert worden, was den luxemburgischen
Ministerpräsidenten veranlasste, mit Blick auf die
Diskussion innerhalb der so genannten Christdemokraten zu
sagen: Europa kann man nicht bauen, wenn man einen
Wettbewerb veranstaltet, wer Arbeitnehmerrechte,
insbesondere den Kündigungsschutz, am schnellsten
abbaut. – Es wäre gut, wenn sich solche Einsichten auch
einmal in der CDU/CSU-Fraktion durchsetzen würden.
(Beifall bei der LINKEN)
Neben Lohndumping und Sozialdumping haben wir
Steuerdumping. Es ist aber nicht so – der Kollege
Eichel hat dies so dargestellt –, dass wir die unschuldigen
Opfer dieser Entwicklung sind. Ich würde das zwar
gerne feststellen, aber die Zahlen sagen etwas anderes:
Unsere Steuerquote wird gerade noch von der eines
kleinen Staates unterboten. Ansonsten liegen wir
hinsichtlich der Steuerquote ganz unten in Europa. Wir stoßendas Steuerdumping in Europa an; wir nötigen sozusagen
durch unsere verfehlte Politik die anderen europäischen
Staaten zum Abbau von Sozialleistungen und von
öffentlicher Leistung.
(Beifall bei der LINKEN)
Wenn Sie sich die Unternehmensteuern anschauen
– Sie planen eine weitere Entlastung in
Milliardenhöhe –, dann werden Sie feststellen, dass wir zu den
Ländern gehören, die immer wieder im so genannten
Standortwettbewerb dafür Sorge tragen, dass die
Unternehmensteuern nach unten gehen. Das hat zur
Konsequenz, dass die Steuern und Abgaben für die
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach oben gehen. Dieses
Europa wollen wir nicht; wir lehnen es ab. Sie aber
bringen es immer stärker auf den Weg.
(Beifall bei der LINKEN)
Sie sind keinen Argumenten zugänglich. Schauen Sie
sich doch einmal die Lohnentwicklung und die
Steuerquote an. Unsere Steuer- und Abgabenquote liegt bei
34 Prozent. In Europa liegt sie bei durchschnittlich
40 Prozent. Das ist eine Differenz von 130 Milliarden
Euro. Ich sage es noch einmal: Wenn wir die Steuer- und
Abgabenquote des europäischen Durchschnitts hätten,
wäre keine einzige der umstrittenen Maßnahmen zum
Sozialabbau in den letzten Jahren notwendig gewesen.
So traurig ist die Wirklichkeit.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich komme zum letzten Punkt, zur Außenpolitik. Ich
habe sehr erfreut gehört, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin,
besondere Initiativen im Nahen Osten ergreifen wollen.
Aber die Frage ist doch: mit welcher Stoßrichtung? Es
gehört, wenn wir über Europa sprechen, dazu, sich in
Erinnerung zu rufen, dass der Kontinent eine koloniale
Tradition hat, und zwar angefangen von Südamerika
bzw. den Conquistadores bis hin zu der Rolle
verschiedener Länder – auch Deutschlands – in Afrika und jetzt
im Vorderen Orient. Diese koloniale Tradition ist nicht
zu Ende. Es ist nun einmal so, dass es im Vorderen
Orient letztendlich nicht um Freiheit und Demokratie
geht, sondern dass dort, wie beispielsweise John F. Kerry
im letzten Präsidentschaftswahlkampf wörtlich
formuliert hat, amerikanische Soldaten wegen des Öls sterben.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Aber eine Außenpolitik, die auf Rohstoffimperialismus
fußt, kann niemals zum Weltfrieden beitragen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir sind am
Irakkrieg beteiligt. Man kann natürlich darüber lachen,
dass man das Völkerrecht bricht und an einem solchen
Krieg beteiligt ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat
festgestellt, dass wir an diesem Krieg beteiligt sind, weil
wir die Nutzung deutscher Flughäfen ermöglichen,
Infrastruktur bereitstellen, Geleitschiffe entsandt haben
usw. usf.
(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Herr
Präsident, bei welchem Thema sind wir?)
Oskar LafontaineFrau Bundeskanzlerin, wir hätten gerne von Ihnen
gehört, ob Sie im Vorderen Orient weiter Außenpolitik in
dieser Tradition betreiben wollen oder ob Sie sich
endlich von einer verfehlten Außenpolitik lösen wollen, die
auf imperialen Zielen aufbaut und deshalb niemals im
Nahen Osten zu Frieden führen kann.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Man kann die Tatsachen, die Lohnentwicklung, die
Entwicklung der Sozialsysteme, die Entwicklung der
Steuersysteme und die Ergebnisse einer völlig verfehlten
Außenpolitik, ignorieren. Wir stimmen zu, dass Europa
einen besonderen Auftrag hat. Die besondere Aufgabe
besteht darin, ein Europa zu schaffen, das sozial und
demokratisch ist und dem Frieden dient.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Das Wort erhält nun der Kollege Dr. Peter Ramsauer,
CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Peter Ramsauer (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon
interessant, Herr Kollege Lafontaine, Ihnen zuzuhören.
(Beifall des Abg. Dr. Diether Dehm [DIE
LINKE])
– Ja, es ist interessant; aber gleich werden Sie nicht mehr
klatschen. – Lieber Herr Kollege Lafontaine, Sie sitzen
mit den Nachfolgern von Sozialisten und Kommunisten
in einem Fraktionsboot
(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Sie doch
auch!)
und kommen uns mit Belehrungen über Demokratie in
Deutschland und Europa.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der FDP – Oskar Lafontaine [DIE
LINKE]: Heuchler! Wie viele Blockflöten
habt ihr denn?)
Ich möchte Ihnen etwas ins Stammbuch schreiben, was
der Kollege Westerwelle vorhin vollkommen richtig
gesagt hat: Sie haben nicht kapiert, dass es hier nicht um
die Koalition oder die Opposition geht, sondern um
deutsche und europäische Interessen und darum, dass
Europa eine gute Zukunft in der Welt hat.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Noch etwas gehört gesagt – wenn ich an Ihre Person,
Herr Lafontaine, anknüpfen darf –: Wenn Leute wie Sie,
Herr Lafontaine, die wie sonst niemand die deutsche
Wiedervereinigung bekämpft haben, in Deutschland die
politische Oberhand behalten hätten, dann wären wir mit
der europäischen Einigung nicht da, wo wir heute Gott
sei Dank sind. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Beifall bei der FDP)
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Sie haben uns
allen in einer großartigen Regierungserklärung
(Lachen bei der LINKEN)
Mut gemacht in Bezug auf das, was wir im kommenden
Halbjahr während der deutschen Präsidentschaft für
Europa und Deutschland bewegen wollen.
(Oskar Lafontaine [DIE LINKE]: Wie viele
Blockflöten habt ihr denn?)
Sie haben gesagt: „Europa gelingt gemeinsam.“ Ich füge
hinzu: Es gelingt gemeinsam, wenn wir den Menschen
Vertrauen und Verlässlichkeit als Grundlage eines
gelingenden Europas vermitteln können.
(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Fangen Sie
mal an!)
Dass wir daran arbeiten müssen, lehren uns die
Erfahrungen, die wir mit dem europäischen
Verfassungsvertrag gemacht haben. Die Bürgerinnen und Bürger in
Frankreich und Holland haben in den jeweiligen
Referenden nicht etwa deshalb Nein zum Verfassungsvertrag
gesagt, weil sie den Entwurf von der ersten bis zur
letzten Seite durchstudiert haben.
