Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Den Standort Europa wählen für Biowissenschaften - Eine Strategie, um Europa bis 2030 zum weltweit attraktivsten Standort für Biowissenschaften zu machen
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Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Den Standort Europa wählen für Biowissenschaften - Eine Strategie, um Europa bis 2030 zum weltweit attraktivsten Standort für Biowissenschaften zu machen
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 332/25
17.07.25
EU - AV - G - In - K - U - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Den Standort Europa
wählen für Biowissenschaften - Eine Strategie, um Europa bis 2030 zum weltweit
attraktivsten Standort für Biowissenschaften zu machen
COM(2025) 525 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 34/18 = AE-Nr. 180112;
Drucksache 175/24 = AE-Nr. 240374;
Drucksache 65/25 = AE-Nr. 250115;
Drucksache 204/25 = AE-Nr. 250388
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 2.7.2025
COM(2025) 525 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Den Standort Europa wählen für Biowissenschaften
Eine Strategie, um Europa bis 2030 zum weltweit attraktivsten Standort für
Biowissenschaften zu machen
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Den Standort Europa wählen für Biowissenschaften
Eine Strategie, um Europa bis 2030 zum weltweit attraktivsten Standort für
Biowissenschaften zu machen
1. CHANCEN FÜR BIOWISSENSCHAFTEN IN EUROPA: EINE STRATEGISCHE VISION FÜR EINE
WELTWEITE FÜHRUNGSROLLE
Einführung
Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 zum globalen Leuchtturm für
Biowissenschaften zu werden und ein Ökosystem zu bieten, in dem Innovationen gedeihen und
Durchbrüche in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Nachhaltigkeit das Leben
verbessern.
Die Biowissenschaften stehen im Mittelpunkt der Fähigkeit Europas, das Leben der Menschen
zu verbessern, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu entwickeln und die Erde zu schützen.
Ihre Bandbreite reicht von bahnbrechenden medizinischen Behandlungen bis hin zu
nachhaltiger Landwirtschaft und klimafreundlichen Lösungen; diese fördern Innovationen, die
allen Menschen in Europa eine Zukunft in Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand ermöglichen.
Diese Strategie dient einem mutigen, aber praktischen Ziel: Die EU soll in den
Biowissenschaften weltweit führend werden und Spitzenforschung in reale Lösungen
umsetzen, welche die öffentliche Gesundheit stärken, den Einsatz sauberer Technologien
fördern und neue Industrien und hochwertige Arbeitsplätze in Europa unterstützen und in
großem Maßstab nutzen.
Europas Exzellenz in den Bereichen Gesundheit, Biotechnologie, Landwirtschaft, Ernährung
und Umwelt muss durch gezielte Investitionen und eine bessere Koordinierung zwischen
Sektoren, Regionen und wissenschaftlichen Disziplinen weiter unterstützt werden. Die
greifbaren Vorteile können vielfältig sein: von der Beschleunigung medizinischer Innovationen
bis hin zur Prävention und Behandlung von Krankheiten, zur Personalisierung der Pflege und
zur Stärkung der Gesundheitssysteme, von der Unterstützung wettbewerbsfähiger, nachhaltiger
und resilienter Lebensmittelsysteme und biobasierter Industriezweige, welche die Natur
schützen und die Umweltauswirkungen verringern, bis hin zu neuen Biotechnologien, die das
Wachstum in Bereichen wie Bioproduktion und moderne Werkstoffe fördern. All dies wird
unmittelbar zu einer strategischen Resilienz beitragen, indem der Zugang zu kritischem Wissen,
Instrumenten und Technologien in Europa gesichert wird.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies eine bessere Gesundheit in jedem Alter, eine
größere Auswahl an sicheren Lebensmitteln, eine sauberere und widerstandsfähigere Umwelt
und starke, zukunftsfähige Volkswirtschaften. Für Unternehmen bietet dies dynamische
Innovationssysteme und berechenbare Wege zur Umsetzung von Lösungen in größerem
Maßstab. Neben dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist dies auch eine strategische Investition
in die Generationengerechtigkeit, da das Ziel darin besteht, dass Europa mit gutem Beispiel
vorangeht, damit Innovationen sowohl heute als auch in künftigen Generationen den Menschen
und dem Planeten zugutekommen.
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Was sind Biowissenschaften?
Biowissenschaften erforschen lebende Systeme – Menschen, Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen
bis hin zu Ökosystemen und deren Verflechtungen – in einer Reihe oft miteinander verbundener
Disziplinen. Fortschritte beim Verständnis der Mechanismen des Lebens haben neue Horizonte
und Möglichkeiten für die Nutzung biowissenschaftlicher Anwendungen in mehreren Sektoren
(z. B. Gesundheit, Lebensmittel oder Landwirtschaft – siehe unten) eröffnet. Die innovative
Kraft der Biowissenschaften liegt in der Nutzung bahnbrechender Technologien, einschließlich
Biotechnologien1, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI). Die Biotechnologie ist ein
wesentliches Instrument, um Kenntnisse in den Biowissenschaften voranzubringen, und gilt
selbst als ein Sektor, der viele Anwendungsbereiche von Lebensmitteln und Gesundheit bis hin
zu industriellen Prozessen und Kosmetika abdeckt.
Jüngste hochrangige Berichte (Letta2, Draghi3, Heitor4, Niinistö5) enthielten Empfehlungen für
die EU zur Stärkung ihres Binnenmarkts, ihrer Wettbewerbsfähigkeit und der Krisenvorsorge.
Biowissenschaften und ihre Anwendungen haben ein großes Potenzial, diese Empfehlungen in
die Praxis umzusetzen und die Zukunft Europas zu gestalten.
Die politischen Leitlinien von Präsidentin Ursula von der Leyen6 haben die Strategie für die
europäischen Biowissenschaften als Priorität für die Kommission 2024-2029 hervorgehoben.
Seitdem hat die Kommission den Kompass für Wettbewerbsfähigkeit7 veröffentlicht, in dem
1 Biotechnologie ist die „Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen sowie Teile von ihnen, ihre
Produkte oder Modelle, zur Veränderung von lebender oder nicht-lebender Materie zur Erweiterung des Wissensstandes, zur
Herstellung von Gütern und zur Bereitstellung von Dienstleistungen (OECD; https://dx.doi.org/10.1787/085e0151-en).
Biotechnologie ist eine Untergruppe der Biowissenschaften (siehe Haaf, A., Sale, V., „Measuring the Economic Footprint of
the Biotechnology Industry in the European Union, prepared for EuropaBio“, WifOR Darmstadt, 2025
https://www.europabio.org/wp-content/uploads/2025/03/WifOR_EuropaBio2025.pdf; oder UK Bio Industry Association
https://www.bioindustry.org/about/what-is-biotech.html).
2 https://single-market-economy.ec.europa.eu/news/enrico-lettas-report-future-single-market-2024-04-10_en.
3 https://commission.europa.eu/topics/eu-competitiveness/draghi-report_en.
4 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_24_5305.
5 https://commission.europa.eu/topics/defence/safer-together-path-towards-fully-prepared-union_en.
6 https://commission.europa.eu/document/e6cd4328-673c-4e7a-8683-f63ffb2cf648_de.
7 COM(2025) 30 final (https://commission.europa.eu/document/download/10017eb1-4722-4333-add2-e0ed18105a34_en).
3
das Potenzial der Biowissenschaften zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in verschiedenen
Sektoren und ihre Rolle bei der Förderung von Innovationen in der Biotechnologie
hervorgehoben werden.
Hintergrund
Im Jahr 2022 waren in den Sektoren der europäischen Biowissenschaften8 insgesamt rund
29 Millionen Menschen beschäftigt. Sie generierten eine Wertschöpfung von 1,5 Bio. EUR,
was 13,6 % der Gesamtbeschäftigung in der EU und 9,4 % des BIP der EU entspricht (siehe
Abbildung 1)9. In den letzten zehn Jahren verzeichneten die biowissenschaftlichen Sektoren der
EU ein stetiges jährliches Wachstum von 4-7 % ihrer Wertschöpfung.
Abbildung 1: Wertschöpfung in den biowissenschaftlichen Sektoren (in Mio. EUR und als Prozentsatz des BIP der
EU; aus Lasarte-López, J., González-Hermoso, H., M’barek, R., 2025)
Zentrale demografische Kennzahlen wie die alternde Bevölkerung Europas und die steigenden
Gesundheitskosten erfordern intelligentere und kostengünstigere Möglichkeiten für die
Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Im Hinblick auf die Zukunft kann der
allen Generationen, insbesondere älteren Menschen, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Die Dynamik der sogenannten Seniorenwirtschaft und der Langlebigkeitswirtschaft kann
genutzt werden, um Innovation, Forschung und Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Der
Erhalt einer gesunden Bevölkerung, auch durch gesunde und nahrhafte Lebensmittel, ist für den
Wohlstand und das gesellschaftliche Wohlergehen entscheidend. Darüber hinaus sind
Gesundheitsinnovationen in Zeiten großer geopolitischer Herausforderungen von zentraler
Bedeutung, um die Sicherheit der Gesundheitsversorgung und die Autonomie der EU zu
gewährleisten. Der europäische Agrar- und Lebensmittelsektor ist ein Innovationszentrum mit
8 Die biowissenschaftlichen Sektoren umfassen Tätigkeiten, die sich auf Wissen und Innovation im Bereich der
Biowissenschaften stützen, darunter Gesundheitsversorgung, Pharmazie, Biotechnologie, Medizinprodukte und Agrar- und
Lebensmitteltechnologien (siehe Lasarte-López, J., González-Hermoso, H., M’barek, R., „The Life Sciences sectors in the EU:
drivers of economic growth and innovation“. Europäische Kommission, Sevilla, 2025, JRC142396,
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC142396).
9 Lasarte-López, J., González-Hermoso, H., M’barek, R., „The Life Sciences sectors in the EU: drivers of economic growth
and innovation“. Europäische Kommission, Sevilla, 2025, JRC142396,
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC142396.
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neuen Produkten und Wertschöpfungsketten, die Sicherheit, Nachhaltigkeit und soziale
Verantwortung miteinander verbinden. Lebendige ländliche Gebiete und eine innovative
Lebensmittelindustrie sind auf Fortschritte in den Biowissenschaften angewiesen, während
nachhaltige fortschrittliche Biokraftstoffe und Kraftstoffe aus abfallbasierten Prozessen zu den
Klimazielen und der Energieversorgungssicherheit beitragen. Die Biowissenschaften spielen
auch eine entscheidende Rolle für den Schutz und die Wiederherstellung der Umwelt, die
Verbesserung von Verfahren wie Agrarökologie, Agroforstwirtschaft oder
ökologischer/biologischer Landwirtschaft, bei der Entwicklung von Produkten zur
Verringerung von Treibhausgasemissionen oder neuen Pflanzensorten, die gegenüber dem
Klimawandel widerstandsfähig sind, und bei der Verringerung des ökologischen Fußabdrucks
der Industrie, was dazu beiträgt, die natürlichen Ressourcen Europas für künftige Generationen
zu schützen.
Die Stärken Europas
Europa hat das Potenzial, im Bereich Biowissenschaften weltweit führend zu werden. Es bietet
hochklassige Forschungs- und Bildungsmöglichkeiten sowie ein entschlossenes Engagement
für akademische Freiheit, Vielfalt und Inklusion, wie in der Initiative „Choose Europe“10
hervorgehoben wird. Europa besitzt eine große Dynamik im Bereich der Biowissenschaften11,
mit Forschungseinrichtungen und -infrastrukturen von Weltrang, die wegweisende
Arbeiten hervorbringen, sowie Biotechnologie-Clustern12, die Innovationen fördern.
Die EU gehört bei biowissenschaftlichen Veröffentlichungen13 zu den weltweit führenden
Regionen. Sie verfügt auch im Hinblick auf die weltweiten Patente mit großem Wert im
Biotechnologiesektor über eine gute Dynamik und steht mit einem Anteil von 18 % an zweiter
Stelle hinter den USA (39 %). Ihre Position wird jedoch bald von China infrage gestellt werden,
das rasch aufholt (mit einem Anteil von 10 %)14,15.
Was die Dynamik der Industrie betrifft, so sind die Biotechnologien wichtige Triebkräfte für
Innovationen in den biowissenschaftlichen Sektoren und von entscheidender Bedeutung für die
Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in der EU. Die Produktivität in diesem
Sektor liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt und die Beschäftigung wächst sechsmal
schneller als die Gesamtwirtschaft der EU16. Dies unterstreicht das enorme Potenzial der
10 „Choose Europe“ stuft Europa als Ziel der Wahl für Forschung, Innovation und Unternehmertum ein
(https://commission.europa.eu/topics/research-and-innovation/choose-europe_en).
11 Lasarte-López, J., González-Hermoso, H., M’barek, R., „The Life Sciences sectors in the EU: drivers of economic growth
and innovation“. Europäische Kommission, Sevilla, 2025, JRC142396,
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC142396.
12 Ein Biocluster ist eine geografische Konzentration vernetzter Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen,
die sich auf Biotechnologie und Biowissenschaften konzentrieren und Zusammenarbeit und Innovation fördern.
13 Gesamtzahl der Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften, die unter den ASJC-Fachgebieten als
„Biowissenschaften“ und „Gesundheitswissenschaften“ eingestuft werden, normalisiert auf die jeweilige Einwohnerzahl der
Länder; Datenabruf: April 2025.
14 Grassano, N. et al., „Exploring the global landscape of biotech Innovation: preliminary insights from patent analysis“, Amt
für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg, 2024, doi:10.2760/567451, JRC137266.
15 Grassano, N., M’barek, R., „Trends in Patents in Life Science: focus on Pharmaceuticals and Medical Technologies“.
Europäische Kommission, Sevilla, 2025, JRC142609, https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC142609.
16 Haaf, A., Sale, V., „Measuring the Economic Footprint of the Biotechnology Industry in the European Union, prepared for
EuropaBio, WifOR Darmstadt, 2025 (https://www.europabio.org/wp-content/uploads/2025/03/WifOR_EuropaBio2025.pdf).
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europäischen Biotechnologie für industrielle Anwendungen. Im Jahr 2024 beherbergte die EU
15 % der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Forschung und Innovation (FuI) im
Gesundheitswesen (64 Unternehmen mit Sitz in der EU)17. In der EU entwickelte Produkte
werden mit Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit in Verbindung gebracht. Gleichzeitig haben
sich die FuE-Ausgaben der Unternehmen in den biowissenschaftlichen Sektoren zwischen 2012
und 2022 fast verdoppelt (siehe Abbildung 2)18.
17 https://iri.jrc.ec.europa.eu/data.
