Förderung von Medien- und digitalen Kompetenzen
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Förderung von Medien- und digitalen Kompetenzen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3622
21. Wahlperiode 14.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Anja Reinalter, Denise Loop, Misbah Khan, Ulle Schauws,
Nyke Slawik, Dr. Anna Lührmann, Awet Tesfaiesus, Sven Lehmann, Claudia
Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Förderung von Medien- und digitalen Kompetenzen
Medienkompetenz ist zu einer Schlüsselkompetenz in der zunehmend
digitalisierten Gesellschaft geworden. Sie umfasst soziale, kulturelle, kreative,
politische und technische Dimensionen und verbindet klassische Nachrichten- und
Medienkompetenzen mit Digital- und Demokratiekompetenzen. Als
Querschnittskompetenz ist sie eine Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe,
beruflichen Erfolg sowie eine resiliente Demokratie.
Meinungsbildung findet heute v. a. im digitalen Raum statt. Online-Plattformen
ermöglichen es prinzipiell allen, Informationen zu erstellen und zu teilen. Um
sich in diesem Informationsumfeld mündig zu bewegen, bedarf es der
Fähigkeit, Medieninhalte kritisch einzuordnen. Medienkompetenz ist somit für den
Schutz vor Desinformation und das Funktionieren der Demokratie
unverzichtbar.
Darüber hinaus sind digitale und medienbezogene Kompetenzen zentrale
Zukunftskompetenzen: Vom Schulabschluss über Ausbildung und Studium bis hin
zum lebenslangen Lernen sind sie essenziell für die moderne Arbeitswelt.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien großen Handlungsbedarf. Laut der
internationalen Vergleichsstudie „International Computer and Information Literacy
Study“ (ICILS) 2023 erreichen 40 Prozent der Achtklässlerinnen und
Achtklässler in Deutschland nur rudimentäre digitale Kompetenzen (vgl.
Eickelmann et al., ICILS 2023 #Deutschland – Computer- und informationsbezogene
Kompetenzen und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking von
Schüler*innen im internationalen Vergleich. Waxmann, 2024). Eine
Sonderauswertung der PISA-Studie (PISA = Programme for International Student
Assessment) 2022 zeigt zudem, dass sich weniger als die Hälfte der Schülerinnen und
Schüler in der Lage fühlt, die Qualität im Internet gefundener Informationen
fundiert zu beurteilen (vgl. Tamara Kastorff et al., Fake News oder Fakten?
Wie Jugendliche ihre digitale Informationskompetenz einschätzen und welche
Rolle Schulen und Lehrkräfte dabei spielen – Erkenntnisse aus PISA 2022.
Münster, 2025). Auch bei der erwachsenen Bevölkerung bestehen Defizite: Ein
repräsentativer Nachrichtenkompetenztest kommt zu überwiegend
mittelmäßigen bis schlechten Ergebnissen in nahezu allen untersuchten Bereichen (vgl.
Meßmer et al., „Quelle: Internet“? Digitale Nachrichten- und
Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test. www.interface-eu.org/storage/arc
hive/files/studie_quelleinternet.pdf).
Digitale Bildung und die Förderung von Medienkompetenz ist nach Auffassung
der fragestellenden Fraktion von gesamtgesellschaftlicher und
gesamtstaatlicher Bedeutung und erfordert somit auch ein verstärktes Engagement des
Bundes – auch über einzelne Förderprogramme wie den Digitalpakt 2.0 hinaus.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie plant die Bundesregierung „Demokratiebildung, Medien- und
Nachrichtenkompetenz […] gemeinsam mit den Ländern“ zu stärken (vgl.
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 72)?
a) Wie definiert die Bundesregierung Demokratiebildung, Medien- und
Nachrichtenkompetenz?
b) Welche konkreten Ziele hat sich die Bundesregierung hierzu gesetzt,
und wie möchte sie das Erreichen der Ziele bestimmen?
c) Welche konkreten Maßnahmen sind hierzu geplant?
d) Inwiefern wurden hierzu bereits Gespräche mit den Ländern,
beispielsweise mit der Bildungsministerkonferenz oder mit den
Landesinstituten für Schulentwicklung und Lehrkräftebildung, geführt, und
welche Ergebnisse wurden erzielt?
e) Inwiefern wurden hierzu bereits Gespräche mit der Zivilgesellschaft
und der Wissenschaft geführt, und welche Ergebnisse wurden erzielt?
f) Inwiefern wurde die Bundeszentrale für politische Bildung in die
Erwägungen eingebunden?
g) Bei welchen Zielgruppen und in welchen Regionen sieht die
Bundesregierung erhöhten Handlungsbedarf bzw. wer wird aus Sicht der
Bundesregierung mit den bisherigen Angeboten noch nicht erreicht?
h) Plant die Bundesregierung eine ressortübergreifende Strategie zur
Förderung von Medienkompetenz, und wenn nein, wieso nicht?
i) Inwiefern ist geplant, die angekündigte Stärkung von
Demokratiebildung, Medien- und Nachrichtenkompetenz auch mit Aufwüchsen im
Haushalt zu hinterlegen?
