Technikfolgenabschätzung (TA) Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren
Text
Technikfolgenabschätzung (TA) Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren
[Bericht
des Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt
und Technikfolgenabschätzung (18. Ausschuss)
gemäß § 56a der Geschäftsordnung
Technikfolgenabschätzung (TA)
Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen
in den Meeren
Inhal tsverzeichnis
Seite
Vorwort des Ausschusses ............................................................................. 3
Das Wichtigste in Kürze .............................................................................. 7
1 Einleitung ........................................................................................ 9
2 Mengen und Verbleib von Kunststoffen im Meer ....................... 11
2.1 Quellen und Eintragspfade ............................................................... 11
2.2 Verbreitung und Akkumulationszonen ............................................. 12
2.3 Zustand der Ost- und Nordsee .......................................................... 14
3 Gefährdung für Meereslebewesen, Menschen und
Wirtschaft ........................................................................................ 16
4 Stand aktueller Entwicklungen von Technologien zur
Entfernung von Kunststoffen aus Abwasser und
Gewässern ....................................................................................... 19
5 Technologiebewertung und Einsatzmöglichkeiten ...................... 22
5.1 Behandlung von Abwasser und Regenwasser .................................. 22
5.1.1 Kläranlagen ....................................................................................... 22
5.1.2 Kanalisation ...................................................................................... 25
5.2 Stationäre Technologien an Flussmündungen und Häfen ................ 27
5.3 Mobile Technologien zur Reinigung von Akkumulationszonen
und Geisternetzen ............................................................................. 31
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3954
21. Wahlperiode 30.01.2026
Seite
5.4 Fazit und übergreifende Erwägungen ............................................... 35
6 Geltender regulatorischer Rahmen und Aktivitäten gegen
Meeresmüll ...................................................................................... 38
7 Handlungsoptionen ......................................................................... 41
7.1 Prävention priorisieren ..................................................................... 41
7.2 Standortspezifische Reinigungsinterventionen bevorzugen ............. 42
7.3 Standards und Leitlinien entwickeln ................................................ 42
7.4 Internationale Kooperationen und Finanzierungsinstrumente
ausbauen ........................................................................................... 43
8 Literatur .......................................................................................... 45
8.1 In Auftrag gegebene Gutachten ........................................................ 45
8.2 Weitere Literatur............................................................................... 45
9 Anhang............................................................................................. 56
9.1 Europäischer Regulierungsrahmen für die Meerespolitik ................ 56
9.2 Abbildungen ..................................................................................... 58
9.3 Tabellen ............................................................................................ 58
Vorwort des Ausschusses
Die zunehmende Verschmutzung der Meere mit Kunststoffabfällen ist eine
globale Herausforderung, die ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche
Auswirkungen mit sich bringt. Jährlich gelangen große Mengen an Plastik in die
Ozeane, was die Nahrungszufuhr von Meerestieren beeinträchtigen kann, häufig mit
letalen Folgen. Der Verzehr von mikroplastikbelasteten Fischen oder Muscheln
kann dann zu einer Ablagerung von Plastik in menschlichen Organen führen.
Hieraus können Gesundheitsrisiken und Kosten für das Gesundheitssystem entstehen.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt „Technologische Möglichkeiten zur
Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren“ im Auftrag des Ausschusses für
Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (20. WP) vom Büro für
Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) durchgeführt. Ziel der
Untersuchung war es, Potenziale und Auswirkungen technologischer
Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren zu analysieren. Hierfür
sollte untersucht werden, wie Kunststoffabfälle sich im Meer sammeln und sich auf
Meerestiere und Menschen auswirken, welche Technologien dabei helfen können,
die Kunststoffmengen im Meer zu verringern, und mit welchen Risiken für
Lebensräume und Ökosysteme wiederum der Einsatz solcher Technologien einhergeht.
Aufbauend auf einer kurzen Zusammenfassung des Stands des Wissens zu
Quellen, Eintragspfaden, Ausbreitung, Akkumulation und Zersetzung von
Kunststoffabfällen in den Meeren gibt die resultierende TA-Kompakt-Studie des TAB einen
Überblick über den aktuellen Stand existierender Technologien zur Reduktion der
Einträge von Kunststoffen in Gewässer und zur Entfernung vorhandener Abfälle
aus dem Meer. Auf dieser Grundlage werden Marktreife, Effizienz und
Auswirkungen der Technologien abgeschätzt. Abschließend werden politische
Instrumente identifiziert, die es ermöglichen sollen, die entsprechenden Technologien
effektiv und ökologisch sinnvoll einzusetzen.
Der Deutsche Bundestag erhält mit diesem Bericht eine empirisch fundierte
Informationsgrundlage für die weitere parlamentarische Befassung mit dem Schutz
von Meeren und Gewässern.
Berlin, den 28. Januar 2026
Dr. Karl Lauterbach
Vorsitzender
Dr. Reza Asghari
Berichterstatter
Dr. Michael Kaufmann
Berichterstatter
Oliver Kaczmarek
Berichterstatter
Dr. Andrea Lübcke
Berichterstatterin
Sonja Lemke
Berichterstatterin
Pauline Riousset
Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von
Kunststoffabfällen in den Meeren
TA-Kompakt Nr. 5
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) berät das Parlament und seine
Ausschüsse in Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels. Das TAB wird seit 1990 vom Institut für
Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) betrieben. Hierbei
kooperiert es seit September 2013 mit dem IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
sowie dem Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH.
Das Wichtigste in Kürze
Fünf Fragen – fünf Antworten
Wie sammeln sich Kunststoffabfälle im Meer?
– Plastik findet sich in allen Wasserkompartimenten rund um den Globus.
– Littering ist die größte Emissionsquelle von Makroplastik im Globalen Norden, während nicht
vorhandene oder fehlfunktionierende Sammelsysteme in Verbindung mit Müllexporten aus dem Globalen
Norden die dominierende Emissionsquelle im Globalen Süden darstellen.
– Zu den Emissionen von Mikroplastik tragen in Deutschland insbesondere Regenwassereinleitungen und
Mischwasserentlastungen bei Starkregen bei, die z. B. Reifenabrieb in die Gewässer eintragen. Der
größte Anteil der ins Wasser gelangten Kunststoffe sammelt sich in der Nähe der Emissionsorte.
– Makroplastik im Meer kann durch physikalische, chemische und biologische Prozesse in Mikroplastik
zerfallen. Ein Teil dieser Partikel kann – abhängig von Materialeigenschaften und
Umweltbedingungen – zum Meeresgrund absinken, wo sie über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Wie gefährlich sind Kunststoffabfälle für Meereslebewesen und Menschen?
– Kunststoffabfälle im Meer wirken sich auf alle Ökosystemleistungen aus. Zu den potenziellen kaum
umkehrbaren Auswirkungen der Kunststoffverschmutzung gehören geophysikalische Effekte,
insbesondere Veränderungen der Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe.
– Kunststoffe können Lebewesen im Meer auf vielfältige Weise beeinträchtigen (z. B. durch
Verstrickungen, Verletzungen und das Bewirken von Entzündungsreaktionen) und so die biologische Vielfalt und
die natürliche Umwelt bedrohen.
– Sie verursachen hohe ökonomische Kosten für Fischerei, Aquakultur und Tourismus.
– Auswirkungen auf die Gesundheit sind unzureichend erforscht. Hinweise auf negative Auswirkungen
auf die menschliche Gesundheit häufen sich.
Welche Technologien können dabei helfen, die Kunststoffmengen im Meer zu verringern?
– Die Vielfalt der existierenden Technologien spiegelt die Vielfalt von Quellen, Abfallgrößen und
Anwendungsbereichen wider.
– Mechanische Lösungen für die Entfernung von treibendem Makroplastik an der Wasseroberfläche
machen den größten Anteil der Technologien aus.
– Stationäre Reinigungstechnologien ermöglichen eine gezielte Reinigung von Akkumulationsorten, zum
Beispiel in Häfen und an Flussmündungen. Mobile Technologien sind flexibler, verbrauchen in der
Regel aber mehr Energie.
– Während Präventionstechnologien durch ihre vorgelagerte Platzierung keine direkten Auswirkungen
auf Meeresökosysteme haben, können sich Reinigungstechnologien zur Entfernung von Kunststoffen
aus Gewässern unbeabsichtigt negativ auf die dortigen Ökosysteme auswirken.
– Kleinere Mikroplastikpartikel, die bereits im offenen Meer treiben oder auf den Meeresboden gesunken
sind, lassen sich beim aktuellen Stand der Technik nicht effektiv zurückholen.
– Die Datenlage zum Energieverbrauch und zu den Auswirkungen existierender Technologien auf
Meeresorganismen ist sehr lückenhaft und auch ihre Wirksamkeit ist bislang unzureichend erforscht.
– Problematisch sind vor allem die vielfach fehlenden Infrastrukturen für die Verwertung oder
umweltgerechte Beseitigung der Abfälle im globalen Süden.
Welche politischen Bestrebungen gibt es bereits, um Einträge von Kunststoffabfällen in die Meere zu
reduzieren?
– Emissionen von Kunststoffen werden in der EU umfangreich reguliert. In den letzten Jahren lag der
Fokus neuer Regulierungen verstärkt auf der Vermeidung von Littering und von
Mikroplastikemissionen. Reinigungstechnologien sind bisher kaum Gegenstand von Regulierung oder Normierung
gewesen.
– Um die grenzüberschreitenden Auswirkungen der Verschmutzung durch Plastik zu reduzieren, fördert
Deutschland internationale Projekte gegen Meeresmüll und für saubere Meere insgesamt.
– Im Rahmen der internationalen Verhandlungen über ein Abkommen zur Bekämpfung der
Plastikverschmutzung werden internationale Reinigungsmaßnahmen diskutiert. Finale Entscheidungen darüber
und über einen finanziellen Rahmen stehen noch aus.
Mit welchen politischen Instrumenten kann sichergestellt werden, dass die entsprechenden Technologien
effektiv und ökologisch sinnvoll eingesetzt werden?
– Emissionen von Abfällen zu verhindern, ist kosteneffektiver, als sie aus der Umwelt zu entfernen. In
Deutschland könnten besonders belastete Kläranlagen, Straßenabflüsse im Trennsystem und
Mischwasserentlastungsanlagen technologisch nachgerüstet werden.
– Wenn Kunststoffemissionen nicht vermeidbar sind, trägt das Auffangen in der Nähe der
Emissionsquellen zur Reduktion von wirtschaftlichen und ökologischen Kosten bei. Bei der Auswahl sind der
naturschutzfachliche und der gesellschaftliche Wert der betroffenen Akkumulationszonen sowie die zu
erwartenden Nebenwirkungen zu berücksichtigen.
– Um Entscheidungsträger/innen bei Investitionsentscheidungen zu unterstützen, wäre die Einführung
von Evaluierungspflichten bei der Entwicklung von Reinigungstechnologien, unter Verwendung von
noch zu entwickelnden Standards für die Dokumentation vor und während des Einsatzes, ein wichtiger
Schritt.
– Es wäre zu prüfen, ob die laufenden Fördermaßnahmen für internationale Projekte zur Bekämpfung
von Meeresmüll den Technologietransfer zu Reinigungstechnologien ausreichend abdecken.
– Deutschland könnte sich im Rahmen der internationalen Verhandlungen über ein Abkommen zur
Bekämpfung der Plastikverschmutzung weiterhin für einen internationalen finanziellen Mechanismus
einsetzen und die Förderbedingungen für Projekte mitgestalten.
1 Einleitung
Die weltweite Produktion von Kunststoffen ist innerhalb der letzten 70 Jahre stark angestiegen. Allein seit
2002 hat sie sich mehr als verdoppelt. Im Jahr 2024 betrug sie 430,9 Mio. t (Statista 2025). Ein Großteil der
produzierten Kunststoffmengen wird nach Verbrauch nicht korrekt entsorgt und verbreitet sich in der Umwelt,
wo sie einen Hauptteil der Meeresabfälle ausmachen (AWI o. J.). Jährlich gelangen schätzungsweise 6 Mio. t in
Flüsse und Küstengewässer, wovon zwischen 1,7 Mio. t (OECD 2022a) und 6,1 Mio. t weiter ins Meer treiben.
Rechnet man Mikroplastikpartikel hinzu, sind es insgesamt 16 Mio. t (Sonke et al. 2025). Allein über Europas
Flüsse gelangen jährlich ca. 3.400 t Makroplastik in die europäischen Meere (González-Fernández et al. 2021,
S. 474). Diese Mengen kommen jährlich zu den geschätzten 75 bis 199 Mio. t dazu, die sich bereits in Meeren
und Ozeanen weltweit befinden (UNEP 2021). An der Oberfläche von Ozeanen treiben bereits jetzt schon
geschätzt über 170 Billionen Plastikteilchen mit einem Gewicht zwischen 1,1 und 4,9 Mio. t (Eriksen et al. 2023).
Plastikabfälle im Meer wirken sich auf Meerestiere und Ökosysteme negativ aus, mindern den Erholungswert und
erzeugen so wirtschaftliche Kosten für die Fischerei und den Tourismus (Royal Society 2024, S. 4). Auch wenn
einige methodische Herausforderungen bestehen (Rauert et al. 2025; Seewoo et al. 2024), weisen immer mehr
Studien auf mögliche toxikologische Wirkungen hin. Mikroplastikpartikel können sich in Blutgefäßen, im Gehirn
und anderen Organen ablagern (Anih et al. 2025; Nihart et al. 2025). Analysen ergaben, dass Gehirnproben aus
dem Jahr 2024 etwa 50 % höhere Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastik im Hirngewebe aufwiesen als
Proben aus dem Jahr 2016 (Nihart et al. 2025). Eine Ablagerung von Mikroplastik im Körper kann Entzündungen
verursachen. Außerdem werden Mikroplastikpartikel mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
sowie einer höheren Sterberate assoziiert und stehen im Zusammenhang mit Krankheiten wie Krebs, Asthma,
Parkinson und neurologischen Störungen (ITA 2025; Liu et al. 2023) sowie erhöhter Unfruchtbarkeit (Banerjee
et al. 2024; DʼAngelo/Meccariello 2021; Zhang et al. 2022). Die gesundheitlichen Kosten von Chemikalien in
Kunststoffen werden für die Gesellschaft teilweise als exorbitant hoch charakterisiert (OPECST 2024). Trasante
et al. (2024) schätzen die Gesundheitskosten, die 2018 durch drei mit Plastik assoziierten Chemikaliengruppen
verursacht wurden, in den USA auf 249 Mrd. US-Dollar. Symeonides (2024) kommt auf Grundlage einer
Metaanalyse zu dem Ergebnis, dass 2010 Gesundheitskosten in Höhe von 675 Mrd. Euro durch drei
kunststoffbezogene Substanzen in den USA entstanden sind (OPECST 2024, S. 18).
In Deutschland wurden in den letzten Jahren vor allem Emissionen durch Mikroplastik erforscht. Von
Makroplastik spricht man bei einer Partikelgröße von 5 mm oder größer, von Mikroplastik bei Fragmenten zwischen
1 µm und 5 mm. Durch Degradation und Fragmentierung zersetzt sich Plastik im Wasser zu Mikro- und
Nanoplastik (1 nm bis ≤1 µm). Aufgrund der erwarteten starken Zunahme der Konzentrationen von Plastik im Meer
und seiner Persistenz in der Umwelt steigt der Handlungsbedarf, Kunststoffe aus der Meeresumwelt zu entfernen
(Royal Society 2024, S. 4 und 7). So ist im Textvorschlag für ein Abkommen zur Bekämpfung der
Plastikverschmutzung vorgesehen, dass die künftigen Vertragsparteien geeignete umweltgerechte Beseitigungs- und
Reinigungsmaßnahmen ergreifen müssen, um die Akkumulation von bereits vorhandenem Plastik zu reduzieren
(Art. 9) (Vayas Valdivieso 2025).
Auch wenn Fortschritte in manchen Regionen der Welt durch die Umsetzung einzelner Maßnahmen bereits
festgestellt werden konnten oder zu erwarten sind (OSPAR 2023), wird mit dem erwarteten weltweiten
Bevölkerungswachstum und dem erwarteten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eine Zunahme der Produktion
und des Verbrauchs von Kunststoffen erwartet. So könnte sich die derzeitige Jahresproduktion von Kunststoffen
(ca. 450 Mio. t) bei den derzeitigen Trends bis 2045 verdoppeln (Enevoldsen et al. 2024, S. 18). Dies könnte zu
größeren Mengen an Kunststoffabfällen und entsprechenden Einträgen in Meere und Ozeane führen. Künftig wird
mit einem geschätzten Anstieg des weltweiten Aufkommens von Kunststoffabfällen von etwa 4 bis 5 % pro Jahr
gerechnet (Kaandorp et al. 2023, S. 690). Bis 2060 ist bei einer Fortsetzung aktueller Trends mit einer
Verdreifachung der Mengen an Plastikabfällen in der Umwelt zu rechnen (OECD 2022a, S. 84). Selbst in einem
ambitionierten Szenario, in dem die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen Verpflichtungen eingehen und einhalten,
dürften bis 2030 jährlich zwischen 20 und 53 Mio. t Kunststoffabfälle in die Gewässer gelangen (Borrelle et al.
2020). Das ist problematisch, denn eine Akkumulation, beispielsweise in den ozeanischen Müllstrudeln, erfolgt
zeitlich verzögert. Es dauert also mehrere Jahre, bevor Maßnahmen zur Reduzierung der dort akkumulierten
Mengen führen (Lebreton 2022, S. 731).
Zielsetzung und Vorgehensweise
In dem vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung initiierten Projekt des Büros für
Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) sollten im Rahmen einer TA-Kompakt-Studie
Potenziale und Auswirkungen technologischer Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den
Meeren untersucht werden. Die Fragestellungen der Untersuchung lauteten:
– Wie sammeln sich Kunststoffabfälle im Meer?
– Wie gefährlich sind Kunststoffabfälle für Meereslebewesen und Menschen?
– Welche Technologien können dabei helfen, die Kunststoffmengen im Meer zu verringern?
– Mit welchen Risiken für Lebensräume und Ökosysteme geht der Einsatz solcher Technologien einher?
– Mit welchen politischen Instrumenten kann sichergestellt werden, dass die entsprechenden Technologien
effektiv und ökologisch sinnvoll eingesetzt werden?
Zusammenarbeit mit Gutachter/innen und Danksagung
Ausgangspunkt des TA-Projekts war eine Bestandsaufnahme der technologischen Lösungen zur Entfernung von
Kunststoffen aus aquatischen Ökosystemen sowie aus Abwasser und Niederschlagswasser ebenso wie eine
Einschätzung ihrer Effizienz und Nebenwirkungen. Als fachliche Informationsbasis für das Projekt wurde zunächst
ein Kurzgutachten vergeben, mit dem Ziel das Spektrum existierender Technologien mit einem höheren Reifegrad
qualitativ zu beschreiben:
– Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren. Mandy Hinzmann,
Doris Knoblauch, Hannes Schritt, R. Andreas Kraemer, Dr. Melanie Bergmann; Ecologic Institut
gemeinnützige GmbH, Berlin
Das Gutachten wurde durch ein zweites Kurzgutachten ergänzt mit dem Ziel, die Kernergebnisse durch eine
Analyse aus den Datenbanken „MarLi-In Portal“ und „Plastic Pollution Prevention and Collection Technology
Inventory“ abzugleichen, ggf. zu untermauern und vielversprechende innovative Lösungen zu identifizieren:
– Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren – Wissenstand
innovativer Lösungen zur Bekämpfung des Meeresmülls. Dr. Nikoleta Bellou, Hamburg
Die Verantwortung für die Auswahl, Strukturierung und Interpretation der Gutachtenergebnisse liegt bei der
Autorin des vorliegenden TA-Kompakts, Dr. Pauline Riousset. An dieser Stelle sei den Gutachter/innen für die
Bereitschaft zur Kooperation und Kommunikation sowie für die Prüfung und die ausführliche Kommentierung des
Berichtsentwurfs herzlich gedankt. Ein besonderer Dank gilt ihnen außerdem für die zahlreichen Hinweise auf
wichtige Publikationen zu den Quellen, der Akkumulation und der Verbreitung von Kunststoffen im Meer. Dank
gebührt ebenfalls Dr. Arnold Sauter für Durchsicht und Kommentierung von Entwurfsversionen sowie Brigitta-
Ulrike Goelsdorf für die Bearbeitung der Abbildungen, die redaktionelle Bearbeitung des Manuskripts und die
Erstellung des Layouts.
2 Mengen und Verbleib von Kunststoffen im Meer
– Plastik findet sich in allen Wasserkompartimenten rund um den Globus.
– Littering ist die größte Emissionsquelle von Makroplastik im Globalen Norden, während nicht vorhandene
oder fehlfunktionierende Sammelsysteme in Verbindung mit Müllexporten aus dem Globalen Norden die
dominierende Emissionsquelle im Globalen Süden darstellen.
– Zu den Emissionen von Mikroplastik tragen in Deutschland insbesondere Regenwassereinleitungen und
Mischwasserentlastungen bei Starkregen bei, die z. B Reifenabrieb in die Gewässer eintragen.
