Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Rastanlagen
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Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Rastanlagen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6078
21. Wahlperiode 21.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Gastel, Stefan Schmidt, Tarek Al-Wazir, Victoria
Broßart, Swantje Henrike Michaelsen, Julian Joswig und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Rastanlagen
Der Reisemobiltourismus in Deutschland wächst seit Jahren dynamisch. Nach
Angaben des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) wurden im Jahr 2024
insgesamt 74 718 Reisemobile neu zugelassen, was einem Zuwachs von 9,1
Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (www.civd.de/news/ueber-220-000-neu
zulassungen-europaeischer-caravaning-markt-bleibt-auf-hohem-niveau/). Das
Kraftfahrt-Bundesamt teilte zudem mit, dass zum 1. April 2025 erstmals mehr
als 1 Million Wohnmobile in Deutschland zugelassen waren. Der Bestand stieg
demnach von 450 167 Fahrzeugen im Januar 2017 auf 981 010 Fahrzeuge im
Januar 2025. Knapp ein Drittel der Wohnmobile ist auf Personen im Alter
zwischen 60 und 69 Jahren zugelassen (www.civd.de/wp-content/uploads/2025/04/
2025-CIVD-Jahresband-KURZ-klein.pdf).
Zugleich ist der Reisemobiltourismus von erheblicher wirtschaftlicher
Bedeutung. Laut Planungshilfe des Deutschen Tourismusverbands unter Berufung auf
Untersuchungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für
Fremdenverkehr (dwif) geben Reisemobilistinnen und Reisemobilisten im
Zielgebiet durchschnittlich 50,50 Euro pro Person und Tag aus, einschließlich
Standplatzentgelten. Für den Campingtourismus insgesamt werden erhebliche
regionale Wertschöpfungs- und Umsatzeffekte ausgewiesen. Deutschland
gehört dabei neben Frankreich und Italien zu den bevorzugten Reisezielen
deutscher Reisemobilistinnen und Reisemobilisten (www.deutschertourismusverba
nd.de/fileadmin/user_upload/Themen/Mobilitaet/Planungshilfe_Reisemobilstell
platz.pdf). Neben den positiven wirtschaftlichen Effekten sind mit wachsender
Beliebtheit für den Camping- und Reisemobiltourismus auch negative Folgen
wie die Gefahr einer partiellen Überlastung der Infrastruktur, insbesondere in
kleineren Orten, sowie negative Auswirkungen auf die Natur durch
beispielsweise Bodenverdichtung für neue Stellplätze oder zunehmende
Umweltverschmutzung durch Abfälle verbunden (vgl. www.nabu.de/umwelt-und-ressourc
en/verkehr/strassenverkehr/32153.html).
Reisemobile verfügen typischerweise über Frischwassertanks, Abwassertanks
und Kassettentoiletten. Diese müssen in regelmäßigen Abständen entleert
beziehungsweise neu befüllt werden. Hierfür bedarf es geeigneter Ver- und
Entsorgungsstationen. Solche Einrichtungen können nicht nur zur Verbesserung
der Reisebedingungen beitragen, sondern auch aus Sicht des Umweltschutzes
relevant sein, etwa zur Vermeidung illegaler Abwasserentsorgung. Zudem
könnten Transit- und Kurzzeitstellplätze an Fernstraßen, Rasthöfen und
Autohöfen einen Beitrag dazu leisten, den Bedürfnissen einer wachsenden
Nutzergruppe besser gerecht zu werden.
Dem wachsenden Bestand und der wirtschaftlichen Bedeutung des
Reisemobiltourismus steht eine unzureichende Infrastruktur entlang der Bundesautobahnen
und Bundesstraßen gegenüber. Der ADAC verweist in einer aktuellen Umfrage
auf deutliche Defizite an Rastanlagen für Camperinnen und Camper. Genannt
werden insbesondere fehlende ausgewiesene Stellflächen, mangelhafte
Ausschilderung sowie unzureichende Möglichkeiten zur Frischwasserversorgung
und zur Entsorgung von Grau- und Schwarzwasser. Zugleich zeigt der
europäische Vergleich nach Einschätzung des ADAC, dass andere Länder
entsprechende Angebote deutlich systematischer in ihre Verkehrsinfrastruktur
integriert haben (www.adac.de/news/umfrage-rastanlagen-camper/).
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die bestehenden
Zuständigkeiten, Planungsgrundlagen und Rahmenbedingungen auf Bundesebene dem
dynamischen Wachstum des Reisemobiltourismus noch gerecht werden.
Insbesondere ist zu klären, ob und in welchem Umfang die Bundesregierung die
Entwicklung der Infrastruktur systematisch erfasst, bewertet und aktiv steuert.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche aktuellen Daten gibt es zum Zustand und Bestand an Ver- und
Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Bundesautobahnen und
Bundesstraßen, und wie viele entsprechende Anlagen bestehen jeweils nach
Anlageart und Standort?