18 Lasarte-López, J., González-Hermoso, H., M’barek, R., „The Life Sciences sectors in the EU: drivers of economic growth
and innovation“. Europäische Kommission, Sevilla, 2025, JRC142396,
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC142396.
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Abbildung 2: FuE-Ausgaben der Unternehmen in den biowissenschaftlichen Sektoren (aus Lasarte-López,
J., González-Hermoso, H., M’barek, R., 2025)
Künftige Herausforderungen
Die EU ist auf globaler Ebene einem harten Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften wie
den USA und China ausgesetzt, wobei eine wachsende Innovationslücke und ein alarmierendes
Versäumnis, Innovationen in Produkte oder Dienstleistungen umzusetzen, zu verzeichnen sind.
Innovative Unternehmen haben Schwierigkeiten, in Europa zu expandieren19. Auch die
Lücke bei den Risikokapitalinvestitionen wird zunehmend größer. Diese negativen Trends
deuten auf strukturelle Hindernisse hin, welche die Wertschöpfungsketten der
Biowissenschaften in Europa beeinträchtigen. Fragmentierte FuI-Ökosysteme, die begrenzte
und oft verzögerte Valorisierung technologischer Durchbrüche und die unzureichende
Nutzung von Daten und künstlicher Intelligenz (KI) schränken unser Potenzial ein.
Darüber hinaus deuten einige Trends im Bereich der Biowissenschaften auf besorgniserregende
Entwicklungen hin: beispielsweise in Bezug auf die Anzahl der durchgeführten klinischen
Prüfungen20 oder den Marktanteil für Produkte mit hoher Wertschöpfung wie Arzneimittel für
neuartige Therapien.
Innovatoren im Bereich der Biowissenschaften haben manchmal auch mit komplexen
rechtlichen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Innovatoren sind oft mit der Notwendigkeit
konfrontiert, sowohl die EU-Rechtsvorschriften als auch die nationalen Rechtsvorschriften zu
befolgen, die nicht ausreichend innovationsfreundlich und zukunftssicher sind und keine klaren
Wege für den Marktzugang aufweisen. Die Risiken eines Verlusts der Wettbewerbsfähigkeit
gegenüber anderen Regionen sind in Bereichen wie Medizinprodukte und klinische Forschung
19 https://commission.europa.eu/topics/eu-competitiveness/draghi-report_en.
20 Key performance indicators (KPIs) to monitor the European clinical trials environment. Documents - European Union
(https://accelerating-clinical-
trials.europa.eu/documents_en?f%5B0%5D=document_title%3AKPI&f%5B1%5D=priority_actions_priority_actions%3A2).
7
besonders hoch. Aus diesem Grund müssen die Mitgliedstaaten und die Kommission ihre Kräfte
bündeln.
Es ist von entscheidender Bedeutung, diese Hindernisse zu überwinden, um das Potenzial der
Biowissenschaften voll auszuschöpfen. In Bezug auf die Biotechnologien bewertet die
Kommission bereits, wie die EU-Rechtsvorschriften und ihre Umsetzung gestrafft werden
können, um die Fragmentierung zu verringern, das Potenzial für eine Vereinfachung zu nutzen
und die Zeit bis zur Markteinführung von Innovationen im Biotechnologiesektor zu verkürzen.
Mit dem anstehenden Biotech-Rechtsakt soll die Umsetzung biotechnologischer Innovationen
in verbesserte industrielle Verfahren und Produkte, die auf den Markt gebracht werden können,
beschleunigt werden.
Erschließung des Potenzials lebendiger Biowissenschaften in der EU – Eine Strategie für
die Biowissenschaften in Europa
Das übergeordnete Ziel dieser Strategie lautet, die EU bis 2030 zum attraktivsten Ort der
Welt für Biowissenschaften zu machen21. In der Strategie wird eine Reihe von Maßnahmen
angekündigt, die in den kommenden Jahren entwickelt und umgesetzt werden sollen, um ein
dynamisches und wettbewerbsfähiges Ökosystem für die Biowissenschaften zu fördern. Die
Verwirklichung dieser Vision erfordert ein koordiniertes Vorgehen in der gesamten
biowissenschaftlichen Wertschöpfungskette – von FuI bis hin zur Markteinführung und
Akzeptanz sicherer und nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen durch die Nutzer. Dies
erfordert auch die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den Akteuren im Bereich der
Biowissenschaften, um Investitionen, Fachwissen und Ressourcen so wirksam wie möglich zu
nutzen.
Um diese Ziele zu erreichen, werden in der Strategie Maßnahmen in drei miteinander
verknüpften Phasen vorgeschlagen, die allesamt den „Innovationspfad für die
Biowissenschaften“ untermauern:
Optimierung des FuI-Ökosystems zur Verwirklichung eines weltweit
wettbewerbsfähigen Biowissenschaftssektors: durch verstärkte Zusammenarbeit und
optimierte Ressourcennutzung, Förderung eines ganzheitlichen Ansatzes, Nutzung von
Daten und KI, Sicherstellung angemessener Kompetenzen und Unterstützung einer
nachhaltigen Industrie,
Gewährleistung eines reibungslosen und raschen Marktzugangs für
biowissenschaftliche Innovationen: durch eine innovationsfreundlichere Regulierung,
die Anwendung des Innovationsprinzips sowie Reallabore und eine bessere
Mobilisierung privater und öffentlicher Investitionen,
Förderung der Akzeptanz und Nutzung biowissenschaftlicher Innovationen: durch
bessere Möglichkeiten, mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten, um
Desinformation zu bekämpfen und Vertrauen aufzubauen, und enger mit den
21 Die Fortschritte werden anhand von Kennzahlen gemessen, die das Wachstum in diesem Sektor verfolgen, z. B.
Beschäftigung, Wertschöpfung, Unternehmensausgaben für FuE und die Zahl länderübergreifender klinischer Prüfungen.
8
Endnutzern zusammenzuarbeiten, um angemessene Lösungen für ihre spezifischen
Bedürfnisse sicherzustellen.
Mehrere EU-Initiativen, darunter die EU-Strategie für Start-ups und Scale-ups22, die Strategie
für die Spar- und Investitionsunion23, die Union der Kompetenzen24 und der bevorstehende EU-
Biotech-Rechtsakt, die Strategie für medizinische Gegenmaßnahmen, die
Bevorratungsstrategie und die Bioökonomie-Strategie, werden dazu beitragen, die in der
Strategie für die Biowissenschaften in Europa festgelegten Ziele zu erreichen.
Die Kommission schlägt eine verstärkte Koordinierung seitens ihrer Dienststellen für die
Umsetzung und Überwachung der in der Strategie vorgesehenen Maßnahmen vor.
Über 10 Mrd. EUR aus EU-Finanzierungsprogrammen („Horizont Europa“, EU4Health,
Digitales Europa, LIFE, Innovationsfonds, Erasmus+) unterstützen jährlich Maßnahmen zur
Umsetzung dieser Strategie im derzeitigen mehrjährigen Finanzrahmen.
2. OPTIMIERUNG DES FUI-ÖKOSYSTEMS ZUR FÖRDERUNG EINES WELTWEIT
WETTBEWERBSFÄHIGEN BIOWISSENSCHAFTSSEKTORS
Stärkung von Forschung und Innovation in Europa
Die Schaffung von Wissen ist eine wesentliche Grundlage für ein lebendiges Ökosystem im
Bereich Biowissenschaften und für die Entwicklung von Technologien und Innovationen.
„Horizont Europa“, das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, unterstützt
Grundlagenforschung und Pionierforschung25 sowie Arbeiten zur Umsetzung neuer
Entdeckungen in praktische Anwendungen und Produkte26, unter anderem durch
interdisziplinäre Kooperationsprojekte27. Ergänzt wird dies durch die EU-Kohäsionspolitik,
deren Schwerpunkt auf der Stärkung der regionalen FuI-Kapazitäten liegt. Die Kommission
wird weiterhin solide biowissenschaftliche Forschung unterstützen. Die Kommission wird
ferner europaweite Forschungs- und Technologieinfrastrukturen28 fördern und
Produktionsprozesse optimieren, z. B. für Bioökonomie-Technologien. Die künftige EU-
Strategie für Forschungs- und Technologieinfrastrukturen wird darauf abzielen, deren
Nachhaltigkeit, Koordinierung und Barrierefreiheit zu stärken.
Obwohl die EU über eine starke FuI-Grundlage verfügt, steht sie vor Hindernissen, wenn es
darum geht, wissenschaftliche Durchbrüche in praktische Anwendungen umzusetzen. Trotz
einer Reihe von Finanzierungsinstrumenten ist die EU bei der Unterstützung von Technologien
22 COM(2025) 270 final (https://research-and-innovation.ec.europa.eu/document/download/2f76a0df-b09b-47c2-949c-
800c30e4c530_en).
23 COM(2025) 124 final (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52025DC0124).
24 COM(2025) 90 final (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX%3A52025DC0090).
25 Siehe beispielsweise Europäischer Forschungsrat (https://erc.europa.eu/projects-statistics/mapping-erc-frontier-research)
und EIC Pathfinder (https://eic.ec.europa.eu/eic-funding-opportunities/eic-pathfinder_en).
26 Siehe den halbjährlichen Überwachungsbericht 2024 über Partnerschaften im Rahmen von „Horizont Europa“
(https://op.europa.eu/de/web/eu-law-and-publications/publication-detail/-/publication/8f71dfd0-76fe-11ef-bbbe-
01aa75ed71a1) und EIC Accelerator (https://eic.ec.europa.eu/eic-funding-opportunities/eic-accelerator_en).
27 „Horizont Europa“, Säule II – Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas
28 Es gibt bereits drei Technologie-Infrastrukturen für die Sicherheitsprüfung medizinischer Technologien und vier für
nanogestützte biobasierte Werkstoffe: Open Innovation Testbeds for Advanced Materials – European Commission
(https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/0aaf1e05-2082-11ee-94cb-01aa75ed71a1/language-en).
9
in allen Entwicklungsstadien noch nicht erfolgreich vorangekommen und verfügt nicht über
ausreichende Folgefinanzierungen für vielversprechende Ergebnisse.
Die Herausforderung durch Fragmentierung und Silos kann dadurch überwunden werden, dass
biowissenschaftliche Disziplinen, Interessenträger und Finanzmittel in dynamische und
vernetzte FuI-Ökosysteme zusammengeführt werden, da die Zusammenarbeit zwischen
Forschenden, Innovatoren, Industrie, Nutzern und politischen Entscheidungsträgern besser auf
den spezifischen Bedarf an Lösungen mit vielversprechenden Innovationen abgestimmt ist. Sie
verbessern auch die Effizienz des Prozesses der Umsetzung von Wissen in praktische
Anwendungen.
Erfolgreiche Modelle für FuI-Ökosysteme umfassen Partnerschaften, Missionen und
Biocluster. Europäische Partnerschaften29 und EU-Missionen30 im Rahmen von „Horizont
Europa“ fördern die langfristige Zusammenarbeit, verringern die Fragmentierung und sorgen
für eine kritische Größe.
Die kofinanzierte Partnerschaft „Europäische Allianz für die Erforschung seltener Krankheiten“
(ERDERA31) zielt darauf ab, Europa im Bereich der Forschung und Innovation für seltene
Krankheiten weltweit führend zu machen, indem sie europäische und nationale
Forschungsförderer zusammenbringt. Dazu gehören auch die europäischen
Forschungsinfrastrukturen im Bereich der Biowissenschaften, die von der JRC verwaltete
Europäische Plattform für die Registrierung seltener Erkrankungen32, Patientenorganisationen,
die von EU4Health finanzierten Europäischen Referenznetzwerke33 sowie Forschung
betreibende öffentliche Organisationen, Stiftungen und die Industrie. Zu den weiteren von der
EU kofinanzierten Partnerschaften zählt Biodiversa+ mit Möglichkeiten zur Wiederherstellung
und zum Schutz von Ökosystemen und zur Unterstützung des Konzepts „Eine Gesundheit“ und
der Europäischen Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierschutz34, die Möglichkeiten zur
Förderung der biowissenschaftlichen Forschung zur Stärkung der Tiergesundheit bietet. Im
Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik unterstützt die Europäische Innovationspartnerschaft
für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft lokale, von der Basis ausgehende
innovative Projekte, um sicherzustellen, dass Fortschritte in den Biowissenschaften zu
praktischen Innovationen werden, die den tatsächlichen Bedürfnissen von Land- und
Forstwirten und ländlichen Gemeinden gerecht werden.
Ziel der EU-Mission „Ein ‚Boden-Deal‘ für Europa“ (Mission „Boden“)35 ist es, bis 2030
100 Living Labs und Leuchttürme zu schaffen, um eine nachhaltige Land- und
Bodenbewirtschaftung in städtischen und ländlichen Gebieten zu fördern.
29 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/funding/funding-opportunities/funding-programmes-and-open-calls/
horizoneurope/european-partnerships-horizon-europe_en.
30 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/funding/funding-opportunities/funding-programmes-and-open-calls/
horizoneurope/eu-missions-horizon-europe_en.
31 https://erdera.org/.
32 https://eu-rd-platform.jrc.ec.europa.eu/_de.
33 https://health.ec.europa.eu/rare-diseases-and-european-reference-networks/european-reference-networks_de.
34 https://www.eupahw.eu/.
35 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/funding/funding-opportunities/funding-programmes-and-open-calls/
horizoneurope/eu-missions-horizon-europe/soil-deal-europe_en.
10
Um die Akzeptanz von Innovationen aus dem Bereich der Biowissenschaften in allen FuI-
Ökosystemen weiter zu unterstützen, wird die EU im Rahmen ihrer Kohäsionspolitik eine
stärkere Vernetzung und territorialen Zusammenhalt zwischen lokalen, regionalen und
nationalen Akteuren fördern. Durch die Nutzung der neuen Flexibilitätsmöglichkeiten, die im
Rahmen der Halbzeitüberprüfung der Kohäsionspolitik eingeführt wurden, insbesondere der
Option, Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung dem Instrument für
interregionale Innovationsinvestitionen (I3) zuzuweisen, kann dies dazu beitragen, Lösungen
für die Biowissenschaften zu skalieren und FuI-Wertschöpfungsketten in allen Ländern und
Regionen besser zu integrieren.
Die Gemeinschaft des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT), insbesondere
die Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC) EIT Health, EIT Food, EIT Climate und
künftig EIT Water spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung der Biowissenschaften in ganz
Europa. Sie erstreckt sich auf Bildung, Unternehmertum, Investitionen und sektorübergreifende
Zusammenarbeit, die alle auf die Förderung von Innovation und die Bewältigung wichtiger
Herausforderungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft,
Lebensmittelsysteme oder Klimaherausforderungen ausgerichtet sind.
