Umsetzung des Programms 1000-Köpfe-Plus bzw. der Global-Minds-Initiative der Bundesregierung
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Umsetzung des Programms 1000-Köpfe-Plus bzw. der Global-Minds-Initiative der Bundesregierung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3689
21. Wahlperiode 16.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Müller, Dr. Anja
Reinalter, Misbah Khan, Claudia Roth und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Umsetzung des Programms 1000-Köpfe-Plus bzw. der Global-Minds-Initiative
der Bundesregierung
In ihrer Antwort auf die Frage der Abgeordneten Ayse Asar vom 3. November
2025 zur Einbettung der Förderprogramme der Global-Minds-Initiative (bzw.
„Programm 1000 Köpfe Plus“) in die Hightech Agenda Deutschland (HTAD)
führt die Bundesregierung aus, die Initiative trage „zur Stärkung der deutschen
Forschungsökosysteme sowie zur Entwicklung von Zukunftsthemen der HTAD
bei“. Der Wissenschaftsstandort Deutschland werde als sicherer Hafen der
Wissenschaftsfreiheit mit exzellenten Forschungsinfrastrukturen und vielfältigen
Karriereperspektiven als einer der attraktivsten Wissenschaftsstandorte
weltweit positioniert. Die Bundesregierung hebt hervor, dass die Initiative die
Fachkräftegewinnung aus dem Ausland vorantreibe und internationale Netzwerke
und Zusammenarbeit in Forschung und Innovation stärke und damit direkt zur
Sicherung der technologischen Souveränität sowie zur Stärkung des
Wissenschafts- und Innovationsstandorts Deutschland im Sinne der Hebel 5
und 6 der Hightech Agenda Deutschland beitrage. Trotz dieser hohen
Erwartungen liegen der Öffentlichkeit bislang nur begrenzte Informationen zur
tatsächlichen Umsetzung, Resonanz und Wirksamkeit der Initiative vor. Der
Transparenz über die ersten Ergebnisse der Initiative kommt eine besondere
Bedeutung zu, um ihre Effektivität fundiert einschätzen und die
Außenwissenschaftspolitik mit ihren etablierten und neuen Maßnahmen insgesamt
weiterentwickeln zu können. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Synergie mit
europäischen Instrumenten; so bleibt für die Fragestellenden unklar, warum das
Potenzial der „Seal of Excellence“ zur Bildung bereits positiv begutachteter
Spitzenforschenden bislang kaum adressiert wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Forschende sind bis zum 25. November 2025 in die Initiative
aufgenommen worden, und wie verteilt sich diese Anzahl auf die
einzelnen Förderinstrumente (Humboldt-Forschungsstipendien, Humboldt-
Forschungspreise, Bessel-Forschungspreise, DFG-Professuren [DFG =
Deutsche Forschungsgemeinschaft] und DFG-Mercator-Fellows, DAAD-
Programme [DAAD = Deutscher Akademischer Austauschdienst])?
2. Wie hoch war die Gesamtzahl der geförderten Personen in den beteiligten
Programmen der DFG und der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)
in den Jahren 2023 und 2024 (Stichtag jeweils 31. Dezember), und wie
hoch ist die Zielzahl für diese spezifischen Programme im Rahmen der
Global-Minds-Initiative für 2025 und 2026?
3. Wie hoch ist der Anteil der Forschenden, die bereits vor Juli 2025 in
Deutschland tätig waren und nun in die Initiative übernommen wurden?
4. Aus welchen Herkunftsländern stammen die in die Initiative
aufgenommenen Forschenden (bitte nach den Top 10 der Herkunftsländer
aufschlüsseln)?
5. Auf welcher Karrierestufe (R2, R3, R4 gemäß der Europäischen
Klassifikation der Forscherlaufbahnen) befinden sich die gewonnenen
Forschenden, wie verteilen sie sich auf diese Stufen, und was ist die
durchschnittliche Laufzeit der Förderungen auf der jeweiligen Stufe?
