Förderung des Projekts "Schaffung von nachhaltigem Einkommen für 150 Tonga-Frauen in Binga durch Produktion und Vermarktung von Qualitätsseifen aus Jatrophaöl" durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Antwort zu Drs. 21/4775)
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Förderung des Projekts "Schaffung von nachhaltigem Einkommen für 150 Tonga-Frauen in Binga durch Produktion und Vermarktung von Qualitätsseifen aus Jatrophaöl" durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Antwort zu Drs. 21/4775)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5347
21. Wahlperiode 13.04.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Rocco Kever, Matthias Rentzsch,
Johann Martel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/4775 –
Förderung des Projekts „Schaffung von nachhaltigem Einkommen für 150 Tonga-
Frauen in Binga durch Produktion und Vermarktung von Qualitätsseifen aus
Jatrophaöl“ durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) förderte von Dezember 2017 bis April 2021 das Projekt „Schaffung
von nachhaltigem Einkommen für 150 Tonga-Frauen in Binga durch
Produktion und Vermarktung von Qualitätsseifen aus Jatrophaöl“ (IATI-Maßnahmen-
ID [IATI = International Aid Transparency Initiative]: DE-1-201706019-2149)
mit einem Zuschuss von 230 721,75 Euro, der vollständig ausgezahlt wurde
(vgl. www.transparenzportal.bund.de/de/detailsuche/DE-1-201706019-2149?c
ountry=ZW&title=150). Zuwendungsempfänger war Engagement Global
gGmbH, Umsetzungspartner Welthaus Bielefeld e. V. (a. a. O.). Das Projekt
war dem Sektor Industrie/Entwicklung von Kleinen und Mittleren
Unternehmen (KMU) zugeordnet (100 Prozent) und zielte auf SDG 1 (SDG =
Sustainable Development Goals; Keine Armut) sowie Gleichberechtigung der
Geschlechter ab (a. a. O.).
1. Welche detaillierte Aufschlüsselung der ausgezahlten 230 721,75 Euro
liegt der Bundesregierung vor, differenziert nach Kosten für die
Projektumsetzung vor Ort in Binga, Simbabwe (z. B. Produktionsaufbau,
Schulungen, Vermarktung, Jatropha-Anbau) und Kosten in Deutschland (z. B.
Verwaltung, Personal, Reisen bei Engagement Global und Welthaus
Bielefeld; vgl. Vorbemerkung der Fragesteller; bitte tabellarisch und
prozentual angeben)?
Die Zuwendung für das Vorhaben erfolgte im Rahmen einer Anteilfinanzierung
in Höhe von 85,56 Prozent. Die im Transparenzportal ausgewiesene
Fördersumme i. H. v. 230 721,75 Euro und der Eigenanteil des Empfängers führen zu
Gesamtausgaben für das Projekt in Höhe von 269 659,94 Euro. Deren
Aufteilung war wie folgt.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 10. April 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Position Prozent
Produktionsaufbau 66,31
Schulungen inklusive Ausgabe Jatrophasamen 6,02
Vermarktung 0,42
Projektbetreuungs-/Kontrollreise 0,88
Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 5,14
Bankgebühren 1,90
Buchprüfung /Audit 1,16
Personalkosten für die Projektdurchführung vor Ort 9,07
Verwaltungskostenpauschale (Leistungen des deutschen Trägers) 9,09
Gesamtausgaben 100,00
2. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die
Verwaltungskosten (einschließlich Personalkosten, Bürokosten, Reisekosten) der
Zuwendungsempfänger und Umsetzungspartner in Deutschland, und wie
werden diese im Detail begründet (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Verwaltungskosten der Umsetzungspartner in Deutschland werden im
Wesentlichen über die Verwaltungskostenpauschale abgegolten. Im Übrigen
wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
3. Welcher Anteil der Mittel floss nach Kenntnis der Bundesregierung
direkt an die 150 Tonga-Frauen oder lokalen Strukturen in Binga, und
welcher Anteil blieb bei den deutschen Partnern (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Über 66 Prozent der Mittel flossen in den Produktionsaufbau. Darüber hinaus
war das Ziel des Vorhabens ein Know-How-Transfer in Kombination mit
Infrastruktur- und Vertriebsmaßnahmen vor Ort zur Einkommenssteigerung.
