Widersprüche in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im Deutschen Fortschrittsbericht 2025
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Widersprüche in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im Deutschen Fortschrittsbericht 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/655
21. Wahlperiode 26.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten René Springer, Ulrike Schielke-Ziesing, Robert Teske, Achim
Köhler, Bernd Schuhmann, Peter Bohnhof, Lukas Rehm, Thomas Stephan und
der Fraktion der AfD
Widersprüche in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im Deutschen
Fortschrittsbericht 2025
Im Deutschen Fortschrittsbericht 2025 (Bundestagsdrucksache 21/62) werden
Entwicklungen im Bereich Arbeitsmarkt und Sozialpolitik dargestellt, die aus
Sicht der Fragesteller auf politische Fehlsteuerungen hinweisen. Trotz eines
Höchststands bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist die
Arbeitslosenquote gestiegen. Der Beschäftigungszuwachs basiert nahezu
ausschließlich auf ausländischen Arbeitskräften, während die Arbeitsproduktivität
sowohl 2023 als auch im Jahr 2024 rückläufig war. Gleichzeitig steigen die
Sozialausgaben, ohne dass eine klare Strategie zur Haushaltskonsolidierung
erkennbar ist. Die Bundesregierung setzt weiterhin primär auf Migration zur
Fachkräftesicherung, während innerstaatliche Erwerbspotenziale weitgehend
unberücksichtigt bleiben.
Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht der Fragesteller die Frage,
inwieweit der anhaltende Produktivitätsrückgang mit einer Zuwanderung
geringqualifizierter Arbeitskräfte (vgl. Migrationsmonitor Mai 2025, statistik.arbeitsagent
ur.de/Statistikdaten/Detail/Aktuell/migrationsmonitor/migrationsmonitor/migra
tionsmonitor-d-0-xlsx.xlsx?__blob=publicationFile&v=1) bei gleichzeitiger
Abwanderung gut qualifizierter Erwerbstätiger zusammenhängt (vgl. German
Emigration and Remigration Panel Study [GERPS], www.bib.bund.de/Publikat
ion/2019/pdf/German-Emigration-and-Remigration-Panel-Study-GERPS.pdf
?__blob=publicationFile&v=2). Die beabsichtigte Steigerung der
gesamtwirtschaftlichen Leistungskraft durch Migration bleibt bislang aus, was in den
Augen der Fragesteller grundlegende Zweifel an der Ausrichtung der
Fachkräftestrategie der Bundesregierung begründet (vgl. Arbeitsproduktivität je
Erwerbstätigenstunde, www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Grafiken/Newsr
oom/2024/_Interaktiv/20241022-arbeitsproduktivitaet.html).
In der zweiten Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Deutschen
Bundestag am 4. Juni 2025 erfolgte eine Unterrichtung der Bundesregierung
zum Deutschen Fortschrittsbericht 2025. Aus Sicht der Fragesteller blieben
insbesondere die Fragen der Fraktion der AfD dabei unzureichend beantwortet.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Ursachen sieht die Bundesregierung für die Tatsache,
dass die Arbeitslosenquote im Jahr 2024 auf 6 Prozent gestiegen ist,
obwohl die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen einen
Höchststand erreicht hat (vgl. Bundestagsdrucksache 21/62, S. 10)?
2. Wie verteilt sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2024 auf die
jeweiligen Altersgruppen (15 bis unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre,
50 bis unter 55 Jahre und 55 bis 67 Jahre), Berufsabschlüsse (ohne
Berufsabschluss, betriebliche bzw. schulische Berufsausbildung,
akademischer Abschluss), Staatsangehörigkeiten (Deutsche, Ausländer, EU-
Staaten, Top-8-Asylherkunftsstaaten, Ukraine) und Bundesländer (bitte
nach Bund sowie nach jeweiligem Bundesland ausweisen; vgl.
Bundestagsdrucksache 21/62, S. 10)?
