Klimaschutzprogramm als Entlastungsprogramm
Text
Klimaschutzprogramm als Entlastungsprogramm
Antrag
der Abgeordneten Lisa Badum, Swantje Henrike Michaelsen, Dr. Julia
Verlinden, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Michael Kellner, Julia Schneider,
Dr. Armin Grau, Katrin Uhlig, Dr. Alaa Alhamwi und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Klimaschutzprogramm als Entlastungsprogramm
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die vom Umweltbundesamt vor wenigen Tagen vorgestellte Klimabilanz 2025 sowie
die Projektion für das Klimaziel 2030 beweist erneut: Deutschland ist zu langsam beim
Klimaschutz. Die Lücke zur Zielerreichung 2030 ist nun noch größer geworden als das
UBA im letzten Jahr noch angenommen hatte. Der Handlungsbedarf ist also
inzwischen noch dringender.
Während die Bundesregierung argumentiert, für Klimapolitik fehle zuweilen
gesellschaftliche Akzeptanz ist das Gegenteil der Fall. Sozialverbände wie der VdK, Caritas,
Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und der Paritätische Gesamtverband, Verbraucher- und
Mieterschützer wie der Deutsche Mieterbund und die Verbraucherzentrale
Bundesverband, Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband mittelständische Wirtschaft
(BVMW), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der Deutschen
Genossenschafts- und Raiffeisenverband, der Bauernverband, Haus & Grund und der Verband
der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), Gewerkschaften wie ver.di, DGB Nord und
die Gewerkschaft der Polizei sowie Verkehrsverbände wie der Verband deutscher
Verkehrsunternehmen (VDV), die Deutsche Verkehrswacht, der Deutsche
Verkehrssicherheitsrat und die Verkehrsunfall Opferhilfe Deutschland e. V. kritisieren die
klimaschädlichen Vorhaben der Bundesregierung und fordern klimapolitische Maßnahmen,
die Deutschlands fossile Abhängigkeit reduzieren und die Energiepreise senken. Auch
zahlreiche Umfragen machen deutlich: Klimaschutzmaßnahmen haben breite
gesellschaftliche Unterstützung.
Das ist auch nicht verwunderlich, denn fossile Energien sind teuer und nur erneuerbare
Energien, Energieeffizienz sowie Elektrifizierung machen das Leben jetzt und auf
Dauer bezahlbar. Ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm, das den Verbrauch von
Kohle, Öl und Gas schneller reduziert, wäre bei der aktuellen fossilen
Energiepreisexplosion also gleichzeitig auch ein wirksames Energiepreis-Entlastungsprogramm. Die
Befreiung aus der fossilen Kostenfalle sollte oberste Priorität dieser Bundesregierung
sein.
Laut Klimaschutzgesetz ist die Bundesregierung dazu verpflichtet, ein Jahr nach
Beginn einer neuen Legislatur – also am 25. März 2026 – ein Klimaschutzprogramm
vorzulegen, das Maßnahmen enthält, um die Zielerreichung bis zum Jahr 2030 sowie
2040 zu gewährleisten. Dabei haben die Maßnahmen des alten Klimaschutzpro-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4951
21. Wahlperiode 24.03.2026
gramms aus 2023 schon nicht ausgereicht: Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Bundesregierung am 29. Januar 2026 zur Nachbesserung verurteilt (www.bverwg.de/pm/-
2026/05), da so die Klimaziele nicht erreicht werden.
Statt ihren Verpflichtungen nachzukommen ist die Koalition auf Geisterfahrt beim
Klimaschutz und hält das Land in der fossilen Zeit fest. Die Bürgerinnen und Bürger
müssen diese Politik auf ihren Strom- und Gasrechnungen, an der Zapfsäule und im Alltag
teuer bezahlen. Eine langfristige und sichere Planung mit erneuerbaren Energien sowie
Elektrifizierung und Energieeffizienz wäre die logische Antwort auf diese und die
nächste Energiekrise, entlastet die Bevölkerung und Unternehmen von absurden
Fossilpreisen, ermöglicht das Erreichen der Klimaziele und schützt so unsere
Lebensgrundlagen und Wohlstand. Ein wirksames Klimaschutzprogramm wäre also ein
mehrfacher Gewinn.
Trotzdem setzt die Bundesregierung lieber voll auf fossil und ignoriert die
explodierenden Kosten für Öl und Gas: Sie will Strom aus Wind und Sonne abwürgen,
Haushalte mit den Plänen zum Gebäudemodernisierungsgesetz, das eher ein Teuer-Heizen-
Gesetz wäre, wieder von Öl- und Gasheizungen abhängig machen und die E-Mobilität
mit dem Aus vom Verbrenner-Aus 2035 nachhaltig beschädigen. All das schafft
massive Unsicherheit für Menschen und Unternehmen, die in Wärmepumpen,
Dachsolaranlagen, Stromspeicher oder klimafreundliche Industrie investieren wollen. So droht
Deutschland erneut, Zukunftsbranchen zu verlieren und den Hochlauf der grünen
Technologien an sich vorbeiziehen zu lassen.
Investitionen in Energiesouveränität, Bezahlbarkeit und Klimaschutz sichern uns
heute und morgen langfristig günstige Energie, sparen horrende Kosten für
Klimaschäden und sind ökonomisch sinnvoller, als das Geld der Bürgerinnen und Bürger in den
Taschen von Despoten, Kriegskassen und Mineralölkonzernen zu versenken.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Pläne für Gesetzesänderungen im Bereich Stromnetze, Erneuerbaren-Ausbau
und Gebäudeenergie sofort zurückzuziehen, da diese die Klimaschutzlücke noch
vergrößern und Strom und Wärme verteuern würden, also
a. von dem geplanten „Netzpaket“ (Leak vom 7. Februar 2026) Abstand zu
nehmen, weil dies den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremsen würde;
b. keine „Abschaffung des Heizungsgesetzes“ vorzunehmen, wie von den
Koalitionsfraktionen in Eckpunkten am 24. Februar 2026 angekündigt – und die
Vorgaben zum erneuerbaren Heizen (§ 71 GEG) zu erhalten;
c. die EEG-Novelle nicht dafür zu nutzen, die Solarenergie auszubremsen, wie
es der am 26. Februar 2026 geleakte Entwurf vorsieht, sondern den Ausbau
voranzutreiben und an der Förderung für kleine Solaranlagen festzuhalten;
2. im Sektor mit der größten Klimaschutzlücke und mit besonders belastenden
fossilen Preisen – nämlich dem Verkehrssektor – mit folgenden
Klimaschutzsofortmaßnahmen für sichere, saubere und bezahlbare Mobilität zu sorgen und
a. ein generelles Tempolimit auf Autobahnen einzuführen;
b. den Pakt zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs endlich
anzugehen;
c. eine bundesweite Lösung für ein günstiges Sozialticket zu ermöglichen (z. B.
mit den Mitteln des europäischen Klimasozialfonds), um allen Menschen auf
Dauer den Zugang zum klimafreundlichen ÖPNV zu verschaffen;
d. für eine sozial gerechte Ausgestaltung der Förderung der E-Mobilität zu
sorgen – und ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zu bezuschussen;
3. das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität konsequent für
zusätzliche Investitionen zu verwenden und dabei insbesondere Investitionen in
Klimaschutz und Transformation zu priorisieren.
Berlin, den 24. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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