Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Europäische Wasserresilienzstrategie
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Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Europäische Wasserresilienzstrategie
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 261/25
24.06.25
EU - AV - U - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Europäische
Wasserresilienzstrategie
COM(2025) 280 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 14/23 = AE-Nr. 230037;
Drucksache 15/23 = AE-Nr. 230039;
AE-Nr. 250496
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 4.6.2025
COM(2025) 280 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Europäische Wasserresilienzstrategie
1
Europäische Wasserresilienzstrategie
1. EINFÜHRUNG – RAHMENVORGABE
Wasser ist Leben. Menschen, die meisten Arten und die Natur, in der wir leben und von der
wir abhängen, können ohne Wasser nicht überleben. Unsere Umwelt, unsere Wirtschaft, unsere
Ernährungs- und Energieversorgungssicherheit und unsere Lebensqualität hängen von einer
stabilen Versorgung mit Wasser in der richtigen Qualität ab.
Heutzutage ist Wasser jedoch keine Selbstverständlichkeit mehr, was sich auf
Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und die Umwelt auswirkt. Europa ist der
Kontinent, der sich aufgrund des Klimawandels am schnellsten erwärmt. Klimaauswirkungen
wie extreme Hitze, katastrophales Hochwasser, langanhaltende Dürreperioden und Waldbrände
nehmen an Häufigkeit und Schwere zu, was sich weiter fortsetzen wird. Diese Ereignisse
führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und vorzeitigen Todesfällen, zur
Unterbrechung der Energie- und Trinkwasserversorgung und zu wachsenden wirtschaftlichen
Verlusten1 für Unternehmen, Landwirte und die Aquakultur. Wenn sie nicht angegangen
werden, haben wasserbedingte Ungleichheiten das Potenzial, den wirtschaftlichen, sozialen
und territorialen Zusammenhalt der EU2 und der Welt insgesamt zu beeinträchtigen. Dies gilt
insbesondere für die Regionen in äußerster Randlage der EU, in denen der Zugang zu sauberem
und sicherem Wasser aufgrund von Klimadruck und Infrastrukturlücken besonders schwierig
ist. Der Zugang zu sauberem und erschwinglichem Wasser als öffentliches Gut ist ein
Menschenrecht.
Wasserresilienz ist eine Frage der Sicherheit und Krisenvorsorge für die EU. Wasser ist
ein Grundbedürfnis und eine wichtige Ressource. Wie in der Strategie für eine Union der
Krisenvorsorge dargelegt, muss die Sicherheit einer sauberen und erschwinglichen
Süßwasserversorgung ein Leitprinzip für die EU sein3.
Investitionen in eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung und in Innovationen werden die
europäischen Unternehmen stärken und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Fünf der zehn
größten langfristigen globalen Risiken für Unternehmen, die das Weltwirtschaftsforum4
ermittelt hat, hängen mit Wasser zusammen. Eine nicht nachhaltige Wasserbewirtschaftung
untergräbt unsere allgemeine Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, wie im
1 Dürreperioden haben allein im Jahr 2022 außerordentliche Verluste in Höhe von rund 40 Mrd. EUR
verursacht. Hochwasser verursachte zwischen 1980 und 2023 Schäden in Höhe von 325 Mrd. EUR. Zusätzlich
zu diesen Herausforderungen verursacht die Wasserverschmutzung Kosten in Höhe von 55 bis 73 Mrd. EUR.
Siehe die Studie der Kommission über die Kosten der Untätigkeit im Zusammenhang mit der bevorstehenden
Überprüfung der Umsetzung des Umweltrechts.
2 Ninth Report on Economic, Social and Territorial Cohesion, Kapitel 4 „Green Transition“, 2024
(https://ec.europa.eu/regional_policy/information-sources/cohesion-report_en).
3 Europäische Strategie für eine Union der Krisenvorsorge, JOIN(2025) 130 final.
4 „Global Risks Report 2024“ Die fünf wichtigsten globalen, auch wasserbezogenen Risiken sind: 1) Extreme
Wetterereignisse, 2) Kritische Veränderungen der Erdsysteme, 3) Verlust der biologischen Vielfalt und
Zusammenbruch der Ökosysteme, 4) Verknappung der natürlichen Ressourcen und 5) Verschmutzung
https://www.weforum.org/publications/global-risks-report-2024/.
2
Kompass für Wettbewerbsfähigkeit5 und im Deal für eine saubere Industrie6 anerkannt. Dies
erfordert eine bessere Einbeziehung der Wasserresilienz in Unternehmensentscheidungen und
eine integrierte Vision einer nachhaltigen Wasserwirtschaft, die langfristige Klimaszenarien
berücksichtigt.
Wasserresilienz ist eine wichtige Geschäftsmöglichkeit für die EU-Industrie. Europa ist
weltweit führend in der Wassertechnologie und hält einen Anteil von 40 % an allen
diesbezüglichen Patenten7. Allein im Jahr 2022 erwirtschaftete der Sektor 111,7 Mrd. EUR an
Wertschöpfung und unterstützte 1,6 Mio. Arbeitsplätze in 81 500 Unternehmen, bei denen es
sich hauptsächlich um KMU handelt8. Wir müssen uns diese Position zunutze machen und den
Wettbewerbsvorteil der EU im Binnenmarkt sowie im Ausland stärken. In bestimmten
Sektoren besteht beispielsweise das Potenzial, die Wasser- und Betriebskosten um bis zu
2,8 Mrd. EUR pro Jahr zu senken, 9 000 zusätzliche Arbeitsplätze pro Jahr zu schaffen und
gleichzeitig das erforderliche weltweite Know-how zu entwickeln9.
Eine starke europäische Führungsrolle im Bereich der Wasserresilienz bietet die
Möglichkeit, strategische Allianzen mit internationalen Partnern zu bilden. Der weltweite
Wettbewerb um die schwindenden Süßwasservorräte verschärft Konflikte und
Fluchtbewegungen. Bei dem derzeitigen Tempo wird die weltweite Wassernachfrage das
verfügbare Angebot im Jahr 2030 um 40 % übersteigen10. Weltweit haben wasserbedingte
Katastrophen 40 Mio. Menschen vertrieben und im Jahr 2024 Schäden in Höhe von mehr als
480 Mrd. EUR verursacht11. Aufbauend auf dem weltweiten Konsens12, dass unser derzeitiges
Modell der Wasserbewirtschaftung nicht nachhaltig ist, ist die EU entschlossen, die
bevorstehende UN-Wasserkonferenz 2026 zu einem Meilenstein bei der Verwirklichung der
Ziele für nachhaltige Entwicklung zu machen.
Aus all diesen Gründen ist es höchste Zeit, die Wasserresilienz ganz oben auf die
politische Agenda zu setzen, wie es der Europäische Rat13, das Europäische Parlament14 und
der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss15 gefordert haben. Aus diesem Grund hat
Präsidentin von der Leyen in ihren Politischen Leitlinien 2024‑2029 eine neue europäische
Strategie zur Wasserresilienz angekündigt. Dies sollte allen Regionen der EU helfen, die
Bewirtschaftung ihrer Gewässer zu verbessern, die Wasserknappheit zu bekämpfen, den
5 COM(2025) 30 final – Ein Kompass für eine wettbewerbsfähige EU.
6 COM(2025) 85 final – Der Deal für eine saubere Industrie: Ein gemeinsamer Fahrplan für
Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung.
7 Europäisches Patentamt, „Innovation in water-related technologies“ (Juli 2024), abrufbar hier.
8 Eurostat, „Businesses in the water supply, sewerage, waste management and remediation sector“ (Daten
extrahiert im Februar 2025), abrufbar hier.
9 Water Europe (2024) Sozioökonomische Studie über den Wert von EU-Investitionen im Wasserbereich.
10 Bericht der Global Commission on the Economics of Water, 2024.
11 Global Water Monitor: Zusammenfassender Bericht 2024 | PreventionWeb.
12 Erzielt auf der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen 2023.
13 Schlussfolgerungen des Europäischen Rats vom 23. März 2023 - EUCO 4/23
14 Entschließung des Europäischen Parlaments vom 7. Mai 2025 zu der Europäischen Wasserresilienzstrategie
(2024/2104(INI)).
15 Rahmenstellungnahme des EWSA zum Thema „Aufruf zu einem europäischen Blauen Deal“ CCMI/209 vom
25. Oktober 2023.
3
Innovationsvorsprung in der Wasserwirtschaft zu stärken16 und gleichzeitig einen sauberen und
kreislauforientierten Ansatz zu verfolgen.
Die Mitgliedstaaten haben ihre Wasserbewirtschaftung auf unterschiedliche Weise organisiert,
mit verschiedenen Formen öffentlichen oder privaten Eigentums oder einer Kombination aus
beidem. Mit der Strategie werden diese nationalen Entscheidungen in vollem Umfang
respektiert und es wird anerkannt, dass es keine Einheitslösung für alle gibt, insbesondere unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass die Wasserverfügbarkeit in den einzelnen Mitgliedstaaten
sehr unterschiedlich ist, ebenso wie die Anfälligkeit der verschiedenen Sektoren für
Wasserstress.
2. DIE WICHTIGSTEN ZIELE
Mit dieser Strategie wird ein Weg zur Stärkung der Wasserresilienz in Europa aufgezeigt, der
fest in der Vision für 2050 verankert ist, welche die EU auf der Wasserkonferenz der Vereinten
Nationen 2023 für eine wasserresiliente EU vorgelegt hat und die für
Wasserversorgungssicherheit für alle sorgt. Dazu gehören der Schutz und die
Wiederherstellung aquatischer Ökosysteme und ein angemessenes Gleichgewicht zwischen
Wasserversorgung und Wassernachfrage, das den derzeitigen Bedürfnissen entspricht,
einschließlich der Verwirklichung des Menschenrechts auf sauberes Trinkwasser und sanitäre
Einrichtungen, ohne die Rechte künftiger Generationen zu gefährden.
Um Europa auf den Weg der Wasserresilienz zu bringen, müssen wir an drei Zielen arbeiten:
1. Wiederherstellung und Schutz des Wasserkreislaufs als Grundlage für eine nachhaltige
Wasserversorgung.
2. Aufbau einer Wirtschaft mit intelligenter Wassernutzung gemeinsam mit den
Bürgerinnen und Bürgern sowie Wirtschaftsbeteiligten in einer Weise, die der
Wettbewerbsfähigkeit der EU förderlich ist, für Investierende attraktiv ist und eine
florierende Wasserwirtschaft in der EU unterstützt.
3. Sicherstellung von sauberem und erschwinglichem Wasser und sanitären Einrichtungen
für alle zu jeder Zeit und Stärkung der Wasserresilienz der Bürgerinnen und Bürger.
Die EU‑Rechtsvorschriften und die EU‑Politik, einschließlich des Europäischen Grünen Deals,
bieten eine solide Grundlage für die Erreichung dieser Ziele17. Die Mitgliedstaaten – und ihre
lokalen oder regionalen Behörden – sind oft am besten in der Lage, sich mit der
Wasserwirtschaft zu befassen, da sie ihre eigenen Gegebenheiten, Herausforderungen und
möglichen Lösungen am besten kennen. In dieser Strategie wird uneingeschränkt anerkannt,
dass es den Mitgliedstaaten freisteht, ihre Wasserversorgungssysteme innerhalb der Grenzen
des EU-Rechts so zu gestalten, wie sie es für richtig halten. Um die Initiativen der
Mitgliedstaaten zu unterstützen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im
Wasserbereich zu verbessern, werden fünf Bereiche für EU-Maßnahmen festgelegt: i)
Governance und Umsetzung; ii) Finanzierung, Investitionen und Infrastruktur; iii)
16 In dieser Mitteilung umfasst die Wasserwirtschaft die öffentlichen und privaten Unternehmen, die sich mit der
Versorgung mit (Trink-)Wasser und der Behandlung von Abwässern, einschließlich kommunaler und
industrieller Abwässer, befassen. Dazu gehören u. a. Wassertechnik, Bau von Wasserinfrastrukturen,
Entwicklung und Lieferung von wasserbezogenen Ausrüstungen und Technologien.
17 Ein Überblick über die wichtigsten Ziele der bestehenden Rechtsvorschriften ist in Anhang II enthalten.
4
Digitalisierung; iv) Forschung und Innovation, Industrie und Kompetenzen; v) Sicherheit und
Abwehrbereitschaft.
2.1 Wiederherstellung und Schutz des Wasserkreislaufs als Grundlage für eine
nachhaltige Wasserversorgung
Ein gut funktionierender Wasserkreislauf ist für die Wasserresilienz unerlässlich. Wasser
bewegt sich in einem Kreislauf, in dem es auf natürliche Weise gespeichert, gereinigt und
wieder abgegeben wird – ein Prozess, der von gesunden Böden, Feuchtgebieten, Wäldern und
anderen Ökosystemen abhängt. Übernutzung und Misswirtschaft der Wasserressourcen,
Verschmutzung sowie Klimawandel und Umweltzerstörung haben diesen Kreislauf jedoch
stark beeinträchtigt und sowohl die Menge als auch die Qualität des Wassers erheblich
reduziert.
Der bestehende EU-Rahmen für Süßwasser, einschließlich der Wasserrahmenrichtlinie,18
der Hochwasserrichtlinie19 und der Verordnung über die Wiederherstellung der Natur20,
bietet einen umfassenden Rechtsrahmen für den europäischen Wasserkreislauf. Um den
Wasserkreislauf quantitativ und qualitativ wiederherzustellen, ist jedoch eine wirksame
Umsetzung erforderlich. Das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie, bis 2027 einen guten Zustand
aller Wasserkörper zu erreichen,21 und die Ziele der Hochwasserrichtlinie bleiben der Kompass
für Maßnahmen. Die Kommission wird auf der Grundlage ihrer jüngsten Bewertung der
nationalen Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete und der
Hochwasserrisikomanagementpläne im Dialog mit den Mitgliedstaaten Prioritäten für die
Durchsetzung festlegen22. Um die Arbeit der Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung von
Wasserknappheit und Dürre weiter zu unterstützen, wird die Kommission Indikatoren für
Wasserknappheit entwickeln und einen technischen Leitfaden für Dürremanagementpläne
veröffentlichen. Die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur bietet die Möglichkeit, die
Bewirtschaftung der Wassermengen zu unterstützen und die Widerstandsfähigkeit gegen
Dürren und Hochwasser durch naturbasierte Lösungen zu verbessern. Die Wasser- und
Klimaresilienz muss in den bis 2026 zu erstellenden nationalen Wiederherstellungsplänen
vollständig berücksichtigt werden.
Das in der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie von 2008 festgelegte Ziel, bis 2020 einen
guten Umweltzustand der Meeresgewässer zu erzielen, wurde nicht erreicht. Die
18 Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines
Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik (ABl. L 327 vom
22.12.2000, S. 1, ELI: http://data.europa.eu/eli/dir/2000/60/oj).