(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Doch! In
Frankreich lag das auf jedem Schreibtisch! –
Weitere Zurufe von der LINKEN)
Sie haben deshalb Nein gesagt, weil sie ein mulmiges
Gefühl hatten, weil Vertrauen und Verlässlichkeit nicht
gewährleistet waren, weil für sie Europa nicht mit einer
glänzenden und guten Zukunft verbunden war, sie
keinen Nutzen für den einzelnen Bürger sahen, wie Sie es,
Frau Bundeskanzlerin, angesprochen haben, und sie die
Europäische Union mit ausufernden Bürokratismen,
Unübersehbarkeiten und mit der unbeantworteten Frage in
Zusammenhang gebracht haben, wie weit die
Europäische Union eines Tages gehen wird, wo die Grenzen
festgelegt werden. Das sind Fragen, mit denen wir uns
konstruktiv auseinander setzen müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dazu gehört auch die Frage, was mit der von uns vor
wenigen Wochen im Deutschen Bundestag im
Zusammenhang mit dem Beitritt Bulgariens und Rumäniens
gestellten Forderung geschieht. Wir als Deutscher
Bundestag haben Ja zum Beitritt dieser beiden Länder zum
1. Januar des kommenden Jahres gesagt. Aber wir haben
auch klare Bedingungen formuliert. Ich möchte einen
entscheidenden Satz aus der Entschließung vorlesen.
Wir haben beschlossen:
Der Deutsche Bundestag … hält vom Beginn des
Beitritts an Schutzmaßnahmen für erforderlich,
sollten die von der Kommission genannten Defizite
nicht bis zum 1. Januar 2007 beseitigt sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich kann nur sagen: Wir meinen das ernst.
Dr. Peter RamsauerIch bedanke mich bei Ihnen, Frau Bundeskanzlerin,
dass Sie dies gleich danach in einem Brief dem
Präsidenten der Europäischen Kommission, Barroso, mitgeteilt
haben. Wir sind alle auf die Antwort gespannt. Ich
möchte mir das ganz genau ansehen. Barroso muss
natürlich dazu Stellung nehmen, ob die Beitrittskriterien
jetzt erfüllt sind oder nicht. Wenn in dem Antwortbrief
festgestellt wird, dass die Beitrittskriterien erfüllt sind,
dann ist es gut. Wenn aber in ihm steht, dass die
Beitrittskriterien nicht erfüllt sind, dann müssen nach
unserer Auffassung diese Schutzmechanismen aktiviert
werden. Wenn Barroso sagen sollte, dass die Kommission
die Schutzmechanismen trotzdem nicht einleitet, dann
riskiert die Kommission ein Vertrauenszerwürfnis
zwischen ihr auf der einen Seite und dem Deutschen
Bundestag auf der anderen Seite.
(Beifall bei der CDU/CSU – Klaus Uwe Benneter
[SPD]: Das ist reine Spekulation!)
Wir müssen hier eine klare Sprache sprechen, wenn wir
uns selbst ernst nehmen wollen und wenn wir den
Bürgern in Europa Vertrauen und Verlässlichkeit vermitteln
wollen.
Etwas Ähnliches gilt für die Türkei. Auch die Türkei
muss wissen, dass wir auf der Grundlage von Vertrauen
und Verlässlichkeit handeln. Die Türkei muss sich auf
das Verhandlungsgebaren der Europäischen Union
verlassen können.
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Das ist ein
Versprechen seit 40 Jahren!)
– Das, was ich hier sage, haben wir bei allen so gehalten,
die, von den ursprünglichen sechs abgesehen, der EU
beigetreten sind.
Wenn ich Bulgarien und Rumänien hinzunehme, sind
es 21 Länder, die beigetreten sind. Sie alle haben das
Rechtsstatut, den so genannten Acquis communautaire,
immer eingehalten bzw. es gab gewisse festgelegte
Übergangsfristen.
Natürlich muss sich auch die Türkei als verlässlicher
und vertrauenswürdiger Verhandlungspartner erweisen
und die Zusagen einhalten, die sie gegeben hat.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich bin deshalb froh, dass die Außenminister am
vergangenen Montag konsequent Schlussfolgerungen daraus
gezogen haben, dass das Ankaraprotokoll, zu dessen
Einhaltung sich die Türkei verpflichtet hat – das hat die
Frau Bundeskanzlerin ausgeführt –, nicht erfüllt worden
ist. Die Konsequenzen, die die Außenminister
beschlossen haben, sind aus unserer Sicht das Mindeste, was als
Antwort erforderlich war.
Noch einmal zur Klarstellung: Die Erfüllung des
Ankaraprotokolls allein reicht noch nicht für eine
Vollmitgliedschaft. Klarer ausgedrückt: Ohne die Einhaltung
des Protokolls ist die Mitgliedschaft nicht möglich. Die
Einhaltung des Ankaraprotokolls war überhaupt die
Vorbedingung für die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen. Wenn entgegenkommenderweise – ich verweise
noch einmal auf Verlässlichkeit und Vertrauen – die Bei-trittsverhandlungen eingeleitet worden sind, obwohl
diese Vorbedingung nicht erfüllt war, dann muss das
entsprechend Berücksichtigung finden.
Wir nehmen natürlich zur Kenntnis, dass es im
Inneren der Türkei Widerstände gibt, dass es unglaublich
schwierig ist, diese Nation nach Europa zu führen. Die
Türkei befindet sich nämlich in einem großen Dilemma:
In der Türkei gibt es nicht nur eine horizontale
kulturelle Vielfalt – das ist für europäische Länder normal –,
sondern auch eine vertikale kulturelle Vielfalt im
historischen Längsschnitt. Ich kenne die Türkei gut genug, um
sagen zu können, dass dort – zwischen Istanbul im
Westen und Ostanatolien – die Kulturen verschiedener
Jahrhunderte wie im Zeitraffer im Hier und Jetzt
nebeneinander stehen. Für die Türkei ist es ungeheuer schwierig,
alles, was damit zusammenhängt, zu bewältigen.
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Das geht den
Bayern doch genauso!)
Es wäre aber vollkommen falsch, wenn die Europäische
Union das als Begründung dafür heranziehen würde, in
ihrem Verhandlungsgebaren nachgiebiger zu werden.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dieses Unvermögen der Türkei bzw. das Dilemma, in
dem sie steckt, darf nicht zur Forderung nach einer
Verhandlungsnachgiebigkeit führen. Es muss vielmehr zu
der Frage führen, ob eine Vollmitgliedschaft der Türkei
angesichts dessen überhaupt – auch für die Türkei – die
adäquate Lösung ist, ob eine andere Form der
allerengsten Anbindung an Europa nicht im ureigenen Interesse
der Türkei liegt. Wir stoßen die Türkei nicht zurück, wir
strecken die Hand zu einer ganz besonders engen
Partnerschaft aus. Ich glaube, die Türkei täte sich im
Hinblick auf ihren inneren Frieden, auf das Bewahren ihrer
inneren Kohäsion und ihrer kulturellen Traditionen
einen Gefallen, wenn sie nicht sofort dem Acquis
communautaire beitreten würde; denn eine
Vollmitgliedschaft verlangt einem Staat viel ab.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Was heißt denn das, was Sie da
erzählen, Herr Ramsauer? – Klaus Uwe Benneter
[SPD]: Hier ist aber eine andere Debatte
angesagt!)
