Rede von Elke Reinke (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/162
Teil von Protokoll der 162. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Elke Reinke (DIE LINKE) – Plenarprotokoll 16/162
Es ist begrüßenswert, dass die arbeitsmarktpolitischen
Instrumente auch für diese Personengruppe gelten. Aber
in der letzten Zeit werden über 50-Jährige, die diese
Instrumente mehr als zehn Jahre nicht in Anspruch
nehmen konnten – sie sind von der Agentur nicht
berücksichtigt worden –, sich aber immer bemüht haben,
plötzlich zu diesen Gesprächen eingeladen. Dann wird ihnen
sehr oft gesagt: Sie müssen ein Bewerbungstraining
machen. Wenn Sie das nicht machen, fliegen Sie aus der
Statistik. – Ich frage Sie: Ist das sinnstiftend?
Den Menschen, die einen Nebenjob haben, wird
häufig das Angebot gemacht: Gehen Sie zu Ihrem
Rententräger und zahlen Sie Ihre Rentenbeiträge selbst. Dannwerden Sie aus unserer Statistik gestrichen. Wenn Sie
das nicht tun, müssen Sie das Bewerbungstraining
machen. – Hier dreht man sich im Kreis. Ich kann Ihnen
sagen: Das ist kein Einzelfall.
Franz Thönnes, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Arbeit und Soziales:
Ich werde mit dem letzten Teil Ihrer Fragestellung
bzw. Ihrer Beschreibung beginnen. Die Konstruktion der
Aufrechterhaltung der Nebenbeschäftigung unter der
Bedingung, dass freiwillig Eigenbeiträge in die
gesetzliche Rentenversicherung gezahlt werden und der Status
der Arbeitslosigkeit entfällt, ist nicht nachvollziehbar.
Hier besteht aus unserer Sicht kein Zusammenhang. Ich
bin gerne bereit, das gemeinsam mit Ihnen am
jeweiligen Einzelfall zu überprüfen und zu überlegen, wie man
hier helfen kann.
Der zweite Punkt. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber
wir diskutieren hier im Parlament darüber, wie positiv
die in den letzten Jahren stattgefundene Integration
älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den
Arbeitsmarkt ist und dass es uns gelungen ist, viele
Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen und ihnen und
ihren Familien wieder eine Perspektive zu geben. Der
Beschäftigungsaufwuchs – es handelt sich um ein Plus
von gut 630 000 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten – wird zu mehr als der Hälfte von den über
50-Jährigen getragen. Wir sind sehr froh darüber, dass
die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik hier greifen. Wir
sind auch sehr froh darüber, dass die vielen Initiativen,
die von den Gewerkschaften, den Arbeitgeberverbänden
und sogar einzelnen Abgeordneten ergriffen werden,
dazu beigetragen haben, dass sich einzelne Unternehmer
wieder darauf besinnen, Ältere zu beschäftigen und ihre
Kompetenzen und Fähigkeiten erfolgreich zu nutzen.
Wir sind stolz darauf, dass wir die Beschäftigungsquote
der über 55-Jährigen seit dem Jahr 2000 von circa
38 Prozent auf jetzt rund 52,2 Prozent erhöhen konnten.
Das alles sind Nachweise dafür, dass sich unsere
Integrationsaktivitäten lohnen. Deswegen sage ich Ihnen: Ja,
es ist richtig und wichtig, die Älteren einzuladen. Man
muss untersuchen, welche Defizite vorhanden sind. Es
geht darum, das vorhandene Beschäftigungsangebot mit
dem Nachfragepotenzial zusammenführen, damit die
Menschen wieder in Beschäftigung kommen. Deswegen
ist es gut, so vorzugehen. Ich glaube, dass sich diese
Erfolgsstrategie mittlerweile im Land herumgesprochen
hat. Niemand kann sagen: Das alles kommt ganz
plötzlich. – Wir wollen, dass die Älteren ihren Platz im
Beschäftigungssystem haben.
(Frank Spieth [DIE LINKE]: Das war doch
überhaupt nicht die Frage!)