19 Richtlinie 2007/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung
und das Management von Hochwasserrisiken (ABl. L 288 vom 6.11.2007, S. 27, ELI:
http://data.europa.eu/eli/dir/2007/60/oj).
20 Verordnung (EU) 2024/1991 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Juni 2024 über die
Wiederherstellung der Natur und zur Änderung der Verordnung (EU) 2022/869 (ABl. L, 2024/1991,
29.7.2024, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2024/1991/oj).
21 Bericht der EUA über den Zustand der EU-Gewässer
https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/europes-state-of-water-2024.
22 Die Kommission hat länderspezifische Empfehlungen zu sieben Themenbereichen vorgelegt: a) beschleunigte
Maßnahmen zur Verringerung der Compliance-Lücke; b) Aufstockung der Investitionen; c) Bewältigung der
Hauptbelastungen; d) Stärkung der Resilienz gegenüber wasserbedingten Extremen (einschließlich
spezifischer Empfehlungen zur wirksamen Umsetzung der Hochwasserrichtlinie); e) grenzüberschreitende
Zusammenarbeit; f) Ausnahmen und g) Überwachung, Bewertung und Berichterstattung. Weiterführende
Informationen: https://environment.ec.europa.eu/topics/water/water-framework-directive/implementation-
reports_en.
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biologische Vielfalt der Meere geht zurück und die Verschmutzung durch Flüsse schadet dem
Leben im Meer weiterhin. Im Anschluss an eine kürzlich durchgeführte Evaluierung23 wird die
Kommission die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie überarbeiten, um die Kohärenz mit dem
EU-Besitzstand im Bereich Süßwasser zu verbessern, wobei der Schwerpunkt auf der
Erzielung von Ergebnissen durch die Verringerung der Berichtspflichten und die Verbesserung
des Datenmanagements und der Verwaltung der regionalen Meeresübereinkommen liegt.
Zusätzlich zu den bestehenden Rechtsvorschriften müssen wir unsere Anstrengungen zur
Verbesserung der Wasserrückhaltung an Land verstärken. Im Einklang mit dem
Europäischen Pakt für die Meere müssen wir vorrangig das volle Potenzial unserer
Ökosysteme nutzen, um Wasser an Land und im Meer zu speichern, zu reinigen,
freizusetzen und wiederherzustellen, und zwar auf der Grundlage eines von der Quelle
bis zum Meer reichenden Ansatzes. Auf seinem Weg zurück ins Meer wird das Süßwasser
auf natürliche Weise in Böden, Wäldern, Feuchtgebieten, Überschwemmungsgebieten und
anderen Ökosystemen gespeichert. Es ist notwendig, die natürliche Schwammfunktion unserer
Landschaften wiederherzustellen, um unsere Grundwasserreserven aufzufüllen und die
biologische Vielfalt zu schützen. Um bestehende Initiativen zur Erhöhung der24
Wasserrückhaltung an Land besser zu koordinieren und auszuweiten, wird die Kommission
eine „Sponge Facility“ entwickeln, die einen kohärenten Rahmen für neue und bestehende
Initiativen zur Erhöhung der Wasserrückhaltung an Land bietet. Wie in der Vision für
Landwirtschaft und Ernährung dargelegt, beabsichtigt die Kommission auch, Anreize zu
schaffen und landwirtschaftliche Verfahren zu unterstützen, mit denen die Gesundheit der
Böden wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden kann, wie z. B. der ökologische
Landbau und agrarökologische Ansätze, die das Wasser im Boden halten. In städtischen
Gebieten sollten „Schwammstädte“ gefördert werden, die mit naturbasierten Lösungen zur
kontrollierten Aufnahme und Abgabe von Wasser ausgestattet sind. Darüber hinaus ist eine
integrierte Bewirtschaftung von Süß- und Meeresgewässern unerlässlich. Die Verschmutzung
der Flüsse, die Unterbrechung der Sedimentflüsse und die Wasserknappheit haben starke
Auswirkungen auf die Gesundheit der Meeresökosysteme und die Lebensfähigkeit der von
ihnen abhängigen sozialen und wirtschaftlichen Wirtschaftszweige wie Fischerei, Aquakultur
oder Tourismus25. Die Küstengebiete spielen eine entscheidende Rolle im Wasserkreislauf und
tragen entscheidend dazu bei, dass die Verschmutzung nicht vom Land aus ins Meer gelangt.
Eine wirksame Raumplanung kann die Anfälligkeit von Küstengemeinden, Städten, Seehäfen
und tief liegenden Flussdeltas für den Klimawandel verringern, während Seehäfen durch die
Einhaltung einschlägiger Gesetze und Strategien auch dazu beitragen müssen, die
Verschmutzung durch Schiffe zu minimieren. Dies ist auch eines der Themen, die in der von
der Kommission angekündigten europäischen Strategie für Häfen behandelt werden sollen.
Nicht zuletzt kann eine nachhaltige und integrierte Bewirtschaftung der Binnenwasserstraßen
erheblich zur Wasserresilienz beitragen, da sie eine bessere Anpassung an Dürren und
Hochwasser ermöglicht und gleichzeitig die Vernetzung der Schifffahrtswege aufrechterhält.
Die Speicherung von Wasser in Stauseen und anderen künstlich angelegten Strukturen
erfordert besondere Aufmerksamkeit sowie eine sorgfältige Planung und Koordinierung,
da viele Wirtschaftszweige eine stabile Wasserversorgung benötigen und ihre
23 Bewertung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (SWD(2025)50) und Anhang.
24 Missionen in den Bereichen Anpassung und Boden, Leitlinien für klimaresiliente Landschaften, EU-
Städteagenda – Thematische Partnerschaft „Wasserbewusste Stadt“ und Interreg-Projekt Donauraum
„Schwammstadt“.
25 Macias, D., Bisselink, B., Carmona-Moreno, C. et al. The overlooked impacts of freshwater scarcity on oceans
as evidenced by the Mediterranean Sea. Nat Commun 16, 998 (2025).
6
Anforderungen im Laufe eines Jahres häufig schwanken26. Bei Maßnahmen zur
Wasserbewirtschaftung sollten naturnahe Lösungen im Vordergrund stehen, aber auch
künstlich angelegte Strukturen oder eine Kombination aus beidem sind erforderlich. Bei der
Planung neuer Staudämme und Stauseen sollten deren Umweltauswirkungen sorgfältig
bewertet werden, wobei alle Interessenvertreter einzubeziehen sind, und es sollte sichergestellt
werden, dass solche Maßnahmen Teil einer integrierten und nachhaltigen
Wasserbewirtschaftungsstrategie sind, die langfristige Klimareferenzszenarien und -prognosen
vollständig berücksichtigt, um Investitionsverluste zu vermeiden.
Wasserqualität und -quantität sind zwei Seiten derselben Medaille, und wir müssen
weiter daran arbeiten, die Verschmutzung an der Quelle zu verhindern. Im Jahr 2021
hatten nur 39,5 % der Oberflächengewässer in der EU einen guten ökologischen Zustand und
nur 26,8 % einen guten chemischen Zustand27. Die Maßnahmen müssen verstärkt werden und
sich darauf konzentrieren, nicht nachhaltige Flächennutzung und -bewirtschaftung sowie
hydromorphologische Veränderungen, strukturelle Fehlbewirtschaftung von Wasser durch
legale und illegale Überentnahme, ineffiziente Wassernutzung in verschiedenen Sektoren und
Wasserverschmutzung durch Landwirtschaft, Industrie, Bergbau und Abfallbewirtschaftung zu
verhindern.
Die Wasserverschmutzung hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie kann zu
durch Wasser übertragenen Krankheiten führen und die antimikrobielle Resistenz
verschlimmern. Die COVID-19-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, Krankheitserreger und
Gesundheitsparameter in Abwässern nach dem Konzept „Eine Gesundheit“ zu verfolgen, da
die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und der Umwelt eng miteinander verbunden
sind28. Die Kommission wird weiterhin den Aufbau von Kapazitäten und die Entwicklung von
Infrastrukturen für die Abwasserüberwachung unterstützen, zumal der Klimawandel die
Gesundheitsrisiken durch wasserbedingte Erkrankungen verschärft29.
Es besteht dringender Handlungsbedarf, um gegen Schadstoffe vorzugehen, die eine
Gefahr für unsere lebenswichtigen Trinkwasserquellen darstellen. Hochpersistente
Schadstoffe wie PFAS30 reichern sich in den Gewässern der EU immer weiter an und
verursachen Gesundheitsschäden von schätzungsweise 52 bis 84 Mrd. EUR jährlich31. Dies
löst auch in der Öffentlichkeit große Besorgnis aus. Die Verschmutzung von Gewässern und
Meeren, auch durch Mikroplastik, muss im Einklang mit dem Null-Schadstoff-Aktionsplan an
der Quelle oder auf allen Wegen bekämpft werden32. Darüber hinaus muss die EU entschiedene
26 Gemeinsame Umsetzungsstrategie (CIS) gemäß der Wasserrahmenrichtlinie, Leitfaden Nr. 24 über die
Bewirtschaftung von Einzugsgebieten in einem sich verändernden Klima, abrufbar hier.
27 Bericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über die Umsetzung der
Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) und der Hochwasserrichtlinie (2007/60/EG) – Dritte
Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete – Zweite Hochwasserrisikomanagementpläne (COM(2025) 2
final).
28 Empfehlung 2023/C 220/01 des Rates über die Intensivierung der EU-Maßnahmen zur Bekämpfung
antimikrobieller Resistenzen (AMR); Maßnahmenpaket Arzneimittel; und Neufassung der Richtlinie über die
Behandlung von kommunalem Abwasser ((EU) 2024/3019).
29 Europäische Umweltagentur (2024) Reaktion auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche
Gesundheit in Europa: Schwerpunkt auf Hochwasser, Dürren und Wasserqualität. EUA-Bericht 3/2024.
30 Per- und Polyfluoralkylsubstanzen.
31 Nordischer Ministerrat, Daten von 2019.
32 Die in dieser Strategie dargelegten Maßnahmen zur Sanierung von PFAS ergänzen die Bemühungen der
Kommission, PFAS-Emissionen im Rahmen der REACH-Verordnung an der Quelle zu bekämpfen. In diesem
Zusammenhang ist anzumerken, dass die Kommission bis Ende 2025 eine Beschränkung für alle PFAS in
Feuerlöschschäumen, einer der Hauptemissionsquellen, verabschieden will.
7
Anstrengungen unternehmen, um Standorte zu sanieren, die bereits stark durch diese und
andere ubiquitäre persistente bioakkumulierbare und toxische Stoffe verschmutzt sind,
insbesondere dort, wo diese Stoffe für die Gesellschaft und für industrielle Anwendungen noch
unverzichtbar sind. Die Sanierung sollte nach dem Verursacherprinzip erfolgen, wobei
öffentliche Gelder für die Sanierung von verwaisten Standorten bereitgestellt werden, für die
keine verantwortliche Stelle gefunden werden konnte. Sanierungsmaßnahmen sind zwar sehr
kostspielig,33 doch können diese Kosten durch neue, auch biobasierte Technologien, die im
Rahmen der Bioökonomie-Strategie gefördert werden, durch Forschung und Innovation
erheblich gesenkt werden. Wenn sich Partner finden, die bereit sind, an der Seite der EU zu
investieren, wird die Kommission darüber hinaus einen Vorschlag für eine öffentlich-private
Initiative vorlegen, um einen technologischen Durchbruch bei praktikablen und
erschwinglichen Methoden für den Nachweis und die Beseitigung von PFAS und anderen
persistenten Chemikalien zu erzielen.
Die Begrenzung der Verschmutzung der aquatischen Ökosysteme durch Nährstoffe sollte
im Mittelpunkt der Wiederherstellung der Wasserqualität stehen. Nährstoffe aus der
Landwirtschaft, städtischen Siedlungen und anderen Quellen beeinträchtigen die menschliche
Gesundheit und verursachen Algenblüten und Sauerstoffmangel, die für aquatische
Ökosysteme tödlich sind. Dies ist nach wie vor eine große Herausforderung und verursacht
sozioökonomische Verluste, die allein für Stickstoff auf 75 bis 485 Mrd. EUR pro Jahr
geschätzt werden34. Diese Kosten erfordern ein beschleunigtes Vorgehen von der Quelle bis
zum Meer, einschließlich einer verbesserten Umsetzung der Nitratrichtlinie in allen
Mitgliedstaaten.
Die Kommission wird die Mitgliedstaaten bei der Bewertung der erforderlichen
maßgeschneiderten Verringerung der Nährstoffbelastung unterstützen, unter anderem
durch verbesserte Modellierung, interaktive Karten und den Austausch bewährter Verfahren.
Die Kommission wird weiterhin ein verbessertes und integriertes Nährstoffmanagement durch
verschiedene bestehende Foren unterstützen, zur Finanzierung von Dunglagereinrichtungen
beitragen und die Kreislaufführung von Nährstoffen fördern, die dazu beitragen kann, den
Einsatz synthetischer Düngemittel zu verringern. Zusammen mit dem in der Vision für
Landwirtschaft und Ernährung angekündigten Arbeitsablauf für die Nutztierhaltung werden
diese Maßnahmen die Entwicklung einer langfristigen Vision ergänzen, die der Vielfalt der
Nutztierhaltung in der EU Rechnung trägt und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeit gewährleistet.
Sie wird auch die Bemühungen zur Förderung der Extensivierung der Landwirtschaft in
Regionen mit hoher Viehbesatzdichte verstärken.
Leitinitiativen – Wiederherstellung und Schutz des
Wasserkreislaufs
Zeitplan
Festlegung von Prioritäten für die Umsetzung der Wasserrahmen- und
der Hochwasserrichtlinie mit Schwerpunkt auf Wasserqualität und -
2025-2026
33 Die wirtschaftlichen Kosten für die Beseitigung der PFAS-Kontamination in Europa werden auf 5 bis
100 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt, wobei der Wassersektor allein für die Trinkwasseraufbereitung mit einem
Anstieg von bis zu 18 Mrd. EUR pro Jahr rechnen muss, während die Kosten für die Abwasseraufbereitung
und die Klärschlammbehandlung noch höher geschätzt werden. Diese Kosten wurden von dem „Forever
Lobbying Project“ geschätzt; Weitere Informationen finden Sie unter https://foreverpollution.eu/lobbying/.
34 Van Grinsven et al., Costs and Benefits of Nitrogen for Europe and Implications for Mitigation, 2013. Die
Stickstoffemissionen und Schadenskosten umfassen Emissionen aus allen Sektoren in Oberflächen-, Grund-
und Meeresgewässer sowie in die Luft.
8
quantität, auch im Rahmen strukturierter Dialoge mit den
Mitgliedstaaten.
Überarbeitung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. 2027
Entwicklung von Indikatoren für Wasserknappheit und eines technischen
Leitfadens für Dürremanagementpläne.