– Der größte Anteil der ins Wasser gelangten Kunststoffe sammelt sich in der Nähe der Emissionsorte.
– Makroplastik im Meer kann durch physikalische, chemische und biologische Prozesse in Mikroplastik
zerfallen. Ein Teil dieser Partikel kann – abhängig von Materialeigenschaften und Umweltbedingungen – zum
Meeresgrund absinken, wo sie über lange Zeiträume erhalten bleiben.
2.1 Quellen und Eintragspfade
Kunststoffabfälle gelangen über verschiedene Eintragspfade ins Meer. Diese werden unterschieden in landbasierte
und meeresbasierte Einträge. Landbasierte Einträge sind die Folge von unsachgemäßer Entsorgung von Abfällen
entlang der Küste oder an Flussufern, die dann bis ins offene Meer transportiert werden. Auch Tourismus und
Naherholung sowie die küsten- bzw. flussnahe Industrie führen zu landbasierten Einträgen. Verluste über offene
Deponien in Küsten- oder Flussnähe sowie Ereignisse, wie Stürme, Hochwasser und Starkregen, die Kläranlagen
zum Überlaufen bringen und in kurzer Zeit große Mengen an Abfall ins Meer spülen, der sich an die Strände
ablagert, tragen ebenfalls maßgeblich zu landbasierten Einträgen bei (Canals et al. 2021, S. 3; Lewin et al. 2019,
S. 12). Meeres- bzw. seebasierte Einträge entstehen hingegen durch maritime Aktivitäten. Relevante Quellen sind
die Schifffahrt, sei es kommerzieller Natur oder im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten (Sportbootschifffahrt).
Auch Aquakulturanlagen im Meer (Marikultur), die Berufsfischerei (durch den Verlust von Fischfanggeräten)
sowie der Betrieb von Offshoreanlagen tragen zu einem Großteil der Emissionen bei (Lewin et al. 2019, S. 12;
Runder Tisch Meeresmüll o. J.b).
Neben Makroabfällen werden auch Mikroplastikpartikel in die aquatische Umwelt emittiert. In Deutschland
machen diese mit 74 % den größten Anteil der Plastikemissionen aus (Bertling et al. 2018, S. 15). Zu den größten
Quellen gehören zum Beispiel der Reifenabrieb auf Straßen, wodurch Plastikpartikel über den Oberflächenabfluss
in die Regenwasserkanalisation gelangen, Farben sowie Verluste bei der Abfallentsorgung. Auch
Mikroplastikpartikel aus synthetischen Textilien, die sich beim Waschen lösen, gehören zu den Emissionsquellen (Bertling et
al. 2021, S. 15 ff.). Allerdings werden diese Emissionen ebenso wie die von Mikroplastikpartikeln, die
beispielsweise in Kosmetikprodukten sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln enthalten sind, überwiegend über die
Abwasserkanalisation erfasst, sodass sich bei entsprechender Klärstufe die Transferrate in die Meere in Grenzen
hält (Bertling et al. 2018, S. 25). In der Nähe von industriellen Standorten sind die Mikroplastikkonzentrationen
in manchen Meeren (z. B. Ostsee) besonders hoch. Diese können beispielsweise aus industriellen Scheuermitteln
oder von Zusatzmitteln aus der Fertigung über Produktions(ab)wasser aus der Industrie in die Gewässer gelangen
(Bertling et al. 2021, S. 17 u. 20; Veiga et al. 2022, S. 50 f.). Außerdem gelangt Kunststoffgranulat zur Erzeugung
von Plastikprodukten an Produktionsstätten oder beim Transport in die Umwelt (Cocozza et al. 2025; Karlsson et
al. 2018). Zu den Eintragspfaden zählt außerdem die Atmosphäre, über die Einträge von Mikro- und Nanoplastik
vom Land durch Niederschläge in die Meere transportiert werden (Allen et al. 2022). Über Aerosolbildung kann
Mikroplastik auch aus dem Meer in die Atmosphäre gelangen und weitergetragen werden (Allen et al. 2020).
Schließlich verbleibt ein Teil des Kunststoffabfalls zunächst für längere Zeit in terrestrischen Umgebungen, wo
er sich ansammelt und erst nach und nach in die (aquatischen) Ökosysteme im Landesinneren abgegeben wird
(Meijer et al. 2021, S. 6) oder in die Luft resuspendiert wird (Zhang et al. 2025).
Über Abwasser gelangt Mikroplastik in die aquatische Umwelt insbesondere über drei zentrale Eintragspfade
(Fuhrmann et al. 2021):
– Klärwasser und Klärschlamm: Je nach Kanalisationssystem gelangt entweder nur Schmutzwasser aus
Haushalten, Industrien und Gewerben zur Behandlung in eine Kläranlage (Trennsystem) oder aber eine Mischung
aus Schmutz- und Niederschlagswasser (Mischsystem), wenn diese in einen gemeinsamen Kanal abgeleitet
werden. Reststoffe, die nicht über die Behandlung in Kläranlagen entfernt werden, gelangen dann über das
Klärwasser oder das Ausbringen von Klärschlamm in der Landwirtschaft in die Umwelt.
– Mischwasserentlastungen: Im Mischsystem gelangen die Kapazitäten einer Kläranlage bei Starkregen
schneller an ihre Grenzen. Ist die Kanalisation überfordert, gelangt unbehandeltes Mischwasser in die
Gewässer.
– Behandeltes Niederschlagswasser: Je nach Ort wird Niederschlagswasser entweder unbehandelt in die
Gewässer geleitet oder in Abhängigkeit des Verschmutzungsgrades in Regenwasserbehandlungsanlagen
aufbereitet. Auch Niederschlagswasser kann beispielsweise durch den Kontakt mit der Verkehrsinfrastruktur oder
mit polymerhaltigen Oberflächen und Lacken (Brännström et al. 2023) mit Mikroplastikpartikeln belastet
sein und Mikroplastik enthalten.
Der größte Teil der Meeresabfälle stammt – global betrachtet – aus landbasierten Quellen (Jambeck et al. 2015),
schätzungsweise zu 70 bis 80 % (Christensen et al. 2023, S. 19; EEA 2023; Lebreton et al. 2018; Li et al. 2016).
Der Rest ist auf meeresbasierte Einträge zurückzuführen. Verlassene, verlorene und weggeworfene
Fischereiausrüstungen sorgen für insgesamt 10 bis 20 % des in die Meere eingetragenen Mülls (Gilman et al. 2021; Runder
Tisch Meeresmüll o. J.b). Für Deutschland weicht das Verhältnis zwischen land- und meeresbasierten Einträgen
vom globalen Verhältnis ab. Auch die Emissionen in die Ost- und Nordsee unterscheiden sich stark voneinander.
So machen meeresbasierte Abfälle einen deutlich größeren Anteil an den gesamten Emissionen in den
Nordostatlantik als in der Ostsee aus (Runder Tisch Meeresmüll o. J.b). Meeresbasierte Einträge machen außerdem
besonders in entlegenen Regionen wie den großen subtropischen Müllstrudeln oder in der Arktis einen erheblichen
Anteil der dort befindlichen Abfälle aus. Fischereinetze und -materialien können bis über drei Viertel der dort
akkumulierten Kunststoffmenge ausmachen (Lebreton et al. 2018, S. 731; Meyer et al. 2023).
Noch bestehen große Wissenslücken über den Zustand, die Stoffflüsse und die Zersetzung von Plastik im Meer
(Horton 2022). Schätzungen reichen von 8 bis 30 Mio. t pro Jahr (Allen et al. 2022; Borrelle et al. 2020;
Jambeck/Walker-Franklin 2023; Lau et al. 2020). In einer Studie von Kaandorp et al. (2023) wird der jährliche
globale Gesamteintrag von Kunststoffen in die Meere auf 500 kt geschätzt mit Steigerungsraten von
schätzungsweise 4 % pro Jahr. Dieser Eintrag soll zu 39 bis 42 % aus Aktivitäten an der Küste, zu 45 bis 48 % aus
Fischereiaktivitäten und zu 12 bis 13 % aus Flüssen stammen (Kaandorp et al. 2023).
Aufgrund der Langlebigkeit von Plastik ist ein Großteil der Meeresabfälle auf Emissionen zurückzuführen, die
lange in die Vergangenheit reichen. Die Plastikproduktion der letzten 70 Jahre und die anfangs auch im Globalen
Norden fehlenden Sammelsysteme haben zu den bestehenden Mengen entscheidend beigetragen (Zhang et al.
2023, S. 1). So stammt ein erheblicher Teil der Materialien, die im pazifischen Müllstrudel identifiziert wurden,
aus den 1960er Jahren (Lebreton 2022, S. 731).
Eintragspfade von Plastikabfällen in die aquatische Umwelt sind je nach Land bzw. Weltregion unterschiedlich.
Heute erzeugen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen pro Kopf zwar deutlich weniger Plastikmüll als
Länder mit hohem Einkommen. Allerdings wird ein großer Teil der dort entstehenden Abfälle nicht gesammelt.
Die vor allem im globalen Süden fehlenden oder mangelhaft funktionierenden Abfallsammelsysteme stellen so
eine Hauptemissionsquelle von Kunststoffen in die Umwelt dar (Cottom et al. 2024, S. 103). 1.000 Flüsse tragen
zu ca. 80 % an der jährlichen Plastikfracht ins Meer bei. Viele dieser Flüsse befinden sich in Asien, Lateinamerika
und Afrika (Meijer et al. 2021, S. 6). In Hocheinkommensländern, wo Abfallsammelsysteme seit Jahren
perfektioniert werden, sind die Emissionen vor allem auf das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen in der
Umwelt zurückzuführen (Cottom et al. 2024, S. 105). Außerdem wird ein erheblicher Teil der Kunststoffabfälle,
die oft gar nicht recyclebar sind, aus EU-Mitgliedstaaten in Länder mit niedrigeren Recyclingstandards exportiert
(OECD 2024, S. 3).
Wie viel ein Land direkt emittiert, hängt auch von seiner Nähe zum Meer ab. Länder mit einer relativ kleinen
Landfläche im Vergleich zur Länge ihrer Küstenlinie emittieren viel Kunststoff ins Meer, insbesondere wenn sie
hohe durchschnittliche Niederschlagsraten aufweisen. Insbesondere die Entfernung urbaner Zentren und von
Industriestandorten vom Wasser bestimmt den Grad der Emissionen (Meijer et al. 2021, S. 4 f.).
2.2 Verbreitung und Akkumulationszonen
Plastik wird von der Gewässeroberfläche bis hin zu den Meeresbodensedimenten von Tiefseebecken
dokumentiert (Eriksen et al. 2014; Reisser et al. 2015; Tekman et al. 2020). Die Verteilung von Makroplastik im Meer
hängt von zahlreichen Parametern ab, darunter die lokalen hydrogeografischen Bedingungen, die Witterung, die
Eigenschaften der Fragmente sowie die physikalisch-chemischen und biochemischen Prozesse im Meerwasser,
durch welche die Partikel sich verändern (Canals et al. 2021, S. 7; Gutow et al. 2018, S. 771; Peters o. J.b; van
Sebille et al. 2020, S. 3). Die langen Kohlenstoffketten der Kunststoffpolymere werden in der Umwelt langsam
abgebaut (Chamas et al. 2020). Durch Fragmentierung und Degradation zersetzt sich Makroplastik in Meso- bzw.
Mikroplastikpartikel. Durch biochemische Prozesse, wie das Wachstum von Biofilmen an ihrer Oberfläche,
können Kunststofffragmente und -partikel schwerer werden, langsam absinken und sich letztlich auf dem
Meeresboden ablagern (Canals et al. 2021; Fazey/Ryan 2016; Lobelle et al. 2021; Schernewski et al. 2021, S. 879).
Mikroplastikpartikel werden außerdem durch lebende Organismen in die Tiefsee transportiert, beispielsweise nach
Aufnahme mit der Nahrung über ihre sinkenden Fäkalien (Katija et al. 2017).
Während schwere Grundschleppnetze oft dort bleiben, wo sie stecken geblieben sind oder verloren bzw.
zurückgelassen wurden, ist das Verhalten kleinerer Gegenstände deutlich schwerer prognostizierbar (Canals et al. 2021,
S. 7). Kleineres Mikroplastik tendiert zur schnelleren Ausbreitung als größeres (Peters o. J.b). In Küstengewässern
beträgt die Verweildauer von größeren Mikro- und Mesoplastikpartikeln an einem Ort nur wenige Tage.
Konzentrationen variieren auch ereignisabhängig. So sind sie nach einem Starkregenereignis in Küstennähe besonders
hoch (Schernewski et al. 2021, S. 879). Ein Großteil wird zurück an den Strand und wieder ins Meer gespült
(Onink et al. 2021). Tendenziell akkumuliert Mikroplastik insbesondere in der Nähe seiner Emissionsorte, wie
beispielsweise in der Nähe von industrialisierten Gebieten und von Kläranlagenabflüssen (la Farré et al. 2021,
S. 29; Peters o. J.a).
Aufgrund von Wind und Wasserströmungen an der Oberfläche des Ozeans können Plastikteile weite Wege
zurücklegen (van Sebille et al. 2020). So wurden Plastikpartikel in ansonsten kaum berührten Landschaften dokumentiert,
wie in den Oberflächengewässern um die antarktische Halbinsel und in der Arktis (Bergmann et al. 2022; Caruso et
al. 2022; Lacerda et al. 2019; da Silva et al. 2023) oder in Korallenökosystemen (Sanderson 2023). Auch liegen in
der südlichen Hemisphäre, wo deutlich weniger Plastik emittiert wird, die Gesamtmengen der Kunststoffe im Meer
auf einem ähnlich hohen Niveau wie in der nördlichen Hemisphäre (Eriksen et al. 2023, S. 10).
Durch die Kombination von Oberflächenwasserströmungen mit der Rotation der Erde akkumulieren treibende
Kunststoffteile in subtropischen Konvergenzzonen (Subtropical Ocean Gyres) und bilden dort Müllstrudel
(Garbage Patches). Diese Müllstrudel sind in beiden Hemisphären vorzufinden (Zhang et al. 2023, S. 2)
(Abb. 2.1). Als die größte und dichteste bekannte Ansammlungszone für treibenden Plastikmüll wird der große
pazifische Müllstrudel (Great Pacific Garbage Patch) zwischen der Westküste der USA und Hawaii angesehen
(Lebreton 2022, S. 730). Er weist auf einer Fläche von 1,6 Mio. km2 (was etwa viereinhalb Mal der Fläche
Deutschlands entspricht) eine Konzentration von Plastikfragmenten von bis zu 106 Stück pro km2 auf (Lebreton
2022, S. 730; Lebreton et al. 2018). Wie sich Kunststoffe durch die Ozeane verbreiten und sich Müllstrudel bilden,
zeigt ein kurzes Video der NASA auf YouTube.1
Allerdings ist diese Konzentration relativ zur Größe des Ozeans zu betrachten. Hinzmann et al. (2025, S. 25 ff.)
ordnen die Konzentrationen wie folgt ein: Lediglich 1 bis 5 % des Meeresmülls sammeln sich in der
nordpazifischen Akkumulationszone2. Verteilt auf die Größe eines Fußballfeldes (ca. 7.000 m²) befindet sich dort demnach
die Plastikmenge, die in etwa einer PET-Flasche entspricht (ca. 50 g).3 Empirische Analysen von Lebreton et al.
(2018) zeigen, dass sich die Kunststoffdichte in dieser Zone auf durchschnittlich 350 g pro 7.000 m² beläuft, was
etwa der Masse von sieben PET-Flaschen entspricht. Egger et al. (2022) ermittelten 70 bis 700 g pro 7.000 m².
Diese Werte bestätigen qualitative Einschätzungen, die das Gebiet eher als „Plastiksuppe“ 4 denn als dichten
Teppich aus schwimmenden Plastikmülls beschreiben. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen Rynek et al. (2024),
die außerdem zeigen, dass Plastikteile auch außerhalb bekannter Akkumulationszonen in vergleichbar hohen
Konzentrationen auftreten und über riesige Areale verbreitet sind. Meeresgebiete in der Nähe von Emissionshotspots,
beispielsweise an Flussmündungen in Deutschland oder an großen Flüssen in Südostasien, weisen höhere lokale
Konzentrationen von Mikro- und Makroplastik auf (Mani et al. 2015; Schmidt et al. 2017), wobei ein direkter
Vergleich schwierig ist, da in den Studien unterschiedliche Einheiten verwendet werden (kg pro km², t/y und
Partikelanzahl pro km²). Die Müllstrudel fungieren dennoch als langfristige Akkumulationszonen und es wird
erwartet, dass die Kunststoffkonzentrationen in diesen Konvergenzzonen künftig weiter zunehmen (Rynek et al.
2024). Sie werden dadurch mit der Zeit zu den am stärksten belasteten Regionen (van Sebille et al. 2012). Zudem
fungieren Bereiche des nordpazifischen Hochseegebietes laut wissenschaftlicher Forschung als Senke für
Plastikmüll: Ein erheblicher Anteil des dort gesammelten Abfalls zerkleinert sich, wird besiedelt und sinkt schließlich
auf den Meeresboden (van Sebille et al. 2020).
1 https://www.youtube.com/watch?v=zYuvTYJ0hGk (27.8.2025)
2 Interview mit Prof. Dr. Rebecca Helm (Georgetown Universität), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 29.11.2024
3 Interview mit Günther Bonin und Dr. Harald Frank (One Earth – One Ocean e. V.), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 9.1.2025
4 Interview mit Günther Bonin und Dr. Harald Frank (One Earth – One Ocean e. V.), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 9.1.2025
Abbildung 2.1 Die fünf Müllstrudel (Garbage Patches)
Eigene Darstellung
In subtropischen Wirbeln sinken Kunststoffe im Vergleich zu Küstenzonen langsamer, wobei sich an den dortigen
Küsten viel Plastik ansammelt, z. B. hawaiianische Inseln (Delorme et al. 2025). Der Grund dafür ist, dass sich in
diesen Zonen weniger Phytoplankton befindet, wodurch der Absinkprozess langsamer sein könnte als in der Nähe
von Küsten (Kaandorp et al. 2023, S. 692). Angesichts der Dunkelheit und der niedrigen Temperatur können
Kunststoffteile auf dem Meeresboden als sehr stabil angesehen werden (Canals et al. 2021). Bei einer sofortigen
Unterbrechung der Emissionen von Kunststoffen würden Modellierungen zufolge lediglich 10 % der
Kunststoffmasse innerhalb von 2 Jahren fragmentieren und absinken und so nur sehr langsam von der Meeresoberfläche
verschwinden (Kaandorp et al. 2023, S. 692). Insbesondere die meisten modernen Fischereinetze und -leinen
können Jahrzehnte bis Jahrhunderte im Meer verbleiben (Canals et al. 2021).
Durch die Veränderung der Ozeanzirkulation im Zuge des Klimawandels und der Schwankungen durch die El
Niñosüdliche Oszillation (ENSO) sowie die pazifische Dekaden-Oszillation (PDO) könnten sich Wirbelströme und damit
der großräumige Transport von schwimmendem Kunststoff in Zukunft verstärken. Stürme mit höherer Intensität
könnten die Ausbreitung erhöhen. Außerdem könnte sich der Anstieg des Meeresspiegels auf die Transportmuster
an der Küste auswirken und große Mengen an Kunststoffen freisetzen, die in Küstensedimenten oder zeitweise
überfluteten städtischen Gebieten eingeschlossen sind (Bergmann et al. 2022, S. 332; van Sebille et al. 2020, S. 21).
2.3 Zustand der Ost- und Nordsee
Durch die Aktivitäten im Rahmen des OSPAR-5 und des Helsinki-Übereinkommens6 sowie die Aktivitäten
Deutschlands im Rahmen des Runden Tisches Meeresmüll sind Einträge und Zustand der deutschen Ost- und
Nordsee vergleichsweise gut dokumentiert.
Strandabfälle
An europäischen Stränden sind Plastikverpackungen und kleine Plastikartikel weit verbreitet (EEA 2023). Von
den vier europäischen Meeren ist die Ostsee am wenigsten durch Strandabfälle verschmutzt (Veiga et al. 2022,
S. 12). Allerdings wird der europäische Grenzwert für einen guten Zustand von weniger als 20 Makromüllteilen
pro 100 m Strand (van Loon et al. 2020) nur selten erreicht. Im zuletzt evaluierten Zeitraum von 2016 bis 2021
5 Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR-Übereinkommen)
6 Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebiets (Helsinki-Übereinkommen)
überschritten 11 der 16 bewerteten Teilbecken der Ostsee diesen Grenzwert. Die deutschen Kieler und
Mecklenburger Buchten wiesen dabei vergleichsweise gute Werte auf und lagen unterhalb des Grenzwertes (HELCOM
2023, S. 82). Dies könnte auch daran liegen, dass an vielen deutschen Stränden in der Hochsaison täglich Müll
entfernt wird. Die am häufigsten gefundene Müllkategorie waren Plastikgegenstände und -fragmente über 2,5 cm.
