Kunst-, Wissenschafts- und Medienfreiheit im transatlantischen Kontext
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Kunst-, Wissenschafts- und Medienfreiheit im transatlantischen Kontext
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2813
21. Wahlperiode 13.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Claudia Roth (Augsburg), Awet Tesfaiesus, Ayse Asar,
Dr. Andrea Lübcke, Julian Joswig, Tina Winklmann, Agnieszka Brugger, Luise
Amtsberg, Deborah Düring, Boris Mijatović, Omid Nouripour, Robin Wagener,
Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sven Lehmann, Dr. Ophelia Nick, Nyke Slawik und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Kunst-, Wissenschafts- und Medienfreiheit im transatlantischen Kontext
Die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Medien ist ein Grundpfeiler
demokratischer Gesellschaften. Sie sichert kritische Reflexion, kreative Entfaltung
und Forschung ohne politische Einflussnahme. Einschränkungen dieser
Freiheiten sind in autoritären Systemen ein zentrales Mittel zur Unterdrückung
gesellschaftlicher Vielfalt.
In den Vereinigten Staaten von Amerika sind mit der zweiten Amtszeit von
Präsident Donald Trump Entwicklungen sichtbar geworden, die Anlass zu
großer Sorge geben. Viele der Maßnahmen und Vorhaben folgen dabei den bereits
im sogenannten Project 2025 (Presidential Transition Project) skizzierten
Plänen, die auf eine grundlegende politische Neuausrichtung und eine massive
Schwächung bis zu einem radikalen Abbau demokratischer Institutionen
abzielen. Mit Amtsantritt setzen Donald Trump und sein Kabinett diese Strategie um
und greifen dabei zunehmend in Freiheitsrechte ein.
So laufen in mehreren Smithsonian-Museen derzeit politisch motivierte
Überprüfungen und Eingriffe in Ausstellungen, die eine unmittelbare Einflussnahme
auf kuratorische Entscheidungen und wissenschaftliche Darstellungen sind
(vgl. www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-museen-100.html). Zudem
wurde ein offizieller Antrag auf Umbenennung des Opernhauses im Kennedy
Center nach der aktuellen First Lady gestellt (https://simpson.house.gov/news/d
ocumentsingle.aspx?DocumentID=401722#:~:text=Text%20of%20Rep.,Lady
%20Mel%20nia%20Trump%20Opera%20House%E2 Prozent80 Prozent9D).
Die politisch motivierte Einschränkung von Kunst- und Bildungsthemen zeigt
sich darüber hinaus in einer wachsenden Zahl von „Book Bans“: In zahlreichen
US-Bundesstaaten sind Bücher mit Themen zu Vielfalt, Gleichberechtigung
und Inklusion aus Schulen und Bibliotheken entfernt worden – darunter auch
Werke von herausragender historischer und kultureller Bedeutung wie das
„Tagebuch der Anne Frank“ oder Shakespeares „Romeo und Julia“ (vgl. https://pe
n.org/report/the-normalization-of-book-banning/). Zudem werden Universitäten
durch die Androhung des Entzugs öffentlicher Fördergelder, die Entlassung von
wissenschaftlichem Personal und gezielte Eingriffe in Forschungsinhalte
massiv unter Druck gesetzt (vgl. www.nytimes.com/article/trump-university-colleg
e.html).
Diese Einschränkungen gehen zwar in erster Linie auf politischen Einfluss
seitens der Regierung und ihrer Mehrheiten in den republikanisch regierten
Staaten zurück, entfalten ihre Wirkung jedoch zunehmend auch über wirtschaftliche
Kanäle. Unternehmen und Medienschaffende sehen sich dabei oft unter dem
indirekten Druck, ein wohlwollendes Verhältnis zur Regierung
aufrechtzuerhalten, um politische oder ökonomische Nachteile zu vermeiden. Dies führt zu
vorauseilender Selbstzensur und Einflussnahmen auf Inhalte. Exemplarisch
sichtbar wurden jüngst die vorübergehende Absetzung der „Jimmy Kimmel Show“
sowie die Kündigung der „Late Show with Stephen Colbert“ (vgl. https://www
1.wdr.de/nachrichten/jimmy-kimmel-106.html), bei denen wirtschaftliche
Interessen, laufende Vertragsverhandlungen mit den Senderkonzernen und deren
Bestreben, staatliche Regulierungen zu vermeiden, mit politischer
Rücksichtnahme zusammenwirkten.