Wir müssen bei der Erweiterung der EU natürlich
darauf achten, dass sie auf lange Sicht sinnvoll und
sinnstiftend ist und das erfüllt, was die Bürger in Europa
erwarten. Dazu gehört auch die Frage, wie es auf dem
Balkan weitergeht. Ich möchte hier ausdrücklich feststellen,
dass es jetzt vollkommen klar ist, dass die
Beitrittsverhandlungen mit Kroatien abgekoppelt sind und nicht
mehr, wie es einmal versucht worden ist, im
Gleichschritt mit den Verhandlungen mit der Türkei laufen.
Kroatien hat eine exzellente Beitrittsperspektive.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wir müssen aber klar machen – vielleicht muss das
im Rahmen des Verfassungsvertrages in nicht allzu
ferner Zeit beschlossen werden –, dass es auf Dauer nicht
angeht, dass kleine Länder eine x-beliebige staatliche
Dr. Peter RamsauerZellteilung betreiben – auf dem Balkan gab es jüngst ein
solches Referendum – und trotzdem die vollen Rechte
eines souveränen Staates in der Europäischen Union in
Anspruch nehmen wollen. Dafür haben die Menschen in
Europa auf Dauer kein Verständnis.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Wenn wir über den Verfassungsvertrag sprechen, ist
es wichtig, Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, dafür zu
danken, dass Sie vor wenigen Wochen noch einmal
vollkommen unmissverständlich klar gemacht haben, dass
wir – ich spreche hier für meine Fraktion – einen
Gottesbezug in der Präambel des Verfassungsvertrages
wollen. Dazu stehen wir und daran lassen wir uns
messen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Im kommenden Halbjahr stehen viele wichtige
Projekte auf der Tagesordnung: die Entscheidungsverfahren
verbessern, eine glaubhafte Subsidiaritätsstruktur
entwickeln und vor allen Dingen die Liberalisierung der
Energiemärkte weiterbetreiben. Hier haben wir einen
erheblichen Nachholbedarf. Ich danke dem
Bundeswirtschaftsminister an seinem heutigen Geburtstag vielmals
dafür, mit welch unglaublicher Energie er auf die weitere
Liberalisierung der Energiemärkte in Europa, aber auch
in weltweiten Zusammenhängen hinwirkt.
(Beifall bei der CDU/CSU – Renate Künast
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Von wem
reden Sie?)
Ich habe gesagt, dass wir auf diesem Gebiet einiges
nachzuholen haben. Ich kann mich gut an die Zeit vor
zehn Jahren erinnern, als wir die Liberalisierung der
Energiemärkte in Europa auf Grundlage der
Liberalisierungsrichtlinie angegangen sind. Ich habe damals
immer gesagt: Wir können nur Ja zur Liberalisierung sagen
– wir Deutsche haben sie übrigens als Allererste
konsequent durchgeführt, und zwar auf allen
Spannungsebenen, energiewirtschaftlich betrachtet – unter der
Vorbedingung, dass Frankreich ein Entflechtungskonzept für
die EDF vorlegt. Das ist bis heute nicht geschehen. Es
wäre richtig gewesen, wenn wir das damals wesentlich
konsequenter eingefordert hätten. Jetzt müssen wir die
Hausaufgaben erledigen.
Wir müssen das Problem der Produktpiraterie
angehen und Entbürokratisierung durchsetzen. Dies
beginnt damit, dass das Entstehen neuer Bürokratie in
Brüssel unterbunden wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
In dieser Hinsicht verspreche ich mir viel von den neuen
Verzahnungen der Informationsstränge; dadurch wird
uns dies besser gelingen.
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Es sind nur sechs
Monate, keine sechs Jahre!)
– Man kann zumindest Zeichen setzen.
(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Im
Zeichensetzen seid ihr groß!)Wenn man es mit dem Unterbinden der Bürokratie
ernst meint, dann muss man dies an ganz konkreten
Punkten festmachen, so wie wir dies jetzt mit der
Ablehnung der Umsetzung der verrückten
Feuerzeugverordnung in deutsches Recht getan haben. Wer selbst
Erfahrungen mit Kindern hat, der weiß, dass man noch so
viele Versuche mit Hundertschaften von Kindern und
Feuerzeugen machen kann: Die Kinder sind nicht so
dumm,
(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Arbeitgeber auch
nicht beim Antidiskriminierungsgesetz!)
als dass sie damit nichts anrichten könnten. – Hier ist
Vernunft angesagt. Denen in Brüssel, die an den Normen
arbeiten, möchte ich eines ins Stammbuch schreiben:
Meine Damen und Herren in Brüssel, spart euch etwas
von der intellektuellen Kälte! Mit mehr Herz und
Verstand gewinnt ihr eher das Vertrauen der Menschen in
Europa als mit bürgerferner intellektueller Kälte.
(Beifall bei der CDU/CSU)
In wenigen Monaten feiern wir in Deutschland das
Jubiläum der Römischen Verträge. Dieses Ereignis im
wiedervereinigten Deutschland und gerade hier in Berlin
unterstreicht wie kein anderes Symbol, wie sehr Europa
einig geworden ist. Es zeigt auch, dass wir in diesen
sechs Monaten eine ganz exzellente Chance haben – vor
allem durch die Koppelung von EU-Ratspräsidentschaft
und G-8-Präsidentschaft –, das Vertrauen in uns und
unsere Verlässlichkeit
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Endlich einmal
etwas Positives!)
in den Augen unserer Bürger wieder zu fördern und zum
Teil wiederherzustellen, aber auch das Vertrauen und die
Verlässlichkeit zwischen Deutschland, Europa und der
übrigen Welt.
Vielen herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Bevor ich dem Kollegen Keskin das Wort zu einer
Kurzintervention erteile, möchte ich dazu ermahnen, bei
Zwischenrufen, die hier oben nicht immer zweifelsfrei
zu identifizieren sind – schon gar nicht, wenn sie alle
gleichzeitig erfolgen –, bewährte parlamentarische
Umgangsformen einzuhalten. Gelegentlich, Herr Kollege
Lafontaine, gibt es Formulierungen, die wir hier eher zu
vermeiden bemüht sind.
(Oskar Lafontaine [DIE LINKE]: Herr
Präsident, wir müssen mal über Ihre
Geschäftsführung reden! – Dr. Diether Dehm [DIE
LINKE]: Sie haben immer den Herrn
Lafontaine auf dem Kieker!)
– Noch vorsichtiger ließ sich das kaum formulieren, als
ich es gerade getan habe.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der FDP – Hartmut Koschyk [CDU/
CSU]: Getroffene Hunde bellen!)
Präsident Dr. Norbert LammertNun hat der Kollege Keskin Gelegenheit zu einer
Kurzintervention.
Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE):
Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Dr. Ramsauer,
Sie haben in Bezug auf das Verhalten der Türkei
gegenüber der EU von Verlässlichkeit und Vertrauen
gesprochen. Hier gebe ich Ihnen Recht. Aber meinen Sie nicht,
dass dies nicht auch für Ihre Verlässlichkeit, für die
Haltung Ihrer Partei und die des Vorsitzenden der CSU,
Herrn Stoiber, zu gelten hat, der sich trotz der
vertraglichen Vereinbarung, dass mit der Türkei
Beitrittsverhandlungen geführt werden, immer wieder gegen einen EU-
Beitritt der Türkei ausspricht und dieses Vertrauen und
diese Verlässlichkeit somit in hohem Maße verletzt?