Biocluster, die auch durch die Tätigkeiten der Europäischen Plattform für Cluster-
Zusammenarbeit unterstützt werden, stellen eine weitere Art von Ökosystem auf lokaler,
regionaler oder nationaler Ebene dar. Sie bringen verschiedene Interessenträger zusammen, um
Innovationen zu beschleunigen, indem Wissen in bestimmten biowissenschaftlichen Bereichen,
insbesondere in der Biotechnologie, konzentriert wird. Solche Modelle sollten für
länderübergreifende klinische Prüfungen und Arzneimittel für neuartige Therapien genutzt
werden.
Die Nutzung der Fähigkeiten europäischer Biocluster wird ebenfalls große Vorteile mit sich
bringen. In Europa gibt es bereits mehrere Biocluster. Es besteht Spielraum, um ihr globales
Ansehen36 zu verbessern, privates Kapital anzuziehen, das Unternehmertum zu fördern und
sicherzustellen, dass die EU wettbewerbsfähig bleibt. Durch die Ermittlung von weiteren
Exzellenzzentren37 kann die EU ihre Kapazitäten im Bereich der biowissenschaftlichen
Innovation stärken.
Solche FuI-Ökosysteme eignen sich z. B. gut für die Gewährleistung einer nachhaltigen
Bewirtschaftung von Biomasse oder die Entwicklung medizinischer Gegenmaßnahmen sowie
für kritische Arzneimittel, die jeweils durch die künftige Bioökonomie-Strategie, die Strategie
für medizinische Gegenmaßnahmen und den Rechtsakt zu kritischen Arzneimitteln38
abgedeckt werden. Der Draghi- und der Letta-Bericht weisen darauf hin, dass Maßnahmen
36 Van Looy, Bart, et al. „Growth of biotech clusters over several decades through pioneering, variety and entrepreneurial
science“. Nature biotechnology 42.1 (2024): 20-25.
37 Exzellenzzentren sind spezielle Einrichtungen innerhalb von Bioclustern, die sich auf ein bestimmtes Fachgebiet
konzentrieren und wichtige Innovationsinfrastrukturen für den Fortschritt der Forschung in bestimmten Technologien mit hoher
Wertschöpfung, Wissenstransfer und Produktentwicklung bereitstellen.
38 https://health.ec.europa.eu/medicinal-products/legal-framework-governing-medicinal-products-human-use-eu/
criticalmedicines-act_en.
11
insbesondere für länderübergreifende klinische Prüfungen und Arzneimittel für neuartige
Therapien erforderlich sind.
Investitionen in die Forschung und -Entwicklung von Arzneimitteln für neuartige
Therapien sind nicht nur von entscheidender Bedeutung, um die Behandlungsergebnisse zu
verbessern, sondern auch, um Europas weltweite Führungsposition im Bereich der
biomedizinischen Innovation zu stärken. Arzneimittel für neuartige Behandlungsmethoden
stellen eine moderne Kategorie von Therapien dar, die zur Behandlung eines breiten Spektrums
von Erkrankungen beim Menschen konzipiert sind, darunter schwere, chronische oder seltene
Krankheiten, bei denen Standardbehandlungen oft nicht ausreichen.
So mussten beispielsweise Kinder mit der seltenen genetischen Erkrankung ADA-SCID
aufgrund ihres beeinträchtigten Immunsystems unter sterilen und isolierten Bedingungen leben.
Die europäischen Forschenden sind Vorreiter bei dem ersten Arzneimittel für neuartige
Therapien zur Behandlung von ADA-SCID, das teilweise aus den Rahmenprogrammen für
Forschung und Innovation finanziert wird39. Die Therapie, die nur einmal verabreicht werden
muss, korrigiert das defekte Gen in den Immunzellen und ermöglicht es diesen Kindern, zur
Schule zu gehen und ein erfülltes Leben zu führen. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Arrest
Blindness“40, in dessen Rahmen eine Bio-Cornea entwickelt wurde, mit der Patienten, die
ansonsten sehbehindert oder blind geblieben wären, ihr Sehvermögen wiedererlangten41.
Klinische Prüfungen sind eine Art von Forschung, bei der neue Tests und Behandlungen
untersucht und deren Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren bewertet
werden42. Diese Forschungsstudien sind von entscheidender Bedeutung, um wissenschaftliche
Entdeckungen in Gesundheitslösungen für die praktische Anwendung zu übertragen43. Europa
bietet aufgrund seiner großen Bevölkerung und reichen genetischen Vielfalt sowie seiner
wissenschaftlichen Exzellenz, Forschungsinfrastrukturen und hohen Ethik-, Qualitäts- und
Sicherheitsstandards einzigartige Vorteile für die klinische Forschung am Menschen. Ein
inklusiver Ansatz für klinische Prüfungen ist von entscheidender Bedeutung, um diese Vorteile
zu nutzen44.
Um den Rahmen für die klinische Forschung in Europa zu verbessern, müssen wir die
regulatorischen Herausforderungen (siehe Abschnitt 3) angehen und das Ökosystem für die
39 Advanced Cell-based Therapies for the treatment of Primary ImmunoDeficiency (CELL-PID; FP7)
(https://cordis.europa.eu/project/id/261387); DevelopIng Genetic medicines for Severe Combined Immunodeficiency
(SCIDNET; Horizon 2020) (https://cordis.europa.eu/project/id/666908).
40 Advanced Regenerative and REStorative Therapies to combat corneal BLINDNESS (ARREST BLINDNESS)
(https://cordis.europa.eu/project/id/667400).
41 Das schwedische Unternehmen LinkoCare (https://www.linkocare.com/) hat die biotechnische Cornea weiterentwickelt:
LinkCor® ist ein biokompatibles Hornhautimplantat zur Behandlung von Hornhautblindheit und -trübung.
42 Siehe Definition der Weltgesundheitsorganisation (https://www.who.int/health-topics/clinical-trials#tab=tab_1); in der
Verordnung (EU) Nr. 536/2014 über klinische Prüfungen werden klinische Prüfungen enger definiert als die Testung von
Prüfpräparaten am Menschen unter bestimmten Bedingungen.
43 Dazu gehören Behandlungen auf der Grundlage nuklearmedizinischer Techniken, wie innovative gezielte Krebstherapien,
die den Zugang für europäische Patienten fördern. In diesem Bereich entwickelte die Gemeinsame Forschungsstelle der
Kommission dank der verfügbaren nuklearen Infrastruktur und Ressourcen das bahnbrechende Actinium-225-PSMA. Diese
innovative Verbindung hat das hohe Potenzial einer gezielten Alpha-Therapie für die Krebsbehandlung unter Beweis gestellt
und weltweit großes Interesse an der Entwicklung weiterer mit Actinium-225 gekennzeichneter Radiopharmazeutika geweckt.
44 Siehe WHO-Leitfaden für bewährte Verfahren für klinische Prüfungen (2024).
12
klinische Forschung etwa durch unterstützende Infrastrukturen sowie Zentren und Netzwerke
für klinische Prüfungen verbessern. Darüber hinaus müssen mehr Mittel für
länderübergreifende klinische Prüfungen in Europa mobilisiert und das Modell regional
integrierter klinischer Forschungszentren gefördert werden, insbesondere zur Unterstützung
von KMU und zur Förderung der klinischen Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit.
Die Kommission wird weiterhin durch europäische Partnerschaften, einschließlich des
Gemeinsamen Unternehmens „Initiative zu Innovation im Gesundheitswesen“45, einen Beitrag
zur Erleichterung länderübergreifender klinischer Prüfungen leisten und dabei insbesondere auf
bestehende europäische Forschungsinfrastrukturen46, Netzwerke für klinische Prüfungen oder
Mechanismen zur Koordinierung klinischer Prüfungen im Zusammenhang mit der Vorsorge47
zurückgreifen. Die Kommission wird auch ein neues Konzept für die Finanzierung
multinationaler klinischer Prüfungen erproben und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der
Finanzierungslandschaft vorschlagen.
Ferner arbeitet die Kommission im Rahmen der Initiative „Beschleunigung klinischer
Prüfungen in der Europäischen Union“ (ACT EU48) daran, klinische Prüfungen durch
regulatorische, technologische und verfahrenstechnische Innovationen zu unterstützen.
Die Kommission wird im Rahmen der Initiative MedEthicsEU49 weiterhin mit den
Ethikausschüssen für medizinische Forschung der Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die
Bemühungen um eine Angleichung ihrer operativen Verfahren zu verstärken. In diesem
Zusammenhang wird die Entwicklung von Mustervorlagen, die zur Harmonisierung der
nationalen Anforderungen beitragen können, fortgesetzt und werden Anreize für deren
Verwendung geschaffen.
Was die steigende Zahl innovativer und personalisierter Behandlungen betrifft, bei denen
Arzneimittel und Medizinprodukte kombiniert werden, unterstützt das COMBINE-
Programm50 Sponsoren, wenn sie sowohl den Rechtsrahmen für klinische Prüfungen von
Arzneimitteln als auch für Medizinprodukte anwenden. Ziel des Programms ist es, die
Schnittstelle zwischen diesen Rechtsrahmen zu optimieren. Ein koordiniertes „all-in-one“-
Bewertungsverfahren, bei dem die Genehmigung von Arzneimitteln und Medizinprodukte
durch zuständige Behörden und Ethik-Kommissionen in mehreren Mitgliedstaaten in einem
45 https://www.ihi.europa.eu/projects-results/health-spotlights/impact-clinical-trials.
46 z. B. ECRIN, das European Clinical Research Infrastructure Network (https://ecrin.org/); BBMRI, die europäische
Forschungsinfrastruktur für Biobanken und biomolekulare Ressourcen (https://www.bbmri-eric.eu); oder EATRIS, die
europäische Infrastruktur für translationale Medizin (https://eatris.eu).
47 Untergruppe des HERA-Beirats zur Beratung bei der Priorisierung klinischer Prüfungen und ihrer Finanzierung bei Notlagen
im Bereich der öffentlichen Gesundheit
(E03860/1; https://ec.europa.eu/transparency/expert-groups-register/screen/expert-
groups/consult?lang=en&fromMainGroup=true&groupID=104872); „Horizont Europa“ CoMECT-Projekt
(https://cordis.europa.eu/project/id/101136531).
48 ACT EU ist eine gemeinsame Initiative der Kommission, der Europäischen Arzneimittel-Agentur und der Leiter der
nationalen Arzneimittelagenturen (https://www.ema.europa.eu/en/human-regulatory-overview/research-development/clinical-
trials-human-medicines/accelerating-clinical-trials-eu-act-eu).
49 https://health.ec.europa.eu/medicinal-products/clinical-trials/medethicseu_en.
50 https://health.ec.europa.eu/medical-devices-topics-interest/combined-studies_en.
13
einzigen Verfahren kombiniert wird, wodurch der Verwaltungsaufwand für Sponsoren
verringert wird, wird derzeit erprobt.
Angesichts des Potenzials von Partnerschaften und Bioclustern fordert die Kommission die
Mitgliedstaaten und andere Partner nachdrücklich auf, ihre Unterstützung für europäische
Partnerschaften zu verstärken und gezielte FuI-Investitionen auf lokaler, regionaler und
nationaler Ebene zu erhöhen.
Schließlich muss die EU, um weltweit an der Spitze zu bleiben, frühzeitig neue
wissenschaftliche Durchbrüche durch „Horizon Scanning“51 ermitteln und dann deren rasche
Umsetzung in Innovationen unterstützen. Dies wird dazu beitragen, öffentliche Investitionen52
und ihre Priorisierung zu unterstützen. Die Koordinierungsgruppe für Biowissenschaften
(siehe Abschnitt 5) wird eine zentrale Rolle bei der Erfassung der Möglichkeiten, der
Abstimmung der Finanzierungsprioritäten und der Integration bestehender Maßnahmen
spielen53.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
(Leitinitiative) Die Kommission wird einen Investitionsplan für klinische Forschung
vorschlagen, um die Finanzierung länderübergreifender klinischer Prüfungen im
Einklang mit den Wettbewerbsregeln zu erleichtern und die europäischen
Forschungsinfrastrukturen im Bereich der klinischen Forschung weiterzuentwickeln
und zu straffen.
(Leitinitiative) Die Kommission wird ein Netzwerk europäischer Exzellenzzentren für
Arzneimittel für neuartige Therapien einrichten, um gemeinsam mit den Mitgliedstaaten
ihre Weiterentwicklung unter Berücksichtigung bestehender Zentren mit einer
finanziellen Unterstützung in Höhe von 4 Mio. EUR aus dem Arbeitsprogramm 2026-
2027 von „Horizont Europa“ zu koordinieren54.
Die Kommission wird die Durchführung der Verordnung über klinische Prüfungen
weiterhin unterstützen, überwachen und bewerten, um die Wettbewerbsfähigkeit
Europas bei klinischen Prüfungen und bei Investitionen in die medizinische Forschung
zu steigern.
Die Kommission wird ein Pilotprojekt für die schrittweise Finanzierung der
Verbundforschung im Rahmen des Arbeitsprogramms 2026-2027 von „Horizont
Europa“55 einleiten, um Ergebnisse aus früheren EU-Projekten zu nutzen und die
Entwicklung vielversprechender Gesundheitstechnologien zu beschleunigen.
Die Kommission wird ein Pilotprojekt prüfen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit
zwischen EU-Biotech-Clustern in der gesamten EU zu ermitteln und zu nutzen, wobei
der Schwerpunkt auf der Unterstützung des Ausbaus ihrer Start-ups sowie auf der
51 Identifizierung neuer Erkenntnisse und frühzeitiger Anzeichen für Veränderungen in der Gegenwart, um deren potenzielle
künftige Auswirkungen zu antizipieren (https://www.oecd.org/en/about/programmes/strategic-foresight.html), auch in Bezug
auf wissenschaftliche und technologische Entwicklungen mit Anwendungspotenzial.
52 Siehe beispielsweise EIC Tech Report 2024.
53 Beispielsweise durch die Nutzung des Innovationsradars (https://innovation-radar.ec.europa.eu/) oder Studien wie „Weak
signals in Science and Technologies“ (2024; (https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC140959).
54 Im Rahmen der bestehenden Mittelausstattung des Programms.
55 Im Rahmen der bestehenden Mittelausstattung des Programms.
14
Stärkung ihrer globalen Positionierung bei der industriellen Innovation liegen wird. Die
Maßnahme sollte auf bestehenden Maßnahmen wie der Europäischen Plattform für
Cluster-Zusammenarbeit aufbauen.