Die Presse-, Medien- und Meinungsfreiheit wird seit der zweiten Amtszeit von
Präsident Donald Trump systematisch geschwächt. Bereits zu deren Beginn
kündigte die Pressesprecherin des Weißen Hauses an, dass künftig nicht mehr
die unabhängige White House Correspondents Association, sondern das Weiße
Haus selbst über die Besetzung des sogenannten Korrespondentinnen- und
Korrespondenten-Pools entscheiden werde (vgl. www.spiegel.de/ausland/usa-w
eisses-haus-aendert-regeln-fuer-zugang-zum-oval-office-a-ae8c2640-7fc1-4a3
8-83cb-fb385ceba718). Unter der aktuellen Administration werden kritische
Medienberichte gezielt delegitimiert, Journalistinnen und Journalisten der
Zugang zu Informationen erschwert und Medienhäuser zunehmend mit
politischem und juristischem Druck konfrontiert – etwa durch milliardenschwere
Verleumdungsklagen gegen renommierte Tageszeitungen wie die „New York
Times“ oder das „Wall Street Journal“ (vgl. www.tagesschau.de/ausland/amerik
a/trump-new-york-times-104.html). Hinzu kommen neue administrative
Maßnahmen, die den Handlungsspielraum internationaler Medienschaffender
erheblich einschränken: So sieht eine geplante Visareform vor, die Aufenthaltsdauer
für ausländische Journalistinnen und Journalisten und Studierende von bislang
fünf Jahren auf lediglich 240 Tage zu verkürzen – ein Vorhaben, das weltweit
von über einhundert Medienorganisationen kritisiert wurde und bei dem
deutsche Medienunternehmen die Bundesregierung ausdrücklich zum Handeln
aufgefordert haben (www.deutschlandradio.de/deutsche-medienunternehmen-ford
ern-ruecknahme-der-amerikanischen-visa-plaene-fuer-korrespondentinnen-10
0 .html). Zudem trat ein neues 21-seitiges Regelwerk des US-
Verteidigungsministeriums in Kraft, dem zufolge Reporterinnen und Reporter
ihre Akkreditierung verlieren, wenn sie Informationen ohne vorherige
Genehmigung des Pentagons veröffentlichen. Medienhäuser, die sich weigerten,
dieses Regelwerk zu unterzeichnen – darunter sämtliche großen US-Medien mit
Ausnahme des regierungsnahen Senders One America News –, mussten ihre
Büros im Pentagon räumen (vgl. https://table.media/berlin/analyse/us-demokrat
ie-am-kipppunkt?signature=8c1ce81223ebd419c161c141e6cf92c1becc2e74f59
86407ef7af9963fb8c5f0). Diese Entwicklungen verdeutlichen eine zunehmende
staatliche Kontrolle über Informationsflüsse und eine gezielte Einschränkung
journalistischer Arbeit, die grundlegende Prinzipien der Pressefreiheit
untergräbt.
Neben den Medien geraten zunehmend auch gemeinnützige Organisationen
und Stiftungen in den Vereinigten Staaten ins Visier politischer Einflussnahme.
Führende Einrichtungen wie die Ford Foundation oder die Open Society
Foundations sehen sich verstärkter öffentlicher Kritik und politischen Angriffen
ausgesetzt. Vertreterinnen und Vertreter der US-Regierung werfen ihnen vor,
gesellschaftliche Programme zu fördern, die nicht mit der eigenen politischen
Agenda vereinbar seien. Parallel dazu werden Maßnahmen diskutiert, die
steuerliche Begünstigung gemeinnütziger Organisationen einzuschränken und
ihre Förderpraxis einer stärkeren staatlichen Kontrolle zu unterstellen (vgl.
www.stiftungswelt.de/journal/us-philanthropie-in-der-defensive-was-das-fuer-d
eutsche-stiftungen-bedeutet.html). Diese Entwicklung schwächt die
Handlungsspielräume unabhängiger zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure in
den USA und erschwert zugleich internationale Kooperationen im Bereich
Kultur, Wissenschaft und Demokratieförderung, die auf eine freie und
partnerschaftliche Zusammenarbeit mit solchen Organisationen angewiesen sind.