Zur Verlässlichkeit gehört auch, dass die EU ihre
Zusicherungen gegenüber der Türkei erfüllen muss. Die
Frau Bundeskanzlerin und Herr Westerwelle haben in
ihren Reden aber nur den einen Teil der Wahrheit gesagt.
Zum anderen Teil der Wahrheit gehört, dass im
Gegenzug zur Zusicherung der Türkei, das
Ankarazusatzprotokoll auf Südzypern auszudehnen, die EU direkte
Handelsbeziehungen mit Nordzypern, dem türkischen Teil
Zyperns, aufnimmt und das Embargo bzw. die Isolation
dieses Teils Zyperns beendet. Hiervon ist aber überhaupt
keine Rede. Die Umsetzung dieser Vereinbarung ist
bislang ausgeblieben. Diese Umsetzung aber hat die Türkei
verlangt.
Die linke Fraktion legt sehr großen Wert auf
Gerechtigkeit.
(Widerspruch bei der CDU/CSU – Gunther
Krichbaum [CDU/CSU]: So wie mit den
Armeniern, indem Sie den Genozid leugnen?)
Dazu gehört nicht nur Gerechtigkeit gegenüber
Menschen, sondern auch Gerechtigkeit gegenüber anderen
Ländern.
Danke sehr.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN –
Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Was ist
denn mit Armenien und dem Genozid? –
Gegenruf des Abg. Dr. Hakki Keskin [DIE
LINKE]: Darüber können wir reden! –
Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Herr
Lammert, das mit dem Genozid in Verbindung zu
bringen, wäre auch einmal eine vorsichtige
Formulierung wert!)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich sehe mir das gerne im Protokoll an.
Besteht der Wunsch zu einer Erwiderung? – Das ist
nicht der Fall.
(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Worauf soll
man denn hier erwidern, Herr Präsident?)
Dann erteile ich als nächster Rednerin der Kollegin
Renate Künast für die Fraktion des Bündnisses 90/Die
Grünen das Wort.(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Die
Rednerin ist zu klein! – Gegenruf des Abg.
Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Das ist ja
unglaublich!)
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau
Bundeskanzlerin, die Herausforderungen angesichts der EU-
Ratspräsidentschaft, die Deutschland ab dem 1. Januar
2007 innehaben wird, sind groß. Deutschland erwartet
und wir erwarten von Ihnen, dass Sie konkret sagen, in
welche Richtung Sie gehen wollen, welche Instrumente
Sie nutzen wollen, mit wem Sie Bündnisse schließen
wollen und wie Sie Ihre Ziele erreichen wollen. Aber ich
muss Ihnen, Frau Merkel, sagen: Sie haben Ihre Ziele
nicht konkret benannt. Ihre Rede war seltsam, blutleer
und dürftig.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Sie reden immer im Ungefähren. Man kann heute
feststellen, dass Sie im Hinblick auf die deutsche EU-
Ratspräsidentschaft, die in den nächsten Tagen beginnt,
nicht gut aufgestellt sind. Warum? Üblicherweise trägt
jeder Mitgliedstaat der Europäischen Union, bevor er die
EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, dafür Sorge, dass er
selbst in keine Konflikte verwickelt ist, seine eigenen
Probleme gelöst hat und seine Hausaufgaben gemacht
hat. Sie aber übernehmen die Präsidentschaft vor dem
Hintergrund eines blauen Briefs aus Brüssel zum
Emissionshandel, einer Abmahnung bezüglich der
Reduzierung der Treibhausgasemissionen und einer, wie ich
finde, wirklich unnötigen Eskalation bei den
Verhandlungen mit der Türkei, zu der Sie persönlich beigetragen
haben. Ich meine, Sie haben einen Klotz am Bein und
genau an der Stelle müssen Sie nachbessern.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
In Ihrer Rede fehlte es an Konkretisierung. Ich will
Ihnen einmal sagen, was wir erwarten, und dabei von
außen nach innen gehen. Frau Merkel, Sie sagen hier mit
großer Weltsicht: Wir müssen Afrika helfen, sich zu
entwickeln in Frieden und Wohlstand. – Wie kann man
Afrika helfen wollen, ohne heute hier das Wort „Darfur“
auszusprechen? Eine Lösung für diesen Konflikt gehört
doch zu einem solchen Konzept dazu.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir können – das wissen wir doch – Afrika nur helfen,
wenn wir ihm helfen, sich wirtschaftlich zu entwickeln,
sich politisch weiter zusammenzuschließen. Wir können
Afrika nicht helfen, indem wir einfach zur Kenntnis
nehmen, dass pro Jahr mehr als tausend Menschen an den
europäischen Außengrenzen oder auf hoher See versterben,
ertrinken. Wir können als Antwort nicht die
Polizeifestung Europa dagegensetzen, sondern da müssen Sie, Frau
Merkel, ein Konzept zur Entwicklung Afrikas vorlegen.
Sie müssen aber auch sagen, wie die Migrations- und
Flüchtlingspolitik für Europa aussehen soll. Das wäre
eine Antwort und nicht nur das Ungefähre.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Renate KünastWir erwarten von Ihnen auch, dass das Gerede über
die Türkei endlich aufhört. Ich muss ehrlich sagen, ich
wundere mich über die Rede von Herrn Ramsauer. Herr
Ramsauer, wie kann man eigentlich bei weit mehr als
zehn Minuten Redezeit der draußen staunenden
Öffentlichkeit immer nur Bedenken und Kritik im Hinblick auf
einen Beitritt der Türkei vermitteln?
(Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Das war die
ausgestreckte Hand! Sie haben nicht
aufgepasst!)
Das ist ein Fehler, das ist populistisch und das ist das
Gegenteil von dem, was Ihr früherer Bundeskanzler Helmut
Kohl einmal als Perspektive für die Türkei eröffnet hat,
im deutschen Interesse und im europäischen Interesse.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Sie haben sich selber entlarvt – nicht dass wir es nicht
schon vorher gewusst hätten –, indem Sie, nachdem Sie
so breit die Probleme eines Beitritts der Türkei erörtert
haben, bei Kroatien als guter Katholik gleich Ja gesagt
haben.
(Michael Glos [CDU/CSU]: Ist das eine
Schande, ein guter Katholik zu sein?)
Ich will gar nicht negieren, dass Kroatien weit
entwickelt ist. Aber, Herr Ramsauer, so kann man Europa, die
Erweiterung der Europäischen Union und eine
europäische Nachbarschaftspolitik nicht entwickeln; damit
kommen Sie den europäischen Interessen nicht nach.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der LINKEN –
Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: So, so!)
Frau Merkel, Sie haben meines Erachtens ordentlich
auf den Tisch geschlagen – allerdings in einem
negativem Sinne –, als es um die Türkei ging. Wir sind, ehrlich
gesagt, froh, dass sich an dieser Stelle nicht Sie in
Brüssel durchgesetzt haben, sondern Ihr Außenminister, Herr
Steinmeier.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Das wusste der
Steinmeier noch gar nicht! Dem Steinmeier ist
neu, dass er sich durchgesetzt hat!)