6. Wie verteilen sich die aufgenommenen Forschenden auf die in der
Hightech Agenda Deutschland als Schlüsseltechnologien definierten Bereiche
(Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik,
Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung, Technologien für
die klimaneutrale Mobilität) und auf weitere strategische
Forschungsfelder, und wie viele Forschende arbeiten in anderen Bereichen (bitte die
Disziplinen angeben)?
7. Hat die Priorisierung von Forschenden in den HTAD-
Schlüsseltechnologien der Global-Minds-Initiative dazu geführt, dass die
Förderquoten für Bewerberinnen und Bewerber in den Geistes- und
Sozialwissenschaften gesunken sind, und wenn ja, in welchem Umfang?
8. Bei welchen Aufnahmeinstitutionen sind die Forschenden angesiedelt
(bitte nach Helmholtz-Zentren, Fraunhofer-Instituten, Max-Planck-
Instituten, Leibniz-Instituten, Universitäten und sonstigen Einrichtungen
aufschlüsseln)?
9. Wie viele Bewerbungen gingen seit dem Start der Initiative im Juli 2025
insgesamt ein, wie viele wurden positiv beschieden, und welche Quote der
zugesagten Forschenden ist tatsächlich nach Deutschland gekommen
(Mobilisierungsquote)?
10. In wie vielen Fällen kam es bei den aufgenommenen Forschenden bis zum
31. Dezember 2025 zu Verzögerungen beim Forschungsbeginn aufgrund
von Visumsverfahren oder Terminengpässen bei Ausländerbehörden?
11. Welche zusätzlichen strukturellen Unterstützungsmaßnahmen wurden im
Vergleich zu bestehenden Förderprogrammen der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Deutschen
Akademischen Austauschdienstes umgesetzt, um die Attraktivität des
Wissenschaftsstandorts zu steigern und eine Willkommenskultur für
internationale Forschende zu fördern, und inwieweit wurde das von der
Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär
erwähnte „Rundum-Sorglos-Paket“ konkretisiert und implementiert?
12. Wie viele Ehepaare oder Partnerinnen- und Partnerpaare wurden im
Rahmen der Initiative in Doppel- oder koordinierten Berufungen sowie
anderen Dual-Carreer-Angeboten gewonnen, und in wie vielen Fällen gelang
es, für beide Partnerinnen oder Partner eine geeignete Forschungsposition
zu schaffen?
13. Wie viele der gewonnenen Forschenden arbeiten an Projekten, die von der
Bundesregierung als relevant für die „technologische Souveränität“ im
Sinne der Hightech Agenda Deutschland eingestuft werden (bitte die
konkreten Technologiefelder und Forschungsbereiche dieser Projekte
benennen)?
14. Welche Bedeutung spielt die Tatsache, dass die Initiative zu großen Teilen
auf bewährten Programmen etablierter Wissenschaftsorganisationen
basiert, für die Erfolgsmessung, die bürokratiearme Durchführung der
Initiative sowie für ihren Beitrag zur Entwicklung von Zukunftsthemen der
HTAD und zur Stärkung der technologischen Souveränität?
15. Welche flankierenden Module zur Gewinnung internationaler
Studierender und Promovierender wurden bislang in die Initiative integriert, wie
viele Personen aus diesen Zielgruppen haben bereits Zusagen erhalten,
und wie steht das Programm in diesem Punkt im Verhältnis zum FIT-
Programm (FIT = Förderung internationaler Talente zur Integration in
Studium und Arbeitsmarkt) des DAAD?
16. Welche systemischen Maßnahmen im Sinne eines breiten
wissenschaftspolitischen Wandels mit dem Ziel struktureller Verbesserungen im
Wissenschaftssystem wurden bereits vorgenommen, und welche weiteren
Maßnahmen sind in Vorbereitung?