2. Wie ist der Stand bezüglich der „altersübergreifenden digitale[n]
Kompetenzoffensive“ der Bundesregierung (vgl. Koalitionsvertrag, S. 69)?
a) Welche Ressorts werden neben dem federführenden
Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) inwiefern bei
der inhaltlichen Ausarbeitung und Umsetzung beteiligt?
b) Welche konkreten Ziele hat sich die Bundesregierung mit der digitalen
Kompetenzoffensive zu erreichen gesetzt, und inwiefern sind sie z. B.
mit den Bildungszielen der Länder abgestimmt?
c) Welche konkreten Maßnahmen sind im Rahmen der
Kompetenzoffensive geplant?
d) Inwiefern wurden hierzu bereits Gespräche mit den Ländern,
beispielsweise mit der Bildungsministerkonferenz, geführt, und welche
Ergebnisse wurden erzielt?
e) Inwiefern wurden hierzu bereits Gespräche mit der Zivilgesellschaft
und der Wissenschaft geführt, und welche Ergebnisse wurden erzielt?
f) Wann soll die Kompetenzoffensive veröffentlicht werden, und wie ist
der Zeitplan bis zur Veröffentlichung?
g) Welche Haushaltsmittel sind für die Kompetenzoffensive eingeplant,
und in welchem Einzelplan werden diese enthalten sein?
3. In welchen Einzelplänen und unter welchen Haushaltstiteln wurden in den
Haushaltsjahren 2025 und 2026 Maßnahmen zur Vermittlung von
digitalen, Demokratie-, Nachrichten- und Medienkompetenzen finanziert (bitte
vollständig alle Titel aufführen)?
4. Welche konkreten Programme, Projekte und Initiativen werden unter den
jeweils genannten Titeln finanziert (bitte nach Namen, Kurzbeschreibung,
Zielgruppe, Kompetenzfokus, zuständigem Ressort bzw. zuständiger
Behörde, Zuwendungsempfängerinnen und Zuwendungsempfängern bzw.
Trägerorganisation und Bundesland, in dem diese ansässig ist bzw. sind,
Art der Finanzierung, Laufzeit, Höhe der bereitgestellten oder bewilligten
Mittel in den Jahren 2025 und 2026 und Gesamtvolumen bei mehrjähriger
Förderung aufschlüsseln)?
5. Welche vom Bund finanzierten bzw. mitfinanzierten langfristigen
Förderprogramme gibt es für freie Träger, die die Förderung von
Medienkompetenz zum Ziel haben, und von welchem Ressort werden diese
verantwortet?
6. Welche neuen oder geplanten Maßnahmen zur Vermittlung von digitalen,
Demokratie-, Nachrichten- und Medienkompetenzen sind für die
kommenden Haushaltsjahre vorgesehen (bitte – soweit bereits möglich – das
geplante Finanzvolumen, die vorgesehene Rechts- oder Fördergrundlage,
die Zielgruppen, die beabsichtigte Ressortverantwortung sowie mögliche
Kooperationspartner und mitfinanzierende Behörden oder Organisationen
nennen)?
7. Welche Maßnahmen zur Förderung der digitalen Bildung plant die
Bundesregierung über den Digitalpakt 2.0 hinaus?
8. Inwiefern wird die Bundesregierung die Förderung von digitalen und
Medienkompetenzen im bildungspolitischen Arbeitsprozess des
Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der
Länder zur künftigen Verbesserung der Ergebnisse von
Bildungsvergleichsstudien (vgl. https://table.media/bildung/thema-des-tages/amtschef
konferenz-mehr-klarheit-fuer-zusammenarbeit-zwischen-bund-und-laende
rn-erwartet) thematisieren?
9. Welche Pläne hat die Bundesregierung bezüglich der „Kompetenzzentren
für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und
Weiterbildung“, und ist geplant, diese in die neuen Vorhaben der Bundesregierung
zu integrieren?
10. Welche Pläne hat die Bundesregierung zur Eindämmung von
Desinformation sowie zu missbräuchlich eingesetzten KI-Anwendungen (KI =
Künstliche Intelligenz) auf Social-Media-Plattformen?
11. Inwiefern hat sich die Bundesregierung zu der Entscheidung, die digitale
und Medienkompetenz stärker zu fördern, Best-Practice-Beispiele aus den
Bundesländern und anderen Staaten angeschaut, wenn ja, welche, und mit
welchen Ergebnissen?
12. Inwiefern setzt sich die Bundesregierung auf europäischer und
internationaler Ebene für die Förderung von Medien-, Nachrichten- und digitalen
Kompetenzen ein?
Berlin, den 13. Januar 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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