2026-2027
Unterstützung bei der Bekämpfung der Hauptverschmutzungsquellen:
Öffentlich-private Initiative zur Erzielung eines technologischen
Durchbruchs bei praktikablen und erschwinglichen Methoden
zum Nachweis und zur Beseitigung von PFAS und anderen
persistenten Chemikalien, wenn die richtigen Partner gefunden
werden.
Einführung einer Hilfs-Toolbox für die Mitgliedstaaten zur
Unterstützung von Maßnahmen zur Verringerung der
Nährstoffbelastung, u. a. durch verbesserte Modellierung,
interaktive Karten und den Austausch bewährter Verfahren.
2026-2027
2.2 Aufbau einer Wirtschaft mit intelligenter Wassernutzung, die niemanden
zurücklässt, die Wettbewerbsfähigkeit der EU fördert und Investitionen anzieht
Wasser ist eine endliche Ressource, die effizient genutzt werden muss. Wir müssen die
Nachfrage in allen Wirtschaftszweigen senken, indem wir Wassereinsparungen, -effizienz und
-wiederverwendung fördern. Angesichts zunehmender Wasserknappheit und Dürren ist dies
von entscheidender Bedeutung, um die Wasserversorgung weiterhin zu sichern, den Bedarf der
verschiedenen Nutzer auf faire Weise zu decken und die aquatischen und terrestrischen
Ökosysteme zu unterstützen. Dies ist besonders wichtig in Regionen mit akuten Brennpunkten
der Übernutzung, in denen Wasserknappheit zu einem systematischen Problem und zu einem
erheblichen Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung wird, einschließlich einiger
abgelegener und insularer Gemeinden, in denen Süßwasser nur begrenzt verfügbar ist. Mit dem
Voranschreiten des Klimawandels wird auch die Zahl der von Wasserknappheit betroffenen
Regionen erheblich zunehmen35. Die Effizienz muss sich insbesondere auf die intensivsten
derzeitigen und künftigen Wassernutzer konzentrieren, die auch das größte Interesse daran
haben, eine übermäßige Entnahme zu vermeiden, die zu einer Unterbrechung der Versorgung
führen könnte.
Wassereffizienz ist von entscheidender Bedeutung und muss an erster Stelle stehen. Diese
Strategie wird von einer Empfehlung zur Anwendung des Grundsatzes der Vorrangigkeit der
Wassereffizienz begleitet, die sich an den Erfahrungen mit dem Grundsatz der Vorrangigkeit
der Energieeffizienz orientiert36. Darin werden Leitprinzipien für die Entscheidungsfindung
und Investitionen festgelegt, die auf einer klaren und vorhersehbaren, aber dennoch flexiblen
Prioritätensetzung bei der Steuerung von Wasserbedarf und -angebot beruhen. In der gesamten
EU sollte die Priorität darin bestehen, die Nachfrage und die übermäßige Entnahme von Wasser
einzudämmen. Danach sollten Effizienz durch Planung und Wiederverwendung folgen,
während die Erhöhung des Angebots die letzte Option sein sollte.
35 Europäische Umweltagentur (EUA), Europäische Bewertung der Klimarisiken (European Climate Risk
Assessment, EUCRA), 2024. Ausführliche Informationen zur Wasserknappheit finden Sie insbesondere in
Kapitel 5 „Water security“.
36 https://energy.ec.europa.eu/topics/energy-efficiency/energy-efficiency-targets-directive-and-rules/
energyefficiency-first-principle_en.
9
Als Richtschnur für Maßnahmen zur Steigerung der Wassereffizienz in der gesamten
EU37 sollte die Europäische Union angesichts des Potenzials für Wassereinsparungen
bis 2030 eine Erhöhung der Wassereffizienz um mindestens 10 % anstreben. Die
Kommission wird mit den Mitgliedstaaten und den Interessengruppen zusammenarbeiten, um
im Hinblick auf die Wassereffizienzziele eine gemeinsame Methodik zu entwickeln, wobei
territoriale und andere Unterschiede zwischen den Ländern, Regionen und Sektoren
berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage beabsichtigt die Kommission, bei der
Überprüfung dieser Strategie im Jahr 2027 gemeinsame Benchmarks zu entwickeln. Einige
Mitgliedstaaten haben bereits spezifische Ziele zur Verbesserung der Wassereffizienz auf
nationaler oder regionaler Ebene oder in den Einzugsgebieten festgelegt38. Die Mitgliedstaaten
werden aufgefordert, auf der Grundlage ihrer nationalen Gegebenheiten eigene Ziele für die
Wassereffizienz festzulegen.
Eine Wirtschaft mit intelligenter Wassernutzung erfordert eine bessere Kontrolle der
Ressourcen. Auf der Grundlage der Daten für den Zeitraum 2010-202139 entfallen 81 % des
gesamten Wasserverbrauchs auf Nutzer, die das Wasser direkt an der Quelle über private
Systeme entnehmen, und vielen Mitgliedstaaten mangelt es an genauen Daten zu ihrer
Süßwasserverfügbarkeit. Im Einklang mit der Wasserrahmenrichtlinie müssen die Behörden
aktuelle Bewertungen der Verfügbarkeit und Entnahme von Wasser durch die Wassernutzer
durchführen und ihre Anstrengungen zur Erfassung und Kontrolle aller Entnahmen, Verluste
und Rückflüsse verstärken. Die Einführung intelligenter Wasserzähler in allen
Wirtschaftszweigen wird zu einer strengen Überwachung der Wasserströme beitragen und
Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen helfen, ihren Wasserverbrauch effizienter zu
gestalten. Die Kommission wird den Austausch bewährter Verfahren zu Wasserbilanzen und
intelligenten Wasserzählern in allen Wirtschaftszweigen fördern. Sie wird auch auf die
Einleitung einer EU-Initiative „Wasserinfrastruktur und intelligente Verbrauchsmessung für
alle“ hinarbeiten (siehe Abschnitt 3.3). Darüber hinaus wird sie bis Ende 2026 die Qualität der
verfügbaren Wasserdaten bewerten und gegebenenfalls die einschlägigen Rechtsvorschriften
überarbeiten, um neue umweltökonomische Rechnungsmodule für Wasserkonten
einzuführen40.
Besonderes Augenmerk muss darauf gelegt werden, den Wasserbedarf, der mit dem
sauberen industriellen und digitalen Wandel einhergeht, zu bewerten und, soweit
möglich, zu begrenzen und ihn durch eine intelligente Wasserplanung zu unterstützen.
Schlüsselsektoren für die strategische Autonomie der EU wie die Batterieproduktion,
Halbleiter, Wasserstoff, Mikrochips und Rechenzentren verbrauchen große Mengen von oft
hochreinem Wasser41. Gleichzeitig wird das Vorantreiben der sauberen Energiewende und der
Dekarbonisierung unseres EU-Energiesystems dazu beitragen, die Wasserwirtschaft zu
verbessern42. In diesem Zusammenhang müssen Wasser- und Energieeinsparungen, die in der
Regel Hand in Hand gehen, maximiert werden, und die Wasserresilienz muss bei der
Raumplanung besonders berücksichtigt werden. Um insbesondere Wassereinsparungen in
Rechenzentren zu fördern, wird die Kommission deren Energieeffizienz und allgemeine
Nachhaltigkeit bewerten und Mindestleistungsstandards, auch für den Wasserverbrauch,
37 Water savings for a water resilient Europe, Europäische Umweltagentur 2025, erscheint in Kürze.
38 Frankreich zum Beispiel hat sich zum Ziel gesetzt, die Wasserentnahme bis 2030 um 10 % zu senken.
39 Water Europe (2024) Sozioökonomische Studie über den Wert von EU-Investitionen im Wasserbereich.
40 Verordnung (EU) 2024/3024 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2024 zur
Änderung der Verordnung (EU) Nr. 691/2011 in Bezug auf die Einführung neuer Module für die
umweltökonomischen Gesamtrechnungen.
41 Water Europe (2024) Sozioökonomische Studie über den Wert von EU-Investitionen im Wasserbereich.
42 IEA Clean energy can help to mitigate the water crisis, 22. März 2023.
10
vorschlagen43. Um die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, die besten Gebiete für die
Ansiedlung von Unternehmen mit hohem Wasserverbrauch zu ermitteln und die notwendigen
Investitionen in die Wasserversorgung anzuziehen, wird die Kommission die bestehenden
Visualisierungsinstrumente verbessern, die Umweltdaten und Daten zu den Wasser- und
Energienetzen zusammenfassen.
Die sichere Wiederverwendung von Wasser in der Landwirtschaft, bei der
Energieerzeugung und in industriellen Prozessen muss im Mittelpunkt der integrierten
Wasserwirtschaft stehen. Derzeit werden in der EU nur 2,4 % des Abwassers
wiederverwendet, wobei zwischen den Mitgliedstaaten große Unterschiede bestehen, die von
null bis 80 % reichen44. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten durch Leitlinien für die
sichere Wiederverwendung von Wasser sowie durch den Aufbau von Kapazitäten im
Zusammenhang mit der Umsetzung bestehender Rechtsvorschriften unterstützen45. Bis
Juni 2028 wird die Kommission die Wasserwiederverwendungsverordnung bewerten und
anschließend in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Bewertung eine Ausweitung des
Geltungsbereichs in Erwägung ziehen.
Bei der öffentlichen Wasserversorgung, auf die 13 % des Wasserverbrauchs in der EU
entfallen, muss der Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Leckagen und
unbeabsichtigten Verlusten liegen, unterstützt durch digitale Werkzeuge. Da die
derzeitigen nationalen Leckraten zwischen 8 % und 57 % liegen, besteht ein erhebliches
Verbesserungspotenzial, insbesondere durch intelligente Wasserzähler und Fernerkundung. Die
Trinkwasserrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, Leckagen in den
Wasserversorgungsnetzen zu verringern. Mitgliedstaaten, deren Leckagen in der
Wasserversorgung den EU-weiten Schwellenwert überschreiten, der bis 2028 festgelegt
werden soll, müssen bis 2030 nationale Aktionspläne zur Reduzierung der Leckagen in ihren
Versorgungsnetzen vorlegen.
Nachhaltige Lebensmittelsysteme sind ein wichtiger Verbündeter für die Wasserresilienz
und die Gemeinsame Agrarpolitik spielt dabei eine entscheidende Rolle. Eine nachhaltige
Land- und Forstwirtschaft trägt erheblich zur Verbesserung der Wasser- und Klimaresilienz bei
und mildert Dürren und Hochwasser (Abschnitt 2.1). Andererseits haben die Produktion, die
Verarbeitung, der Einzelhandel, die Verpackung und der Transport von Lebensmitteln
tiefgreifende Auswirkungen auf die Wasserqualität und -menge. 51 % des gesamten
Wasserverbrauchs in der EU entfallen auf die Landwirtschaft, wobei es erhebliche
Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa gibt46. In der Vision für Landwirtschaft und
Ernährung wird die Bedeutung der Wasserqualität und -verfügbarkeit für die
Ernährungssicherheit hervorgehoben. Außerdem sollten die nachhaltige Fischerei und die
marine Aquakultur weiter gefördert werden, da sie ohne den Einsatz von Frischwasser
auskommen.
43 Bericht der Kommission an den Rat und das Parlament gemäß Artikel 12 der Richtlinie 2023/1791 über
Energieeffizienz und zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/955 (Neufassung).
44 Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen: Folgenabschätzung zu dem Dokument Vorschlag für eine
Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Mindestanforderungen für die
Wasserwiederverwendung, SWD(2018) 249 final.
45 Die Verordnung über die Wiederverwendung von Wasser, die überarbeitete Richtlinie über
Industrieemissionen und die überarbeitete Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser.
46 Europäische Umweltagentur (2024), Europe's State of Water 2024. EUA-Bericht 7/2024, Amt für
Veröffentlichungen der Europäischen Union. https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/europes-
state-of-water-2024.
11
Mit der GAP und den nationalen Strategieplänen werden landwirtschaftliche Praktiken
und Investitionen unterstützt, mit denen die Wassereffizienz, die Kreislaufwirtschaft und
die Wasserrückhaltung verbessert und gleichzeitig die Verschmutzung durch Nährstoffe
und Pestizide eingedämmt werden sollen. Dazu gehört auch die Unterstützung des
ökologischen Landbaus mit seinen vielfältigen Vorteilen für die Bodengesundheit und die
Begrenzung des Einsatzes von Kunstdünger, Herbiziden und Pestiziden. Es muss unbedingt
sichergestellt werden, dass die Mitgliedstaaten diese Möglichkeiten optimal nutzen und
wasserschonende Anbaumethoden wie Präzisionslandwirtschaft, Tröpfchenbewässerung,
Wasserwiederverwendung, verbesserte Bodenbewirtschaftung und Pestizideinsatz,
Landschaftsgestaltung und klimaresistentere Kulturen fördern. Im nächsten
Programmplanungszeitraum wird die Kommission weiterhin Anreize für Landwirte schaffen,
die Umwelt- und Klimaleistung ihrer Betriebe zu verbessern, auch im Hinblick auf eine bessere
Wasserbewirtschaftung.
Eine wassersparende Energieerzeugung kann einen wichtigen Beitrag zur
Wasserresilienz leisten. 17 % des gesamten Wasserverbrauchs in der EU werden als
Ausgangsstoff oder Kühlmittel verwendet47. Wenn sich die richtigen Partner finden, die bereit
sind, an der Seite der EU zu investieren, wird die Kommission einen Vorschlag für eine
öffentlich-private Initiative vorlegen, um einen technologischen Durchbruch bei praktikablen
und erschwinglichen Methoden der Trockenkühlung zu erzielen.
Die Wasserresilienz sollte in alle Industriezweige integriert werden. Mit der überarbeiteten
Richtlinie über Industrieemissionen wird sichergestellt, dass die großen Industrieunternehmen
ihren Wasserbedarf schrittweise senken, die Wassereffizienz steigern und die
Wiederverwendung von Wasser in allen Produktionsprozessen verbessern. Wassereffizienz und
-wiederverwendung sollten in den wasserintensivsten Industriezweigen integriert werden,
insbesondere durch die verfügbaren Plattformen zur Unterstützung der Interessengruppen48. In
diesem Zusammenhang wird die Kommission ein Pilotprojekt zur Förderung der
Wassereffizienz in ausgewählten Industrieclustern starten.
Die Erhöhung des Angebots durch die Nutzung von Meerwasser als Ersatz für Süßwasser
kann ein Teil der Lösung sein, insbesondere in Regionen, die stark von Wasserknappheit
betroffen sind, sofern dies nachhaltig geschieht. Im Rahmen eines integrierten
Bewirtschaftungskonzepts, bei dem die Drosselung der Nachfrage Vorrang vor der Erhöhung
des Angebots auf der Grundlage der örtlichen Gegebenheiten hat, kann die
Meerwasserentsalzung eine stabile Wasserversorgung über den hydrologischen Kreislauf
hinaus gewährleisten. Der Prozess ist jedoch nach wie vor kostspielig, sehr energieintensiv und
mit erheblichen Umweltauswirkungen verbunden. Die Kommission wird daher Innovationen
in diesem Bereich unterstützen, um den Energieverbrauch zu begrenzen und die
Treibhausgasemissionen zu senken, vor allem durch die Förderung der Nutzung erneuerbarer
Energien. Innovative Lösungen sollten auch die Umweltauswirkungen der Soleentsorgung
abmildern und das Recycling und die Wiederverwendung von Energie und Mineralien aus der
Sole in der Industrie fördern.