17. Welche verbindlichen Zusagen der Bundesländer oder der
Aufnahmeinstitutionen liegen nach Kenntnis der Bundesregierung vor, um den
Forschenden nach Ablauf der Global-Minds-Förderung je nach Entwicklungsstufe
ein Tenure-Track-Verfahren oder eine Dauerstelle anzubieten?
18. Gibt es Koordinationsmechanismen zwischen der Initiative und anderen
Bundes- und Landesfördermaßnahmen zur Gewinnung internationaler
Forschender, und wie wird vermieden, dass es zu Doppelförderungen oder
Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen kommt?
19. Gibt es Koordinierungsmechanismen zwischen der Initiative und
vergleichbaren Programmen auf europäischer Ebene, wie z. B. der Choose-
Europe-Initiative, und wie wird vermieden, dass es zu Doppelförderungen
oder Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen kommt?
20. Inwiefern sieht die Bundesregierung vor, Forschende, die bei
europäischen Exzellenzprogrammen (z. B. Choose Europe, ERC Starting Grants
oder MSCA Postdoctoral Fellowships) ein „Seal of Excellence“ erhalten
haben, aber aufgrund von EU-Budgetbeschränkungen nicht gefördert
werden konnten, prioritär oder durch ein vereinfachtes Verfahren in die
Global-Minds-Initiative aufzunehmen?
21. Wie viele Forschende haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung im
Rahmen der Choose-Europe-Initiative mit einer deutschen
Gasthochschule als Erstwunsch beworben, konnten aber aufgrund der niedrigen EU-
Erfolgsquote (von ca. 9 Prozent) nicht gefördert werden?
22. Welcher Mittelumfang wurde für die Initiative im Gesamten vorgesehen,
wie verteilt sich dieser auf die einzelnen Förderinstrumente und
Partnerorganisationen, und wie hoch ist der durchschnittliche Förderumfang pro
Forschenden oder Forschendengruppe?
23. In welchem Umfang sind die Auslandsstrukturen der Auswärtigen Kultur-
und Bildungspolitik (Goethe-Institute, DAAD-Außenstellen, Deutsche
Auslandsschulen, Wissenschafts- und Innovationshäuser) in die
internationale Anwerbung für die Initiative eingebunden?
24. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die Initiative
in zentralen Partnerländern der Wissenschaftsdiplomatie international
sichtbar zu machen, und wie bewertet sie deren Beitrag zur Stärkung
Deutschlands als Wissenschafts- und Wertepartner?
25. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um auch die
Programme und Förderangebote der Außenwissenschaftspolitik, die nicht Teil
der Global-Minds-Initiative sind, ebenfalls sichtbarer und erfolgreicher zu
machen?
26. Inwieweit werden die geförderten Forschenden systematisch in
bestehende internationale Netzwerke der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
(z. B. Humboldt-Netzwerk, DAAD-Alumni, Goethe-Alumni, multilaterale
Dialogformate) eingebunden, um nachhaltige Beziehungen aufzubauen?
27. Welcher Anteil an Fördermitteln der Initiative ist zur Weiterentwicklung
und zum Ausbau von Alumni-Strategien vorgesehen, um nach Abschluss
der Förderung langfristige wissenschaftliche, kulturelle und
gesellschaftliche Bindungen zu Deutschland aufzubauen und zu pflegen?
28. Welche Wirkungen der Initiative erwartet die Bundesregierung im
Hinblick auf die Stärkung der deutschen Soft Power, insbesondere durch
internationale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren,
Wissenschaftsnetzwerke und die Vermittlung deutscher Wissenschafts- und Freiheitswerte?
29. Welche Maßnahmen sind seitens der Bundesregierung neben der Initiative
zur Unterstützung ausländischer Forschender und Studierender
vorgesehen, insbesondere wenn diese in ihren Herkunftsländern verfolgt oder
bedroht werden?
Berlin, den 13. Januar 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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