Darüber hinaus hat die Trump-Administration begonnen, rund zweihundert
Begriffe – darunter „Rassismus“, „Inklusion“, „Diversität“, „Gender“ und
„Klimakrise“ – aus US-Regierungsdokumenten zu streichen und deren Verwendung
in staatlicher Kommunikation und Berichterstattung zu untersagen (vgl. www.s
piegel.de/kultur/donald-trump-diese-200-woerter-sollen-aus-us-regierungsdoku
menten-verschwinden-a-7b7dc461-a924-4548-a083-b11c4843a651). Dieses
Vorgehen verdeutlicht eine gezielte sprachpolitische Kontrolle, die
wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Ausdrucksfreiheit einschränkt.
Darüber hinaus zeigen aktuelle Kürzungen im Gesundheitswesen eine weitere
Dimension dieser Einschränkungen. Durch die Streichung von Fördermitteln
für das Title X Family Planning Program und weitere Einsparungen im Bereich
reproduktiver Gesundheit wird das Recht auf Selbstbestimmung vieler Frauen
in den USA erheblich beschnitten (www.cbsnews.com/news/reproductive-healt
h-trump-administration-hhs-cuts/). Hinzu kommt die jüngste Ankündigung
Donald Trumps, Importzölle in Höhe von 100 Prozent auf außerhalb der USA
produzierte Filme zu erheben (vgl. www.theguardian.com/us-news/2025/sep/2
9/trump-threat-tariffs-films-made-outside-us) – ein Schritt, der nicht nur
protektionistische Züge trägt, sondern auch die internationale kulturelle
Zusammenarbeit erheblich beeinträchtigt und künstlerische Vielfalt einschränkt.
Besonders betroffen wären davon auch internationale Co-Produktionen, an denen
US-amerikanische und ausländische Produktionsfirmen gemeinsam beteiligt
sind, wodurch der freie Austausch in der globalen Film- und Kreativwirtschaft
zusätzlich erschwert würde.
Die beschriebenen Eingriffe in Kunst-, Medien- und Wissenschaftsbereiche
verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung hin zu einer politisch
motivierten Kontrolle über kulturelle und gesellschaftliche Einrichtungen und
Ausdrucksformen. Besonders betroffen sind dabei Projekte und Personen, die sich
mit Vielfalt, Gleichberechtigung und den Rechten von LGBTQI*-Menschen
befassen, ebenso wie solche, die eine kritische Auseinandersetzung mit
politischen Systemen und Machtstrukturen leisten. Solche Einschränkungen
schwächen nicht nur die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen, sondern auch die
Glaubwürdigkeit der gemeinsamen Werte von Freiheit, Pluralismus und
Demokratie.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt sich auch im Bereich des
internationalen Sports die Frage nach der Wahrung von Freiheits- und
Teilhaberechten. Sport ist ein zentrales Feld internationaler Verständigung und
gesellschaftlicher Begegnung – und damit zugleich ein sensibles Instrument
außenkulturpolitischer Kooperation. Sportaustauschprogramme und Kooperationen
zwischen Vereinen und Institutionen leisten einen wichtigen Beitrag zur
Stärkung zivilgesellschaftlicher Kontakte, zur Demokratieförderung und zur
Bekämpfung von Diskriminierung. Jüngste Drohungen der US-Regierung,
demokratisch regierten Bundesstaaten die Austragung von Spielen der Fußball-
Weltmeisterschaft 2026 zu entziehen (vgl. www.dw.com/de/donald-trump-droh
ung-staedte-fussball-wm-infantino-v2/a-74359592), verdeutlichen, dass selbst
internationale Sportgroßereignisse zunehmend für parteipolitische
Machtstrategien instrumentalisiert werden könnten. Sollte es zu einer solchen Verlagerung
kommen, könnte dies nicht nur den internationalen Charakter der Veranstaltung
untergraben, sondern Einreise und Aufenthalt für viele Akteurinnen und
Akteure, Fans und Medienschaffende zusätzlich erschweren – insbesondere, wenn
Spiele ausschließlich in republikanisch regierten Staaten stattfinden.
Angesichts dieser Entwicklungen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie
Sportdiplomatie im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zum Schutz
von Freiheitsrechten, zur Förderung gemeinsamer Werte und zur Stärkung von
Inklusion beitragen kann – insbesondere mit Blick auf die FIFA (Fédération
Internationale de Football Association)-Weltmeisterschaft 2026 in den USA,
Kanada und Mexiko, die Olympischen Spiele 2028 sowie die Paralympischen
Spiele 2028 in Los Angeles.