Förderung eines ganzheitlichen Ansatzes für die Biowissenschaften
Der EU mangelt es derzeit an einem kohärenten und integrierten Rahmen für die
Biowissenschaften, was den Spielraum für eine politische Ausrichtung, sektorübergreifende
Zusammenarbeit und nachhaltige Lösungen einschränkt. Bereiche, in denen ein stärker
integrierter Rahmen von großem Nutzen wäre, sind Bereiche, die Ansätze im Rahmen des
Konzepts „Eine Gesundheit“ erfordern, sowie der Bereich, in dem die Zusammenhänge
zwischen Klimawandel und Gesundheit untersucht werden.
Das Konzept „Eine Gesundheit“56 erkennt die Verflechtung der Gesundheit von Mensch, Tier
und Umwelt an und zielt darauf ab, globale Herausforderungen auf nachhaltige Weise
anzugehen. Die EU kann das Konzept „Eine Gesundheit“ verfolgen, um die Gesundheit der
Menschen besser zu schützen, den ökologischen Wandel zu stärken und die
Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Gewährleistung der Umweltgesundheit und die
Eindämmung des Artensterbens sind von größter Bedeutung. In der wissenschaftlichen
Stellungnahme „One Health Governance in the EU“ (Eine Gesundheitspolitik in der EU)57
werden Maßnahmen empfohlen, um die Fragmentierung der politischen Maßnahmen, den
Mangel an Transdisziplinarität und Interdisziplinarität sowie die unzureichende Koordinierung
zwischen verwandten Sektoren anzugehen. Ein hervorragendes Beispiel für einen Mehrwert
durch das Konzept „Eine Gesundheit“ ist die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, die
nur unter Berücksichtigung von Zusammenhängen zwischen Mensch, Tier und Umwelt
unterbunden werden können. Die EU kann bei ihren Arbeiten in diesem Bereich auf der
Empfehlung des Rates zur Intensivierung der EU-Maßnahmen zur Bekämpfung von
antimikrobiellen Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“58 und auf der
Zusammenarbeit zwischen der EU und den Mitgliedstaaten59 aufbauen. Ein weiteres Beispiel
ist eine bessere Vorsorge und Reaktion auf Infektionskrankheiten, wobei eine Zusammenarbeit
wie DURABLE60, ein Netzwerk von Laboratorien für öffentliche Gesundheit und
Tiergesundheit und wissenschaftlichen Forschungsinstituten, die Fähigkeit der EU stärkt, rasch
auf neu auftretende, schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren zu reagieren.
Die Annahme des Konzepts „Eine Gesundheit“ würde auch erhebliche Chancen im Bereich der
Mikrobiome eröffnen, bei denen es sich um Gemeinschaften von Mikroorganismen wie
56 https://health.ec.europa.eu/one-health/overview_en.
57 Wissenschaftliche Stellungnahme ihres Mechanismus für wissenschaftliche Beratung mit dem Titel „One Health
Governance in the European Union“ (https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/56b65e58-a309-11ef-85f0-
01aa75ed71a1/language-en).
58 https://health.ec.europa.eu/publications/council-recommendation-stepping-eu-actions-combat-antimicrobial-resistance-
onehealth-approach_en.
59 z. B. die Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance (https://www.jpiamr.eu/), die bevorstehende
europäische Partnerschaft zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ (EUP
OHAMR; https://www.jpiamr.eu/activities/one-health-amr/) oder die Europäische Gemeinsame Maßnahme gegen
antimikrobielle Resistenzen und therapieassoziierte Infektionen (EUJAMRAI2; https://eu-jamrai.eu/).
60 https://durableproject.org/.
15
Bakterien oder Pilze handelt, die in einer bestimmten Umgebung zusammenleben und enge
Verbindungen aufweisen. Ein gründliches Verständnis von Mikrobiomen und ihren
Wechselwirkungen wird Möglichkeiten eröffnen, vorhandene Produkte für Gesundheit,
Ernährung, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Aquakultur und ökologische
Wiederherstellung zu verbessern und neue zu schaffen.
Parallel dazu müssen wir das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Klimawandel und
Gesundheit vertiefen, wobei den verschiedenen Altersgruppen, einschließlich älterer Menschen
sowie Menschen mit Behinderungen, Rechnung zu tragen ist61. Die neue strategische
Forschungs- und Innovationsagenda im Bereich Gesundheit und Klimawandel62 wird die
Entwicklung und Einführung hochwirksamer Lösungen unterstützen, darunter Instrumente zur
Überwachung von Gesundheitsrisiken, vorbeugende Maßnahmen und CO2-arme medizinische
Technologien. Der künftige europäische Plan zur Anpassung an den Klimawandel wird die
Mitgliedstaaten dabei unterstützen, die Resilienzplanung zu stärken, Klimarisikobewertungen
zu aktualisieren und eine robustere klimaresilientere Infrastruktur zu entwickeln, wobei die
Erfahrungen der EU-Mission zur Anpassung an den Klimawandel63 sowie die Konzepte und
Grundsätze des Neuen Europäischen Bauhauses zu berücksichtigen sind.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
(Leitinitiative) Die Kommission wird das Konzept „Eine Gesundheit“ in Forschung und
Innovation fördern, indem sie mit den Mitgliedstaaten und anderen Interessenträgern
zusammenarbeitet, um
i) weitere prioritäre Bereiche zu ermitteln, die von Ansätzen im Rahmen des Konzepts
„Eine Gesundheit“ profitieren würden, um für eine finanzielle Unterstützung in Frage
zu kommen, indem bestehende Daten und Datenspeicher genutzt werden, und
ii) Leitlinien zur Unterstützung von interdisziplinärer und transdisziplinärer Forschung
und Innovation im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ auszuarbeiten.
(Leitinitiative) Die Kommission strebt an, die EU im Rahmen des Konzepts „Eine
Gesundheit“ zu einem Innovator von Weltrang bei mikrobiombasierten Lösungen zu
machen, unter anderem durch die Mobilisierung von fast 100 Mio. EUR im Rahmen der
Arbeitsprogramme von „Horizont Europa“ für den Zeitraum 2026-2027, um die
Entwicklung und Einführung solcher Lösungen zu unterstützen.
(Leitinitiative) Die Kommission wird die neue strategische Forschungs- und
Innovationsagenda in den Bereichen Gesundheit und Klimawandel umsetzen, unter
anderem durch die Mobilisierung von Mitteln in Höhe von 170 Mio. EUR im Rahmen
von „Horizont Europa“, und fordert die Mitgliedstaaten und die Industrie auf, einen
Beitrag zu leisten. Die Kommission wird auch eine globale Forschungszusammenarbeit
vorschlagen, um die Abstimmung zwischen globalen Geldgebern zu fördern und die
Entwicklung von Lösungen zur Stärkung unserer Resilienz und zur Förderung der
Anpassung an den Klimawandel und des Klimaschutzes zu unterstützen.
61 Siehe zum Beispiel https://www.ohchr.org/en/climate-change/impact-climate-change-rights-older-persons.
62 https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/616cce9c-39e5-11f0-8a44-01aa75ed71a1.
63 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/funding/funding-opportunities/funding-programmes-and-open-calls/
horizoneurope/eu-missions-horizon-europe/adaptation-climate-change_en.
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Die Kommission wird eine strategische FuI-Agenda für Lebensmittelsysteme
entwickeln, um die Entwicklung wettbewerbsfähiger, nachhaltiger und resilienter
Lösungen für Lebensmittelsysteme zu fördern und den in der Vision für Landwirtschaft
und Ernährung angekündigten künftigen strategischen Ansatz für FuI in der Land- und
Forstwirtschaft und in ländlichen Gebieten zu ergänzen64.
Erschließung des Potenzials von Daten und KI für bahnbrechende Innovationen
Der Zugang zu umfangreichen, hochwertigen Datensätzen und die Fähigkeit, diese zu
analysieren, sind von entscheidender Bedeutung, um biowissenschaftliche Entdeckungen
voranzubringen. Die explosionsartige Vermehrung der weltweit erzeugten Datenmenge65 in
Verbindung mit raschen Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bietet
erhebliche Chancen für verschiedene Bereiche wie Umwelt oder Gesundheit. Dazu gehören die
Analyse komplexer biologischer Systeme, die Entwicklung einer personalisierten
Gesundheitsversorgung, einschließlich maßgeschneiderter Lösungen für bestimmte
Bevölkerungsgruppen wie Frauen und ältere Menschen und viele weitere.
Europa hat bei der Einführung von KI für die wissenschaftliche Forschung eine Vorreiterrolle
gespielt, und es wurden mehrere EU-Initiativen auf den Weg gebracht, um die europäischen KI-
und Datenkapazitäten zu nutzen66.
Der „Aktionsplan für den KI-Kontinent“67, die bevorstehende Strategie „KI anwenden“ sowie
eine spezielle Strategie für KI in der Wissenschaft und die „KI-Fabriken“68 werden die
uneinheitliche Einführung von KI weiter beschleunigen und bahnbrechende Durchbrüche im
Bereich der Biowissenschaften erleichtern69. Mindestens 10 von 13 KI-Fabriken, welche die
erforderlichen Ressourcen und Interessenträger zusammenbringen, um modernste KI-Modelle
und -Anwendungen aufzubauen, werden sich auf Ökosysteme erstrecken, die für die
Biowissenschaften relevant sind, unter anderem zur Unterstützung der Entdeckung von
Arzneimitteln und der Genomanalyse. Darüber hinaus werden 20 Mrd. EUR in die Schaffung
von bis zu fünf KI-Gigafabriken investiert, die für die Entwicklung und Schulung von KI-
Modellen der nächsten Generation mit Billionen Parametern bestimmt sind.
Im Gesundheitswesen schafft die Verordnung über den europäischen Raum für
Gesundheitsdaten (EHDS)70 einen klaren Rahmen für den sicheren und gestrafften Zugang zu
elektronischen Gesundheitsdaten.
Die Vorschriften und Grundsätze der Datenschutz-Grundverordnung sind in Rechtsrahmen wie
den EHDS, den Daten-Governance-Rechtsakt und die KI-Verordnung eingebettet, um
64 COM(2025) 75 final (eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52025DC0075).
65 In weniger als einem Jahrzehnt hat sich das Volumen der globalen Daten verfünffacht (Europäische Datenstrategie,
COM(2020) 66 final). Forbes zufolge werden die Daten zur Gesundheitsversorgung bis Ende 2025 voraussichtlich etwa 36 %
aller Daten in der Welt ausmachen (https://www.forbes.com/councils/forbestechcouncil/2023/12/12/what-to-do-about-
healthcares-messy-desk-data-dilemma/).
66 Wie z. B.: die „GenAI4EU“, die europäische Initiative „1+ Million Genome“, die europäische Initiative zum Verständnis
von Krebs, Europäische Referenznetzwerke und ihre Register.
67 https://commission.europa.eu/topics/eu-competitiveness/ai-continent_de.
68 https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/ai-factories.
69 Wie erläutert unter https://cordis.europa.eu/article/id/459569.
70 https://health.ec.europa.eu/ehealth-digital-health-and-care/european-health-data-space-regulation-ehds_de.
17
Forschung und Innovation zu ermöglichen, die auf personenbezogenen Daten beruhen. Darüber
hinaus wird mit der künftigen Strategie für die Datenunion ein sektorübergreifender Ansatz
verfolgt, um die Verfügbarkeit und Nutzung von Daten für KI zu erhöhen und der rechtlichen
Fragmentierung entgegenzuwirken und so eine kohärentere und effizientere Datenumgebung in
der gesamten EU zu gewährleisten.
Allerdings bestehen nach wie vor Herausforderungen. Die Fragmentierung der nationalen
Anwendung von EU-Rechtsvorschriften und unterschiedliche nationale Auslegungen führen zu
Rechtsunsicherheit und beschränken weiterhin die vollständige Nutzung personenbezogener
Daten71. Das Nebeneinander von personenbezogenen und nicht personenbezogenen Daten, die
verschiedenen Datenformate in Verbindung mit unterschiedlichen Regelungen für den
Datenzugang und die Tatsache, dass Daten oft isoliert bleiben, erhöhen die Komplexität. Diese
Herausforderungen werden durch ethische Bedenken im Zusammenhang mit KI und
Datennutzung und -wiederverwendung verschärft.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, muss eine engere Zusammenarbeit zwischen den
für Forschung und Innovation im Bereich Biowissenschaften, KI und Daten zuständigen
Behörden der Mitgliedstaaten und den institutionellen Interessenträgern der EU aufgebaut
werden, um datenbezogene Herausforderungen kohärent anzugehen. Eine solche
Zusammenarbeit wird das gegenseitige Verständnis der immer komplexeren,
bereichsübergreifenden und horizontalen Herausforderungen beim Datenaustausch im Bereich
der Biowissenschaften verbessern und den Austausch bewährter Verfahren und die
Harmonisierung von Ansätzen in Bereichen erleichtern, die über sektorspezifische
Regulierungsbereiche hinausgehen. Aufbauend auf dieser regulierungsübergreifenden
Zusammenarbeit wird die Kommission prüfen, wie die ungelösten wiederkehrenden
Herausforderungen, mit denen FuI-Interessenträger konfrontiert sind, zu bewältigen sind.
Forschung und Innovation im Bereich der Biowissenschaften beruhen in hohem Maße auf dem
Verständnis und der Erforschung sowohl menschlicher als auch nicht-menschlicher
genomischer und biologischer Daten (Biodaten)72, einschließlich taxonomischer Daten. Die
Verknüpfung nicht-menschlicher und menschlicher Daten wäre, wie bereits erwähnt, besonders
wichtig, um das Konzept „Eine Gesundheit“ voranzubringen. Die Kommission unterstützt
bereits die Einrichtung einer umfassenden europäischen Referenzdatenbank für Genomik, um
Fortschritte in der personalisierten Medizin zu unterstützen.
Die Beschleunigung wissenschaftlicher Entdeckungen, der Erhalt der biologischen Vielfalt und
der Beitrag zur Wiederherstellung der Natur73 hängen auch entscheidend von der Verbesserung
der Qualität, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Nachhaltigkeit der Biodatenressourcen ab.
Eine stärkere multilaterale internationale Zusammenarbeit mit gleich gesinnten Partnern ist
71 Zweiter Bericht zur Anwendung der Datenschutz-Grundverordnung, COM(2024) 357 final.
72 Wie der „Catalogue of Life“, der einen Index bekannter Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Mikroorganismen als Grundlage für die
Zusammenarbeit mit gleich gesinnten Partnern in internationalen Foren wie der G20 liefert und zur Verwirklichung der Ziele
beiträgt, die in einschlägigen internationalen Übereinkünften wie dem Globalen Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal
festgelegt sind.