Wir erwarten von der deutschen Präsidentschaft ein
aktives Engagement hinsichtlich des Nahen Ostens.
(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Gibt
es auch ein passives Engagement?)
Wir erwarten, dass Europa seiner Verpflichtung
nachkommt, zum Frieden im Nahen Osten beizutragen. Es
darf hier nicht passieren, dass man sich hinter dem
internationalen Desinteresse, zum Beispiel der USA,
versteckt. Deutschland muss an dieser Stelle mehr als
koordinieren. Deutschland darf nicht einfach sagen, der
Besuch von Herrn Steinmeier in Syrien sei eine
ungewöhnliche Maßnahme gewesen. Das hört sich an wie
eine Distanzierung Frau Merkels. Wir sagen ganz klar:
Man muss mit diesen Ländern reden, auch mit Syrien,und ihnen eine Perspektive geben. Deutschland ist spät
genug dran.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich will noch zwei Dinge nennen, die wir erwarten.
Wir erwarten, dass im Bereich Klima- und
Energiepolitik in dieser Dekade tatsächlich Schritte unternommen
werden. Obwohl Sie viele allgemeine Punkte benannt
haben, Frau Merkel, ist mir nach Ihrer Rede immer noch
unklar, wen Sie eigentlich unterstützen. Unterstützen Sie
Sigmar Gabriel, der 30 Prozent weniger Emissionen
will? Oder unterstützen Sie Günter Verheugen, der
15 Prozent weniger Emissionen will?
(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Bei
was?)
Genau davon hängt ab, ob Europa seine Klimaziele
erreicht, ob Europa eine Vorreiterrolle haben kann. Nur
wenn Sie endlich aussprechen: „Minus 30 Prozent bei
den Emissionen“, sind Sie überhaupt in der Lage, in
Europa oder auf dem G-8-Gipfel eine Vorreiterrolle
einzunehmen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Stattdessen stehen Sie hier mit einem blauen Brief und
haben ein Abmahnungsverfahren am Hals. Und da sagen
Sie uns, man müsse auch weitere Schritte einleiten! In
der Tat, Frau Merkel, wir brauchen weitere Schritte.
Doch um diese Schritte überhaupt machen zu können,
müssen wir den Verkehr in den Emissionshandel
einbeziehen und wir müssen überlegen, ob Europas internes
Kontrollsystem in Sachen Klima und Ökologie
hinreichend ist.
Nach vielen Jahren gegenteiliger Arbeit durch die
CDU/CSU-Fraktion hat Frau Merkel heute hier gesagt
– ich freue mich, dass Sie das angesprochen haben –,
auch im internationalen Welthandel müssten soziale und
ökologische Kriterien verankert werden.
(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Das
haben wir immer gesagt!)
Darauf kann ich nur sagen: Sie sind endlich
angekommen. Aber wenn Sie das erreichen wollen, dann müssen
Sie erst einmal einen großen Schritt in Europa gehen.
Danach gehen wir mit Ihnen gerne einen Schritt weiter,
wenn es darum geht, dass im WTO-Handel ökologische
und soziale Kriterien verankert werden. Das fehlt bisher.
Die WTO legitimiert in Wahrheit nur Raubbau.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir erwarten von Ihnen, Frau Merkel, dass Sie bei der
Weiterentwicklung der Bereiche Justiz und Inneres
darauf achten, dass es auch in Zukunft noch
Datenschutz- und Verteidigungsrechte gibt. Dazu haben Sie
kein Wort gesagt. Wir reden hier über eine
Weiterentwicklung im Asylbereich, was das Thema Migranten
betrifft, und über eine Zusammenarbeit in den Bereichen
Inneres und Justiz. Aber Sie haben am Ende nur einen
internationalen Datenaustausch zu bieten, der Zugriff auf
sämtliche nationale Datenbanken innerhalb der
Europäischen Union ermöglicht. Dazu kann ich nur sagen: Es ist
Renate Künastnicht unsere Vorstellung von Europa, dass wir den
gläsernen europäischen Bürger bekommen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lassen Sie mich zum Schluss noch etwas zum Thema
Römische Verträge sagen. Wir werden im März des
kommenden Jahres die Feierlichkeiten zu 50 Jahren
Römische Verträge und Euratom begehen. Wir müssen der
Europäischen Union einen Sinn einhauchen. Die
Menschen im Lande fragen sich, wozu sie die Europäische
Union brauchen. Keiner glaubt heute mehr, dass diese
Europäische Union dazu da sein soll, der
„Subventionitis“ zu frönen. Keiner glaubt heute mehr, dass sie dazu
da ist, dass weiterhin Kohle produziert und verwendet
wird. Keiner glaubt heute mehr – das richte ich
besonders an Sie, Herr Westerwelle –, dass unsere Zukunft in
der Atomenergie liegt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Zuruf des Abg. Dr. Guido Westerwelle [FDP])
– Bis auf einen Geisterfahrer, sage ich Ihnen.
Frau Merkel, wir brauchen eine gemeinsame
Außenpolitik, um die Weltwirtschaft und den Weltmarkt
beeinflussen zu können. Wir brauchen in der EU ein
Zusammenleben der Religionen. Darüber müssen wir reden
und dürfen niemanden ausgrenzen. Wir brauchen eine
öffentliche Debatte über Europa im Bundestag und in
der Gesellschaft. Frau Merkel, Sie haben in Ihrem
letzten Satz gesagt, dass Sie genau das anbieten. Ich sage in
meinem letzten Satz: Wir sind bereit, über ein offenes
Europa zu diskutieren, das seine Aufgaben beim Thema
Klimaschutz und Soziales erledigt. Aber dann dürfen Sie
nicht in einer Art klandestiner Politik eine Berliner
Erklärung vorbereiten, bei der nicht einmal der Deutsche
Bundestag einbezogen wird. Lassen Sie uns gemeinsam
daran arbeiten! Aber dazu gehört auch eine offene
Diskussion.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Nächster Redner ist der Kollege Axel Schäfer für die
SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Axel Schäfer (Bochum) (SPD):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Europa gelingt gemeinsam in der deutschen
Ratspräsidentschaft mit dieser großen Koalition.
Wir werden uns dabei in die Tradition deutscher
Ratspräsidentschaften stellen. Ich möchte kurz die beiden
letzten nennen:
Während der Ratspräsidentschaft 1999 unter
Bundeskanzler Gerhard Schröder waren wir außergewöhnlich
erfolgreich. Ich denke nur an die Beauftragung eines
Konvents zur Ausarbeitung der Grundrechtecharta, an
die Lösung des Kosovokonflikts, an die Bewältigung der
Kommissionskrise und an die Einigung über die Agenda
2000. Wir stehen auch in der Kontinuität zur Politik von
Bundeskanzler Helmut Kohl 1994. Damals haben wir
erhebliche Fortschritte in der Gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik erreicht. An Gesetzen wurde die
Richtlinie über Europäische Betriebsräte verwirklicht.
Es wurde das gemeinsame kommunale Wahlrecht für
alle Bürgerinnen und Bürger realisiert. – Die
Ratspräsidentschaften 1994 und 1999 waren Erfolge, auf denen
wir aufbauen werden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Dazwischen liegen 13 Jahre. Bis 2007 wird die Zahl
der Mitgliedsländer der EU von zwölf auf 27 wachsen.
