Mögliche Belastung des 50-Herz-Stromnetzes durch Wind- und Solarenergie
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Mögliche Belastung des 50-Herz-Stromnetzes durch Wind- und Solarenergie
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3388
21. Wahlperiode 19.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Adam Balten, Dr. Malte Kaufmann, Marc Bernhard, Bernd
Schattner, Christian Reck, Christan Douglas und der Fraktion der AfD
Mögliche Belastung des 50-Herz-Stromnetzes durch Wind- und Solarenergie
Die sogenannte Energiewende stellt einen zentralen Pfeiler der
Bundesregierung dar und wird mit hohen Investitionen in den Ausbau erneuerbarer
Energien vorangetrieben. Im ersten Halbjahr 2025 deckten Wind- und Solarenergie
etwa 54 Prozent des Stromverbrauchs ab (www.cleanenergywire.org/news/rene
wables-share-slightly-down-germany-first-half-2025-wind-expansion-gains-s
team), wobei die Photovoltaik mit 16 Gigawatt (GW; www.agora-energiewend
e.de/fileadmin/Projekte/2025/2024-18_DE_JAW24/A-EW_351_JAW24_WE
B .pdf) einen Ausbaurekord erreichte und die Windenergie an Land rund
49 Milliarden Kilowattstunden (kWh; www.fachagentur-wind-solar.de/fileadmi
n/Veroeffentlichungen/Wind/Daten/FA_Wind_Solar_Status_des_Windenergie
ausbaus_an_Land_Halbjahr_2025.pdf) erzeugte. Dennoch kann die
wetterabhängige und schwankungsintensive Natur dieser Energieträger zu erheblichen
Belastungen des 50Herz(Hz)-Stromnetzes führen, insbesondere durch
Frequenzabweichungen, die die Systemstabilität gefährden.
Vor dem Hintergrund der steigenden geopolitischen Abhängigkeit von stabiler
Energieversorgung ist die Fähigkeit, das Netz vor Instabilitäten und
Externalitäten zu schützen, von zentraler Bedeutung. Die Nationale Sicherheitsstrategie
hebt die kritische Rolle der Energieinfrastruktur hervor. Besonders alarmierend
ist in den Augen der Fragesteller ein Vorfall am 19. und 20. März 2025, bei
dem es zu beispiellosen Schwankungen der Netzfrequenz kam, nämlich zu
Abweichungen auf unter 49,90 Hz, die massive Eingriffe der Netzbetreiber
erforderten, welche einen Blackout nur knapp verhinderten (www.windkraft-journa
l.de/2025/08/16/die-juengsten-ereignisse-im-deutschen-stromnetz-haben-eine-d
eutliche-warnung-ausgesprochen/215262). Solche Ereignisse unterstreichen
nach Auffassung der Fragesteller die Risiken der rasanten Transformation ohne
ausreichende gleichzeitige Stabilisierungsmaßnahmen und führen zu höheren
Strompreisen für Industrie und Privathaushalte durch Abregelungen von
Anlagen (www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/strompreise-netzentgel
t-windrad-stromnetz-128.html).
Die Bundesregierung hat in ihrer Roadmap Systemstabilität die Notwendigkeit
betont, den Netzbetrieb bei vollständiger Erzeugung aus erneuerbaren Energien
zu sichern, doch der Systemstabilitätsbericht 2025 (https://data.bundesnetzagen
tur.de/Bundesnetzagentur/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Un
ternehmen_Institutionen/NEP/Strom/Systemstabilitaet/2025.pdf) warnt vor
anhaltenden Herausforderungen durch fehlende Trägheit konventioneller
Kraftwerke. Angesichts der hohen Investitionen, der Netzausbau allein kostet
Milliarden, und der steigenden strategischen Relevanz stellt sich den Fragestellern
die Frage nach einer effizienten Nutzung und nach den Synergien zwischen
erneuerbaren und stabilisierenden Systemen.
Intelligente Messsysteme (sog. Smart Meter) werden häufig als unverzichtbare
Infrastruktur für eine stärkere Digitalisierung und Steuerung des
Stromver-brauchs dargestellt. Der TAB-Endarbeitsbericht zum Thema
„Moderne Stromnetze als Schlüsselelement einer nachhaltigen
Energieversorgung“ nimmt für Deutschland eine kritische Kosten-Nutzen-
Bewertung vor und identifiziert zentrale Voraussetzungen, die für eine
erfolgreiche und von der Bevölkerung akzeptierte Einführung erfüllt sein
müssen (https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000102257). Die für Deutschland
im Jahr 2013 vorgelegte offizielle Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) kam zu dem
Ergebnis, dass ein flächendeckender Rollout von Smart Metern gemäß dem
EU-Szenario weder gesamt- noch einzelwirtschaftlich vorteilhaft ist. Der
Bericht unterstreicht die Sensitivität solcher Analysen gegenüber den
zugrundeliegenden Annahmen, indem er das Beispiel Österreichs anführt, wo zwei separate
KNA trotz identischer Ausgangslage zu diametral entgegengesetzten
Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eines Rollouts kamen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Situation bezüglich
Frequenzstabilität im 50-Hz-Netz im Kontext der möglichen Belastungen
durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie, wie sie im Blackout auf der
Iberischen Halbinsel am 28. April 2025 exemplarisch zutage traten, bei dem
ein plötzlicher Verlust von 15 Gigawatt zu massiven Frequenzinstabilitäten
und einem flächendeckenden Ausfall führte (www.entsoe.eu/publications/bl
ackout/28-april-2025-iberian-blackout/#:~:text=The%20report%20highlight
s%20the%20exceptional,steps%20of%20the%20restoration%20phase),
sowie unter Berücksichtigung vergleichbarer Risiken im deutschen
Stromnetz?
2. Welche Kriterien wendet die Bundesregierung an, um mögliche
Belastungen des Netzes durch erneuerbare Energien zu definieren und zu messen,
und welche primären Gründe sieht die Bundesregierung für diese
Belastungen?
3. Hat die Bundesregierung Schlüsselkomponenten und Schlüsselindustrien
identifiziert, die für die Stabilisierung des 50-Hz-Netzes von grundlegender
Bedeutung sind?
4. Wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss auf die Stabilität unseres
ohnehin schon in den Spitzenzeiten überlasteten Stromnetzes im Hinblick
auf den massiven Ausbau von zusätzlichen Windkraft- und
Photovoltaikanlagen?
5. Welche Szenarien und Abläufe sieht die Bundesregierung im Falle eines
kontrollierten oder unkontrollierten Lastabwurfs vor, um einen
flächendeckenden Blackout zu verhindern, und nach welchen Kriterien erfolgt die
Priorisierung der Lastabwürfe?
6. In welchen Gebieten oder Regionen Deutschlands besteht bei einem
drohenden Netzzusammenbruch die besondere Gefahr, als erste vom Netz
genommen zu werden?
7. Welchen aktuellen Stand haben die damals angekündigten zentralen
Verordnungen (insbesondere die Messsystemverordnung und die Rollout-
Verordnung: www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Textsa
mmlungen/Energie/smart-meter.html), die die technischen
Mindestanforderungen und die Einbauverpflichtungen sowie deren zeitliche Organisation
festlegen sollten?
Berlin, den 15. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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