An Nordseestränden liegen die Gesamtzählwerte weit über dem europäischen Schwellenwert für guten Zustand von
20 Stücke/100 m (van Loon et al. 2020), wobei die Ergebnisse je nach beprobtem Strand stark variieren. Im
Zeitraum von 2015 bis 2020 lag der Medianwert für Plastikabfälle im Nordseegebiet bei 161 Stücke/100 m Strand
(Lacroix et al. 2022).
Schwimmende Abfälle
Im Nordostatlantik ist die Anzahl der Makroabfälle, die an der Meeresoberfläche treiben, deutlich höher als in der
Ostsee (Veiga et al. 2022, S. 13). Abfälle aller Größenklassen sind dort zu finden und reichlich vorhanden (Hoehn
et al. 2024). Plastik aus Flüssen konzentriert sich stärker in Zonen, wo sich Süßwasser aus Flüssen mit dem Meer
mischt (Meyerjürgens et al. 2023). Ein großer Teil des in der Nordsee schwimmenden Meeresmülls wird an den
Stränden Deutschlands und skandinavischer Länder abgelagert (Gutow et al. 2018, S. 768). Ein wichtiger
Indikator für die Plastikbelastung der Nordsee ist die Anzahl der gestrandeten Eissturmvögel, die mit Plastikmüll im
Magen gefunden werden. Eissturmvögel ernähren sich ausschließlich von Nahrungspartikeln, die an der
Meeresoberfläche treiben und Meeresmüll riecht für viele Seevögel nach Nahrung (Savoca et al. 2016). Dabei kommt es
zur Verwechslung mit treibenden Müllteilen, wodurch sich Kunststoff im Magen dieser Vögel ansammelt (UBA
o. J.a). Im letzten Untersuchungszeitraum wurde mit mehr als 0,1 g Plastik im Magen von 51 % gestrandeter
Eissturmvögel das von OSPAR (2023) festgelegte Ziel von maximal 10 % für diesen Schlüsselindikator deutlich
verfehlt. Für die Ostsee gilt dieser Indikator nicht, da diese Vogelart dort nicht so stark verbreitet ist. Ähnliche
Aussagen sind daher nicht möglich (UBA o. J.a). Es lässt sich dennoch sagen, dass von allen vier europäischen
Meeren die Ostsee die geringste Anzahl schwimmender Abfälle aus Flüssen sowie von falsch entsorgten
Kunststoffverpackungen und kleinen Kunststoffteilen zeigt (Veiga et al. 2022, S. 13).
Abfälle auf dem Meeresboden
Auf dem Meeresboden sind Abfälle deutlich höher konzentriert als an der Oberfläche – in der Ostsee zum Beispiel
um einen Faktor 40 (Gutow et al. 2018, S. 768). Für die Ostsee kommt die HELCOM (2023, S. 87) auf
durchschnittlich etwa 27 Kunststoffteile pro km2 für den Zeitraum von 2012 bis 2021. Int-Veen et al. (2021) finden
eine 7-fach höhere Konzentration von Abfällen auf dem Meeresboden der Nordsee als auf dem Meeresboden der
Ostsee. Die tatsächliche Gesamtzahl von Kunststoffteile auf dem Boden beider Meere könnte allerdings höher
liegen (OʼDonoghue/van Hal 2018). Deutlich höhere Konzentrationen als bei der traditionellen Erfassung mit
Grundschleppnetzen konnten mit Videoaufnahmen vom Meeresboden festgestellt werden (Nogueira et al. 2023).
Mikroplastik in der Ostsee und in der Nordsee
Mikroplastik ist in beiden Meeren zu finden. Der geschlossene Charakter der Ostsee erlaubt kaum Auswaschung in
andere Meere, ihre geringe Tiefe begünstigt die welleninduzierte Resuspension, wobei abgelagerte Sedimente und
Partikel durch Wellenbewegungen vom Meeresgrund wieder in die Wassersäule gehoben und aufgewirbelt werden.
Außerdem erleichtert die lange und zerklüftete Küstenlinie tendenziell die schnelle Akkumulation an Stränden. So
verweilen Mikropartikel schätzungsweise lediglich ca. 14 Tage in der Ostsee (Schernewski et al. 2020). Die
Mikropartikelkonzentrationen steigen tendenziell dort an, wo sich Süßwasser aus Flüssen und salzhaltiges Wasser
vermischen und nehmen zum offenen Meer hin ab (Roscher et al. 2021). Die Küstengewässer der Ostsee sind seicht und
Turbulenzen verhindern eine Ablagerung von größeren Partikeln in Küstennähe. Erst nach einem Transport in tiefere
Gewässer ist eine vorübergehende Ablagerung an der Sedimentoberfläche möglich (Schernewski et al. 2021, S. 872).
Auch in der Nordsee ist Mikroplastik vorzufinden (Lorenz et al. 2019). Er setzt sich in Stillwasserzonen ab und
reichert die Sedimente dort an, während Konzentrationen in Richtung offener Nordsee eher abnehmen (Peters o. J.b).
Besonders hohe Konzentrationen fanden sich in den feinen Sedimenten der Dogger Bank (Lorenz et al. 2019).
Dennoch variieren Mikroplastikkonzentrationen in beiden Meeren mit den lokalen geophysischen Bedingungen und der
Jahreszeit stark. Besondere hoch sind sie im Winter, wo es häufiger zu Hochwasser kommt (Peters o. J.b;
Schernewski et al. 2020). Eine Citizen-Science-Studie entlang der gesamten deutschen Küste fand geringere
Mikroplastikmengen in Sedimenten von Ostseestränden als in denen der Nordsee. Der Unterschied war jedoch nicht
statistisch signifikant (Walther et al. 2024).
3 Gefährdung für Meereslebewesen, Menschen und Wirtschaft
– Kunststoffabfälle im Meer wirken sich auf alle Ökosystemleistungen aus.
– Zu den potenziellen kaum umkehrbaren Auswirkungen der Kunststoffverschmutzung gehören
geophysikalische Effekte, insbesondere Veränderungen der Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe.
– Kunststoffe können Lebewesen im Meer auf vielfältige Weise beeinträchtigen (z. B. durch Verstrickungen,
Verletzungen und das Bewirken von Entzündungsreaktionen) und so die biologische Vielfalt und die
natürliche Umwelt bedrohen.
– Sie verursachen hohe ökonomische Kosten für Fischerei, Aquakultur und Tourismus.
– Auswirkungen auf die Gesundheit sind unzureichend erforscht. Hinweise auf negative Auswirkungen auf
die menschliche Gesundheit häufen sich.
Aufgrund der potenziellen Schäden für Wildtiere und Menschen ist Plastikmüll in der Umwelt zu einem
wachsenden Problem geworden (Gall/Thompson 2015; Wilcox et al. 2015). Kunststoffabfälle im Meer wirken sich auf
alle Ökosystemleistungen aus (Beaumont et al. 2019; Cornacchia 2023, S. 76). Zu den potenziellen kaum
umkehrbaren Auswirkungen der Kunststoffverschmutzung gehören geophysische Effekte und dabei insbesondere
Veränderungen der Kohlen- und Nährstoffkreisläufe (Abb. 3.1). Hinzu kommen toxische Auswirkungen für den
Menschen sowie sozioökonomische Auswirkungen. Insgesamt entspricht die Verschmutzung durch Plastik dem
Expositionsprofil einer Bedrohung der planetaren Belastbarkeit (Villarrubia-Gómez et al. 2024). Dies bedeutet, dass
die Gefahr besteht, dass die Grenze des Bereichs überschritten wird, innerhalb dessen die Menschheit sicher
agieren kann, ohne die Stabilität und Gesundheit des Erdsystems unumkehrbar zu gefährden. Besonders problematisch
ist die schwere Umkehrbarkeit der Akkumulation von Kunststoffen in marinen Ökosystemen, denn eine
technische Entfernung bedeutsamer Mengen ist bislang kaum möglich (MacLeod et al. 2021).
Abbildung 3.1 Zentrale Auswirkungen von Plastik auf die Meeresumwelt
Eigene Darstellung nach MacLeod et al. (2021)
Geophysische Auswirkungen: Neben den indirekten Effekten der Treibhausgasemissionen, die durch die
Produktion von Kunststoffen entstehen (Karali et al. 2024), kann eine Akkumulation von Kunststoffschwebstoffen die
Nahrungsquellen oder den Trübungsgrad in den Lebensräumen von Cyanobakterien und
Phytoplanktongemeinschaften beeinträchtigen. Abnehmende Populationen können zu einer geringeren Kohlenstoffbindung aus der
Atmosphäre führen. Dies kann sich in der Folge auf die Nährstoffzufuhr und Verfügbarkeit von Sauerstoff in der
Tiefsee auswirken (MacLeod et al. 2021, S. 4). Eine neue Studie zeigte kürzlich, dass Mikroplastik die
Photosyntheserate im Meer um 7 % und an Land um 12 % reduziert (Zhu et al. 2025), was auch eine geringere CO2-
Bindung zur Folge haben dürfte. Außerdem hemmen Kunststoffe Korallenwachstum und die
Widerstandsfähigkeit von Kaltwasserkorallenriffen und gefährden die damit verbundene biologische Vielfalt (Chapron et al. 2018).
Zusammen mit den zentralen Stressoren Klimawandel und Überfischung stellt die Plastikverschmutzung eine
aufkommende Bedrohung für Korallenriffe dar (Hughes et al. 2017; Pinheiro et al. 2023). Durch das Sterben von
Korallenriffen und wirbellosen Organismen wie Muscheln kann sich außerdem die Regulierung der
Wasserqualität verschlechtern (Cornacchia 2023, S. 81). Erhöhte Kunststoffbelastungen durch Oberflächenabflüsse können
außerdem zu langfristigen Veränderungen der Eigenschaften auch an Land führen, insbesondere hinsichtlich der
Fruchtbarkeit (MacLeod et al. 2021, S. 4), der physikalischen Eigenschaften und biogeochemischer Kreisläufe
von Böden (Li et al. 2025; Maqbool et al. 2023; Zhao et al. 2024).
Auswirkungen auf Meeresorganismen und Lebensräume: Interaktionen von Meeresorganismen mit
Makroplastikmüll (Verstrickungen und Aufnahme) wurden bereits umfangreich dokumentiert (Tekman et al. 2022). Diese
können Lebewesen im Meer auf vielfältige Weise beeinträchtigen und so die biologische Vielfalt und die
natürliche Umwelt bedrohen (Canals et al. 2021, S. 8). Besonders betroffen sind marine Megafauna-Arten, wie
Seevögel, Meeressäuger, Meeresschildkröten und Fische (Tekman et al. 2022). Verstrickungen von Meerestieren mit
Kunststoffmaterialien wurden für Hunderte von Arten dokumentiert (Kühn/van Franeker 2020), mit häufig letalen
Folgen (Bertling et al. 2021, S. 22; Green 2022, S. 115 f.). Bei gefährdeten Arten oder Arten mit einer
Schlüsselfunktion für das jeweilige Ökosystem kann dies auf Populationsebene gravierende Folgen haben (MacLeod et al.
2021, S. 5). Die Aufnahme von Makroplastik kann die Gesundheit der Organismen langfristig beeinträchtigen,
beispielsweise durch Verletzungen und Entzündungen des Verdauungssystems, besonders wenn Objekte nicht
ausgeschieden werden können. Die Aufnahme von Mikroplastik durch Wasserorganismen kann aufgrund von
Partikel- und chemikalienbedingter Toxizität genauso zu Verletzungen, physiologischen Veränderungen und
Beeinträchtigungen bei Nahrungszunahme, Wachstum, Fortpflanzung und Sauerstoffverbrauch führen (Green 2022,
S. 116 f.). Solche kleinen Teilchen können von einer großen Bandbreite von Organismen aufgenommen werden.
Außerdem können Kunststoffabfälle im Meer (und an Land) Veränderungen in der mikrobiellen
Zusammensetzung verursachen und zur Verbreitung von Krankheitserregern beitragen (Cornacchia 2023, S. 80). Die
Akkumulation von Kunststoffen auf dem Meeresboden behindert biogeochemische Prozesse, was zu Anoxie und
Nahrungsmangel der sedimentbewohnenden Lebewesen führen (Canals et al. 2021, S. 9) und dadurch die
Artzusammensetzung in dem betroffenen Gebiet verändern kann (Bertling et al. 2021, S. 23). Die Toxizität hängt genauso
auch von der Abfallart ab. Geisternetze sind ein starker Stressfaktor für Küsten- und Meeresökosysteme und
tragen zu einer hohen Sterblichkeit bei Fischen bei (Christensen et al. 2023, S. 19; Veiga et al. 2022, S. 84).
Außerdem können sie mitunter lange Zeit im offenen Gewässer treiben, bevor sie schließlich auf den Meeresboden
absinken. Dadurch bedrohen sie die Flora und Fauna der marinen Ökosysteme auf vielfältige Weise und gehören
zu den gefährlichsten Plastikteilen (Roman et al. 2021). So verfangen sich beispielsweise Schildkröten, Delfine
und Fische in den Netzen und sterben häufig an Verletzungen oder aufgrund von Sauerstoffmangel (Hinzmann et
al. 2025, S. 49).
Toxizität für Menschen: Die Plastikaufnahme durch Meeresorganismen kann sich durch den Verzehr von Fischen
oder Muscheln auch auf die menschliche Gesundheit auswirken (la Farré et al. 2021, S. 7). Chemikalien,
Zusatzstoffe, die aus Kunststoffen ausgewaschen werden, können ebenfalls zu (öko)toxikologischen Auswirkungen
führen (MacLeod et al. 2021, S. 5). Mehr als die Kunststoffpolymere selbst sind es die Zusatzstoffe, wie
Weichmacher oder Bisphenol A, die für die menschliche Gesundheit schädlich sind. Diese können toxische Wirkungen auf
der zellulären Ebene haben, endokrine Effekte verursachen (Zimmermann et al. 2019), Mutationen auslösen und
dadurch krebserregend wirken, wobei das Risiko für die menschliche Gesundheit über wassertransportierte
Kunststoffe nicht zwangsläufig größer ist als bei anderen Expositionswegen. Der Transport von Pathogenen durch
Meeresabfälle könnte weitere Risiken für die menschliche Gesundheit mit sich bringen (Werner et al. 2016). Durch
den zunehmenden weltweiten Verbrauch von Plastik könnten die Interaktion von antimikrobiellen Verbindungen
und Kunststoffen die Ausbreitung resistenter Mikrobenstämme verschärfen (Green 2022, S. 122).
Sozioökonomische Auswirkungen: Meeresmüll kann die Wirtschaftlichkeit der Fischerei durch hohe Kosten für
die Entfernung von Müll aus den Netzen und durch Schäden an den Fanggeräten aufgrund von Fehlfängen
beeinträchtigen. Bei Schiffen können außerdem Probleme und hohe Kosten durch verhedderte Propeller und verstopfte
Kühlsysteme entstehen (Werner et al. 2016, S. 39 ff.). Außerdem können Plastikabfälle Meeresorganismen in
Aquakulturen und Wildbeständen durch Verschlucken oder Übertragung von Viren, Krankheitserregern und
toxischen Schadstoffen schädigen, was zu einer Verringerung des (Fang-)Ertrags führen kann. Außerdem wirkt sich
die sichtbare Verschmutzung durch Meeresmüll erheblich auf das Erholungserlebnis am Meer aus (Cornacchia
2023, S. 80; Wyles et al. 2016).
Schließlich können die Effekte der Plastikbelastung kaum allein betrachtet werden, sondern nur im
Zusammenspiel mit der Exposition gegenüber weiteren Stressoren, wie der Überfischung sowie Änderungen von
Temperatur, Nährstoffzufuhr, Sauerstoffgehalt, pH-Wert und Chemikalienbelastung (MacLeod et al. 2021, S. 6).
4 Stand aktueller Entwicklungen von Technologien zur Entfernung von Kunststoffen
aus Abwasser und Gewässern
– Die Vielfalt der existierenden Technologien spiegelt die Vielfalt von Quellen, Abfallgrößen und
Anwendungsbereichen wider.
– Mechanische Lösungen für die Entfernung von treibendem Makroplastik an der Wasseroberfläche machen
den größten Anteil der Technologien aus.
Um Plastikeinträge in Meere und den Ozean zu reduzieren, sind verschiedene Technologien geeignet. Das TA-
Kompakt fokussiert auf solche Technologien, die am Ende des Lebenszyklus ansetzen, nachdem Kunststoffe
produziert, verbraucht und entsorgt wurden. Die Ergebnisse dieses Kapitels beruhen maßgeblich auf dem Gutachten
von Bellou (2025).
Technologien für unterschiedliche Umweltkompartimente, vertikale Zonen und Abfallgrößen
Technologien zur Entfernung von Kunststoffen (TEK) aus Gewässern und Abwasser können in unterschiedlichen
Umweltkompartimenten und verschiedenen vertikalen Zonen zum Einsatz kommen (Abb. 4.1).
Abbildung 4.1 Überblick über Anwendungsbereiche von Technologien zur Entfernung von
Kunststoffen
Eigene Darstellung nach Bellou et al. (2021, S. 517); Übersetzung TAB
Sie können direkt an Punktquellen ansetzen, wie Abläufen von Kläranlagen, Regenwasserkanälen im
Trennsystem oder auch Mischwasserüberläufen. Andere Technologien wurden dazu entwickelt, in Binnengewässern (z. B.
Flüsse) vorhandene Kunststoffe zu entfernen, bevor sie die Meere und den Ozean erreichen (1). Schließlich
können manche Technologien eingesetzt werden, wenn Kunststoffabfälle bereits das Meer erreicht haben – in Häfen
und an Stränden (2) oder dann, wenn sie sich vom Land entfernt haben und sich auf offener See befinden (3).
Dort können die Technologien in unterschiedlichen vertikalen Zonen angewendet werden, von der
Wasseroberfläche (A) über die gesamte Wassersäule (B) bis hin zum/auf den Meeresboden (C). Dem Einsatzort entsprechend
weisen TEK eine hohe Vielfalt auf und sind auf die Entfernung von Abfällen unterschiedlicher Typen und Größen
ausgerichtet, von Mikroplastik bis hin zu Fischereinetzen.
Technologien für die Reinigung und Prävention
TEK lassen sich in Präventions- und Reinigungstechnologien unterscheiden. Unter Präventionstechnologien
werden technologische Lösungen verstanden, die darauf abzielen, Abfalleinträge in aquatische Systeme bereits vor
dem Eintrag in Gewässer abzufangen und zurückzuhalten. Dazu gehören neben Technologien für Kläranlagen
und Kanalisationen beispielsweise auch Lösungen, die in Waschmaschinen eingesetzt werden, um Mikrofasern
herauszufiltern. Reinigungstechnologien bezeichnen Technologien, die der Entfernung von bereits angefallenen
Abfällen aus aquatischen Ökosystemen dienen (Bellou et al. 2021). Auch Technologien, die für die Säuberung
von terrestrischen Küstenzonen (z. B. Strände) konzipiert wurden, zählen zu den Reinigungstechnologien.
Manche Technologien verfügen außerdem über Sensorsysteme zur Detektion von Akkumulationsbereichen. Diese
ermöglichen, TEK gezielt dort einzusetzen, wo sie am effektivsten wirken können (Bellou 2025, S. 8 f.).
Insgesamt wurde zwischen 2015 und 2020 ein starker Anstieg innovativer Technologien beobachtet, auch in
Deutschland (Bellou 2025, S. 46 ff. u. 80 ff.). Während Präventionstechnologien schon länger hierzulande entwickelt,
eingesetzt und sogar exportiert werden – Deutschland hat beispielsweise einen komparativen Vorteil bei den
Abwasserbehandlungstechnologien (EFI 2025, S. 108), ist ein Entwicklungsschub in den letzten Jahren insbesondere
bei den Reinigungstechnologien festzustellen (Bellou 2025, S. 59).
Fokus technologischer Entwicklungen auf die Entfernung von treibendem Makroplastik an der Wasseroberfläche
Der Fokus der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten lag in den letzten Jahren laut Bellou (2025, S. 57 f.) stark
auf der Entfernung von Makroabfällen. Nur wenige Technologieentwicklungen zielen explizit auf die Entfernung
von kleineren Plastikpartikeln ab. Zu den Technologien, die für die Entfernung von Mikroplastik geeignet sind,
zählen vor allem stationäre Technologien, die Einträge aus der Kanalisation in Gewässer minimieren sollen.
Besonders selten sind Technologien zur Entfernung von Mikroplastik unter den Reinigungstechnologien zu finden,
die Plastik aus Gewässern selbst entfernen sollen. Dies liegt daran, dass die Entwicklung von Systemen, die auf
Plastikteile mit einer Größe von 5 mm oder kleiner abzielen, technologisch deutlich anspruchsvoller ist als die
Entwicklung von Systemen für größere Plastikteile (Leone et al. 2023, S. 6).
Technologien wurden insbesondere für den Einsatz in Flussmündungen und landgebundenen Gewässerzonen
entwickelt sowie für den Einsatz in Häfen und in Küstengebieten. Im Vergleich dazu richten sie nur sehr wenige
Technologien auf die Entfernung von Plastik aus offenen Meeren und dem Ozean (Bellou 2025, S. 61). Außerdem
zielen die meisten Technologien auf die Entfernung von Abfällen ab, die an der Wasseroberfläche treiben (Bellou
2025, S. 57).