4. Wie viele der 150 Tonga-Frauen erzielten nach Kenntnis der
Bundesregierung nach Projektende nachhaltiges Einkommen durch die
Seifenproduktion und Seifenvermarktung, und wie hoch war das
durchschnittliche monatliche Einkommen pro Frau (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die direkte Zielgruppe konnte auf 410 Frauen erweitert werden, deren
monatliche Einkommen sich in Abhängigkeit vom Umfang ihrer Aktivität um 2 US-
Dollar bis zu 50 US-Dollar erhöht haben.
5. Welche konkreten Ergebnisse wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bis zum Projektende April 2021 erzielt, und wie wurden diese
gemessen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Lager- und Büroräume für die Produktion wurden errichtet. Die Frauen wurden
in den Produktionsprozessen geschult. Absatzmärkte in die Tourismusbranche
in Simbabwe, aber auch nach Deutschland, wurden erschlossen. Das
monatliche Einkommen der am Projekt beteiligten Frauen hat sich erhöht. Die
Kapazitäten des lokalen Projektträgers wurden gestärkt. Ermittelt wurden die Angaben
durch Erhebungen durch den Projektträger vor Ort.
6. Wie wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die Nachhaltigkeit des
Projekts (z. B. Fortbestand der Seifenproduktion, Einkommensquelle,
Jatropha-Anbau) nach dem April 2021 sichergestellt, und wer trägt die
Folgekosten (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die laufenden und reinvestiven Kosten der als Kleinstunternehmerinnen tätigen
Frauen sind sehr gering. Die Produktion wurde erweitert und diversifiziert
(Hinzunahme Speiseöle), um weitere Absatzmärkte zu erreichen. Durch die
Schulungen können die begünstigten Frauen selbständig arbeiten und
wirtschaften. Konkretere Angaben zu den Folgekosten für die begünstige
Zielgruppe liegen nicht vor.
7. Welche Risikoanalysen zu lokalen Herausforderungen (z. B.
Marktzugang) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung vor dem Projektstart
durchgeführt, und welche präventiven Maßnahmen resultierten daraus
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
In der Konzeptions- und Vorbereitungsphase des Projekts in 2016 wurden eine
Marktanalyse erstellt sowie mögliche Absatzmöglichkeiten eruiert. Eine
Risikoanalyse und Darstellung geeigneter Gegenmaßnahmen ist im Übrigen
Gegenstand jedes Projektantrags. Sowohl die produzierten Seifen als auch die
errichtete Produktionsstätte wurden durch die lokalen Behörden zertifiziert.
8. Warum wurde – nach Kenntnis der Fragesteller – auf eine unabhängige
Evaluierung verzichtet, und plant die Bundesregierung eine nachträgliche
Evaluierung zur Prüfung der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Bundeshaushaltsordnung sieht in Abhängigkeit vom Einzelfall eine
abgestufte Erfolgskontrolle vor. Daher werden nicht alle geförderten Projekte
qualifiziert evaluiert. Die Darlegung der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit sind
hingegen Gegenstand der regulären Nachweislegung.
9. Welche Rückmeldungen der 150 Tonga-Frauen oder lokalen Partner in
Binga zu dem Projekt liegen der Bundesregierung ggf. vor, und wie
wurde eventuelle Kritik adressiert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Laut Verwendungsnachweis des Zuwendungsempfängers wurde in
Befragungen festgestellt, dass die Rolle der Frauen in den Familien und in den
Zielgemeinden durch die Schulungen und die Erwirtschaftung eines eigenen
Einkommens gestärkt wurde und sie deutlich mehr in Entscheidungsfindungsprozesse
eingebunden wurden.
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Effizienz der Mittelverwendung
im Vergleich zu ähnlichen Einkommensschaffungsprojekten für Frauen
in Afrika (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Angesichts der letztlich über 400 begünstigen Frauen (statt geplant 150) und
der deutlich höheren Zahl von ihnen mitversorgten Familienangehörigen
(insbesondere Kinder) wird die Effizienz aus den vorliegenden Dokumenten heraus
noch günstiger bewertet als ursprünglich erwartet.
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