Wir haben eine gemeinsame Währung und entscheiden
gleichberechtigt im Europäischen Parlament. Diese
Erfolge und diese Dimension müssen wir uns deutlich
machen, auch wissend, dass die darauf folgende
Ratspräsidentschaft – das ist die Dimension – erst wieder in
13 Jahren, nämlich 2020, sein wird.
Was sind nun die besonderen Herausforderungen
während unserer Ratspräsidentschaft?
Erstens wird es darum gehen, Wirtschaft, Soziales
und Ökologie zusammenzuführen. Wir als
Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sagen: Entscheidend
ist, dass wir das europäische Sozialmodell
weiterentwickeln.
(Beifall bei der SPD)
Wir müssen das noch einmal ins Bewusstsein rücken:
Das europäische Sozialmodell basiert auf starken
Gewerkschaften – Ordnungsfaktor und Gegenmacht –, auf
Gleichberechtigung – Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf
gleicher Augenhöhe –, auf Solidarität und auf staatlicher
Mitverantwortung. Es ist das Gegenteil von kalter
Globalisierung und Ellenbogengesellschaft. Europa
funktioniert nur als Sozialgemeinschaft.
(Beifall bei der SPD)
Deshalb ist das, was sich die Bundesregierung
konkret in diesem Bereich vorgenommen hat, gut:
Erstens. Wir fordern die Kommission auf,
sicherzustellen, dass die Gesetze auch auf ihre sozialen
Auswirkungen hin und nicht nur hinsichtlich einer allgemeinen
Realisierung des Binnenmarktes konzipiert werden.
Zweitens. Wir setzen die Beschäftigungsstrategie fort.
Drittens. Wir werden dort weiterhin erfolgreich sein, wo
wir bisher schon am meisten geleistet haben, nämlich im
Gesundheits- und Arbeitsschutz. Viertens. Mit einem
Programm für die Jahre 2006 bis 2010 entwickeln wir
weitere Konzepte für die Gleichstellung von Männern
und Frauen.
(Beifall bei der SPD)
Fünftens. Wir sind auch mit speziellen Maßnahmen zur
Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit aktiv.
Das alles sind wichtige und zentrale Bereiche für uns
und das werden auch die Sozialdemokraten in der
Bundesregierung, ihre Ministerinnen und Minister tragen.
Möglich wurde das erst, weil wir es unter deutscher
Axel Schäfer (Bochum)Mitwirkung bei der Gestaltung der
Finanzvorausschau 2013 im letzten Jahr geschafft haben, dass in
diesen europäischen Haushalt enorme Mittel eingestellt
wurden, um diese Herausforderungen – soziale
Gerechtigkeit, Beschäftigungsförderung, Bekämpfung von
Benachteiligungen und Förderung von strukturschwachen
Regionen – erfolgreich bewältigen zu können, anstatt,
wie in früheren Zeiten, lediglich den Agrarsektor zu
subventionieren.
(Beifall bei der SPD)
Kolleginnen und Kollegen, zweitens werden wir den
Verfassungsprozess voranbringen und einen
erfolgreichen Pfeiler setzen, der eine Brücke über die
portugiesische und slowenische bis hin zur französischen
Präsidentschaft tragen wird, sodass wir zu neuen Grundlagen
– auch verfassungsrechtlichen – in dieser Europäischen
Union kommen werden.
Liebe Bundesregierung, hier haben wir eine ganz
klare Erwartung. 18 Länder haben den
Verfassungsvertrag ratifiziert. Wir sagen selbstbewusst, dass das ein
gemeinsamer Erfolg ist. Nicht wir müssen uns bewegen,
sondern die neun Länder, die noch nicht ratifiziert haben
oder in denen die Referenden – in zwei Fällen – negativ
ausgefallen sind. Sie sind jetzt in der Bringschuld. Wir
müssen Brücken bauen und sie mitnehmen, aber diese
Länder müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Mit
der Unterzeichnung des Verfassungsvertrages sind sie
nämlich die Verantwortung eingegangen, den
Verfassungsvertrag auch zu ratifizieren. Anstatt dass diese
Länder und Regierungen – teilweise sind die Personen
identisch mit denen, die ihn 2003 unterschrieben haben –
dieses Werk beiseite stellen, sich zurücklehnen und die
Entwicklung von außen betrachten, müssen sie von uns
in die Verantwortung genommen werden. Das werden
wir auch tun.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ein Drittes. Wir betreiben eine europäische Politik
für die Menschen – Politik, um das Leben der
Menschen zu verbessern. Deshalb ist es wichtig, auch einmal
die Erwartungen der Menschen an uns in den Blick zu
nehmen. Über 80 Prozent sagen, dass wir eine starke
Europäische Union im Bereich der wirtschaftlichen
Entwicklung und für die äußere und innere Sicherheit
brauchen. Dieser Erwartung der Menschen, die ein
Stückchen skeptischer als früher geworden sind, ob wir
das tatsächlich gemeinsam schaffen, müssen wir gerecht
werden. Deshalb ist es wichtig, dass die
Bundesregierung hierbei nicht nur eine – wenn auch notwendige –
Kommunikationsstrategie fährt, sondern dass sie mit all
ihrem Handeln auch deutlich macht: Deutsche Interessen
werden am besten in Europa vertreten und Erfolge in
Europa sind Erfolge auch für unser Land. Wir müssen ein
bewusstes Gegenbild zu manchen Regierungen setzen
– ersparen Sie mir, dass ich sie namentlich nenne –, die
nur nach dem Motto verfahren: „Europa ist uns
eigentlich egal und alles Schlechte kommt aus Brüssel. Es ist
entscheidend, dass wir uns national gegen andere
durchsetzen.“ Nein, das ist ein falsches Europabild. Richtig
ist: Wir können in Europa nur gemeinsam erfolgreichsein – indem wir zu einem Interessenausgleich kommen
und indem wir nicht das scheinbare nationale Interesse
gegen die Europäische Gemeinschaft richten. Das muss
unsere gemeinsame Verpflichtung in dieser Koalition
und auch im Deutschen Bundestag sein.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Europa gelingt
gemeinsam. Es gelingt auch aufgrund von
Regierungskontinuitäten, die in den Personen anzuschauen sind. Schon
in der Ratspräsidentschaft 1994 war die jetzige
Kanzlerin Ministerin. Schon in der Ratspräsidentschaft 1999
war die jetzige Entwicklungsministerin im Amt und der
jetzige Außenminister hatte eine wichtige
Verantwortung. Die haben sie wahrgenommen. Oskar Lafontaine
hat damals seine Verantwortung nicht wahrgenommen.
Deshalb ist es ihm so leicht, hier verantwortungslose
Reden zu halten.
(Widerspruch bei der LINKEN)
Ich glaube, wir machen die Präsidentschaft zu einem
Erfolg im blochschen Sinne, nämlich getragen von der
Hoffnung, ins Gelingen verliebt. Deshalb wird diese
europäische Ratspräsidentschaft gemeinsam gelingen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich erteile dem Kollegen Dr. Diether Dehm, Fraktion
Die Linke, das Wort.
(Beifall bei der LINKEN)
Dr. Diether Dehm (DIE LINKE):
Lieber Kollege Ramsauer, am Anfang zwei Tipps:
Schauen Sie sich einmal die Protokollstelle an, an der
Sie davon sprechen, dass Sie es mit dem Unterbinden
von Demokratie ernst nehmen wollen. Korrigieren Sie
das, damit es nicht so stehen bleibt. Anstatt anderen
Demokratiedefizite vorzuhalten und sie für ungebildet zu
erklären, sollten Sie die Mehrheit der Menschen, die in
Frankreich den EU-Verfassungstext abgelehnt haben,
endlich ernst nehmen.