Dominanz mechanischer Ansätze – biologische Lösungen noch in der Entwicklung
Technologische Lösungsansätze zur Entfernung von Abfällen lassen sich darin unterscheiden, dass sie entweder
mobil (wie beispielsweise Boote) oder fest installiert sind und stationär Kunststoffabfälle einfangen (z. B. in
Kläranlagen oder in der Kanalisation). Manche mobile Technologien werden von Menschen vor Ort gesteuert,
während andere autonom oder ferngesteuert agieren (Hinzmann et al. 2025, angelehnt an Moulaert 2021). Viele
der Systeme sind mechanische Vorrichtungen, wie in Abbildung 4.2 zu erkennen ist. Die gängigsten
Technologiekategorien werden in Kapitel 5 näher beschrieben.
Zu den innovativen Lösungen, die sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden, gehören
außerdem biologische Lösungen. Untersucht werden Muscheln, die Mikroplastik aufnehmen, daneben
Quallenschleim, Makrophyten und Makroalgen, die als Klebstoff für Plastikpartikel in der Wassersäule fungieren
können. Außerdem werden Lösungen für die Entfernung von Mikroplastik aus Abwasser erforscht, wie
beispielsweise Bakterien, die entweder von Natur aus in der Lage sind, Kunststoffe im Abwasser zu zersetzen, oder so
verändert werden, dass sie dies tun können. Noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden sich
Aerogele aus Proteinfasern sowie magnetische Flüssigkeiten, die zur Bindung von Mikroplastikpartikeln eingesetzt
werden sollen, um diese anschließend mithilfe von Magneten aus dem Wasser zu entfernen (Royal Society
2024, S. 12 f.).
Abbildung 4.2 Überblick über gängige Technologietypen
Grafische Darstellungen der Kategorien von Kunststoffsanierungstechnologien, wie sie in Schmaltz et al (2020) klassifiziert
sind, zeigen die Vielfalt der derzeit existierenden Kunststoffsanierungstechnologien. Diese werden in verschiedenen
Umgebungen eingesetzt, verwenden einzigartige Methoden und zielen auf unterschiedliche Arten der Kunststoffverschmutzung ab
(alle Abbildungen sind Originale und wurden von den Autoren dieses Artikels entwickelt).
Quelle: nach Falk-Andersson et al. (2023, S. 13305), farblich angepasst; Übersetzung TAB
5 Technologiebewertung und Einsatzmöglichkeiten
– Stationäre Reinigungstechnologien ermöglichen eine gezielte Reinigung von Akkumulationsorten, zum
Beispiel in Häfen und an Flussmündungen. Mobile Technologien sind flexibler, verbrauchen in der Regel
aber mehr Energie.
– Während Präventionstechnologien durch ihre vorgelagerte Platzierung keine direkten Auswirkungen auf
Meeresökosysteme haben, können sich Reinigungstechnologien zur Entfernung von Kunststoffen aus
Gewässern unbeabsichtigt negativ auf die dortigen Ökosysteme auswirken.
– Kleinere Mikroplastikpartikel, die bereits im offenen Meer treiben oder auf den Meeresboden gesunken
sind, lassen sich beim aktuellen Stand der Technik nicht effektiv zurückholen.
– Die Datenlage zum Energieverbrauch und zu den Auswirkungen existierender Technologien auf
Meeresorganismen ist sehr lückenhaft und auch ihre Wirksamkeit ist bislang unzureichend erforscht.
– Problematisch sind vor allem die vielfach fehlenden Infrastrukturen für die Verwertung oder
umweltgerechte Beseitigung der Abfälle im globalen Süden.
Um Plastikabfälle entlang der Verschmutzungskette – von der Quelle über den Transportweg bis hin zur Senke –
zu bekämpfen, werden drei Typen von Technologien eingesetzt, die jeweils auf unterschiedliche Phasen und Orte
der Verschmutzungskette abzielen. Zum ersten sind Technologien zur Behandlung von Abwasser und
Regenwasser (Kap. 5.1) zu nennen. Diese Systeme wirken an der Quelle der Verschmutzung und verhindern, dass
Schadstoffe überhaupt in Gewässer gelangen. Sie gehören zu den Präventionstechnologien und können als dezentrale
Lösungen auch in bestehenden Infrastrukturen integriert werden. Die zweite Gruppe bilden stationäre
Technologien (Kap. 5.2): Diese Anlagen dienen der Rückhaltung und Entfernung von Kunststoff- und anderen Abfällen an
kritischen Übergangszonen zwischen Binnengewässern und Meeren bzw. an Flussmündungen sowie in Häfen.
Zum dritten sind mobile Technologien zur Reinigung von Akkumulationszonen zu nennen. Diese flexiblen
Systeme ermöglichen die gezielte Entfernung von Schadstoffen in bereits belasteten Bereichen (Kap. 5.3). Die Inhalte
dieses Kapitels, insbesondere die Bewertung der stationären und mobilen Technologien, basieren auf der Analyse
von Hinzmann et al. (2025). Die ausführlichere Darstellung ist im Gutachten zu finden.
5.1 Behandlung von Abwasser und Regenwasser
Um den Eintrag von Kunststoffen in Gewässer über Klärwasser, Mischwasserentlastungen und
Niederschlagswasser zu minimieren, stehen vor allem Technologien für Kläranlagen (Kap. 5.1.1) und Technologien für die
Abwasser- und Regenwasserkanalisation (Kap. 5.1.2) zur Verfügung.
5.1.1 Kläranlagen
Kläranlagen sind bereits hochgradig technologisiert. In konventionellen Kläranlagen werden 100 % des
Makroplastiks zurückgehalten (Breitbarth 2018). Außerdem werden 90 bis 96 % der Mikroplastikpartikel über die
mechanische Reinigungsstufe (Rechen, Sandfang, ggf. Vorklärung) und die biologische Reinigung
(Belebungsverfahren) aufgefangen (Fuhrmann et al. 2021, S. 736) (Abb. 5.1).
Abbildung 5.1 Relevante Reinigungsstufen für die Entfernung von Mikroplastik in deutschen
Kläranlagen
Eigene Darstellung
Durch den Einsatz weitergehender Behandlung kann der Rückhalt von Mikroplastik auf nahezu 100 % erhöht
werden (Fuhrmann et al. 2021, S. 735) (Abb. 5.2).
Abbildung 5.2 Größenordnungen von Eliminationsraten und Massenkonzentrationen für
Mikroplastik in kommunalen Kläranlagen
1 Talvitie/Heinonen (2014)
2 Bauerfeld/Meyer (2020)
Quelle: nach Fuhrmann et al. (2021, S. 735)
Dafür kommen verschiedene Technologien in Betracht, insbesondere nachgeschaltete Filteranlagen, z. B. Sand-
und Tuchfilter, Mikrosiebe oder Membranverfahren (Tabelle 5.1).
Tabelle 5.1 Überblick über zentrale Technologien für die Entfernung von Kunststoffpartikeln in
Kläranlagen
Technologien
Anwendungsgebiete
entfernbare
Plastikgröße
Membranverfahren
Membranbioreaktoren kombinieren die gewöhnliche biologische
Abwasserreinigung mit einer Membranfiltration. Membranbioreaktoren
und andere Membranverfahren filtern Abwasser so, dass selbst kleinste
Partikel effektiv zurückgehalten werden.
Kläranlagen m
Sandfilter
Sandfilter arbeiten durch physikalische Filtration und entfernen Feststoffe
einschließlich Mikroplastik aus dem Wasser. Das Wasser durchläuft eine
Sandschicht, die Partikel durch Sedimentation und Filtration zurückhält.
kommunale
Kläranlagen
industrielle
Kläranlagen
m
Agglomerationsfixierungsreaktion
Die Agglomeration basiert auf der Dosierung von
Hybridkieselgelkompositionen, die gezielt Mikroplastikpartikel zu
größeren Aggregaten verbindet.
industrielle
Kläranlagen
m/ggf. n
m = besonders zur Entfernung von Mikroplastik geeignet; n = Nanopartikel
Quelle: gekürzt nach Hinzmann et al. (2025, S. 6 ff.)
Einsatzmöglichkeiten
In Kläranlagen kann die Effizienz der Rückhaltung von Plastik zwar weiter verbessert werden, doch findet hier
bereits eine weitgehende Elimination größerer Partikel statt (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 6
u. 39 ff.). Außerdem müssen alle Kläranlagen mit einer Kapazität von mehr als 150.000 Einwohnerwerten bis
2045 mit einer 4. Reinigungsstufe nachgerüstet werden. Das legt die Richtlinie (EU) 2024/30197
(Kommunalabwasserrichtlinie) fest. Damit sollen Einträge problematischer Stoffe wie Stickstoff und Phosphor sowie langlebige
toxische Chemikalien reduziert werden. Die vierte Reinigungsstufe kann durch verschiedene Verfahren realisiert
werden, wobei die Wahl der Methode an die spezifischen Anforderungen und Gegebenheiten der jeweiligen
Kläranlage angepasst werden soll. Zu den gängigen Verfahren einer vierten Reinigungsstufe gehört der Einsatz von
Pulveraktivkohle (PAK) und granulierter Aktivkohle (GAK) zur Adsorption von Mikroschadstoffen sowie
fortgeschrittene oxidative Verfahren, wobei durch Zugabe von Ozon Spurenstoffe chemisch verändert werden.
Allerdings zielen diese Verfahren nicht auf die Entfernung von Mikroplastik. Ihre Effektivität hinsichtlich des
Rückhalts von Mikroplastik ist außerdem umstritten (Sturm et al. 2023) bzw. nicht ausreichend erforscht. Daher werden
innovativere Filtrationsverfahren entwickelt, wie beispielsweise Tuchfiltersysteme, oder auch
Agglomerationsfixierungsverfahren, die Partikel zu leichter entfernbaren Partikelverbünden bilden. Solche Verfahren könnten laut
Hersteller eine vierte Reinigungsstufe ergänzen (Wasser 3.0 2023 u. 2024). Ergänzend zur Ozonung oder
Aktivkohleadsorption lassen sich außerdem Sandfilter als zusätzliche Reinigungsstufe bzw. Schlussfiltration
installieren, um u. a. die Mikroplastikentfernung zu verbessern (Wolff et al. 2021), wobei Unsicherheit hinsichtlich der
Wirksamkeit von Sandfiltern zur Retention von Mikroplastik bestehen (Scheer et al. 2022b, S. 74). In Deutschland
wurden bereits rund 50 Kläranlagen mit Sandfiltern nachgerüstet8.
Neben PAK und GAK kann der Einbau eines physischen Filtrationssystems für Mikropartikel bzw. eines
Membranverfahrens (z. B. Mikro-, Ultra-, Nanofiltration oder Umkehrosmose) als vierte Reinigungsstufe dienen,
wodurch auch feinste Partikel inklusive Mikroplastik zurückgehalten werden können. Diese Art von Technik ist
zwar wirksam und erprobt, allerdings sehr wartungs-, kosten- und energieintensiv (Masch/Bitter 2021). Außerdem
sind Membranbioreaktoren zur Rückhaltung von Mikroplastik in kommunalen Kläranlagen der
Schnellsandfiltration zum Beispiel nicht eindeutig überlegen (Bayo et al. 2020). Eine Alternative bieten Flotations- und
Sedimentationsverfahren. Diese Verfahren sind deutlich energieeffizienter als Membranverfahren, allerdings weniger
7 Richtlinie (EU) 2024/3019 vom 27. November 2024 über die Behandlung von kommunalem Abwasser (Neufassung)
8 Interview mit Dr. Tim Fuhrmann (Emscher Wassertechnik GmbH), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 9.1.2025
wirksam. Daher werden Ergänzungsverfahren zur Steigerung der Effizienz entwickelt, wie die Zugabe von
Flockungsmitteln. Für ausgewählte Kunststoffsorten (PE, PA, PVC) konnten durch Flockungsmittel erfolgreich
Mikroplastikpartikel in leichter entfernbare größere Agglomerate überführt werden (Masch/Bitter 2021). Erforscht
und in der Erprobung sind außerdem biologische Verfahren, bei denen Würmer und Mikroorganismen
Mikroplastik abbauen (HSWT o. J.), sowie Zyklonfilter, die als vierte Reinigungsstufe dienen können, um Mikropartikel
bis zu 10 µm Durchmesser aus dem Abwasser zu entfernen (BMFTR 2025; ECOFARIO 2025). Ein weiteres
Forschungsgebiet zur Entfernung von Plastik aus dem Wasser ist die Entwicklung von Eisenoxidnanopartikeln.
Diese Nanopartikel können sich an die Oberfläche von Mikroplastikpartikeln binden und mit ihnen zu größeren
Agglomeraten verklumpen. Durch die magnetische Eigenschaft des Eisenoxids können diese Agglomerate dann
effizient eingesammelt werden, indem sie mit einem Magneten aus dem Wasser gezogen werden (Sarcletti et al.
2021). Wissenschaftlich valide Ergebnisse zum Vergleich von Technologien zur Rückhaltung von Mikroplastik
gibt es allerdings nur wenige. Grundsätzlich sind Analysen von Mikroplastikkonzentrationen oft mit hohen
Messunsicherheiten behaftet, sodass Ergebnisse zur Wirksamkeit der Reinigungstechnologien nicht sehr belastbar
sind (Scheer et al. 2022a, S. 9 u. 15).
In der plastikproduzierenden und plastikverarbeitenden Industrie mit hohen Konzentrationen insbesondere für
Mikroplastik ist der Einsatz von Sandfiltern, Agglomerationsfixierungsreaktionen und/oder Membranen sinnvoll,
bei kommunalem Abwasser ist dies bei Abwägung der Kosten bzw. des Material- und Energieaufwands im
Vergleich zum Nutzen flächendeckend eher nicht zu empfehlen9 (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025,
S. 40 ff.). Grundsätzlich sind durch die neuen europäischen Regelungen Verbesserungen beim Rückhalt von
Mikroplastik zu erwarten. Die für die vierte Reinigungsstufe vorgesehenen Technologien sollen hinsichtlich des
Rückhalts von Mikroplastik bereits Verbesserungen mit sich bringen (Scheer et al. 2022a, S. 11). Hierdurch ist für
Partikel über 10 µm von einer Rückhaltung von über 95 % auszugehen. Zwar können nachgeschaltete
Filtrationseinheiten die Rückhaltung von Partikeln weiter verbessern. Allerdings tragen kommunale Kläranlagen nur einen
geringeren Anteil an den gesamten direkten Mikroplastikemissionen in Gewässer bei (Scheer et al. 2022a, S. 9 f.).
Daher ist derzeit die Einführung weiterer technologischer Maßnahmen im Bereich der kommunalen Kläranlagen
zunächst nicht als prioritär anzusehen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie schnell und in welcher Anzahl
Anlagenbetreiber eine Nachrüstung der vierten Reinigungsstufe umsetzen und ob nicht auch Kommunen mit weniger
als 150.000 Einwohner/innen nachrüsten könnten (Hinzmann et al. 2025, S. 40).
Im Vergleich zu Technologien, die in Flüssen oder im Meer zum Einsatz kommen, haben Technologien, die in
Kläranlagen – sowie auch in der Kanalisation – eingesetzt werden, den Vorteil, kaum bis keine Nebenwirkungen
auf Tiere und Lebensräume mit sich zu bringen (Hinzmann et al. 2025, S. 28). Da ein Teil der Plastikfracht sich
im Klärschlamm wiederfindet, birgt eine Ausbringung des Klärschlamms, z. B. in der Landwirtschaft, dennoch
das Risiko, Plastik in die Umwelt freizusetzen (Hinzmann et al. 2025, S. 38).
5.1.2 Kanalisation
Mit geschätzten ca. 22 % wird ein erheblicher Teil des Abwassers, das in Deutschland produziert wird, nicht in
Kläranlagen behandelt (Bertling et al. 2018, S. 21). Der Großteil des unbehandelten Niederschlagwassers stammt
aus der Trennsystemkanalisation, in der mit Mikroplastik belastetes Regenwasser nicht systematisch behandelt
wird, sowie aus Mischwasserentlastungen, die durch Überlastung bei Starkregen ungereinigtes Abwasser in
Gewässer einleiten. Für die Behandlung von Misch- und Niederschlagswasser kommen Regenrückhalte- oder
Sedimentationsbecken sowie Filter und Netze in Betracht (Fuhrmann et al. 2021, S. 738; Günthert/Faltermaier 2023,
S. 22) (Tab. 5.2).
9 Interview mit Dr.-Ing. Tim Fuhrmann (Emscher Wassertechnik GmbH), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 9.1.2025
Tabelle 5.2 Technologien für die Behandlung von Misch- und Niederschlagswasser
Technologien
Anwendungsgebiete
entfernbare
Plastikgröße
Regenrückhalte- bzw. Sedimentationsbecken
Es handelt sich um stationäre Anlagen, die den Wasserabfluss
verlangsamen und so Sedimente und Partikel durch Schwerkraft
abscheiden.
Regenwasserkanalisation,
Mischwasserentlastungsanlagen
M
Netze und Filter
Netze filtern Makroplastik, während Filter (z. B. Tuchfilter,
Mikrosiebe, Gullyfilter, Lamellenfilter) Mikroplastik bis 10µm
entfernen können. Ihre Anwendung kann verhindern, dass Plastik
insbesondere bei Starkregen ungeklärt in Gewässer gelangt. Die unter
TEK für Kläranlagen erwähnten Sandfilter können ebenfalls in der
Kanalisation eingesetzt werden und entfernen Mikroplastik größer als
10µm. Sandfilter sind mit Tuchfiltern kombinierbar.
Straßenabflüsse,
Regenrückhalte-
und
Sedimentationsbecken,
stark belastete
Mischwasserentlastungsanlagen
M/m
M = besonders zur Entfernung von Makroplastik geeignet; m = besonders zur Entfernung von Mikroplastik geeignet
Quelle: gekürzt nach Hinzmann et al. (2025, S. 6 ff.)
Anwendungsbereiche und Effektivität
Regenrückhalte- bzw. Sedimentationsbecken wie auch andere passiv wirkende Bauwerke, die die
Fließgeschwindigkeit des Wassers verringern und Partikel durch Schwerkraft abscheiden, haben sich als äußerst zuverlässige
Methode zur Reduzierung von Schmutzfrachten, einschließlich Plastik, etabliert (dazu und zum Folgenden
Hinzmann et al. 2025, S. 39 f.). Sie puffern gewässerschädliche Abflussspitzen aus der Siedlungsentwässerung ab. In
der Mischwasserkanalisation ist dem Regenrückhaltebecken häufig ein Regenüberlaufbecken nachgeschaltet.
Letzteres stellt zusätzliche Kapazitäten für kleine bis mittlere Regenereignisse bereit. Das Regenüberlaufbecken
füllt sich während des Niederschlags und wird während und nach dem Regenereignis zur Kläranlage geleitet.
Dadurch gelangt bei diesen Ereignissen kein bzw. weniger ungereinigtes Mischwasser in die Gewässer (Weiß
2020b). In einer Trennkanalisation gelangt das Wasser aus dem Regenwasserkanal direkt in das
Regenrückhaltebecken (Weiß 2020a).
Regenrückhaltebecken können 77 bis 99 % der Plastikfracht zurückhalten (Rasmussen et al. 2024). Ihre Vorteile
liegen außerdem in ihrer einfachen Funktionsweise und ihrem geringen Energieverbrauch. Es wird keine
kontinuierliche Energiezufuhr benötigt, sondern nur zur Reinigung der Anlage selbst (dazu und zum Folgenden
Hinzmann et al. 2025, S. 8). Bei Starkregenereignissen kann ihre Effizienz jedoch abnehmen, da die
Partikelabscheidung durch die verkürzte Verweilzeit erschwert wird. Zudem benötigen Regenrückhaltebecken ausreichend Platz
und die regelmäßige Entfernung des abgesetzten Materials erfordert einen Unterhaltungsaufwand, der die
Betriebskosten erhöht. In deutschen Städten werden diese Becken bereits häufig eingesetzt, um Verschmutzungen
durch Oberflächenabfluss zu reduzieren. Allerdings finden sich solche Anlagen vor allem in Mischsystemen. Der
größte Teil des Niederschlagswassers wird daher nicht ausreichend behandelt (Bertling et al. 2021, S. 42).
