Zu einer altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive
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Zu einer altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1196
21. Wahlperiode 12.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich und der
Fraktion der AfD
Zu einer altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive
Die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet immer weiter voran. Sie ergreift
die Informationsbeschaffung und die Kommunikation ebenso wie die
Vermittlung von Wissen und die Art, zu arbeiten. Unternehmen wirtschaften auf der
Basis digitalisierter Daten, Produktion und Logistik automatisieren sich,
Arbeitnehmer brauchen zunehmend einschlägige Softwarekenntnisse, auch der
Staat tritt auf digitalem Wege in Interaktion mit den Bürgern. Unverzichtbare
Grundlage dieses vielschichtigen Prozesses ist zum einen eine Infrastruktur, die
das Verarbeiten und das Teilen digitaler Daten in großen Mengen und in
Echtzeit erlaubt, zum anderen der Zugang der Bürger zu diesem digitalen Pulsieren
über geeignete Endgeräte.
Die Gesellschaft und ihre Bürger müssen Wege finden, mit dem stetig
anschwellenden Strom digitaler Daten sachgerecht umzugehen, und lernen, das
Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Bis Anfang der 1980er-Jahre gab
es in Deutschland drei Fernsehprogramme, seit der Liberalisierung des TV-
Marktes sind es potenziell unbegrenzt viele Kanäle, die via Kabel und Satellit
zu empfangen sind. Die Verbreitung des Internets als Massenmedium Mitte der
1990er-Jahre hat zum einen die direkte Kommunikation via E-Mail geschaffen,
zum anderen mit großen Plattformen eine bis dahin nicht gekannte Verbreitung
von Informationen über Landes- und Sprachgrenzen hinweg auf den Weg
gebracht, an jeder Redaktion und Moderation vorbei.
Heute bekommen Kinder über ihre Telefone Zugriff auf Inhalte, die definitiv
für Erwachsene kreiert werden, während Senioren sich vom Design der
Webseiten und Apps häufig überfordert und vom digitalen Leben ausgeschlossen
fühlen. Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich ohne jedes
Vorwissen Bilder und Videos manipulieren, Texte lassen sich in Augenblicken
erstellen. Diese technische Revolution stellt die Frage nach dem Vertrauen in
die digitale Kommunikation. Im Kapitel „Gesellschaft – digital kompetent,
selbstbestimmt und inklusiv“ des Koalitionsvertrages zwischen CDU, CSU und
SPD heißt es: „Der souveräne, sichere und kritische Umgang mit digitalen
Tools und Medien steigert die Resilienz unserer Gesellschaft, die
Wehrhaftigkeit unserer Demokratie und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Wir
starten deshalb eine altersübergreifende digitale Kompetenzoffensive“ (vgl.
www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_
2025.pdf, hier S. 69).
Diesem Verständnis nach erscheint nach dem Verständnis der Fragesteller der
„sichere Umgang“ mit „digitalen Tools und Medien“ nicht an sich als
erstrebenswert im Sinne einer umfassenden Persönlichkeitsbildung, sondern dient
primär der Stabilisierung des politischen Systems ebenso wie dem
Funktionieren des wirtschaftlichen Systems.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD angekündigt, bereits Maßnahmen zum Start einer
„altersübergreifenden digitalen Kompetenzoffensive“ ergriffen (siehe Vorbemerkung
der Fragesteller; bitte ausführen)?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen sind dies konkret?
b) Wenn ja, welche Ziele verfolgen diese Maßnahmen?
c) Wenn ja, liegt diesen Maßnahmen eine konkrete Strategie zugrunde?
d) Wenn nein, wann ist mit derlei Maßnahmen zu rechnen?
2. Welchen zeitlichen Rahmen soll die von der Bundesregierung
angekündigte „digitale Kompetenzoffensive“ haben, und bis zu welchem
Zeitpunkt sollen welche Ergebnisse vorliegen (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller; bitte ausführen)?
3. Lässt sich nach den Vorstellungen der Bundesregierung die „digitale
Kompetenz“ der Bevölkerung messen und damit vergleichen?
a) Wenn ja, mit welchen Messgrößen und Einheiten geschähe dies?
b) Wenn nein, wie will die Bundesregierung den Begriff der „digitalen
Kompetenz“ sinnvoll operationalisieren?
4. Korreliert nach Kenntnis der Bundesregierung der Erwerb „digitaler
Kompetenzen“ mit den soziodemografischen Variablen (siehe Vorbemerkung
der Fragesteller; bitte ausführen)
a) Alter,
b) Soziale Schicht,
c) Sprachkenntnisse,
d) Bildungsstand,
e) Sinnliche, physische und geistige Beeinträchtigungen?
5. Was sollten nach den Vorstellungen der Bundesregierung die Menschen in
Deutschland
a) als Kinder,
b) als Jugendliche,
c) als Erwachsene,
d) als Senioren,
e) altersübergreifend
können, wissen und reflektieren, um als „digital kompetent“ betrachtet
werden zu können?
6. Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung Barrieren, die den Erwerb
digitaler Kompetenzen der Menschen in Deutschland erschweren oder gar
verhindern?
a) Wenn ja, welcher Art sind diese Barrieren?
b) Wenn ja, wie lassen sich diese Barrieren identifizieren und ggf.
abbauen?
7. Liegen der Bundesregierung empirische Daten zum Stand digitaler
Kompetenzen der deutschen Bevölkerung, differenziert nach Altersgruppen
und sozialen Schichten, vor (bitte ggf. ausführen)?
8. Liegen der Bundesregierung empirische Daten zum Stand digitaler
Kompetenzen der deutschen Bevölkerung im Vergleich zu jenen der
Bevölkerung anderer Länder vor (bitte ausführen)?
9. Wie viel Geld wird die Bundesregierung in den Haushaltsentwürfen für
2025 und 2026 für eine „digitale Kompetenzoffensive“ investieren wollen
(bitte nach Einzelplänen, Titelgruppen, Maßnahmen und Projektträgern
differenzieren)?
10. Hat sich die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben der Erarbeitung einer
digitalen Kompetenzoffensive mit Ländern ausgetauscht, die bereits über
eine solche verfügen (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, mit welchen Ländern, in welchem Format, und mit welchen
Ergebnissen?
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung in absehbarer Zeit einen
solchen Austausch?
11. Hat sich die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben der Erarbeitung einer
Kompetenzoffensive mit den Bundesländern ausgetauscht?
a) Wenn ja, mit welchen Bundesländern, in welchem Format, und mit
welchen Ergebnissen?
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung in absehbarer Zeit einen
solchen Austausch?
12. Hat sich die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben der Erarbeitung einer
Kompetenzoffensive mit Unternehmen sowie Wirtschafts- und
Industrieverbänden ausgetauscht?
a) Wenn ja, mit welchen Unternehmen und Verbänden, in welchem
Format, und mit welchen Ergebnissen?
b) Wenn nein, plant die Bundesregierung in absehbarer Zeit einen
solchen Austausch?
13. Umfasst der „souveräne, sichere und kritische Umgang mit digitalen Tools
und Medien“ für die Bundesregierung auch ein bewusstes und
reflektiertes Interagieren mit Lösungen Künstlicher Intelligenz, und was wären
nach Auffassung der Bundesregierung geeignete Kriterien, die ein
altersübergreifendes Interagieren mit KI-Lösungen dokumentieren könnten
(siehe Vorbemerkung der Fragesteller; bitte ausführen)?
Berlin, den 7. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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