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Entwicklungen bitten wir die
Bundesregierung, darzulegen, in welchen konkreten und rechtlich zuzuordnenden
Verantwortungsbereichen sie angesichts dieser Entwicklungen tätig werden kann.
Konkret geht es uns darum, wie die Bundesregierung zum Schutz der Kunst-,
Wissenschafts- und Medienfreiheit sowie zur Absicherung transatlantischer
Austausch- und Förderprogramme vorgeht — etwa durch diplomatische
Gespräche mit US-Behörden, konsularischen Schutz deutscher Journalistinnen
und Journalisten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die
Sicherstellung und Anpassung deutscher Förderinstrumente und
Kooperationsverträge, die Unterstützung unabhängiger zivilgesellschaftlicher Akteurinnen
Akteure sowie die Koordination mit der EU und internationalen Partnern. Die
Kleine Anfrage richtet sich aus Sicht der Fragesteller auf diejenigen
Maßnahmen und Zuständigkeiten, die in den Verantwortungsbereich der
Bundesregierung fallen und mit denen sie unmittelbar auf Beeinträchtigungen
transatlantischer Kooperationen reagieren kann.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welcher Weise beobachtet und analysiert die Bundesregierung die
aktuellen Entwicklungen in den USA, die nach dortigen Berichten
Einschränkungen der Wissenschafts- und Kunstfreiheit beinhalten (z. B.
Überprüfung von Smithsonian-Ausstellungen, Zensur von Büchern, die auch zum
Bestand jeder Goethe-Instituts-Bibliothek gehören, Druck auf
Universitäten, etc.), und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für ihre eigene
Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie für bestehende
transatlantische Kooperationen?
2. Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung für die transatlantische
Zusammenarbeit, wenn diese Einschränkungen anhalten oder ausgeweitet
werden?
3. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um transatlantische
Beziehungen im Bereich Wissenschaft, Bildung, Kultur und Sport auch
unabhängig von parteipolitischen Machtverhältnissen in den USA
langfristig zu sichern?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die möglichen Auswirkungen der
geplanten US-Visareform auf die Arbeits- und Berichterstattungsfreiheit
deutscher Medienorganisationen in den USA, und welche diplomatischen
oder politischen Schritte hat sie unternommen, um die US-Regierung auf
die potenziellen Folgen für Pressefreiheit und transatlantische
Beziehungen hinzuweisen?
5. Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
des neuen Regelwerks des US-Verteidigungsministeriums vor,
demzufolge Reporterinnen und Reporter ihre Akkreditierung verlieren können,
wenn sie Informationen ohne vorherige Genehmigung des Pentagons
veröffentlichen, und welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
im Rahmen ihrer Zuständigkeiten sicherzustellen, dass deutsche
Journalistinnen und Journalisten auch künftig frei und uneingeschränkt über
sicherheits- und verteidigungspolitische Themen aus den USA berichten
können?
6. Wie bewertet die Bundesregierung die zunehmende politische und
wirtschaftliche Einflussnahme auf Medienunternehmen in den USA, etwa
durch gerichtliche Verfahren gegen kritische Berichterstattung oder
indirekten Druck auf Sender, und welche Bedeutung misst sie der
Medienfreiheit im transatlantischen Kontext bei?
7. Welche Ansätze verfolgt die Bundesregierung im Rahmen ihrer
Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sowie ihrer Menschenrechtsarbeit, um
den Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in
den USA zu fördern, die sich für künstlerische Freiheit,
Wissenschaftsfreiheit und den Schutz marginalisierter Gruppen einsetzen, und wie
beabsichtigt sie, entsprechende Themen in bilateralen und multilateralen
Dialogformaten zu adressieren?
a) Wie bewertet die Bundesregierung die zunehmenden politischen
Angriffe auf gemeinnützige Organisationen und Stiftungen in den USA –
etwa auf die Ford Foundation oder die Open Society Foundations –,
und welche Auswirkungen sieht sie dadurch für zivilgesellschaftliche
Zusammenarbeit und gemeinsame Demokratieförderprogramme im
transatlantischen Kontext?
b) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den Austausch
und die Zusammenarbeit mit unabhängigen zivilgesellschaftlichen und
gemeinnützigen Organisationen in den USA – insbesondere solchen,
die sich für Menschenrechte, Demokratie und Gleichberechtigung
einsetzen – zu sichern und vor politischer Einflussnahme zu schützen?