2. Welche aktuellen Daten gibt es zum Zustand und Bestand an Ver- und
Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Bundesautobahnen, und wie
viele entsprechende Anlagen bestehen jeweils nach Anlageart und
Standort?
3. Wann wurde zuletzt eine bundesweite oder bundesweit auswertbare
systematische Erhebung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile
an Bundesautobahnen und Bundesstraßen durchgeführt, und zu welchen
Ergebnissen kam diese, und inwiefern ist ggf. eine Wiederholung
angedacht?
4. Welche Zuständigkeiten bestehen zwischen dem Bund, der Autobahn
GmbH des Bundes und privaten Betreiberinnen und Betreibern
beziehungsweise Konzessionsnehmerinnen und Konzessionsnehmern beim
Ausbau von Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile?
5. Welche rechtlichen, planerischen, technischen oder vertraglichen
Hemmnisse stehen dem Ausbau entsprechender Infrastruktur an
Bundesautobahnen und Bundesstraßen derzeit entgegen?
6. Wie wird das Wachstum des Reisemobilbestands in Deutschland im
Hinblick auf die bestehende Infrastruktur an Bundesautobahnen und
Bundesstraßen bewertet?
7. Besteht vor diesem Hintergrund ein bundespolitischer Handlungsbedarf
beim Ausbau der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile, und
wenn nein, warum nicht?
8. Welche Staaten beziehungsweise Regionen gelten als Best-Practice-
Beispiele für die Einbindung von Reisemobilinfrastruktur in die
Fernstraßeninfrastruktur, und welche Elemente dieser Modelle erscheinen
besonders übertragbar?
9. Welche Maßnahmen wurden seit dem Jahr 2020 ergriffen, um
vergleichbare Best-Practice-Modelle auf Deutschland zu übertragen oder deren
Übertragbarkeit zu prüfen?
10. Welche umweltpolitischen Risiken bestehen bei einer unzureichenden
Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile, insbesondere im
Hinblick auf illegale Entsorgung von Grau- und Schwarzwasser?
11. Welche Rolle spielt eine verbesserte Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für
Reisemobile bei der Vermeidung von Umweltbelastungen und der
Einhaltung hygienischer Standards?
12. Welche Investitionskosten entstehen für die Nachrüstung bestehender
Rastanlagen mit Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile,
differenziert nach einfachen Entsorgungsstationen, Frischwasserversorgung,
Stromanschlüssen und ausgewiesenen Stellflächen?
13. Welche Förderprogramme, Finanzierungsinstrumente oder sonstigen
Unterstützungsmaßnahmen stehen derzeit für den Ausbau solcher
Infrastruktur zur Verfügung bzw. sind seitens der Bundesregierung in Planung?
14. Welche Rolle spielen Reisemobilstellplätze in kommunaler oder privater
Trägerschaft für Kurzaufenthalte sowie für beruflich veranlasste Reisen
(z. B. Messe- und Kongressbesuche), und inwiefern werden diese in die
Infrastrukturplanung einbezogen?
15. Welche Daten liegen zu Anzahl, Verteilung und Entwicklung von
Reisemobilstellplätzen in kommunaler oder privater Trägerschaft in
Deutschland vor, und werden diese bundesweit systematisch erfasst?
16. Welche Daten liegen zur Ausstattung von Reisemobilstellplätzen in
kommunaler oder privater Trägerschaft vor, insbesondere im Hinblick auf Ver-
und Entsorgungsmöglichkeiten (Frischwasser sowie Grau- und
Schwarzwasser), Stromanschlüsse und sanitäre Einrichtungen?
17. Welche wirtschaftlichen Effekte für Betreiberinnen und Betreiber von
Rastanlagen, Rasthöfen und Autohöfen, etwa durch längere Verweildauer
oder zusätzliche Umsätze in Gastronomie und Einzelhandel, sind
bekannt?
18. Ist geplant, Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile künftig als
verpflichtenden oder regelhaften Bestandteil bei Neubau, Ausbau oder
grundlegender Sanierung von Rastanlagen vorzusehen?
19. Welche Pilotprojekte zum Ausbau von Ver- und Entsorgungsinfrastruktur
für Reisemobile an Bundesautobahnen, Bundesstraßen, Rastanlagen,
Rasthöfen oder Autohöfen wurden seit 2020 umgesetzt, und welche
Ergebnisse liegen hierzu vor?
20. Bis wann soll eine bedarfsgerechte beziehungsweise flächendeckende
Mindestversorgung mit Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für
Reisemobile entlang des Bundesfernstraßennetzes sichergestellt werden?
21. Welche konkreten nächsten Schritte sind in der laufenden
Legislaturperiode zur Verbesserung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für
Reisemobile an Bundesautobahnen und Bundesstraßen vorgesehen?
Berlin, den 18. Mai 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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