Für den Rückhalt von sehr kleinen Partikeln (z. B. kleiner als 100 μm), worin der größte Teil des Reifenabriebs
besteht, sind die standardgemäß installierten Sedimentationsanlagen für die kanalisierte Straßenentwässerung
nicht geeignet. Um die Effizienz beim Rückhalt von Mikroplastik insbesondere in stark belasteten Zonen (z. B.
neben Autobahnen und Parkplätzen) zu steigern, empfiehlt sich eine Kombination von Regenrückhaltebecken mit
weiterführenden Technologien wie Tuchfiltern oder Mikrosieben (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025,
S. 8 ff. u. 39). Diese Filtertechnologien entfernen Mikroplastikpartikel mit einer Effizienz von bis zu 99 %. Sie
bieten eine zuverlässige Lösung zur Entfernung von Mikroplastik, auch wenn ihr Einsatz mit einem höheren
Energieaufwand, insbesondere für Rückspülungen, und der regelmäßigen Entfernung und fachgerechten
Entsorgung des abgeschiedenen Materials verbunden ist. In der Schweiz wurden bereits einige Straßenabwasser-
Behandlungsanlagen (SABA) gebaut, die mit Tuchfiltern ausgestattet sind (ASTRA 2010).
Filtersysteme für Oberflächenabflüsse können auch dezentral an Einleitungsstellen von Oberflächenabfluss in die
Kanalisation eingebaut werden. Dabei handelt es sich um Filter und Fallen für Grobstoffe, die in Einläufen oder
Ausläufen der Kanalisation eingesetzt werden, um Makroplastik (z. B. Plastikflaschen oder -tüten) aufzufangen.
Solche Filtersysteme am Straßenrand werden weiterentwickelt, um ihre Effizienz insbesondere beim Rückhalt
von Mikroplastik zu erhöhen, ihre Wartungsfreundlichkeit zu optimieren (UD 2021) und ihre Wirkung bei
Starkregenereignissen zu steigern (GKD 2024; Reichel 2022).
Einsatzmöglichkeiten
Besonders hoch ist die Effizienz von Technologien zur Plastikentfernung in der Kanalisation an bisher
ungeschützten Standorten (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 29 und 38 f.). Um Einträge aus
Oberflächenabfluss in Trennsystemen und aus Mischwasserentlastungsanlagen bei Mischsystemen zu reduzieren, würde
sich die Installation von Sedimentation- oder Regenrückhaltebecken und/oder von Filteranlagen in Schächten an
belasteten Oberflächenabflüssen und in Mischwasserentlastungsanlagen anbieten. Wegen der hohen Zahl an
Einleitpunkten ist es dabei wichtig, Akkumulationszonen zu identifizieren, an denen Einträge möglichst effektiv
verringert werden können. Akkumulationszonen sind Orte, an denen besonders hohe Emissionen vorkommen. Dies
betrifft vor allem Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen, insbesondere dort, wo es durch Bremsvorgänge an
Ampeln oder in Kurven zu verstärktem Reifen- und Bremsabrieb kommt (Venghaus et al. 2021), Einkaufsviertel
(Schmaltz et al. 2020, S. 106067), Parkplätze in Gewerbe- und Industriegebieten oder auch Flughäfen (UBA o. J.b)
sowie stark belastete Regeneinleitungs- und Mischwasserentlastungsanlagen. Mithilfe von Stoffstrommodellen
können die relevanten Einleitungsstellen lokalisiert und der Ressourceneinsatz optimiert werden (ReMiPla10).
Dies ist umso wichtiger, als die Kosten stark von der Anzahl und Lage der zu installierenden Systeme abhängen.
5.2 Stationäre Technologien an Flussmündungen und Häfen
Stationäre Technologien werden dort eingesetzt, wo Plastik durchfließt bzw. sich ansammelt. Das gilt zum einen
für Fließgewässer. Dort wird Plastik eingefangen, das flussabwärts treibt. Zum anderen gilt das in
Küstenbereichen und Häfen für dasjenige Plastik, das an der Wasseroberfläche treibt. Zu den stationären Technologien
gehören Gitterkonstruktionen aus Metall und Maschennetze, schwimmende, fest installierte Barrieren, Müllräder,
schwimmende Mülleimer sowie Luftblasenvorhänge (Tab. 5.3).
10 https://ewlw.de/remipla/ (19.2.2025)
Tabelle 5.3 Überblick über wichtige Typen stationärer Technologien
Technologien
Anwendungsgebiete
entfernbare
Plastikgröße
schwimmende, fest installierte Barrieren
Über einen Fluss gespannte oder an strategischen Stellen platzierte
schwimmende Barriere, welche an der Wasseroberfläche treibenden
Müll auffängt. Die Entnahme des Mülls kann manuell oder mit Hilfe
weiterer Technologie erfolgen (z. B. Boote, Kräne).
Fließgewässer M/größere
Partikel
fest installierte Gitterbarrieren und Maschennetze
Bis zum Flussboden reichende Gitterkonstruktion aus Metall oder
Kunststoff, die den Abfall blockiert und in eine fest installierte
Vorrichtung leitet. Angesammelte Abfälle werden in der Regel manuell
oder mechanisch durch Harken entfernt.
Fließgewässer M/größere
Partikel
Müllräder
Mithilfe von Absperrungen werden den Fluss hinuntertreibende Abfälle
zu einem fest installierten Müllradschiff geleitet. An einem großen
Wasserrad installierte Rechen heben die Abfälle auf ein Förderband,
das diese dann aus dem Wasser auf die Müllcontainer auf einer
stationären Plattform in der Nähe des Ufers befördert. Das Wasserrad
wird von der Flussströmung angetrieben, bei Bedarf zusätzlich durch
Solarpaneele.
Häfen,
Flussmündungen,
Ausläufe von
Fließgewässern
M/größere
Partikel
schwimmende Mülleimer
Schwimmende Abfallbehälter können in ruhiger, geschützter
Umgebung in Häfen aufgestellt werden. Über einen Pumpmechanismus
wird Wasser in die Vorrichtung gesaugt und dort gefiltert. Dadurch
werden schwimmende Abfälle, einschließlich Plastik, von der
Wasseroberfläche eingefangen. Neben Abfällen können mit der
Technologie auch Öl, Brennstoffe und Reinigungsmittel abgefangen
werden.
Häfen, Küsten,
Binnengewässer
M/m
Luftblasenvorhang
Auf dem Boden des Gewässers verlegte Rohre erzeugen einen
Luftblasenschleier. Dadurch entsteht eine Aufwärtsströmung, die
Kunststoffabfälle an die Oberfläche leitet. Die Luftblasenbarriere wird
diagonal im Fluss platziert, sodass die natürliche Strömung den
Plastikmüll zur Seite und in ein Auffangsystem leitet, von wo es
entnommen werden kann.
Fließgewässer,
Häfen
M/m (> 1mm)
M = besonders zur Entfernung von Makroplastik geeignet; m = besonders zur Entfernung von Mikroplastik geeignet
Quelle: gekürzt nach Hinzmann et al. (2025, S. 12 ff.)
Anwendungsbereiche und Effektivität stationärer Technologien
Stationäre Technologien können oft in mehreren Anwendungsbereichen an unterschiedlichen Orten eingesetzt
werden, Luftblasenvorhänge beispielsweise in Kanälen, Flüssen oder auch kleineren Fließgewässern (dazu und
zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 12 ff. u. 32 ff.). Ihr größter Vorteil besteht darin, dass sie nach ihrer
Installation nicht kontinuierlich von Menschen bedient werden müssen bzw. nur dann, wenn die eingesammelten
Abfälle wegtransportiert werden müssen. Allerdings sind sie per Definition weniger flexibel als mobile
Technologien. Einmal installiert, können sie in der Regel nur auf einen Teil der Wasserstraße einwirken. Außerdem
braucht es eine zusätzliche Infrastruktur, um die gesammelten Abfälle an Land zu transportieren. Stationäre
Systeme mit externer Stromzufuhr sind besonders effektiv in Bereichen mit hohem Schiffsverkehr und geringer
Wasserströmung, z. B. in Häfen und Kanälen. Dort können sie Plastik sammeln, ohne den Schiffsverkehr zu stören. In
Gebieten mit starker Flussströmung verlieren stationäre Technologien allerdings an Effektivität, da starke
Strömungen den Motor überfordern können (Leone et al. 2023, S. 107854). Insgesamt sind Effektivitätsdaten stark
gestreut, denn die Wirksamkeit immobiler Lösungen hängt in hohem Maße von der Abfallmenge an den
Einsatzorten ab (Brouwer et al. 2023, S. 6). Gängige stationäre Technologien wie Gitterbarrieren und Maschennetze, aber
auch schwimmende Barrieren und Müllräder, zielen vorrangig darauf ab, Makroplastik und großes Mikroplastik
aus dem Wasser zu entfernen. Denn die Entwicklung von Systemen, die auf Plastik mit einer Größe von 5 mm
oder weniger abzielen, ist technologisch anspruchsvoller als die Entwicklung von Systemen, die auf
makroskopische Plastikartikel abzielen (Leone et al. 2023, S. 107854). Trotz dieser Schwierigkeiten wurden einige
Technologien gezielt dafür konzipiert, zusätzlich Mikroplastik aus dem Wasser zu entfernen. So können schwimmende
Mülleimer Makro- und Mikroplastik, einschließlich Kunststoffpellets und -fragmente, ab einer Größe von ca. 0,1
cm in geschützten und ruhigen Gewässern sammeln (Parker-Jurd et al. 2022). Auch Luftblasenvorhänge, die außer
in Häfen auch in Fließgewässern eingesetzt werden können, sind in der Lage, Partikel ab einer Größe von 1 mm
einzufangen. Die meisten Technologien sind für eine Beseitigung von Plastik an der Wasseroberfläche geeignet,
wobei festinstallierte Gitterbarrieren und Maschennetze sowie Luftblasenvorhänge auch Plastik in der
Wassersäule entfernen können, letztere sogar über die gesamte Flussbreite.
Nebenwirkungen
Stationäre Technologien verbrauchen in der Regel weniger Energie als mobile Technologien, da letztere nicht nur
Energie für die Sammlung von Abfällen, sondern auch für ihre Fortbewegung aufwenden müssen (dazu und zum
Folgenden Hinzmann 2025, S. 31). Dennoch benötigen selbst passive Technologien, die ohne Energiezufuhr mit
Hilfe der Strömung Plastikmüll einfangen, meist energieverbrauchende Geräte wie beispielsweise einen Kran, um
die eingefangenen Abfälle abzutransportieren. Zunehmend werden erneuerbare Energien für den Betrieb der
Technologien eingesetzt (Moulaert et al. 2021). Luftblasenvorhänge verbrauchen bereits bei ihrem Betrieb
Energie. Die Anlage, die in Amsterdam im Einsatz ist (Abb. 5.4), wird mit erneuerbaren Energien betrieben und
verbraucht in etwa so viel Energie wie eine elektrische Kehrmaschine.11 Der Energieverbrauch ist naturgemäß von
der Länge der installierten Barriere abhängig (Moulaert et al. 2021).
Auf die belebte Umwelt wirken sich die Technologien nicht zwangsläufig positiv aus. Flüsse und
Flussmündungen dienen beispielsweise als Laich- und Aufzuchtgebiete für eine Reihe von Fischarten, darunter auch
kommerziell relevante, und sorgen als Übergangszone zwischen aquatischen und terrestrischen Lebensräumen für einen
grundlegenden Nährstoffkreislauf. Wenn Technologien in solchen Zonen eingesetzt werden, können die
Organismen, ihre Habitate oder Nährstoffkreisläufe gestört werden (Helinski et al. 2021). Ein Gitter oder Maschennetz
aus Metall oder Kunststoff, das von der Flussoberfläche bis zum Grund des Flussbettes reicht, kann die Bewegung
von Fischen und anderen größeren Wasserorganismen verhindern (Silva et al. 2021). Schwimmende, fest
installierte Barrieren sind hingegen so konzipiert, dass sie vor allem Plastik einfangen, das an der Oberfläche treibt.
Fische und andere Flussbewohner können normalerweise unter den Strukturen an der Oberfläche
durchschwimmen (Blettler et al. 2023). Allerdings besteht für Organismen, die die Luft-Wasser-Grenzschicht bewohnen,
trotzdem die Gefahr, dass sie sich in den Strukturen an der Oberfläche verfangen – insbesondere dann, wenn der
eingefangene Müll und das Treibgut nicht regelmäßig entfernt werden (Silva et al. 2021). Selbst kleinräumige
Technologien, wie schwimmende Mülleimer, die in Küstengebieten und Häfen eingesetzt werden, sammelten laut
einigen Studien deutlich größere Mengen an Meereslebewesen als an Plastik ein (EIA/Ocean Care 2023; Paris et
al. 2022; Parker-Jurd et al. 2022). Dank der sehr langsamen Bewegung ihrer Räder können Tiere Müllrädern
hingegen meist ausweichen bzw. entkommen (Silva et al. 2021). Auch Luftblasenvorhänge haben diese
Wirkungen nicht. Ein weiterer Vorteil dieser Technologie besteht darin, dass sie den Sauerstoffgehalt des Gewässers
leicht erhöhen kann, was sich positiv auf das lokale Ökosystem auswirken und toxische Algenblüte verhindern
kann (Eveleens o. J). Ein interviewter Experte befürchtete allerdings, dass sich durch die Luftblasenvorhänge
Strömungen ändern könnten, was sich auf die Verteilung von Nährstoffen im Wasser oder das Verhalten von Fischen
auswirken könnte12. Bei beiden Systemen können passiv an der Oberfläche treibende Lebewesen und
Mikroorganismen sowie organisches Material dennoch mitgefangen werden und dadurch dem Nahrungsnetz entzogen
werden. Allerdings fehlt es grundsätzlich an Daten, um zuverlässige Aussagen zu den genauen Auswirkungen der
Technologien treffen zu können (Bellou 2025; Griffin et al. 2024, S. 7; Hinzmann et al. 2025).
11 https://thegreatbubblebarrier.com/technology/ (10.1.2025)
12 Interview mit Prof. Dr. Tim van Emmerik, Universität Wageningen, Niederlande, geführt am 12.12.2024 von Bergmann et al. (2025)
Einsatzmöglichkeiten
Strategisch platzierte Müllräder können an Fluss- oder Kanalmündungen insbesondere nach starken
Niederschlägen Plastikeinträge in die Gewässer schnell wieder entfernen. In Deutschland, wo Starkregenereignisse in ihrer
Häufigkeit aufgrund des Klimawandels zunehmen werden (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 42
ff.), könnten Müllräder daher immer relevanter werden. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sie in Kombination
mit schwimmenden Barrieren (wie im Hafen von Baltimore) (Abb. 5.3), bei starken Regenfällen besonders
effektiv arbeiten, denn hier treffen zwei zentrale Faktoren zusammen: eine stärkere Strömung und eine erhöhte Menge
an Plastikmüll. Bei starken Niederschlägen werden herumliegende Müllteile aus urbanen Gebieten in die
Regenwasserabflüsse befördert und gelangen ungefiltert in die Flüsse bzw. Hafenbecken. Die Anlagen arbeiten
semiautonom und ohne externe Energiezufuhr.13 Dies ist allerdings vor allem für größere Müllteile relevant. Mikroplastik
und Plastikteile in der Wassersäule und vom Grund werden nicht erfasst.
Abbildung 5.3 Das Müllrad „Mr. Trash Wheel“ an der Mündung des Jones Falls River im inneren
Hafen von Baltimore
Quelle: Dicklyon (CC BY-SA 4.0; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mr._Trash_Wheel--Baltimore_MD.jpg; 27.1.2025)
Für eine umfangreiche Entfernung von Makroplastik und größeren Mikroplastikteilen an Flussmündungen oder
in Häfen sind Luftblasenvorhänge eine denkbare Lösung (Abb. 5.4). Ebenso wie Müllräder können sie große
Abfallmengen effektiv aus dem Wasser entfernen. Allerdings gehören sie zu den Lösungen mit vergleichsweise
hohen Investitionskosten, wobei die Höhe stark von den jeweiligen Standortbedingungen (z. B. Breite, Nutzung,
Strömung) abhängig ist.14 Im Vergleich liegen die Bau- und Installationskosten für ein Müllrad sogar tendenziell
höher (ITTN o. J.). Schwimmende Barrieren zählen hingegen zu den kostengünstigsten TEK und werden häufig
in Entwicklungsländern eingesetzt.15 Für einen belastbaren Vergleich müssten die Investitionskosten in Relation
zu den Sammel- bzw. Entsorgungskapazitäten für Kunststoffabfälle unterschiedlicher Größen gesetzt und
zusätzlich Betriebs- sowie Instandhaltungskosten berücksichtigt werden. Entsprechende Daten sind bislang jedoch kaum
öffentlich zugänglich (Bellou 2025, S. 91 ff.).
13 https://www.mrtrashwheel.com/ (15.1.2026)
14 https://thegreatbubblebarrier.com/ (15.1.2026)
15 Z. B. https://plasticfischer.com/ (15.1.2026)
Abbildung 5.4 Luftblasenvorhang in Amsterdam
Quelle: The Great Bubble Barrier B.V. (https://thegreatbubblebarrier.com/bubble-barrier-amsterdam/; 8.5.2025)
5.3 Mobile Technologien zur Reinigung von Akkumulationszonen und Geisternetzen
Mobile Technologien umfassen bemannte Boote und sonstige Wasserfahrzeuge sowie unbemannte Technologien,
die autonom oder ferngesteuert agieren (Tab. 5.4). Sie werden eingesetzt, um flexibel Plastikabfälle dort
einzusammeln, wo höhere Konzentrationen nachgewiesen werden. Verbreitet sind Müllsammelboote, die mithilfe von
Netzen und Körben Abfälle passiv sammeln, sowie solche, die mithilfe eines Hydraulikarms gezielt Abfälle auf
ein Förderband heben (siehe dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 19 ff.). Kleinteilige mobile
Interventionen können auch mit Kajaks oder Paddelbrettern oder im Rahmen von Tauchaktivitäten erfolgen (Royal
Society 2024, S. 13).
Tabelle 5.4 Überblick über wichtige mobile Technologietypen
Technologien
Anwendungsgebiete
entfernbare
Plastikgröße
Müllsammelboote mit Netzen oder Körben
Fahrende Boote fangen schwimmenden Plastikmüll ein und sammeln diesen
in Netzen, Körben oder anderen Behältern.
Häfen,
Binnengewässer,
Küstengewässer
n. a.
Müllsammelboote mit Förderbandtechnik
Fahrende Boote (häufig Katamarane) nutzen Leitpfosten oder verstellbare
Hydraulikarme, um Abfälle an der Wasseroberfläche auf ein Förderband zu
leiten und so einzufangen.
Fließgewässer,
Küstengewässer
n. a.
Müllsammelroboter und -drohnen
Mobile Systeme zur Sammlung von Plastikmüll an der Wasseroberfläche,
die entweder ferngesteuert werden oder weitgehend autonom arbeiten.
Häfen,
Binnengewässer,
Küstengewässer
M/m
Tauchroboter zur Müllsammlung
Mobile Systeme zum Aufspüren und Sammeln von Kunststoffabfällen auf
dem Gewässergrund und teilweise in der Wassersäule, die entweder
ferngesteuert werden oder autonom arbeiten.
Binnengewässer,
Küstengewässer, Ozean
M
von Schiffen gezogene Schleppnetze
Schleppnetze, die eingesetzt werden, um Plastikmüll aus Gewässern zu
entfernen. Sie können von verschiedenen Schiffstypen gezogen werden.
Küstengewässer, Ozean
n. a.
von Schiffen gezogene schwimmende Barrieren
Große schwimmende Barrieren werden von Schiffen durch das offene Meer
gezogen, um Plastikmüll an der Wasseroberfläche einzusammeln.
Küstengewässer, Ozean
n. a.
M = besonders zur Entfernung von Makroplastik geeignet; m = besonders zur Entfernung von Mikroplastik geeignet;
n.a. = auf Anbieterwebseite nicht explizit angegeben
Quelle: gekürzt nach Hinzmann et al. (2025, S. 18 ff.)
Auch zur Entfernung von Plastik an Stränden werden mobile Technologien angewendet (Royal Society 2024,
S. 13 f.; Schmaltz et al. 2020). Neben von Traktoren gezogenen oder vom Bediener geschobenen Rechen- und
Siebsystemen16 und selbstfahrenden Robotern17, die an touristisch stark frequentierten Stränden eingesetzt werden
und nicht speziell auf Makroplastik, sondern auf jegliches Treibgut ausgelegt sind, gehört dazu auch die manuelle
Filterung mithilfe einfacher Siebe oder Trommelfilter. Diese Technologien werden entsprechend dem Fokus der
vorliegenden Untersuchung im Folgenden nicht näher betrachtet.
Anwendungsbereiche und Wirksamkeit
Gängige mobile Lösungen zielen auf die Entfernung treibender Kunststoffe an der Oberfläche ab. Über 90 % der
Technologien, die in Meeren und Flüssen eingesetzt werden können, sind zunächst für die Entfernung von
schwimmendem Kunststoff ausgelegt, wobei die oberen Schichten der Wassersäule teils mitgereinigt werden
können (Bellou et al. 2025, S. 71). Das gelingt beispielsweise mit schwimmenden Barrieren. Technologische
Lösungen, die auf die Entfernung von Kunststoffabfällen in tieferen Wasserkompartimenten bzw. auf dem
Gewässergrund abzielen, wie Tauchroboter, machen einen geringen Anteil aller Lösungen aus (Bellou et al. 2025, S. 71
f.). Auch wenn die entfernbare Plastikgröße nicht immer explizit angegeben wird (Hinzmann et al. 2025, S. 19
ff.), liegt der Fokus der meisten Technologien, die in Meeren, Häfen, Küstengebieten und Flüssen eingesetzt
werden, auf der Entfernung von Makroabfällen (Bellou 2025, S. 63).