47 Europäische Umweltagentur (2024) Europe's State of Water 2024.
https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/europes-state-of-water-2024
48 Ein Beispiel dafür ist die derzeitige Plattform zur Unterstützung der Interessengruppen für die
Übergangspfade.
12
Leitinitiativen – Aufbau einer Wirtschaft mit intelligenter
Wassernutzung, die niemanden zurücklässt, die Wettbewerbsfähigkeit
der EU fördert und Investitionen anzieht
Zeitplan
Empfehlung für den Grundsatz „Wassereffizienz an erster Stelle“,
Leitprinzipien und Bericht der EUA über das ungenutzte
Wassereffizienzpotenzial.
2025-2026
Unterstützung der Einführung von Praktiken zur Wasserwiederverwendung
auch außerhalb der Landwirtschaft und Überprüfung der Verordnung über
die Wasserwiederverwendung.
2026-2028
Öffentliche Wasserversorgung:
Unterstützung bei der Verringerung von Leckagen, der
Modernisierung der Infrastruktur und der Auswertung von Daten.
2025-2028
Landwirtschaft:
Maximierung der Nutzung von GAP-Strategieplänen für die
Wasserresilienz durch Wissensaustausch und innovative Lösungen,
die durch das GAP-Netzwerk der EU, die Europäische
Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI) sowie durch verbesserte und
unabhängige landwirtschaftliche Beratungsdienste gefördert werden.
Im nächsten Programmplanungszeitraum sollen die Landwirte
weiterhin Anreize erhalten, die Umwelt- und Klimaleistung ihrer
Betriebe zu verbessern, auch im Hinblick auf eine bessere
Wasserbewirtschaftung.
2025-2026
Industrie und Energie:
Start eines Pilotprojekts zur Förderung der Wassereffizienz,
einschließlich wasserloser und geschlossener
Wasserkreislauftechnologien, in ausgewählten Industrieclustern.
Aufnahme des Wasserverbrauchs in die Parameter eines
gemeinsamen EU-Systems zur Bewertung der Nachhaltigkeit von
Rechenzentren und Vorschlag von Mindeststandards für den
Wasserverbrauch.
Öffentlich-private Initiative, die einen technologischen Durchbruch
für praktikable und erschwingliche Methoden der Trockenkühlung
ermöglicht, wenn die richtigen Partner gefunden werden.
2025-2027
2.3 Sicherstellung von sauberem und erschwinglichem Wasser für alle, Stärkung der
Verbraucher und anderer Nutzer
Der Zugang zu sicherem und sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen ist ein
Menschenrecht. Drei Jahrzehnte der Entwicklung und Umsetzung des EU-Wasserrechts,
einschließlich der Trinkwasserrichtlinie und der Richtlinie über die Behandlung von
kommunalem Abwasser, haben zusammen mit erheblichen EU-Investitionen den Zugang zu
sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in der gesamten EU im Einklang mit der
Europäischen Säule sozialer Rechte49 sichergestellt. Dennoch leben immer noch 1,5 % der EU-
Bevölkerung ohne grundlegende sanitäre Einrichtungen und etwa 4 % haben keinen
angemessenen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Maßnahmen in diesem Bereich müssen
integrative und gerechte Anstrengungen gewährleisten, die den Bedürfnissen von Frauen und
49 https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/economy-works-people/jobs-gro
wthand-investment/european-pillar-social-rights/european-pillar-social-rights-20-principles_en
13
schutzbedürftigen Gruppen, wie Menschen mit Behinderungen und Minderheiten, sowie den
am wenigsten wohlhabenden Regionen der EU Rechnung tragen, um den sozialen,
wirtschaftlichen und territorialen Zusammenhalt zu fördern, einschließlich der Regionen in
äußerster Randlage. Für Letztere sind die besonderen klimatischen Herausforderungen, denen
sie ausgesetzt sind, in Verbindung mit einer unzureichenden Wasserinfrastruktur, die sich
unmittelbar auf den Zugang zu Trinkwasser auswirkt, von besonderer Bedeutung. Die
Unterstützung von Wasserfiltersystemen in Gebieten mit hartem oder sehr hartem Wasser ist
ein weiterer wichtiger Aspekt.
Die Verbraucher spielen eine wesentliche Rolle bei der Verbesserung der Wasserresilienz.
Neben dem bereits etablierten EU-Umweltzeichen wird die Ökodesign-Verordnung für
nachhaltige Produkte50 den Verbrauchern helfen, den Wasserverbrauch zu senken, indem sie
sich für weniger umweltschädliche und wassersparende Produkte entscheiden. Dadurch dürfte
sich die Nachfrage auf Produkte verlagern, die auf einer intelligenten Wassernutzung basieren,
und gleichzeitig sollte dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der EU in Bezug auf saubere und
kreislauforientierte Produkte gestärkt werden. Neue private Initiativen, wie das Unified Water
Label zur Bewertung der Wassereffizienz von Produkten sind in der Entstehung.
Beim Wasserverbrauch im Wohnungsbau und in der Stadtplanung sollten Energie- und
Wassersparen immer Hand in Hand gehen. Die neue Richtlinie über die
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden51, zu deren Zielen die Förderung der Energieeffizienz,
einschließlich der Warmwassereffizienz, gehört, und das Neue Europäische Bauhaus bieten
bedeutende Möglichkeiten, die Bemühungen um die Wasserresilienz in der gesamten bebauten
Umwelt zu verstärken und gleichzeitig die Einbeziehung der Nutzer und der Bürgerinnen und
Bürger sowie den Austausch bewährter Verfahren für wasserresiliente Planung und Konzepte
zu verbessern. Dies wird sich im bevorstehenden Arbeitsprogramm 2026-2027 der Neuen
Europäischen Bauhaus-Fazilität und im bevorstehenden Plan für erschwinglichen Wohnraum
widerspiegeln, in dem auch die Nachhaltigkeit von Wohnraum, einschließlich der
Wasserresilienz, berücksichtigt wird.
Die Sensibilisierung und Einbeziehung der Öffentlichkeit in die Wasserbewirtschaftung
muss stärker betont werden. Eine stärkere Sensibilisierung kann durch digitale Hilfsmittel
unterstützt werden und ist der Schlüssel, um die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zum
Wassersparen zu erhöhen, aber auch um ihre Gefährdung durch Hochwasser oder Dürren zu
verringern (siehe Abschnitt 3). Die vollständige Umsetzung der Anforderungen an die
Inkenntnissetzung der Öffentlichkeit und die Transparenz wird dazu beitragen, das
Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu schärfen und ihre Bereitschaft zu erhöhen, sich im
Rahmen einer inklusiven Wasserpolitik zu engagieren. Die Kommission wird den Austausch
bewährter Praktiken fördern, um die Gesellschaft zu sensibilisieren und sie in die Lage zu
versetzen, sich wirksamer an der Wasserbewirtschaftung und den Plänen für die
Bewirtschaftung von Einzugsgebieten und Hochwasserrisiken zu beteiligen.
50 Der kürzlich verabschiedete Arbeitsplan 2025-2030 für Ökodesign für nachhaltige Produkte und
Energiekennzeichnung umfasst Textilien/Bekleidung, Eisen und Stahl und Aluminium als Produkte, für die
neue Anforderungen entwickelt werden, sowie eine Reihe von wasserrelevanten energieverbrauchsrelevanten
Produkten wie Geschirrspüler und Waschmaschinen, für die Ökodesign-Anforderungen und/oder
Energieetiketten verfügbar sein werden.
51 Mit der Energieeffizienzrichtlinie werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die regionalen
und lokalen Behörden zumindest in Gemeinden mit mehr als 45 000 Einwohnern lokale Wärme- und
Kältepläne erstellen.
14
Eine Wasserpreispolitik, die sich an der tatsächlichen Nutzung, den
Umweltauswirkungen und der Zahlungsfähigkeit orientiert, ist unerlässlich, um den
Zugang zu Wasser zu gewährleisten und gleichzeitig die richtigen Anreize für
Verbraucher und andere Nutzer zu schaffen. Die Wasserrahmenrichtlinie schafft Anreize
für eine solide nationale Wasserpreispolitik, die auf einer fairen Kostendeckung und dem
Verursacherprinzip beruht. Die überarbeiteten Richtlinien für Trinkwasser und kommunales
Abwasser gewährleisten regelmäßige und umfassende Informationen über den
Wasserverbrauch und die Wasserpreise sowie Ratschläge zur Senkung des Wasserverbrauchs.
Der Austausch bewährter Praktiken wird den Mitgliedstaaten helfen, diese Instrumente
möglichst effizient einzusetzen.
Leitinitiativen – Sicherstellung von sauberem und erschwinglichem
Wasser für alle, Stärkung der Verbraucher und anderer Nutzer
Zeitplan
Berücksichtigung des Wasserfußabdrucks von Produkten bei der Festlegung
oder Aktualisierung von Anforderungen im Rahmen der Ökodesign-
Verordnung für nachhaltige Produkte und des EU-Umweltzeichens.
2025-2027
Förderung bewährter Verfahren zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und
zur Rolle der Wasserpreisgestaltung bei der Förderung der Wassereffizienz,
der Kostendeckung und des Verursacherprinzips sowie der damit
verbundenen nationalen Wasserpolitik.
2026-2027
Verstärkung der Bemühungen um Wasserresilienz in der gesamten bebauten
Umwelt im Rahmen des bevorstehenden Arbeitsprogramms 2026-2027 der
Neuen Europäischen Bauhaus-Fazilität und im bevorstehenden Plan für
erschwinglichen Wohnraum.
3. FÜNF BEREICHE, DIE DEN WEG FÜR EIN WASSERRESILIENTES EUROPA EBNEN
Um die in der Strategie dargelegten Ziele zu erreichen, brauchen wir einen
gesamtgesellschaftlichen Ansatz mit einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen
und Bürgern, Unternehmen, der Zivilgesellschaft und Naturschutzverbänden sowie
engagierten Verwaltungen, die über politische Silos und Ebenen hinweg arbeiten und alle
Interessengruppen einbeziehen. Die EU wird dies mit Maßnahmen in fünf Bereichen
unterstützen.
3.1 Governance und Umsetzung zur Förderung des Wandels
Um wasserresilient zu werden, muss der umfassende EU-Besitzstand im Bereich Wasser
besser umgesetzt werden und es müssen stärkere Synergien mit Maßnahmen in Bereichen
wie Landwirtschaft, Industrie, Energie, Verkehr und Verbraucherschutz geschaffen werden. Die
Regulierungsbehörden ergreifen bereits seit Jahrzehnten sowohl in der Umwelt- als auch in der
Gesundheitspolitik der EU Maßnahmen zum Schutz des Wassers. Durch den Europäischen
Grünen Deal wurden mehrere wichtige Rechtsvorschriften überarbeitet und modernisiert, was
zu großen Fortschritten geführt hat. Wie in einem kürzlich erschienenen Bericht der
Kommission aufgezeigt wird52, haben jedoch Lücken bei der Umsetzung und Finanzierung die
Erreichung der Ziele der Wassergesetzgebung bisher erheblich behindert. So haben
52 Bericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über die Umsetzung der
Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) und der Hochwasserrichtlinie (2007/60/EG) – Dritte
Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete – Zweite Hochwasserrisikomanagementpläne (COM(2025) 2
final).
15
beispielsweise mehrere Mitgliedstaaten bei der Ausarbeitung ihrer dritten
Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete und ihrer zweiten
Hochwasserrisikomanagementpläne die Empfehlungen der Kommission aus dem Jahr 2019
nicht ordnungsgemäß befolgt und noch keine angemessenen Register, Kontrollen und
gegebenenfalls Sanktionen zur Vermeidung übermäßiger Entnahmen eingeführt.
Aufbauend auf den Ergebnissen ihrer jüngsten Bewertung der nationalen Pläne und auf
ihren EU-weiten und länderspezifischen Empfehlungen wird die Kommission die
Durchsetzung der Vorschriften verstärken. Sie wird strukturierte Dialoge mit den
Mitgliedstaaten einleiten, um gemeinsam auf eine verstärkte Umsetzung des umfassenderen
EU-Besitzstands im Bereich Wasser hinzuarbeiten. Das Instrument für technische
Unterstützung kann den Mitgliedstaaten bei der Bewältigung wasserbezogener
Herausforderungen helfen, einschließlich derer, die im Rahmen des Europäischen Semesters
ermittelt wurden.
Die Vereinfachung der EU-Wasservorschriften kann einen wichtigen Beitrag zu deren
Umsetzung leisten. Die Kommission bewertet regelmäßig wichtige Rechtsvorschriften wie
die Nitratrichtlinie, die derzeit geprüft wird. Darüber hinaus will die Kommission auf der
Grundlage einer laufenden Studie die elektronische Berichterstattung im Rahmen der
Wasserrahmenrichtlinie vereinfachen und effizienter gestalten. Die Überarbeitung der
Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wird ebenfalls zu einer erheblichen Vereinfachung führen.
Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Systems der erweiterten Herstellerverantwortung
gemäß Artikel 9 der Richtlinie (EU) 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem
Abwasser wird die Kommission eine aktualisierte Studie zu den Kosten und den möglichen
Auswirkungen auf die betroffenen Wirtschaftszweige durchführen. Darüber hinaus wird die
Kommission die Mitgliedstaaten weiterhin bei der pragmatischen Gestaltung der nationalen
Systeme unterstützen, um unerwartete oder unbeabsichtigte Folgen, insbesondere für die
Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Arzneimitteln, zu vermeiden53.
Eine auf intelligenter Wassernutzung basierende Raumplanung muss eine nachhaltige
Umsetzung des grünen und digitalen Wandels begleiten. Die Kommission wird die
bestehenden Visualisierungsinstrumente verbessern, indem sie Umweltdaten mit Daten über
die Wasser- und Energienetze zusammenführt. Ziel ist es, die Mitgliedstaaten bei ihren
Raumplanungsentscheidungen zu unterstützen, indem sie die besten Gebiete für die
Ansiedlung wasserintensiver Unternehmen ermitteln und gleichzeitig Anleger für die
Wiederherstellung der Natur und die Modernisierung der Wasserversorgungsnetze zur
Unterstützung dieser Unternehmen gewinnen.