8. Welche Vorkehrungen trifft die Bundesregierung, um
Wissenschaftskooperationen mit US-amerikanischen Hochschulen und
Forschungseinrichtungen trotz Einschränkungen und Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit
abzusichern und negative Folgen für die Forschung abzuwenden?
9. Welche Strategien und Maßnahmen plant die Bundesregierung, um
deutsche Studierende und Forschende, die von den US-Visabeschränkungen
betroffen sein könnten, zu unterstützen und alternative
Kooperationsmöglichkeiten zu fördern?
10. Inwieweit steht die Bundesregierung im Dialog mit der US-Regierung, um
die Auswirkungen der verschärften Visapolitik auf den akademischen
Austausch zu thematisieren und gegebenenfalls abzuschwächen?
11. Welche transatlantischen wissenschaftlichen, Bildungs- und
Kulturprogramme wurden seit der erneuten Trump-Administration eingeschränkt
oder beendet (bitte nach Programmen und Jahren aufschlüsseln)?
12. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Einschränkungen
bei wissenschaftlichen Kooperationen mit US-Partnerinstitutionen
aufzufangen?
13. Welche Förderhöhen und Förderdauern sind im Rahmen der neuen Global
Minds Initiative (1000 Köpfe) vorgesehen, und worin unterscheidet sich
diese Förderung von bestehenden Programmen der Alexander-von-
Humboldt-Stiftung und Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und
falls die Fördersumme höher sein sollte, wie wird dies begründet mit
Blick auf die gleiche Zielsetzung?
14. Inwiefern plant die Bundesregierung, die Global Minds Initiative
Germany finanziell flexibel über den gesamten Förderzeitraum auszugestalten,
um eine verlässliche und bedarfsorientierte Umsetzung im Sinne der
Programmziele sowie Planungssicherheit für die beteiligten
Mittlerorganisationen zu gewährleisten?
15. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung eingeleitet, um
wissenschaftlich relevante Datenbestände, deren Existenz durch das Vorgehen
der US-Regierung gefährdet ist, zu sichern, zugänglich zu halten und für
transatlantische Forschungskooperationen zu bewahren?
16. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung für bestehende
Programme des kulturellen Austauschs, wenn Partnerinstitutionen in den
USA von staatlicher Zensur oder politischer Einflussnahme betroffen
sind?
17. Wie bewertet die Bundesregierung die angekündigten 100-Prozent-Zölle
der US-Regierung auf außerhalb der USA produzierte Filme und
internationale Co-Produktionen im Hinblick auf deren Auswirkungen auf
kulturelle Austausch- und Kooperationsprojekte sowie auf die Freiheit
künstlerischen Schaffens im transatlantischen Kontext?
18. Inwiefern sind konkret die Kulturstätten Thomas-Mann-Haus und Villa
Aurora von den Eingriffen in die Kunst- und Kulturfreiheit betroffen?
19. Wie wirken sich die verstärkten Einreisebeschränkungen und
Einreisekontrollen in den USA auf deutsch-amerikanische Kultur-, Austausch- und
Stipendienprogramme (z. B. des Goethe-Instituts, des Deutschen
Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Deutsch-Amerikanischen
Institute, des Deutschen Bundestages im Rahmen des Parlamentarischen
Patenschafts-Programms (PPP/CBYX) oder vergleichbarer
Organisationen) aus?
a) Wie haben sich die Teilnehmendenzahlen dieser Programme seit 2023
entwickelt (bitte nach Trägern und Programmjahren aufschlüsseln)?
b) Welche Auswirkungen hatten Einreiseprobleme auf den Ablauf der
Programme (z. B. verspätete Anreisen, Abbrüche, Verschiebungen
oder Absagen)?
c) Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen dieser
Entwicklungen auf die bilateralen Austausch- und Kulturbeziehungen
zwischen Deutschland und den USA?
d) Inwiefern haben die verschärften Einreisebeschränkungen und
Einreisekontrollen Auswirkungen auf die Auswahlprozesse,
Teilnehmendenprofile und die Chancengleichheit bei der Vergabe von Stipendien und
Austauschplätzen in den genannten Programmen?
20. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Einreiseprobleme von
Teilnehmenden deutsch-amerikanischer Austausch- und
Stipendienprogramme seit 2023, insbesondere über Fälle, in denen trotz gültiger ESTA
(Electronic System for Travel Authorization)-Genehmigung oder Visum
eine Zurückweisung, längere Befragung („Secondary Inspection“) oder
Aufforderung zur Vorlage zusätzlicher Nachweise erfolgte?
a) Wie häufig kam es seit 2023 zu solchen Fällen (bitte nach
Programmen und Jahren aufschlüsseln)?
b) Sieht die Bundesregierung Anzeichen für eine restriktivere
Anwendung bestehender Einreisebestimmungen durch die US-
Grenzschutzbehörden?
c) In wie vielen Fällen leisteten deutsche Auslandsvertretungen seit 2023
konsularische Unterstützung im Zusammenhang mit
Einreiseproblemen von Programmteilnehmenden, und in welcher Form erfolgte diese
Unterstützung (bitte nach Programmen und Jahren aufschlüsseln)?
d) Steht die Bundesregierung im Austausch mit US-Behörden über
Einreiseprobleme deutscher Programmteilnehmender?
e) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
Programmträger und Teilnehmende besser über Einreisebedingungen,
Nachweispflichten und mögliche Einreisehindernisse zu informieren?
21. Welche Rolle nimmt die transatlantische Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung von Diskriminierung und Intoleranz im Kontext von Kunst-,
Wissenschafts- und Medienfreiheit ein?
22. Inwiefern bezieht die Bundesregierung bei ihrer Bewertung der Lage in
den USA die Situation von LGBTQI*-Menschen ein, insbesondere wenn
deren Sichtbarkeit und Rechte durch Zensurmaßnahmen oder
Einschränkungen in Wissenschaft, Kunst, Sport und Bildung betroffen sind?
23. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um gezielt queere
Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,
Sportlerinnen und Sportler und Institutionen im Rahmen der
transatlantischen Zusammenarbeit zu unterstützen, wenn diese von Einschränkungen
betroffen sind?
24. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Thematisierung von
LGBTQI*-Rechten in den transatlantischen Beziehungen bei,
insbesondere im Kontext von Austauschprogrammen, Hochschulkooperationen,
Kulturarbeit und Sportförderung?
25. Welche Rolle misst die Bundesregierung der Sportdiplomatie im Rahmen
der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu, insbesondere vor dem
Hintergrund politischer Einflussnahmen auf internationale
Sportgroßereignisse wie die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und
Mexiko sowie die Olympischen und Paralympischen Spiele 2028 in Los
Angeles?
26. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung im Kontext der
FIFA-Weltmeisterschaft 2026 und der Olympischen und Paralympischen
Spiele 2028, um sicherzustellen, dass die Rechte von LGBTQI*-
Menschen sowie Fragen der Antidiskriminierung und Teilhabe in den
Gastgeberstaaten gewahrt werden?
27. Wie bewertet die Bundesregierung die jüngsten Ankündigungen der US-
Regierung, demokratisch regierten Bundesstaaten die Austragung von
Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zu entziehen, und welche
Folgen sieht sie dadurch für die politische Neutralität und internationale
Glaubwürdigkeit der Veranstaltung?
28. Welche Initiativen plant die Bundesregierung, um die genannten
Großereignisse als Anlässe für Sportdiplomatie, zivilgesellschaftliche
Begegnungen und die Stärkung der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu
nutzen?
29. In welcher Weise beabsichtigt die Bundesregierung, im Rahmen ihrer
Sportdiplomatie auf mögliche politische Einflussnahmen bei der
Austragung der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 hinzuwirken und den Schutz von
Spielerinnen und Spielern, Journalistinnen und Journalisten, Fans und
zivilgesellschaftlichen Gruppen sicherzustellen, insbesondere in
republikanisch regierten US-Bundesstaaten?
30. Welche Vorkehrungen trifft die Bundesregierung, um sicherzustellen, dass
deutsche Korrespondentinnen und Korrespondenten während der
genannten Sportgroßereignisse frei, unabhängig und ohne politischen oder
wirtschaftlichen Druck berichten können?
Berlin, den 5. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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