(Beifall bei der LINKEN)
Wer, wie wir, einen besseren EU-Verfassungsvertrag
will, darf über die deutsche Verfassung, das Verhältnis
der EU-Verfassung zu unserem Grundgesetz nicht
schweigen. Auch durch eine europäische
Verfassungsordnung dürfen Art. 1 und 20 des Grundgesetzes in
ihrem Wesen nicht beeinträchtigt werden. Das lässt Art. 79
Abs. 3 nicht zu.
Mit diesen unabänderlichen Bindungen ist eine
Ordnung unvereinbar, die, dem neoliberalen Zeitgeist
folgend, die Menschen als Humankapital der Herrschaft
des Profits unterwirft, ihnen also den Eigenwert als
Menschen nimmt.
Hierzu ein Zitat, Kollege Schäfer:
Dr. Diether DehmIn der vom Gewinn- und Machtstreben bestimmten
Wirtschaft und Gesellschaft sind Demokratie,
soziale Sicherheit und freie Persönlichkeit gefährdet.
(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Das
hat Lafontaine schon gesagt!)
Der demokratische Sozialismus erstrebt darum eine
neue Wirtschafts- und Sozialordnung.
Kollege Schäfer, das steht so nicht im Manifest von
Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, das steht auch nicht
in Ihrem gültigen SPD-Parteiprogramm, das immer noch
die Unterschrift von Oskar Lafontaine trägt, sondern das
ist ein Zitat aus dem Godesberger Programm.
Wer aber die Würde der Menschen, wer ihre
Bedürfnisse als Ausgangspunkt allen staatlichen und auch allen
abgeleiteten supranationalen Handelns ernst nimmt, der
kann eine Verengung auf die geltende ungerechte
Wirtschaftsordnung nicht wollen. Jede Wirtschaftsordnung
muss sich in ihren konkreten Auswirkungen auf die
Würde der Menschen immer wieder von neuem an den
genannten Grundprinzipien messen lassen.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei
Abgeordneten der SPD – Klaus Uwe Benneter [SPD]:
Richtig!)
Und sie muss erforderlichenfalls auch abgewählt werden
dürfen. Das meint das Grundgesetz auch mit der Freiheit
der Wähler, und zwar in seinen Vorschriften über die
Eigentumsordnung in den Art. 14 und 15. Hier gibt es die
Gewährleistung des Eigentums, aber auch seine
verbindliche Verpflichtung auf das Gemeinwohl. Es gibt die
Möglichkeit der Enteignung der Deutschen Bank und
anderer Konzerne im Interesse der Allgemeinheit und
auch die Möglichkeit der Vergesellschaftung von
Produktionsmitteln durch ihre Überführung in
Gemeineigentum.
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: So steht es aber
nicht im Godesberger Programm!)
Damit zielt das Grundgesetz zwar nicht auf eine andere
Wirtschaftsordnung, aber es gibt den Wählerinnen und
Wählern die Freiheit, den Kapitalismus abzuwählen. Das
hat das Bundesverfassungsgericht 1954 in seiner
Entscheidung zum Investitionshilfegesetz ausdrücklich
dargelegt und das ist bis heute gültig.
(Klaus Uwe Benneter [SPD]: Denken Sie an
das Ahlener Programm der CDU!)
Wenn die FDP beispielsweise in einem Antrag
fordert, ausgerechnet Art. 15 aus dem Grundgesetz zu
streichen, so zeigt dies, dass sie den Wählern die Freiheit
nehmen will, den Kapitalismus abzuwählen. Freiheit ist
aber gerade hier auch die Freiheit der Andersdenkenden.
(Beifall bei der LINKEN)
Auch dass die EU-Verfassung diese Freiheit
einschränken will, sodass die Abwahl des Kapitalismus
nicht mehr möglich sein soll, ist mit der Würde der
Menschen und ihrer Unantastbarkeit ebenso wenig vereinbar
wie mit den Prinzipien der Demokratie und der
Sozialstaatlichkeit. In diesem Sinne wiederhole ich –Präsident Dr. Norbert Lammert:
Herr Kollege!
Dr. Diether Dehm (DIE LINKE):
– ich komme zum Schluss –: Wir wollen einen
anderen EU-Verfassungsvertrag. Dabei wollen wir aber nicht
das Grundgesetz auf dem Altar des neoliberalen
Zeitgeistes opfern lassen. In dieser Hinsicht bleiben wir
Verfassungspatrioten, auch wenn wir die Einzigen in diesem
Hause wären.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos] – Lachen bei der
CDU/CSU und der SPD)
Präsident Dr. Norbert Lammert:
Ich erteile das Wort nun dem Kollegen Dr. Andreas
Schockenhoff, CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU):
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen
und Kollegen! Die CDU/CSU-Fraktion begrüßt
nachdrücklich, dass die EU-Außenminister in der Frage der
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei eine Einigung
gefunden haben. Jetzt herrscht Klarheit, wie der Prozess
weitergehen soll. Es ist auch zu begrüßen, dass Zypern
nicht länger die Freigabe der Finanzmittel für den
nördlichen Teil der Insel blockieren will. Auch das war
überfällig und hat die Beziehungen zur Türkei zu lange
unnötig belastet.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ich will in aller Deutlichkeit feststellen: Wir haben
ein nachdrückliches Interesse daran, dass die Türkei den
begonnenen Reformprozess fortsetzt. Die
Beitrittsverhandlungen sind dafür ein Katalysator. Niemand will
also die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei
abbrechen.
(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das klang bei Herrn Ramsauer anders!)
Wir müssen aber – ich denke, auch darin sind wir uns
einig – weiter auf die Erfüllung der politischen
Voraussetzungen wie die Religionsfreiheit oder die Abschaffung
des Strafrechtsparagrafen 301 drängen, der die
Beleidigung des Türkentums unter Strafe stellt. Denn das sind
Voraussetzungen – Kollege Ramsauer hat zu Recht
darauf hingewiesen –, die nach den Kopenhagener
Kriterien eigentlich vor Beginn der Beitrittsverhandlungen
hätten erfüllt sein müssen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dazu gehört auch die Erfüllung des Ankaraprotokolls,
zu der sich die Türkei schon im September letzten Jahres
verpflichtet hat. Erfüllung heißt, dass die Häfen und
Flughäfen in der Türkei – also nicht nur ein Hafen und
ein Flughafen – auch für Schiffe und Flugzeuge Zyperns
offen sein müssen.
Dass die Türkei bisher nicht bereit ist, alle Mitglieder
der EU gleichermaßen anzuerkennen und die vereinbarten
Dr. Andreas SchockenhoffRegeln einzuhalten, kann nicht ohne Konsequenzen sein.