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss weiter verbessert werden. In Europa gibt
es 75 grenzüberschreitende Einzugsgebiete. Wenngleich die Mitgliedstaaten im
Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie ausdrücklich aufgefordert werden, eine
koordinierte Umsetzung für internationale Einzugsgebiete zu gewährleisten, gibt es Spielraum
für eine harmonisiertere Bewertung des Zustands der Wasserkörper, eine bessere Abstimmung
zwischen den Maßnahmen der flussaufwärts und flussabwärts gelegenen Länder, auch mit den
Partnerländern außerhalb der EU, und eine stärkere Konzentration auf die Bewirtschaftung der
Wassermenge. Die Kommission wird Peer-to-Peer-Initiativen zur Förderung der
Zusammenarbeit zwischen Organisationen, Regionen und Städten in Fluss- und
Meereseinzugsgebieten durch EU-Programme und -Initiativen wie Horizont Europa, die
53 Wie auch in der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 7. Mai 2025 zu der Europäischen
Wasserresilienzstrategie (2024/2104(INI)) gefordert.
16
thematische Partnerschaft „Wasserbewusste Stadt“ der EU-Städteagenda und die
praxisorientierte Gemeinschaft „Cohesion for Transitions“ unterstützen54. Dadurch wird die
wichtige Beteiligung der regionalen und lokalen Ebene sichergestellt, wie die Initiativen im
Rahmen der Interreg-Programme zeigen.
Leitinitiativen – Governance und Umsetzung zur Förderung des
Wandels
Zeitplan
Intensivierung der Durchsetzung und Einleitung strukturierter Dialoge
mit allen Mitgliedstaaten, um die Umsetzung des EU-Besitzstands im
Bereich Wasser zu beschleunigen und zu intensivieren, und zwar auf der
Grundlage der wichtigsten Durchsetzungsprioritäten, die sich aus der
jüngsten Bewertung der Bewirtschaftungspläne für Einzugsgebiete und
Hochwasserrisikomanagementpläne ergeben.
2025-2026
Im Rahmen der praxisorientierten Gemeinschaft „Cohesion for
Transitions“ Organisation eines regelmäßigen Austauschs mit Regionen,
Städten und Wasserbehörden zur Förderung des Austauschs bewährter
Verfahren für „Schwammlandschaften“ sowie der
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich Wasser, die im
Rahmen von Interreg identifiziert wurde.
2025-2027
Einführung eines Anzeigers, der Umweltdaten mit Daten über die
Wasser- und Energienetze verknüpft, um die Mitgliedstaaten bei ihren
Raumplanungsbemühungen zu unterstützen und die besten Gebiete für
die Ansiedlung wasserintensiver Unternehmen zu ermitteln, die für beide
Seiten von Vorteil sind.
3.2 Finanzierung, Investitionen und Infrastruktur für eine stabile Versorgung
Ohne erhebliche zusätzliche öffentliche und private Investitionen in allen Phasen der
Wasserbewirtschaftung werden die Fortschritte bei der Wasserresilienz zu langsam sein
oder keine nennenswerte Wirkung zeigen. Die derzeitigen jährlichen Kapitalinvestitionen
für Wassermaßnahmen (von der EU, der EIB und den nationalen Haushalten) belaufen sich auf
rund 55 Mrd. EUR (in Preisen von 2022), was auf eine jährliche Investitionslücke von rund
23 Mrd. EUR (0,1 % des BIP der EU) zur Umsetzung der bestehenden Wasservorschriften
schließen lässt55. Dazu gehören Investitionen zur Umwandlung von Regen in grünes Wasser
(das in terrestrischen Ökosystemen gespeichert wird) durch naturbasierte Lösungen und von
Grauwasser (das in städtischen Siedlungen oder in Industrieprozessen entsteht) in blaues
Wasser (Flüsse und Meere), um es wieder für die Natur nutzbar zu machen. Die Investitionen
müssen alle Phasen der Wasserbewirtschaftung abdecken und in integrierter Weise geplant
werden, wobei künftige Klimaszenarien und die Bewertung der sich daraus ergebenden Risiken
zu berücksichtigen sind. Mit den Investitionen müssen auch neue Wassertechnologien
gefördert werden. Die Mitgliedstaaten können beispielsweise die im Rahmen der BlueInvest-
Plattform vorgesehenen Anreize in blauen Sektoren und für die Entwicklung kritischer
wasserbezogener Technologien nutzen, die den Anforderungen der Plattform für strategische
54 https://ec.europa.eu/regional_policy/policy/communities-and-networks/cohesion-4-transition_en
55 GD Umwelt, Environmental investment needs, financing and gaps in the EU-27 – Aktualisierung 2024
(interne Analyse). Es ist anzumerken, dass dieser Betrag größtenteils auf dem Bedarf an Wasserversorgung
und Abwasserentsorgung basiert, während die Kosten für andere Maßnahmen im Zusammenhang mit der
Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und der Hochwasserrichtlinie möglicherweise nicht vollständig
berücksichtigt wurden.
17
Technologien für Europa (STEP) entsprechen. Gleichzeitig müssen die Mitgliedstaaten
Subventionen vermeiden, die als Nebenwirkung die Umwelt schädigen oder zu einer
ineffizienten Wassernutzung führen können.
In der jüngsten Halbzeitbewertung der Kohäsionspolitik hat die Kommission ein
außergewöhnliches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, um die Mitgliedstaaten und
Regionen zu Investitionen in die Wasserresilienz anzuregen. Dieses Paket umfasst bis zu
100 % der EU-Finanzierung und 30 % der Vorfinanzierung für Investitionen in die
Wasserresilienz, die im Rahmen der spezifischen Priorität für dieses neue Einzelziel
programmiert wurden, sowie verschiedene Flexibilitäten.
Einige Mitgliedstaaten haben aufgrund mangelnder Verwaltungskapazitäten und
rechtlicher oder organisatorischer Hindernisse Schwierigkeiten bei der Verwendung der
verfügbaren EU-Mittel. Die Kapazitäten für Investitionen in die Wasserresilienz müssen
verbessert werden, insbesondere in weniger entwickelten Regionen. Zusammen mit Reformen
der Wasserbewirtschaftung auf der richtigen Ebene kann die technische Hilfe dazu beitragen,
dass die verfügbaren EU-Gelder so effektiv wie möglich eingesetzt werden.
Die verfügbaren EU-Mittel sollten rasch für Investitionen eingesetzt werden, die darauf
abzielen, Leckagen durch den Einsatz digitaler Instrumente, intelligenter Messgeräte und
Technologien zur Steigerung der Wassereffizienz zu verringern. Diese Investitionen
erfordern eine weniger komplexe Planung als große Wasserprojekte. Die Kommission wird
Leitlinien für die Mitgliedstaaten für „Plug-and-Play“-Projekte (Pilotprojekte) in diesen
Bereichen entwickeln, um die Verfahren zu vereinfachen und zu straffen.
Der nächste mehrjährige Finanzrahmen (MFR) bietet die Gelegenheit, die
Wasserresilienz durch Investitionen und Reformen weiter zu fördern. Im Rahmen der
nationalen und regionalen Partnerschaftsabkommen könnten die Mitgliedstaaten Bereiche wie
verbesserte Governance, Risikobewertung und Katastrophenvorsorge, erhöhte Wassereffizienz
und Wiederverwendung, vorrangige Nachfragesenkung und verstärkte Kontrollen angehen.
Darüber hinaus wird die Kommission die Mitgliedstaaten ermutigen, im Rahmen einer
Initiative für grüne und blaue Korridore zusammenzuarbeiten, um die Wiederherstellung
ökologischer Umgebungen und Infrastrukturen, einschließlich Flüssen, Feuchtgebieten und
Küsten, zu unterstützen.
Ferner arbeitet die Kommission verstärkt mit der Europäischen Investitionsbank-
Gruppe (EIB) zusammen, um öffentliche und private Investitionen im Wasserbereich sowohl
in der EU als auch weltweit zu steigern. Die EIB-Gruppe, die bereits heute der weltweit größte
Geldgeber im Wassersektor ist, hat ein Wasserprogramm entwickelt, um die Strategie der
Kommission für die Wasserresilienz mit über 15 Mrd. EUR an geplanten Finanzierungen im
Zeitraum 2025-2027 für Projekte zu unterstützen, die den Zugang zu Wasser, den Schutz vor
Verschmutzung, die Widerstandsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des Wassersektors in
der EU verbessern. Darüber hinaus werden die Kommission und die Europäische
Investitionsbank ihre Kräfte bündeln, um Engpässe bei der Umsetzung von
Wasserinvestitionen zu beseitigen. Dazu gehört auch der Vorschlag für eine neue
Beratungsfazilität für nachhaltige Wassernutzung, aus der die technische Unterstützung der
EIB beim Aufbau der Projektpipeline sowie eine bessere Quantifizierung des
Finanzierungsbedarfs und der Optionen zur Erleichterung von Wasserinvestitionen finanziert
werden sollen.
18
Private Investitionen müssen deutlich erhöht werden. Die Zusammenarbeit mit
Finanzinstituten kann durch gemischte Finanzierungskonzepte, innovative Modelle wie „Water
as a Service“ und strukturierte Ökosysteme für grüne und blaue Anleihen mehr private
Finanzmittel für die Wasserresilienz mobilisieren. Systeme zur Belohnung von
Ökosystemleistungen haben das Potenzial, auch die Schaffung der notwendigen Märkte zu
unterstützen. Die Kommission wird einen Fahrplan für Naturschutzgutschriften verabschieden,
um das Potenzial dieser Instrumente zu erschließen und Anreize für den Ausbau dieser Märkte
zu schaffen. Darüber hinaus zielen der vereinfachte EU-Rahmen für nachhaltige
Finanzierungen und die Einführung der Spar- und Investitionsunion darauf ab, die
Finanzierungsmöglichkeiten für EU-Unternehmen, auch im Wassersektor, zu verbessern.
Klimabedingte Störungen sind ein starkes Argument für den wirtschaftlichen Nutzen von
Wasserinvestitionen und innovative Ansätze können dazu beitragen, erhebliche private
Investitionen freizusetzen. Wasser wird zunehmend als finanziell wichtiger Faktor für
Unternehmen, Anleger und Regierungen erkannt. Es gibt jedoch beträchtliche Hindernisse für
private Investitionen in die Wasserversorgung, die oft eine enge Zusammenarbeit zwischen
verschiedenen Interessengruppen erfordern, nicht zuletzt um Trittbrettfahrerprobleme zu
überwinden. Die Kommission wird einen Investitionsbeschleuniger für Wasserresilienz
einrichten, um 20 innovative Pilotprojekte zur natürlichen Wasserrückhaltung und
Wassereffizienz umzusetzen. Dabei werden lokale Investoren im Wassersektor,
Lösungsanbieter und von wasserbezogenen Problemen Betroffene zusammengebracht, um
ähnliche Maßnahmen in der gesamten EU anzustoßen. Dies könnte auch auf den Netzen der
Living Labs aufbauen, die z. B. im Rahmen der Europäischen Partnerschaften und Missionen
eingerichtet wurden. Um die wachsende Herausforderung der Versicherung von
wirtschaftlichen Verlusten durch Naturkatastrophen, einschließlich wasserbedingter
Katastrophen, in der EU zu bewältigen, wird die Kommission mögliche Lösungen zur
Verringerung der Versicherungsschutzlücke untersuchen, indem sie die Vorschläge der
Europäischen Zentralbank und der Europäischen Aufsichtsbehörde für das
Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung aufgreift.56 Anreize für bessere
Informationen, Preisgestaltung und Kontrolle des Wasserverbrauchs (siehe Abschnitt 2.3)
werden ebenfalls dazu beitragen, die Attraktivität von Wasserinvestitionen zu erhöhen, auch in
Sektoren, die in hohem Maße von Wasser abhängig und zunehmend von dessen Verknappung
bedroht sind, wie Landwirtschaft, Aquakultur und Energie.
Leitinitiativen – Finanzierung, Investitionen und Infrastruktur für
eine stabile Versorgung
Zeitplan
Einführung des EIB-Wasserprogramms und der Beratungsfazilität für
nachhaltige Wasserwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Kommission, um
die Unterstützung potenzieller Darlehensnehmer zu verstärken und die
Projektpipeline zu vergrößern.
Unterstützung der Mitgliedstaaten und Regionen bei der Neuausrichtung der
kohäsionspolitischen Mittel für die Wasserresilienz im Rahmen der
Halbzeitüberprüfung.
Einrichtung eines Investitionsbeschleunigers für Wasserresilienz. 2026-2027
Einleitung einer Initiative für grüne und blaue Korridore zur Unterstützung
der Wiederherstellung ökologischer Umgebungen und Infrastrukturen,
einschließlich Flüssen, Feuchtgebieten und Küsten, um den Wasserkreislauf
56 EZB und EIOPA, Towards a European system for natural catastrophe risk management, Gemeinsames Papier,
Dezember 2024.
19
mit einem von der Quelle bis zum Meer reichenden Ansatz
wiederherzustellen.
Verabschiedung eines Fahrplans für Naturschutzgutschriften, um das
Potenzial dieser Instrumente zu nutzen und Anreize für die Ausweitung
dieser Märkte zu schaffen.
3.3 Digitalisierung und künstliche Intelligenz zur Beschleunigung und Vereinfachung
einer soliden Wasserbewirtschaftung
Die Digitalisierung hat ein erhebliches Potenzial, die Wasserwirtschaft zu revolutionieren
und eine nachhaltige Wassernutzung zu fördern. Sie wird zeitnahe Erkenntnisse für eine
bessere politische Entscheidungsfindung sowie eine bessere Gestaltung und einen besseren
Betrieb der Wasserinfrastruktur und -dienstleistungen liefern. Zahlreiche digitale Lösungen,
einschließlich künstlicher Intelligenz, sind auf dem Markt verfügbar57. Dennoch erfolgt die
Einführung noch zu langsam und uneinheitlich.
Um dieses weitgehend ungenutzte Potenzial freizusetzen, wird die Kommission,
aufbauend auf den bevorstehenden Mitteilungen zur Datenunion und zur angewandten
KI, einen Aktionsplan verabschieden, der auf die spezifischen Herausforderungen des
Wassersektors, wie analoge und veraltete Systeme und sehr große, in vielen verschiedenen
Speichern verstreute Datensätze, ausgerichtet ist. Dieser Aktionsplan wird zwei Hauptpfeiler
umfassen: i) Einsatz digitaler Lösungen durch Finanzierung und Wissensaustausch zum
Aufbau digitaler Kompetenzen und Förderung des Technologietransfers im Wassersektor; ii)
Unterstützung der gemeinsamen Nutzung von Wasserdaten durch Förderung der Entwicklung
nationaler Datenportale, um die Fragmentierung zu überwinden und die Daten in
Übereinstimmung mit den Anforderungen der Richtlinie über offene Daten leicht auffindbar,
kostenlos zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar zu machen58.