16 Z. B. https://strandreinigung.de/ (30.6.2025)
17 Z. B. https://www.probotica.hr/projects/seeker-cleaning-robot/ (1.7.2025)
Mobile Lösungen bringen mit Abstand die höchsten Investitions- wie auch Betriebs- und Wartungsausgaben mit
sich. Zugleich haben sie die größten Aufnahmekapazitäten und können große Mengen an Makroplastik von der
Wasseroberfläche entfernen (Brouwer et al. 2023, S. 5). Am effektivsten ist ihr Einsatz in der Nähe von
Emissionsquellen an Küsten, Flussmündungen oder Häfen (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 27 u. 31
f.), da die Plastikkonzentrationen mit der Entfernung zur Küste abnehmen. In weiter entfernten
Akkumulationszonen, den Müllstrudeln (Kap. 2.2), sind zwar teilweise auch höhere Konzentrationen anzutreffen, allerdings
werden nur 2 % des Ozeanplastiks ins offene Meer transportiert und verbleibt an der Oberfläche. Ein erheblicher
Anteil des dort gesammelten Abfalls zerkleinert sich, wird besiedelt und sinkt schließlich auf den Meeresboden
(van Sebille et al. 2020)18. Außerdem stieg die Menge kleinerer – schwer entfernbarer – Plastikfragmente
zwischen 2015 und 2022 im pazifischen Müllstrudel deutlich schneller als die Menge größerer schwimmender
Objekte (Lebreton et al. 2024). Vor diesem Hintergrund kann durch den Einsatz von TEK nur ein sehr kleiner
Bruchteil der Abfälle aus den Müllstrudeln entfernt werden. Entsprechend ist die Wirksamkeit von Aufräumaktionen
im offenen Ozean insgesamt begrenzt und verursacht deutlich höhere Kosten als der Einsatz anderer Technologien
(Hinzmann et al. 2025, S. 53; Royal Society 2024, S. 16). Außerdem steigt mit der Entfernung von der
Emissionsquelle die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Abfälle durch die lange Verweilzeit im Wasser bereits zersetzt haben,
was eine mechanische Entfernung maßgeblich erschwert (Leone et al. 2023, S. 107854).
Nebenwirkungen
TEK unterscheiden sich stark in ihrem Energiebedarf für den Betrieb der Technologien und mit Blick auf die
genutzten Energiequellen. Alle mobilen TEK (z. B. Roboter, Boote, Schiffe, schwimmende Mülleimer) benötigen
Energie für ihren Betrieb. Einige Technologien werden nach wie vor mit fossilen Energieträgern angetrieben (vor
allem Boote und Schiffe) und verursachen entsprechend Treibhausgasemissionen. Einige Technologieanbieter
integrieren allerdings erneuerbare Energien oder sind bestrebt, künftig eine Nutzung erneuerbarer Energien zu
ermöglichen (Hinzmann et al. 2025, S. 32). Auf Grundlage der systematischen Datenerfassung durch Bellou
(2025, S. 90 ff.) zeigt sich, dass diese Bestrebungen eher als erste positive Tendenzen in Richtung Nachhaltigkeit
zu sehen sind. Die überwiegende Mehrheit der Herstellerangaben enthält entweder gar keine oder nur
unspezifische Informationen zu Energiequellen, Energieverbrauch oder zu den ökologischen Risiken für Ökosysteme und
Meereslebewesen.
Mobile Technologien ermöglichen es durch ihre geringen Fahrgeschwindigkeiten (großen) Fischen und
Meeressäugetieren in den meisten Fällen auszuweichen (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 25, 28 f).
Allerdings werden viele Lebewesen wie Algen, Seegras, Weichtiere und Quallen gefangen. Insbesondere solche
mobilen Technologien, die mithilfe von Schleppnetzen Meeresabfälle sammeln, haben deutlich negative
ökosystemare Auswirkungen. Lebewesen, die mit den Netzen in Berührung kommen, verfangen sich darin und sterben
oft. Durch den langen Verbleib der Netze im Wasser beginnen ihre Körper zu verwesen oder sich zu zersetzen.
Ökosystemmodelle zeigen, dass groß angelegte Säuberungsaktionen auf hoher See insbesondere mit
Schleppnetzen zu erheblichen Umweltschäden durch Beifang führen können, die in bestimmten Regionen zu einem
möglichen Rückgang oder sogar zum Aussterben von Populationen führen können (Spencer et al. 2023)19. Beruhen die
Technologien auf Saugtechnik, können Meereslebewesen in die Systeme eingezogen werden (Silva et al. 2021,
S. 42). Wird das mechanische Fangen von Abfällen mit einer manuellen Sortierung kombiniert (Abb. 5.5), können
Tiere wieder ins Wasser zurückgeführt werden. Es gibt jedoch noch keine Daten dazu wie hoch die Überlebensrate
dieses Beifangs ist. Durch eine selektive manuelle Entnahme von Abfällen aus dem Wasser können die
Auswirkungen auf Ökosysteme besonders gering gehalten werden (Bergmann et al. 2023).
Einsatzmöglichkeiten
In Flüssen entstehen an Flussbiegungen oder Brückenpfeilern häufig Ansammlungen von Plastikabfällen.
Plastikmüllakkumulationszonen können mit mobilen Technologien, wie kleinen Müllsammelbooten mit
Förderbandtechnik, gezielt aufgesucht werden, um den Müll einzusammeln. Grundsätzlich können Müllsammelboote
effizient dort eingesetzt werden, wo hohe Konzentrationen an Makroplastik vorzufinden sind und so größere Mengen
an Plastikmüll mit einem vertretbaren Zeit- und Energieaufwand eingesammelt werden können (dazu und zum
18 Hinzmann et al. (2025, S. 52) weisen darauf hin, dass diese Zahlen Schätzungen sind. Andere gehen davon aus, dass wesentlich mehr
Plastik auf den Meeresgrund sinkt. Für das Mittelmeer wird z. B. geschätzt, dass 49 bis 63 % des Meeresmülls wieder an die Küsten
gespült werden und 37 bis 51 % gesunken sind (Kaandorp et al. 2020).
19 Interview mit Prof. Dr. Rebecca Helm (Georgetown Universität, USA), durchgeführt vom Gutachterteam Hinzmann et al. (2025) am
29.11.2024.
Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 43 ff.). Gegebenenfalls kann ergänzend eine einfache schwimmende Barriere
aufgebaut werden. Die Strömung des Flusses wird genutzt, um mit Hilfe der Barriere an der Oberfläche treibende
Abfälle zu konzentrieren. Diese werden anschließend dem Förderband zugeführt. Zusätzlich können solche
Interventionen durch Sammlungen im Uferbereich ergänzt werden. Der Einsatz solcher Technologien ist insbesondere
für große, stark verschmutzte Flüsse relevant, die es derzeit vor allem in Ländern mit fehlenden oder
unzureichendem Abfallmanagement gibt (z. B. in Südostasien, Afrika; Meijer et al. 2021). Die Kombination aus Barrieren
und kleinen Booten mit Förderbandtechnik hat sich als sehr effizient erwiesen, beispielsweise in Indonesien auf
der Insel Java (Abb. 5.5). In Deutschland gilt die Verschmutzung von Flüssen mit Makroplastik insgesamt und
die entsprechende Dichte an Plastikmüll als eher gering. Jedoch können beispielsweise nach
Hochwasserereignissen, Havarien, starken Stürmen oder anderen Vorfällen akute Verschmutzungen auftreten, bei denen
Kunststoffe und andere Materialien in die Fließgewässer gelangen. In solchen Fällen bietet sich auch hierzulande die
Kombination von Müllsammelbooten mit Barrieren an, um einer weiteren Verteilung von Kunst- und anderen
möglichen Schadstoffen stromabwärts entgegenzuwirken.
Abbildung 5.5 Einsatz einer schwimmenden festinstallierten Barriere in Kombination mit einem
Müllsammelbot mit semipassivem Förderband in Jakarta
Quelle: One Earth – One Ocean e. V.
Fishing-for-Litter-Initiativen, bei welchen Fischerboote Säcke erhalten, um Plastik und Müll zu sammeln, der
sich während der normalen Fischereitätigkeit in ihren Netzen angesammelt hat (Royal Society 2024, S. 14),
können technologische Aktivitäten zur Entfernung von Plastik gut ergänzen (dazu und zum Folgenden Hinzmann et
al. 2025, S. 49). Anstatt Plastik und andere Abfälle, die sich in Fischernetzen verfangen haben, zurück ins Meer
zu werfen, bringen die Fischer/innen sie an Land, wo sie ordnungsgemäß behandelt und entsorgt oder auch
recycelt werden. Über das KIMO-Programm „Fishing For Litter“ (FFL), ein Zusammenschluss von bisher 80
Kommunen in Europa, erhalten die teilnehmenden Fischereifahrzeuge ca. ein Kubikmeter große, strapazierfähige
Säcke für die Sammlung der Abfälle. Sobald die Säcke voll sind, werden sie angelandet und zu ausgewiesenen FFL-
Behältern im Hafen gebracht. Von dort werden sie zur Entsorgung mitgenommen und ggf. sortiert, gewogen,
erfasst und recycelt (Wyles et al. 2019). Diese Methode erfordert nur eine minimale Änderung der Fangroutinen,
ist daher äußerst kostengünstig20 und verursacht keine zusätzlichen Energieverbräuche. Das FFL-System ist
inzwischen eine international anerkannte Initiative (Wyles et al. 2019). In Deutschland wird es über EU- und
Länderförderung finanziell unterstützt. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass auch Müll vom Meeresboden
20 https://www.fishingforlitter.org/ (27.1.2025)
erfasst wird, wenn Grundschleppnetze zum Einsatz kommen. In Deutschland sind derzeit 170 Schiffe und 18
Häfen an Nord- und Ostsee beteiligt.21 Durch die Nutzung ihrer Anwesenheit auf See wird das vorhandene
Arbeitskräftepotenzial ausgeschöpft, anstatt separate Fahrten zu finanzieren, die einen zusätzlichen ökologischen
Fußabdruck auch im Sinne von Beifang und Zerstörung von Habitaten zu Folge hätten.
Die gezielte Identifikation verlorener Geisternetze und -leinen ist angesichts ihrer besonders großen negativen
Auswirkungen im Meer zentral, um die Seeschifffahrt sicherer zu machen und Schäden für die Meeresumwelt zu
verringern (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 48). Einen Ansatz zur Bergung von Geisternetzen
verfolgt z. B. das Ocean Voyages Institute (OVI), eine gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in San
Francisco, USA. Das OVI beteiligt sich an Clean-up-Aktionen, bei denen Plastikmüll, insbesondere Geisternetze und
-leinen, also verlorenes Fischfanggerät, aus dem Wasser geholt werden. Zur Müllbeseitigung verzichtet die
Organisation auf eigene Technologien und greift stattdessen auf bewährte Satelliten- und Drohnentechnologien
sowie Informationen der Schifffahrtsgemeinschaft zurück. Forschungsschiffe, kommerzielle Schiffe (Handel,
Fischerei) und Segler/innen melden Sichtungen von Geisternetzen und anderen Müllansammlungen an das OVI.
Außerdem können Schiffe, die größere Treibnetze sichten, einen vom OVI zur Verfügung gestellten GPS-Tracker
an ihnen befestigen. Die Tracker geben wertvolle Hinweise auf potenzielle Plastikakkumulationszonen, also
Meeresstellen, in denen Plastikmüll in hoher Konzentration vorgefunden wird. Die getrackten Teile werden
anschließend vom OVI-Team mit einem Segelschiff eingesammelt. 2019 wurden dank der GPS-Tracker 40 t Müll aus
dem Meer geholt (dazu Mejia-Muñoz (2019).
Eine andere Option, um den Verlust von Fanggeräten zu reduzieren, stellen Systeme zur Kennzeichnung von
Fanggeräten zusammen mit Anreizen für eine adäquate Entsorgung bzw. Verwertung dar (Bergmann et al. 2023).
Entsprechende Programme gibt es bereits beispielsweise in Norwegen und Island. Sie sollen dazu beitragen,
solche Praktiken zu institutionalisieren. Langfristig könnte die Verwendung vollständig biologisch abbaubarer
Materialien für Netze sowie ein Verbot von besonders kurzlebigen Komponenten, wie an Grundnetzen angebrachte
und meist aus Kunststoff bestehenden Schutzfäden, um diese vor Abrieb am Meeresboden zu schützen, zur
Zielerreichung beitragen (Mejia-Muñoz 2019).
5.4 Fazit und übergreifende Erwägungen
Technologien zur Entfernung von Kunststoffabfällen aus aquatischen Ökosystemen weisen eine hohe
Heterogenität auf und eignen sich für unterschiedliche Umweltkompartimente. Präventionstechnologien setzen gezielt an
punktuellen Emissionsquellen an, während Reinigungstechnologien Verschmutzungen aus diffusen Quellen
entgegenwirken sollen. Einige sind eher für hochkonzentrierte Akkumulationszonen ausgelegt oder zum Auffangen
von Kunststoffabfällen an strategisch wichtigen Zuflussorten, während andere auf die Reinigung größerer Flächen
abzielen. Auch zielen die Lösungen auf unterschiedliche Umweltkompartimente ab. Einige Technologien sind
eher für den Einsatz an der Oberfläche konzipiert, andere zielen auf die Entfernung von Plastik aus der
Wassersäule, und einige wenige suchen gezielt nach Abfällen am Gewässergrund, wo sich Plastik anreichert (Bellou
2025, S. 8 f.). Außerdem unterscheiden sie sich in der Größe der entfernbaren Plastikpartikel. Auch wenn einzelne
Technologien Plastik in unterschiedlichen Größen entfernen können, zeigen sich Unterschiede in der Effizienz je
nach Partikelgröße. Die in Studien ermittelten Effizienzwerte beziehen sich zudem oft nur auf spezifische
Partikelgrößen (z. B. Mikroplastik > 10 µm) oder einzelne Umweltkompartimente (z. B. Wasseroberfläche).
Außerdem sind die Angaben zum möglichen Beitrag bei der Plastikentfernung ungenau, da sich die angegebenen
Mengen auf Abfälle aller Arten, gezielt nur auf Plastikabfälle oder auf das insgesamt gesammelte Material (inklusive
organisches Material) beziehen können (Hinzmann et al. 2025, S. 29 ff.).
Technologien sind dann besonders effektiv, wenn sie mit Blick auf Tiefe, Breite, Durchflussmenge, Saisonalität,
Verschmutzungsgrad am Einsatzort ausgewählt und angepasst werden (Silva et al. 2021, S. 6). Auch die
Anpassung an lokale Bedingungen, wie Schiffsverkehr und Vorgaben des Artenschutzes, ist entscheidend für den Erfolg
(Hinzmann et al. 2025, S. 54). Diese hohe Kontextabhängigkeit erschwert jedoch den direkten Vergleich der
Wirksamkeit und möglicher Nebenwirkungen zwischen verschiedenen Technologien (Bellou 2025, S. 107). Insgesamt ist
die Wirksamkeit von Reinigungstechnologien nur sehr begrenzt erforscht, mit teilweise widersprüchlichen
Ergebnissen (Griffin et al. 2024). Sowohl Bellou (2025) als auch Hinzmann et al. (2025) problematisieren die großen
Wissenslücken bzw. die fehlende Dokumentation von Wirkungen und Nebenwirkungen.
21 https://fishingforlitter.org/germany/ (27.1.2025)
Generell lässt sich feststellen, dass nur sehr wenige Technologien in der Lage sind, Mikroplastik aus Gewässern
zu entfernen. Während stationäre Lösungen, wie Gitter, Netze und Müllräder, vergleichsweise hohe
Rückhaltequoten für Makroplastik aufweisen und besonders in urbanen Gebieten und an Akkumulationszonen mit hoher
Belastung effektiv sind (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 54 ff.), weisen mobile Technologien
eine hohe Flexibilität auf und sind besonders geeignet, um akute Belastungen nach Hochwasserereignissen oder
in stark verschmutzten Gebieten zu bewältigen. Der Einsatz dieser Technologien in Flüssen und Küstenregionen
bietet das Potenzial, den Eintrag von Plastik in den Ozean signifikant zu reduzieren. Sowohl stationäre als auch
mobile Technologien sind allerdings insbesondere für durch Makroplastik stark verschmutzte Gewässer geeignet.
In Flüssen mit einer relativ geringen Verschmutzung durch Makroplastik können diese Technologien daher keine
große Wirkung entfalten. Viel effektiver können dann Filtersysteme aus der Abwassertechnik sowie
Regenrückhaltebecken und nachgeschaltete Filtersysteme Einleitungen von Mikroplastik in Gewässer und so auch in die
Meere reduzieren. Zusätzliche Vorteile von stationären Technologien, die in Häfen und in touristischen Gegenden
eingesetzt werden, sind, dass sie zum Zweck der Umweltbewusstseinsbildung und zur Sammlung von Daten über
die Plastikverschmutzung der Gewässer genutzt werden können.
Problematisch sind die Auswirkungen einiger Technologien auf Meereslebewesen und ihre Habitate. Während
Technologien, die in Mischwasserentlastungsanlagen, Regenrückhaltebecken oder Kläranlagen eingesetzt
werden, sehr gezielt Stoffe aus dem aquatischen Medium entfernen können und durch ihre vorgelagerte Platzierung
keine direkten Auswirkungen auf Ökosysteme haben, können sich Technologien zur Entfernung von Kunststoffen
aus Gewässern unbeabsichtigt negativ auf die dortigen Ökosysteme auswirken. Hinzmann et al. (2025, S. 27 ff.)
fassen die häufigsten ökologischen Risiken auf Grundlage von Bergmann et al. (2023), Falk-Andersson et al.
(2020, 2023) und Leone et al. (2022) wie folgt zusammen:
– Entfernung von organischem Material: Algen, Mangroven, Seegras oder an der Oberfläche treibende und
haftende Lebewesen und Mikroorganismen werden durch die TEK unbeabsichtigt gefangen und/oder aus
dem Wasser geholt. Dies kann zentrale Habitate im Wasser und das Gleichgewicht der Nahrungsnetze
erheblich stören. Die Entnahme von Algen, die als Beifang aus dem Ökosystem unbeabsichtigt entnommen
werden, führt zu einer Lücke im Nahrungssystem und verringert zudem die CO2-Bindung.
– Beifang: Auch Fische oder andere tierische Wasserlebewesen werden durch die TEK unbeabsichtigt
gefangen und/oder aus dem Wasser geholt und Biomasse aus der Nahrungskette entfernt. Dies ist besonders
bedrohlich für in ihrem Bestand bereits stark dezimierte und bedrohte aquatische Arten. Vor dem Hintergrund
des beschleunigten Artensterbens ist der Schutz bedrohter Arten durch den Einsatz zusätzlicher neuer
Technologien besonders wichtig.
– Zerstörung von Lebensräumen: Korallenriffe am Meeresboden oder Algenmatten an der Wasseroberfläche
oder in der Wassersäule können durch den Einsatz von TEK zerstört werden.
Während die Entfernung von organischem Material sowohl durch stationäre als auch mobile Technologien für die
Reinigung von Gewässern erfolgen kann, ist das Problem des Beifangs und der Zerstörung von Lebensräumen
vor allem bei mobilen Technologien stark ausgeprägt. Hinzmann et al. (2025, S. 27 ff.) weisen darauf hin, dass
sich sowohl (Mikro-)Plastik als auch aquatisches Leben aufgrund z. B. bestimmter Strömungen teilweise in
denselben Zonen akkumulieren, z. B. an der Küste von Hawaii. So befinden sich fast 100 % der größeren Fischlarven
und über 95 % des schwimmenden Plastikmülls in den ruhigeren Zonen des Oberflächenabflusses. Dies macht die
selektive Entfernung von Plastik sehr schwierig (Whitney et al. 2021). Hinzu kommen Störungen, die durch die
Technologien verursacht werden, wie Unterwasserlärm.
Neben der Wirksamkeit bei der Entfernung des Plastiks, den negativen Wirkungen auf Meereslebewesen und den
verursachten Treibhausgasemissionen wirkt sich auch die Verwertung der eingesammelten Kunststoffabfälle auf
die Ökobilanz aus (dazu und zum Folgenden Hinzmann et al. 2025, S. 33 ff. u. 51 ff.):
– Repariert und wiederverwendet werden können vor allem große Müllteile. Schätzungsweise gehen jährlich
auf globaler Ebene Fischfanggeräte im Umfang von mindestens 640.000 t verloren oder werden im Meer
entsorgt (Wasave et al. 2025). Fischernetze, -leinen (Charter/Carruthers 2022) und andere Fischfanggeräte
sind größtenteils aus langlebigen, synthetischen Materialien hergestellt und stellen gerade wegen ihrer hohen
Belastbarkeit, Reißfestigkeit und Haltbarkeit ein ökologisches Problem dar (Do/Armstrong 2023; Wasave et
al. 2025). Allerdings sind Potenziale eher für ausgemusterte Fischernetze vorhanden als für Netze, die im
Meer treiben oder auf dem Meeresboden liegen. Denn die Qualität von Fischereiausrüstung ist aufgrund ihrer
langen Verweildauer im Meer oft schlecht und Reparaturen kaum möglich (Bertling/Nühlen 2019).
