Hitzebedingte Schäden an der Verkehrsinfrastruktur - Klimaschutz jetzt forcieren
Text
Hitzebedingte Schäden an der Verkehrsinfrastruktur - Klimaschutz jetzt forcieren
Antrag
der Abgeordneten Swantje Henrike Michaelsen, Tarek Al-Wazir, Victoria
Broßart, Matthias Gastel, Dr. Julia Verlinden, Lisa Badum, Julia Schneider,
Claudia Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Hitzebedingte Schäden an der Verkehrsinfrastruktur – Klimaschutz jetzt
forcieren
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Hitzewelle im Juni 2026 brachte in Deutschland Temperaturrekorde mit bis zu
41,8 Grad Celsius und hatte dramatische Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur.
Denn Extremtemperaturen führten zur Beschädigung von Straßenbelägen und
Baustoffen. Schienen verformten sich und Verkehrsunternehmen warnten vor der Nutzung
ihrer Verkehrsmittel. Auf Autobahnen beschädigten sogenannte „blow-ups“ durch
Aufbersten die Beton-Fahrbahndecke. Erhitztes, im Asphalt enthaltenes Bindemittel
Bitumen, weicht auf und bildet unter der Last des Verkehrs Spurrinnen,
Verdrückungen oder Aufwölbungen – sogar Asphaltstücke können sich lösen.
Vollsperrungen waren nach Aussage der Autobahn GmbH auf Abschnitten der
Autobahnen A1, A 2, A 14 und A 115 nötig. Weitere Hitzeschäden auf Abschnitten der
Autobahnen A 1, A 2, A 3, A 4, A 6, A 7, A 10, A 11, A 13, A 15, A 29, A 44, A 45,
A 66, A 93 und A 485 führten zu Schäden und machten Fahrstreifen-Sperrungen oder
Tempolimits notwendig (www.autobahn.de/aktuelles/aktuell/hitzeschaeden-
autobahn-gmbh-hat-gefaehrdete-abschnitte-im-blick).
In Leipzig, Würzburg, Nürnberg und Bremen hat Hitze Straßenbahnlinien zum Teil
für Tage zum Erliegen gebracht, weil schmelzende Fugenmasse Gleise und Weichen
verklebte.
Hunderte Menschen mussten aus liegen gebliebenen Zügen evakuiert werden, in denen
die Klimaanlage ausgefallen war. Dass es nicht noch mehr Personen waren,
verhinderte die DB und andere Betreiber, indem viele Züge ihren Betrieb für Stunden
grundsätzlich einstellten. Menschen wurde dringend davon abgeraten, mit dem Zug zu reisen
und Fahrkarten konnten zurückgegeben werden. Es kam zu hitzebedingen erheblichen
Verspätungen.
Der Flugverkehr in Hamburg lief nicht wie geplant, weil Hitze den Beton auf einer
Start- und Landebahn hatte aufbrechen lassen (www.zeit.de/news/2026-06/29/
hitzelaesst-beton-am-flughafen-hamburg-aufbrechen).
Der Aufwand für die Gewährleistung eines sicheren und resilienten Verkehrssystems
wird absehbar immer stärker zunehmen. Um die Risiken und Kosten für unsere
Verkehrsinfrastruktur zu minimieren, braucht es Investitionen in Resilienz. Und es braucht
endlich wirksamen Klimaschutz, um die Ursache der häufigeren Extremwetter zu be-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6923
21. Wahlperiode 07.07.2026
kämpfen. Denn ausgerechnet der Verkehrssektor ist hauptverantwortlich für hohe
CO2-Emissionen, die die Infrastruktur zerstören.
Jedes Land muss seine Hausaufgaben machen. Die deutsche Bundesregierung
allerdings verweigert ihre Klimaschutzaufgaben im Verkehrssektor. Sie zeigt keine
Strategie für den Klimaschutz im Verkehr und vernachlässigt den Ausbau klimagerechter
Mobilität. Sie hat keine Strategie, um immer höhere Belastungen und wirtschaftliche
Schäden durch die sich verschärfende Klimakrise abzuwenden.