Eine zentrale Anlaufstelle für Erdbeobachtungsprodukte, die für die Wasserwirtschaft
relevant sind, wird die Wasserbewirtschaftung aus dem Weltraum für alle leicht
zugänglich machen. Während die Erdbeobachtung schon seit Jahrzehnten zur Vorhersage von
Dürren und Hochwasser eingesetzt wird, ist ihr täglicher Einsatz für die Wasserwirtschaft weit
weniger verbreitet. Copernicus und seine sechs spezialisierten Dienste bieten ein
umfangreiches Portfolio an wasserbezogenen Produkten, die vollständig kostenlos und offen
verfügbar sind. Diese Informationen sind jedoch verstreut. Die Kommission wird eine zentrale
Anlaufstelle für Erdbeobachtungsprodukte einrichten, die für die Wasserwirtschaft relevant
sind – ein Wasser-Hub –, um wasserbezogene Copernicus-Daten, -Produkte und -Werkzeuge
zusammenzuführen und den Zugang sowie die Nutzung dieser Daten zu erleichtern. Das
Wasser-Hub wird die Zusammenarbeit zwischen der Erdbeobachtung und der Wasserwirtschaft
in Partnerschaft mit dem Wissenszentrum für Erdbeobachtung der Gemeinsamen
Forschungsstelle fördern und sicherstellen, dass die Copernicus-Produkte den Bedürfnissen der
Anwender und der politischen Entscheidungsträger entsprechen.
57 Dazu gehören intelligente Zähler, die Echtzeitdaten über den Wasserverbrauch liefern, vorausschauende
Wartungs- und Leckageerkennungssysteme, digitale Zwillinge sowie Produkte, die auf Daten basieren, die
von In-situ-, Drohnen- oder Satellitensensoren erzeugt werden.
58 Richtlinie (EU) 2019/1024 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juni 2019 über offene Daten
und die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors.
20
Wasserwirtschaftsbehörden, Planungs- und Genehmigungsbehörden sowie der private
Sektor benötigen möglicherweise Unterstützung bei der Bewertung von Risiken aufgrund
des Klimawandels. Digitale Modelle, die von der Kommission entwickelt werden, wie der
„Digital Twin of the Ocean“ und „Destination Earth“, werden die Bewertung der langfristigen
Wasserbedingungen und -verfügbarkeit unter verschiedenen Szenarien des Klimawandels oder
menschlicher Aktivitäten unterstützen. Solche Kapazitäten können den nationalen und lokalen
Verwaltungen noch vor 2030 zur Verfügung stehen.
Leitinitiativen – Digitalisierung und künstliche Intelligenz zur
Beschleunigung und Vereinfachung einer soliden
Wasserbewirtschaftung
Zeitplan
Entwicklung und Umsetzung von „Destination Earth“ und „EU Digital Twin
of the Ocean“ für Wasserresilienz und Bereitstellung der Kompetenzen für
nationale und lokale Verwaltungen in der EU und darüber hinaus bis 2030.
2025-2030
Entwicklung eines EU-weiten Aktionsplans zur Digitalisierung im
Wassersektor, einschließlich einer EU-weiten Initiative zur intelligenten
Verbrauchsmessung für alle.
Einrichtung einer thematischen Copernicus-Drehscheibe zum Thema
Wasser.
3.4 Forschung und Innovation, Wasserwirtschaft und Kompetenzen zur Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit
Wasserinnovationen müssen auf der Grundlage der EU-Strategie für
Unternehmensgründung und -ausweitung (Start-up and Scale-up Strategy) hochskaliert
werden. Wasser ist ein wichtiger Bestandteil der EU-Rahmenprogramme für Forschung und
Innovation und es gibt bereits ein großes Portfolio an innovativen Ideen und Lösungen, die in
Europa entwickelt wurden. Die tatsächliche Einführung dieser Lösungen über das
Projektstadium hinaus verläuft jedoch noch schleppend. Um dieses Problem anzugehen, wird
die Kommission eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik einrichten, um das
Wissen aus von der EU und den Mitgliedstaaten finanzierten F&I-Maßnahmen zu verwerten.
Die Kommission wird eine Allianz für intelligente Wasserwirtschaft ins Leben rufen, um
ihre Konsolidierung durch die Förderung von Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die
Sicherstellung der erforderlichen Wasserfachkenntnisse zu unterstützen. Darüber hinaus wird
die Kommission im Einklang mit dem Deal für eine saubere Industrie untersuchen, wie das
öffentliche Beschaffungswesen die Berücksichtigung der Wasserresilienz bei einschlägigen
öffentlichen Ausschreibungen und einen vereinfachten Marktzugang für KMU fördern kann,
damit diese ihr Innovationspotenzial ausschöpfen können. Ergänzend zu diesen Initiativen wird
die Kommission auch eine Europäische Wasserakademie ins Leben rufen, um den
Kapazitätsbedarf im europäischen Wassersektor zu decken und öffentlich-private
Partnerschaften, Innovation und Technologietransfer zu fördern und so Qualifikationslücken
zu schließen.
Menschen aller Altersgruppen und aller Fachrichtungen müssen neue Fähigkeiten
entwickeln. Die Beschäftigung im Wassersektor hat in den letzten Jahren zugenommen; ein
Trend, der sich fortsetzen wird59. Sowohl die Behörden als auch der private Sektor sehen sich
59 Cedefop, 2023 Skills in transition: the way to 2035. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen.
http://data.europa.eu/doi/10.2801/438491
21
jedoch mit einer alternden Belegschaft und einem Qualifikationsdefizit konfrontiert,
insbesondere in technischen Bereichen wie Wasseraufbereitung und -bewirtschaftung sowie in
Bezug auf digitale Kompetenzen. Das Kompetenzpaket „Union der Kompetenzen“,
einschließlich des Europäischen Sozialfonds Plus, kann die Schulung von Behörden,
Wasserwirtschaftsfachleuten und Gemeinden fördern. Für Süßwasser und Ozeane müssen
Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik
(MINT) gefördert werden60. Um die Arbeitskräfte in der EU-Wasserwirtschaft mit den
richtigen Kompetenzen auszustatten, werden die Kommission, die EU-Wasserindustrie und die
Interessengruppen zusammenarbeiten, unter anderem an der möglichen Gründung einer groß
angelegten Kompetenzpartnerschaft. Darüber hinaus wird die Kommission die Berufsbildung
verbessern, indem sie ihre Unterstützung für die Platform of Vocational Excellence Water
(Plattform für berufliche Spitzenleistungen Wasser) aufstockt. Sie wird auch das bestehende
Netz der European Blue Schools (Europäische Blauen Schulen) nutzen, um das Wissen über
und das Bewusstsein für den Schutz von Süßwasser und Meeren im Rahmen eines von der
Quelle bis zum Meer reichenden Ansatzes zu schärfen.
Trotz einer soliden Wissensbasis gibt es nach wie vor Lücken im Verständnis der
europäischen Süß- und Meeresgewässer, der Verfügbarkeit von Wasserressourcen, des
Klimawandels und des Zusammenhangs zwischen Wasser, Energie, Nahrung und
Ökosystemen. Der wirksame Einsatz von EU-Forschungsmitteln kann dazu beitragen,
innovative Technologien auf den Markt zu bringen und KMU zu unterstützen. Aufbauend auf
der Spitzenforschung im Rahmen der EU-Missionen „Wiederherstellung unserer Ozeane und
Gewässer“ und „Anpassung an den Klimawandel“ wird die Kommission bis Ende 2026 eine
F&I-Strategie für Wasserresilienz verabschieden, um die Fragmentierung der F&I-Initiativen
der EU zu überwinden.
Um schließlich die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich Wasser zu stärken, indem
wir Innovationen fördern und die Qualifikations- und Wissenslücken schließen, müssen
wir mehr Synergien schaffen und Industrie, Bildung und Forschung mit einem von der
Quelle bis zum Meer reichenden Ansatz verbinden. Aus diesem Grund wird die
Kommission im Jahr 2026 eine Wissens- und Innovationsgemeinschaft (Knowledge and
Innovation Community, KIC) für die Sektoren Wasser, Meere, maritime Wirtschaft und
Ökosysteme im Rahmen des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT)
gründen.
Leitinitiativen – Forschung und Innovation, Wasserwirtschaft und
Kompetenzen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Zeitplan
Schnittstelle Wissenschaft/Politik zur Verbreitung der Ergebnisse von
EU-finanzierten F&I-Projekten, z. B. über eine zentrale Anlaufstelle.
F&I-Strategie für Wasserresilienz. 2026
Allianz für intelligente Wasserwirtschaft zur Förderung der
Wettbewerbsfähigkeit.
Europäische Wasserakademie. 2026-2027
Wissens- und Innovationsgemeinschaft (KIC) für die Sektoren Wasser,
Meere, maritime Wirtschaft und Ökosysteme im Rahmen des
Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT).
60 Ein Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern: Kompetenzen für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
(COM(2025)89).
22
3.5 Sicherheit und Krisenvorsorge zur Stärkung der kollektiven Resilienz
Klimabedingte Bedrohungen und Verluste der biologischen Vielfalt, böswillige Angriffe
im Zusammenhang mit der Unterbrechung kritischer Wasserinfrastrukturen und der
Wasserversorgung sowie die unfallbedingte Verschmutzung von Binnen- und
Meeresgewässern wurden von den Mitgliedstaaten als Hauptrisiken für die
Wasserwirtschaft ermittelt. In den letzten Jahren haben derartige Katastrophen sowohl in
Europa als auch in anderen Teilen der Welt zu einer steigenden Zahl von Hilfeersuchen im
Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens geführt. Die EU wird auch weiterhin ihre
Solidarität im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unter Beweis stellen, doch
um die verfügbaren Mittel effizient zu nutzen und den Bedarf an Katastrophenhilfe zu
verringern, muss diese Solidarität durch die Grundsätze der systematisch verankerten
Krisenvorsorge ergänzt werden. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die
RESTORE-Verordnung, mit der die Mitgliedstaaten bei der raschen Mobilisierung von Mitteln
unterstützt werden61, und die Halbzeitbewertung der Kohäsionspolitik.
Die Bürgerinnen und Bürger brauchen lokale Lösungen, die sie schützen und die es ihnen
ermöglichen, sich auf das vorzubereiten, was nicht verhindert werden kann, im Einklang
mit der Europäischen Strategie für eine Union der Krisenvorsorge62. Diese Maßnahmen
müssen städtebauliche Überlegungen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung einbeziehen
und gleichzeitig die Abschwächung des Klimawandels und die Anpassung an denselben
vorantreiben, das Dürre- und Hochwasserrisikomanagement verbessern, den Einsatz digitaler
Instrumente und Schnellwarnsysteme optimieren und die Verknüpfung bereits bestehender
Risikomanagementinstrumente auf europäischer Ebene (z. B. die Frühwarninstrumente des
Copernicus-Notfallmanagementdienstes63) sowie auf nationaler und lokaler Ebene stärken. Die
Bürgerinnen und Bürger und die Gemeinden müssen in die Lage versetzt werden, sich an den
Klimawandel anzupassen und sich vor den Risiken von Hochwasser und Dürren zu schützen.
Die Bereitstellung von Informationen über die spezifischen Risiken von Hochwasser und
Dürren für Gebäude und Grundstücke ist ein erster Schritt zur Stärkung der gesellschaftlichen
Resilienz.
In der EU gibt es viele Instrumente, um die Bevölkerung vor wasserbedingten
Katastrophen zu schützen oder deren Auswirkungen zu mildern, doch sind sie nicht
immer ausreichend bekannt und werden nicht immer genutzt. Es ist wichtig, die
Bürgerinnen und Bürger in die Lage zu versetzen, sich über die zunehmenden Risiken
klimabedingter Wasserkatastrophen zu informieren und mit ihnen umzugehen, wie dies in den
im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens entwickelten Zielen für
61 Verordnung (EU) 2024/3236 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Dezember 2024 zur
Änderung der Verordnungen (EU) 2021/1057 und (EU) 2021/1058 hinsichtlich der Regionalen Soforthilfe für
den Wiederaufbau (RESTORE).
62 JOIN(2025) 130 final. Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament, den Europäischen Rat, den Rat,
den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen über die Europäische
Strategie für eine Union der Krisenvorsorge.
63 Copernicus-Dienst für Katastrophen -und Krisenmanagement mit seinen Frühwarnsystemen für Waldbrände
(European Forest Fire Information System, EFFIS), Hochwasser (European and Global Flood Awareness
Systems, EFAS & GloFAS) und Dürren (European and Global Drought Observatory, EDO & GDO), Anzeiger
für Hochwasserrisikogebiete.
23
Katastrophenresilienz gefordert wird64. Die Kommission wird die Echtzeit-Frühwarn- und -
Überwachungssysteme der EU für Hochwasser und Dürren verbessern, indem sie die
Maßnahmen der Mitgliedstaaten unterstützt und die Europäische Dürrebeobachtungsstelle
sowie das Europäische Hochwasserwarnsystem des Copernicus-Dienstes für Katastrophen -
und Krisenmanagement stärkt.
Wenn wir unsere Schwächen kennen und angehen, werden wir widerstandsfähiger. Da
die Häufigkeit und die Schwere der Auswirkungen von Cyberangriffen auf
Wassereinrichtungen zunehmen, werden eine angemessene Sicherheitsplanung und ein
besseres Verständnis der Schwachstellen dazu beitragen, dass die EU und die
Wirtschaftsakteure feindliche Handlungen gegen die physische und elektronische Integrität,
einschließlich der Infrastruktur für die Trinkwasserversorgung und die Abwasseraufbereitung,
sowie die absichtliche Verunreinigung des Wassers abwehren können. Diese Planung wird stark
von der vollständigen Umsetzung der Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen
(CER-Richtlinie)65 und der Richtlinie über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames
Cybersicherheitsniveau in der Union (NIS2-Richtlinie) profitieren66. Die bevorstehende
Mitteilung der Kommission mit unverbindlichen Leitlinien zur Unterstützung der
Mitgliedstaaten bei der Ermittlung ihrer kritischen Einrichtungen und der Berichterstattung
über die Ergebnisse ihrer Risikobewertungen wird im Einklang mit dem Anwendungsbereich
der CER-Richtlinie auch für den Trinkwasser- und Abwassersektor gelten. Ein weiteres
wichtiges Element zur Stärkung der Resilienz der EU ist die Unterstützung von Behörden,
Unternehmen und der Öffentlichkeit bei der Vorbereitung auf künftige Klimarisiken, u. a.
durch den Einsatz gemeinsamer Klimareferenzszenarien und digitaler Instrumente für
Frühwarn- und Überwachungssysteme der EU in Echtzeit.
Leitinitiativen – Sicherheit und Krisenvorsorge zur Stärkung der
kollektiven Resilienz
Zeitplan
Verbesserung der Resilienz der On- und Offshore-Wasserinfrastrukturen
durch Umsetzung der Richtlinie über die Resilienz kritischer
Einrichtungen.
Verbesserung der Echtzeit-Frühwarn- und -Überwachungssysteme der EU
durch Stärkung der Europäischen Dürrebeobachtungsstelle und des
Europäischen Hochwasserwarnsystems des Copernicus-Dienstes für
Katastrophen -und Krisenmanagement.
ab 2025
Verabschiedung eines europäischen Plans zur Anpassung an den
Klimawandel.