– Recycelt werden können zurückgeholte Abfälle in der Regel kaum. Ein mechanisches Recycling von
Kunststoffabfällen aus Gewässern und Abwasser ist zwar technisch möglich, dennoch kostenintensiv. Denn
Kunststoffabfälle, die lange Zeit im Wasser blieben, weisen eine schlechte Qualität auf und müssen zunächst eine
umfangreiche Sortierung und intensive Reinigung durchlaufen. Sie sind mit Sand und Schlamm vermischt,
oftmals von Organismen (Muscheln, Seepocken, Algen etc.) besiedelt (Ronkay et al. 2021; Schneider et al.
2018) und können durch Wetter- und Umwelteinflüsse stark verwittert sein (Wyles et al. 2019). Dies
wiederum führt zu einer verringerten Qualität der gewonnenen Rezyklate und kann die Materialeigenschaften (z. B.
Festigkeit und Farbgebung) beeinträchtigen (Ronkay et al. 2021) oder auch die Recyclinganlagen
beschädigen (Wyles et al. 2019). Auch das Recycling von verlorener Fischereiausrüstung erfordert einen
mehrstufigen, kostenintensiven Aufbereitungsprozess, der zwar wünschenswert, aber in der Praxis kaum realisierbar
ist (Bertling/Nühlen 2019). Plastik aus Abwässern ist aufgrund von Verunreinigungen aus wirtschaftlicher
und ökologischer Sicht ebenfalls nicht sinnvoll zu recyclen (Malinović et al. 2022; Okoye et al. 2022). Auch
mit Depolymerisation, oder anderen thermochemischen Recyclingverfahren, wie Pyrolyse oder Vergasung,
können zwar im Labor hohe Reinheitsgrade erzielt werden. Allerdings sind diese Verfahren noch deutlich
teurer als mechanische Recyclingverfahren und sie erfordern einen sehr hohen Energieeinsatz (Hinzmann et
al. 2025, S. 37).
– Die energetische Verwertung stellt für die meisten Abfälle einen geeigneten Verwertungspfad dar, auch wenn
dadurch Treibhausgasemissionen entstehen. In Baltimore können aus jeder Tonne Müll, der mithilfe der
Technologie aus dem Wasser entfernt und einer Verwertungsanlage übergeben wird, durchschnittlich
500 kWh Strom erzeugt werden. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Tagesbedarf an Strom von
16,5 Haushalten in den Vereinigten Staaten.22
Zwar werden aus Meeresplastik und insbesondere aus alter Fischereiausrüstung Produkte hergestellt
(Charter/Carruthers 2022). Dazu zählen Schmuck und Schuhen, die in Entwicklungsländern in Kooperationen mit
Nichtregierungsorganisation verarbeitet werden (Glavee-Geo et al. 2023). Allerdings sind über die meisten
Produkte kaum Informationen zu den Materialien oder dem Anteil an Meeresplastik vorhanden (Charter/Carruthers
2022). Vor diesem Hintergrund können die Herstellung von Produkten aus recycelten Meeresabfällen oder auch
die Wiederverwendung von Meeresabfällen zu künstlerischen Zwecken zwar Menschen für das Problem der
Plastikverschmutzung sensibilisieren. Allerdings stellen sie zum aktuellen Zeitpunkt keine skalierbaren
Verwertungspfade dar.
Wichtig ist vor allem, dass eine Deponierung oder Lagerung der Abfälle nicht dazu führt, dass sie wieder
versehentlich zurück in die Umwelt gelangen bzw. Schadstoffe in Böden, das Grundwasser oder die Luft abgeben
(Schneider et al. 2023). In vielen Regionen der Erde können Kunststoffabfälle, die aus Gewässern zurückgeholt
werden, nur deponiert werden (Falk-Andersson et al. 2023). Dafür sollen die vorgesehenen Müllhalden hohe
Umweltstandards erfüllen. Insbesondere dürfen keine Chemikalien in angrenzende Gewässer oder in den Boden
austreten (Falk-Andersson et al. 2023, S. 13308). Sofern keine geeigneten Infrastrukturen für eine Verwertung
vorhanden sind, ist die Deponierung einer Müllverbrennung an offenen Feuern vorzuziehen. Denn bei einer
Müllverbrennung an offenen Feuern werden Schadstoffe und giftige Dämpfe ungefiltert in die Atmosphäre entlassen
und stellen zudem ein Gesundheitsrisiko dar (Cottom et al. 2024).
Eines der Hauptprobleme besteht allerdings darin, dass es in vielen Erdregionen bisher keine ausreichenden
Infrastrukturen gibt, um Kunststoffabfälle fachgerecht zu behandeln (Winterstetter et al. 2021) oder zu deponieren
(EIA/Ocean Care 2023). Lange Transportwege hin zu Orten, an denen die erforderlichen Infrastrukturen
verfügbar sind, sind wiederum mit hohen Kosten23 und weiteren negativen Umwelteffekten, wie Emissionen und
Unterwasserlärm durch Schiffe,24 verbunden. Außerdem reichen die Kapazitäten – auch in Industrieländern – für die
Mengen, die jährlich in Gewässer eingetragen werden, bei Weitem nicht aus (Hinzmann 2025, S. 33 ff.).
22 Angaben durch Hinzmann et al. (2025) entnommen aus dem Trash Wheel Collection Data Sheet, frei zugänglich unter https://docs.
google.com/spreadsheets/d/1b8Lbe-z3PNb3H8nSsSjrwK2B0ReAblL2/edit?gid=1414297924#gid=1414297924 (15.1.2026).
23 Interview mit Prof. Dr. Martin Wittmaier (Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen GmbH), durchgeführt
von Hinzmann et al. (2025) am 16.12.2024.
24 Interview mit Prof. Dr. Rebecca Helm (Georgetown Universität, USA), durchgeführt von Hinzmann et al. (2025) am 29.11.2024.
6 Geltender regulatorischer Rahmen und Aktivitäten gegen Meeresmüll
– Emissionen von Kunststoffen werden in der EU umfangreich reguliert. In den letzten Jahren lag der Fokus
neuer Regulierungen verstärkt auf der Vermeidung von Littering und von Mikroplastikemissionen.
Reinigungstechnologien sind bisher kaum Gegenstand von Regulierung oder Normierung gewesen.
– Um die grenzüberschreitenden Auswirkungen der Verschmutzung durch Plastik zu reduzieren, fördert
Deutschland internationale Projekte gegen Meeresmüll und für saubere Meere insgesamt.
– Im Rahmen der internationalen Verhandlungen über ein Abkommen zur Bekämpfung der
Plastikverschmutzung werden internationale Reinigungsmaßnahmen diskutiert. Finale Entscheidungen darüber und über
einen finanziellen Rahmen stehen noch aus.
Die Bekämpfung der Verschmutzung von Meeren und Gewässern durch Kunststoffe wird durch mehrere
europäische Richtlinien und Verordnungen geregelt, die auf unterschiedliche Stufen der Wertschöpfungskette von
Produkten und Abfällen abzielen, auf unterschiedliche Wirtschaftssektoren, die Meeresabfälle verursachen (z. B.
Schifffahrt und Fischerei), sowie auf verschiedene Umweltkompartimente, die durch Plastikabfälle verschmutzt
werden können (z. B. Süßwasserressourcen, Meere) (Veiga et al. 2022, S. 29). Abbildung 6.1 illustriert die
Anwendungsbereiche der wichtigsten EU-Regularien. Zu den Regulierungen, die auf landbasierte Einträge abzielen,
gehören Vorschriften für Kläranlagen, Regenwasserableitungen und Mülldeponien, die vielfach in nationalen
Regulierungen und Standards konkretisiert wurden. Zu den Regulierungen, die auf meeresbasierte Einträge abzielen,
zählen Anforderungen an die Einleitung von Schiffsabfällen oder auch Bestimmungen zur Bergung von verloren
gegangenem Fanggerät. Zusätzlich zu den schon länger bestehenden Regulierungen, die in Abbildung 6.1 zu
sehen sind, kommen die kürzlich beschlossenen neuen Anforderungen an Wirtschaftsakteure und
Transportunternehmen, Verluste von Kunststoffpellets zu vermeiden und zu verringern (EK 2025c). Eine tabellarische
Beschreibung der relevantesten Regularien ist im Kapitel 9.1 zu finden.
Zum Schutz von Küsten, Meeren und dem Ozean bildet die Richtlinie 2008/56/EG (Meeresstrategie-
Rahmenrichtlinie)25 das wichtigste Instrument der EU. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, die Belastung
der Meeresgebiete durch Meeresmüll zu überwachen und nationale Meeresstrategien zu entwickeln, um einen
„guten Umweltzustand“ beizubehalten bzw. zu erreichen. Nationale Strategien umfassen regelmäßige
Bewertungen des Zustandes der Meeresumwelt, die Festlegung von Zielen und Vorgaben und die Einführung von
Maßnahmen zur Verbesserung ihres Zustands (EK 2024a). Außerdem sollen Quellen und Eintragspfade von Meeresmüll
identifiziert und quantifiziert sowie negative Auswirkungen auf Meereslebewesen dokumentiert werden.
Konkretisiert werden die Vorgaben der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie für das Monitoring in einem Beschluss der
Europäischen Kommission26. Außerdem werden auf EU-Ebene fortlaufend quantitative Schwellenwerte für die
Operationalisierung der Kriterien für den guten Umweltzustand festgelegt (Bundesregierung 2023, S. 10). 2021
legte die Europäische Kommission mit dem Aktionsplan „Schadstofffreiheit von Luft, Wasser und Boden“ einen
Rahmen und Reduktionsziele für die Verschmutzung von Wasser, Böden und Luft fest. Darin wird eine
Reduzierung von Kunststoffabfällen im Meer um 50 % und eine Reduzierung des in die Umwelt freigesetzten
Mikroplastiks um 30 % bis 2030 angestrebt (EK 2021). Kürzlich hat die Europäische Kommission einen Europäischen Pakt
für die Meere vorgelegt (EK 2025b). Dort ist die Stärkung finanzieller Unterstützung unter anderem zur
Beschleunigung der Einführung neuer Technologien sowie der Kapazitäten für die Meeresbeobachtung vorgesehen.
Außerdem soll ein europäisches Netzwerk von Teststandorten für Meerestechnologien eingerichtet werden, um die
Innovation und den Einsatz wichtiger Meerestechnologien zu beschleunigen (EK 2025b). Die Kommission wird
außerdem im Rahmen der Europäischen Wasserresilienzstrategie die Bekämpfung von landbasierten
Verschmutzungsquellen stärken (EK 2025a).
Maßgeblich für den Schutz der deutschen Meere sind außerdem supranationale regionale Vereinbarungen. Für
den Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks ist das OSPAR-Übereinkommen, an dem Deutschland mit
weiteren 14 Staaten Mitglied ist, maßgeblich. Die Vertragsparteien haben sich dazu verpflichtet, vorbeugende
Maßnahmen zu ergreifen, sobald hinreichender Grund zur Annahme besteht, dass durch Einträge von Stoffen
25 Richtlinie 2008/56/EG vom 17. Juni 2008 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der
Meeresumwelt (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie)
26 Beschluss (EU) 2017/848 der Kommission vom 17. Mai 2017 zur Festlegung der Kriterien und methodischen Standards für die
Beschreibung eines guten Umweltzustands von Meeresgewässern und von Spezifikationen und standardisierten Verfahren für die
Überwachung und Bewertung sowie zur Aufhebung des Beschlusses 2010/477/EU
oder Energie Gefährdungen für die menschliche Gesundheit, lebende Ressourcen oder Meeresökosysteme
entstehen oder rechtmäßige Nutzungsmöglichkeiten der Meere (z. B. Erholung) beeinträchtigt werden. Zum Schutz der
Meeresumwelt im Ostseeraum bildet das Übereinkommen von Helsinki zum Schutz der Ostsee (Helsinki-
Übereinkommen), das von allen Anrainerstaaten der Ostsee unterzeichnet wurde, den zentralen Rahmen. Es
verpflichtet die Vertragsparteien, im gesamten Einzugsgebiet der Ostsee Maßnahmen zur Verringerung der landseitigen
Verschmutzung zu ergreifen (EK 2024a). Die Vertragsparteien werden dazu angehalten, den Vorsorge- und
Verursacherprinzipien zu folgen, die beste verfügbare Technik einzusetzen und die neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnisse und Managementansätze zu berücksichtigen. Regionale Aktionspläne konkretisieren die Ziele beider
Übereinkommen.
Abbildung 6.1 Relevante europäische Richtlinien sowie Verordnungen und von ihnen erfasste Bereiche
Eigene Darstellung; siehe auch Tabelle 9.1
Die Mitgliedstaaten beider Abkommen entsenden außerdem Delegierte zur Technischen Gruppe für Meeresmüll
(Technical Group on Marine Litter – TGML). Die TGML wurde auf Antrag der EU-Mitgliedstaaten zur
Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie eingerichtet. Sie stellt die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und
Politik dar und sorgt für einen guten Informationsaustausch zwischen Expert/innen und Politiker/innen. Sie
erarbeitet und stellt den Mitgliedstaaten technische Empfehlungen zur Umsetzung der Anforderungen der
Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (z. B. Überwachungsprotokolle für Meeresmüll) zur Verfügung (EK 2024b). So wurden
2024 Leitlinien veröffentlicht, die darauf abzielen, einen gemeinsamen Rahmen für Probenahme, Analyse und
Erfassung von Meeresmüll zu schaffen, um die Daten länderübergreifend vergleichbar und nutzbar zu machen
(JRC 2023). Die Plattform EMODnet stellt aktuell die wichtigste Datenbank für Meeresmülldaten in Europa dar.
Dort werden unter anderem die Daten, die im Zuge der Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie durch
die Mitgliedstaaten erhoben werden, eingespeist (EK 2024c).
Zur Unterstützung der Umsetzung von nationalen Maßnahmen gegen Meeresmüll wurde der Runde Tisch
Meeresmüll27 etabliert. An dem runden Tisch nehmen rund 130 Expert/innen teil. Dazu gehören Vertreterinnen und
Vertreter aus Wirtschaftsbereichen, die bedeutsame Emissionen verursachen, Umweltverbände, staatliche
Behörden, Wissenschaftler/innen und Politiker/innen. In den Aktionsfeldern sind sowohl Maßnahmen vorgesehen, die
zur weiteren Reduzierung der Einträge beitragen sollen, als auch solche, die auf eine Reduzierung des bereits
vorhandenen Mülls im Meer abzielen (Runder Tisch Meeresmüll o. J.a). Außerdem sollen umweltfreundliche
Methoden bzw. Handlungsanweisungen für zukünftige Reinigungsaktivitäten entwickelt und die regelmäßige
Reinigung von besonders betroffenen Gebieten (Hotspots) sichergestellt werden (Runder Tisch Meeresmüll
o. J.c). Für die Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie im deutschen Teil der Nord- und Ostsee ist der
Bund/Länder-Ausschuss für die Nord- und Ostsee (BLANO) zuständig. Im Rahmen der BLANO-
Facharbeitsgruppe „Abfälle im Meer“ arbeiten Expert/innen daran, die Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zu
unterstützen und fachlich zu begleiten, von der Bewertung des aktuellen Umweltzustands bis hin zur Erarbeitung
und Umsetzung eines Nationalen Maßnahmenprogramms.
Für das Monitoring der Häufigkeiten und Zusammensetzungen von Kunststoffeinträgen in Nord- und Ostsee
werden Indikatoren und Grenzwerte auf EU-Ebene festgelegt und genutzt, die gleichzeitig im Kontext der OSPAR-
und Helsinki-Übereinkommen genutzt werden (Bundesregierung 2023, S. 17). Um etwaige noch vorhandene
Lücken zu schließen und langfristig den Monitoringvorgaben zu Meeresabfällen der Meeresstrategie-
Rahmenrichtlinie zu entsprechen, wurden in drei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Umweltbundesamtes neue
Monitoringansätze entwickelt und erprobt, unter anderem für das Strandmonitoring von Meso- und großem
Mikromüll, Fernerkundungsmethoden für treibenden Meeresmüll, das Monitoring von verlorener Fischereiausrüstung
sowie zur Beobachtung des Vorkommens von Mikroplastik in Meeressäugern, Vögeln und Fischen
(Bundesregierung 2023, S. 17).
Seit 2018 setzt Deutschland einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern
in ihren Bemühungen, Meeresmüll zu vermeiden und geeignete Abfallsammel- und Recyclingsysteme
einzurichten. So wurde 2019 das Förderprogramm gegen Meeresmüll „Marine Debris Framework – Regional Hubs around
the Globe“ (Marine:DeFRAG) ins Leben gerufen, um Projekte zu fördern, die darauf abzielen, Abfall direkt an
der Quelle zu vermeiden und so den Eintrag von Kunststoffabfällen in die Ozeane zu reduzieren. Die
Förderrichtlinie für das Förderprogramm gegen Meeresmüll (BMU 2021) sieht vor, dass Maßnahmen vorrangig dort
ansetzen, wo die Eintragsmengen in die Weltmeere oder die größten Umweltentlastungspotenziale bei der Entsorgung
von Müll bestehen. Sie legt den Fokus auf Projekte zu Technologiekooperation und Investitionen sowie zur
Implementierung von politischen Maßnahmen und Strategien in Partnerländern, die zum Empfang von
Entwicklungshilfe berechtigt sind. Die Projekte sollen unterstützende Politikberatung bieten sowie Wissenstransfer und
Kapazitätsaufbau betreiben. Im Fokus steht vorrangig die Vermeidung landseitiger Einträge von Meeresmüll,
insbesondere von Kunststoffen28. Die GIZ unterstützt das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz,
Naturschutz und nukleare Sicherheit bei der Umsetzung des Marine:DeFRAG und arbeitet mit lokalen regionalen und
nationalen Akteuren zusammen, um Pilotprojekte zur Bekämpfung von Meeresabfällen umzusetzen, und fördert
den Austausch von Wissen und Erfahrungen (GIZ 2022, S. 2).
Auch die internationale Gemeinschaft engagiert sich zunehmend im Kampf gegen Plastikmüll. So wurde 2022
auf der fünften Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA 5.2) beschlossen, ein rechtsverbindliches
Abkommen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung auszuarbeiten. Der Textvorschlag des Vorsitzenden,
welcher das Ergebnis zahlreicher thematischer Beratungen ist und als Ausgangspunkt für die weiteren Verhandlungen
dienen soll, sieht in Artikel 8 vor, dass sich die Vertragsparteien dazu verpflichten, an Orten, die von einer
Akkumulation von Abfällen besonders betroffen sind, geeignete umweltgerechte Beseitigungs- und
Reinigungsmaßnahmen zu ergreifen. Außerdem wurden Verpflichtungen der Vertragsparteien im Hinblick auf die Entwicklung,
den Transfer und die Verbreitung von umweltverträglichen Technologien zur Bekämpfung von Meeresmüll
diskutiert (Vayas Valdivieso 2025).
27 https://www.muell-im-meer.de/de/ueberuns-rundertisch (16.12.2024)
28 https://www.bmuv.de/programm/foerderprogramm-gegen-meeresmuell (9.5.2025)
7 Handlungsoptionen
– Emissionen von Abfällen zu verhindern, ist kosteneffektiver, als sie aus der Umwelt zu entfernen. In
Deutschland könnten besonders belastete Kläranlagen, Straßenabflüsse im Trennsystem und
Mischwasserentlastungsanlagen technologisch nachgerüstet werden.
– Wenn Kunststoffemissionen nicht vermeidbar sind, trägt das Auffangen in der Nähe der Emissionsquellen
zur Reduktion von wirtschaftlichen und ökologischen Kosten bei. Bei der Auswahl sind der
naturschutzfachliche und der gesellschaftliche Wert der betroffenen Akkumulationszonen sowie die zu erwartenden
Nebenwirkungen zu berücksichtigen.
– Um Entscheidungsträger/innen bei Investitionsentscheidungen zu unterstützen, wäre die Einführung von
Evaluierungspflichten bei der Entwicklung von Reinigungstechnologien, unter Verwendung von noch zu
entwickelnden Standards für die Dokumentation vor und während des Einsatzes, ein wichtiger Schritt.
– Es wäre zu prüfen, ob die laufenden Fördermaßnahmen für internationale Projekte zur Bekämpfung von
Meeresmüll den Technologietransfer zu Reinigungstechnologien ausreichend abdecken.
– Deutschland könnte sich im Rahmen der internationalen Verhandlungen über ein Abkommen zur
Bekämpfung der Plastikverschmutzung weiterhin für einen internationalen finanziellen Mechanismus einsetzen und
die Förderbedingungen für Projekte mitgestalten.