73 Verordnung (EU) 2024/1991 über die Wiederherstellung der Natur (https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1991/oj/deu).
18
erforderlich, um den langfristigen Zugang zu globalen Biodaten-Ressourcen und deren
Verwaltung sicherzustellen.
Um biowissenschaftliche Entdeckungen von der Idee bis zur Markteinführung zu
beschleunigen, sollten Forschende und Innovatoren mit einem KI-gestützten interaktiven
Instrument ausgestattet werden, um sich in der Regulierungslandschaft der EU
zurechtzufinden und die Datenarchive und verfügbaren Dienste in vollem Umfang nutzen zu
können. Ein solches Instrument wird den interdisziplinären und sektorübergreifenden
Bedürfnissen von modernen Biowissenschaftlern Rechnung tragen und Forschende und
Innovatoren dabei unterstützen, i) die Einhaltung der Rechtsvorschriften in einem sehr frühen
Stadium der Konzeption zu integrieren, ii) Hindernisse bei der Auffindbarkeit von Daten zu
überwinden und iii) die von EU-geförderten Infrastrukturen und Instrumenten bereitgestellten
Datendienste in vollem Umfang zu nutzen (siehe Abschnitt 3).
Vorgeschlagene Maßnahmen:
(Leitinitiative) Die Kommission wird eine europäische FuI-Datensammlung im Bereich der
Biowissenschaften („European Life Sciences R&I Data Assembly“) einrichten, in der eine
Reihe von Behörden der EU und der Mitgliedstaaten, die in datenbezogenen Bereichen tätig
sind, sowie wichtige FuI-Einrichtungen der EU zusammenkommen, um die einheitliche
Auslegung und Harmonisierung der einschlägigen rechtlichen Datenrahmen zu
unterstützen und die regulierungsübergreifende Koordinierung und Zusammenarbeit zu
stärken.
Die Kommission wird Maßnahmen zur Entwicklung und Sammlung strategischer
Ressourcen für Biodaten, einschließlich nicht-menschlicher Biodaten, unterstützen und den
Zugang für europäische und globale Nutzer, ergänzend zur Strategie der Europäischen
Datenunion, ermöglichen.
Die Kommission wird im Rahmen des Arbeitsprogramms 2025 von „Horizont Europa“
50 Mio. EUR in die Integration multimodaler generativer KI-Technologien in die
multidisziplinäre biomedizinische Forschung investieren.
Die Kommission wird 25 Mio. EUR aus dem Arbeitsprogramm 2026 von „Digitales
Europa“ investieren, um die europäische Genomdateninfrastruktur im Einklang mit dem
europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) zu fördern.
Biowissenschaften als Triebkraft für industrielle Nachhaltigkeit
Die Beschleunigung der Entwicklung und Einführung innovativer, kreislauforientierter,
ressourceneffizienter und emissionsarmer Biotechnologien ist von entscheidender Bedeutung,
um den Klimawandel, den Verlust an biologischer Vielfalt und die Umweltverschmutzung zu
bekämpfen, die Bodendegradation zu verringern und die nachhaltige Erbringung von
Ökosystemleistungen sicherzustellen. Um das Potenzial der Biotechnologie zur Verbesserung
der industriellen Prozesse und zur grünen europäischen Industrie voll auszuschöpfen, sind
gezielte Investitionen in der gesamten Innovationspipeline und in allen Mitgliedstaaten und
Regionen erforderlich, insbesondere in Gebieten, die mit Innovationsherausforderungen
19
konfrontiert sind. Dazu gehört auch die Verringerung des Ressourcen-, Wasser- und
Energieverbrauchs im Einklang mit dem Deal für eine saubere Industrie.
Innovationen im Bereich der Biowissenschaften können dazu beitragen, die Abhängigkeit
Europas von begrenzter nachhaltiger Biomasse zu verringern74, wenn regenerative und
naturbasierte Lösungen eingesetzt werden und Biomasse effizienter genutzt wird, indem Abfall
in wertvolle Produkte umgewandelt und die Verwendung von CO2 aus der CO2-Abscheidung
und -Nutzung unterstützt wird. Die Förderung neuartiger methodischer Ansätze in der
Bioproduktion ist von entscheidender Bedeutung, da sie die Attraktivität für den Einsatz der
Biotechnologie in der Industrie erhöht. Neue Technologien für die Bioremediation spielen
ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung der Umwelt. Aus der europäischen
Wasserresilienzstrategie geht hervor, dass Forschung und Innovation das Potenzial haben
können, die Kosten für die Sanierung hoch persistenter Schadstoffe wie Per- und
Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) durch neuartige, auch biobasierte Technologien erheblich zu
senken. Bioraffinerien sind ein wichtiges Beispiel dafür, wie biowissenschaftliche
Technologien eine kreislauforientierte Bioökonomie unterstützen und ermöglichen können75.
Mit mehreren EU-Initiativen wurden Abfall- und Reststoffströme aus der Landwirtschaft, der
Fischerei und der Aquakultur76 erfolgreich in höherwertige Erzeugnisse wie Lebensmittel,
Futtermittel, Düngemittel, Textilien und Kunststoffe umgewandelt77.
Beispielsweise arbeitet das Projekt „Circular Biocarbon“, das vom Gemeinsamen
Unternehmen für ein kreislauforientiertes biobasiertes Europa finanziert wird, mit lokalen
Behörden zusammen, um Siedlungsabfälle für die Herstellung von Biopolymeren zu nutzen,
die von der Landwirtschaft bis hin zu modernen Werkstoffen eine Reihe von Anwendungen
haben. Es wird davon ausgegangen, dass die Ergebnisse des Projekts durch über 20 000
europäische Abfallverwertungsanlagen repliziert werden können, die einen Weg zur
Verwertung von fast 50 % der rund 220 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle bieten, die jährlich in
der EU anfallen78.
Fortgeschrittene Verfahren zur Gärung wie die Präzisionsgärung und die Biomassegärung
bieten ein erhebliches Potenzial, da sie ein breites Spektrum hochwertiger Erzeugnisse79, 80 aus
erneuerbaren Rohstoffen mit geringen Umweltauswirkungen hervorbringen können. Zu den
Erzeugnissen gehören eine Vielzahl nachhaltiger Lebensmittelzutaten (z. B. natürliche
Farbstoffe, kalorienarme Süßungsmittel), Biopolymere (z. B. Spinnenseide), Kosmetika oder
Biotenside, Biopestizide oder Chemikalien. Start-ups und andere KMU spielen eine führende
Rolle bei der Förderung von Innovationen im Bereich fortgeschrittener Verfahren zur Gärung81.
74 https://knowledge4policy.ec.europa.eu/visualisation/eu-bioeconomy-monitoring-system-dashboards_en.
75 https://www.fao.org/food-safety/news/news-details/en/c/1735814/.
76 Strategische Leitlinien für eine nachhaltigere und wettbewerbsfähigere Aquakultur in der EU für den Zeitraum 2021-2030
(https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:52021DC0236).
77 Siehe beispielsweise Demonstrations- und Vorreiter-Bioraffinerien im Rahmen des Gemeinsamen Unternehmens für ein
kreislauforientiertes biobasiertes Europa, https://www.cbe.europa.eu/.
78 https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Municipal_waste_statistics.
79 Im Übergangspfad für das industrielle Ökosystem der Agrar- und Lebensmittelindustrie wurde die Präzisionsgärung als
innovative Agrar- und Lebensmitteltechnologie identifiziert, die erforscht werden sollte, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU
zu steigern: https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/agri-food-industrial-ecosystem/transition-pathway-agri-
foodindustrial-ecosystem_en.
80 https://www.fao.org/food-safety/news/news-details/en/c/1735814/.
81 https://gfi.org/resource/fermentation-meat-seafood-eggs-dairy-and-ingredients-state-of-the-industry/.
20
Die Hochskalierung ist ein kapitalintensiver und anspruchsvoller Prozess und erfordert
beispielsweise die Entwicklung einer Biomasse-Vorbehandlung und der nachgelagerten
Verarbeitung.
Die anstehende neue Bioökonomie-Strategie (2025) wird die Einführung und Übernahme
solcher Innovationen in allen Wertschöpfungsketten vorantreiben und gleichzeitig eine
nachhaltige Versorgung mit Biomasse gewährleisten. Die Nachhaltigkeits- und
Wettbewerbsziele der EU werden durch ergänzende Initiativen (u. a. den Rechtsakt über die
Kreislaufwirtschaft, die Mitteilung zu fortgeschrittenen Werkstoffen für eine industrielle
Führungsrolle82 und die überarbeitete Empfehlung der Kommission für „inhärent sichere
und nachhaltige“ (safe and sustainable by design, SSbD) Chemikalien und
fortgeschrittene Materialien83) verfolgt. Der SSbD-Rahmen soll ein globaler Maßstab für
Innovationen beim Übergang zu einer sauberen Industrie werden und die Industrie ermutigen,
bedenkliche Stoffe durch sicherere, nachhaltigere Alternativen zu ersetzen. In Vorbereitung auf
den Rechtsakt über fortgeschrittene Werkstoffe wird die Kommission gemeinsam mit den
Interessenträgern prüfen, wie Materialwissenschaften und Biowissenschaften die
Wettbewerbsfähigkeit ihrer verwandten Sektoren gegenseitig stärken können.
Neuartige Instrumente wie auf neuen Ansätzen beruhende Methoden (new approach
methodologies, NAMs) – innovative Versuchsmethoden, die ohne lebende Tiere auskommen –
können Innovationen beschleunigen, Kosten senken und die Effizienz von Forschung und
Innovation in der Industrie steigern. Bei diesen Methoden werden eine Reihe moderner
Technologien wie fortgeschrittene Computermodelle und virtuelle Zwillinge84 (digitale
Darstellung von Zellen, Geweben, Organen oder lebenden Systemen) genutzt. NAMs können
bestimmte Tierversuche ergänzen oder ersetzen, wodurch die Entwicklung sicherer und
wirksamer Arzneimittel beschleunigt und die Sicherheitsbewertung von Chemikalien und
anderen Produkten verbessert wird. Durch die Einführung dieser neuen Instrumente und
Investitionen in diese kann die Industrie Innovationen beschleunigen, Kosten senken und
Forschung und Entwicklung nachhaltiger gestalten.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
Die Kommission wird Forschung und Innovation im Bereich der sektorübergreifenden
biowissenschaftlichen Technologien fördern, um neue Produkte zu entwickeln, die die
industrielle Innovation und Nachhaltigkeit vorantreiben können (einschließlich
neuartiger Moleküle und fortgeschrittener Werkstoffe), die Effizienz der Bioproduktion
und anderer industrieller Biotechnologieverfahren zu verbessern und die
Bioremediation zu unterstützen. Dies schließt die Mobilisierung von 200 Mio. EUR im
Rahmen des Arbeitsprogramms 2026-2027 von „Horizont Europa“ ein.
Die Kommission wird die Weiterentwicklung und die Einführung von nachhaltigen
fortgeschrittenen Verfahren zur Gärung unterstützen, indem sie Innovationen durch
82 COM(2024) 98 final (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52024DC0098).
83 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/research-area/industrial-research-and-innovation/chemicals-and-
advancedmaterials/safe-and-sustainable-design_en.
84 Siehe z. B. die Europäische Initiative für virtuelle menschliche Zwillinge (https://digital-
strategy.ec.europa.eu/de/policies/virtual-human-twins).
21
öffentlich-private Partnerschaften fördert, die Expansion von Start-up-Unternehmen
und anderen in diesem Bereich tätigen KMU unterstützt sowie eine jährliche Konferenz
über fortgeschrittene Verfahren zur Gärung organisiert, um Interessenträger zu
vernetzen, die Zusammenarbeit zu fördern und den Wissensaustausch zu fördern.
Die Kommission wird Forschung und Innovation im Bereich Biowissenschaften
unterstützen, um die Führungsrolle der Europäischen Union bei Bioökonomie-
Lösungen und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Biomasse zu fördern. Dies schließt
die Mobilisierung von mehr als 150 Mio. EUR im Rahmen des Arbeitsprogramms 2026-
2027 von „Horizont Europa“ ein.
Die Kommission wird mit den Mitgliedstaaten, der Industrie, der Wissenschaft und den
Regulierungsbehörden zusammenarbeiten, um die Entwicklung, Validierung und
Übernahme von auf neuen Ansätzen beruhenden Methoden zur Risikominderung bei der
Entwicklung neuer Arzneimittel und Medizinprodukte im Rahmen einer neuen
politischen Maßnahme des Europäischen Forschungsraums (EFR) zu unterstützen85.
Darüber hinaus werden im Rahmen des Arbeitsprogramms 2026-2027 von „Horizont
Europa“ 50 Mio. EUR für diese Methoden bereitgestellt.
Die Kommission wird das Entstehen und die Annahme der nächsten Generation von
Lösungen für virtuelle menschliche Zwillinge im Rahmen der Europäischen Initiative
„Virtueller Zwilling des Menschen“ weiterhin unterstützen. Die Kommission wird im
Rahmen des Arbeitsprogramms 2025-2027 für „Digitales Europa“ 8 Mio. EUR für
einen Inkubator für virtuelle Zwillinge des Menschen bereitstellen, um die Einführung
von Lösungen für virtuelle Zwillinge des Menschen auf dem europäischen Markt und
ihre Verwendung in der klinischen Forschung (z. B. klinische Versuche, klinische
Untersuchungen) zu unterstützen.
Stärkung der Kompetenzen und Karrieremöglichkeiten für wettbewerbsfähige
europäische Biowissenschaften
Die Biowissenschaften entwickeln sich rasch weiter. Ständig erwachsende neue Erkenntnisse,
Techniken und Technologien machen es für Akademiker, Forschende und Praktiker schwierig,
mit den Fortschritten Schritt zu halten. Gleichzeitig sehen sich die Forschenden mit beruflichen
Herausforderungen konfrontiert, darunter begrenzte Karriereaussichten, eingeschränkte
Mobilität und ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in den Bereichen
Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (MINT)86.