3. Welche Programme zur Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen,
Geringqualifizierten und Personen über 55 Jahre plant die
Bundesregierung, ggf. in der aktuellen Legislatur umzusetzen, und wie bewertet sie die
entsprechenden Programme der Vorgängerregierung, die im Jahr 2024 neu
aufgelegt oder reformiert wurden, wie beispielsweise den „Job-Turbo zur
Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“?
4. Wie bewertet die Bundesregierung, dass seit 2023 der
Beschäftigungsausbau nahezu ausschließlich auf ausländische Arbeitskräfte zurückzuführen
ist, vor dem Hintergrund der Resilienz des deutschen Arbeitsmarkts?
5. Wie hoch ist der Anteil von Zuwanderern im Bereich einfacher
Tätigkeiten, und wie bewertet die Bundesregierung mögliche Verdrängungseffekte
für deutsche Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation?
6. Welche Auswirkungen für die deutschen Sozialsysteme sieht die
Bundesregierung durch den hohen Anteil von Migranten in einfachen Tätigkeiten
(vgl. Bundestagsdrucksache 20/13630, S. 19 f.)?
7. Welche zusätzlichen Bundesmittel wurden in den Jahren 2023 und 2024
für Maßnahmen zur sprachlichen, sozialen und beruflichen Integration
von Zugewanderten (einschließlich Unterbringung und Betreuung) ggf.
aufgewendet (bitte nach jeweiligem Jahr differenzieren sowie nach
Ressorts und Förderinstrumenten gliedern)?
8. Wie erklärt die Bundesregierung den anhaltenden Rückgang der
gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität in den Jahren 2023 und 2024,
obwohl die Zahl der Erwerbstätigen zunahm und gezielte Maßnahmen zur
Fachkräfteeinwanderung eingeleitet wurden, und welchen Einfluss misst
sie dabei der Zuwanderung geringqualifizierter Arbeitskräfte sowie der
Auswanderung hochqualifizierter Erwerbstätiger bei (vgl. Tabelle 5 auf
Bundestagsdrucksache 21/62, S. 33)?
9. Welche fünf Berufe oder Qualifikationsbereiche haben nach Kenntnis der
Bundesregierung den größten Anteil an der Zuwanderung seit 2023, und
wie steht dies im Verhältnis zu den angeblichen Fachkräfteengpässen in
systemrelevanten Branchen wie Pflege, Handwerk oder IT?
10. Welche politischen Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um die
Produktivität durch Automatisierung, Digitalisierung und
Investitionsförderung zu steigern, unabhängig vom Beschäftigungsaufwuchs?
11. Wie hoch waren die Gesamtausgaben der Bundesagentur für Arbeit und
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für Förderprogramme im
Jahr 2024, und wie wurden diese mit dem Ziel der
Haushaltskonsolidierung in Einklang gebracht (vgl. Bundestagsdrucksache 21/62, S. 12 ff.)?
12. Welche Evaluierungen liegen der Bundesregierung zur Wirksamkeit des
Bürgergeldes, des KiTa-Qualitätsgesetzes und des Qualifizierungsgeldes
vor, und wie hoch waren die jährlichen Kosten dieser Programme in den
Jahren 2023 und 2024 (vgl. Bundestagsdrucksache 21/62, S. 19 ff.)?
13. Wie begründet die Bundesregierung ihre Strategie, den Fachkräftebedarf
vorrangig über Migration zu decken, anstatt inländische
Erwerbspotenziale durch Weiterbildung, Qualifizierung und steuerliche Anreize zu heben
(vgl. Bundestagsdrucksache 21/62, S. 22 ff.)?
14. Wie viele Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung von
Müttern, Menschen mit Behinderungen und älteren Arbeitnehmern hat die
Bundesregierung seit 2023 ggf. initiiert, und welche Effekte wurden
dadurch erzielt?
15. Welche Maßnahmen trifft die Bundesregierung ggf., um sicherzustellen,
dass der Versuch, den Fachkräftebedarf unter anderem durch Migration zu
decken, nicht mit der Integrationsfähigkeit der Gesellschaft, dem sozialen
Frieden und der gesellschaftlichen Akzeptanz in Konflikt gerät?
Berlin, den 24. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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