7.1 Prävention priorisieren
Die Vermeidung von Kunststoffeinträgen in die Umwelt ist der Entfernung aus aquatischen Ökosystemen sowohl
aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht grundsätzlich vorzuziehen. Eine übermäßige Konzentration auf
Reinigungsmaßnahmen könnte von systemischen Lösungen ablenken, die auf eine Minimierung des
Kunststoffverbrauchs abzielen, einschließlich Investitionen in umweltfreundlichere und nachhaltigere Alternativen sowie
Bemühungen, zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe überzugehen (Hinzmann et al. 2025, S. 51 ff.; Royal
Society 2024, S. 6).
Hinzu kommt, dass größere Abfallteile zwar mengenmäßig punktuell dominieren können, der immer noch große
Rest der Kunststoffverschmutzung in der Umwelt aber aus Mikro- und Nanoplastik besteht, das sich im Meer
kaum identifizieren und entfernen lässt (Hinzmann et al. 2025, S. 51 ff.). Zu den zentralen Maßnahmen gehören
beispielweise die Eindämmung von Einwegartikeln, die Stärkung von Wiederverwendung und Reparatur oder die
Reduktion von Mikroplastikemissionen. Dabei wären Maßnahmen sinnvoll, die eine Internalisierung externer
Kosten zur Verbesserung der Gewässerqualität gemäß dem Verursacherprinzip ermöglichen (EFI 2025, S. 114).
So könnten beispielsweise auch spezifische Anforderungen an die chemische Zusammensetzung von Reifen, an
Fahrgeschwindigkeit, Fahrzeuggewicht und die Beschaffenheit von Straßen maßgeblich zur Minderung der
Emissionen durch Reifenabrieb beitragen (Neupert et al. 2024). Auch durch Designvorgaben für Fischfanggeräte, die
Reparaturen erleichtern, Pfandsysteme, die Anreize setzen für die Rückholung von Fischfanggeräten (Schneider
et al. 2023), oder auch eine Stärkung des Trackings von Geisternetzen mittels GPS-Tracker (Hinzmann et al.
2025, S. 33 f. und 48 ff.) könnten Schäden durch Geisternetze reduziert werden.
Unvermeidbare Emissionen werden idealerweise frühzeitig „abgefangen“, um zu verhindern, dass sie ins Meer
gelangen (Hohn et al. 2020). So ist beispielsweise die Verhinderung von Emissionen über Einleitungen in die
Kanalisation eine wesentlich kostengünstigere Lösung als der Versuch, diese mit Reinigungstechnologien
nachträglich aus Gewässern zu entfernen (Brouwer et al. 2023). In Deutschland stellt die Nachrüstung von Kläranlagen
mit einer vierten Reinigungsstufe eine effektive Maßnahme zur Reduktion der Emissionen von Mikroplastik dar.
Betreiber größerer Kläranlagen sind dazu bis 2045 verpflichtet. Im Jahr 2024 verfügten nach Angaben der
Bundesregierung erst 55 der ca. 9.000 Kläranlagen über solche Technologien (EFI 2025, S. 111). Eine finanzielle
Unterstützung von Kläranlagenbetreibern könnte die Nachrüstung in den kommenden Jahren beschleunigen.
Hierfür ist die in der Kommunalabwasserrichtlinie vorgesehene Beteiligung der Pharma- und Kosmetikindustrie als
Umsetzung des Verursacherprinzips ein entscheidendes Instrument. Darüber hinaus könnte eine Ausweitung der
Kostenbeteiligung auf die Kunststoff- und Textilindustrie erwogen werden (Hinzmann et al. 2025, S. 40). Auch
könnte die Möglichkeit einer Ausweitung auf kleinere Anlagen geprüft werden, denn nach einer Schätzung im
Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen e. V. sind derzeit in Deutschland bis 2045 nur 7,2 % der Anlagen
nachrüstpflichtig (EFI 2025, S. 111) und auch kleinere Kommunen können signifikante Mengen an Mikroplastik
freisetzen, wenn ihre Abwässer unzureichend gereinigt werden (Magnusson et al. 2016).
Eine weitere wirksame Option zur Reduktion der Emissionen von (Mikro-)Plastik in Deutschland ist der Einbau
von Regenrückhalte- und Sedimentationsbecken sowie von Filtern in der Kanalisation (dazu und zum Folgenden
Hinzmann et al. 2025, S. 39). Aufgrund der insgesamt hohen Kosten einer breitflächigen Aufrüstung können
jedoch kaum alle Straßenabflüsse im Trennsystem und auch nicht alle Mischwasserentlastungsanlagen nachgerüstet
werden, sondern nur solche, die eine besonders hohe Kunststofffracht aufweisen. Mithilfe von
Stoffstrommodellen könnten daher prioritäre Einleitungsstellen lokalisiert werden. Derzeit investieren zwar bereits viele
Kommunen in Regenrückhalte- und Sedimentationsbecken, das Ziel der Reduzierung von Plastikeinträgen wird bei der
Planung jedoch selten berücksichtigt. Hier wäre zu prüfen, ob auch dafür besondere finanzielle Anreize gesetzt
werden können und ob durch die durch die Europäische Wasserresilienzstrategie (EK 2025a) vorgesehenen
Maßnahmen geeignete Finanzierungsmöglichkeiten für Kommunen geschaffen werden.
7.2 Standortspezifische Reinigungsinterventionen bevorzugen
Obwohl die Vermeidung an der Quelle laut der Abfallhierarchie nach Artikel 4 der Richtlinie 2008/98/EG29
immer Vorrang haben sollte, können gezielte Reinigungsmaßnahmen erforderlich sein, um zu verhindern, dass die
Plastikverschmutzung wichtige Infrastrukturen beeinträchtigt (z. B. Verstopfung von Abflüssen), sich
wirtschaftlich negativ auf touristische Orte auswirkt oder besonders schützenswerte Ökosysteme beschädigt (OECD 2022b,
S. 33).
Generell gilt, dass Reinigungstechnologien am effizientesten eingesetzt werden, dort wo Kunststoffe in hoher
Konzentration vorkommen (Hinzmann et al. 2025, S. 32). Zwar standen in den letzten Jahren Technologien zur
Reduktion der Müllstrudel stark im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Angesichts des hohen
Energieverbrauchs, der hohen Kosten und der bislang begrenzten Eignung verfügbarer Technologien zur Entfernung von
Mikropartikeln gilt der Einsatz mobiler TEK auf hoher See jedoch bisher als am wenigsten effektiv. Daher wird
von einem großflächigen Einsatz grundsätzlich abgeraten; stattdessen werden gezielte Interventionen an
besonders stark belasteten Standorten empfohlen. Am effektivsten ist es auch im Meer, Makroplastik primär in der
Nähe der Emissionsquellen zu entfernen, d. h. in Küstennähe, in Häfen oder an Flussmündungen, bevor sich die
Abfälle im offenen Meer verteilen (Hinzmann et al. 2025, S. 28 ff. u. 51 ff.; Royal Society 2024, S. 14). Eine
signifikante Reduzierung der Plastikabfälle im Meer könnte nur durch die Entfernung von Abfällen an Flüssen
oder durch eine Kombination aus stationären Technologien in Flüssen und Häfen sowie mobilen TEK für gezielte
Interventionen an Akkumulationsorten erreicht werden. Strandreinigungsaktionen können ergänzend zur
Reinigung von Küstenzonen beitragen (Royal Society 2024, S. 17). Um Interventionen mit dem größten Nutzen-
Kosten-Verhältnis zu identifizieren, bedarf es zuverlässiger Daten, die allerdings vielfach nicht vorhanden sind
(UNDP 2024, S. 25).
Bei der Auswahl der Interventionsorte sollen nicht nur Kunststoffkonzentrationen berücksichtigt werden, sondern
auch der natürliche und soziale Wert der betroffenen Akkumulationszonen, die Risiken, die mit dem Verbleib von
Plastik in diesem Umfeld einhergehen, sowie die Machbarkeit und Wirksamkeit der jeweiligen Intervention. So
ist beispielsweise Mikroplastik, das sich am Meeresboden oder in Sedimenten festgesetzt hat, besonders schwer
oder gar nicht aus der Umwelt zu entfernen (Royal Society 2024, S. 25). Der Einsatz von Technologien sollte
daher vorrangig in Gebieten erfolgen, in denen sowohl die Belastung durch Plastik als auch der potenzielle Nutzen
durch den Schutz empfindlicher Ökosysteme hoch sind, während gleichzeitig das Risiko ökologischer
Folgeschäden gering bleibt (Falk-Andersson et al. 2023, S. 13306). Vor diesem Hintergrund zeigt insbesondere die
Integration der Bergung von Geisternetzen in reguläre Fischereiaktivitäten ein vorteilhaftes Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Um sicherzustellen, dass die Technologien dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen, wäre eine
internationale Zusammenarbeit bei der Identifizierung von Zielorten, beim Technologietransfer sowie bei der
Finanzierung von Interventionen zielführend (Bellou 2025, S. 110 f.; Jambeck et al. 2015; Schmaltz et al. 2020,
S. 106067). Grundsätzlich sind die Überwachung von Stoffflüssen und die Identifizierung von
Akkumulationszonen eine Daueraufgabe, um künftige Präventions- und Reinigungsmaßnahmen planen zu können (Bellou 2025,
S. 109; Leone et al. 2023; van Emmerik et al. 2020).
7.3 Standards und Leitlinien entwickeln
Zur Erfassung der Effizienz von TEK werden von Technologieanbietern und in der wissenschaftlichen Literatur
verschiedene Indikatoren verwendet. Diese reichen beispielsweise von der Gesamtmenge an Kunststoffabfällen,
die bisher mit einer bestimmten Technologie entfernt wurde, bis hin zur technisch bedingten maximalen Menge
29 Richtlinie 2008/98/EG vom 19. November 2008 über Abfälle und zur Aufhebung bestimmter Richtlinien, zuletzt am 18.2.2024 geändert
an Kunststoffabfällen, die pro Tag oder pro Einsatz der TEK entfernt werden kann. Auf dieser Grundlage ist es
schwierig, verschiedene TEK miteinander zu vergleichen und geeignete TEK für einen bestimmten Standort
auszuwählen (Hinzmann et al. 2025, S. 29). Auch Bellou (2025, S. 92 u. 107) kommt zu diesem Ergebnis. Eine
weitere Herausforderung besteht darin, dass die Verschmutzung durch Plastik nicht gleichmäßig über Raum und Zeit
verteilt ist (Eriksen et al. 2023). Die Wirksamkeit von TEK wird durch den Verschmutzungsgrad der Gewässer
am Einsatzort beeinflusst. Dieser wird jedoch bisher in Testprotokollen oder Standards selten berücksichtigt
(Griffin et al. 2024).
Damit TEK in Zukunft effektiver zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung eingesetzt werden können, könnten
Bewertungspflichten eingeführt und Nutzungsanforderungen definiert werden (Bellou 2025, S. 105 u 108;
Hinzmann et al. 2025, S. 29 ff. u. 56; Royal Society, 2024, S. 21). Dabei wären sowohl Standards zur Messung und
Dokumentation der beabsichtigten Effekte im Hinblick auf die Entfernungsraten als auch im Hinblick auf die
unbeabsichtigten Wirkungen auf die marinen Ökosysteme (z. B. Beifang von Lebewesen und organischem
Material) zu entwickeln, wobei auch die Verwertung der Abfälle zu berücksichtigen wäre. Die Einführung von
Bewertungspflichten unter Berücksichtigung noch zu entwickelnder Standards für die Dokumentation vor und während
des Einsatzes würde eine wichtige Grundlage liefern, um künftige Investitionsentscheidungen zu untermauern
(Bellou 2025, S. 107; Falk-Andersson 2023, S. 13306 ff.). Erste wissenschaftliche Ansätze zur Folgenabschätzung
(Egger et al. 2025) könnten herangezogen werden, um Industriestandards für die Messung der Effizienz und der
Auswirkungen auf die Meeresökosysteme zu entwickeln. Außerdem würde eine erhöhte Transparenz Anreize für
die Hersteller schaffen, TEK so weiterzuentwickeln, dass Beifänge und andere negative ökologische
Auswirkungen reduziert oder auch Treibhausgasemissionen minimiert werden. Die Dokumentation der Abfallverwertung
würde außerdem Greenwashingpraktiken verhindern (GIZ 2024). Die von der EU im Pakt für Meere vorgesehene
Einrichtung eines europäischen Netzwerks von Teststandorten für Meerestechnologien (EK 2025b) bietet für die
Entwicklung solcher Standards den idealen Rahmen. Deutschland könnte dabei eine führende Rolle einnehmen.
Wichtig wäre außerdem, Leitlinien für den Einsatz von TEK zu entwickeln. Leitlinien und Anleitungen gibt es
zwar für freiwillige Sammelaktionen. Sie beziehen sich jedoch nur punktuell auf technologische Ansätze (Stybel
et a. 2022). Spezifische Leitlinien für den Einsatz von TEK könnten die Technische Gruppe für Meeresmüll zur
Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sowie der Runde Tisch Meeresmüll im Rahmen der
Entwicklung von Handlungsanweisungen für zukünftige Reinigungen besonders betroffener Gebiete erarbeiten. In
Zusammenarbeit mit den Helsinki- und OSPAR-Kommissionen wären solche Leitlinien dann für den Einsatz im
Nordostatlantik und in der Ostsee zu spezifizieren. Auch für die internationale Zusammenarbeit mit
Entwicklungsländern sollten solche Leitlinien entwickelt bzw. angepasst werden. Hier könnte die GIZ als beratende
Instanz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Bundesministeriums
für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit auf ihre bisherigen Arbeiten zur Ausweitung der
Reinigung und Verringerung des Abfallaufkommens im Rahmen der Durchführung von Projekten der
Entwicklungszusammenarbeit aufbauen (GIZ 2023, S. S. 58 u. 60 f.) und Hinweise für den Technologietransfer in
besonders von Makroabfällen betroffene Regionen formulieren.
7.4 Internationale Kooperationen und Finanzierungsinstrumente ausbauen
In der Resolution 2/11 der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA 2016) zu Plastikmüll und
Mikroplastik im Meer werden die Mitgliedstaaten dazu eingeladen, auf regionaler, nationaler und internationaler
Ebene zusammenzuarbeiten, um Hotspots zu reinigen. Die Umweltversammlung erkennt außerdem die
Notwendigkeit, umweltverträgliche Systeme und Methoden für die Beseitigung und ordnungsgemäße Entsorgung von
Meeresabfällen zu entwickeln. Um eine maximale Wirksamkeit sicherzustellen und angesichts des
grenzüberschreitenden Charakters des Problems sowie der hohen Kosten einiger Lösungen, bietet es sich an, Interventionen
unabhängig davon zu konzipieren, ob die betroffenen Regionen die Maßnahmen selber alleine finanzieren können
(Royal Society 2024, S. 25). Dies ist umso relevanter, als die Verantwortung für die Verschmutzung nicht immer
eindeutig ist, insbesondere wenn die Akkumulationsgebiete sich außerhalb von nationalen Gerichtsbarkeiten
befinden (Falk-Andersson et al. 2023, S. 13306). Deutschland beteiligt sich bereits unter anderem über die Clean
Oceans Initiative der KfW Entwicklungsbank (KfW 2022) zusammen mit fünf weiteren Förderbanken an
Reinigungsmaßnahmen und fördert internationale Projekte gegen Meeresmüll30 (AFD 2025; BMU 2021). Hier wäre
zu prüfen, inwieweit die geförderten Projekte einen ausreichenden Technologie- und Wissenstransfer zu solchen
Technologien ermöglichen, die eine hohe Wirksamkeit bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen aufweisen.
30 https://www.z-u-g.org/meeresmuell/projekte/ (9.5.2025)
Darüber hinaus wäre sicherzustellen, dass die im Rahmen der Projekte erhobenen Daten zur
Technologieanwendung zur Entwicklung von Qualitätsstandards für die Technologienanwendung beitragen (Bellou 2025, S. 110).
Zukünftige Maßnahmen des Technologietransfers sind idealerweise an konkrete Anforderungen an die
Technologien zu knüpfen, damit nur solche Projekte gefördert werden, die eine hohe Effizienz bei gleichzeitig
maximalem Schutz der Ökosysteme gewährleisten. Außerdem sollte sichergestellt werden, dass ausreichende
Infrastrukturen vorhanden sind, um die Verwertung der rückgeholten Abfälle zu gewährleisten. In dieser Hinsicht wären
auch die Bedingungen für die Auszahlung von Mitteln aus dem Einwegkunststofffonds an Anspruchsberechtigte
zur Sammlung, Reinigung und Entsorgung im öffentlichen Raum31 zu prüfen.
Globale Herausforderungen wie die Verschmutzung durch Plastik können nur schwer durch einzelne Länder,
insbesondere im Globalen Süden gestemmt werden. Denn die hohen Kosten mancher Technologien stellen für
eine breitere Anwendung im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit eine zentrale Herausforderung dar
(GIZ 2023, S. 61). Zwar wurden in den letzten Jahren vielfältige öffentlich finanzierte Programme und Initiativen
ins Leben gerufen, um die Mengen des Plastikmülls im Meer zu reduzieren. Aber es gibt eine Diskrepanz
zwischen den öffentlichen Entwicklungsleistungen, um die Plastikverschmutzung zu bekämpfen, und den Regionen,
in denen Finanzierungen und Unterstützung am dringendsten benötigt werden (OECD 2025, S. 5 f.). Zudem sind
die Möglichkeiten fragmentiert und thematisch eingeschränkt. Die Einrichtung eines internationalen
Finanzierungsmechanismus wird im Rahmen der Entwicklung eines völkerrechtlich bindenden internationalen
Plastikabkommens diskutiert (IISD 2025). Im Rahmen der weiteren Verhandlungen könnte sich Deutschland weiterhin für
innovative und hybride Finanzierungslösungen einsetzen (siehe dazu auch UNDP 2024, S. 20) und die
Förderbedingungen mitgestalten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein zu starker Fokus auf das Ausgleichen von
Emissionen statt deren tatsächlicher Vermeidung das Problem eher verschärfen könnte (Moon et al. 2024).
31 https://www.einwegkunststofffonds.de/de (1.7.2025)
8 Literatur
8.1 In Auftrag gegebene Gutachten
Hinzmann, M.; Knoblauch, D.; Schritt, H.; Kraemer, R. A.; Bergmann, M. (2025): Technologische
Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren. Ecologic Institut gemeinnützige GmbH,
Berlin
Bellou, N. (2025): Technologische Möglichkeiten zur Reduktion von Kunststoffabfällen in den Meeren –
Wissenstand innovativer Lösungen zur Bekämpfung des Meeresmülls. Hamburg
8.2 Weitere Literatur
AFD (2025): Clean Oceans Initiative. Agence Francaise de Développement, https://www.afd.fr/en/the-clean-
oceans-initiative (23.6.2025)
Allen, D. et al. (2022): Microplastics and nanoplastics in the marine-atmosphere environment. In: Nature
Reviews Earth & Environment 3(6), S. 393–405, https://doi.org/10.1038/s43017-022-00292-x
Allen, S. et al. (2020): Examination of the ocean as a source for atmospheric microplastics. In: PLOS ONE
15(5), Art. e0232746, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232746
Anih, D. C. et al. (2025): Biochemical effects of microplastics on human health: A comprehensive review. In:
Science International 13(1), S. 27–34, https://doi.org/10.17311/sciintl.2025.27.34
ASTRA (2010): Erste technische Strassenabwasser-Behandlungsanlage der Schweiz. SABA Pfaffensteig in
Bern-Bümpliz. Bundesamt für Strassen ASTRA, Bern
AWI (o. J.): Verbreitung von Müllarten in untersuchten Lebensräumen (1.426 Veröffentlichungen). Alfred
Wegener Institut, https://litterbase.awi.de/litter_graph?lang=de (15.1.2026)
Banerjee, I. et al. (2024): Male infertility and its link to microplastics: A sterile future. In: Journal of Biomedical
Sciences 11(1), S. 1–3, https://doi.org/10.3126/jbs.v11i1.69235
Bayo, J. et al. (2020): Membrane bioreactor and rapid sand filtration for the removal of microplastics in an
urban wastewater treatment plant. In: Marine Pollution Bulletin 156, Art. 111211, https://doi.org/10.1016/
j.marpolbul.2020.111211
Beaumont, N. J. et al. (2019): Global ecological, social and economic impacts of marine plastic. In: Marine
Pollution Bulletin 142, S. 189–195, https://doi.org/10.1016/j.marpolbul.2019.03.022
Bellou, N. et al. (2021): Global assessment of innovative solutions to tackle marine litter. In: Nature
Sustainability 4(6), S. 516–524, https://doi.org/10.1038/s41893-021-00726-2
Bergmann, M. et al. (2022): Plastic pollution in the Arctic. In: Nature Reviews Earth & Environment 3(5),
S. 323–337, https://doi.org/10.1038/s43017-022-00279-8
Bergmann, M. et al. (2023): Moving from symptom management to upstream plastics prevention: The fallacy of
plastic cleanup technology. In: One Earth 6(11), S. 1439–1442, https://doi.org/
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.