In Anbetracht der aktuellen geopolitischen Lage bekräftigt die EU ihr Engagement für die
akademische Freiheit und die offene internationale Forschungszusammenarbeit, um Europa als
Drehscheibe für globale Innovationen zu positionieren und den Fortschritt in kritischen
biowissenschaftlichen Bereichen wie Gesundheit und Klima zu fördern. Die EU verfügt über
eine Reihe von Instrumenten, um die Entwicklung von Kompetenzen zu unterstützen und
Verbindungen zwischen Wissenschaft und Industrie zu fördern, darunter die Marie-
85 Siehe die politische EFR-Agenda 2025-2027 (https://european-research-area.ec.europa.eu/era-policy-agenda-2025-2027).
86 So werden etwa nur 10 % der Patente von Frauen angemeldet (https://projects.research-and-
innovation.ec.europa.eu/en/knowledge-publications-tools-and-data/interactive-reports/she-figures-2024).
22
Skłodowska-Curie-Maßnahmen, das EIT87, die durch Erasmus+ unterstützten Programme
und Ausbildungsprogramme europäischer Forschungsinfrastrukturen. Die Kommission fordert
die Mitgliedstaaten auf, nationale Programme zur Förderung von Innovation und
Unternehmertum in wichtigen Bereichen der Biowissenschaften sowie des lebenslangen
Lernens, der Weiterqualifizierung und Umschulung von Fachkräften in diesen Sektoren zu
stärken.
In der kürzlich ins Leben gerufenen Union der Kompetenzen88 werden gezielte Maßnahmen
zur Förderung zukunftsorientierter Kompetenzen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas
vorgeschlagen. Der begleitende strategische Plan für die MINT-Bildung89 zielt darauf ab, die
Qualität der allgemeinen und beruflichen Bildung in den MINT-Fächern zu verbessern und
Talente in kritischen, schnell wachsenden Bereichen wie Biowissenschaften zu fördern, unter
anderem durch Stipendien für MINT-Fachkräfte, um führende Wissenschaftler und Experten
in die EU zu holen, und durch die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Bildung, Forschung
und Wirtschaft, um Synergien zu schaffen und den Wissenstransfer zu erleichtern. Darüber
hinaus wird der Strategieplan zukunftsorientierte MINT-Lehrpläne in Schulen, in der
beruflichen Aus- und Weiterbildung und im Tertiärbereich fördern. Im Einklang mit diesen
Bemühungen werden die Ökosysteme rund um die KI-Fabriken dazu beitragen, die innovativen
Fähigkeiten und das Fachwissen einer neuen Generation von Wissenschaftlern und Fachkräften
in verschiedenen Bereichen, einschließlich der Biowissenschaften, zu entwickeln.
Um Forschungslaufbahnen attraktiver zu machen, wird die EU den neuen europäischen
Rahmen für Forschungslaufbahnen, die Empfehlung des Rates zu attraktiven und
nachhaltigen Laufbahnen in der Hochschulbildung90 und die Europäische Charta für Forscher91
umsetzen, die durch maßgeschneiderte Instrumente unterstützt werden92. Auf dieser Grundlage
wird die Kommission darauf hinarbeiten, weltweit Forschungstalente zu gewinnen und
verbleibende rechtliche Hindernisse durch Maßnahmen im Rahmen des anstehenden
Rechtsakts über den Europäischen Forschungsraum (EFR) (2026) zu überwinden.
Darüber hinaus werden eine verstärkte Nutzung des europäischen Zertifikats für digitale
Kompetenzen und die Digitalisierung akademischer Qualifikationen und anderer Zertifikate,
einschließlich Microcredentials, sowie digital zugänglicher individueller Lernkonten die
Transparenz der verfügbaren Ausbildungs- und Unterstützungsmöglichkeiten erhöhen und die
automatische Anerkennung akademischer Qualifikationen erleichtern, um Ausbildungs- und
Beschäftigungsmöglichkeiten für Wissenschaftler in der gesamten EU zu erschließen. Bis Ende
2026 wird die europäische Brieftasche für die digitale Identität in allen Mitgliedstaaten
87 Die EIT-Gemeinschaft, insbesondere über einschlägige Wissens- und Innovationsgemeinschaften (Knowledge and
Innovation Communities, KICs), leitet die Bemühungen, neue Talente anzuziehen und die vorhandenen Arbeitskräfte
weiterzubilden, und zwar durch Umschulungsinitiativen, Schulungen am Arbeitsplatz, personalisierte Lernprogramme, die
Unternehmertum und Branchentrends einbeziehen, die Koordinierung von Kompetenzpartnerschaften mit der Industrie und
andere Lernmöglichkeiten.
88 https://commission.europa.eu/topics/eu-competitiveness/union-skills_de.
89 Ein Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern: Kompetenzen für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
(COM(2025) 89 final, https://education.ec.europa.eu/document/stem-education-strategic-plan-legal-document).
90 Empfehlung des Rates vom 25. November 2024 zu attraktiven und nachhaltigen Laufbahnen in der Hochschulbildung.
91 Empfehlung des Rates vom 18. Dezember 2023 über einen europäischen Rahmen zur Gewinnung und Bindung von Talenten
in den Bereichen Forschung, Innovation und Unternehmertum in Europa,
92 https://european-research-area.ec.europa.eu/horizon-europe-support-research-careers.
23
eingeführt wurden sein und eine EU-weite Plattform für die Bearbeitung digitaler
Qualifikationsnachweise bieten, die so auch Wissenschaftlern zur Verfügung stehen.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
(Leitinitiative) Die Kommission wird Maßnahmen ergreifen, um die
Laufbahnentwicklung von Biowissenschaftlern zu unterstützen und Forschenden aus
Nicht-EU-Ländern zu helfen, sich in der EU niederzulassen, unter anderem im Rahmen
der Initiative „Choose Europe“, und in Synergie mit ähnlichen Maßnahmen der
Mitgliedstaaten wirken93.
Die Kommission wird eine vorausschauende Studie in Auftrag geben, um den Bedarf an
Kompetenzen, Fähigkeiten und Ausbildung in den Biowissenschaften zu ermitteln, auch
im Hinblick auf eine optimale Nutzung der künstlichen Intelligenz. Mit einer finanziellen
Unterstützung in Höhe von 1 Mio. EUR aus dem Arbeitsprogramm 2026-2027 von
„Horizont Europa“ wird die Studie die einschlägigen Daten und Analysen der
Europäischen Beobachtungsstelle für Kompetenzen ergänzen.
3. GEWÄHRLEISTUNG EINES REIBUNGSLOSEN UND SCHNELLEN MARKTZUGANGS FÜR
BIOWISSENSCHAFTLICHE INNOVATIONEN
Förderung einer innovationsorientierten Regulierung
Europas anspruchsvolle Normen für Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit in den
Biowissenschaften untermauern das Vertrauen der Öffentlichkeit und gewährleisten, dass
Innovationen den Menschen einen echten Nutzen bringen. Regulatorische und administrative
Hürden können jedoch den Weg von der Idee bis zur Marktreife erheblich verlangsamen, die
Kosten in die Höhe treiben und Unsicherheit schaffen – insbesondere für Start-ups und
Innovatoren. Im Bereich der Bioökonomie-Lösungen werden in der anstehenden neuen
Bioökonomie-Strategie (2025) Maßnahmen vorgeschlagen, um die Markteinführung und die
Weiterentwicklung von Bioökonomie-Lösungen zu beschleunigen, die Ressourceneffizienz zu
maximieren und die Versorgung mit nachhaltig erzeugter Biomasse sicherzustellen, wobei
regulatorische Hindernisse und Investitionsbedarf berücksichtigt werden.
Fragmentierung und Komplexität der Regulierungswege stellen eine Herausforderung dar,
insbesondere für neuartige oder kombinierte Produkte, die unter mehrere Rechtsrahmen fallen
oder verschiedene Regulierungsstufen durchlaufen müssen. Dies führt zu langen Fristen und
dem Risiko widersprüchlicher Entscheidungen. Selbst bei zentralisierten Ansätzen können
langwierige Zulassungsverfahren im Rahmen von Rechtsvorschriften, die eine Zulassung vor
dem Inverkehrbringen vorschreiben, um die Sicherheit für die menschliche Gesundheit und die
Umwelt zu gewährleisten, die Markteinführung innovativer Produkte verzögern. Bei klinischen
93 Wie z. B. für Biowissenschaften relevante nationale und regionale Initiativen im Rahmen von „Choose Europe for
Science“(https://euraxess.ec.europa.eu/jobs#choose-europe-for-science-new), darunter z. B. die französische Initiative „Safe
Place for Science“ oder der dänische „Science Hub Denmark“.
24
Studien, die in mehreren Ländern durchgeführt werden, kann es zu Verzögerungen kommen,
weil die Prüfungen parallel in den einzelnen Ländern ethisch genehmigt werden müssen.
Um das Potenzial biotechnologischer Innovationen in Europa voll auszuschöpfen, ist es
wichtig, die derzeitigen Regulierungsverfahren, insbesondere in den Bereichen Gesundheit,
Medizinprodukte und Lebensmittelanwendungen, zu bewerten, um sie flexibler und
verhältnismäßiger zu gestalten, ohne die Sicherheit oder die wissenschaftliche Sorgfalt zu
gefährden. Ferner sollten Anstrengungen unternommen werden, um die Effizienz zu erhöhen
und die Dauer der Zulassungsverfahren in den Bereichen Gesundheit, Medizinprodukte und
Lebensmittel erheblich zu verkürzen, um die EU im Vergleich zu anderen Regionen der Welt
attraktiver zu machen.
Die Regulierungssysteme müssen auf neue Technologien reagieren und mit dem
wissenschaftlichen Fortschritt Schritt halten. Künftige Rechtsvorschriften sollten
Experimentierklauseln, Ausnahmeregelungen und die Nutzung von Testumgebungen wie
Reallaboren94 einschließen, wie dies beispielsweise bei der vorgeschlagenen Reform des EU-
Arzneimittelrechts geschehen ist. Dies bietet Flexibilität, um neue Lösungen zu erproben,
Fakten zusammenzutragen und sicherzustellen, dass die Rechtsrahmen reaktionsfähig und
innovationsfördernd bleiben.
Die EU setzt sich für die Förderung des Innovationsprinzips95 ein, bei dem es sich um ein
politisches Instrument handelt, mit dem sichergestellt werden soll, dass durch Politik und
Regulierung Innovationen als treibende Kraft für die Verwirklichung der strategischen Ziele der
EU, einschließlich Gesundheitssicherheit, Umweltsicherheit, Nachhaltigkeit und
wirtschaftlicher Resilienz, aktiv unterstützt werden. Die EU ist auch durch ihre
Gründungsverträge verpflichtet, ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und
die Umwelt anzustreben. Dies bedeutet, dass ein Regelungsumfeld geschaffen werden muss,
das sowohl die strengen europäischen Normen aufrechterhält als auch die bestmöglichen
Bedingungen für das Gedeihen der biowissenschaftlichen Innovation und die Erfüllung
gesellschaftlicher Bedürfnisse schafft. Europäische Partnerschaften im Rahmen von „Horizont
Europa“, insbesondere gemeinsame Unternehmen wie das Gemeinsame Unternehmen
„Initiative zu Innovation im Gesundheitswesen“, sind gut aufgestellt, um regulatorische
Änderungen in wissenschaftlichen Bereichen zu unterstützen und die Fähigkeit der EU zu
stärken, die Vorschriften unter uneingeschränkter Einhaltung des Vorsorgeprinzips an neu
entstehende Technologien anzupassen.
Normen spielen eine wichtige Rolle bei der Erleichterung von Innovation und Marktzugang,
indem sie die Vorgehensweisen der Industrie beeinflussen, politische Maßnahmen steuern und
sicherstellen, dass Produkte und Verfahren anerkannten Maßstäben für Qualität, Sicherheit und
Nachhaltigkeit entsprechen. Die Kommission wird mit Unterstützung der europäischen
Normungsorganisationen und unter Einhaltung der EU-Wettbewerbsvorschriften weiterhin die
94 Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen: „Regulatory Learning in the EU, Guidance on Regulatory Sandboxes,
Test-beds and living labs in the EU, with a focus section on energy“, (SWD(2023) 277/2 final).
95 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/law-and-regulations/ensuring-eu-legislation-supports-innovation_de.
25
Ausarbeitung und Aktualisierung europäischer Normen im Bereich der Biowissenschaften und
insbesondere der Biotechnologie und der Bioproduktion fördern.
So werden im Rahmen des Gemeinsamen Unternehmens „Initiative zu Innovation im
Gesundheitswesen“96 beispielsweise Anstrengungen unternommen, um einen umfassenden
Rahmen für robuste Reallabore im Bereich der menschlichen Gesundheit zu entwickeln,
insbesondere im Zusammenhang mit der Reform des EU-Arzneimittelrechts.
Die Zusammenarbeit zwischen nationalen und EU-Agenturen im Rahmen der kofinanzierten
Partnerschaft für die Bewertung der Risiken chemischer Stoffe97 erleichtert die rechtzeitige
Übernahme von Innovationen in die Regulierungspraxis.
Frühzeitig bereitgestellte regulatorische Leitlinien für Forschende und Innovatoren spielen eine
entscheidende Rolle auf dem Weg zur biowissenschaftlichen Innovation. Die Kommission
plant, ein KI-gestütztes interaktives Instrument zu schaffen, um Forschenden und
Innovatoren dabei zu helfen, sich in der EU-Regulierungslandschaft zurechtzufinden und
die Informationen zu ergänzen, die den Unternehmen über die Plattform für Biotechnologie und
Bioproduktion zur Verfügung stehen, insbesondere in den frühen Phasen der Forschung und
Entwicklung. Dieses personalisierte Unterstützungsinstrument wird Innovatoren dabei helfen,
sektor- und technologieübergreifende Regulierungsrahmen bereits in der frühen Phase der
Innovationsgestaltung zu nutzen. Das Tool wird interaktiv sein, um den Nutzern zu helfen,
wichtige Informationen, Datensätze und Instrumente zu finden und abzurufen, die auf ihre
spezifischen innovativen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Ein berechenbarer und ausgewogener Rahmen für geistiges Eigentum ist für ein dynamisches
biowissenschaftliches Innovationssystem unerlässlich. Geistiges Eigentum ist häufig ein
entscheidender Vermögenswert, den Start-up-Unternehmen zur Sicherung der Finanzierung
ihrer FuI-Tätigkeiten nutzen. Die Kommission macht auf das einheitliche Patentsystem
aufmerksam und ermutigt alle EU-Mitgliedstaaten, sich diesem System anzuschließen. Um die
EU-Regelung für ergänzende Schutzzertifikate zu verbessern, unterstützt die Kommission aktiv
das laufende Mitentscheidungsverfahren für eine Reform dieser Regelung und strebt die rasche
Schaffung eines einheitlichen ergänzenden Schutzzertifikats an, das die Einführung des
einheitlichen Patents fördern wird. Die Kommission überwacht auch die Anwendung der
Richtlinie 98/44/EG über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen, um
sicherzustellen, dass sie weiterhin zweckmäßig ist. Schließlich unterstützt die Kommission die
Anmeldung und Verwaltung von Rechten des geistigen Eigentums, einschließlich Maßnahmen
im Rahmen des KMU-Fonds.