Deswegen ist die Vereinbarung, acht
Verhandlungskapitel einzufrieren und bei keinem der übrigen Kapitel die
Verhandlungen abzuschließen, bis das
Ankaraabkommen erfüllt ist, eine Maßnahme, die
Konsequenzen hat, die aber auch unserem Interesse an der
Fortsetzung des Reformprozesses in der Türkei Rechnung trägt,
und zwar besonnen und entschlossen, wie es die
Bundeskanzlerin ausgeführt hat.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir halten es auch für erforderlich, dass die EU nicht
nur zur Verhandlungsroutine übergeht und wir abwarten,
wann die Türkei das Ankaraprotokoll erfüllt. Wir wollen
vielmehr, dass diese Frage als politisches Thema auf der
Agenda der Staats- und Regierungschefs steht, dass sie
sich selbst darum kümmern und dies nicht den Beamten
der Kommission überlassen.
Deshalb begrüßen wir nachdrücklich, dass sich die
Staats- und Regierungschefs dementsprechend in den
Jahren 2007, 2008 und 2009 auf der Grundlage eines
Berichts der Kommission mit dieser Frage befassen und
den weiteren Prozess überprüfen werden. Das ist für die
Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des
Erweiterungsprozesses unverzichtbar. Deshalb war es gut, dass die
Initiative der Bundeskanzlerin vereinbart und der
Kommissionsvorschlag nachgebessert wurde.
Im Übrigen entspricht dieser Beschluss genau dem,
was sich die Staats- und Regierungschefs zur Frage der
Integrationsfähigkeit der EU auf dem morgigen EU-
Gipfel vorgenommen haben. Denn beim künftigen
Erweiterungsprozess soll es keinen Automatismus geben. Es
sollen keine Beitrittsdaten mehr genannt werden und es
soll auf die strikte Erfüllung der Kriterien und der
eingegangenen Verpflichtungen geachtet werden. Nur wenn
die Bürger der Europäischen Union das Gefühl
bekommen, dass die Staats- und Regierungschefs auf die strikte
Einhaltung der Beitrittskriterien achten und dass sie vor
einer Erweiterung sorgfältig die Auswirkungen eines
Beitritts auf die EU und ihre Handlungsfähigkeit prüfen,
werden wir die Akzeptanz für künftige Beitritte
bekommen. Diese Akzeptanz brauchen wir; denn die EU-
Perspektive etwa für die Staaten des westlichen Balkans
liegt in unserem Sicherheitsinteresse.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
Wenn diese Staaten ihre inneren und
zwischenstaatlichen Konflikte überwinden, sodass EU und NATO ihre
Streitkräfte dort vollständig zurückziehen können, und
wenn sie alle Beitrittskriterien, insbesondere bei der
Rechtsstaatlichkeit und der Bekämpfung der
organisierten Kriminalität, strikt erfüllen, dann werden wir alle,
die derzeitigen Mitglieder der Europäischen Union,
einen erheblichen Sicherheitsgewinn haben. Deshalb ist es
wichtig und richtig, dass die Staats- und
Regierungschefs bei ihrem morgigen Gipfel Grundsätze für die
Integrationsfähigkeit der EU vereinbaren, damit die EU
erweiterungsfähig bleibt.Ein wichtiger Schwerpunkt der deutschen
Präsidentschaft wird die Vertiefung der Beziehungen zwischen
der Europäischen Union und Russland sein. Wir wollen
die strategische Partnerschaft mit Russland weiter
ausbauen. Strategische Partnerschaft bedeutet, dass sich
die enge Zusammenarbeit mit Russland nicht nur an
gemeinsamen Interessen orientiert, sondern dass sie auch
auf gemeinsamen Werten basiert, zu denen wir uns
verpflichtet haben. Die Erneuerung des Partnerschafts- und
Kooperationsabkommens zwischen der EU und
Russland bietet dafür eine gute Gelegenheit. Es ist deshalb
sehr zu bedauern, dass es bislang keine Einigung über
das Verhandlungsmandat gibt.
(Beifall des Abg. Hans Eichel [SPD])
Denn das Nachfolgeabkommen liegt im gemeinsamen
Interesse, auch im Interesse Polens und auch im
Interesse Russlands.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Polen hat unsere Solidarität und Unterstützung bei der
Aufhebung des russischen Importverbots für polnisches
Fleisch, weil wir dieses Verbot für nicht gerechtfertigt
halten. Aber genauso wenig gerechtfertigt ist eine
Verknüpfung dieser Frage mit dem Verhandlungsmandat für
ein Nachfolgeabkommen mit Russland.
Angesichts der Rückschläge bei Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit in Russland ist es wichtig, dass wir
im Nachfolgeabkommen, vor allem aber auch in der
praktischen Zusammenarbeit immer wieder auf die
Respektierung der Werte drängen, zu denen sich Russland
bei seinem Beitritt zum Europarat verpflichtet hat. Ich
sage ganz offen: Die innere Entwicklung Russlands
bereitet uns große Sorgen. Die Ermordung von Frau
Politkowskaja stellt einen Verlust für Russland dar. Ihr
unparteiisches Engagement für Menschenrechte und
Demokratie war für die Entwicklung der russischen
Gesellschaft wichtig.
(Beifall im ganzen Hause)
Dieser Mord und vor allem die zunehmenden
Einschüchterungen der wenigen noch verbliebenen
kritischen Journalisten sind beispielhaft für den Niedergang
der Pressefreiheit in Russland.
Wer immer für den Mord an Litwinenko oder für die
zunehmend länger werdende Liste von politisch oder
wirtschaftlich motivierten Morden in Russland
verantwortlich ist: Es drängt sich die Frage nach der Autorität
der russischen Regierung auf. Beunruhigend ist es vor
allem für diejenigen, die sich in Russland selbst
engagieren. Auch wenn man ein Urteil über die Anwendung des
Gesetzes über die Nichtregierungsorganisationen erst
nach dem Ende der Registrierungspflicht im April
nächsten Jahres fällen kann, muss man anhand der
bisherigen Praxis eines schon heute feststellen: Das NGO-
Gesetz überfordert mit seinem bürokratischen Aufwand
nicht nur die Behörden und führt damit zu willkürlichen
Auslegungen, sondern es belastet vor allem auch kleine
NGOs erheblich. Damit schadet sich Russland selbst;
denn viele dieser kleinen NGOs leisten humanitäre Hilfe
Dr. Andreas Schockenhofffür die Menschen in Russland. Sie brauchen ihre Zeit,
um den Menschen zu helfen, und nicht für das Ausfüllen
nutzloser Berichte.
(Beifall bei der CDU/CSU, der FDP und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Haben also nicht diejenigen Recht, die das
langfristige Ziel einer Wertepartnerschaft mit Russland
aufgeben und das Verhältnis nur auf eine an gemeinsamen
Interessen orientierte Zusammenarbeit reduzieren wollen?
Wir sagen dazu ganz klar Nein. Das wäre ein
strategischer Fehler. Wir beraubten uns unserer
Einflussmöglichkeiten zur Stärkung von Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit. Wir ließen vor allem die Menschen, die
sich mitunter unter Einsatz ihres Lebens in Russland
engagieren, im Stich.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Nein, das Gegenteil muss der Fall sein. Wir müssen jede
Gelegenheit nutzen, um Einfluss zu nehmen und mit
Russland im Rahmen der „vier Räume“ in der G 8 – bald
auch in der WTO – zusammenzuarbeiten.
Das alles sind Möglichkeiten, um die Entwicklung in
Russland
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes und anderer Gesetze (G-SIG: 16019165)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Verbesserung des Schutzes vor Fluglärm in der Umgebung von Flugplätzen (G-SIG: 16019121)
- part_of_vorgang → Jahresbericht 2005 (47. Bericht) (G-SIG: 16000360) (Beratung)