64 Die ersten Ziele der Union für Katastrophenresilienz wurden gemäß Artikel 6 Absatz 5 des UCPM-
Beschlusses festgelegt und im Februar 2023 veröffentlicht. Empfehlung der Kommission zu den
Katastrophenresilienzzielen der Europäischen Union (ABl. C 56 vom 15.2.2023, S. 1). Mitteilung über die
Katastrophenresilienzziele der Europäischen Union: sich gemeinsam für künftige Notfälle rüsten
(COM(2023) 61).
65 Bis 2026 werden die Mitgliedstaaten eine Strategie zur Stärkung der Resilienz kritischer Einrichtungen im
Trink- und Abwassersektor annehmen.
66 Richtlinie (EU) 2022/2555 über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Union
(NIS2-Richtlinie) (ABl. L 333 vom 27.12. 2022, S. 80).
24
4. GLOBAL HANDELN – MIT GUTEM BEISPIEL VORANGEHEN, ENGAGEMENT UND
INITIATIVEN
Bis zum Abschluss der Agenda 2030 bleiben noch fünf Jahre. Die Fortschritte bei der
Verwirklichung des Ziels Nr. 667 für nachhaltige Entwicklung gehen deutlich zu langsam
voran. Weltweit haben immer noch 2,2 Mrd. Menschen keinen Zugang zu sauberem
Trinkwasser, mehr als die Hälfte der Menschheit hat keinen Zugang zu sicheren sanitären
Einrichtungen und in vielen Wassereinzugsgebieten nimmt die Degradation zu, was die
Gesundheit der Ökosysteme und die Verfügbarkeit von Wasser bedroht und durch den
Klimawandel noch verschlimmert wird. Feuchtgebiete sind die effektivsten Wasserbewahrer
der Natur und verschwinden dennoch weltweit dreimal schneller als Wälder, was die Gefahr
von Wüstenbildung und Hochwasser erhöht. Schätzungen zufolge wird bis 2030 fast die Hälfte
der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit leiden68.
Um eine beschleunigte Wasserkrise zu vermeiden, sind rasche und transformative globale
Maßnahmen erforderlich, einschließlich einer Neudefinition der Art und Weise, wie wir
Wasser für das Gemeinwohl bewerten und verwalten. Durch ihre Maßnahmen im Rahmen
der Global-Gateway-Strategie wird die EU dazu beitragen, den globalen Wasserkreislauf zu
schützen und wiederherzustellen, eine Wirtschaft mit intelligenter Wassernutzung aufzubauen
und die Sicherheit der Wasserversorgung für alle zu gewährleisten, im Einklang mit den Zielen
dieser Strategie auf EU-Ebene und des Pakts für die Zukunft69. Die EU wird strategische
Partnerschaften und die Wasserdiplomatie ausbauen, um die integrierte Bewirtschaftung von
Wasserressourcen, den von der Quelle bis zum Meer reichenden Ansatz, den Einsatz
naturbasierter Lösungen, Investitionen in nachhaltige Wasser- und Sanitärversorgung für alle
und innovationsorientierte politische Reformen zu fördern. Im Rahmen des Aufbaus einer
intelligenten, kreislauforientierten und wettbewerbsfähigen Wasserwirtschaft wird die EU
globale Initiativen zur Förderung der Wassereffizienz und -wiederverwendung in allen
Wirtschaftszweigen unterstützen. Darüber hinaus wird die EU die Fertigstellung und Annahme
der Codex-Alimentarius-Leitlinien70 unterstützen, um die mikrobiologisch sichere
Verwendung und Wiederverwendung von Wasser in der Lebensmittelproduktion weltweit zu
gewährleisten.
Der Zusammenhang zwischen Wasser, Frieden und Sicherheit wird gestärkt, indem
humanitäre Organisationen, Entwicklungs- und Friedensakteure zusammengebracht werden,
die sich für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einsetzen, um die Sicherheit der
Wasserressourcen, des Wasserpersonals und der Infrastruktur in Konfliktgebieten zu
gewährleisten. Durch die Festlegung von Mindestanforderungen an die Umweltverträglichkeit
von EU-finanzierten Maßnahmen der humanitären Hilfe fördert die EU die Nachhaltigkeit der
Wasserressourcen in Bereichen, die besonders von Wasserknappheit betroffen sind71.
67 SDG6 Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle
gewährleisten.
68 UN-Weltwasserentwicklungsbericht 2024: Wasser für Wohlstand und Frieden.
69 Resolution 79/1 der UN-Generalversammlung
70 fao.org/fao-who-codexalimentarius/
shproxy/tr/?lnk=1&url=https%253A%252F%252Fworkspace.fao.org%252Fsites%252Fcodex%252FStandards
%252FCXG%2B100-2023%252FCXG_100e.pdf
71 https://civil-protection-humanitarian-aid.ec.europa.eu/what/humanitarian-aid/climate-change-and-
environment_en
25
Eine stärkere globale Wasserpolitik ist für einen stetigen Fortschritt, eine strategische
Steuerung und die Überwindung der Fragmentierung unerlässlich. Die UN-
Wasserkonferenz 2023 hat das Thema Wasser mit der ehrgeizigen Wasser-Aktionsagenda72, der
UNEA-6-Resolution zum Thema Wasser73, der systemweiten Strategie für Wasser und
Sanitärversorgung74 und der Ernennung des UN-Sonderbeauftragten für Wasser fest in die
globale politische Landschaft integriert. Die EU wird auf ein ehrgeiziges und
handlungsorientiertes Ergebnis der bevorstehenden UN-Wasserkonferenzen hinarbeiten,
einschließlich eines regelmäßigen zwischenstaatlichen UN-Prozesses zum Thema Wasser, der
Einbeziehung des Themas Wasser in multilaterale Prozesse und des Engagements in wichtigen
Koalitionen. Die EU wird auch die Partnerländer in die Wasserpolitik einbeziehen, unter
anderem durch den Aufbau eines Netzes von Wasserbeauftragten der EU-Mitgliedstaaten.
Die EU wird die Ausweitung des UN-Wasserübereinkommens75 als Mittel zur Förderung
der nachhaltigen Bewirtschaftung gemeinsamer Wasserressourcen, der Konfliktverhütung, der
Friedenskonsolidierung, der Sicherheit und der wirtschaftlichen Entwicklung unterstützen.
Über Global Gateway76 stellt Team Europe (die Kommission, die EIB und die
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen der Mitgliedstaaten) mehr als 1,2 Mrd. EUR für die
Förderung von Governance, Wissen und Investitionen in 18 großen grenzüberschreitenden
Wassereinzugsgebieten in 47 Ländern Afrikas und Zentralasiens zur Verfügung. Dazu gehören
Initiativen wie der Internationale Fonds für den Aralsee und das Programm „Blue Africa“.
Die EU wird länderspezifische und regionale Partnerschaften im Bereich Wasser stärken.
Dazu gehören die Wasseragenda 2030 der Union für den Mittelmeerraum und der
bevorstehende Neue Pakt für den Mittelmeerraum, um der zunehmenden Wasserknappheit und
den Klimaauswirkungen in der Region zu begegnen. Die EU wird die Bewerber- und
Nachbarländer unterstützen, u. a. durch den Investitionsrahmen für den westlichen Balkan und
die östliche Nachbarschaft sowie die Ukraine-Fazilität. In diesem Zusammenhang ist der
strategische Ansatz der EU für das Schwarze Meer77 von besonderer Bedeutung, um lokale
Gemeinschaften unter anderem gegen kriegsbedingte Umweltschäden zu unterstützen. Die EU
wird vorschlagen, die einschlägigen Wasservorschriften in den unter den Vertrag zur Gründung
der Energiegemeinschaft fallenden Besitzstand aufzunehmen78. Die EU und Zentralasien
werden ihre Zusammenarbeit im Rahmen der kürzlich vereinbarten strategischen Partnerschaft
mit einem 12 Mrd. EUR schweren Global Gateway-Investitionspaket ausbauen, das sich auf
vier Schlüsselprioritäten konzentrieren soll, darunter Klima, Wasser und Energie. Die EU-
Spitzenindustrie im Wassersektor ist der Schlüssel zur Unterstützung der Partnerländer, zur
Entwicklung wassersparender Technologien, zur Finanzierung nachhaltiger Infrastrukturen
und zur Förderung von Innovationen. Die EU wird politische Anreize,
72 https://sdgs.un.org/conferences/water2023/action-agenda, mit 33 EU-Verpflichtungen
https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7443-2023-INIT/en/pdf.
73 https://docs.un.org/en/UNEP/EA.6/RES.13.
74 UN_System-wide_Strategy_for_Water_and_Sanitation_July2024_vs23July2024.pdf.
75 Übereinkommen zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internationaler Seen.
76 Europäische Strategie zur Bewältigung der dringendsten globalen Herausforderungen und zur Mobilisierung
von bis zu 300 Mrd. EUR an Investitionen für nachhaltige und hochwertige Projekte
https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/stronger-europe-world/global-
gateway_de.
77 JOIN(2025) 135/3, Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat – Strategischer Ansatz
der Europäischen Union für die Schwarzmeerregion.
78 Vertrag zur Gründung der Energiegemeinschaft – Homepage der Energiegemeinschaft
26
Finanzierungsmechanismen und Wasser-KMU unterstützen, um die entsprechenden
Marktchancen zu nutzen.
Die EU setzt sich weiterhin dafür ein, die beträchtliche Lücke in der internationalen
Wasserfinanzierung zu schließen. Über Global Gateway leisten die EU und ihre
Mitgliedstaaten nach wie vor den größten Beitrag zur offiziellen Entwicklungshilfe, auch in
den Bereichen Wasserinfrastruktur und naturbasierte Lösungen, und mobilisieren über den
Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung (EFSD+) verstärkt das Engagement des
Privatsektors. Die EIB und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung haben
sich zusammen mit anderen multilateralen Entwicklungsbanken zu einer stärkeren
Finanzierung der Wasserversorgung verpflichtet und werden ihre Zusammenarbeit
verstärken79. Die EU wird weiterhin Investitionen hauptsächlich durch
Mischungsmechanismen und Garantien unterstützen und das Investitionsklima durch
Erleichterung von Rechtsreformen und Förderung hoher Sozial- und Umweltstandards
verbessern. Dazu gehören Initiativen wie „Climate Investor 2“, eine
Mischfinanzierungsfazilität, mit der bis zu 2,2 Mrd. EUR für Wasser-, Abwasser- und
Meeresinfrastrukturprojekte mobilisiert werden können, sowie die strategische Beschaffung
und die Unterstützung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Rahmenbedingungen. Saubere
Handels- und Investitionspartnerschaften könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Leitinitiativen – Global handeln - mit gutem Beispiel
vorangehen, Engagement und Initiativen
Zeitplan
Förderung der Wasserresilienz über das Global Gateway durch
Unterstützung vorrangiger wasserbezogener Initiativen und
verstärktem länderspezifischen und regionalen Engagement.
ab 2025
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten, die institutionellen Partner, die Unternehmen und
alle Teile der Gesellschaft auf, Maßnahmen im Sinne dieser Strategie zu ergreifen.
Ab Dezember 2025 wird die Kommission alle zwei Jahre ein Forum für Wasserresilienz
einberufen, in dem alle Interessengruppen und interessierten Parteien der EU zu einem
umfassenden Dialog zusammenkommen, um eine Bestandsaufnahme der Fortschritte bei der
Verbesserung der Wasserresilienz auf allen Regierungsebenen, in der Wirtschaft und der
Zivilgesellschaft vorzunehmen und die Umsetzung der Strategie zu überwachen.
Im Jahr 2027 wird die Kommission eine Halbzeitbewertung der Fortschritte bei der Umsetzung
der in dieser Strategie enthaltenen Maßnahmen vornehmen. Außerdem wird sie eine erste
Bewertung der Umsetzung der Empfehlung für den Grundsatz „Wassereffizienz an erster
Stelle“ vornehmen. In diesem Zusammenhang können einige der Maßnahmen aktualisiert oder
überarbeitet werden.
Im Jahr 2029 wird die Kommission die erzielten Fortschritte bewerten, einschließlich einer
umfassenden Bewertung der nationalen Maßnahmen, die im Einklang mit der Empfehlung für
den Grundsatz „Wassereffizienz an erster Stelle“ ergriffen wurden. Die Kommission wird auch
mögliche weitere Maßnahmen ermitteln, die erforderlich sind, um auf neu auftretende
79 https://www.eib.org/files/press/CommitmenttoWaterSecuritywithlogos.pdf
27
Probleme zu reagieren, und die ermittelten Ziele und Maßnahmen gegebenenfalls überprüfen,
um die Wasserresilienz in allen Bereichen der Gesellschaft zu erreichen.
28
ANHANG I – VOLLSTÄNDIGE LISTE DER MAßNAHMEN
MAẞNAHMEN Zeitplan
WIEDERHERSTELLUNG UND SCHUTZ DES WASSERKREISLAUFS
Festlegung von Prioritäten für die Umsetzung der Wasserrahmen-
und der Hochwasserrichtlinie mit Schwerpunkt auf Wasserqualität
und -quantität, auch im Rahmen strukturierter Dialoge mit den
Mitgliedstaaten.
2025-2026
Überarbeitung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. 2027
Entwicklung von Indikatoren für Wasserknappheit und eines
technischen Leitfadens für Dürremanagementpläne.
2026-2027
Bekämpfung der Hauptverschmutzungsquellen:
Öffentlich-private Initiative zur Erzielung eines
technologischen Durchbruchs bei praktikablen und
erschwinglichen Methoden zum Nachweis und zur
Beseitigung von PFAS und anderen persistenten
Chemikalien, wenn die richtigen Partner gefunden werden.
Einführung einer Hilfs-Toolbox für die Mitgliedstaaten zur
Unterstützung von Maßnahmen zur Verringerung der
Nährstoffbelastung, u. a. durch verbesserte Modellierung,
interaktive Karten und den Austausch bewährter
Verfahren.
2026-2027
AUFBAU EINER WIRTSCHAFT MIT INTELLIGENTER WASSERNUTZUNG, DIE NIEMANDEN
ZURÜCKLÄSST, DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER EU FÖRDERT UND INVESTITIONEN
ANZIEHT
Empfehlung für den Grundsatz „Wassereffizienz an erster Stelle“,
Leitprinzipien und Bericht der EUA über das ungenutzte
Wassereffizienzpotenzial.
2025-2026
Unterstützung der Einführung von Praktiken zur
Wasserwiederverwendung auch außerhalb der Landwirtschaft
und Überprüfung der Verordnung über die
Wasserwiederverwendung.
2026-2028
Öffentliche Wasserversorgung:
Unterstützung bei der Verringerung von Leckagen, der
Modernisierung der Infrastruktur und der Auswertung
von Daten.
2025-2028
Landwirtschaft:
Maximierung der Nutzung von GAP-Strategieplänen für
die Wasserresilienz durch Wissensaustausch und
innovative Lösungen, die durch das GAP-Netzwerk der EU,
die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI)
sowie durch verbesserte und unabhängige
landwirtschaftliche Beratungsdienste gefördert werden.