Darüber hinaus zielen zahlreiche Reformen bestehender und bereits angenommener sowie noch
vorzuschlagender Verordnungen darauf ab, die Förderung des „Innovationsprinzips“ zu
unterstützen und gleichzeitig ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die
Umwelt zu gewährleisten.
96 https://ec.europa.eu/info/funding-tenders/opportunities/portal/screen/opportunities/topic-details/horizon-ju-ihi-2024-08-03-
two-stage.
97 https://www.eu-parc.eu/.
26
Die vorgeschlagene Reform des EU-Arzneimittelrechts98 umfasst Maßnahmen zur Straffung
des Rechtsrahmens für die Entwicklung und rechtzeitige Zulassung innovativer Arzneimittel.
Diese Reform sieht eine frühzeitige Interaktion zwischen Regulierungsbehörden und
Unternehmen, insbesondere Start-up-Unternehmen und KMU, vor. Sie umfasst auch
zukunftssichernde Maßnahmen, um sicherzustellen, dass das Regulierungssystem mit dem
wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt Schritt hält, wie z. B. Reallabore und
angepasste Rahmen zur Förderung von Spitzeninnovationen.
Mit der Verordnung über die Bewertung von Gesundheitstechnologien der EU wird den
Entwicklern von Gesundheitstechnologien die Möglichkeit eingeräumt, parallel zu der
wissenschaftlichen Beratung im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Arzneimittel eine
Beratung zu ihrem klinischen Entwicklungsplan einzuholen. Dies soll die Erstellung klinischer
Nachweise erleichtern, die gleichzeitig die Anforderungen der Regulierungsbehörden und die
Anforderungen der Bewertungen erfüllen und den Marktzugang für innovative Produkte
beschleunigen.
Die Verordnung über klinische Prüfungen99 und die damit verbundenen Maßnahmen sollen die
Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit Europas für Investitionen in die klinische Forschung
sicherstellen und den Patienten in Europa einen frühzeitigen Zugang zu innovativen
Arzneimitteln ermöglichen. Die Kommission wird in enger Zusammenarbeit mit den
Mitgliedstaaten und den einschlägigen Interessenträgern weiterhin für die angemessene
Umsetzung der Verordnung über klinische Prüfungen sorgen, insbesondere in Bezug auf
länderübergreifende klinische Prüfungen. Die Fortschritte werden durch die Erhebung
zentraler Leistungsindikatoren überwacht, die regelmäßig veröffentlicht werden100.
Medizinprodukte und Diagnostika sind für die Gesundheitssysteme unverzichtbar, da sie eine
genaue Erkennung von Krankheiten, eine wirksame Behandlung und eine kontinuierliche
Patientenüberwachung ermöglichen, wodurch letztlich die Gesundheitsergebnisse verbessert
und Leben gerettet werden können. Sie haben einen kurzen Innovationszyklus und müssen den
Markt effizient erreichen. Die Kommission arbeitet an der Bewältigung der
Herausforderungen, die hinsichtlich des Rechtsrahmens für Medizinprodukte und
Invitro-Diagnostika festgestellt wurden. Sie führt eine gezielte Bewertung der betreffenden
Verordnungen durch. Auf der Grundlage dieser Bewertung wird die Kommission in der Lage
sein, eine legislative Maßnahme vorzuschlagen, mit der ein Gleichgewicht zwischen der
Vereinfachung der EU-Verordnungen über Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika und dem
wirksamen Schutz der Patientensicherheit und der öffentlichen Gesundheit, auch unter
Berücksichtigung gesundheitlicher Notlagen, hergestellt wird.
Darüber hinaus wird die anstehende Europäische Brieftasche für Unternehmen101, die ein
Instrument zur Vereinfachung und zum Abbau administrativer Hindernisse sein wird,
98 https://health.ec.europa.eu/medicinal-products/legal-framework-governing-medicinal-products-human-use-eu/reform-
eupharmaceutical-legislation_en.
99 https://health.ec.europa.eu/medicinal-products/clinical-trials/clinical-trials-regulation-eu-no-5362014_en.
100 https://accelerating-clinical-
trials.europa.eu/documents_en?f%5B0%5D=document_title%3AKPI&f%5B1%5D=priority_actions_priority_actions%3A2.
101 https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/14663-European-Business-Wallet-digital-
identitysecure-data-exchange-and-legal-notifications-for-simple-digital-business_de.
27
Forschende dabei unterstützen, rechtliche Anforderungen zu bewältigen, wie z. B. die sichere
Verwaltung ihrer überprüften Daten und Zertifikate und deren Weitergabe an öffentliche
Verwaltungen und/oder Investoren.
Schließlich wird die Kommission den europäischen Biotech-Rechtsakt vorschlagen, um das
EU-Regulierungsumfeld innovationsfreundlicher zu gestalten, Innovatoren und Investoren
anzuziehen und es Spin-off-, Start-up- und Scale-up-Unternehmen zu erleichtern,
Biotechnologien vom Labor in die Fabrik und auf den Markt zu bringen. Ferner wird der
Rechtsakt auch Maßnahmen zur Ergänzung regulatorischer Aspekte umfassen.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
(Leitinitiative) Die Kommission wird neben unterstützenden Maßnahmen einen EU-
Biotech-Rechtsakt vorschlagen, um das EU-Regulierungssystem für Biotech-
Innovationen in verschiedenen Biotech-Sektoren zu fördern.
(Leitinitiative) Die Kommission wird bereit sein, Rechtsvorschriften vorzuschlagen,
die ein Gleichgewicht zwischen der Vereinfachung der EU-Verordnungen über
Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika im Hinblick auf die Erleichterung der
Geschäftstätigkeit der Unternehmen im EU-Binnenmarkt und dem wirksamen Schutz
der Patientensicherheit und der öffentlichen Gesundheit herstellen.
Die Kommission wird ein KI-gestütztes interaktives Instrument entwickeln, um
Forschenden und Innovatoren dabei zu helfen, sich insbesondere in den frühen Phasen
der Forschung und Entwicklung in der EU-Regulierungslandschaft zurechtzufinden.
Erschließung öffentlicher und privater Investitionen
Die Biowissenschaftsindustrie in Europa steht nach wie vor vor erheblichen Finanzierungs- und
Investitionsproblemen. Zu den Herausforderungen gehören zersplitterte Kapitalmärkte, eine
übermäßige Abhängigkeit von Bankkrediten und mangelnde Koordinierung bei der öffentlichen
Finanzierung. Der relativ unterentwickelte Markt für Börsengänge (initial public offering, IPO)
in Europa, die begrenzte Verfügbarkeit von Risikokapital und die geringe Beteiligung
institutioneller und ausländischer Investoren schränken die Wachstumsfähigkeit und die
Expansionsfähigkeit des Sektors weiter ein102. Zwar haben sich die Risikokapitalinvestitionen
in der EU in den letzten zehn Jahren verbessert, doch liegen sie nach wie vor unter dem Niveau
in anderen Regionen der Welt.
Im Jahr 2024 zogen die Bereiche Gesundheit, Biowissenschaften und technologieintensive
Innovationen deutlich mehr Investitionen an als andere Sektoren. Es sind jedoch noch viel mehr
Anstrengungen nötig, um das Potenzial Europas voll auszuschöpfen und eine
wettbewerbsfähige Führungsposition in diesen Bereichen aufzubauen103.
Langwierige Entwicklung und Zulassung, insbesondere für gesundheitsbezogene Produkte, in
Verbindung mit dem Fachwissen, das für die Bewertung von Investitionen in diesem Bereich
102 „Attracting Life Science Investments in Europe“, Oktober 2023; https://www.biomedeurope.org/wp-
content/uploads/2024/09/Life_Science_Attractiveness_-_2023_November_22_Final_Final_LR2.pdf.
103 The 2025 European Deep Tech Report.
28
erforderlich ist, erschweren es Investoren, vielversprechende Möglichkeiten zu ermitteln und
in sie zu investieren. Dies schränkt die Möglichkeiten der Innovatoren ein, ihr Angebot zu
erweitern und biowissenschaftliche Lösungen in der EU auf den Markt zu bringen.
Öffentliche Fördermechanismen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verringerung des
Investitionsrisikos und bei der Unterstützung von Start-up-Unternehmen bei der Erreichung
kritischer Entwicklungsziele, die privates Folgekapital anziehen können. Die Kommission hat
bereits gezielte Schritte unternommen, um den Zugang zu Finanzmitteln für
biowissenschaftliche Technologien und Innovationen zu verbessern. Dazu gehören der
Europäische Fonds für die Kreislaufwirtschaft, das Programm „HERA Invest“ und die gezielte
Unterstützung für Start-up- und Scale-up-Unternehmen im Bereich der Biowissenschaften
durch „InvestEU“ und den Europäischen Innovationsrat (EIC)104. Darüber hinaus verbessern
umfassendere EU-Finanzierungsinitiativen wie die Plattform für strategische Technologien für
Europa (STEP) und das Programm „InvestEU“ den Zugang zu Kapital, indem
innovationsorientierte Unternehmen unterstützt und Ankerinvestitionen in Risikokapitalfonds
bereitgestellt werden105. Fonds mit geteilter Mittelverwaltung, insbesondere der Europäische
Fonds für regionale Entwicklung, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es darum geht,
innovative Unternehmen beim Zugang zu Finanzmitteln durch Zuschüsse und
Finanzierungsinstrumente zu unterstützen und zusätzliche private Investitionen anzuziehen.
Um die wichtigsten Herausforderungen für das Funktionieren der EU-Kapitalmärkte zu
bewältigen, setzt die Kommission die Strategie der Spar- und Investitionsunion um106. Die
Spar- und Investitionsunion wird die Marktfragmentierung verringern, bessere
Investitionsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger schaffen und dazu beitragen, die
Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen auszuweiten. Sie wird insbesondere darauf
abzielen, den Zugang zu Beteiligungs- und Fremdfinanzierungen für alle Unternehmen,
einschließlich Start-ups und Scale-ups, zu verbessern, die Rolle von Risikokapital und
institutionellen Investoren zu stärken und die öffentlichen Finanzierungsinstrumente der EU
besser auf die Ziele der Spar- und Investitionsunion abzustimmen.
Zudem wird in der kürzlich angenommenen EU-Start-up- und Scale-up-Strategie (2025)
beschrieben, wie das Wachstum innovativer Unternehmen in Europa gefördert und ihr Zugang
zu Finanzmitteln und zum Markt beschleunigt werden kann. Insbesondere wird die kritische
strategische Bedeutung von Biowissenschaften und Biotechnologie anerkannt. Der in der EU-
Start-up- und Scale-up-Strategie angekündigte Fonds „Scaleup Europe“ wird die
Finanzierungslücke schließen und private Investitionen für Start-up-Unternehmen
mobilisieren, die in Bereichen tätig sind, die für die technologische Souveränität und die
wirtschaftliche Sicherheit Europas von strategischer Bedeutung sind, darunter auch
Biowissenschaften. Die Arbeit des Fonds wird durch Maßnahmen zur Mobilisierung der
104 Dem Wirkungsbericht 2025 des EIC zufolge wurden zwischen 2020 und 2024 Investitionen im Wert von bis zu
625 Mio. EUR in Start-up-Unternehmen im Bereich der Biowissenschaften (industrielle Biotechnologie, Biotechnologie in
der Agrar- und Ernährungswirtschaft und Biotechnologie im Gesundheitswesen) getätigt.
105 Die EIB ist der größte Anbieter von Risikokrediten für den Sektor für Biowissenschaften in Europa mit einem Portfolio von
über 2,7 Mrd. EUR Ende 2023, mit dem sie mehr als 100 innovative Unternehmen unterstützt, von denen fast die Hälfte im
Bereich Biotechnologie tätig sind (Draghi-Bericht 2024).
106 Spar- und Investitionsunion – Eine Strategie zur Förderung von Wohlstand und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit in
der EU (COM(2025) 124 final).
29
Beteiligung institutioneller Investoren und Pensionsfonds ergänzt, die ebenfalls von
entscheidender Bedeutung sind, da sie in der europäischen Finanzierungslandschaft für
Biowissenschaften unterrepräsentiert sind.
Das bevorstehende europäische Innovationsgesetz (2026) wird den Zugang zu
Vermögenswerten, die durch öffentlich finanzierte FuI generiert werden, weiter fördern.
Gemeinsame Investitionen von öffentlichen Geldgebern, Stiftungen und der Industrie
haben sich ebenfalls als wirksames Mittel erwiesen, um risikoreiche Forschungsbereiche und
neuartige Anwendungsbereiche mit potenziell hohem Nutzen in den Biowissenschaften
anzugehen. Europäische Partnerschaften – wie das Gemeinsame Unternehmen „Initiative zu
Innovation im Gesundheitswesen“, das Gemeinsame Unternehmen „Global Health EDCTP3“
oder das Gemeinsame Unternehmen für ein kreislauforientiertes biobasiertes Europa – bringen
private und/oder öffentliche Partner zusammen. Sie haben eine langfristige
Forschungszusammenarbeit und Finanzierung ermöglicht, um die Herausforderungen in den
jeweiligen Sektoren zu bewältigen, und sie haben ihren Nutzen für die Stärkung der
europäischen Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis gestellt.
Es bedarf einer strukturierten Interaktion zwischen Partnern aus der Industrie und
Investoren, um das Wachstum und die Expansion bahnbrechender Start-up-Unternehmen im
Bereich der Biowissenschaften weiter zu beschleunigen. Europäische Partnerschaften im
Rahmen von „Horizont Europa“ und des „Enterprise Europe Network“ werden zusammen mit
dem EIC-Portfolio hochmoderner Biowissenschaftsunternehmen, dem EIC-Netz
vertrauenswürdiger Investoren (Trusted Investors Network, TIN), das erfahrene Investoren
umfasst, die Vermögenswerte in Höhe von mehr als 300 Mrd. EUR verwalten, mobilisiert.
Diese Interaktionen werden bedarfsorientiert und flexibel sein und sich an gemeinsamen
Interessen orientieren, z. B. an gemeinsamen Investitionsmöglichkeiten, Akquisitionswegen
und einem frühzeitigen Engagement für unerfüllten technologischen Bedarf, und im Einklang
mit den Wettbewerbsregeln erfolgen.
