Berufseinstieg vor dem Hintergrund von künstlicher Intelligenz und konjunktureller Schwäche
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Berufseinstieg vor dem Hintergrund von künstlicher Intelligenz und konjunktureller Schwäche
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3416
21. Wahlperiode 22.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sylvia Rietenberg, Dr. Anja Reinalter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Berufseinstieg vor dem Hintergrund von künstlicher Intelligenz und
konjunktureller Schwäche
Die Berufseinstiegschancen junger Menschen in Deutschland sind seit dem
Jahr 2024 zunehmend angespannt. Während die Gesamtarbeitslosigkeit
moderat ansteigt, nimmt der Druck auf Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger
und Auszubildende zu. Eine StepStone-Analyse vom August 2025 hat über
4 Millionen Stellenanzeigen ausgewertet und eine massive Reduzierung der
ausgeschriebener Einstiegsjobs festgestellt. Studien aus den USA weisen
ebenfalls auf ähnliche Trends hin: Technologischer Wandel und Automatisierung
reduzieren Einstiegsstellen in standardisierte Tätigkeiten.
Insbesondere der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) verändert
den Arbeitsmarkt strukturell. Viele Tätigkeitsfelder, die typischerweise
Berufseinsteigerinnen vorbehalten waren, werden automatisiert oder restrukturiert.
Parallel dazu verschärft die aktuelle wirtschaftliche Stagnation den Übergang
von der Schule in den Beruf. Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen nach
den politischen Maßnahmen der Bundesregierung, um jungen Menschen
Perspektiven im Arbeitsmarkt der Zukunft zu eröffnen und Bildungs- bzw.
Förderstrukturen zukunftsfähig zu gestalten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie schnell finden junge Menschen in Deutschland nach dem
Berufsabschluss aktuell eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, und wie
haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach
dualer Ausbildung, schulischer Ausbildung und Studium differenzieren)?
2. Wie hoch ist die Arbeitslosenquote von Menschen in den ersten drei,
sechs und zwölf Monaten nach Berufs- oder Studienabschluss, und wie
haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach
Art des Abschlusses differenzieren)?
3. Wie viele Bewerbungen müssen Berufs- und Studienabsolventen nach
Kenntnis der Bundesregierung nach Abschluss im Schnitt schreiben, bis
sie eine Stelle antreten können, und wie hat sich diese Zahl in den letzten
zehn Jahren entwickelt (bitte nach Art des Abschlusses differenzieren)?
4. Wie hat sich die Zahl der Ausbildungs- und Studienabsolventen in den
letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach Art des Abschlusses
differenzieren)?
5. Wie hat sich die Zahl der offenen Stellen für Menschen mit Berufs- oder
Studienabschluss in den letzten zehn Jahren entwickelt?
6. In welchem Umfang sind nach Kenntnis der Bundesregierung
Berufseinsteigerstellen im Vergleich zu 2015 weggefallen oder in Positionen mit
anderen Qualifikationsanforderungen umgewandelt worden?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die derzeitige Entwicklung der
Berufseinstiegschancen junger Menschen im Lichte der wirtschaftlichen Lage
und des zunehmenden Einsatzes von KI-Technologien (bitte nach Art des
Abschlusses differenzieren)?
8. Welche Branchen und Tätigkeitsfelder sind nach Kenntnis der
Bundesregierung besonders stark von strukturellen Arbeitsplatzverlusten oder
Arbeitsplatzveränderungen im Einstiegssegment betroffen (wenn möglich
mit aktuellen Veränderungszahlen benennen)?
9. Von welchen dualen Ausbildungsberufen ist nach Kenntnis der
Bundesregierung geplant, die Ausbildungsordnungen aufgrund der Entwicklung
im Bereich der künstlichen Intelligenz zu überarbeiten?
10. Welche Zusatz- und Teilqualifikationen wurden in den vergangenen fünf
Jahren entwickelt, um auf die Entwicklung im Bereich der künstlichen
Intelligenz zu reagieren?
11. Wie plant die Bundesregierung sicherzustellen, dass KI-getriebene
Produktivitätsgewinne nicht zu einer Verdrängung von Stellen für
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger führen?
12. Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für geeignet, um
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger besser auf KI-beeinflusste
Arbeitsmärkte vorzubereiten (z. B. im Rahmen von beruflicher oder schulischer
Qualifizierung, Förderprogrammen oder Arbeitsmarktinstrumenten) bzw.
deren Chancen zum erfolgreichen Berufseinstieg zu erhöhen?
13. Inwiefern sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, die
Arbeitsvermittlung und Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit an neue
Beschäftigungsformen und KI-gestützte Arbeitsprozesse anzupassen?
14. Welche Ansprache hält die Bundesregierung für geeignet, um
Arbeitsgeber zu motivieren, mehr Berufseinstiegsstellen bereitzustellen?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Zahl der unbesetzten
Ausbildungsplätze im Verhältnis zur Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss, und
was sind aus Sicht der Bundesregierung die wichtigsten Ursachen für
dieses Missverhältnis?
16. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko, dass ökonomische
Unsicherheit (z. B. durch eine langanhaltende konjunkturelle Schwächephase)
dazu führt, dass Unternehmen weniger bereit sind, Nachwuchskräfte
auszubilden oder einzustellen, und mit welchen mittel- und langfristigen
ökonomischen und sozialen Folgen wäre in diesem Fall zu rechnen?
Berlin, den 16. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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