Im nächsten Programmplanungszeitraum sollen die
Landwirte weiterhin Anreize erhalten, die Umwelt- und
Klimaleistung ihrer Betriebe zu verbessern, auch im
Hinblick auf eine bessere Wasserbewirtschaftung.
2025-2026
Industrie und Energie:
Start eines Pilotprojekts zur Förderung der
Wassereffizienz, einschließlich wasserloser und
2025-2026
29
geschlossener Wasserkreislauftechnologien, in
ausgewählten Industrieclustern.
Aufnahme des Wasserverbrauchs in die Parameter eines
gemeinsamen EU-Systems zur Bewertung der
Nachhaltigkeit von Rechenzentren und Vorschlag von
Mindeststandards für den Wasserverbrauch.
Öffentlich-private Initiative, die einen technologischen
Durchbruch für praktikable und erschwingliche
Methoden der Trockenkühlung ermöglicht, wenn die
richtigen Partner gefunden werden.
Förderung des Austauschs bewährter Verfahren in Bezug auf
Süßwasserbilanzen, Bilanzierung von Wasserströmen, Wassereffizienz
und intelligente Wassermessung in allen Wirtschaftszweigen
ab 2025
Bewertung der Qualität der verfügbaren Wasserdaten und ggf. Vorlage
eines Legislativvorschlags für die Einführung neuer Module der
umweltökonomischen Gesamtrechnung für die Wasserkonten.
Bis Ende 2026
SICHERSTELLUNG VON SAUBEREM UND ERSCHWINGLICHEM WASSER FÜR ALLE,
STÄRKUNG DER VERBRAUCHER UND ANDERER NUTZER
Berücksichtigung des Wasserfußabdrucks von Produkten bei der
Festlegung oder Aktualisierung von Anforderungen im Rahmen
der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte und des EU-
Umweltzeichens.
2025-2027
Förderung bewährter Verfahren zur Sensibilisierung der
Öffentlichkeit und zur Rolle der Wasserpreisgestaltung bei der
Förderung der Wassereffizienz, der Kostendeckung und des
Verursacherprinzips sowie der damit verbundenen nationalen
Wasserpolitik.
2026-2027
Verstärkung der Bemühungen um Wasserresilienz in der gesamten
bebauten Umwelt im Rahmen des bevorstehenden
Arbeitsprogramms 2026-2027 der Neuen Europäischen Bauhaus-
Fazilität und im bevorstehenden Plan für erschwinglichen
Wohnraum.
GOVERNANCE UND UMSETZUNG ZUR FÖRDERUNG DES WANDELS
Intensivierung der Durchsetzung und Einleitung strukturierter
Dialoge mit allen Mitgliedstaaten, um die Umsetzung des EU-
Besitzstands im Bereich Wasser zu beschleunigen und zu
intensivieren, und zwar auf der Grundlage der wichtigsten
Durchsetzungsprioritäten, die sich aus der jüngsten Bewertung der
Bewirtschaftungspläne für Einzugsgebiete und
Hochwasserrisikomanagementpläne ergeben.
2025-2026
Im Rahmen der praxisorientierten Gemeinschaft „Cohesion for
Transitions“ Organisation eines regelmäßigen Austauschs mit
Regionen, Städten und Wasserbehörden zur Förderung des
Austauschs bewährter Verfahren für „Schwammlandschaften“
sowie der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich
Wasser, die im Rahmen von Interreg identifiziert wurde.
2025-2027
Einführung eines Anzeigers, der Umweltdaten mit Daten
über die Wasser- und Energienetze verknüpft, um die
Mitgliedstaaten bei ihren Raumplanungsbemühungen zu
unterstützen und die besten Gebiete für die Ansiedlung
wasserintensiver Unternehmen zu ermitteln, die für beide
Seiten von Vorteil sind.
Drucksache 261/25 - 30 -
Einrichtung eines Forums für Wasserresilienz. ab 2026
FINANZIERUNG, INVESTITIONEN UND INFRASTRUKTUR FÜR EINE STABILE VERSORGUNG
Einführung des EIB-Wasserprogramms und der Beratungsfazilität
für nachhaltige Wasserwirtschaft in Zusammenarbeit mit der
Kommission, um die Unterstützung potenzieller Darlehensnehmer
zu verstärken und die Projektpipeline zu vergrößern.
Unterstützung der Mitgliedstaaten und Regionen bei der
Neuausrichtung der kohäsionspolitischen Mittel für die
Wasserresilienz im Rahmen der Halbzeitüberprüfung.
Einrichtung eines Investitionsbeschleunigers für Wasserresilienz. 2026-2027
Einleitung einer Initiative für grüne und blaue Korridore zur
Unterstützung der Wiederherstellung ökologischer Umgebungen
und Infrastrukturen, einschließlich Flüssen, Feuchtgebieten und
Küsten, um den Wasserkreislauf mit einem von der Quelle bis zum
Meer reichenden Ansatz wiederherzustellen.
Verabschiedung eines Fahrplans für Naturschutzgutschriften, um
das Potenzial dieser Instrumente zu nutzen und Anreize für die
Ausweitung dieser Märkte zu schaffen.
Nutzung des Instruments für technische Unterstützung zur
Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Bewältigung
wasserbezogener Herausforderungen, insbesondere der im Rahmen des
Europäischen Semesters ermittelten.
ab 2025
DIGITALISIERUNG UND KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ZUR BESCHLEUNIGUNG UND
VEREINFACHUNG EINER SOLIDEN WASSERBEWIRTSCHAFTUNG
Entwicklung und Umsetzung von „Destination Earth“ und „EU
Digital Twin of the Ocean“ für Wasserresilienz und Bereitstellung
der Kompetenzen für nationale und lokale Verwaltungen in der EU
und darüber hinaus bis 2030.
2025-2030
Entwicklung eines EU-weiten Aktionsplans zur Digitalisierung im
Wassersektor, einschließlich einer EU-weiten Initiative zur
intelligenten Verbrauchsmessung für alle.
Einrichtung einer thematischen Copernicus-Drehscheibe zum
Thema Wasser.
FORSCHUNG UND INNOVATION, WASSERWIRTSCHAFT UND KOMPETENZEN ZUR
STÄRKUNG DER WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
Schnittstelle Wissenschaft/Politik zur Verbreitung der Ergebnisse
von EU-finanzierten F&I-Projekten, z. B. über eine zentrale
Anlaufstelle.
F&I-Strategie für Wasserresilienz. 2026
Allianz für intelligente Wasserwirtschaft zur Förderung der
Wettbewerbsfähigkeit.
Europäische Wasserakademie. 2026-2027
Wissens- und Innovationsgemeinschaft (KIC) für die Sektoren
Wasser, Meere, maritime Wirtschaft und Ökosysteme im Rahmen
des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT).
Fortsetzung von Forschung und Innovation zur Förderung einer
nachhaltigen Entsalzung.
Wassertechnologie-Wettbewerb in Zusammenarbeit mit dem EIC. noch
festzulegen
SICHERHEIT UND KRISENVORSORGE ZUR STÄRKUNG DER KOLLEKTIVEN RESILIENZ
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Verbesserung der Resilienz der On- und Offshore-
Wasserinfrastrukturen durch Umsetzung der Richtlinie über die
Resilienz kritischer Einrichtungen.
Verbesserung der Echtzeit-Frühwarn- und -Überwachungssysteme
der EU durch Stärkung der Europäischen
Dürrebeobachtungsstelle und des Europäischen
Hochwasserwarnsystems des Copernicus-Dienstes für
Katastrophen -und Krisenmanagement.
ab 2025
Verabschiedung eines europäischen Plans zur Anpassung an den
Klimawandel.
Stärkung der Prävention von durch Wasser übertragenen
Infektionskrankheiten durch die Umsetzung der Verordnung (EU)
2022/2371 zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden
Gesundheitsgefahren.
ab 2022
GLOBAL HANDELN – MIT GUTEM BEISPIEL VORANGEHEN, ENGAGEMENT UND INITIATIVEN
Förderung der Wasserresilienz über das Global Gateway durch
Unterstützung vorrangiger wasserbezogener Initiativen und
verstärktem länderspezifischen und regionalen Engagement.
ab 2025
Stärkung der globalen Wasserpolitik durch Gespräche über einen
künftigen globalen Rahmen für die Wasserwirtschaft. ab 2025
Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich
Wasser durch Unterstützung des Beitritts zur UN-Wasserkonvention. ab 2025
Förderung des Zugangs zu einer verbesserten Trinkwasserquelle
und/oder Abwasserentsorgung für mindestens 70 Mio. Menschen,
Mobilisierung größerer Investitionen und Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wasserindustrie.
im Gange
Erhebliche Erhöhung der Investitionen in naturbasierte Lösungen in
Infrastrukturen oder in Verbindung mit Infrastrukturen. ab 2026
Einbeziehung des Themas Wasser in internationale Prozesse,
einschließlich der drei Übereinkommen von Rio über Klimawandel,
biologische Vielfalt und Wüstenbildung.
ab 2025
Verbesserung der Umsetzung der wasserbezogenen Ziele und
Vorgaben80 des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming
Montreal.
im Gange
Verstärkung des Engagements der EU im Rahmen des Ramsar-
Übereinkommens.
ab 2025
Verstärkung des Engagements u. a. in der G7, der G20, der Koalition
für grenzüberschreitende Wasserkooperation, der Süßwasser-Initiative
„Freshwater Challenge“ und des Wasserdialogs in Baku.
ab 2025
Bewertung des Investitionsbedarfs der einzelnen Beitrittskandidaten
zur Erfüllung des gemeinschaftlichen Besitzstands im Bereich Wasser. ab 2026
Verstärktes Engagement in der Union für den Mittelmeerraum und die
„Blue Mediterranean Partnership“ (Blaue Mittelmeer-Partnerschaft). ab 2025
80 https://www.cbd.int/gbf/targets
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ANHANG II – DIE WICHTIGSTEN ZWISCHENZIELE FÜR 2027-2033
Wiederherstellung und Schutz des Wasserkreislaufs
Bis 2030 sollen für mindestens 30 % der Küsten- und Süßwasserlebensräume in der EU,
die sich nicht in einem guten Zustand befinden, Wiederherstellungsmaßnahmen ergriffen
werden (Verordnung über die Wiederherstellung der Natur).
Bis 2030 werden mindestens 30 % der Arten und Lebensräume, die sich derzeit nicht in
einem günstigen Zustand befinden, in diese Kategorie fallen oder einen stark positiven
Trend aufweisen (EU-Biodiversitätsstrategie für 2030).
Bis 2030 müssen mindestens 25 000 km Flüsse in der EU zu frei fließenden Flüssen
umgebaut werden (EU-Biodiversitätsstrategie für 2030).
Bis 2027 müssen die Mitgliedstaaten alle Oberflächen- und Grundwasserkörper schützen,
verbessern und sanieren, um einen guten Zustand zu erreichen (Wasserrahmenrichtlinie).
Aufbau einer Wirtschaft mit intelligenter Wassernutzung, die niemanden zurücklässt, die
Wettbewerbsfähigkeit der EU fördert und Investitionen anzieht
Bis 2030 werden die wasserintensivsten Sektoren auf der Grundlage der bestehenden EU-
Rechtsvorschriften wassersparende Verfahren eingeführt und verbessert haben, darunter die
folgenden Sektoren:
Energie: Nationale Pläne für die Renovierung von Gebäuden, die bis 2026 umgesetzt
werden sollen, werden in jedem Mitgliedstaat eingeführt, um die schrittweise Renovierung
bestehender Gebäude in hoch energieeffiziente und kohlenstoffarme Gebäude bis 2050 zu
erreichen, auch durch Konzepte und Programme für die Wasseraufbereitung (Richtlinie
über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden).
Industrie: Der Wasserverbrauch wird in den größten Produktionsprozessen der EU in
Industrie und Viehzucht spürbar reduziert (Industrieemissionsrichtlinie).
Darüber hinaus wurden im Rahmen der GAP-Strategiepläne für die Landwirtschaft bis 2027 auf
47 % der landwirtschaftlichen Fläche der EU (über die vorgeschriebenen Anforderungen hinaus)
Verfahren zur Verbesserung der Bodengesundheit (und damit zur Verbesserung des
Wasserrückhalts und zur Begrenzung der Erosion) gefördert. Die Förderung von Verfahren für den
nachhaltigen Einsatz von Pestiziden und ein verbessertes Nährstoffmanagement werden 27 % bzw.
15 % der landwirtschaftlichen Fläche der EU betreffen (GAP-Unterstützung und GAP-
Strategiepläne).
Bis 2030 müssen die Mitgliedstaaten, in denen die Leckagen in der Wasserversorgung den bis 2028
festzulegenden EU-weiten Schwellenwert überschreiten, einen Aktionsplan mit Maßnahmen zur
Reduzierung der Leckagen in ihren Versorgungsnetzen vorlegen (Trinkwasserrichtlinie).
Bis 2030 werden die Kommission und die Mitgliedstaaten die Wiederverwendung von behandeltem
kommunalem Abwasser für alle geeigneten Zwecke außerhalb der Landwirtschaft fördern und die
Durchführbarkeit und Angemessenheit der Festlegung eines EU-Ziels für die Wiederverwendung
von Wasser in allen Wirtschaftszweigen prüfen (Verordnung über die Wasserwiederverwendung).
Sicherstellung von sauberem und erschwinglichem Wasser für alle, Stärkung der
Verbraucher und anderer Nutzer
Bis 2027 werden die Mitgliedstaaten transparente Trinkwasser- und Abwasserrechnungen erstellen,
um das Bewusstsein der Verbraucher für ihren Verbrauch und den tatsächlichen Wasserpreis zu
schärfen, sowie Systeme für die Überwachung von Gesundheitsparametern in kommunalem
Abwasser für Notfälle einrichten (Trinkwasserrichtlinie, Richtlinie über die Behandlung von
kommunalem Abwasser).
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Bis 2029 werden die Mitgliedstaaten die Kommission über die Maßnahmen informieren, die sie
ergriffen haben, um den Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen für alle, einschließlich
gefährdeter und marginalisierter Gruppen, zu verbessern, und sie werden damit beginnen, die
Kommission alle sechs Jahre über diesen Bereich zu informieren (Trinkwasserrichtlinie und
Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser).
Bis 2030 wird die EU den Zugang von 70 Mio. Menschen zu einer verbesserten
Trinkwasserquelle und/oder zu sanitären Einrichtungen unterstützen (Verpflichtung der EU
im Rahmen der Aktionsagenda für Wasser).
Bis 2033 werden alle EU-Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern integrierte Pläne für die
Bewirtschaftung der kommunalen Abwässer aufstellen, die naturnahe Lösungen und grüne/blaue
Infrastrukturen in den Vordergrund stellen (Richtlinie über die Behandlung von kommunalem
Abwasser).
Drucksache 261/25 - 34 -]
Relationen
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- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Reg (Unterrichtung)