CDU/CSU und SPD verantworten vielmehr über Jahrzehnte viel zu geringe
Investitionen in Straßen, Brücken, Schienen und Wasserwege und einen kaum noch
beherrschbaren und für die Wirtschaft verkraftbaren Sanierungs- und Baustellenaufwand. Sie
verantworten ein jahrzehntelanges Festhalten an Prestigeprojekten mindestens
zweifelhaften verkehrlichen Mehrwerts, deren Kosten und Zeitpläne immer wieder aus dem
Ruder laufen wie etwa bei „Stuttgart 21“. Sie verantworten hohe Schäden für Umwelt
und Klima durch die bis heute anhaltende finanzielle Stützung des
Verbrennungsmotors, statt die deutsche Automobilindustrie zur Vorreiterin der Antriebswende zu
machen – mit einschneidenden Folgen für die deutschen Automobilstandorte, deren
Produkte im internationalen Markt nicht mehr wettbewerbsfähig sind.
Die hohe Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen macht Deutschland anfällig für
weitere Energiekrisen. Der hilflose Versuch der Bundesregierung, steigende Preise an
Tankstellen mit einem zweimonatigen Tankrabatt zu beantworten, zeigt, wie sehr
strukturelle Veränderungen notwendig sind, um ein Verkehrssystem zu entwickeln,
das den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung angesichts der sich immer
weiter verschärfenden Klimakrise, daraus resultierenden teuren Schäden an der
Verkehrsinfrastruktur und einer hohen Abhängigkeit von fossilen
Energieimporten dazu auf, ihre Verkehrspolitik auf diese Kernaufgaben zu konzentrieren:
1. Deutschland erreicht die Klimaschutzziele, bis 2045 wird der Verkehrssektor
treibhausgasneutral; es hält dazu an Flottengrenzwerten und am Ende der
Neuzulassung von Pkw mit fossilen Verbrennungsmotoren ab 2035 im Sinne der
Planungs- und Investitionssicherheit fest, wirkt auf eine entsprechende
Rahmengesetzgebung auf EU-Ebene hin, setzt den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Pkw
und Lkw fort und forciert die Umstellung des Schiffs- und Luftverkehrs auf
klimaneutrale Technologien und Kraftstoffe; Subventionen für fossile Kraftstoffe
und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden schrittweise beendet;
2. Deutschland hält angesichts der zunehmenden Elektrifizierung vieler Systeme
und Prozesse den Energiebedarf des Verkehrs in einem leistbaren Umfang und
erreicht die Verlagerungsziele des Masterplans Schienenverkehr. Dafür erhöht es
im dafür erforderlichen Umfang die Investitionen für den Aus- und Neubau im
Schienennetz und die Stärkung seiner Resilienz; Infrastrukturmaßnahmen für
schnelle Kapazitätsausweitungen im Schienennetz werden beschleunigt geplant
und umgesetzt;
3. Deutschland setzt etappenweise den Deutschlandtakt für den öffentlichen
Verkehr um und weitet dessen Leistungsumfang schrittweise aus; der Bund und die
Länder erneuern gemeinsam die Finanzierungsgrundlagen für den ÖPNV und
sichern eine bezahlbare und komfortable Mobilität mit öffentlichen
Verkehrsmitteln;
4. Deutschland erreicht die Ziele des Nationalen Radverkehrsplan 2.0; der Bund
trifft hierzu mit den Ländern eine mehrjährige Finanzierungsvereinbarung und
erhöht die Fördermittel für Ausbau und Modernisierung der
Radverkehrsinfrastruktur;
5. Deutschland verfolgt die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel
2024“ und setzt dazu im Handlungsfeld „Verkehr und Verkehrsinfrastruktur“
bauliche und technische Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz gegen
physikalische Klimarisiken um.
Berlin, den 7. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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