Vorgeschlagene Maßnahme:
(Leitinitiative) Um den Weg von Start-up-Unternehmen im Bereich der
Biowissenschaften zum Markt zu beschleunigen, wird die Kommission eine strategische
Schnittstelle einrichten, die Start-ups im Bereich der Biowissenschaften, die Industrie
und Investoren zusammenbringt und dabei die Portfolios des EIC, das EIC-Netz
vertrauenswürdiger Investoren (TIN) und andere wichtige europäische Akteure nutzt.
4. FÖRDERUNG DER EINFÜHRUNG UND NUTZUNG BIOWISSENSCHAFTLICHER INNOVATIONEN
Nutzung des öffentlichen Auftragswesens zur Förderung der Einführung von
Innovationen
Der öffentliche Sektor benötigt innovative und nachhaltige Lösungen und ist seinerseits in der
Lage, Lösungen zu gestalten und Märkte zu schaffen. Wie im Letta-Bericht vorgeschlagen,
sollten die Haushalte der EU und der Mitgliedstaaten Investitionen in fortschrittliche
Gesundheitstechnologien und deren Einführung durch die Vergabe öffentlicher Aufträge
Vorrang einräumen. Öffentliche Einrichtungen sind auch ein wichtiger politischer Hebel, um
30
Anreize für eine umweltgerechte Vergabe öffentlicher Aufträge zu schaffen, z. B. bei der
Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährung. In Sektoren mit hohen öffentlichen
Ausgaben wie dem Gesundheitswesen ist die Vergabe öffentlicher Aufträge für innovative
Lösungen ein strategisches Instrument, um die Einführung von Innovationen zu fördern und
europäischen Unternehmen Zugang zu Märkten und Wachstum zu verschaffen. Die
Verankerung der innovationsfördernden Beschaffung in der zuvor unterstützten Forschung oder
in neu entstehenden Bereichen stärkt nicht nur die Unterstützung entlang der gesamten FuE-
Pipeline, sondern ermöglicht es dem öffentlichen Sektor auch, rasch auf sich wandelnde
Bedürfnisse zu reagieren.
Derzeit sind die Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge komplex, und das Potenzial
der innovationsfördernden Beschaffung wird nicht voll ausgeschöpft. Auch in die Beschaffung
innovativer Produkte und Dienstleistungen wird zu wenig investiert. Dies erschwert
innovativen Unternehmen im Bereich der Biowissenschaften den Zugang zum EU-Markt für
öffentliche Aufträge. Mit der Überarbeitung der EU-Vorschriften für das öffentliche
Auftragswesen und dem anstehenden europäischen Innovationsgesetz werden Maßnahmen
gefördert, die innovativen Unternehmen dabei helfen sollen, erste Kunden zu finden und sich
um öffentliche und private Aufträge zu bewerben. Die Kommission wird Maßnahmen einleiten,
um die breitere Nutzung der innovationsfördernden Beschaffung in der gesamten EU zu
fördern.
Vorgeschlagene Maßnahme:
Die Kommission wird über „Horizont Europa“ und EU4Health die
innovationsfördernde Beschaffung im Bereich der Biowissenschaften durch gezielte
Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen in Bereichen wie Anpassung an den
Klimawandel, Impfstoffe der nächsten Generation oder erschwingliche Lösungen für
Krebs mit Mitteln in Höhe von rund 300 Mio. EUR fördern107.
Aufbau von Vertrauen in der Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit
Biowissenschaftliche Innovationen tragen erheblich zum Alltag der Menschen sowie zum
individuellen und sozialen Wohlergehen bei. Um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die
Akzeptanz von Technologien zu fördern, müssen die Menschen verstehen, wie
Biowissenschaften funktionieren und wie Technologien das Wohlergehen der Menschen
verbessern können108.
Dieses Vertrauen kommt nicht von selbst. Es wird zunehmend durch die rasche Verbreitung von
Fehl- und Desinformationen und durch das unzureichende Eingehen auf Sorgen und
Erwartungen der Menschen bedroht. Um das Vertrauen, insbesondere unter jungen Menschen,
zu erhalten und zu festigen, müssen die politischen Entscheidungsträger und Akteure der
107 Im Rahmen der bestehenden Mittelausstattung des Programms.
108 Siehe WHO 2021, Health Promotion Glossary of Terms 2021
(https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/350161/9789240038349-eng.pdf?sequence=1%209789240038349-eng.pdf).
31
Industrie im Bereich FuE besser gerüstet sein, um mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten
und verantwortungsvolle Forschung zu betreiben.
Das Verständnis der Öffentlichkeit ist besonders wichtig in Bereichen wie Landwirtschaft und
Lebensmitteltechnologie, in denen sich Innovation mit Gesundheits- und
Nachhaltigkeitsaspekten überschneidet. Diese Themen werden auf die Tagesordnung des in der
Vision für Landwirtschaft und Ernährung angekündigten jährlichen Ernährungsdialogs gesetzt.
Ein Mangel an klaren Informationen über die Risiken und Vorteile sogenannter
„hochverarbeiteter Lebensmittel“ kann zu Unsicherheit für die Verbraucher führen. Die
Kommission wird den Mechanismus für wissenschaftliche Beratung und die Europäische
Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien um wissenschaftliche
und ethische Beratung zu sogenannten „hochverarbeiteten Lebensmitteln“ bitten.
Ein inklusiver Dialog trägt dazu bei, das Bewusstsein zu schärfen, Akzeptanz zu schaffen, die
verantwortungsvolle Einführung von Innovationen zu unterstützen und korrekte Informationen
zu fördern. EU-finanzierte Forschungsprojekte spielen eine Schlüsselrolle bei der
Ermöglichung des Dialogs mit Menschen, der Zivilgesellschaft, Behörden und Akteuren der
Industrie. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, auch die wissenschaftliche
Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit zu stärken.
Vorgeschlagene Maßnahmen:
Die Kommission wird finanzielle Unterstützung in Höhe von 2 Mio. EUR aus dem
Arbeitsprogramm 2026-2027 von „Horizont Europa“ mobilisieren, um
Interessenträger und politische Entscheidungsträger im Bereich der Biowissenschaften
bei der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, indem sie ein Verzeichnis von Instrumenten
und bewährten Verfahren in den Bereichen verantwortungsvolle FuI, Risiko- und
Wissenschaftskommunikation und Pilotmaßnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit erstellt.
5. GOVERNANCE – EINE KOORDINIERUNGSGRUPPE FÜR BIOWISSENSCHAFTEN
Die Biowissenschaftspolitik in der EU muss koordiniert werden, um die Hindernisse und
Herausforderungen zu überwinden, die die Umsetzung innovativer Ideen in Produkte und
Dienstleistungen behindern, die den Bedürfnissen der Endnutzer entsprechen. Es ist von
entscheidender Bedeutung, europäische und globale Interessenträger, einschließlich der
Industrie, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft, zusammenzubringen, um sicherzustellen,
dass die Maßnahmen der EU auf die Prioritäten, Ressourcen und internationalen Entwicklungen
der Interessenträger abgestimmt sind, und um Unterstützung für die Entwicklung und
Einführung innovativer Biowissenschaften zu mobilisieren. Dies wird sicherstellen, dass
verschiedene Initiativen, die für die Biowissenschaften und ihre Teilgebiete relevant sind,
insbesondere die Start-up- und Scale-up-Strategie der EU, einander ergänzen und Synergien
schaffen.
Vorgeschlagene Maßnahme:
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(Leitinitiative) Die Kommission wird die Koordinierung ihrer Dienststellen verstärken
und innerhalb der Kommission eine „Koordinierungsgruppe für Biowissenschaften“
einrichten, um eine innovationsfreundliche kohärente Politik, Finanzierung und
Tätigkeiten zu gewährleisten. Die Koordinierungsgruppe wird ferner
o hochrangige Diskussionen über aktuelle Themen zwischen politischen
Entscheidungsträgern und Interessenträgern organisieren,
o die Fortschritte bei der Umsetzung dieser Strategie überwachen,
o die europäische FuI-Datensammlung im Bereich der Biowissenschaften
verwalten,
o die Entwicklung eines interaktiven Instruments unterstützen, um europäischen
Forschenden und Innovatoren dabei zu helfen, sich in der biowissenschaftlichen
Regulierungslandschaft zurechtzufinden, und Informationen über Datendienste
und -instrumente bereitstellen,
o Andere Tätigkeiten organisieren und verwalten, wie z. B.:
die Schaffung eines Stakeholder-Forums für Biowissenschaften zur
Förderung eines breiten Dialogs und Engagements,
die Entwicklung und Koordinierung der Fähigkeiten zur strategischen
Früherkennung (Horizon Scanning) zur Ermittlung vielversprechender
neu entstehender Technologien mit hohem Potenzial für
Biowissenschaften.
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Der europäische Biowissenschaftssektor befindet sich in einer kritischen Phase. Mit ihrer
Fähigkeit, Innovationen voranzutreiben, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, hochwertige
Arbeitsplätze zu schaffen und das gesellschaftliche Wohlergehen zu verbessern, sind
Biowissenschaften ein strategischer Pfeiler, der eine Grundlage für den künftigen Wohlstand
Europas bietet.
Um das Potenzial des Sektors voll auszuschöpfen, ist es unerlässlich, die gesamte
Wertschöpfungskette – von FuI bis hin zur Einführung und dem Einsatz neuer Anwendungen –
zu stärken. Dies erfordert ein ordnungspolitisches Umfeld, das nicht nur mit Innovationen
Schritt hält, sondern auch verantwortungsvolles Experimentieren fördert, damit neue Lösungen
sowohl rasch als auch verantwortungsvoll erprobt, verfeinert und auf den Markt gebracht
werden können.
Die Strategie wird nicht von der EU allein umgesetzt; sondern folgt einem Multi-Stakeholder-
Ansatz. Dazu gehört die aktive Beteiligung von Mitgliedstaaten, Forschenden, Innovatoren,
Unternehmen, Investoren, Gesetzgebern, Mitgliedern der Öffentlichkeit und der
Zivilgesellschaft. Der Erfolg hängt davon ab, ob ein gemeinsames Engagement auf allen
Ebenen – auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene – erreicht wird. Nicht zuletzt ist es
wichtig, auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten, um komplexe Herausforderungen zu
bewältigen, den wissenschaftlichen Fortschritt voranzutreiben und sicherzustellen, dass die
Vorteile der biowissenschaftlichen Innovation gerecht geteilt werden.
Mit koordinierten Maßnahmen, strategischen Investitionen und einer inklusiven Governance
kann Europa die nächste Welle biowissenschaftlicher Innovationen anführen: Verbesserung der
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Lebensbedingungen, Stärkung der Resilienz und Gestaltung einer gesünderen, nachhaltigeren
Zukunft für künftige Generationen. Die Kommission wird die zu diesem Zweck ergriffenen
Maßnahmen überwachen und bis 2028 über die Umsetzung der Strategie Bericht erstatten.
Insgesamt wird in dieser Strategie dargelegt, wie die oben beschriebenen greifbaren und
dauerhaften Vorteile erzielt werden können und welche Mittel zur Verfügung stehen. Es ist jetzt
an der Zeit, zu handeln. Wählen Sie Europa für Biowissenschaften!
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DIE STRATEGIE FÜR EUROPÄISCHE BIOWISSENSCHAFTEN
ZUSAMMENFASSUNG DER MAẞNAHMEN
Stärkung von Forschung und Innovation in Europa
Investitionsplan für klinische Forschung (2026)
Einrichtung eines europäischen Netzes von Exzellenzzentren im Bereich der
Arzneimittel für neuartige Therapien (2026)
Überwachung der Durchführung der Verordnung über klinische Prüfungen (ab 2025)
Pilotprojekt zur schrittweisen Finanzierung der kooperativen Forschung für
Innovationen im Gesundheitswesen (2026)
Pilotprojekt zur Nutzung der Zusammenarbeit zwischen EU-Biotech-Clustern (ab
2026)
Förderung eines ganzheitlichen Ansatzes für die Biowissenschaften
Konzept „Eine Gesundheit“ für FuI (ab 2026)
Mikrobiom-Initiative im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ (2026)
Umsetzung der FuI-Agenda für Klimawandel und Gesundheit und Aufbau einer
globalen Zusammenarbeit (ab 2026)
Strategische FuI-Agenda für Lebensmittelsysteme (2026)
Erschließung des Potenzials von Daten und KI für bahnbrechende Innovationen
Einrichtung einer europäischen FuI-Datensammlung im Bereich der
Biowissenschaften (2026)
Unterstützung strategischer Ressourcen für Biodaten (2025)
Investitionen in multimodale generative KI-Technologien in der biomedizinischen
Forschung (2025)
Stärkung der europäischen Genomdateninfrastruktur (2026)
Biowissenschaften als Triebkraft für industrielle Nachhaltigkeit
FuI zur Förderung industrieller Innovation und Nachhaltigkeit (ab 2026)
Ausweitung und Einführung nachhaltiger fortgeschrittener Verfahren zur Gärung (ab
2026)
FuI für die nachhaltige Bewirtschaftung von Biomasse (ab 2025)
Entwicklung und Einführung von auf neuen Ansätzen beruhende Methoden (new
approach methodologies, NAMs) (ab 2025)
Inkubator für virtuelle menschliche Zwillinge (2025-2027)
Stärkung der Kompetenzen und Karrieremöglichkeiten für wettbewerbsfähige
europäische Biowissenschaften
Laufbahnentwicklung im Bereich der Biowissenschaften durch „Choose Europe“ (ab
2025)
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Vorausschauende Studie zur Ermittlung des Bedarfs an Kompetenzen, Fähigkeiten
und Ausbildung für die Biowissenschaften (2025)
Förderung einer innovationsorientierten Regulierung
EU-Biotech-Rechtsakt (spätestens 2026)
Vereinfachung der Rechtsvorschriften für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika
(ab 2025)
KI-gestütztes interaktives Instrument zur EU-Regulierungslandschaft (2026)
Erschließung öffentlicher und privater Investitionen
Schnittstelle für Investoren im Bereich der Biowissenschaften und Interessenträger der
Unternehmen (2026)
Nutzung des öffentlichen Auftragswesens zur Förderung der Einführung von
Innovationen
Förderung der Beschaffung von biowissenschaftlichen Innovationen (2025)
Aufbau von Vertrauen in der Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit
Verzeichnis von Instrumenten in den Bereichen verantwortungsvolle FuI, Risiko- und
Wissenschaftskommunikation und Pilotmaßnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit
(2026)
Governance – Eine Koordinierungsgruppe für Biowissenschaften
Koordinierungsgruppe für Biowissenschaften (2025)
Drucksache 332/25 - 36 -]
Relationen
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